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Full text of "Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft"

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Zeitschrift 



der 



Deutschen geologischen Gesellschaft. 



XXVII. Band. 

1875. 



Mit vierundzwanzig Tafeln. 




Berlin, 1875. 

Bei Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung) 

Marien -Strasse No. 10. 



Inhalt. 



A. Aufsätze. Seite 
M. v. Tribolet. Geologie der Morgenberghornkette und der 
angrenzenden Flysch - und Gypsregion am Thunersee. 

(Hierzu Tafel I.) 1 

C. Struckmann. Ueber die Schichtenfolge des oberen Jura bei 
Ahlem unweit Hannover und über das Vorkommen der 
Exogyra virgula im oberen Korallen -Oolith des weissen 
Jura daselbst 30 

A. Baltzer. Geognostisch- chemische Mittheilungen über die 

neuesten Eruptionen auf Vulcano und die Producte der- 
selben. (Hierzu Tafel II-IV.) 36 

Ferd. Roemer. Ueber die Eisenerzlagerstätten von El Pedroso 

in der Provinz Sevilla 63 

O. Feistmantel. Ueber das Vorkommen von Nöggerathia 
foliosa Stbg. in dem Steinkohlengebirge von Oberschle- 
sien und über die Wichtigkeit desselben für eine Paral- 
lelisirung dieser Schichten mit denen in Böhmen. (Hierzu 
Tafel V.) 70 

R. Lepsiüs. Ueber den bunten Sandstein in den Vogesen, seine 

Zusammensetzung und Lagerung. (Hierzu Tafel VI.) . . 83 

Herm. Credner. Die granitischen Gänge des sächsischen Gra- 

nulitgebirges. (Hierzu Tafel VII.) 104 

R. Richter. Aus dem thüringischen Schiefergebirge. (Hierzu 

Tafel VIII.) 261 

W. Reiss. Bericht über eine Reise nach dem Quilotoa und dem 

Cerro hermoso in den ecuadorischen Cordilleren . . . 274 

G. vom Rath. Beiträge zur Petrographie. (Hierzu Tafel IX. u. X.) 295 

B. Stüder. Die Porphyre des Luganersee's 418 

L. v. Fellenberg. Analysen zweier Porphyre aus dem Ma- 

roggiatunnel im Tessin 422 

Ferd. Roemer. Ueber C. E. v. Baer's Bos Pallasii aus dem 

Diluvium von Danzig. (Hierzu Tafel XI.) 430 

Klette. Ueber Anatas und Brookit von Wolfshau bei Schmiede- 
berg in Schlesien 442 

F. Hoppe-Seyler. Ueber die Bildung von Dolomit. (Hierzu 

Tafel XII.) 495 



IV 



Seite 



J. Lemberg. Ueber die Serpentine von Zöblitz, Greifendorf und 

Waldheim 531 

J. Roth. Ueber die neue Theorie des Vulcanismus des Herrn 

R. Mallrt 550 

H. Laspeyres. Ueber die Krystallform des Antimons. (Hierzu 

Tafel XIII. u. XIV) 574 

E. Kalkowsky. Rother Gneiss und Kalkstein im Wilischthal 

im Erzgebirge 623 

R. Hoernes. -Ein Beitrag zur Gliederung der österreichischen 

Neogenablagerungen 631 

W. C. Brögger und H. H. Reusch. Vorkommen des Apatit 

in Norwegen. (Hierzu Tafel XV bis XIX.) 646 

H. v. Dechen. Ueber den Quarzit von Greifenstein im Kr. Wetzlar 761 
E. Kayseü. Ueber die BiLLiNGs'sche Gattung Pasceolvs und ihre 

Verbreitung in paläoz. Ablagerungen (Hierzu Tafel XX.) 776 
H. Loretz. Einige Petrefacten der alpinen Trias aus den 

Südalpen. (Hierzu Tafel XXI. bis XXIII.) 784 

H. 0. Lang. Ueber die Absonderung des Kalksteins von Ellie- 
hausen bei Göttingen. (Hierzu Tafel XXIV.) .... 842 
M. Neumayr. Die Ammoniten der Kreide und die Systematik 

der Ammonitiden 854 

B. Briefliche Mittheilungen 

der Herren Hilgendorf und Gottsche 224 

der Herren F. Sscmidt, F. Fouque, M. Scholz, v. Tribolet 

F. Sandberger, K. A. Lossen, Des Cloizeaux, Ant. 

D' Achiardi und N. St. Maskelyne 444 

der Herren Traütschülü, v. Koenen und Fer^. Roemer . . . 703 
der Herren Seguenza , O. Feistmantel , M. Bauer und Des 

Cloizeaux 943 



C. Verhandlungen der Gesellschaft.. . . 229. 465. 709. 958 



| " " 

Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 



XXVII. Band. 

h Heft. 



Januar bis März 1875. 




(Hierzu Tafel I— VII.) 



Berlin, 1875. 

Bei Wilhelm Hertz (Bessersohe Buchhandlung). 

Marienstrasse No. 10. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

1. Heft (Januar, Februar und März 1875). 



A. Aufsätze. 



1. Geologie der Morgenberghornkette und der angren- 
zenden Fh seh - und Ctypsregion am Thunersee. 

Von Herrn Maurice von Tribolet in Neuchätel. 

Hierzu Tafel I. 

Die geologische Commission der schweizerischen natur- 
forschendeD Gesellschaft übertrug mir letzten Frühling die 
Bearbeitung der südlich vom Thuner- und Brienzersee, der 
Aare, des Gadmenthales , Sustenpass und Meienthales gele- 
genen Partieen des Blattes XIII des Dufour- Atlas (1:100). 
Die Gegend davon, welche ich letzten Sommer auf Grundlage 
der Karte 395 (Lauterbrunnen) des neuen topographischen 
Atlas (1:50) untersucht habe, liegt auf der westlichen Seite, 
am Thunersee. Es ist das grosse Massiv (eher die Kette) des 
Morgenberghorn, sowie auch die Flysch - und Gypsregion, 
weiche sich zwischen ihr, dem Thunersee und dem Suldthale, 
erstreckt. 

Diese Gegend nämlich ist geologisch um so interessanter, 
als sie uns Erscheinungen bietet, wie sie seiner Zeit von 
A. Escher von der Linth*) (auf den Beobachtungen seines 



*) Gemälde des Kanton Glarus, 1839—42. — Studeu's Geologie der 
Schweiz, II. pag. 46, 186-188. — Heek's Biographie Escheh's pag, 173, 
186, 190, 

Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 1 . 1 



2 



Vaters weiter bauend) und neuerdings von Baltzer*) und 
Heim**) so ausgezeichnet in den GJarneralpen nachgewiesen 
und beschrieben wurden. Es sind dies grossartige, meilenweit 
ausgedehnte Ueberstürzungen , infolge deren die ganze strati- 
graphische Aufeinanderfolge der verschiedenen Terrains die 
umgekehrte ist. Natürlich können nur ungeheure Umwälzungs- 
phänomene damit in Verbindung gestanden haben. Wie auch 
Studer richtig bemerkt***), lassen die hohen Terrassen, in 
denen die Gebirge oberhalb Lauterbrunnen und Grindelwald 
(Jungfrau und Wetterhorn) schroff gegen den Thuner- und 
Brienzersee abfallen , auf ganz gewaltige Verwerfungen schlie- 
ssen. Was aber die eigentlichen Ursachen davon gewesen 
sind, bleibt noch vorbehalten. Nach der Besprechung der 
stratigraphischen und palaeontologischen Verhältnisse dieser 
Gegend werde ich dann versuchen , Einiges zur Erklärung 
dieser merkwürdigen Verhältnisse beizufügen. 

Bis noch vor wenigen Jahren war die Morgenberghorn- 
kette allgemein als eine normale angesehen , d. h. als eine, 
wo sich die verschiedenen Terrains, in ihren mächtigen Fels- 
abstürzen, regelmässig aufeinander folgen. Es ist das Verdienst 
von Th. Studer f) , die wirkliche Stratigraphie dieser Kette 
zuerst erkannt und publicirt zu haben. In seiner kurz ge- 
fassten Schrift (anlässlich einer von der Berner Universität 
ausgeschriebenen Preisfrage) giebt uns Th. Stüder eine treff- 
liche Beschreibung der Morgenberghornkette, begleitet von eini- 
gen Profilen , welche den kurzen Text verdeutlichen sollen. 
Der kurze diesem Studium gewidmete Aufenthalt erklärt 
es, dass der Verfasser in seinem Eifer noch mehr Verwirrung 
in diesem Gebirge erkennen will , als solche eigentlich vor- 
handen ist. In drei seiner Schriften , aber besonders in der 
Geologie der Schweiz II. berührt Prof. Stüder die Gegend 



*) Der Glärisch, ein Problem alpinen Gebirgsbaues , Zürich 1S73. 
— In dieser vortrefflichen und äusserst detaillirten Monographie schätzt 
Baltzer die Länge dieser sogen. Glarner-Doppelschlinge auf 12 Stunden 
und die Breite auf 5; daraus würde dann ein gesammter Flächenraum 
von 60 Qnadratstunden erfolgen. 

**) Vierteljahrschrift d. Zürcher naturforsch. Ges. pag. 243, 1871. 
**») Erläuter. zur geol. Karte der Schweiz 1869. 

f) Mittheil, der naturforsch. Ges. in Bern 186S. 



die ich hier beschreibe.*) E. Favre**), Fischer- Ooster***) 
und W. A. OoSTERf) behandeln noch in einigen Abhandlungen 
einzelne Punkte daraus. Was noch die geologische Karte der 
Schweiz von Bachmann (zweite Auflage derjenigen von Studer 
und Escher) betrifft, so kann ich sagen, dass sie für unsere 
Gegend gänzlich verfehlt ist. Einzig und allein für die Gyps- 
zone zwischen Leissigen und Faulensee ist sie richtig; sonst 
aber setzt sie uns Kreide am See hin, wo keine Spur davon 
zu finden ist (diese Angabe rührt wahrscheinlich davon her, 
dass W. A. Ooster in seinen „Cephalopodes suisses" 
cretacische Belemniten nnd Ammoniten [Bei. pistilliformis, Am. 
Grasi, CornueliJ von oberhalb Leissigenbad beschreibt, welche 
sich da nur in losen , vom Morgenberghorn heruntergestürzten 
Blöcken haben finden können) und lässt die Kette von Morgen- 
berghorn aus Flysch und Nummulitenbildung bestehen , was 
gar nicht der Fall ist. 

Die Morgenberghornkette , zwischen dem Bödeli (Ebene 
von Interlaken) und den Thälern der Lütschine, von Saxeten 
und der Suld gelegen, erhebt sich an der südlichen Ecke des 
Thunersee. Auf einer Länge von 9£ Kim. erstreckt sie sich 
in der Richtung von SW nach NO , vom Suldthale bis zum 
Bödeli. Dieser mehr oder weniger scharfe Grat erniedrigt 
sich allmälig von S nach N und besitzt als extreme Gipfel 
das Morgenberghorn (2251 M.) und den kleinen Rügen (739 M.). 
Dazwischen liegen das Schiffli (2171 M.) , Leissigengrat 
(2035 M.), die Rothenegg (1900 M.) , das Därligengrat 
(1822 M.), den Abendberg (1257 M.) und grossen Rügen 
(1071 M.). Zwischen diesem Berge und dem kleinen Rügen 
befindet sich das Querthal oder die Kluse von Wagneren, 
welche die hier ziemlich enge Kette von der einen Seite zur 
anderen durchbricht. Als directe Fortsetzung dieser Kette 
kann im Süden das Massiv des Dreispitz gelten ff) (Littlihorn 

*) Auch in seiner Geologie der westlichen Schweizeralpen, 1834, 
pag. 48, 52, 82, 99, 139, 198. 

**) Geologie der Ralligstöcke 187-2. 

***) Mittheil, der naturforsch. Ges. in Bern 1862; foss. Fucoiden 
der Schweiz 1858. 

f) Cat. des Cephalop. des Alpes Suisses 1857 — 63. 

ff) Der Grund zu dieser Annahme liegt in den stratigraphischen 
Verhältnissen dieser Gruppe, welche gänzlich denjenigen des Morgenberg- 
horn ähnlich sind. Das südliche starke Einfallen der Schichten dieses 



1* 



4 



1974 M., Lattreienfirst 2131 M., First 2412 M. , Dreispitz 
2522 M., Höchstfluh 2104 M.), welches in derselben Richtung 
streicht und sich vom Suldthal nach dem Kienthal erstreckt, 
in einer Entfernung von h\ Kim. 

Auf der Nordseite verhält es sich anders. Unser Gebirgs- 
zug kommt, mitten in der Ebene von Interlaken sein Ende 
zu nehmen, indem derjenige, welcher als seine weitere Fort- 
setzung angesehen werden könnte, am Anfange derselben, bei 
Neuhaus anfängt, d. h. ungefähr 1000 M. oder eine halbe 
Stunde weiter links. Es ist dies der Zug des Härder 
(1654 M.), der Rothfluh (1735 M.) , Horetegg (1810 M.), des 
Augstmatthorn (2140 M.) etc. An einen geographischen Zu- 
sammenhang dieser beiden Ketten wäre nicht zu denken, wenn 
nicht die stratigraphische Zusammensetzung dieser letzteren 
gänzlich derjenigen des Morgenberghorn analog wäre. Schon 
bei einem blossen Anblick aus der Ferne sieht man eine 
ähnliche äussere Form, sowie auch ein gleiches Streichen und 
Schichtenfallen. Man wird wohl nun verstehen , dass Prof. 
Stüder zuerst diese Zusammengehörigkeit aussprach. Zu 
seiner Erklärung aber setzt er eine ungeheure Faille voraus, 
welche auf einer Länge von beinahe zwei Stunden durch die 
Mitte des Bödeli und des oberen Tbunersee sich erstrecken 
soll. Damit geht auch Hand in Hand eine auf die Richtung 
dieses Gebirges mehr oder weniger senkrechte Verschiebung. 
Wie dieser grosse Gelehrte es ferner sagt, ist die Annahme 
zweier solcher Agentien nöthig, um die Formationen der bei- 
den Seeufer in Verbindung zu setzen, eine Annahme, welche 
sich durch die tbeilweise Faltung des Gebirges unterstützen 
mag. ,,Die grossen Querthäler unserer Alpen , so fährt Prof. 
Stüder fort, haben tiefere Bedeutung als man ihnen zuweilen 
zuschreiben will. Es sind nicht einfache Spaltenthäler wie die 
Klüsen des Jura und nicht weniger Erosionsthäler , erzeugt 
durch das allmälige Eingraben der Ströme oder Gletscher." 

Ein Jahr darauf schloss sich auch E. Favre die- 
ser Meinung an. Er sagt auch, dass die Formationen der 



letzteren oberhalb der Brunnialp und an der Schweinfluh, entspricht aus- 
gezeichnet ihrer Lage am Littlihorn, wo noch eine kleine Ueberstürzung 
und Biegung derselben sichtbar sind. 



5 



beiden Seeufer nicht mit einander correspondiren und dass 
nur am Anfange der Hardergruppe , gegen das Habkerenthal, 
eine Analogie mit der Structur der Morgenbergbornkette wahr- 
zunehmen sei. 

Bis jetzt haben wir nur die unmittelbare Fortsetzung der 
Längsaxe unserer Kette betrachtet. Fassen wir nun jetzt die 
seitliche ins Auge. Die Spitze des Morgenberghorn , welche 
mit der Schweinfluh mehr oder weniger steil gegen das Suld- 
thal abfällt, bildet einen dreikantigen Gipfel, dessen obere 
Kante den Anfang des weiteren nördlichen Gebirges bildet. 
An die westliche oder linke schliesst sich ein waldiger 
Höhenzug an, welcher sich allmälig gegen die Hochebene von 
Aeschi - Ried und Aeschi erniedrigt. Es sind die Brunnispitze 
(1666 M.) , Hornegg (1600 M.) , der Birchenberg (1425 M.), 
Ginacker (1410 M.) und die Aeschi- Allmend (1212 M.). 
Zwischen diesem flacheren Höhenzug und der höheren Morgen- 
berghornkette gelegen , haben wir eine dreieckförrnige Flysch- 
region, welche vom See aus überall stark hinaufsteigt und 
von zahlreichen Wildbächen (Kreuz-, Ried-, Spiessi-, Buch- 
holz-, Holzenbach) durchzogen und zerfressen ist. 

Die südliche Kante der Morgenberghornspitze erstreckt 
sich noch in einer Entfernung von 1\ Kim. bis zum Passe 
Tanzbödeli *) (1880 M.) , wo unser Massiv aufhört und das- 
jenige ausgedehnte der Schwalmern (2785 M.) anfängt mit den 
Vorhöhen von Auf dem Wasmi (2010 M.) und Schwalmern- 
schiffli (2256 M.). Vom Passe Tanzbödeli hinunter fliesst der 
sogen. Tanzbödelibach , welcher mit dem Saxetenbach, der im 
Grunde des Saxetenthals fliesst, die westlichen Grenzen des 
uns hier beschäftigenden Gebirges bildet. Rechts vom Saxeten- 
thal befinden sich dann die Massive des Bellenhöchst (2091 M.), 
der Sulegg (2412 M.) und der Lobhörner (2570 M.), welche 
alle noch einer weiteren geologischen Bearbeitung bedürfen. 

Nach diesen einigen geographischen und orographischen 
Betrachtungen gehe ich nun über zur speciellen Behandlung 
der verschiedenen in dieser Kette auftretenden Terrains und 



*) Der meist gebrauchte Name von Rengglipass ist nur irriger- 
weise in Anwendung gebracht worden ; denn Renggli heisst nur die Alp, 
welche unterhalb des Passes gegen das Suldthal liegt. 



6 



beginne mit dem jüngsten, dem Flysch, um von da aufwärts 
und mittelst dieser merkwürdigen Aufeinanderfolge zu den 
ältesten zu gelangen. 



Flysch, Stüder 1827.*) 

Dieses in den Schweizeralpen so ausgedehnte Gebilde 
erstreckt sich in unserem hier zu beschreibenden Gebiete von 
Faulensee und Aeschi aus, längs des Thunersee und des Suld- 
thales hoch hinauf zu den kalkigen Abstürzen der Morgen- 
berghornkette. Prof. Stüder betrachtet diesen Flysch sowie 
auch denjenigen des Härder im Habkehrenthaie und des Drei- 
spitz (in dem von ihm westlich gelegenen Lande), als einen 
wahren und typischen , entsprechend dem Macigno und Al- 
berese des Apennins. Vom Seeufer (560 M.) aus finden wir 
den Flysch bis zu einer Höhe von beinahe 1800 M. hinauf- 
steigen, also in einer Mächtigkeit von 1240 M. , eine Zahl, 
welche nicht erschrecken darf, wenn man bedenkt, dass sie in 
der Niesenkette (bei Orcieres) und im Dauphine (n. Lory) zu 
2000 M. wird. Dass diese grössere Mächtigkeit aber einer 
etwaigen Fältelung dieses Schiefermaterials zuzuschreiben ist, 
werden wir später sehen. 

Wie alle Flyschgebiete, bildet unseres ein weit und breit 
mit Matten und Weiden bedecktes Hügelland, so dass seine 
Gesteine verhältnissmässig wenig an die Oberfläche treten. 
So würde es einem wohl schlecht ergehen , der auf den 
Ebenen von Faulensee und Aeschi -Ried nach Flysch forschen 
würde: hie und da lose verwitterte Sandsteinblöcke**) , sonst 
keine Spur von den ihn bezeichnenden Gesteinen. 

*) Ann. Sc. nat. — Bekanntlich wurde diese Benennung als eine 
rein petrographische zuerst auf ein schiefriges Gestein vom Simmenthai 
angewandt. 1848 (Acta helvet. von Solothurn) liess Prof. Stüder diesen 
petrographischen Werth fallen und schlug den Namen nur für die auf 
die Nummulitenbildung liegenden Schiefer und Sandsteine vor, indem er 
dann als gvaue Schiefer diejenigen von Doch unbestimmtem geologischen 
Alter bezeichnete. Eine histoi-ische Entwickelung davon befindet sich in 
seinem trefflichen Index der Petrogr. u. Stratigr. Bern 1872, sowie auch 
in Fischer-Oostrr, die foss. Fuco'iden der Schweizeralpen, Bern 1858. 

**) Diese finden sich manchmal von ungeheurer Grösse. So z. B. 
derjenige von Längacker oberhalb Leissigenbad, welcher 7— SM, Länge 
auf 3—4 M. Höhe beträgt. 



Erst durch die Bauten der neuen Strasse von Leissigen 
nach Aeschi, ist die echte Flyschnatur dieser Region mit 
Sicherheit erkannt worden. Auch sein Vorkommen hie und da 
auf der Aeschi-Allmend , den Ginacker- und Birchenbergalpen, 
bestätigt dies. Erst von einer Linie aus, welche von Leissigen- 
bad nach der Gräbernspitze und nach Osten gezogen würde, 
hätte man dann die echte typische Entwickelung des Flysch 
in unserer Gegend. Wir finden ihn hier besonders in den 
zahlreichen Tobein auftreten, welche von der Morgenberghorn- 
kette und den Brunni- und Gräbernspitzen gegen den See hin- 
fliessen. Auf der Ramsernalp, am Quellengebiet des Buch- 
holzbachs, kommt er am schönsten mächtig entwickelt vor; 
so auch auf der Hornegg und unterhalb der Brunnispitze ; da- 
neben noch mehr oder weniger in allen Tobein. 

Was die unseren Flysch zusammensetzenden Gesteine an- 
betrifft, so sind es bei Weitem die grauen Fucoidenschiefer, 
welche am meisten verbreitet sind. Ueberall sind sie zu finden, 
wo nur Flysch zu Tage kommt. Mehr untergeordnet sind die 
dunklen quarzreichen Sandsteine, welche sich bei der Verwit- 
terung infolge ihres grossen Eisenreichthums mit einer gelblich- 
braunen Kruste überziehen. Wo sie auftreten (Krattiger Säge, 
auf der Strasse zwischen Leissigenbad und Leissigen , am 
Kreuzbach, Bachtenfall im Suldthal), finden sie sich in bis 
1 M. mächtigen Schichten, welche immer mit dünneren Schiefer- 
lagen regelmässig abwechseln. Am Kreuzbach (Curve 780 der 
Karte) werden sie seit mehreren Jahren als Pflastersteine im 
Kleinen ausgebeutet. 

Unmittelbar an die Nummulitenbildung angrenzend und in 
ihre analogen Gesteine übergehend, finden wir längs der ganzen 
Morgenberghornkette gelblich-braune, schiefrige und leicht ver- 
witternde Sandsteine, welche hauptsächlich am Brunni - Schaf- 
berg und in den Telliweiden entwickelt sind. Die strati- 
graphische Aufeinanderfolge der beiden vorher besprochenen 
Gesteinsarten ist eine unregelmässige. Auch haben wir dazu 
sehr wenige Aufschlüsse. Derjenige des Bachtenfalls (wenn 
man von den Suldhäusern nach Lauenen geht) ist der deut- 
lichste. Wir finden hier von unten nach oben: 
I. gewöhnliche graue Fucoidenschiefer, 
II. quarzreiche weissliche Sandsteine mit mehr oder 
weniger feinem Korne, 



8 



III. gelblich - braune , glimmerreiche Sandsteine; ein 
wenig schiefrig, 

IV. gewöhnliche graue Fuco'idenschiefer. 

Als letzte Gebirgsart unseres Flysch müssen wir noch ein 
Conglomerat mit alpinen Gerollen anführen, welches am Ende 
der Krattiger Halden gegen Leissigenbad, mitten unter Schie- 
fern und Sandsteinen auftritt. Als ein im Flysch sehr häufig 
vorkommendes Mineral sei hier des Schwefelkies erwähnt, 
welcher darin entweder in kleineren eingesprengten Stücken 
oder in grösseren nierenförmigen auftritt. 

An Petrefacten ist bekanntlich der Flysch höchst arm und 
enthält ausschliesslich niedere Pflanzen. Von Thieren ist bei 
ihm keine Rede. Er muss also eine Bildung sein, welche sich 
in tiefem und schlammigem Wasser abgesetzt hat, und das 
unter Verhältnissen, welche das Leben von Thieren unmöglich 
gemacht haben. Die häufigsten Fucoiden sind: 

Caulerpites tenuis F.-O. — Hochlauenengraben ob Leissigen. 
Taonurus Brianteus F.-O. — ßrunni-Schafberg. 
Chondrites aequalis Brong. — Hochlauenengrab. 

,, affinis Brong. 

,, arbuscula F.-O. 

,, expansus F.-O. 

,, Fischeri Heer (aequalis F.-O.). 

,, inclinatus Sternb. — Hochlauenengrab. 

,, intricatus Sternb. — Fritzenbach ob Leissigenbad. 

„ Targioni Sternb. — ,, ,, ,, 

Herr v. Fischer-Ooster*) erwähnt noch als von den 
Umgebungen von Leissigen stammend: 
Münsteria Schneiden Göpp. 
Cylindrites a?'teriaeformis Göpp. 
.,, daedaleus Göpp. 
Drei Arten, welche er der Kreide als unbestritten zuzu- 
rechnen glaubt, weil sie von Göppert (Nov. Act. A. N. C., 
XIX.) zuerst aus dem Quadersandstein Schlesiens beschrieben 
worden sind. Das ist aber keine Ursache, diejenigen Exem- 
plare, welche in unseren Alpen gefunden wurden, auch aus 
der Kreide stammen zu lassen. Man hat auch zahlreiche 



*) Die fossilen Fucoiden der Schweizeralpen IS58. 



9 



Beispiele von Uebergängen fossiler Organismen aus der Kreide 
in die Tertiärformation und das besonders von niederen Pflanzen 
(Fucoi'den). So hat z. B. von der Marck*) die Chondrites 
intricatus und Targioni aus der oberen Kreide Westfalens be- 
schrieben. Dazu bestehen die Umgebungen von Leissigen 
ausschliesslich aus Flysch. Im Allgemeinen möchte ich nicht 
zweifeln , dass diese Exemplare in losen Blöcken gefunden 
worden sind ; denn nach dem äusseren Facies des Gesteins 
zu urtheilen, scheinen sie mehr unterjurassisch (Eisenstein) als 
cretacisch oder tertiär. Uebrigens sagt Schimper**), dass diese 
Arten „des formes tout-ä-fait indechiffrables" darstellen. 

Im Ganzen und Crosse« ist dieses Flyschmassiv nach der 
Morgenberghornkette orientirt (hör. 12| O.). Auf der Aeschi- 
Allmend fangt aber eine Deviation nach Westen (13f- W.), 
welche am See, bei Krattigen und Faulensee , NW orientirt 
ist. Das Fallen variirt ungefähr von 40 — 50 °. Am stärksten 
ist er unterhalb der kalkigen Abstürze des Morgenberghorns. 
Streichen- und Fallanomalien, welche unzweifelhaft mit Erd- 
rutschungen oder localen Einstürzungen (offenbar durch allmä- 
liche Auslaugung des darunterliegenden Gypses) zusammen- 
hängen und nicht näher zu untersuchen sind, befinden sich 
auf der Strasse von Leissigen nach Aeschi, über dem Leissigen- 
bad und am Abhang des Buchholzkopf, gegen den See. Am 
ersteren Orte scheinen die Schiefer deutlich nach Norden zu 
fallen; am letzteren sind sie 60 — 70° nach Süden geneigt. 

Hand in., Hand mit dem Flysch haben wir noch den Gyps 
zu behandeln, welcher in unserer Karte an zwei Orten darin 
auftritt, an der Burgfluh bei Faulensee und in der ganzen 
Gegend längs des Sees, zwischen diesem Dorfe, Krattigen, 
Aeschi - Ried und Leissigenbad. Beide Vorkommnisse sind 
ohne Zweifel eine Fortsetzung von einander, wie Profil 3, 
Taf. I. zeigt. Wie Prof. Stüder ***) bemerkt, bilden sie höchst 
wahrscheinlich einen Theil der langen eocänen Gypszone, 
welche sich von Thones in Savoien aus, über Bexf), dem Col 

*) Palaeontographica, Juli 1863. 

**) Paleont. vegetale I. pag 200. Sapouta hat auch in der oberen 
Kreide von Biarritz die Chondriten des Flysch erkannt. 

***) Index etc. pag. 115. 
f) Nach Chavannes scheint in der That der hier mit Steinsalz zu- 
sammen und in unmittelbarer Nähe des Lias auftretende Gyps nicht 



10 



du Pillon, dem Engstlenthale, Mühlenen, den Ralligstöcken*), 
dem fiiswylerstock, Stanz, Iberg, bis in den Vorarlberg (Um- 
gebung von Dornbirn) erstreckt. Ein eocenes Alter kann in 
der That, für ihr Auftreten auf unserer Karte, nicht in Zweifel 
gesetzt werden. Wie aus den Profilen 1, 2, 3, Tafel I. leicht 
zu erkennen ist, liegt dieser Gyps deutlich unter dem Flysch; 
ist aber älter als dieser und würde zwischen ihm und der 
Nummulitenbildung zu stehen kommen. Er bildet ein Ge- 
wölbe unter diesem , welches im ersten Steinbruche der 
Krattiger Halden (Profil 4, Tafel I.) sehr deutlich zu sehen 
ist. In diesen Halden setzt er wohl 80 M. hohe Fels- 
wände zusammen , deren Mächtigkeit uns dann durch diese 
Gewölbestructur erklärlich wird. Dieses also bewiesene Alter 
des Gypses am Thunersee würde die Beobachtungen von Ern. 
Favre**) und Gillieron ***) bestätigen, welche Lager ähnlichen 
Alters aus den Umgebungen von Iberg (Schwyz) und den 
Waadtländer- und Freiburgeralpen beschrieben haben. Sein 
ausschliessliches triassisches oder rhätisches Alter in den Alpen 
(wie mehrere Geologen es noch glauben) ist also beseitigt. 

Das grössere Gypsvorkommen am See bildet eine lange 
und schmale Zone von durchschnittlich | Kim. Breite und 
besitzt eine Länge von 4^ Kim. Sie erstreckt sich 3\ Kim. 
weit längs des Sees, von Auf dem Schopf bei Faulensee bis 
nach Leissigenbad. Da bildet sie eine plötzliche Krümmung 
senkrecht auf ihre erste Erstreckung und geht noch über 
Fritzenbach und Waldweid \\ Kim. weit hinauf bis nach 
Hellweid (978 M.) , am Fusse der Aeschi- Allmend. Dieses 
unerwartete Einschreiten des Gypses in das Flyschmassiv ist 
mit zahlreichen Terrainstörungen verbunden, wie es überhaupt 
in der Nähe von solchen Lagern in unseren Alpen zu sein 
pflegt. So finden wir von Rothenbühl an bis nach Hellweid, 
den Gyps mehr einem sehr grobkörnigen Conglomerate gleichen. 

triasischen, wohl aber eocenen Alters zu sein (siehe: Note sur le gypse 
et la Corgneule dans les Alpes Vaudoises 1873). 
*) Ralligstöcke 1872. 

**) Archives Biblioth univers. 1865; op. cit. 
***) Archives 1872; Acta helvet. 1872; Beitr. zur geol. Karte der 
Schweiz 12. Lief. — Gillieron hat sogar noch am unteren Theile des 
Kimme'ridien der Freiburgeralpen einen neuen Gyp-horizont entdeckt und 
darin beschrieben. 




Alle Spuren der ursprünglichen Schichtung (Beweis von Absatz 
aus Wasser*)), wie sie so schön am See zu beobachten ist, 
sind verschwunden. Offenbar haben wir es hier mit einer 
Reihe von kleineren Verwerfungen und anderen Störungen zu 
thun, welche den Flysch vom Gypse trennen und diese Grenz- 
profile so so sagen zur Unmöglichkeit machen. 

Man kann wohl sagen , dass die Qualität dieses Gypses 
mit seiner Farbe variirt und von derselben abhängt. So ist 
er schön weiss und mehr oder weniger rein an den beiden 
Extremitäten seines grösseren Auftretens, bei Auf dem Schopf 
und Leissigenbad, sowie auch an der Burgfluh, wo er exploi- 
tirt wird. In seiner Mitte, an den Krattigen Halden, wo er 
in drei Steinbrüchen ebenso ausgebeutet wird, ist er sehr 
unrein, graulich bis dunkelgrau, bröcklig und enthält ohne 
Zweifel tbonige oder mergelige Beimengungen. Hie und da 
(Fritzenbach, Hellweid) zeigt er ein gröberes Gefüge, welches 
fast ausschliesslich aus einzelnen, mehr oder weniger ausge- 
bildeten Krystalloiden besteht, die alle die charakteristische 
vollkommene Spaltbarkeit nach den Längsflächen des Prismas 
besitzen.**) An der Burgfluh und bei Auf dem Schopf scheint 
er mit einer dünnen Schicht von grauer Corgneule (Rauhwacke) 
bedeckt zu sein. Wie bei allen Gypsvorkommnissen findet sich 
häufig in Drusenräumen oder Spalten Schwefel abgesetzt, 
welcher durch die bekannte Reduction des schwefelsauren 
Kalkes durch organische Substanzen zur Bildung gekommen 
ist. Noch erwähnt Kenngott (Minerale der Schweiz pag. 37) 
lückenhaft ausgebildete Quarzkrystalle. 

Das Streichen und Fallen dieser Gypszone am See sind 
die gleichen wie beim Flysch (40-50).***) Bei der vorhin ge- 
nannten Krümmung nach Süden wird das Fallen immer steiler, 



*) Trotz der neueren Untersuchungen von Cwavannes und anderen, 
bin ich immer geneigt, den Gyps als Wasserabsatz zu betrachten; denn 
obgleich er niemals oder nur selten Petrefacten enthält, so sprechen immer 
dafür alle Verhältnisse seines Auftretens. 

**) Diese Ausbildung des Gypses wird es wohl sein , die Kenngott 
(Minerale der Schweiz pag. 336) als blättrige bis strahlige, zu stalak- 
titischen Massen verwachsen, beschreibt. 

***) In dem Krattiggraben allein scheinen die Schichten nach Norden 
gelegen zu sein 



12 



sodass es bei Rothenbühl zwischen 60 — 70 (anomales Strei- 
chen NO-SW) erreicht. Von da an verschwinden beide ver- 
möge der Terrainstörungen, die ich weiter oben erwähnt habe. 

Als eine Folge dieses grossen Gypsreichthums kann man 
die Schwefelquellen ansehen , welche wir in dieser Gegend 
finden. Wo sie vorkommen, am Leissigenbad (drei Quellen), 
den Hochlauenenweiden und auf beiden Seiten der Rarnsernalp, 
treten sie aus Flysch hervor und nicht unmittelbar aus Gyps: 
eine Thatsache, welche nur vermuthen lässt, dass unser 
Gypslager sich noch weit unter dem Flysch erstreckt. Nach 
Urkunden ist zu urtheilen , dass die Quelle von Hochlauenen 
schon gegen 1700 als sogen, Lämmelibad bekannt und benutzt 
war. Jetzt ist sie gänzlich verfallen, sowie auch die Quellen 
von Leissigenbad. 

Nummulitenbildung, auct. 

Wie der Flysch , so ist diese Formation auch zuerst in 
unseren Alpen erkannt und festgestellt worden. A. Brongniart 
gehört das Verdienst, zuerst auf ihre Aehnlichkeit mit den 
Nummuliten - führenden Schichten des Pariser Beckens auf- 
merksam gemacht zu haben. So wurde ihr wirkliches Alter 
erkannt und folglich auch ihr stratigraphischer Horizont fest- 
gestellt. 

Die Nummulitenbildung bildet vom Suldthale aus bis nach 
dem Bödeli, ein schmales, höchstens 10 — 15 M. mächtiges 
Band (hie und da zu 4 — 6 M. zusammengeschrumpft), welches 
zwischen dem Flysch und dem unteren Theile der kalkigen 
Abstürze , dem Seewerkalk , liegt. Wie Profil 5 Tafel I. es 
zeigt, bietet sie uns ob der Brunnialp interessante Biegungen 
mit dem Seewerkalk, welche Th. Studer nicht beobachtet zu 
haben scheint und die doch deutlich zu sehen sind.*) Eine Auf- 
lagerung des Kalkes auf dem Sandstein (eigentlich Unter- 
lagerung, wenn man bedenkt, dass wir es hier mit einer über- 
worfenen Kette zu thun haben), wie sie von Studer angegeben 
wird, ist wohl schwerlich zu beweisen wegen der zahlreichen 



*) Ein Theil der Felsen, die an der Strasse von Leissigen nach Där- 
ligen stehen, gehören der Numniulitenbildung an. Ihr vielfaches Schichten- 
fallen, sowie auch ihre anomale Lage beweisen genug, dass sie nicht 
anstehend sind. 



Schuttmassen, die den unteren Theil der Felsabstürze gänzlich 
bedecken. Damit ist aber nicht gesagt, dass diese Beobach- 
tung falsch sei. Sandsteine und Kalk enthalten zahlreiche 
Nummuliten nebst einigen seltenen Pelecypoden. Was ich 
darin aufgelesen, ist: 

Dentalium sp. ? — Därligen. 

Fimbria sp.? — Därligen. 
* , )Avicula fragilis Dfr. — Därligen. 

* ,, transversa — Därligen. 

* Sphenia cuneiformis — Därligen. 

* Pecien escharoides — Därligen. 

* ,, solea Dsh. — Därligen. 
,, sp.? — Brunnischafberg. 

* Ostrea cubitus Dsh. — Därligen. 

* ,, cyathula Lk. — Därligen. 

* Nummulina Biarritzensis Arch. — Därligen. 

* ,, Ramondi Dfr. — Leissigengrat. 

,, intermedia Arch. — Brunnischafberg. 

nummularia Orr. — Brunnischafberg. 
„ Fortisi Arch. — Brunnischafberg. 
,, sella Arch. — Brunnischafberg. 
,, striata Orr. — Brunnischafberg. 
Orbitoides discus Rüt. — Brunnischafberg. 

,, papyraceus Botjr. — Därligen, Leissigengrat, 
Brunnischafberg. 

Wohl aber ist diese Auflagerung auf der nördlicher Seite 
des Sees zu sehen, bei den Felsen vom Bösen Rath*) und Wi- 
deli von Oestrich, welche Leissigen gegenüberstehen und noch 
auf unserer Karte verzeichnet sind. Bei dem Profile 1 t. 2., 
was ich der .Arbeit von E. Favre**) entnehme, sehen wir auf 
der rechten Seite des Nasethaies , zwischen dem Urgon und 
dem Nummulitensandstein , den zu dieser Formation gehörigen 
Kalk anstehen, welcher sich noch eine Weile an den Felsen 
am See nach Osten fortsetzt. Dieser ist wie derjenige der 
Morgenberghornkette voll Nummuliten, Darauf lagert sehr 



') Die mit einem * bezeichneten Arten befinden sich im Museum 
zu Bern. 

*) Siehe Rütimeyrr : Schweiz. Nummulitenterrain 1850 pag. 46. 
**) Ralligstöcke etc. 1872. 



14 



regelmässig der Sandstein, welcher an der Basis mehr oder 
weniger feinkörnig, gegen seinen oberen Theil ein immer 
grösseres Korn besitzt, das ihm das Aussehen eines kleinkör- 
nigen Conglomerats giebt. An Petrefacten ist er sehr reich, 
besonders wenn er feinkörnig ist; mit der Grösse des Korns 
verschwinden sie dann allmälig. Es finden sich darin haupt- 
sächlich : 

Dentalium strangulatum Dsh. 
Spondylus subspinosus Auch. 
Eschara cfr. chartacea Arch. 
Nummulina intermedia AßCH. 

„ exponeus Sow. 

,, contorta Dsh. 

,, striata Orb. 

„ (Assilina) planospira Boub. 

Seewerkalk (obere Kreide) Lüsser*) 1825. 

Dieses Gebilde bildet den Anfang der hohen Felsabstürze, 
welche die Morgenberghornkette gegen Norden charakterisiren 
und vom See aus so schön und malerisch aussehen. Seine 
Mächtigkeit kann wohl circa 20 M. erreichen. Unten finden 
sich gewöhnlich dünngeschichtete, oft schiefrige Kalksteine und 
Kalkmergel , welche äusserlich weiss und auf frischem Bruche 
weisslichgrau erscheinen. Sie sind gänzlich petrefacteulos. 
Drüber kommt der eigentliche Seewerkalk vor, d. h. mehr 
oder weniger mächtige Bänke von compactem, weissgrauem 
Kalk, der durch seinen Reichthum an Foraminiferen ausge- 
zeichnet ist. Th. Stüder erwähnt daraus Lagenen, Nodosarien 
und Nonioninen, sowie auch eine Gryphaea (Fuss vom Abend- 
berg). Ausserdem fand ich darin eine Röhrenkoralle, Phyllo- 
coenia striata (Mich.) Orb. am Brunnischafberge. 

Die schiefrigen Kalkmergel finden sich schön entblösst 
ob der Brunnialp (wo sie an den vorher genannten Biegungen 
mit dem compacten Kalk und der Nummulitenbildung theii- 
nehmen; siehe Profil 5 Taf. I.) und am Wege, welcher längs 

*) Geognostische Forschung und Darstellung des Alpendurchschn. 
vom St. Gotthard bis Arth am Zugersee. — Von MöUSSON wie in 
Studku's Index angegeben. 



der Bödelibahn gebt, von Därligen nach Wagneren und Wil- 
derswyl. Der eigentliche Seewerkalk ist überall zu sehen und 
ausser durch seine Facies, auch durch seine stratigraphische 
Lage zwischen der Numuaulitenbildung und dem petrefacten- 
reichen Gault leicht erkenntlich. 

Gault de la Beche, Sow., Fitton. 

Für den Stratigraphen ist der Gault eine vortreffliche 
Bildung. Wo sie auch vorkommt, ist man immer sicher, Pe- 
trefacten darin zu finden nnd sie als solche zu bestimmen. 
Sie bietet uns also einen sehr guten und festen Anhaltspunkt 
dar, zur weiteren Bestimmung der darüber und darunter lie- 
genden Terrains. Man* kann auch sagen, dass sie für den 
Palaeontologen eine der wenigen lohnenden Formationen unserer 
Alpen ist. Wie Th. Studer richtig bemerkt, so bildet unser 
Gault, vom Thunersee aus gesehen, ein röthliches Band, wel- 
ches ungefähr in der Mitte der Felsabstürze der Morgenberg- 
hornkette zu liegen kommt. Diese Farbe, welche nur eine 
äussere ist, rührt ohne Zweifel von der Oxydation der Glau- 
conitkörnchen her, welche bekanntlich dieses Gestein erfüllen; 
daher nennt sie Studer nicht ohne Ursache eine Verwitte- 
rungsrinde. Dieses Gaultband ist besonders zu oberst am 
Brunnischafberge und bei der Aarbrücke unterhalb der Heim- 
wehfluh zu sehen.*) An diesen zwei Stellen ist er sehr petre- 
factenreich. Seine Mächtigkeit erreicht am ersteren Orte ge- 
gen 15 Mm., am letzteren 7 bis 8.**) Hier findet sich fol- 
gendes Profil der ihn zusammensetzenden Schichten (von unten 
nach oben): 

1. Compacter Seewerkalkstein. 

2. Schiefriger Seewerkalk, 6 M. 

III. Dunkler Kalk ohne oder mit sehr seltenen Petre- 
facten, 1 M. 



*) An der Schweinflah, ob Lauenen im Suldthale, kommt er wieder 
deutlich zum Vorschein. 

**) Zwischen dem eigentlichen Gault und der Seewerformation er- 
wähnt Tu. Studer einen grünen, grobkörnigen Sandstein mit kohligen 
Partieen, der weiter nach Osten nicht mehr nachzuweisen ist. Wo er 
aber vorkommt, sagt er nicht. Für meinen Theil habe ich eine solche 
Bildung nirgends angetroffen. 



16 



IV. Grünlicher Sandmergel, 5 Cm, 
V. Dunkelgrüner Kalk mit zahlreichen Petrefacten, J M. 

VI. Dunkelgrüner Kalk, ein wenig sandig und ohne Pe- 
trefacten. Gegen oben wird er schwärzlich, sehr hart 
und bröcklig, 6 M. 

7. Grauer Kalk mit splittrigem Bruche und ohne Petre- 
facten (Aptien?), 20 M. 

8. Späthiger grauer Kalk mit zahlreichen Caprot. ammonia 
(ürgon). 

Es ist merkwürdig zu sehen , wie bei einer verhältniss- 
mässig schönen Entwickelung des Terrains, die Petrefacten 
so auf eine einzelne dünne Schicht beschränkt sind und sich 
da in ungeheurer Menge vorfinden. ^Denn nicht nur an der 
Aare habe ich diese Verhältnisse gefunden , sondern auch ob 
dem Brunnischafberge , wo ich unter der Führung des be- 
kannten Petrefactensammlers Gottl. Tschak von Merligen 
auch diese Localität ausgebeutet habe. 

Die Liste der Petrefacten, welche ich mit ihm sowohl au 
der Aare als auch an diesem letzteren Orte aufgelesen, ist 
folgende: 

* 1 j Odontaspis gracilis Ag. — B.*) 

* Lartina sp. ? — B. 

* Serpula antiquata Sow. — B. 
Belemnites minimus List. — D., B. 
Nautilus bifurcatus Oost. — D. 

,, Boucliardi Orb. — D., B. 

* ,, Clementi Orb. — B. 
Ammonites Agassizi Pict. — D. 

,, Beudanti Orb. — D. 
,, Bouchardi Orb. — D. 
,, Deluci Brong. — B. 
,, Denarius Sow. — D. 
,, Dupini Orb. — B. 



l ) Die mit einem * bezeichneten Arten befinden sich im Museum 
von Bern und sind mir dieselben von den Herren v. Fische r-Ooster und 
Prof. Bachmann gütigst zur Ansicht vorgelegt worden, wofür ich ihnen 
hier meinen Dank aussprechen möchte. 

*) B. bezeichnet den Fundort von Brunnisehafberg, D. denjenigen an 
der Aare und L. vereinzelte Funde am Leissigengrat. 



17 



Ammonites Emeriti Rasp. — B. 

Hugardi Orb. — D. 
inflatus Sow. — D. 
,, latidorsatus Mich. — B. 

mamülatus Sohl. — L. 
,, May ort Orb. — D. 

* „ Parandieri Orb. — B. 
„ quercifolius Orb. — D. 

* ,, splendens Sow. — B. 
,, striatisulcatus Orb. — B., D. 
„ varians Sow. — D. 

varicosus Sow. — D. 

* ,, Velledae Mich. — B. 

* ,, Raulini Orb. — B. 
Aptychus cfr. Studeri Oost. — D. 

„ cfr. Didayi Gieb. — D. 
Turrilites catenatus Orb. — D. 

* Mayori Orb. — B. 
Vibray ei Orb. — D. 

Hamites attenuatus Sow. — D., B. 
„ rotundus Sow. — D., B. 

* „ Raulini Orb. — B. 
Rostellaria Orbignyi Pict. — D. 

„ Parkinsoni Mast. — D. 
„ retusa Orb. — D., B., L- 
Natica Dupini Leym. — D. 
,, Gaultina Orb. — B. 

* Turritella sp.? — B. 
Solarium dentatum Orb. — D. 

,, granosum Orb. — B. 

* „ sp.?— B. 
Turbo Rothomagensis Orb. — D. 

* „ sp.? - B. 
Trochus Marroti Orb. — D. 
Pleurotomaria Gibbsi Orb. — D., L. 

,, lima Orb. — B. 

* „ Itieri Pict. u. Rx. — L. 

* Rouxi Orb. — B. 

* ,, Saussur ei Pict. u. Rx. — B. 

* Acmea Gaultina Pict. u. Rx. — D. 

Zeits.d.D.geol. Ges. XXVII. 1. 2 



18 



Dentalium Bhodani Pict. u. Rx. 
Pholadomya sp. ? — B. 
Astarte Brunneri — B. 
Lucina Arduennensis Orb. — B. 

* Lima Itieri Pict. u. Rx. — D. 
Nueula pectinata Sow. — D. 

,, bivirgata Fitt. — D. 

* „ sp.? — L. 

Inoceramus concentricus Park. — D., B. 
,, Salomoni Orb. 

sulcatus Park. — D. 

* Plicatula sp. ? — L. 

* Ostrea Paulini Orb. — B. 

* terebratuli/ormis Coq. — B. 
Terebratula biplicata Sow. — B. 

„ Dutemplei Orb. — B. 
„ Lemaniensis Pict. u. Rx. — B. 
,, Moutoni Orb. — B. 
PhyncJionella antidicTiotoma Orb. — B. 

„ decipiens Orb. — B. 

,, Gibbsi Dav. — B. 

,, sulcata Orb. — B. 

* Beptomulticapa sp. ? — B. 

* Peptomultipora sp. ? — B. 

* Semieschara? sp. ? — B. 
Discoidea sp.? 

* Pseudodiadema Brongniarti Ag. — B. 
Cidaris gibberula. 

Wie aus diesem Verzeichnisse leicht zu ersehen ist , sind 
die zwei vorhergenannten Fundorte ziemlich reich an Arten 
und Gattungen. Am Brunnischafberg sehen wir hauptsächlich 
eine Menge von Brachiopoden , welche an der Aare gänzlich 
fehlen. Hier sind aber die Cephalopoden und Gastropoden 
weit häufiger. 



Schrattenkalk*), Studer 1834.**) 
(Aptian Mayer's***) 1872; Urg-Aptien CoQUAMD'sf) 1866). 

Diese in den Alpen so charakteristisch und mächtig ent- 
wickelte Formation lässt sich überall durch ihre Petrefacten 
deutlich und leicht erkennen. Sie besteht aus mächtigen, 
grauen bis dunkelgrauen Kalkbänken , welche meist von Be- 
quienia ammonia dergestalt erfüllt sind, dass sich auf den 
Schichtflächen oder Schichtenköpfen zahlreiche Durchschnitte 
davon zeigen , welche eine gewisse Aehnlichkeit mit Hiero- 
glyphen besitzen; daher der dieser Bildung gegebene Name 
von Lüsser (Hieroglyphenkalk). Diese bilden die Hauptmasse 
der nördlichen Felsabstürze der Morgenberghornkette, wohl in 
einer Mächtigkeit von 50 — 60 M. Ausser der Beq. ammo- 
nia Orb., welche besonders reichlich an den Felsen unterhalb 
der Heimwehfluh, an der Aare, vorkommt, enthalten sie noch 
wenige andere Petrefacten. Th. Stüder citirt Beq. Lonsdali 
Orb. (carinata Math.), Badiolites sp. und Nerinea sp. Im 
Museum zu Bern fand ich noch : 

Serpula antiquata Sow. 

Natica sp. ? — Brunnischafberg. 

Nerinea Benauxi Orb. — Brunnischafberg, Därligengrat. 

„ gigantea d'Homb. - Firm. — Därligengrat. 
Monopleura Michaülense Pict u. Camp. — Därligengrat. 

In einem kleineren, alten Steinbruche am Eintritt der 
Wagnerenkluse gegen Interlaken fand ich obenan eine fuss- 
dicke Schicht, welche von einer cylinderartigen , länglichen 
Auster mit ziemlich dicker Schale erfüllt war, die ich 0. inter- 
lacustris Trib. nenne. 



*) Schratten oder lapiaz heissen bekanntlich unregelmässige 
Vertiefungen und Erhöhungen, welche sich in Kalkgebirgen befinden, in 
Höhen von 6 — 7000 Fuss, wo der Schnee lange liegt. Es ist ein offen- 
bar auf chemischer Wirkung beruhendes Phänomen , wobei das stark 
sauerstoffhaltige Schneewasser (21 pCt. Säuerst, in der Luft; 24 — 30 pCt. 
im Schneewasser) mit dem Kohlenstoff des mehr oder weniger reinen 
Kalksteins verbunden, das auflösende Princip bildet. 
**) Leonh, Jahrb. pag. 512. 
***) Tabl. synchron, terr. cretaces. 
f) Bull. Soc. geologique de France, pag. 560. 

2* 



20 



Was nun das Aptien oder die Orbitulinenschichten (0. len- 
ticularis Orb.) anbetrifft, welche Th. Studer in seiner Be- 
schreibung anführt, so habe ich kurz zu bemerken, dass ich 
sie nirgends habe beobachten können , ausser im weiter 
oben angeführten Profile des Gault, wo sie durch die grauen 
Kalke mit splittrigem Bruche am Ende möchten vertreten 
sein.*) Sie würden dann regelmässig an den oberen Theil des 
Schrattenkalkes und unterhalb des Gault zu liegen kommen. 
Wir hätten also hier eine Ausnahme von der Regel; denn in 
den Alpen scheint im Allgemeinen das Aptien keine selbst- 
ständige Stufe zu bilden. Es liegt nämlich meist zwischen 
zwei Schrattenkalkhorizonten , von denen der untere durch 
Beq. ammonia, der obere durch Beq. Lonsdali chararakterisirt 
wird. So fasst Baltzer**) unter dem Namen Urgonien (Aptian 
Mayer's), die drei folgenden Stufen zusammen: 

Unterer Caprotinenkalk (Urgonien d'Orbigny's). 
Orbitulinaschichten (Aptien Orb. ; Apt. inf. Trib.). 
Oberer Caprotinenkalk (Lopperbergschichten Mayer's ; 
Aptien sup. ***) Trib.). 

Aus den Untersuchungen von LoRYf) und Kaufmann ff) 
geht dasselbe ebenfalls hervor. 

Dieses Verhältniss des Aptien in den Alpen ist sehr ver- 
schieden von demjenigen des Jura, wo diese Stufe immer 
selbstständig zwischen dem Urgonien und dem Albien (Gault) 



*) In seinem Catalogue Cephalop. des Alpes Suisses 1861 p. 132, 
citirt Ooster Am. Cornueli Orb., eine entschiedene Art aus dem Aptien, 
von den Umgebungen von Leissigenbad, wo nichts von Schrattenkalk zu 
finden ist. Sie rührt offenbar aus einem losen Blocke her, welcher 
von den weiter oben anstehenden Felsen der Morgenberghornkette 
heruntergekommen ist. — Dass aber die Orbitulinenschichten stellenweise 
in unserer Kette vertreten sind, will ich nicht läugnen, denn ich fand 
bei den Arbeiten an der Strasse von Leissigen nach Aeschi einen dunkel- 
farbigen Block ganz erfüllt von Orbitulinen. 
**) Der Glärnisch etc. pag. 27. 
***) Diesen Unterschied zwischen unterem und oberem Aptien in den 
Alpen glaube ich nur machen zu können, um eine Parallelisirung 
der beiden (alpinen und jurassischen) Facies zu ermöglichen. Bei dieser 
letzteren finden sich nämlich die Orbitulinen immer auf die untere Zone 
(Rhodanien v. Renevikr) beschränkt. 

f) Descript. geolog. du Dauphine, 1860, pag. 308. 
ff) Beitr. z. geolog. Karte der Schweiz, 11. Lief. 1872. 



auftritt. Ihr unterer mergeliger Theil ist hier ausser zahl- 
reichen anderen Arten durch Orbitulina lenticularis charakte- 
risirt; der obere sandige möchte vielleicht dem oberen Capro- 
tinenkalk der Alpen entsprechen. 

Neocom, Thürmann 1835. 

Diese in den Alpen so weit verbreitete Bildung ist 
bis jetzt noch nicht so genau untersucht und bekannt, wie sie 
es ihrer stratigraphischen und paläontologischen Wichtigkeit 
wegen sein sollte. Von Montmollin*) zuerst im Jura entdeckt 
und, man kann sagen, heute da durch und durch studirt und 
bekannt, ist sie fast gleichzeitig von dem scharfsinnigen Escher 
von der Linth in den Alpen nachgewiesen worden, und bevor 
man noch im Jura den Unterschied zwischen Valanginien 
(Desor 1854) und eigentlichem Neocom festgestellt hatte, war 
ihm der verschiedene Habitus des Kieselkalkes (und Altmann- 
schichten **)) und der Drusbergschichten***) (Knollen» oder 
Coulonischichten Kaüfmann's) schon aufgefallen. Diese Tren- 
nung des Neocoms in zwei Stufen ist überall in den Alpen 
auch leicht vorzunehmen, wo diese Bildung auftritt. Selbst in 
den Freiburger Alpen , wo Gillieron f ) mit der grössten Ge- 
wissenhaftigkeit fünf verschiedene Stufen darin unterscheidet, 
ist sie leicht einzusehen. 

Nächst der weiter zu besprechenden Eisensteinbildung ist 
das Neocom die am besten entwickelte Stufe der Morgenberg- 
hornkette. Sie reicht ununterbrochen vom Suldthale bis nach 
dem Hotel Jungfraublick, am Nordfusse des kleinen Rügens. 
Vom Morgenberghorn bis nach dem Abendberg, mehr oder 
weniger auf eine schmalere Zone beschränkt, erweitert sie 
sich allmälig über den Fuss des grossen Rügens, die Wagne- 
ren und den kleinen Rügen. 

Am Morgenberghorn bildet das Neocom einen grossen 
Theil seiner mit Trümmern bedeckten Gehänge gegen Westen 
und Südwesten. Unterhalb des Leissigengrat und des grossen 

*) Mem. Soc. sc. natur. de Neuchätel I. pag. 49. 

**) Nach dem Vorkommen am Altmann (ein Glied der Sentisgruppe), 
im Canton Appenzell, so benannt. 

***) Nach dem Vorkommen am Drusberg, im Canton Schwyz, so 
benannt. 

|) Beiträge zur geolog. Karte der Schweiz. 



22 



Rügens ist es auch deutlich aufgeschlossen. Am besten ist 
es aber zu sehen in der Wagneren , auf der Strasse, die auf 
der Nordseite des kleinen Rügens geht, und in den Felsen, 
welche sich im Walde zwischen dem Jungfraublick und der 
Restauration Waldeck befinden.*) 

Ueber die gesammte Mächtigkeit dieser Bildung kann ich 
leider genauer nichts angeben; sie möchte jedoch wohl 20 bis 
30 M. betragen. 

Von den Unterabtheilungen des Neocoms finden sich allein 
der Kieselkalk und die Drusbergschichten deutlich entwickelt. 
Beide finden sich an den oben bezeichneten Orten; der erste 
aber hauptsächlich an den Felsen am Jungfraublick. Was 
nun die Altmannschichten anbetrifft, welche, wo sie vorkom- 
men, diese zwei Stufen von einander trennen und durch ihre 
seltenen Petrefacten (Collyrites Ovulum, Echinospatagus cordiformis 
Breymus var., Sentisianus Desor) eher dem Valanginien entspre- 
chen, also mehr oder weniger mit dem Kieselkalk zu vereinigen 
sind, so habe ich sie nirgends antreffen können. Bei ihrer 
geringen Mächtigkeit in den von uns nördlich gelegenen Lu- 
zerneraipen (nach Kaufmann haben sie am Pilatus 1 — 3 M.) darf 
es uns nicht wundern, wenn wir sie, in unserem sonst wenig 
aufgeschlossenem Gebiete, nicht bemerkt haben. Wenn sie am 
Altmann 100 — 200 M. (nach Escher) mächtig sind und am 
Pilatus nur noch 1 — 3 M., so wird es sehr wahrscheinlich sein, 
dass sie sich von da aus nach Süden allmälig ausgekeilt haben. 

Ueberall ruht der Kieselkalk auf dem eigentlichen Neo- 
com**), wie es Profil 9 Taf. I. zeigt. Er besteht aus dunklen, 
sehr harten und kieselreichen Kalkbänken, welche eine Mäch- 
tigkeit von 15 — 20 M. erreichen und ausschliesslich den Echi- 
nospatagus cordiformis Breyn. ***) in grösserer Anzahl enthalten. 
Die verwitterte Aussenfläche ist graugelb oder bräunlich, thonig 
oder schwammig. Diese Kalksteine sind leicht mit ähnlichen 
der Eisensteinbildung zu verwechseln , welche einen ganz ana- 
logen Habitus besitzen. 

Die Drusbergschichten besitzen an ihrem oberen Theile 

*) Ein Theil der Felsen, die an der Strasse von Leissigen nach Där- 
ligen stehen, sind entschieden Neocom. Ihre anomale Lage zeigt, dass 
sie nicht anstehend sind. 

**) Eine Folge dieser grossartigen Ueberstürzung ; sonst umgekehrt. 
***) Siehe Stoder : Geol. d. westl. Alpen, pag. 83; Geol. d. Schweiz 
II. pag. 67 u. 169. 



23 



(gegen den Schrattenkalk) eine gewisse Aehnlichkeit mit den 
hydraulischen Kalkbänken der Effingerschichten (mittlerer Ox- 
ford) des Jura, so z. B. am Morgenberghorn, Leissigengrat, 
Rothenegg und Rothenfluh, am Nordfusse des kleinen Rügens. 
Es sind dunkle , dünngeschichtete Kalke , welche mit grauen 
Mergelbänken regelmässig abwechseln. Zwischen diesen und 
dem Kieselkalk gelegen , finden sich dann ebenfalls dunkle, 
sandigthonige und bröcklige Kalke , woraus Th. Stüder auch 
den Echinospatagus coi'diformis citirt. *) In der Wagneren sind 
sie sehr gut aufgeschlossen. 

Eisensteinbildung**), Stüder 1867.***) 

Mächtige, harte und dunkle Kalksteine und Schiefer ohne 
Petrefacten bilden die Decke und den südlichen Abhang der 
ganzen Morgenberghornkette. Nach ihrer Lage auf Neocom 
schliesst Th. Stüder, dass es nur oberer Jura sein könne. 
Diese im Berner Oberlande weit verbreitete Bildung (aus ihr 
ist das ganze Gebirge zwischen Lauterbrunnen und Grindel- 
wald zusammengesetzt, sowie auch die Scheidegg; sie findet 
sich ferner am Schilthorn und im Engethal oberhalb Mürren 
etc.) ist eigentlich sehr wenig studirt worden und , ich kann 
sagen , noch nicht bekannt. Es ist ein Verdienst von Prof. 
Stüder, auf sie zuerst aufmerksam gemacht und sie noch ferner 
studirt zu haben. In seiner Geologie der Schweiz, II. pag. 96 
fasst er diese Bildung als einen besonderen Habitus der 
Nummulitenformation auf. Er sagt: ,,die mächtige Folge 



*) In seinem Cat. Cephalop. Alpes Suisses, 1857 u. 1861, pag. 22 
und 103, citirt Ooster Belemn. pistilliformis und Ammon. Grast aus den 
Umgebungen von Leissigenbad und Därligen. Dass diese Exemplare aber 
in anstehendem Gestein gefunden wurden, davon ist keine Rede ; denn an 
diesen Localitäten kommt kein Neocom zum Vorschein. Es ist wahr- 
scheinlich , dass sie von losen Blöcken herrühren, welche von den weiter 
oben anstehenden Neocomschichten heruntergekommen sind. Nach der 
Aussage von Prof. Stiider hat eben deswegen Bachmann in der neuen 
Ausgabe der geologischen Karte der Schweiz die Gegend am südlichen 
Ufer des Thunersees als Kreide bezeichnet. Ich habe am Anfange dieser 
Arbeit diesen Irrthum schon besprochen. 

**) Wegen der Festigkeit und schweren Zersprengbarkeit der sie 
zusammensetzenden Gesteine im Lande so benannt 

***) Erläuter. zur 2ten Ausgabe der geolog. Karte der Schweiz, 
Wintertb. 1869; Bull. Soc. geolog. France, December 1867, 



24 



schwarzer , grauer und brauner Quarzite, Quarzsandsteine und 
verwachsener Gemenge von Quarzit und schwarzem Thon- 
schiefer, welche in muldenförmiger Auflagerung die oberste 
Masse des Gebirges zwischen Lauterbrunnen und Grindelwald 
bildet, wird wohl unserer Nummulitenformation beizuordnen 
sein". Es waren hier hauptsächlich zwei Profile, bei Rosenlaui 
und Murren (wo diese Eisenquarzite der Nummulitenbildung 
aufgelagert zu sein scheinen), welche unsern grossen Gelehrten 
zu diesem falschen , aber jedoch äusserst schweren Resultate 
führten. Noch lange wurde die Eisensteinbildung als diesem 
Horizonte angehörend angesehen. Endlich und nach mühe- 
vollem Suchen gelang es K. v. Tscharner, einem Schüler 
Studer's , ein Paar schlecht erhaltene Petrefacten {Amnion. 
Murchisonae, Belemn. canaliculatus, Trigon. costata) am Scheidegg- 
gasthofe darin zu entdecken. Nachher fand Prof. Stüder im 
Engethal (am Schilthorn) noch Steinkerne von Anatina und am 
Längenberg Astarten , welche ganz den Habitus von unter- 
jurassischen Arten besitzen. 

Somit war unsere Bildung vom Eocen*) zum unteren 
Jura gewandert. Wie Stüder sagt, bieten die hieraus sich 
ergebenden Lagerungsverhältnisse schwer zu lösende Räthsel 
dar. „Die hohen Terrassen, in denen die Gebirge vom Wetter- 
horn und der Jungfrau schroff nach dem Brienzer- und Thuner- 
see abfallen, lassen auf gewaltige Verwerfungen schliessen." 

Wie schon aus dem Vorigen zu ersehen ist, haben wir in 
der Eisensteinbildung eine höchst petrefactenarme Formation, 
ein Umstand, der die Feststellung ihres stratigraphischen Hori- 
zontes bedeutend erschwert hat. An der Iseltenalp, unterhalb 
der Scheinigen-Platte, treffen wir jedoch den einzigen bis jetzt 
bekannten, typischen und ächten Fundort unserer Stufe. Von 
Escher, meinem unvergesslichen Lehrer, entdeckt, wurde dieser 
zuerst von Prof. Stüder als Lias beschrieben (Geol. Schweiz, 
II. pag. 37), weil die darin häufig vorkommende Posidonomya 
Alpina Gras mit der Pos. Bronni Voltz verwechselt worden 
war. Von den Gebrüdern Meyrat dann ausgebeutet (wenn 
ich nicht irre), wurden einige Cephalopoden von Ooster**) 



*) In der ersten Ausgabe der geologischen Karte der Schweiz (1853) 
ist sie folglich auch als Nummulitenbildung colorirt. 
**) Cat. Cephal. Alpes Snisses 1861, 



beschrieben und alle als den braunen Jura charakterisirend 
anerkannt. Es sind: 

ßelemnites giganteus Blv. — Humphreyi-Sch. 
Ammonites ooliticus Orb. — Parkinsoni-Sch. 

,, annularis Sohl. — Callovien. 

,, coronatus Brug. — Callovien. 

Verhindert, mir diese typische Localität näher aufzusuchen, 
schickte ich letzten Sommer G. Tschan hin, welcher mir fol- 
gende Fauna mitbrachte: 

Belemnites giganteus Sohl. — Humphreyi-Sch. 
Ammonites Garanti Orb. — Parkinsoni-Sch. 

Gervillei Sow. — Humphreyi-Sch. 
hecticus Hartm. — Callovien. 
ooliticus Orb. — Parkinsoni-Sch. 
Kudernatschi Hauer — Klaus-Sch. 
Murchisonae $ow. — Murchisonae-Sch. 
Avicula elegans Münst. — Murchisonae-Sch. 

,, Münsteri Bronn — Murchisonae-Sch. 
Posidonomya alpina Gras — Klaus-Sch. 
Lima punctata Dsh. — Murchisonae-Sch. 
Pecten demissus Phill. — Callovien. 
Terebratula perovalis Sow. — Humphreyi-Sch. 

,, ovoides Sow. — Murchisonae-Sch. 
Rhynchonella concinna Orb. — Lagenalis- u. Digonasch. 
Oxyrhina hastalis Ag. — Klaus-Sch. 

Wenn man nun diese verschiedenen Arten ein wenig näher 
ins Auge fasst, so wird man bald bemerken, dass wir hier 
sowohl Species vom unteren braunen Jura haben (Am, Mur- 
chisonae, Avic. elegans, Münsteri), als auch vom oberen {Am. 
annularis, coronatus, hecticus). Die Horizonte der Am, Mur- 
chisonae, Humphreyi, Parkinsoni (mit den Lagenalis- und Di- 
Digonasch.) , sowie auch das Callovien, würden also in der 
Eisensteinbildung des Berner Oberlandes paläontologisch ver- 
treten sein. Da aber dieser Umstand schon seit einigen Jahren 
theilweise in den von Hauer*) beschriebenen sogen. Klaus- 



*) Das Zusammenvorkommen von Arten aus dem Horizonte des A. 
Parkinsoni und des Callovien in den Klausschichten, scheint in den Alpen 
eine allgemeine Thatsache zu sein. Die Untersuchungen von Bachmann, 
Mösch und Baltzrr in unseren östlichen Alpen und diejenigen von 



26 



schichten der östlichen Alpen als Thatsache bekannt ist, so 
kann ich nichts Anderes annehmen, als dass wir in dieser 
Bildung der mittleren Schweizeralpen das mehr oder weniger 
richtige Aequivalent dieser Schichten haben.*) Ebenso würde 
es stehen mit den neuerdings von Gillieron beschriebenen 
Schichten des Am. Humphreyi und von Klaus aus den Frei- 
burgeralpen. In dieser meiner Parallelisirung darf man aber 
nicht vergessen, dass schon Oppel**) 1863 die gleiche Mei- 
nung ausgesprochen hat. Ebenso glaubt er, diese Eisenstein- 
bildung entspräche den Muschelbreccien von Brentonico und 
Füssen. 

Eine mehr oder weniger scharfe Trennung dieser ver- 
schiedenen Stufen , die in die Eisensteinbildung fallen , wäre 
also bei uns unmöglich, und wir hätten so hier eine einfache, 
mächtige Formation, welche dann weiter auswärts in sich meh- 
rere mögliche paläontologische Horizonte erblicken Hesse. 
Dieses seltene Verhältniss zeigt uns ein während der Ablage- 
rung des braunen Jura mehr oder weniger abgeschlossenes 
Meer, wo die älteren Formen neben dem allmaligen Erscheinen 
der neueren ihr Leben fortgesetzt haben. So siud in einem 
und demselben Meere eine Reihe von verschiedenen Typen- 
gruppen hervorgegangen , während anderswo andere Verhält- 
nisse dieses Zusammenleben nicht gestatteten und die getrennte 
Aufeinanderfolge von Formengruppen forderten, welche heut- 
zutage uns zur Unterscheidung von verschiedenen paläonto- 
logischen Horizonten dienen. 

Soweit bis jetzt unsere Kenntniss davon reicht, muss also 
dieser gesammten Eisensteinbildung ein entschieden unter- 
jurassisches Alter (brauner Jura) zugeschrieben werden. Ihre 
Auflagerung auf Neocom in der ganzen Morgenberghornkette 

Brünnkr, E. Favre und Gillieron in den westlichen, haben dies noch 
ferner bestätigt; ebenso von Hauer, Kudernatsch, Schlönbach, Zittel, 
Oppel, Gümbel, Neumayr , Benecke, Griesbach und Tietze in den öster- 
reichischen; Gras, Louy, Dumortier, Velain und Hebert in den franzö- 
sischen Alpen. — Für den unteren braunen Jura haben Studer, Fischer- 
Ooster, E. Favre, Gillieron und Hebert aus den schweizerischen und 
französischen Alpen das Zusammenvorkommen der A. Murchisonae und 
Humphreyi in einem und demselben Horizonte beschrieben. 

'") Brunner von Wattenwyl hat schon im Jahre 1857 (Geognost. 
Beschr. d. Stockhorns) diese Ansicht ausgespiochen. 

**) lieber das Vorkommen von jurassischen Posidonomiengest. in den 
Alpen, in Zeitschr. d. d. geol. Ges. Bd. XV. pag. 189. 



st bekanntlich eine anomale Erscheinung. Es ist auch wohl 
begreiflich, dass Th. Stüder noch im Jahre 1868 sie als oberen 
Jura ansehen wollte. Als ich die Gebiete südlich von unserer 
Kette noch nicht studirt hatte, fing ich an zu glauben, es müsse 
diese letztere Bildung irgendwie in der jetzt als brauner Jura 
geltenden Schichtenfolge der Eisensteinbildung vertreten sein. 
Dieser Zweifel verschwand aber, als ich im Massiv des Bellen- 
höchst und auf der rechten Seite des Saxetenthales typischen 
Hochgebirgskalk *) oder weissen Jura traf (siehe Tafel I. 
Profil 6 und Profil 11), der sich zu unserem Gebilde ver- 
halten mag, wie auf Profil 5 Taf. II. angegeben ist. Eine 
allmälige Auskeilung dieser ganzen Stufe zwischen dem Eisen- 
stein und Neocom geht also vor sich in der Erstreckung von 
der Sumpffluh nach dem höchsten Punkt der Morgenberghorn- 
kette, eine Auskeilung, welche evident durch die starke Bie- 
gung im Grunde des unteren Saxetenthales noch mehr be- 
günstigt wird. Somit wäre diese auf Neocom ruhende Eisen- 
steinbildung keine so grosse anomale Erscheinung. 

Nach dem Flysch ist die Eisensteinbildung ohne Zweifel 
diejenige Stufe, welche im Massiv des Morgenberghorn am 
meisten vertreten ist. Sie bildet zuerst alle Gipfel dieser Kette 
und erstreckt sich sogar noch etwas weiter hinunter nach den 
Abstürzen des nördlichen Abhangs. So sind die anderen Bil- 
dungen durch sie gänzlich in diesen letzteren verdrängt. Sie 
bildet den ganzen südlichen Abhang der Kette bis mitten im 
Saxetenthale und zum Passe Tanzbödeli; sogar noch weiter 
erstreckt sie sich gegen die Massive der Schwalmern und des 
Bellenhöchst, indem sie dann in der Mitte des Thaies an den 
oben erwähnten Hochgebirgskalk angrenzt. 

Wo auch Eisenstein zu Tage tritt, kommt er in dünnen, 
gewöhnlich^ — | M. dicken Schichten vor, welche öfter mannig- 
fache Verbiegungen zeigen (Weg nach dem Abendberg, kleiner 
Rügen etc.), die an diejenigen des Neocom der Axenstrasse 



*) Konk. Escher von der Lintb brauchte zuerst diesen Namen zur 
Bezeichnung der nicht näher bestimmbaren Kalke der höheren Alpen. 
Wo in dem Liegenden derselben organische Reste vorkommen (wie in 
unserer Gegend im Eisenstein), gehören sie dem braunen Jura an. Ueber 
ihnen liegt dann an anderen Punkten Neocom ; so dass diese Bezeichnung 
des Hochgebirgskalks als oberen oder weissen Jura nicht weit fehlgehen 
kann (Stüder Index pag. 122. 



28 



vielfach erinnern. Es sind hellgraue bis dunkelgraue Kalk- 
steine*), welche eine sehr bedeutende Härte besitzen. Sie 
sind mit dem Messer kaum ritzbar und funkeln unter heftigem 
Hammerschlage; an Kieselsäure müssen sie folglich auch 
ziemlich reich sein. Von dem weiter oben besprochenen 
Kieselkalk sind sie durch ihre dunklen eingeschlossenen Horn- 
steinbänder leicht zu unterscheiden. Schön entwickelt kommen 
sie hauptsächlich am kleinen Rügen , in der Wagneren und 
am Morgenberghorn vor. Zuweilen treten hie und da Kalk- 
schiefer auf, so z. B. am kleinen Rügen, auf dem Ausser- 
berg und im Lauigraben ob Saxeten , auf der Ostseite des 
Morgenberghorn. An diesen beiden letzteren Orten ist die 
falsche Schieferung oder Clivage schön zu beobachten und 
unterscheidet sich von der echten Schichtung durch ihre bank- 
förmige Absonderung und ein ganz anderes Einfallen. Von 
Petrefacten fand ich in diesen Schichten nichts, ausser dem 
Abdruck einer vielgerippten Terebratula, welche vielleicht an 
T. Dumortieri E. Desl. erinnern mag (ob Wilderswyl). 



Nachdem wir nun die verschiedenen stratigraphischen 
Stufen der Morgenberghornkette so gut wie möglich beschrie- 
ben haben, wenden wir uns jetzt zu einigen allgemeinen Schluss- 
betrachtungen, in welchen wir versuchen werden, einen Beitrag 
zur Erklärung dieser grossartigen Ueberstürzung -zu geben. In 
dem Fig. 11 vorhandenen Profile auf Taf. I. habe ich das Resultat 
meiner Untersuchungen niedergelegt, soweit ich sie bis jetzt 
nach Südosten verfolgt habe. Es geht vom Thunersee aus über 
die Morgenberghornkette, das Saxetenthal und das Massiv 
des Bellenhöchst bis in die Nähe von Isenfluh. Es ist die 
einzige Region südöstlich von unserer Kette, welche ich zu 
einer näheren Erklärung ihrer merkwürdigen Verhältnisse 
habe studiren können. Die Gebirge der Schwalmern, Lob- 
hörner und Sulegg warten noch auf ein weiteres Studium. 
Wie aus diesem Durchschnitte zu sehen ist, erstreckt sich die 
Ueberstürzung noch weiter nach Südosten und bleibt also nicht 



*) Nicht Quarzite oder Quarzschiefer, wie Prof. Studer glauhen will, 
denn mit Säuren brausen sie deutlich und ziemlich lange auf. 



29 

auf die Morgenberghornkette beschränkt. Weiter als das Massiv 
des Bellenhöchst oder als eine durch dasselbe gezogene Linie 
(parallel dem Streichen unserer Kette) geht sie noch höchst 
wahrscheinlich. Wenn ich sagen würde, dass sie sogar bis 
an die Grenze der krystallinischen Gesteine gehe, würde man 
diese Meinung als übertrieben ansehen. Werfen wir aber einen 
Blick auf die Karte und sehen wir uns die von der soge- 
nannten Glarnerschlinge*) stundenweit innegehabten Gegend 
an, welche einerseits bis an den Wallenstadtersee, andererseits 
bis an das krystallinische Massiv des Finsteraarhorns (eine 
Länge von ca. 12 Stunden) reicht, so wird man, glaube ich, es 
nicht für allzu gewagt ansehen , wenn ich jetzt den Satz aus- 
spreche , dass die an der Morgenberghorn kette vorkommende 
Ueberstürzung bis an die krystallinischen Gesteine des Massivs 
der Jungfrau reiche, das heisst auf eine Entfernung von 
höchstens 6 — 7 Stunden. Hier an der Grenze der sedimen- 
tären und krystallinischen Gebilde würde der andere Schenkel 
des Gewölbes zu finden sein**); natürlich ist er aber durch 
Verwerfung sowohl versunken als auch verschwunden und der 
Beobachtung also gänzlich entzogen. Ob diese Meinung sich 
später wird bestätigen lassen , ist Sache eines weiteren Stu- 
diums. Ich hoffe jedoch, in der Folge neue Beiträge zur Lö- 
sung dieser höchst interessanten , aber schwierigen Frage in 
dieser Zeitschrift geben zu können. Mögen aber die Geologen 
diesen meinen dahin ausgesprochenen Satz ruhig würdigen und 
die Frage noch näher untersuchen, bevor sie mir antworten. 



*) Baltzer, op. c!t. pag. 56 u. 57. 

**) Wie Th. Stiider richtig bemerkt, hätten wir also hier ein sich 
nach Süden öffnendes C (siehe Prof. Studer's: les couches en forme de 
C dans les Alpes, Geneve 1860). — Inwiefern es aber eine östliche Fort- 
setzung desjenigen der Dent du Midi (Bull. Soc. vaudoise sc. nat. 1855) 
sei, lasse ich noch unentschieden. 




30 



2. Heber die Schichtenfolge des oberen Jura bei 
Ahlem unweit Hannover und über das Vorkommen 
der Exogyra virgula im oberen Korallen-Oolith 
des weissen Jura daselbst. 

Voq Herrn G. Struckmann in Hannover. 

Durch die Eröffnung einiger neuer Steinbrüche beim Dorfe 
Ahlem, etwa 4 bis 5 Kilometer westlich von Hannover, sind 
nunmehr die sämmtlichen Glieder der oberen Juraformation 
in vortrefflicher Weise auf einem kleinen Räume erschlossen. 
Die verschiedenen Fundorte, die räumlich kaum 2 Kilometer 
auseinander liegen , finden sich sämmtlicb an dem flachen 
Höhenzuge, der sich in südwestlicher Richtung vom Dorfe 
Ahlem bis zum Dorfe Harenberg erstreckt; der nördliche Ab- 
hang dieses Höhenzuges zwischen der Chaussee nach Wunstorf 
und dem Ahlemer Holze wird gewöhnlich mit dem Namen 
„Mönkeberg" bezeichnet: hier liegen zwei Steinbrüche, ein 
älterer bei dem halb verfallenen Kalkofen mit den unteren 
Schichten des weissen Jura und ein erst seit einigen Jahren 
erschlossener mit den Pteroceras-Schichten ; sodann folgt ein 
Steinbruch unmittelbar am Ahlemer Holze mit den Schichten 
des oberen Korallen-Oolith und den unteren Kimmeridge-Bil- 
dungen; hart am Westende des Dorfes Ahlem an der Strasse 
nach Wunstorf liegen sodann die ausgedehnten Steinbrüche 
in den Pterocerasschichten, und endlich folgen südwestlich vom 
Dorfe und südlich vom Ahlemer Holze die Ahlemer Asphalt- 
gruben, in denen die mittleren und oberen Kimmeridge-Sehiehten 
und die Portland-Schichten erschlossen sind. 

Au diesen verschiedenen Stellen wird folgendes Profil 
beobachtet: 

1. Am Mönkeberge bei dem verfallenen Kalkofen lagern 
unmittelbar über den Thonen der Kelloway-Gruppe (Or- 
natenthonen ) mit Ammonites Lamberti und Ammonites 
ornatus 



31 



die Oxfo rds chi chten oder Heersumer Schich- 
ten in einer Mächtigkeit von etwa 7 M. , bestehend 
zu unterst aus dunkelgrauen groboolithischen tho- 
nigen Kalksteinen und Mergelkalken und zu oberst 
aus gelblichen , grösstenteils oolithischen Kalkmer- 
geln. Als charakterische Versteinerungen sind zu 
erwähnen : 

Echinobrissus scutatus Lam. sp. 
Gryphaea dilatata Sow. 
Exogyra lobata Roem. 
Pecten subßbrosus d'Orb. 
Trigonia triquetra v. Seeb. 
Ammonites biplex A. Roem. (Sow.) 
Ammonites mendax v. Seeb. 

Bei derselben Stelle sind noch zu beobachten die un- 
teren Schichten des Korallen - Ooliths , be- 
stehend 

a. aus einer 0,8 bis 1 M. mächtigen Korallenbank, 
vorzugsweise zusammengesetzt aus der Isastraea he- 
lianthoides Goldf. und 

b. aus gelblichen in der Luft leicht zerfallenden, grössten- 
teils oolithischen Kalkmergeln, etwa 2 M. mächtig. 

In beiden Unterabtheilungen finden sich nicht 
selten die Stacheln von Cidaris ßorigemma Phill. 
Ausserdem sind charakteristisch: Chemnitzia Hed- 
dingtonensis Sow. (mit Schale), Cerithium Struck- 
manni de Loriol , Exogyra lobata Roem. , Pli- 
catula longispina A. Roem., Echinobrissus scutatus 
Lam. 

Darüber lagern, zu beobachten im Steinbruche vor dem 
Ahlemer Holze, die mittleren Schichten des Ko- 
rallen-Ooliths, bestehend 

aus einem ockergelben, dichten, knorrigen Kalksteine 
mit mergeligen oolithischen Zwischenlagern, im Gan- 
zen 2 bis 2,5 M. mächtig. Im dichten Kalksteine 
finden sich unzählige Steinkerne einer kleinen Lucina, 
ferner von Phasianella striata Sow. und Chemnitzia 
Heddingtonensis ; ferner sind zu erwähnen Stacheln 
von Cidaris ßorigemma Phill. (selten), Pecten va- 



32 



rians A. Roem., Pecten articulatus Schloth. , Phola- 
domya decemcostata A. Roem. , Avicula pygmaea Der. 
u. Koch. 

4. Es folgen sodann an derselben Stelle die oberen 
Schichten des K o rall en - olith , nur 1 bis 1,5 M. 
mächtig und grösstentheils aus grauen und hellgelben 
dichten Kalksteinplatten bestehend, charakterisirt durch 
das sehr häufige Vorkommen von Terebratula humeralis 
A. Roem. , Terebratula bicanaliculata Ziet. , Rhynchonella 
pinguis A. Roem. und unzähligen Exemplaren von Exo- 
gyra reniformis Golde. 

In dieser Schicht nun sind von mir mit völliger 
Bestimmtheit einige Exemplare der Exogyra vir- 
gula Goldf. neben der Exogyra reniformis aufge- 
funden worden. 

5. Darüberlagern ebendaselbst die unteren Kimmeridge- 
Bildungen und zwar 

a. 3,5 bis 4 M. hellgraue und hellgelbliche Kalkmergel 
und Kalksteinplatten mit zahlreichen Steinkernen ver- 
schiedener Natica- Arten (namentlich Natica globosa 
A. J?oem., N. macrostoma A. Roem., N. Marcousana 
d'Orb.), und Cyprina nuculaeformis A. Roem., Cyrena 
rugosa de Loriol (Sow.) selten, Thracia incerta Thrm. 
(kleine Form). Ausserdem ist Ostrea multiformis Der. 
u. Koch in Schalenexemplaren ausserordentlich häufig. 

b. 2,5 M. Bänke eines theils grauen, theils gelb- 
lichen dichten Kalksteins , gesondert durch dünne 
dunkelgrüne Thonschichten. Letztere sind verstei- 
nerungsleer; die Kalksteine enthalten dagegen unzäh- 
lige Steinkerne von Nerinea tuberculosa A. Roem., 
seltener von Nerinea Gosae A. Roem. und Chemnitzia 
abbreviata A. Roem. sp. 

c. Darüber lagert eine 0,5 M. starke schwärzliche Thon- 
schicht, sehr reich an Versteinerungen, namentlich 
kleinen Schnecken, darunter am häufigsten Nerinea 
Mandelslohi Bronn neben den Nerineen und Chem- 
nitzien der vorigen Schicht; ausserdem kommen am 
zahlreichsten vor Cerithium septemplicatum A. Roem., 
Cerith. Umaeforme A. Roem., Helicocryptus pusillus 
d'Orb. 



33 



6. Folgen die mittleren Kimmeridge- Schichten 
und zwar 

a. 2,5 bis 3 M. gelbe thonige Mergel, die am Ahlemer 
Holze völlig versteinerungsleer sind, beim Dorfe Ahlem 
dagegen Terebratula subsella in zahlreichen Exem- 
plaren enthalten. 

b. 5 M. theils graue oolithische Kalksteinbänke, theils 
sehr thonhaltige, dünngeschichtete Kalksteine, am 
Ahlemer Holze nur schwach angedeutet, während die- 
selben in den Steinbrüchen am Dorfe Ahlem in 
ihrer ganzen Mächtigkeit zu beobachten sind. Es sind 
dies die Schichten der Nerinea obtusa nach Credner, 
charakterisirt, abgesehen von dieser kleinen Nerinea, 
durch : 

Cyrena ruyosa de Loriol (Sow.) = Astarte scu- 
tellata v. Seeb. 

Cerithium astartinum v. Seeb. 

Chemnüzia striatella v. Seeb. 

Nerita ovata A. Roem. 
und zahlreiche andere kleine Schnecken. Auch sind 
Reste von Fischen (Pycnodonten) und Sauriern nicht 
selten ; in dieser Schicht ist Homoeosaurus Maximi- 
liani H. v. M. dreimal von mir gefunden. 

c. 2,5 bis 3 M. theils dichte, theils feinkörnig oolithische 
Kalksteine in 0,5 bis 1 M. mächtigen Bänken, meist 
von heller Farbe, in den Asphaltbrüchen bei Ahlem 
jedoch lederfarbig oder schwärzlich durch Bitumen 
gefärbt. Es sind dies die eigentlichen Pteroceras- 
Schichten, sehr reich an Versteinerungen, auch 
vom Mönkeberge nördlich vom alten Kalkofen zu 
beobachten , hier nur aber meist Steinkerne enthal- 
tend, während be i Ahlem vielfach Schalenexemplare 
gefunden werden. Als charakteristisch sind vorzugs- 
weise zu erwähnen : 

Terebratula subsella Leym. 
Exogyra Bruntrutana Voltz 
Exogyra virgula Goldf., seltener. 
Trichites Saussurei Thurm. 
Gervillia tetragona A. Roem. 
Lucina sub striata A. Roem. 

Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII 1 . 3 



34 



Corbis subclathrata Thürm. sp. 
Cyprina Brongniarti A. Roem. sp. 
Bulla suprajurensis A. Roem. 
Pter oceras Oceani Brongn. 
Natica (Purpurina) subnodosa A. Roem. 
und viele andere. 

7. Darüber lagern bei Ahlem und in den Asphaltbrüchen 
die oberen Kim m eridg e- Sch i chten (obere Ptero- 
ceras-Schichten, Virgula-Schichten), bestehend aus 

2 bis 3 M. grauen Thonmergeln und dichten, meist 
dünngeschichteten Kalksteinen, charakteristisch durch: 
Exogyra virgula Goldf. , Anomia Baulinea Buv., 
Corbula Mosensis Buv. und Corbicella Mo- 
raeana Buv. Ausserdem ist Ostrea multiformis 
Der. u. K. wiederum sehr häufig geworden. 

8. Untere Portland-Schichten, bei Ahlem 2 bis 3, 
in den Asphaltbrüchen bei Ahlem bis 5 M. mächtig, 
bestehend aus geschichteten Thon- und Kalkmergeln, 
ziemlich arm an Versteinerungen; jedoch sind Ostrea 
multiformis, Cyprina Brongniarti und Cyrena rugosa nicht 
selten; als charakteristisch ist ausserdem Pinna gra- 
nulata Sow. anzuführen. Darüber folgt eine 2 bis 3 M. 
mächtige Schicht eines dichten, zuweilen auch fein ooli- 
thischen sehr harten Kalksteins, von weicheren Mergel- 
schichten unterbrochen. Bei einer früheren Gelegenheit 
(diese Zeitschr. Bd. XXVI. pag. 221) habe ich dieselbe 
als versteinerungsleer angegeben; nach weiteren Beob- 
achtungen sind jedoch stellenweise Versteinerungen nicht 
selten und zwar kommen vor: Cyrena rugosa, Gervillia 
lithodomus und Corbula alata Sow. (Nucula gregaria Der- 
u. K.). Wahrscheinlich entspricht diese Schichtenfolge 
den Schichten mit Ammonites gigas an anderen Orten ; 
bisher ist freilich dieser Ammonit bei Hannover nicht 
aufgefunden. 

9. Folgen in den Asphaltgruben die oberen Portland- 
Schichten oder Eimbeckhäuser Plattenkalke, etwa 
3 M. mächtig, charakterisirt durch das massenhafte Vor- 
kommen von Corbula inflexa A. Roem., von mir be- 
schrieben in Bd. XXVI. dieser Zeitschr. pag. 220 ff. 



35 



10. Darüber lagert 0,5 bis 1 M. mächtig ein graues thoniges 
Gestein, in welchem ich nur einige Spuren von fossilen 
Pflanzen gefunden habe (Purbeckmergel?) und endlich 
folgen 

11. Blaue zähe Thone mit Belemnites subquadratus A. Roem., 
die einen grossen Raum bedecken und unzweifelhaft der 
unteren Kreide (Hils) angehören. 

Die ganze Schichtenfolge des Oberen Jura besitzt bei 
Ahlem in den Schichten 1 bis 9 nur eine Mächtigkeit von 
40 bis 46 Metern. 

Das Auftreten der Exogyra virgula in einigen un- 
zweifelhaften Exemplaren in Schicht 4, im Oberen Ko- 
rall en - O o lith , zusammen mit Terebratula humeralis und 
Ehynchonella pinguis erscheint mir höchst bemerkenswert!], 
wenn ich auch eben keine auffallende Thatsache darin erblicken 
kann. Denn ebenso gut, wie auch einige andere Fossilien 
(z. B. Trigonia suprajurensis , Astarta suprajurensis) aus dem 
Korallen-Oolith bis in die oberen Kimmeridge-Bildungen hinauf- 
reichen, fällt die erste Entstehung der Exogyra virgula in eine 
ältere Zeitperiode, während ihre massenhafte Entwicklung erst 
später stattfand. Bis vor einigen Jahren kannte man dieselbe 
bei Hannover überhaupt nicht, bis ich das Vorkommen im 
oberen Kimmeridge und in den Pteroceras - Schichten von 
Ahlem nachwies (diese Zeitschr. Jahrg. 1871 pag. 765 ff.). 

Dr. Brauns führt dieselbe in seinem oberen Jura pag. 358 
aus dem Kimmeridge von Uppen, Coppengraben , des Selters 
und des Ith's an ; eine Notiz über ein tieferes Vorkommen ist 
mir aber bislang nicht bekannt geworden, weshalb ich glaubte, 
meinen Fund in weiteren Kreisen bekannt machen zu dürfen. 



3 



36 



3. Geognostisch - chemische Mittheilungen Aber die 
neuesten Eruptionen auf Vulcano und die Producte 
derselben. 

Von Herrn A. Baltzer in Zürich. 

Hierzu Tafel II. bis IV. 

Das vulkanische System der Liparen verdankt seine Ent- 
stehung nach Hoffmann*) einer dreistrahligen vulcanischen 
Spalte, deren einzelne ziemlich geradlinige Zweige ungefähr in 
der Panariagruppe zusammenlaufen. 

Auf diesen Spalten haben sich nun drei Reihen von Strato- 
vulcanen gebildet. Die kürzeste dieser Spalten (ungefähr 
Nordost streichend) hat nur einen Eruptionspunkt: Strom- 
böli. Dieser permanent und intermittirend arbeitende Vulcan 
gestattet der vulcanischen Thätigkeit sich allmälig zu ent- 
laden, so dass sie nicht nothwendig hat, sich neue Eruptions- 
wege in der Verlängerung dieser Spalte zu schaffen. Auf der 
zweiten ungefähr Ost - West laufenden Spalte liegen Saline 
und die schönen Kegel von Felicuri und Alicuri. Die 
dritte Spalte hat Südrichtung. Auf ihr liegen die zu Lipari 
gehörigen: Mte. Campo bianco, Mte. Angelo, Mte. 
Guardia, ferner Mte. Vulcanello und der Hauptkrater 
auf Vulcano. Noch in der Verlängerung dieser Spalte findet 
sich am Cap. Calava der sicilianischen Küste eine Fumarole. 
Die im Centrum des Systems liegenden Inseln der Panaria- 
gruppe zeigen weder Lavaströme noch Kegelstructur. Ihre 
Gesteine werden als Granit-, Gneiss - und Porphyr - ähnlich 
bezeichnet. Diese in ihrer äusseren Erscheinung so abwei- 
chenden, meist schroff nach Nordwest abstürzenden Inselfelsen 
scheinen einem unentwickelt gebliebenen Centraikegel anzu- 
gehören und sind älter als alle übrigen. 



*) Pogg. Ann. Bd. 26. pag. 68 ff. 



37 



Das ganze vulcanische System der Liparen ist nach dieser An- 
schauung ein Mittelglied zwischen Central- und Reihenvulcanen, 
dessen Eigentümlichkeit darin besteht, das es keinen Strato- 
vulcan als Centrum besitzt und dass sich die vulcanische Thä- 
tigkeit ganz auf die Seitenspalten verlegt hat, 

1. Die vulcanische Thätigkeit auf der Insel Vul- 
cano vom August 1873 bis Ende December 1874. 

Den Krater auf Vulcano war man seit längerer Zeit ge- 
wohnt als fast erloschen zu betrachten, da die letzte Eruption 
(wobei er nach Scrope*) seine jetzige Form erhielt) 1786 
stattgefunden hatte. Kaum sah man bei reiner Luft sei- 
ner Mündung Dämpfe entsteigen; er befand sich im Zustand 
einer, mässige Fumarolenthätigkeit zeigenden, Solfatara. Ich 
war daher überrascht , als ich bei einem Besuch der Liparen 
im Anfang November 1873 vernahm, dass seit August der 
Vulcanokrater eine intensive Thätigkeit entwickle. Authentische 
Nachrichten erhielt ich erst von Herrn Picone, Betriebsdirector 
der chemischen Fabrik auf der Insel. 

Nach seinen Mittheilungen begann die erhöhte Thätigkeit 
am 7. August 1873 zunächst mit stärkerem Ziehen der Fuma- 
rolen. Am 7. September erfolgte eine Eruption , welche von 
11 Uhr Vormittags bis 2 Uhr Nachmittags andauerte. Wäh- 
rend derselben fiel auf der ganzen Insel eine schneeweisse 
Asche, von welcher Herr Picone Proben sammelte. Andere 
Aschenfälle , von vulkanischem Sand und Steinen begleitet, 
folgten bis zum 19. October; so z. B. fielen graue Aschen am 
14. und 15. September, von denen Herr Picone ebenfalls Pro- 
ben nahm. 

Einmal war der Aschenfall so dicht, dass man bei der 
kleinen Fabrik auf 2 Meter Entfernung keinen Gegenstand 
deutlich sah; man wünschte auf der Insel sehnlichst ein Ende 
der Eruption, oder wenigstens Wind, um aus dem lästigen 
Zustand herauszukommen. Ein oder einigemal wurden die 
Aschen in der That bis nach Lipari und Saline getragen , wo 
die Blätter der Bäume und Sträucher davon bedeckt waren. 

Am 19. October erfolgte eine Eruption mit Auswurf von 
vielen Projectilen. 

*) Vergl. dessen Volcanos pag. 337. 



38 



Die 'Eruptionen fanden nach einem gewissen Rythmus 
statt. Zuerst beobachtete man während 5 — 7 Minuten stei- 
gende Fumarolenthätigkeit , indem unter heftigem Brausen 
schneller und in grösserer Menge der weisse Dampf den 
Spalten entquoll , gewaltige Rauchsäulen bildend. Dann sank 
die Thätigkeit zurück, um nach kurzer Zeit sich wieder zu 
steigern. Gewöhnlich beim dritten Anlauf wurden unter Knallen 
und Rollen Steine ausgeschleudert. Von solchen Steinen fand 
ich das Innere des Kraters (namentlich an der Nordostseite, 
vergl. Tafel III.), sowie den sogen. Piano della Fossa ganz 
übersäet. 

Sie gefährdeten die Arbeiter, welche, etwa 30 an der 
Zahl, das Rohmaterial zur Gewinnung von Borsäure, Salmiak, 
Schwefel und „Balsamo di Zolfo" aus dem Krater heraufholten. 
Es bedurfte der unermüdlichen Thätigkeit des Directors , um 
ernstliche Unglücksfälle zu verhüten, nachdem einige Arbeiter 
durch die fallenden Projectile leicht verwundet worden waren. 
Nicht nur liess Herr Picone einen neuen Weg anlegen , der 
den fallenden Bomben weniger ausgesetzt war, er überwachte 
auch die Thätigkeit des Kraters und gab mit einer Glocke 
den Arbeitern ein Zeichen, wenn der Rhythmus der Fumarolen- 
thätigkeit einen Steinregen voraussehen liess. 

Am 1. November fiel etwas Asche. 

Am 3. November 1873, dem Tage meiner Anwesenheit 
auf Vulcano, beobachtete ich heftige Fumarolenthätigkeit, aber 
keine Steinwürfe. 

Jene hielt an bis zum 22. Januar und es fanden auch 
hin und wieder Bodenerschütterungen statt. 

Am 22. Januar 1874 bemerkte Herr Picone um 11 \ Uhr 
Abends zuerst eine undulatorische , dann eine subsultorische 
Bodenbewegung, beide von kurzer Dauer. 

Diese ungewöhnlichen Erschütterungen veranlassten ihn 
am Morgen des 23. nach dem Krater emporzusteigen, um all- 
fälligen Veränderungen nachzuforschen. In der That zeigte 
sich Folgendes: Die Dampfausströmungeu waren so heftig, 
dass das Athmen im Krater sehr erschwert war. Alle Fuma- 
rolen waren am Rande mit Asche bedeckt. Von der Ostseite 
des Kraters erscholl ein auffallendes Getöse als Anzeichen, 
dass die unterirdischen Dämpfe sich eine neue Mündung er- 
schlossen hatten. 



Erst am 4. Februar gestatteten jedoch die dichten Dampf- 
massen, die neue Mündung wahrzunehmen und sich ihr zu nähern. 
Der Dampf entströmte ihr mit einem wahrhaft betäubenden Ge- 
töse und Flammen brachen daraus hervor. Sie flackerten und zün- 
gelten nicht, sondern waren wie angenagelt („come inchiodata"). 
Herr Picone beobachtete dieselben bei Nacht genauer. Sie 
waren theils roth, mit charakteristisch grünem*) Saume, theils 
weiss und röthlichgelb. Der Durchmesser der Fumarolen- 
mündung betrug lj M, Das Brausen und die Flammen aller 
übrigen Fumarolen zusammen waren nicht so heftig wie bei 
dieser einen neuen. 

In den folgenden Monaten verengte sich diese Mündung, 
aber noch am 31. Juli waren Flammen an ihr bemerkbar. 

Bis zum 4. Februar beobachtete Herr Picone häufig unter- 
irdisches Getöse , dann verminderten sich die Thätigkeits- 
äusserungen und zu Ende Juni 1874 schien der Krater wieder 
in normaler Verfassung zu sein. 

Am 1. Juli jedoch machte sich wieder heftiges, andauern- 
des unterirdisches Geräusch bemerkbar. Am 15. Juli erfolgte 
ein schrecklicher Schuss (,,una tirata spaventosa") und im 
Laufe desselben Tages zählte Herr Picone nicht weniger wie 
300 Stösse, die allmälig an Heftigkeit abnahmen und gegen 
6| Uhr Abends kaum noch bemerkbar waren. Nach dieser 
Kraftäusserung trat Ruhe ein; nur alle 2 — 3 Tage wurde 
noch unterirdisches Geräusch gehört. 

Ende Juli 1874 bemerkte Herr Picone im Krater nichts 
Neues, nur am Abend war an den Flammen, welche früher 
continuirlich und ruhig aus der grossen Bocca und den im 
Osten neu eröffneten Fumarolenöffnungen hervorbrannten, ein 



*) Borsäure, auf einem Platinblech in die bläuliche H 2 S - Flamrae 
gebracht , verleiht derselben , wie ich mich überzeugte , einen grünen 
Saum, jedoch nur so lange als die Säure nicht in Anhydrid übergegan- 
gen ist. Hier sei noch bemerkt (was vielleicht noch nicht bekannt ist), 
dass die Färbung einiger Salze in der H 2 S -Flamme kleine Abweichun- 
gen zeigt von der Färbung, die dieselben Substanzen in der nicht leuch- 
tenden Brennerflamme geben. Lithium macht die H 2 S- Flamme nur am 
Rande roth. Unreines Strontiumsalz , welches die Leuchtgasflamme in- 
tensiv roth dann gelb machte, erzeugte, in die H 2 S - Flamme gebracht, 
nur eine gelbe Färbung, 



40 



intermittirendes Hervorpuffen (dreimal alle 5 — 10 Minuten) 
bemerkbar, wobei sie ruckweise auf- und niederstiegen. Ob 
auch Steine herausflogen, giebt Herr Picone nicht an, bemerkt 
aber, es sei ein ähnliches Phänomen gewesen, wie auf Strom- 
boli*), nur in gelinderer Weise. Diese Erscheinung findet 
jetzt noch statt. 

Vom 2. August an ertönte aufs Neue unterirdisches Ge- 
räusch und von Zeit zu Zeit ein Stoss. Von Mitte October 
1874 ab hörte man das Geräusch seltener; seit dem 23. No- 
vember 1874 ist Alles ruhig. Vom April bis October 1874 
war die Ausbeutung immer noch, wie früher, gehindert. Selbst 
heute ist die Fumarolenthätigkeit noch nicht ganz auf ihr nor- 
males Maass zurückgekehrt. Lava ist während der ganzen 
Zeit nicht beobachtet worden. 

Ein Freund des Herrn Picone berichtete ihm durch Schrei- 
ben vom August, dass auf Stromboli ausser der grossen Bocca 
sich neuerdings zwei andere in Südwest gebildet hätten, und 
dass jene Stelle, von der aus man früher den Krater beob- 
achtete, nicht mehr betreten werden könne. Genauer ausge- 
drückt, habe sich eine Bocca unter dem „Faraglione" gebildet 
und eine andere gegen Norden, circa 30 M. von der alten. 

Soweit die mündlichen und brieflichen (im Auszug über- 
setzten) Mittheilungen von Herrn Picone.**) Ich bin ihm 
hierfür, sowie für die bereitwillige Zusendung von Aschen- 
proben zur Untersuchung zu grossem Dank verpflichtet. 



*) Dort erfolgt nach Abicit (Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1857 p. 396) 
und anderen Autoren alle b — 7 Minuten eine kleine Dampfexplosion, 
verbunden mit Aufwallen der Lava und Auswurf von Projectilen. 

**) Nachträglich theilte mir Herr Picone noch mit, dass er sich 
fünfmal während der Eruption im Krater befand. Einmal trieb der 
Nordwind die Dampfmasse nach Süden. Sie bedeckte den Krater wie 
eine Mütze und man befand sich unten ganz im Dunkeln. Dabei wurde 
so reichlich Asche ausgeworfen, dass man hernach von der Krampe eines 
Strohhutes 1 Kilo sammelte. Ein andermal begann eine Eruption feiner 
Asche während des Hinuntersteigens in dem Krater, die Herrn Picone 
zwang, Mund und Nase zu verschliessen und sich zu entfernen. — Er 
befürchtete einigemal eine Katastrophe ähnlich der von Pompeji. 



2. Besuch des Kraters im November 1873.*) 

Am 3. November begab ich mich von der kleinen, am 
nordöstlichen Fuss des Kegels gelegenen, Fabrik nach diesem 
selbst hinauf. Ich verfolgte den alten auf der Nordseite auf- 
wärts führenden Weg; der neue zieht sich von Nordwesten 
her aufwärts. Den bereits von Dolomieü erwähnten, in den 
Abhang des Berges eingeschnittenen Adventivkrater bestimmte 
ich zu 79,2 M. Meereshöhe. Derselbe ist ausgefüllt, flach 
und hat ca. 100 Schritt Durchmesser. Etwas oberhalb des- 
selben, auf einer etwas vorspringenden Ecke, zeichnete ich die 
Ansicht III. Zu ihrem Verständniss ist zu bemerken , dass 
unmittelbar neben und östlich vom jetzigen Hauptkegel (1 der 
Zeichnung stellt seinen äusseren Abhang dar) sich ein halb- 
mondförmig gekrümmter Rücken (6) bogenförmig herumzieht. 
Er ist ca. 500 M. vom Centrum des Kraters entfernt, aber 
nur auf der Ostseite entwickelt. Zwischen ihm und dem 
Hauptkegel befindet' sich eine Schlucht (2). Man verwechsle 
ihn nicht mit der — der Somma des Vesuvs vergleichbaren — 
grossen äusseren Umwallung (mit dem Monte Luccia) , die 
an 1500 M. vom jetzigen Krater entfernt ist. 

Leider konnte ich weder die kleine Schlucht (2) , noch 
die Lavabank näher untersuchen , um zu constatiren , ob die 
Hügel (6) als alter Kraterrand oder neue Aufschüttung aufzu- 
fassen sind. Die Schlucht schien durch spätere Aschenfälle 
z. Th. ausgefüllt worden zu sein, da die Aschenlagen (unter- 
halb 3 der Zeichnung) horizontal sind, dagegen discordant mit 
der Bank 4. In diesen Aschenlagen vertiefte sich die Schlucht 
durch Erosion. Gegen Spaltung spricht der Umstand, dass 
die Schichten rechts und links der Schlucht einander ent- 
sprechen, z. B. 3 links und 3 rechts. Eigentümlich erscheint 
die discordante Lavabank 4. 

Vom oben genannten Vorsprung biegt sich der Weg nach 
Westen um. Man gelangt nach kurzer Zeit zu einer fast 
ebenen oder sanft ansteigenden Fläche, dem sogen. Piano 
della Fossa (vergl. Taf. II.) — 215,6 M. über dem Meer. Sie 
umgiebt den Krater halbmondförmig auf der Nord- und Nord- 



*) 1869 besuchte vom Rath Vulcano. Vergl. seinen interessanten 
Tagebuchauszug im N. Jahrb. 1874 pag. 63. 



42 



Westseite. In ihr führt der Pfad zum Nordwestrand des 
Kraters. 

Ihre Breite beträgt wohl an 200 M. Am äusseren Rand 
zeigt sie dampfende Fumarolen, reich an Schwefelkrusten und 
Sublimationen. Sie ist übersät mit den Projectilen der jüng- 
sten Eruption, die zu Hunderten den Boden bedecken. 

Noch einige Hundert Schritt und wir stehen am Rande 
des ungeheuren Trichters. Mit Recht nennt ihn Dolomieu den 
schönsten und prächtigsten Krater, den er je gesehen; und 
Hoffmann meint, es scheine unmöglich, das vollkommenere 
und zierlichere Modell einer in sich abgeschlossenen Vulcan- 
insel aufzufinden. *) Ein Blick auf Tafel II. und IV. wird 
dies bestätigen. Jene zeigt einen Theil von Lipari und be- 
sonders den Krater von Vulcano als Ganzes. Jenseits des 
Kraters folgt, durch eine tiefe Schlucht getrennt, die Somma 
von Vulcano. Daran schliesst sich eine Art Hochplateau, 
offenbar ein ausgefüllter, grosser, älterer Krater, dessen erhal- 
tenen Südrand Monte Aria und Somma dell' Felicichie bilden. 
In West und Nordost gehören zu ihm Monte Saraceno und 
Monte Molineddo, der Nordrand ist durch das jetzige Centrum, 
welches demnach jünger ist, zerstört. Tafel IV. giebt die 
Ostseite des Kraters , wie ich sie vom nordwestlichen Rand 
desselben sah. 

Der Krater hat gegenwärtig die Gestalt eines ziemlich 
runden Trichters. Der Durchmesser beträgt oben ca. 900 M., 
unten auf der Sohle ca. 80 M. Den Punkt des Kraterrandes, 
wo ich zeichnete, bestimmte ich mit dem GoLDSCHMiDT'schen 
Aneroid zu 245 M. Meereshöhe; für die Sohle des Kraters, 
wie sie das Bild angiebt, fand ich 159 M. Daraus ergiebt 
sich die Tiefe des Trichters zu 86 M. Der obere Rand des- 
selben ist aber sehr ungleich hoch und gerade dort, wo ich 
zeichnete, fast am niedrigsten. Nimmt man den auf Taf. IV. 
mit 1 bezeichneten höchsten Punkt**) des Randes als Aus- 
gangspunkt, so mag die Tiefe des Kraters gut 150 M. be- 
tragen. 

Unter dem Rand folgen zunächst schräge Abdachungen 



*) Ann. d. Phys. u. Chem. Bd. XXVI., pag. 58. 
**) Die Aufschüttung desselben geschah 1786, vergl, bei Spällaö- 
rani pag. 163. 



I 




(3 u. 4) von ausgezeichnet geschichteten Aschen- und Tuff- 
lagen , hie und da von kleineren Abstürzen unterbrochen. 
Ihre Böschung nimmt nach unten zu. Dann stürzen schroffe, 
an 150 Fuss hohe Wände (11) zur Kratersoble ab. 

Sie bestehen, wo ich sie sah, aus compacter, massiger, 
glasiger Lava, welche stark gerundete, klumpige Formen bildet. 
Hie und da zeigen sich Löcher und Höhlungen oder von den 
Fumarolengasen hervorgebrachte Färbungen und Verwitterungen. 

Die Schichten derselben fallen dort, wo der Kraterrand 
eine flache Einbiegung zeigt, deutlich gegen den Krater zu, 
anstatt von ihm ab (bei 7). Die nach aufwärts gebogenen 
Schichtenlinien zeigen keinen regelmässigen Zusammenhang 
mit den Schichten weiter rechts. Nach Poülett Scrope*) ent- 
steht bei manchen Vulcanen ein Fallen der Schichten nach 
innen gegen den Krater zu dadurch, dass, besonders gegen das 
Ende der Eruption, ausgeworfenes Material Lagen bildet, welche 
parallel der inneren Böschung geneigt sind. Ob das hier der 
Fall, ob Senkung anzunehmen, bedarf weiterer Untersuchung, 
da mir diese Erscheinung erst nachträglich auf der Zeichnung 
auffiel. Figur II. zeigt nichts davon. 

In den weichen Lagen sind durch die wässerigen aus der 
Atmosphäre und vom Krater selbst herstammenden Niederschläge 
zierliche Erosionsrippen entwickelt. 

Die Sohle des Kraters ist an der abgebildeten Ostseite 
ganz eben und liegt daselbst am tiefsten. An der Nordwest- 
und Westseite ist sie etwas erhöht und unregelmässiger. 

Aus einer grossen Zahl von Furaarolen steigen Dampf- 
säulen in die Höhe. Sie erheben sich weit über den Rand 
des Kraters und vereinigen sich oben zu einer compacten 
Wolke, in die der Wind wechselnde Formen bildet. Sie sind 
auf Tafel IV. nur klein angegeben, um die Formen der Krater- 
wandung nicht einzubüssen. Diese Dampfsäulen entquollen 
ihren unregelmässig gestalteten Fumarolenöffnungen mit einem 
zischenden Ton, wie wenn aus vielen Locomotiven der Dampf 
ausströmt. Dieser Ton ist etwas verschieden, je nach der 
Stärke des Dampfstroms, der Richtung der Oeffnung, der Be- 
schaffenheit des Randes und der Mündung (glatt, eckig, porös, 
rund, spaltenartig etc.). 



*) Volcanos pag. 60. 



44 



Noch anziehender wurde das Bild vulkanischer Thätigkeit 
durch das lebhafte Treiben der Arbeiter, die soeben den steilen 
Pfad heraufstiegen, die mit dem Rohmaterial gefüllten Körbe 
auf den Schultern tragend. 

Die Gase der Fumarolen des Kraters bestehen vorzugsweise 
aus H 2 S, H 2 und HCl, welchen Borsäure und Salmiak beige- 
mengt sind. Ob S0 2 z. Th. präexistirt oder ausschliesslich 
bei der Verbrennung von H 2 S an der Luft entsteht, ist nicht 
festgestellt. Auf HCl schlie&se ich aus dem Vorkommen von 
Chloriden in den ausgeworfenen Aschen. Jedenfalls sind darin 
noch andere Gase (C0 2 ? N ?) und gelöste feste Substanzen 
enthalten, die theils von den Dämpfen mitgeführt, theils durch 
Einwirkung derselben auf die Fumarolenwanduugen gebildet 
wurden, allein es ist hierüber nichts bekannt.*) 

Man gewinnt aus den Fumarolen Borsäure, Salmiak, 
Schwefel. Die Alaungewinnung hat man gegenwärtig fallen 
lassen, will aber dafür Schwefelsäure fabriciren. 

Auf dem Absatz rechts (Fig. IV. 9) wurde, wie mir der 
Aufseher sagte, besonders Schwefel gewonnen ; eine der Fuma- 
rolen liefert ausschliesslich Alaun. Die links abgebildete Fu- 
marole war besonders stark, sie erhob sich bedeutend über 
den Rand des Kraters und es war nicht möglich, sich ihr zu 
nähern. 

Die Art der Gewinnung scheint, soviel ich beobachten 
konnte, ungemein einfach zu sein. Man wirft lockeres Material 
(vulkanische Asche) auf die Mündungen der kleineren Fuma- 
rolen; die Dämpfe streichen hindurch und lagern ihre gelösten, 
festen Bestandtheile darin ab. So entsteht eine Art cämen- 
tirten Conglomerates. Dasselbe ist erfüllt mit faserigem Samiak, 
gelbrothem Selenschwefel, Alaun und schön weisser seiden- 
glänzender Borsäure. Dieses Rohmaterial wird , wenn es mit 
den Fumarolenproducten genugsam beladen ist, in Gefässe 
gefüllt und von den Arbeitern auf den Schultern zur Fabrik 
am Nordfluss des Kegels befördert, um daselbst weiter ver- 



*) Ich glaubte Jod, dessen Anwesenheit in den Sublimationen Borne- 
mann und vom Rath erkannten, könne sich vielleicht in den bei der Fa- 
brication übrig bleibenden Mutterlaugen finden; Herr Picone verneint 
aber seine Anwesenheit. Nach Cü. Deville sollen in den Sublimations- 
producten kleine Mengen von As u. P vorkommen. 



45 

arbeitet zu werden. Als Herr Trautschold *) den Krater be- 
suchte, sah er, wie man die Dämpfe einer Borsäure haltenden 
Fumarole auf eine sehr rohe Weise in einem Fass condensirte. 

In neuerer Zeit machte Herr Pioone einige Bohrversuche 
in der Hoffnung, reichere Ablagerungen anzutreffen. Eines 
der Bohrlöcher wurde in der Sohle des Kraters niedergebracht. 
Kaum war man in einer Tiefe von 7 M. angelangt, so erfolgte 
eine Dampfexplosion, die den Bohrer in die Höhe schleuderte. 
Eine mächtige Fumarole entstand im Bohrloch selbst. Darauf- 
hin wurde von weiteren Versuchen Abstand genommen. 

Die Industrie auf Vulcano hat wechselnde Schicksale ge- 
habt. Die Schwefelgewinnung fand nach Spallanzani **) schon 
Mitte des vorigen Jahrhunderts statt, wurde dann aber unter- 
sagt, weil man glaubte die bei der Reinigung des Schwefels 
entstehenden Dämpfe schadeten den Weinpflanzungen auf 
Lipari. Ungefähr 1790 gab der König von Neapel die Er- 
laubniss zur Wiederaufnahme der Arbeiten , sie standen aber 
nach einiger Zeit wieder still, wahrscheinlich wegen mangel- 
haftem Betrieb. Später gelangte die Fabrik in den Besitz des 
Herrn Nunziante, der sie in neuester Zeit an Herrn Steven- 
son, einen Engländer von Glascow verkaufte. Dieser übergab 
die technische Leitung Herrn Picone, unter dessen tüchtiger 
Direction die Fabrication ohne Zweifel einen neuen Aufschwung 
nehmen wird. Der Borsäuregehalt der Fumarolen soll grösser 
sein als der der toskanischen. Im Jahre 1860 wurden jährlich 
etwa 2500 Kilo Borsäure gewonnen , gegenwärtig wird sich 
die Production wohl gesteigert haben. 

Ehe ich zu den Eruptionsproducten übergehe, möchte ich 
noch einer Eigentümlichkeit der Kraterwandung Erwähnung 
thun. Ich bemerkte beim Hinuntersteigen in den Krater an 
den steilen unteren Abstürzen eine Kruste. Sie bedeckt die- 
selben gleichsam mantelartig oder wie eine Tapete, die nicht 
fest an der Wand ansitzt. Ihre Dicke betrug, wo ich sie 
untersuchte, nicht mehr wie 1 — 3 Cm., ihre Höhe 40 — 50' 
und mehr. Schlägt man daran, so fallen grosse Stücke herab 
und es zeigt sich ein Hohlraum zwischen ihr und dem Lava- 
fels. Der letztere war an der betreffenden Stelle nicht auf- 




*) N. Jahrb. für Mineral, etc. 1874 pag. 63. 
''*) „Voyages dans les deux Siciles" pag. 136. 



46 



fallend zersetzt; die Kruste ist also etwas Fremdartiges, nicht 
die äussere zersetzte Lavaschicht. 

Die Kruste ist grau oder weiss gefärbt und hat das Aus- 
sehen zusammengebackener vulkanischer Asche. In der grauen 
Masse sind viele Lavensplitter und dergl. bemerkbar, In den 
Poren und Hohlräumen aussen und inwendig sitzen dicke 
Büschel prismatischer gypsähnlicher Krystalle. 

An kaltes Wasser giebt die lufttrockene Substanz 6,9 pCt. 
ab. Der wässerige Auszug reagirt stark sauer und enthält 
ziemlich viel H 2 S0 4 , aber nur Spuren von HCl. Beim Ver- 
dunsten der Lösung bleiben Nadeln und Blättchen zurück, die 
beim Erhitzen undurchsichtig werden. Sie enthalten Thonerde, 
Magnesia, Kalk und eine Spur von Ammoniak, welche an die 
genannten Säuren gebunden sind. Alkalien sind nicht vor- 
handen. Der beim Ausziehen mit Wasser bleibende schlam- 
mige Rückstand ist mit Gypskrystallen erfüllt. 

Eine neue Probe mit Na 2 C0 3 gekocht ergab reichliche 
Mengen an Kalk und Schwefelsäure, ferner Strontium, aber 
keinen Baryt, dann noch die schon beim wässerigen Auszug 
genannten Basen mit Ausnahme des Ammoniaks. Der von 
Na 2 CO , - Lösung nicht angegriffene Rückstand lässt mit der 
Loupe Stückchen dunkler Glaslava, Quarzkörner, sowie grün- 
liche und röthliche Fragmente erkennen. 

Quantitative Zusammensetzung einer Probe der Kruste: 
55,34 pCt. Gyps, 

34,7 pCt. Rückstand nach dem Kochen mit Na 2 C0 3 und 
Behandeln mit HCl, 
6,9 pCt. in Wasser leicht lösliche Bestandtheile. 

Der Gyps wurde aus der Kalkmenge berechnet, die man 
durch Kochen mit Na., C0 3 etc. erhielt; die beiden ersteren 
Bestimmungen beziehen sich auf bei 100° getrocknete, die 
letztere auf lufttrockne Substanz. 

Erhitzt man das Pulver der Kruste und rührt Wasser 
hinzu, so erstarrt der Brei wie Gyps. 

Nach dem Gesagten ist die Kruste wohl aus den Aschen- 
schichten der oberen Partie der Kraterwandung (Taf. IV.) ent- 
standen. Sie erweichten zu einem Schlamm, welcher über die 
Lavaabstürze des Kraters herunterfloss. Beim Austrocknen 
der Masse löste sie sich da und dort von der Wandung ab, 
ohne indessen ihren Zusammenhang zu verlieren. 



Die Entstehung von Gyps auf vulkanischem Wege ist 
eine bekannte Thatsache. So beobachtete z. B. Hoffmann*) 
dieselbe bei den Stufe di S. Calogero auf Lipari in grossem 
Maassstab. Dort findet sich der Gyps theils wechsellagernd 
mit vulkanischem Thon, theils in unregelmässigen Anhäufungen 
in den Tuffschichten, theils hie und da in Krusten, die grösse- 
ren Blöcke überziehend. Merkwürdig ist daher im vorliegenden 
Falle nur, dass die den Gyps enthaltenden Krusten gleich einer 
Draperie im Innern eines Kraters herunterhängen. 

Wenn auch ein Theil des Calciumsulfats schon in der 
breiigen Masse durch Einwirkung der schwefligen Säure und 
des Schwefelwasserstoffs entstand, so ist es doch schwer zu 
begreifen , wie sich der Gyps in dem kalkarmen Material 
so anhäufen konnte, dass er alle Poren und Hohlräume ver- 
stopfte. Vielleicht war es das herabrinnende und die poröse 
Kruste durchsickernde Wasser, welches aus den oberen Sand- 
und Aschenschichten (vergl. Taf. IV., 4) immer neue Quanti- 
täten von Kalk**) mitbrachte und ihn so absetzte, wie die 
ein Gradirwerk durchtröpfelnde Salzsoole ihren Kalkgehalt in 
den Dornenwänden. Daher zeigt auch die Aussenfläche der 
Kruste vom rinnenden Wasser herrührende Vertiefungen und 
Furchen. 

3. Untersuchung der jüngsten Eruptions- 
p rod u cte. 

Sie bestehen, soweit sie fest sind, theils aus von den Fu- 
marolen ausgeschleuderten Projectilen , theils aus Aschen und 
Sanden. 

Erstere liegen in ungeheurer Anzahl auf dem Piano della 
Fossa, dem inneren Kraterabfall (vergl. Taf. IV.), sowie auf 
der Sohle des Kraters umher und sind leicht von anderen 
Steinen unterscheidbar. Die meisten fielen gegen Norden zu. 
Rundliche oder länglich-birnenförmige Gestalten, wie am Aetna 
und Vesuv, sah ich nicht. Viele waren nicht grösser wie eine 



*) Pogq. Ann. Bd. 2b. pag. 39 ff. 

**) Die Aschen von 1873 enthalten merklich Kalk. In der Vesuv- 
asche vom '28. April 1872, die in Neapel niederfiel, war von den bei- 
gemengten Salzen Ca S0 4 vorwiegend (Scacchi, in Zeitschr. d. d. geol. 
Ges. 1872). 



48 



Faust, die ansehnlichsten erreichten Kopfgrösse. Sie besitzen 
keine eigentliche Kruste , sind aber mehr oder weniger von 
sauren Dämpfen gebleicht. Im Folgenden beschreibe ich die 
Haupttypen. 

a. Grauer, unregelmässig weissgestreifter Liparit. Dichte 
lithoidische, im Dünschliff krystallinisch-scbuppige Grundmasse, 
mit reichlich eingebetteten Hornblendekrystallen (und Aggre- 
gaten derselben), bis zu 1 Cm. lang. Die Handstücke sind 
durchsetzt von theils unregelmässig zelligen , tbeils regel- 
mässigeren, langgestreckten Hohlräumen, die durch ihre Aus- 
füllung den Stücken das gestreifte Aussehen geben. Alle 
Hohlräume sind mit weissem, krystallinischem Quarz (Tridy- 
mit?) ausgekleidet, der dieselben aber häufig nicht ganz aus- 
füllt. In den nicht erfüllten Drusen und Nestern finden sich 
folgende Mineralindividuen: 

Quarz, 
Hornblende, 
Eisenkies, 
Magneteisen. 

Der Quarz bildet bis 3 Mm. lange, vollkommen durch- 
sichtige Krystalle (prismatische und tafelförmige). Einer der- 
selben, 3 Mm. lang, gleicht vollkommen einem kleinen Berg- 
krystall , er zeigt die Flächen von P und xP; letztere sind 
gestreift. Durch alternirende Prismen- und Pyramidenflächen 
verjüngt sich der Krystall nach unten. Als Einschluss enthält 
er eine millimeterlange Amphibolnadel , während aussen klei- 
nere Amphibole aufsitzen. Andere solcher Quarze sind von 
vielen haarförmigen Amphibolen und Magneteisen filzartig 
bedeckt. 

Häufig sind die Hornblendenadeln in den zelligen Hohl- 
räumen, wie sich kreuzende Fäden, von einer Wandung zur 
anderen ausgespannt, wodurch manchmal eine Art Gewebe 
entsteht. Die Oberfläche dieser Fäden ist in der Regel dicht 
bedeckt von kleinen, messinggelben Pyritkryställchen. An 
diesen sind bin und wieder die Oktaederflächen erkennbar. 
Auf Platinblech erhitzt, verwandeln sie sich unter Erglühen in 
dunkelbraune Kügelchen unter Entwicklung von SO.,. In 
der Phosphorsalzperle und auf nassem Wege geben diese 
Kügelchen Eiseureaction. 




Die Analyse der grauen Grundmasse ergab, nach sorg- 
fältiger Entfernung der Hornblende mit der Loupe, in 100 Theilen 
geglühter Substanz: 

Kieselsäure . . . . 73,79 
Eisenoxyd . . 13,81 \ fi 
Thonerde . . 3,78 I ' 

Kalk 1,43 

Magnesia 0,05 

Alkalien a. d. Differenz 7,04 

Die drei ersten Bestandteile sind doppelt bestimmt. Von 
der Anwesenheit beträchtlicher Mengen Kalis überzeugte ich 
mich durch Platinchlorid. Glühverlust 0,72, davon 0,24 bei 
100°; 0,48 zwischen 100° und Glühtemperatur. 

Diese Analyse zeigt, dass das GesTein Liparit ist, was 
auch die Betrachtung von Dünnschliffen bestätigt. Man be- 
merkt viel Sanidin, aber keinen Feldspath mit Zwillingsstrei- 
fung, ferner Magneteisen (auch haar- und drahtförmig) ; Tri- 
dymit liess sich nicht mit Sicherheit erkennen. 

b. Liparitische Auswürflinge, ohne Hohlräume, aber regel- 
mässig gestreift und gebändert, wie manche Obsidiane. In 
der Grundmasse kommen bis zu 4'" lange Hornblendekrystalle 
vor, ausserdem Pyrit, der hie und da in Eisenoxyd verwandelt 
ist. Die hellen Streifen oder Bänder bilden auf den Bruch- 
flächen auch wohl scharf umschriebene Linsen; immer haben 
sie in der Mitte eine krystallinische Ausfüllung, anscheinend 
hauptsächlich aus Quarz bestehend. Aussen sind solche Pro- 
jectile bis auf 5 Mm. Tiefe durch die sauren Dämpfe zersetzt, 
wodurch eine gebleichte aber harte Oberfläche entsteht. 

Ein Dünnschliff liess erkennen, dass die Streifen aus 
amorpher, einfach brechender Glassubstanz bestehen , welche 
mit doppelt brechender Substanz wechselt. Hin und wieder 
finden sich Sanidine von der Glasmasse eingeschlossen. 

c. Projectile, welche aus der analysirten Grundmasse 
allein bestehen, keine hellen Streifen oder Linsen zeigen und 
höchstens nur einige wenige Hornblendekrystalle enthalten. 

d. Glasige Projectile, ähnlich der dunkeln glasigen Lava, 
die man an der Kraterwandung beobachtet. 

Von Aschen erhielt ich durch die Güte des Herrn Picoke 
drei Sorten zugeschickt: 

Zeits. a. D. geol. Ges. XXVII. 1 . 4 



50 



1. Asche vom 15. September 1873. Dauer der Eruption 
2 Stunden. Sie ist rein grau gefärbt und besteht aus meistens 
stecknadelkopfgrossen , etwas abgerundeten Fragmenten. Sel- 
tener sind sie grösser und eckig. 

Obgleich man bereits weiss, dass vulcanische Asche nichts 
weiter ist als mechanisch zerkleinerte und durch die Gewalt 
der explodirenden Dämpfe zerstäubte Lava, so wollte ich 
mich doch nochmals überzeugen, wie sich der Kieselsäuregehalt 
dieser Asche zu dem der obigen Grundmasse der Projectile 
verhalte. Ich fand in der Asche 73,08 pCt. Si0 2 , also den- 
selben Gehalt, wie ihn die ausgeschleuderten Liparitbomben 
besitzen. Auch das Aussehen der Körner verräth, dass diese 
Asche und obiger Liparit wesentlich aus dem gleichen Material 
bestehen. 

Der Gewichtsverlust beim Glühen der Asche betrug 5,49 pCt. 

2. Sand vom 14. September. Dauer der Eruption 3 Stun- 
den. Er ist etwas dunkler gefärbt als die vorhergehende Asche ; 
die einzelnen Partikel sind grösser, eckiger, daher dem Liparit 
im Aussehen noch ähnlicher. Hin und wieder kommen Schwefel- 
stückchen vor, auch von Eisenchlorid gelb gefärbte Partieen 
und Eisenkies. Qualitativ wurde ausser Si0 2 noch Fe, 2 3 , 
Al 2 3 , MgO, CaO, sowie auch deutliche Mengen von K.,0 
und Na 2 gefunden. 

3. Weisse Asche vom 7. September 1873. Dauer der 
Eruption 3 Stunden. Während diese Asche auf der ganzen 
Insel Vulcano niederfiel, hatten die anwesenden Liparoten das 
eigentümliche Schauspiel eiues nordischen Schneefalles, freilich 
an einem Material von ganz anderer Natur.*) Sie ist von 
den erwähnten Eruptionsproducten das interessanteste. Ihre 
Farbe ist schneeweiss. Bei mikroskopischer Betrachtung über- 
zeugt man sich leicht , dass man es hier nicht mit Laven- 
partikeln zu thun hat, wie bei L und 2., sondern mit einem 
krystaliinisch-körnigen, zu Klumpen zusammengeballten Pulver, 
welches wesentlich nur aus einem Mineral besteht. Bestimmte 
Krystallformen lassen sich zwar nicht wahrnehmen, aber die 



*) Diese Asche fiel bei ruhiger Luft auf den Hauptkegel, auf die 
Ebene bei der Fabrik und die südlich des Kegels gelegenen Hügel. Dieselben 
waren davon ganz weiss (imhiancata). Die Dicke der Schicht betrug 
3 bis i Cm. 



weisse Substanz ist, weil doppelt brechend, zum grösse- 
ren Theile krystalliniseh. Dies deutet nun schon darauf hin, 
dass diese Asche etwas Anderes ist, wie eine bloss mechanisch 
zerstückelte Lava. 

Von unwesentlichen Beimengungen finden sich folgende: 

Nächst grösseren, weissen, festeren Gesteinsbrocken kom- 
men andere von grünlicher und röthlicher Färbung vor; ferner 
kleine dunkle Partikelchen. Etliche davon sind mit dem 
Magnet ausziehbares Magneteisen, andere sind Fragmente gla- 
siger Lava, vielleicht auch Hornblende. Manchmal sind sie 
so leicht, dass sie auf Wasser schwimmen. Ausserdem finden 
sich noch Fragmente einer dunklen nicht glasigen Lava, 
Schwefelstückchen und in der krystalliniseh - körnigen Haupt- 
menge selten grössere abgerundete Brocken, anscheinend Quarz. 

Der wässrige Auszug reagirt stark sauer und enthält 
Schwefelsäure und Salzsäure, von letzterer anscheinend mehr (?). 
Die Menge des durch Wasser Ausgezogenen betrug 1,37 pCt. 
Der durch Eindampfung erhaltene Rückstand war dunkel ge- 
färbt. Beim Erhitzen entfärbte er sich unter Entwickelung 
eines bituminösen Geruchs. Es ist somit eine organische, in 
verdünnten Säuren lösliche Substanz zugegen , die wegen 
Mangel an Material noch nicht näher untersucht werden 
konnte. Der erwähnte Rückstand enthielt ausserdem Eisen, 
etwas Magnesia und namentlich auch Alkalien. Mit Platin- 
chlorid entstand ein merklicher Niederschlag von K 2 Pt€l 6 . 

Der Gewichtsverlust beim Erhitzen der lufttrockenen Asche 
betrug bei einer Probe 4,53 pCt., bei einer anderen 5,95 pCt. 
Derselbe kommt besonders auf Rechnung des Schwefels , da 
beim Erhitzen ein intensiver Geruch von S0 2 auftritt und von 
Schwefelkohlenstoff beträchtliche Mengen desselben extrahirt 
werden. 

Ein auffallendes Resultat gab die Kieselsäurebestimmung. 
In einem Fall erhielt ich 95,8 pCt., im anderen Fall 93,2 pCt. 
(berechnet auf geglühte Substanz). Bei ersterer Bestimmung 
waren die beigemengten fremdartigen Partikel sorgfältiger aus- 
gesucht worden. 

Nach dem Gesagten ist die Asche vorwiegeed als Kiesel- 
säure zu betrachten , ungleichförmig gemengt mit Schwefel, 
Sulfaten and Chloriden von Alkalien, alkalischen Erden und 

4* 



52 



Eisen; ferner mit kleinen Lava- und Schwefelpartikelchen 
und verschiedenen Gesteinsbrocken. 

Dass Kieselsäure als Aschenauswurf eines Vulkans auf- 
treten kann, ist meines Wissens bisher noch nicht erkannt 
worden. Dagegen wird von einigen Autoren weisse Asche 
erwähnt. 

So berichtet Dolomieü, dass bei dem Ausbruch auf Vul- 
cano von 1775 (er wird als der letzte ausgegeben , während 
nach Spallanzaki*) noch 1786 eine Eruption**) stattfand) 
eine weissliche Asche auf Lipari niederfiel. Auch am Vesuv 
sollen hellgefärbte Aschen, z. B. bei der Eruption von 1850 
und 1872, gefallen sein , wobei es freilich fraglich bleibt , ob 
sie weiss oder hellgrau waren. Die Vesuvasche vom 24. und 
mehr noch vom 26. Juni 1794 war hellgrau und zuletzt bei- 
nahe ganz weiss (Leopold v. Buch). Nach Fuchs***) pflegen 
die Aschen beim Beginn der Eruption dunkel gefärbt zu sein 
und das Erscheinen weiss gefärbter Aschen wird als ein Zei- 
chen des herannahenden Endes der Eruption begrüsst. Che- 
misch untersucht wurden solche Aschen meines Wissens bisher 
noch nicht; es bleibt also unentschieden, ob sie die Zusammen- 
setzung der weissen Vulcanoasche hatten. In weissen vulca- 
nischen Aschen sollen nach Ehrenberg Diatomaceen vorkommen. 

Wenn bisher die weisse Asche als vulkanische Asche 
bezeichnet wurde, so geschah dies, weil sie nach dem Zeugniss 
des Herrn Directors Picoke aus dem Krater ausgeworfen 
wurde, weil sie während mehrerer Stunden auf der ganzen 
Insel niederfiel und den Boden 3 Cm. hoch bedeckte (demnach 
nicht wohl als ein nur zufälliges in kleiner Menge entstan- 
denes Product betrachtet werden kann), und weil es nicht 
unwahrscheinlich ist, dass ähnliche Aschen schon früher ge- 
fallen, aber nicht weiter beachtet worden sind.f) Trotz der 

*) Voyages dans les deux Siciles II., 163. 
**) Hierbei wurde viel Sand ausgeworfen ; ein Verwandter des 
Herrn Piconis theilte demselben mit, dass nach Aussage seines Vaters 
man damals in Lipari Sand und Asche von den Dächern habe weg- 
schaffen müssen. 

***) Vulcan. Erscheinungen, pag. 217. 

f) Bemerkenswerth ist es, dass der weisse x\schenfall noch ein 
zweites Mal stattfand; die zweite Asche ist eine Spur weniger weiss. 
Leider lässt sich nicht constatiren, ob dazwischen hinein graue, normale 
Asche fiel oder nicht. 



\ 



53 



unzweifelhaften Aschennatur macht es einige Schwierigkeit, 
den gewöhnlichen Begriff von vulcanischer Asche, wie man 
ihn in den meisten Lehrbüchern*) findet, auf die vorliegende 
anzuwenden. 

Die vulkanische Asche besteht bekanntlich, wie Cordier 
1815 nachwies, wesentlich aus denselben Elementen wie die Lava; 
sie ist mechanisch veränderte Lava oder kurzweg Lavapulver. 
Cordier erklärte sich die Bildung durch Friction, Menard und 
Morioand nahmen eine Zerstäubung durch die explodirenden 
Dämpfe an , gleichwie aus einem Gewehr abgeschossenes 
Wasser in einen Sprühregen feiner Theilcben verwandelt wird. 
Noch neuerdings wies Rammelsberg für Vesuvasche der 
Eruption 1872 von la Cercola durch Analyse nach, dass sie 
nichts anderes sei als Lavapulver. 

Bei der weissen Asche dagegen ist wohl kaum an ein 
mechanisches Vertheilungsphänomen zu denken; sie ist im 
Wesentlichen ein chemisches Individuum, welches durch einen 
besonderen chemischen Process entstand. 

Ist nun vielleicht auch für andere Aschen eine solche be- 
sondere chemische Entstehungsweise anzunehmen? Ich halte 
sie für möglich , aber vorläufig nicht bestimmt zu erweisen, 
da die gleich näher zu erwähnenden Falle sich auch durch 
mechanische Sonderung, sei es im Schlot, sei es ausserhalb 
desselben, erklären lassen. C. W. C. Fuchs**) führt an, dass 
Lava auch aus kleinen Krystallen und Krystallbruchstücken 
bestehen könne, ohne sich indessen näher über die Entste- 
hungsweise solcher Laven zu äussern. Er erwähnt Asche von 
Guadeloupe von 1837 , die aus 32 pCt. Labrador und aus 
Sanidin bestanden habe; Asche vom Aetna, die hauptsächlich 
aus feinem Labradorpulver bestand. Soacchi***) beobachtete 
bei der Eruption des Vesuvs von 1872 leucitische Asche und 
behauptet, dass viele Vesuvaschen vorwaltend aus Leucit be- 
ständen. Dies wurde zwar von Rammelsberg f) für Asche der 
gleichen Eruption von La Cercola (s. oben) widerlegt, allein 



*) Vergl. Naümann's Geognosie I. pag. 129; Zirkels Petrographie 
II. pag. 569. 

**) Vergl. Vulcan. Erscheinungen pag. 217. 
***) Im Auszug in Zeitschr. d, d. geol. Ges. 1872. 
f) Ibidem. 



54 



wenn auch aus Leucit bestehende Aschen zu den Ausnahmen 
gehören, so ist es doch nicht unmöglich, dass an einem Ort 
vorwiegend leucitische , z. B. durch mechanische Sonderung 
entstandene, an anderen Orten die normale Asche, wie sie 
Rammelsberg analysirte, niederßel. Nach Scacchi*) ist es 
bekannt, dass bisweilen (z. B. 1845 — 1849) Eruptionen von 
Leucitkrystallen stattgefunden haben. Er betrachtet sie nicht 
als Neubildungen, sondern als von alten Laven herstammend, 
die bei späteren Eruptionen von Neuem geschmolzen wurden. 

In all den genannten Fällen handelt es sich um Mine- 
ralien, die auch in den Laven der betreffenden Vulcane häufig 
sind (Labrador in Aetnalaven , Leucit in Vesuvlaven). Be- 
kanntlich sondert sich nun beim Niederfallen einer Asche der 
feinere Lavastab häufig mechanisch und fällt, vom Winde 
weggeführt, erst in grösserer Enfernung nieder. Je nach Korn- 
grösse und Gewicht der Theilchen können modificirte Aschen 
entstehen, die mineralogisch ganz anders zusammengesetzt sind, 
als sie es anfänglich nahe der Kratermündung waren. Die 
Beschaffenheit einer Asche wie sie abgelagert wurde, ist also 
durchaus nicht identisch mit derjenigen , in der sie aus dem 
Krater ausgeschleudert wurde. An eine mechanische, bereits 
im Schlot erfolgende Sonderung ist bei denjenigen Mineralien 
zu denken, die (wie es für einen Theil der Leucite jetzt wohl 
fest steht) im Magma präexistirten und von den Gasen 
emporgerissen, schlackenartig angehäuft und ausgeschleudert 
wurden. **) 

Die schneeweisse Asche von Vulcano dagegen ist gewiss 
nicht durch mechanische Scheidung aus einem zerstäubten 
Lavapulver erklärbar. Dem widerspricht die ausserordentliche 
Reinheit der Substanz; ferner der Umstand, dass sie auf der 
ganzen Insel mit derselben Beschaffenheit niederfiel, in einer 
Mächtigkeit von stellenweis 4 Cm. Namentlich ist aber der 
Tridymit, aus dem die weisse Asche hauptsächlich besteht 
(vergl. pag. 57), nicht als wesentlicher Bestandtheil von neue- 
ren Laven bekannt; er findet sich in den Trachyten zwar ver- 
breitet, doch nur in kleinen Mengen. In den ungefähr gleich- 



*) Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1872. 
**) Vergl. Heim: „Der Vesuv im April 1872", in dieser Zeitschr. 
1873, pag. 35. 



55 



zeitig mit der Asche ausgeschleuderten Projectilen konnte ich 
ihn im Dünnschliff nicht erkennen. 

Ich betrachte daher diese Asche als eine Neubildung aus 
dem Lavamagma oder dem Gestein der Schlotwandung. 

Wie die Laven sich nicht eintheilen lassen, so ist es wohl auch 
mit den Aschen des Fall; die weisse Asche zeigt indessen so viel, 
dass nicht jede vulkanische Asche als Lavapulver (oder daraus 
durch mechanische Sonderung entstanden) betrachtet werden 
kann. Es erscheint vielleicht am zweckmässigsten, den Begriff 
der vulkanischen Asche dahin zu erweitern, dass man alles 
das darunter begreift, was von einem Vulcan ausgeworfen 
wird, und in kl e i n en , festen Partikeln zu Boden fällt. Weiter- 
hin kann man dann unterscheiden : 

1) Mechanisch aus Lava, hauptsächlich durch Reibung 
und Zerstäubung entstandene, gewöhnliche oder nor- 
male Aschen. 

2) Aschen, welche durch mechanische Sonderling aus 
den vorigen entstanden. Dieselbe kann ausserhalb des Kraters 
durch das verschiedene Gewicht der Theilchen und durch Wind- 
strömungen erfolgt sein, oder schon innerhalb des Schlotes: 
M o d ifi cirt e Aschen — hierher muthmaasslich Labrador- 
und Leucit-Aschen. 

Zu diesen zwei bereits bekannten Gruppen käme nun 
eine dritte neue: 

3) Aschen, deren Eigentümlichkeit die Annahme eines 
besonderen chemischen Vorganges wahrscheinlich macht, die 
also als wirkliche Neubildungen, z. B. als Reactionsproducte 
der vulcanischen Dämpfe und Gase auf das Gestein der Schlot- 
wandung oder das Magma zu betrachten sind. Hierher wahr- 
scheinlich die weisse Asche des 7. September. 

Ueber den besonderen chemischen Vorgang, durch den 
die weisse Asche entstand, lassen sich verschiedene schwer zu 
erweisende Annahmen machen. 

Wenn in den vulkanischen Gasen Si Fl , enthalten ist, 
so wird, wenn dasselbe mit Wasserdampf zusammenkommt, 
nach bekannten chemischen Erfahrungen Kieselsäure und 
Kieselfluorwasserstoffsäure entstehen, welch letztere sich unter 
Umständen in Kieselfluormetalle verwandeln kann. 

3 Si Fl 4 + 4 H 2 O = 2 H, Si Fl fl + H 4 Si 4 
H 8 SiFl a + R 2 = R 2 SiFl 6 +H 2 0. 



56 



Hierbei entsteht allerdings amorphe Kieselsäure, während 
die weisse Asche grösstentheils krystallinisch ist , allein nach 
St. Clair Deville wird erstere beim Ueberleiten eines Stroms 
von HCl und Wasserdampf krystallinisch.*) Die Bildung von 
Fluorkiesel setzt die Abwesenheit von Wasser oder den disso- 
ziirten Zustand derselben voraus. Si Fl 4 wurde in Fuma- 
rolen selbst nicht nachgewiesen, dagegen fand Roth**) Fluor- 
gehalt in gelben Krusten am Rande von Lavafumarolen des 
Vesuv. 

Ferner kann die weisse Asche einem natürlichen Auf- 
schliessungsprocess ihre Entstehung verdanken. Bekanntlich 
besteht eine Methode der Aufschliessung von Silikaten darin, 
dass man sie in geschlossenen Röhren bei höherem Druck mit 
verdünnter Salzsäure oder Schwefelsäure behandelt. Im Schlot 
eines Vulcanes sind Säuredämpfe, Wasserdampf und höherer 
Druck vorhanden, somit alle Bedingungen, um aus dem Ge- 
stein der Schlotwandung oder vielleicht aus der Lava selbst 
Kieselsäure zu bilden, die dann weiterhin, wie oben ange- 
geben, in den krystallisirten Zustand übergehen kann. 

Kaum denkbar ist die Annahme, dass die Kieselsäure 
präexistirt hätte. Man müsste ein Tridymit- oder Quarz- 
führendes Gestein oder alte Lava annehmen, aus welchen 
durch eine Art von Aussaigerung die schmelzbaren Bestand- 
teile herausschmolzen, während die Kieselsäure zurückblieb. 
Solche massenhaft Tridymit - führende Gesteine sind indessen 
nicht bekannt und, wenn der Tridymit aus Quarz entstanden 
wäre, sollten noch beträchtliche Mengen des letzteren, na- 
mentlich auch halb umgewandelte Stücken zu beobachten sein, 
was nicht der Fall ist. 

Die wahrscheinlichste von den so eben angeführten Hypo- 
thesen scheint mir noch die zweite zu sein, welche einen na- 
türlichen Aufscbliessungsprozess annimmt. Für sie spricht der 
Umstand, dass in der weissen Asche halbzersetzte graue und 



*) Ich leitete durch ein böhmisches Glasrohr, in welchem sich ein 
mit amorpher Kieselsäure gefülltes Schiffchen befand, feuchtes HCl. Die 
Röhre wurde von unten durch HF.iNz'sche Brenner erhitzt. Es zeigten 
sich unter dem Polarisationsmikroskop nur Spuren von Umwandlung. Die 
Temperatur war also ungenügend. Spuren doppelter Brechbarkeit zeigt 
auch die bei der Analyse erhaltene, im Platintiegel geglühte Kieselsäure. 
**) Vergl. dessen Monogr. des Vesuv pag. 265. 




röthliche Gesteinspartikel vorkommen, welche wohl die Mutter- 
substanz der Asche darstellen; ferner dass die Asche ursprüng- 
lich amorph gewesen zu sein scheint , da noch circa 5 pCt. 
amorphe Kieselsäure darin enthalten sind. Dass eine solche 
Aufschliessung vom chemischen Standpunkt aus leicht denkbar 
ist, wurde schon erwähnt. Man kann sich leicht vorstellen, dass 
während der Ruheperiode von 1786 — 1873, durch die fort- 
währende Einwirkung gespannter Dämpfe auf das Gestein der 
Schlotwandung, ansehnliche Mengen von Kieselsäure entstan- 
den.*) Die erste grosse Dampfexplosion schleuderte den 
Pfropfen hinaus. Namentlich spricht hierfür noch der Um- 
stand, dass die weisse Asche die erste war; die normalen 
grauen Aschen kamen später. Wenn dies allgemein zutrifft, so 
können die weissen Aschen des Vesuv nicht wohl Kieselsäure 
sein , da sie für das Ende der Eruption charakteristisch 
sind. Die Untersuchung solcher heller Aschen wäre daher 
wünschenswerth. 

Erstaunlich ist freilich das Quantum der weissen Asche, 
da sie ja 3 — 4 Cm. hoch die Umgebung des Vulcans bedeckte, 
und sicherlich noch viel davon ins Meer gefallen ist. Um 
dies allenfalls zu begreifen, müsste man sich die vulkanischen 
Verbindungswege sehr vervielfacht denken. 

Man kann noch fragen , warum bei anderen Vulcanen die 
Eruptionen nicht auch mit weisser Asche beginnen. Eine 
solche Erscheinung wäre doch (z. B. am Vesuv) schwerlich der 
Aufmerksamkeit entgangen. Der lange S olfatare nzustand, 
die Eigenthümlichkeit des Materials, mögen dazu beigetragen 
haben, die Erscheinung auf Vulcano möglich zu machen. 

4. Tridymit als vulcanische Asche. 

Bei weiterer Untersuchung der oben beschriebenen weissen 
vulcanischen Asche kam ich zu dem interessanten Resultat, 
dass dieselbe nicht gewöhnliche Kieselsäure, sondern den durch 
vom Rath**) entdeckten Tridymit darstelle. Ich gelangte zu 



*) Nach Da üb ree entsteht aus Glas schon durch Einwirkung ge- 
spannter Wasserdämpfe bei höherer Temperatur krystallinische Kiesel- 
säure. 

**) Pogg. Ann. von 1868. 



58 



diesem unerwarteten Ergebniss, als ich das specifiscbe Gewicht 
und die Löslichkeit in kohlensauren Alkalien bestimmte. 

Da die Asche, wie oben angegeben, nicht rein ist, son- 
dern Schwefel, Chloride und Sulfate enthält, so war es not- 
wendig , dieselben zu entfernen. Nachdem ich die Asche 
mechanisch sortirt, extrahirte ich sie nacheinander mit Schwefel- 
kohlenstoff, Alkohol, Wasser und nochmals Alkohol. Hierauf 
wurde bei einer Temperatur von 60 — 70° getrocknet. CS., 
zog ziemlich viel Schwefel aus. 

Die Bestimmung des spezifischen Gewichts mit dem Pyk- 
nometer ergab 2,208; G. Rose*) und vom Rath fanden für 
den Tridymit 2,31. 

Zur Löslichkeitsbestimmung wurde eine Auflösung von 
1 Th. trocknem Natriumcarbonat in 3 Th. Wasser angewandt 
und 20 Minuten lang im Kochen erhalten. Nach dem Filtriren 
und Auswaschen ergab sich ein Gewichtsverlust von 6,23 pCt. 
Der Tridymit ist nach Rose in Alkalien sehr schwer auflös- 
lich**), die 6,23 pCt. mögen daher zum grösseren Theil auf 
Rechnung von beigemengter amorpher Kieselsäure kommen. 
Daher erklärt es sich auch, warum das gefundene specifiscbe 
Gewicht für Tridymit etwas zu niedrig ist. 

Auch deutet die Beimengung amorpher Säure darauf hin, 
dass der Tridymit hier überhaupt aus der amorphen Modifi- 
cation durch höhere Temperatur oder Einwirkung von Säure 
und Wasserdämpfen entstanden ist. 

Eine unlösliche Kieselsäure von so niedrigem specifischem 
Gewicht kann nur Tridymit sein; es kam nur noch darauf an, 
das Verhalten im polarisirten Licht zu untersuchen. 

Herr Prof. Roth, dem ich eine Probe der weissen Asche 
zuschickte, hatte die Güte, mich darauf aufmerksam zu machen, 
dass die Asche doppelt Brechendes enthalte. Ich überzeugte 
mich dann selbst, dass die Menge des Doppeltbrechenden sehr 
bedeutend ist. Beobachtet man bei gekreuzten Nicols ver- 
gleichsweise amorphe analytische Kieselsäure und den gerei- 
nigten Tridymit, , so bleibt kein Zweifel über die Natur des 
letzteren. Auch Farbenerscheinungen treten auf, die wohl von 
Tridymit herrühren. Dagegen gelingt es nicht, in dem feinen 



*) Berichte d. d. ehem. Ges. 1869, pag. 390. 
**) Ibidem. 





59 



rer ausgebildete Krystalle oder auch nur deutlich begrenzte 
Krystallflächen wahrzunehmen. 

Bekanntlich ist der Tridymit durch vom Rath, Sandberger 
u. a. an verschiedenen Orten aufgefunden worden, so z. B. in 
Mexico, im Siebengebirge, im Trachyt der Euganeen bei Pa- 
dua, aufSantorin, Als vulkanische Asche hatte man ihn aller- 
dings noch nicht beobachtet. Fast immer war es aber trachy- 
tisches Eruptivgestein, in welchem er sich vorfand. Begreiflich 
wird es daher, dass ihn auch einmal ein Vulcan direct er- 
zeugen und als Asche ausschleudern konnte , um so begreif- 
licher , wenn man bedenkt, dass nach G. Rose*) Tridy- 
mit besonders gern aus Schmelzflüssen sich bildet, dass er 
aus Quarz wie aus amorpher Kieselsäure bei höherer Tempe- 
ratur sich erzeugt. Wo anders sind diese Bedingungen besser 
gegeben als bei Vulcanen und man muss sich nur wundern, 
dass nicht auch andere Vulcane schon Tridymit lieferten. 

Bemerkens werth ist noch die Massenhaftigkeit dieses Tri- 
dymitvorkommens (siehe oben), wenn man bedenkt, in welch 
kleinen Quantitäten (in Spalten und Drusen der Trachyte) bis- 
her das Mineral auftrat. Besitzt doch manche Sammlung noch 
kein gutes Handstück desselben! 



Schliesslich noch eine allgemeine Bemerkung über die be- 
handelten Producte und ihr Verhältniss zu den älteren Erzeug- 
nissen des Vulcanokraters. 

Herr Prof. J. Roth, der erfahrene Kenner der italienischen 
Vulcane, machte mich gelegentlich darauf aufmerksam , dass 
frühere Autoren von doleritischen Vorkommnissen auf Vulcano 
sprechen. In der That beschreibt Hoffmann**) melaphyr- 
ähnliche Laven vom Mte. Saraceno und säulen- und kugelförmig 
abgesonderte Augitlabradorlaven von Vulcanello. Mit Bezug 
auf Lipari bemerkt er, dass daselbst Feldspath- und Glaslaven 
den augitführenden gefolgt seien. 

Olfenbar gilt nun das Letztere auch für Vulcano. Die 
neueren und neuesten Producte sind trachytischer Natur und 



*) Berichte d. d. ehem. Ges. 1869 pag. 393., vergl. auch H. Rose : 
Pogg. Ann. 108. pag. 7. 

**) Pogg. Ann. Bd. XXVI. pag. 65. 



60 



reich an Kieselsäure; das beweisen die Auswürflinge und 
Aschen von 1873 und 1874. Früher wurden also im unter- 
irdischen Laboratorium von Vulcano kieselsäureärmere Laven 
erzeugt; jetzt dagegen ist der Vulcan in einem sehr sauren 
Stadium; er producirt kieselsäurereiche Producte, ja Kieselsäure 
selbst. Noch für die neuere Zeit scheint sich eine Steigerung des 
Kieselsäuregehalts zu ergeben, wenn man Abich's Analyse*) 
des Gesteins der jetzigen Kraterwandung mit meinen Analysen 
vergleicht. Er fand 70,50 pCt. Kieselsäure, während die 
neuesten Projectile 73,8 pCt. enthielten. Freilich müssten die 
Analysen vervielfältigt werden, um diesen Schluss sicher zu 
stellen; es würde sich dann auch zeigen, ob die Steigerung 
im Kieselsäuregehalt continuirlich oder sprungweise erfolgt 
ist, ob auch Mittelstufen zwischen Basiten und Aciditen vor- 
handen sind. 

Ob jetzt der Kieselsäuregehalt sein Maximum erreicht 
hat, lässt sich nicht vorhersagen ; es ist möglich , dass später 
die Producte wieder kieselsäureärmer werden, dass also auf 
eine Periode stark saurer Laven, wie die jetzige es ist, eine 
solche von basischen Laven folgt und demnach der chemische 
Process im Herd in umgekehrter Richtung verläuft wie bisher. 



Ergebnisse. 

Der Erregungszustand auf Vulcano begann im August 1873 
und dauerte bis ungefähr Ende December 1874. Es lassen sich 
zwei Phasen der Thätigkeit unterscheiden , die durch eine 
Periode verhältnissmässiger Ruhe (von Mitte Februar 1874 
bis Anfang Juli) von einander getrennt sind. Bemerkenswerth 
ist die unter heftigen Bodenerschütterungen erfolgte Bildung 
einer neuen Bocca an der Ostseite des Kraters; das Auftreten 
grün gefärbter Flammen ; die intermittirende oder rytbmiscbe 
Thätigkeit während der ersten Phase und am Ende der zweiten 
Phase, ähnlich wie auf Stromboli. — Bildung zweier neuen 
Boccen auf Stromboli.**) 

*) Roth's Gesteinsanalysen pag. 11. 
**) Wenn diese Boccen am 15. Juli sich bildeten, während Hr. Picone 
auf Vulcano 300 Stösse verspürte, ohne dass es jedoch zur Entstehung 



Die Producte der Thätigkeit auf Vulcano waren Projec« 
tile , Sande und Aschen ; zur Entleerung von Lava kam es 
nicht. Den Reiehthum an Aschen hat diese Eruption mit der 
von 1786 gemein, von welcher gleichfalls keine Lava er- 
wähnt wird.*) 

Die ausgeschleuderten Projectile sind Liparite (kieselsäure- 
reiche Sanidintrachyte mit Hornblende). In offenen und geschlos- 
senen Hohlräumen derselben findet sich Quarz, Hornblende, 
Eisenkies und Magneteisen. Von diesen hier zweifellos pyroge- 
nen Mineralien scheint der Quarz (wie auch Roth**) für den der 
Vesuvbomben annimmt) aus dem Magma, die übrigen durch 
Sublimation entstanden zu sein. Letzteres ergiebt sich daraus, 
dass sie theils auf einander, theils auf den Quarzkrystallen 
aufsitzen. 

Die Aschen und Sande zerfallen in zwei Gruppen: Nor- 
male graue (aus vertheilter, zerstäubter Lava bestehend), und 
Aschen besonderer Art von schneeweisser Farbe. 

Letztere sind vorwaltend Kieselsäure (94 pCt.) mit bei- 
gemengten Chloriden und Sulfaten von Alkalien, alkalischen 
Erden, Eisen, nebst Schwefel, wenig Magneteisen und ein- 
zelnen Gesteinspartikeln. 

Diese Asche scheint eine Neubildung aus dem Lavamagma 
oder dem Gestein der Schlotwandung zu sein. Sie ist viel- 
leicht durch einen Aufschliessungsprocess derselben, vermittelt 
durch die sauren Gase , bei höherer Temperatur und höherem 
Druck entstanden. 

Der gewöhnliche Begriff der vulkanischen Asche (Lava- 
pulver) passt auf die weisse Asche nicht. Es wäre daher 
vielleicht zweckmässig, unter Asche (Sand) alles das zu ver- 



einer Bocca kam , so liesse sich daraus ein Zusammenhang zwischen den 
beiden Ventilen der Liparengruppe folgern. Vulcano erfuhr dann wäh- 
rend der zweiten Phase nur die Stösse; der eigentliche Ausbruch der 
gespannten Dämpfe erfolgte auf Stromboli. Die vulcanische Thätigkeit 
hätte dann nach Ablauf der ersten Phase (Mitte Februar 1874) von Vul- 
cano nach Stromboli übergesetzt, d. h. vom Ende des südlichen Schen- 
kels der dreistrahligen Liparen-Spalte zum nordöstlichen. Die erste Phase 
hätte vorzugsweise auf Vulcano, die zweite auf Stromboli gespielt. 

*) Spallanzani, Voyages dans les deux Siciles pag. 163. Die letzte 
Lava (am Nordabhang) floss 1757. 

**) Vergl. dessen Monographie des Vesuv pag, 387. 



62 



stehen, was von einem Vulcan in kleinen festen Partikeln 
ausgeworfen wird, und dann zu den zwei bereits bekannten 
Gruppen der Lavapulver und der mechanisch in- oder ausser- 
halb des Schlotes gesonderten Aschen noch eine dritte Gruppe 
hinzuzufügen, welche die chemischen Neubildungen (wie z. B. 
die weisse Asche) in sich begreift. 

Die Kieselsäure der weissen Asche ist grösstenteils nicht 
die gewöhnliche, sondern Tridymit, was sich aus der Unlös- 
lichkeit in Alkalicarbonaten, dem Verhalten im polarisirten Licht 
und dem niedrigen specitischen Gewicht ergiebt. 

Vielleicht bildete sich ursprünglich die amorphe Modifi- 
cation, welche durch höhere Temperatur und saure Dämpfe 
in Tridymit überging. 

Da nach früheren Autoren auf Vulcano ältere kieselsäure- 
ärmere Laven vorkommen, während jetzt die Producte kiesel- 
säurereich sind, so scheint hier die Eigenthümlichkeit des vul- 
canisch-chemischen Processes in einer Anreicherung bezüglich 
des Kieselsäuregehalts zu bestehen. Aus Basiten sind Acidite 
entstanden. Es ist möglich, dass in Zukunft der chemische 
Process wieder in umgekehrter Richtung erfolgt. 



Nachtrag. 

In neuerer Zeit hat mir Herr Director Picone noch eine 
Probe weisslicher Asche zugesendet, welche, wie er mir mit- 
theilt, ebenfalls aus dem Krater von Vulcano ausgeschleudert 
worden ist. 

Die vorläufige Untersuchung ergab mir, dass diese Asche 
vorwiegend aus Gyps besteht. Hier läge also wohl ein zweites 
Beispiel jener oben aufgestellten neuen Gruppe vulcanischer 
Aschen vor. 

Solche Aschen könnte man vielleicht auch Solfataren- 
aschen nennen, denn sie scheinen nur bei Solfataren möglich 
zu sein, die nach langer Ruhezeit plötzlich wieder in Eruption 
übergehen. Wahrscheinlich würde in einem solchen Falle auch 
die Solfatara bei Neapel ähnliche Producte liefern. 

Auch das Vorkommen der oben erwähnten Gypskrusten, 
welche tapetenartig das Innere des Vulcanokraters überziehen, 
erklärt sich nun besser wie vorher. 



4. Ueber die Eisenerzlagerstätteii von El Pedroso 
in der Provinz Sevilla, 



Von Herrn Ferd. Roemer in Breslau. 

El Pedroso ist der Name eines etwa acht geographische 
Meilen nordöstlich von Sevilla in der Sierra Morena gelegenen 
Städtchens oder Fleckens. Nach demselben hat sich eine 
Gesellschaft benannt, welche sich die Ausbeutuug des in der 
näheren und weiteren Umgebung des Ortes vorhandenen Eisen- 
erzlagerstätten zur Aufgabe gestellt hat (Compania de minas 
y fabrica de hierros del Pedroso). Ich hatte im Spätherbst 
1872 und im Frühjahr 1873 Gelegenheit, diese Erzlagerstätten 
in der angenehmen und kundigen Begleitung mehrerer Herren 
aus Sevilla und Cadix und namentlich des Don Ajst.onio 
Machado, Rektors der Universität Sevilla, dem ich für vielfache 
wissenschaftliche Belehrung über das Land verpflichtet bin, 
zweimal zu besuchen und die nachstehenden Beobachtungen 
über die fraglichen Erzlagerstätten und die allgemeinen geogno- 
stischen Verhältnisse zu sammeln. 

Der Weg von Sevilla nach El Pedroso führt über die 
Kohlengruben von Villanaeva del Rio. Um dahin zu gelangen, 
fuhren wir zunächst einige Meilen auf der von Sevilla nach 
Cordova führenden Eisenbahn bis zur Station Tocina. Von 
hier setzten wir zu Pferde unsere Reise fort. Wir hatten zu- 
nächst die fruchtbare Thalsohle des Guadalquivir quer zu 
durchschneiden und gelangten , nachdem wir das Städtchen 
Tocina hinter uns hatten, bald an den hier zwischen hohen 
Lehmwänden in tief eingeschnittenem Bette rasch dahin fliessen- 
den Strom, der mit seinem trüben gelben Wasser einen nicht 
gerade schönen Anblick gewährt. Wir überschritten denselben 
auf einer Fähre. Bald darauf näherten wir uns der Thalwand, 
welche zugleich den südlichen Fuss der Sierra Morena bildet. 
Kalkige Tertiär-Schichten setzen dieselbe hier, wie überhaupt 
im unteren erweiterten Thale des Guadalquivirs zusammen. 



64 



Durch grosse Clypeaster*) (Clyp. gibbosus M. de Serres) Ostrea 
crassissimahÄM. und andere Fossilien bestimmen sich dieselben 
leicht als miocan. Das untere Thal des Guadalquivir bis 
gegen Cordova hinauf war in der mittleren Tertiär - Zeit ein 
von der alten Gebirgsmasse der Sierra Morena einerseits und 
der Berge von Ronda und Jaen andererseits begrenzter Meer- 
busen. 

Noch eine kurze Strecke und wir befanden uns mitten 
zwischen den Halden zahlreicher Steinkohlenscb'ächte. Es ist 
das Kohlenbecken von Villanueva del Rio. Aechtes älteres 
Steinkohlengebirge mit Calamiten , Lepidodendren und Farrn- 
kräutern. Die groben Sandsteine und weissen Quarz-Conglo- 
merate gleichen durchaus solchen von Waldenburg und anderen 
deutschen Kohlenbecken. Das Becken ist von ganz beschränk- 
tem Umfang. Es ist eins der ziemlich zahlreichen kleinen 
Steinkohlenbecken, welche in dem Bereiche der älteren Schiefer- 
gebirgsmasse der Sierra Morena vereinzelt und ohne Zu- 
sammenhang untereinander auftreten. Ein anderes lernten wir 
später nördlich von San Nicolas kennen. Hier sind die Kohlen 
bisher nur durch Bohrungen nachgewiesen , aber bisher nicht 
ausgebeutet. Das bedeutendste derselben ist dasjenige von 
Beimez, nordwestlich von Cordova, welches neuerdings durch 
eine Eisenbahn aufgeschlossen, einen grossen Bedarf an Kohlen 
zu befriedigen im Stande sein soll. Das kleine Becken von 
Villanueva del Rio liefert bisher nur ein geringes Quantum 
von Kohlen. Bei einem regelmässigeren und planvolleren 
Bergbau Hesse sich aber gewiss die Production bedeutend 
steigern. Gleich nordwärts von den Kohlengruben treten wir 
nach Ueberschreitung des schmalen Thaies der Huesna in das 
Gebiet versteinerungsloser Schiefer — Glimmerschiefer und 
halbkrystallinischer Thonschiefer ein. An Aufschlüssen des 
Gesteins fehlte es nicht, denn wir folgten zum Theil der 
fast vollendeten Eisenbahn, welche an mancher Stelle tief in 
die schiefrigen Gesteine einschneidet. Es ist dies eine Eisen- 
bahn, die das breite Gebirgsland der Sierra Morena quer durch- 



*) Ein dort gesammeltes und in dem hiesigen Museum niedergelegtes 
Exemplar misst 21 Cm. in der Länge, 19 Cm. in der Breite und 11^ Cm. 
in der Höhe. Es ist das grösste mir bekannte Exemplar eines fossilen 
oder lebenden Echiniden überhaupt. 



65 



schneidend, Andalusien mit Estremadura verbinden soll. Von 
Tocina, wo sie in die Bahn von Sevilla nach Cordova ein- 
mündet, bis zu dem Städtchen El Pedroso fanden wir diese 
Bahn bereits nahezu vollendet, so dass ihre baldige Eröffnung 
erwartet wurde. 

Ein Ritt von fünf Stunden durch ein einsames, mit den 
mehrere Fuss hohen Stauden von Cistus- Rosen bewachsenes 
Bergland brachte uns zu der Fabrica, d. i. dem etwa 6 Kilo- 
meter nordöstlich von El Pedroso gelegenen Hüttenwerke der 
Gesellschaft. Hier nahmen wir für einige Tage unseren .Auf- 
enthalt, um die in der Nähe gelegenen Erzlagerstätten zu be- 
suchen. Einen bequemeren und angenehmeren Mittelpunkt für 
diese Excursionen hätten wir nicht haben können. Das Hütteu- 
werk ist nämlich am Fusse eines hohen bewaldeten Berg- 
rückens im Thale der Huesna, eines wasserreichen klaren 
Bergstroms, sehr anmuthig gelegen und bot in der weitläuf- 
igen Beamtenwohnung alle Bequemlichkeiten des Lebens, die 
man sonst in dem einsamen Berglande weit und breit ver- 
gebens suchen würde. 

Die in der Nähe gelegenen Erzlagerstätten sind theils 
solche von Hämatit oder Rotheisenstein , theils von Magnet- 
eisenstein. 

Wir besichtigten zunächst die ersteren, die sich auf der 
Höhe eines mit Korkeichen bestandenen, steil abfallenden 
Bergrückens befinden. Es sind aufgerichtete Lager im Glimmer- 
schiefer. Die erste Grube, zu welcher wir kamen, heist Juan 
teniente. Es ist ein Tagebau auf der Spitze eines bewal- 
deten Bergkegels. Das senkrecht stehende Erzlager ist hier 
4 bis 5 Meter mächtig , in Glimmerschiefer eingelagert und 
scharf durch denselben begrenzt, von Südost gegen Nordwest 
streichend. Das Erz ist ein feinkörniger Eisenglanz in dichten 
Rotheisenstein übergehend. Nur hin und wieder von kleinen 
Quarzadern durchzogen und selten durch fein eingesprengten 
Schwefelkies verunreinigt, erscheint das Erz in den grossen 
durch die bisherige Förderung schon entstandenen Weitungen 
fast ganz gleichartig Von diesem Hauptaufschlusspunkt lässt 
sich das Erzlager an dem Abhänge des Berges in ungefähr 
gleicher Mächtigkeit gegen 600 Meter weit verfolgen. Bei 
dieser Ausdehnung und Mächtigkeit würde sich schon durch 

Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 1 . 5 



66 



blossen Tagebau ein ungeheures Quantum Erz aus diesem ein- 
zigen Erzlager gewinnen lassen. 

Nun sind aber in demselben Höhenzuge noch mehrere 
ähnliche Lager vorhanden. Zwei derselben, Rosalina und 
Monte agudo , hat man auch bereits auszubeuten angefangen, 
aber die geringe Förderung steht in keinem Verhältniss zu der 
Massenhaftigkeit des Erzvorraths. Die Lagerungsverhältnisse 
und die Eigenschaften des Erzes sind deren von Juan teniente 
ganz ähnlich. Bei der Grube Monte agudo kann man das Erz 
an dem steilen Abhänge des Berges herabstürzen und wird es 
leicht zur nahen Eisenbahn schaffen können. 

Von nicht minderem Reichthum und von grösserem geolo- 
gischen Interesse sind die Lagerstätten von Magneteisen. Die 
Gesellschaft besitzt zwei Gruben dieses Erzes, Navalazaro und 
Navalostrillos bei Pedroso. Die erstere ist etwa 3 Kilometer 
südlich von dem Städtchen in einem flach hügeligem Land- 
striche gelegen. An dem Fusse eines Hügels, wenige Fuss 
über der Thalsohle ist hier ein grosser steinbruchsartiger Tage- 
bau im dünngeschichteten Gneiss geöffnet, durch welchen das 
Erz in einer Mächtigkeit von 6 bis 8 Meter aufgeschlossen ist. 
Es ist ein aufgerichtetes Lager im Gneiss. Das Erz ist ein 
krystallinisch-körniges bis dichtes Aggregat von Magneteisen. 
Brauner Granat und grüner Pistazit (Epidot) sind häufige Be- 
gleiter des Erzes. Das ganze Verhalten der Lagerstätte erinnert 
lebhaft an dasjenige von Arendal in Norwegen. Kleine Schürfe 
und natürliche Entblössungen schliessen das Erz an vielen 
anderen Stellen auf den umgebenden Hügeln auf. Offenbar 
sind hier mehrere Lager desselben vorhanden und es liesse sich 
hier gewiss bei genügenden Aufschlüssen eine beliebig grosse 
Quantität des vortrefflichsten Erzes durch blossen Tagebau 
gewinnen. 

Die andere Grube Navalostrillos , etwa 8 Kilometer 
nördlich von Pedroso gelegen , zeigt weniger deutliche Auf- 
schlüsse. Das Gestein, welchem das Erz hier untergeordnet 
ist, ist stark zersetzter dünngeschichteter Gneiss. Gänge von 
Pegmatit durchziehen denselben. Die handgrossen blättrigen 
Partieen von schönem tombakbraunem Glimmer, welche man 
an der Oberfläche antrifft, rühren aus solchen Gängen her. 
Auch 3 Zoll dicke, plattenförmige Stücke von hellgrauem dich- 
tem Feldspath, welche lose in der Oberfläche bemerkt wurden, 



müssen von einem gangartigen Vorkommen im Gneiss her- 
rühren. Ganz in der Nähe der Grube liegen grosse Blöcke 
von grünschwarzer Hornblende umher. Ihr Aussehen erinnert 
ganz an dasjenige der Magneteisenstein - Lager von Arendal. 
Zum Theil sind diese Blöcke von Hornblende von feinen 
Schnüren von Magneteisen durchzogen. 

Besonders bemerkenswerth sind noch gewisse serpentin- 
ähnliche und opalartige Massen , welche das Ausgehende des 
Erzlagers bedecken. Kopfgrosse Stücke von gelbbraunem Halb- 
opal, lebhaft an den Halbopal von Quegstein im Siebengebirge 
erinnernd, sind nicht selten. Noch häufiger sind verschie- 
dentlich gestaltete Knollen von dunkelgrauer Farbe und mit 
ganz mattem Wachsglanz auf dem flachmuscheligen Bruch, 
welche zuweilen durch die zusammengedrückte Gestalt an 
Menilit-Knollen eriunern. Zuweilen uraschliessen diese Knollen 
einen Kern vGn grünlichgrauem Serpentin. Der Serpentin 
ist augenscheinlich ein Zersetzungsproduct der das Erzlager 
begleitenden Hornblende und die Opale sind wieder aus jenem 
hervorgegangen, wie auch in Schlesien bei Frankenstein und 
in' der Umgegend des Zobten die Opale als Ausscheidungen 
aus dem Serpentin den letzteren begleiten. 

Augenblicklich ist die Erzgewinnung bei Navalostrillos 
zwar nicht bedeutend, aber es ist nicht zu bezweifeln, dass 
sich auch hier bei weiterer Aufdeckung des Erzlagers grosse 
Massen von Erz durch blossen Tagebau würden gewinnen lassen. 

Nun blieb uns noch die Besichtigung der Eisenglanz- 
Gruben übrig. Diese liegen gegen 4 Meilen weiter nördlich 
bei dem Dorfe San Nicolas. Wir brachen am folgenden Mor- 
gen dahin auf. Der Weg dahin führt zuerst im Thale der 
Huesna aufwärts und lenkt später in ein Nebenthal ab. Hier 
wird das Ansteigen stärker und schliesslich gelangt man auf 
ein Plateau, auf welchem ein isolirter Bergrücken sich erhebt. 
Das ist der Cerro de chierro, der Eisenberg. Und in 
der That, derselbe verdient seinen Namen. Denn sobald man 
den mit Buschwerk bewachsenen Abhang des Berges hinanzu- 
steigen beginnt, findet man schon den Boden überall mit faust- 
bis kopfgrossen Stücken von einem metallisch - glänzenden 
Eisenglanz bedeckt. Gelangt man aber auf die Höhe, so be- 
kommt man erst die richtige Vorstellung von der Massen- 
haftigkeit des Erzvorkommens. 

5* 



68 



Es befindet sich hier ein grösserer steinbruchartiger Auf- 
schluss, in welchem man den reinen lebhaft metallglänzenden 
Eisenglanz in einer Mächtigkeit von 4 bis 6 Meter anstehen 
sieht. Weisser krystallinisch-körniger Schwerspath , welchen 
man auf den ersten Blick für krystallinischen Kalk oder Urkalk 
halten köonte, begleitet das Erz und bildet zum Theil kleinere 
Gänge in demselben. Das ist nun freilich wegen des Schwefel- 
gehalts kein angenehmer Begleiter des Erzes. Allein eine 
eigentliche Schwierigkeit kann er nicht bereiten, weil bei der 
Massenhaftigkeit des Erzvorkommens reine Partieen des Erzes 
sich leicht vollständig gesondert werden gewinnen lassen. Das 
Erzlager geht steil nieder und streicht von Südost gegen Nord- 
west. Das Nebengestein ist nicht deutlich aufgeschlossen, so 
dass es nicht ganz klar, ob das Vorkommen als ein Gang oder 
als ein aufgerichtetes Lager zu deuten ist. Die Begleitung 
durch den Schwerspath spricht mehr für die erstere Annahme. 

Der Rücken des Berges wird durch ein Haufwerk von lose 
übereinander gestürzten , zum Theil hausgrossen Felsblöcken 
gebildet. Bei näherer Untersuchung erweisen sich auch diese 
Blöcke zum grossen Theil aus körnigem oder dichtem Eisen- 
glanz bestehend. Wir ritten mehrere Kilometer weit dem Ab- 
bange des Berges entlang und überall fanden wir den Boden 
mit grösseren oder kleineren Stücken des Erzes bestreut. 
Offenbar ist nicht ein einziges, sondern es sind mehrere mäch- 
tige Lager vorhanden. In jedem Falle ist hier ein unerschöpf- 
licher Erzvorrath vorhanden. 

An vielen Punkten trifft man Spuren eines bedeutenden 
ehemaligen Bergbaues an. Namentlich zahlreiche Pingen und 
mächtige Schlackenhaufen. Durch einzelne Münzen und Werk- 
zeuge, welche man gefunden, lassen sich diese Arbeiten auf 
die Römer zurückführen. Es fragt sich nur, was die Römer 
hier gegraben haben. Das Eisenerz kann es nicht gewesen 
sein, denn dieses liegt überall zu Tage und es bedarf zu dieser 
Gewinnung keiner schwierigen und kostbaren unterirdischen 
Bauten. Wahrscheinlich sind es Kupfererze gewesen , welche 
man in der Tiefe suchte. Wenigstens fand ich in einer der 
alten Piugen ein kleines Stück Eisenglanz mit einem Anflug 
von erdigem Malachit. 



69 



Das sind die verschiedenen Eisenerzlagerstätten , welche 
der Pedroso Gesellschaft gehören. Wären dieselben in einem 
der gewerbreichen Landstriche Mittel-Europas gelegen, so wür- 
den sie längst eine grossartige Eisenindustrie hervorgerufen 
haben. Hier sind sie kaum in Angriff genommen und nähren 
nur eine einzige, wenig bedeutende Eisenhütte. Ist jedoch 
einmal die vorher erwähnte Eisenbahn vollendet, so kann es 
wohl nicht ausbleiben, dass dieser reiche Erzschatz gehoben 
und für die Industrie nutzbar gemacht wird. 

Uebrigens schliessen sich diese Eisenerzlager durch ihre 
Massenhaftigkeit den anderen Erzlagerstätten auf dem Südabfalle 
der Sierra Morena an, namentlich dem weltberühmten Zinnober- 
Gange von Almaden und den unerschöpflichen Lagern von 
kupferhaltigem Schwefelkies bei Rio Tinto und an anderen 
Punkten in der Provinz Huelva. Nimmt man hinzu, dass 
ausserdem zahlreiche grössere und kleinere Blei- und Kupfer- 
erz-führende Gänge das Gebirge in allen Richtungen durch- 
ziehen, so erscheint diese Gebirgsgegend in der Südwestecke 
Spaniens als eines der metallreicbsten Gebiete Europas und 
rechtfertigt den Ruf, den das südliche Spanien schon im Alter- 
thum wegen seiner metallischen Reichthümer genoss. 



70 



5. lieber das Vorkommen von Nöggcrathia foliosa 
Stbg. in dem Steinkohlengebirge von Obersehlesien 
und über die Wichtigkeit desselben für eine Paralleli- 
sirung dieser Schichten mit denen von Böhmen. 

Von Herrn Ottokar Feistmantel in Breslau. 

Hierzu Tafel V. 

Es sei mir erlaubt , an dieser Stelle eines interessanten 
Vorkommens einer Pflanzenart aus dem Ko hl e n g eb i r g e 
von Ober Schlesien zu gedenken, die nicht nur interessant 
als Pflanze selbst ist, da sie bis jetzt noch nicht mit Sicher- 
heit in der lebenden Flora ihre analoge Form und ihre ganz 
sichere systematische Stellung gefunden hat, sondern auch be- 
sonders durch die Art und Weise ihres Auftretens. Da sie 
nämlich in dem Bezirke ihres Vorkommens auf ganz bestimmte 
Schichten sich beschränkt zeigte und immer unter denselben 
Verhältnissen auf denselben Schichten auftrat , wurde sie für 
diese bestimmten Schiebten , folgerichtig auch für die sie ent- 
haltenden Flötzziige, charakteristisch und erwies sich bei der 
Parallelisirung der einzelnen sie führenden Schichtengruppen 
als maassgebend. Es ist dies nämlich die interessante Art 
Nö gg er athia folio sa Stbg. 



Bevor ich auf die Thatsache des Vorkommens in Ober- 
schlesien übergehe, muss ich etwas weiter ausholen und vorerst 
andere allgemeine Verhältnisse betreffs dieser Art erwähnen. 

1) Vorkommen der N ö gg er athia foliosa Stbg. 
in Böhmen. 

Wie bekannt, ist die N ö g g er athia foliosa Stbg. bis 
jetzt bloss aus dem böhmischen Kohlengebirge angeführt wor- 
den und galt als eine speciell böhmische Art. Es ist also 



um so interessanter, sie jetzt auch von einer anderen Stelle 
kennen zu lernen. 

Zuerst beschrieb sie Graf Sternberg in seinem grossen 
Werke über die fossile Flora (Vers. d. Darst. einer Flora d. 
Vorw.) und zwar Bd. I. fsc. 2. pag. 33.; ferner fasc. 4. pag. 36. 
und bildete sie t. 20. ab. 

Doch hat sie Sternberg wohl nicht selbst an Ort und 
Stelle gesammelt, da die Fundortsangabe eine bloss ganz all- 
gemeine und noch dazu unrichtige ist; denn er sagt betreffs 
des Fundorts : „in schisto lithanthreucum in circulo Berau- 
nensi." — Nun kann sich aber Jeder an dem Originalexem- 
plare überzeugen, dass es dem Gesteine nach nur aus dem 
Kladno-Rakonitzer Becken stammen kann, und es überhaupt in 
der Umgegend von Beraun (südwestl. von Prag) keine Kohlen- 
schichten giebt , in denen Nogg erathia foliosa Stbg. je 
auch nur in einem Bruchstücke, gefunden worden wäre. 

Diese allgemeine Fundortsangabe ging dann natürlich in 
die folgenden allgemeinen Werke über fossile Flora über. 

So finden wir dieselbe bei Göppert in seinen Gattungen 
fossiler Pflanzen, wo er auf t. 12. f. 1. (Lief. 5 u, 6) aber- 
mals ein Exemplar abbildet und in dem Texte Sternberg's 
Fundortsangabe citirt. Doch scheint mir das Originalexemplar, 
das Herrn Prof. Göppert vorlag und von mir in seiner jetzt 
im mineralogischen Museum in Breslau deponirten Sammlung 
besichtigt werden konnte, aus dem Radnitzer Kohlenterrain zu 
stammen. 

^Dieselbe unrichtige Fundortsangabe finden wir dann noch 
bei Unger (Genera et species plant, foss. pag. 103) und auch 
Schimper hat dieselbe in seinem Traite de pal. veget. II. p. 130 
wieder citirt, noch dazu mit der Bemerkung „espece tres rare". 

Dagegen war sie schon 1854 Ettingshausen aus dem 
Radnitzer Kohlenterrain bekannt, und führt er sie in seiner 
„Steinkohlenflora von Radnitz" (pag. 3. u. 58.) von Wrano- 
witz im sogen. Braser Becken an. Doch fügt er nichts Nä- 
heres über ihre Lagerung hinzu. 

Im Jahre 1865 lieferte Prof. Geinitz (N. Jahrb. 1865 t. 3.) 
abermals eine Abbildung des Blattes und eines dazu gehörigen 
Fruchtstandes. 

Doch erst etwas später erhielt sie ihre wahre Bedeutung. 
Sie erwies sich nämlich bei näherem Studium und Vergleichen 



72 



der einzelnen Kohlenablagerungen in Böhmen für gewisse die- 
ser Ablagerungen, d. h. für gewisse Schichten darin als cha- 
rakteristisch, als bestimmend und ermöglichte auf diese Weise 
eine Parallelisirung der einzelnen Kohlenablagerungen unter- 
einander. 

Zuerst wurde sie im Radnitzer Kohlenterrain häufig 
gefunden, und hier wurde zuerst ihre Bedeutung erkannt. 

Es stellte sich nämlich heraus, dass ihr Vorkommen da- 
selbst auf ganz bestimmte Schichten beschränkt sei. 

Dazu scheint es mir nothwendig, etwas über die Glie- 
derung des Radnitzer Kohlen te rrai ns einzuschalten. 

Das sogen. Radnitzer Kohlenterrain ist im SVV. von Prag, 
näher jedoch an Pilsen, abgelagert und besteht aus einem 
grösseren centralen Becken und aus mehreren kleineren , die 
sich um das erstere gruppiren. 

Die einzelnen Schichten, die dieses Kohlenterrain zu- 
sammensetzen, ergeben sich folgendermaassen (von oben nach 
unten) : 

' 1. Eine bis 20' mächtige Schicht eines sehr kaolin- 
reichen Sandsteins, der in der Gegend als Mörtel 
gebraucht wird und den Localnamen „Moltyr" 
führt. — Es ist eine ganz ständige, stets zu er- 
kennende Schicht. 
< 2. Thoniger Sandstein und Sandsteinschiefer, wenig 
mächtig. 

3. Schieferthon, meist weich und kohlenhaltig, bis 8' 
mächtig; dies ist der Hangendschiefer des Ober- 
flötzes und sehr petrefactenreich. 

, 4. Das obere oder Hauptflötz, bis 6' mächtig. 

' 5. Eine Reihe fester, feiner Schiefer, sogenannte 
Schleifsteinschiefer; sie besitzen eine wechselnde 
Mächtigkeit, die jedoch nie 8' übersteigt; aber- 
mals eine sehr constante , stets zu erkennende 
Schicht. 

6. Eine gleichförmige körnige Sandsteinlage von circa 
2' Mächtigkeit. 

7. Das zweite oder untere Kohlen flötz, durch- 
schnittlich 2' mächtig. 

8. Eine Reihe Sandsteine, Conglomerathe und Schiefer- 
thone ohne Kohlenfiötz. 



73 

Die Schichten 1. 2. 3. 4. bilden zusammen die sog. Ober- 
flötzgruppe und ist dieselbe besonders charakterisirt durch 
die „Moltyr"-Sandsteine und durch ein zweites Merkmal, das 
ich alsbald ausführen werde. 

Die Schichten 5- 6. u. 7 bilden zusammen die sog..Unter- 
flötzgruppe und ist diese besonders charakterisirt durch 
die Schleifsteinschiefer. 

Die Schicht 8. endlich bildet die sog. kohlenflötz- 
le ere Gruppe. 

Das Vorkommen der N'öggerathia foliosa Stbg. 
ist nun auf die Oberflötzgruppe beschränkt und zwar auf 
das Bereich des Oberflötzes selbst. In diesem sind näm- 
lich mehrere sogen. Zwischenmittel eingelagert, die sich im 
Allgemeinen folgendermaassen gruppiren : 

1. Obere Zwischemittel : Oberflötzchen und Firstenstein, 

2. Mittlere Zwischenmittel : Flicka und Schrammflötz. 

3. Untere Zwischenmittel: die sogen. Sohlendecken. 
Nach den genauen Untersuchungen meines Vaters ist 

nun iV ö g gerat hia foliosa Stbg. fast ausschliesslich 
auf die oberen und mittleren Zwischenmittel be- 
schränkt und hiermit für die Oberflötzgruppe 
charakteristisch. 

Auf Grund dieser Untersuchungen konnte nun dieses 
Radnitzer Kohlenterrain auch mit dem Kladno-Rakonitzer 
in Analogie gebracht werden. 

Das Kladno-Rakonitzer Kohlenrevier, das im 
Nordwesten von Prag abgelagert ist und das grösste Kohlen- 
revier Böhmens darstellt, gliedert sich ähnlich wie däs Rad- 
nitzer Kohlenterrain , nur dass hier noch ein Flötzzug hinzu- 
kommt. 

Die Gliederung desselben ist folgende: 

L Hangendfl ötzzug — enthält ein Kohlenflötz, 
das von der sogen. ,, Schwarte", einem Brandschiefer 
überlagert wird , der permische Thierreste enthält. 
Dieser Zug ist ohne Zweifel dem Rothliegenden zu- 
zurechnen. 

2. Liegend flötzzug. — Dieser enthält den Kohlen- 
reichthum Böhmens und besitzt seiner ganzen Aus- 
dehnung nach ein Kohlenflötz, das sog. Haupt- 



74 



flötz; dieses wird bis 5~ f mächtig, variirt jedoch 
in seiner Mächtigkeit bedeutend. Bis zum Hangend- 
zuge wird es überlagert von einer Reihe von Sand- 
steinen, Conglomeraten und Schiefern. 

Unter dem Hauptflötze folgen nun noch Sandsteine und 
sandige. Schieferthone , die zum grössten Theil direct auf dem 
Grundgebirge auflagern, zum geringeren Theile aber noch ein 
zweites Flötz einschliessen, das sogen. Grundflötz. 

Das Haupt flötz enthält, ähnlich wie das Radnitzer 
Oberflötz, einzelne constante Zwischenmittel, die charakte- 
ristisch für dieses Flötz in seiner ganzen Ausdehnung sind. 
Es sind dies vornehmlich zwei, neben welchen sich natürlich 
immerhin noch andere loeale entwickeln können. 

Diese Z w i s c h en m i 1 1 el führen nun namentlich 
in der Gegend von Rakonitz, also im westlichen 
Theile der ganzen Ablagerung, einen ziemlichen 
Reichthum an P fl anz e np e tr e f ac t en , darunter auch 
ziemlich zahlreiche Exemplare von N'öggerathia 
foliosa Stbg., die auch nur auf diese Schichten des Haupt- 
flötzes beschränkt bleibt. 

Durch dieses Merkmal wird nun das Kladno-Rako- 
nitzer HauptflÖtz mit der Radnitzer Hauptflötzgruppe 
in gleiches Niveau gestellt; das Grundflötz, das einem 
Theile des Kladno-Rakonitzer Terrains abgelagert ist, ist dann 
wohl analog dem Radnitzer Unterflötz. 

Die N ö g g erathia foliosa Stbg. vermittelt also zwischen 
diesen beiden Ablagerungen die Parallelisirung. 

Durch zwei andere Merkmale stellt sich dann die Rako- 
nitz er Ober flötzgruppe analog dem Liegendflötzzug der 
Pilsner Ablagerung. 

Ich habe bei der Gliederung des Radnitzer Kohlengebirges 
des M olt yrsandstei ns als einer ständigen Schicht erwähnt; 
ausserdem ist von den Zwischenmitteln des Oberflötzes 
eines derselben, nämlich das sogen. S c h ram m flötz , charak- 
terisirt durch das Vorkommen gewisser kleiner, wurmförmiger 
Körperchen, die dem Schieferthone ein gewisses körniges Aus- 
sehen geben, das ganz charakteristisch ist. 

Diese beiden Merkmale fanden sich nun jüngster Zeit 
auch im Li eg e n d f 1 ö t z b er e i c h e der Pilsner Ablagerung, 
wodurch dieses mit der Ober flötzgruppe bei Radnitz in 



75 

Analogie gestellt wird , jedoch zugleich auch mit dem Zuge 
des Hauptflötzes bei Kl adno-Rakonitz, da ja letzteres 
durch das Vorkommen der N ögg eratliia foliosa Stbg. mit 
der Radnitzer O b e r f 1 ö tz g r u p p e auf gleiches Niveau 
gebracht ist. 

N ö g g er athia foliosa Stbg. erwies sich also für 
die Parallelisirung der westlich von der Moldau 
abgelagerten Kohlenbas sains als maassgebend. 

2. Vorkommen der N Ö g g er athia foliosa Stbg. in 
Oberschlesien. 

Die Kenntniss von diesem interessanten Vorkommen in 
Oberschlesien verdanke ich der Einsicht in die reichhal- 
tige Sammlung des Herrn Göppebt, deren Einordnung in die 
Sammlungen des mineralogischen Museums der Universität 
Breslau unter Leitung des Herrn Roemer eine für mich sehr 
lehrreiche und nutzbringende Aufgabe war. 

Neben vielen anderen interessanten Petrefacten aus Ober- 
schlesien fanden sich nun bis jetzt auch drei Exemplare 
dieser interessanten Pflanzenart vor; sie tragen alle ziemlich 
genaue Angaben betreffs des Fundortes und des Vorkommens. 

Zwei tragen die Etiquette mit der Aufschrift (von Göppert's 
Hand geschrieben): ,, Leopoldsgrube in Oberschlesien 4 '; das 
dritte trägt die Angabe noch viel genauer und zwar (auch von 
Göppert's Hand): „Vom Leopold flötz der Leopolds- 
grube bei Ornontowitz in Oberschlesien". 

Ich habe zwar bis jetzt nicht Gelegenheit gehabt, mich 
näher über die Lagerungs- und Gliederungsverhältnisse des 
Leopold fl ötzes der Leopoldsgrube zu orientiren , nur 
soviel ist mir bekannt, dass dieselbe dem sogen. Nicolaier 
Revier oder dem vierten Flötzzuge der oberschlesischen 
Kohlenflötze oder den hängendsten Flötzen angehört. Es ist 
überhaupt in Oberschlesien sehr schwer, sich in der grossen 
Anzahl und der grossen Mächtigkeit der Kohlenflötze auszu- 
kennen; doch genügt in der That die angeführte Angabe, wo- 
durch also zunächst nur der vierte Flötzzug (Nicolaier Re- 
vier) in Betracht gezogen werden kann. 

Besonders bedauere ich , dass ich nicht angeben kann, 
ob das Gestein , worauf diese Art aus Oberschlesien erhalten 
ist, einem Zwischenmittel angehört oder nicht — aber ich 



76 



würde nach der Beschaffenheit des Gesteins sehr geneigt sein, 
zu glauben, dass dasselbe in der That eine Zwischenmittelschicht 
sei. Dies wird sich wohl später genauer feststellen lassen ; 
es ist interessant genug, wenn das Vorkommen so genau con- 
statirt werden kann. 

N ö g g er athia foliosa Stbg. ist nun auch in Ober- 
schlesien in dem Nicolaier Revier vorgekommen 
und wird wohl in dem Kohlenbereiche Ober- 
schlesiens, wenn sie noch von anderen Orten be- 
kannt werden sollte, von ähnlicher Wichtigkeit für 
diese Ablagerung sein, wie für die böhmischen. — 
Ich habe eines dieser oberschlesischen Exemplare abgebildet 
(siehe Tafel V.). 

3. Folgerungen aus dem bisjetzt Angeführten. 

Das Vorkommen der N'öggerathia foliosa Stbg. in 
Oberschlesien ist nicht bloss ein local wichtiges, sondern auch 
mit Bezug auf die Ablagerungen des benachbarten Böhmens. 

Wenn wir nämlich berücksichtigen, dass diese Art sowohl 
in dem ßadnitzer K o h 1 e n te r r a i n als auch in der 
Klad no- Rako ni tz er Ablagerung einen bestimmten Horizont 
eingenommen hat und eben dadurch charakteristisch für diese 
Schichten und für die Parallelisirungen jener Ablagerungen, 
in denen sie vorkommt, maassgebend wird, so kann man wohl 
für die obersch lesis ch e Art, die mit der böhmischen 
völlig ident ist, wohl dasselbe annehmen; es wird sich aus 
dem Gesagten wohl ergeben, dass jener Antheil 
des oberschlesischen Ko hl e n t err ai n s , welcher die 
Schichten enthält, in denen die N'öggerathia foliosa 
Stbg. erhalten vorkommt, mit den eben betrach- 
teten K ohl e n a bl a g er u n ge n in Böhmen, die durch 
diese Art charakterisirt werden, analoger Bildung 
sein d ü r fte n. 

Es ist daher das Vorkommen der N'öggerathia in Ober- 
schlesien von einer nicht geringen Wichtigkeit. 



Bevor ich noch zur näheren Besprechung der NÖgge- 
rathia foliosa Stbg. aus Oberschlesien gelange, will ich 
noch einige allgemeine Bemerkungen vorausschicken. 



77 



1. scheint mir die N'ögg. foliosa Stbg. neben der eng- 
lischen Nögg. ßabellata L. u. H. die einzig gerechtfertigte 
Art dieser Gattung. Alle die übrigen Exemplare mit den ein- 
zelnen langen, parallel gestreiften Blättern, wie Nögg. palmae- 
formis, Nögg. platynervia, Nögg. crassa etc. — würde ich eher 
geneigt sein, zu der Gattung Cordaites zuziehen, die immerhin 
mit Nöggerathia zu derselben Familie gehören mag; denn die 
Stellung von Cordaites ist ebenso unentschieden , wie die der 
Nöggerathia. Denn es hält wohl schwer zu entscheiden, welche 
von den zwei in neuester Zeit vertretenen Ansichten: Nöggera- 
thia sei eine nacktsamige Dicotyle (Geinitz, N. Jahrb. 1865) 
oder sie sei eine Monocotyledone (Weiss 1870, Verhandl. 
des naturhist. Vereins für d. preuss. Rbeinl. u. Westf. pag. 63), 
die richtige sei. 

Als das rationellste würde es mir scheinen , sie gleich 
hinter den Sigillarien am Anfang der Cycadeen, in einer 
eigenen Familie der NÖ g g erathi eae anzuführen, wo neben 
Nöggerathia noch Cordaites zu stehen käme. 

Im Anschluss an Cordaites werden dann die anderen 
oben erwähnten ebenfalls als Nöggerathia beschriebenen Exem- 
plare mit den langen Blattern als ,,species incertae 44 anzu- 
führen sein. 

2. Hess die Gattung Nöggerathia (in dem wahren eigent- 
lichen Sinne) einige Entwickelungsverhältnisse beobachten, 

Die echte N ö ggerathia foliosa Stbg. hat nämlich keil- 
förmige abgerundete Blätter , deren runder Rand höchstens 
gezahnt ist; man beobachtet auch Exemplare mit ganzem 
Rande, aber feine Zähnelung ist auch keine Abnormität. 

Nun kam seiner Zeit bei Bras ein Exemplar vor, das 
im Ganzen an Nöggerathia foliosa Stbg. erinnerte, aber 
dessen Rand bis zum Drittel gespalten war. — Dies Exem- 
plar kam nur einmal bei Bras vor, und zwar in derselben 
Schicht, wie die Nögg. foliosa Stbg.; mein Vater, der dies 
Exemplar aufgefunden hatte, nannte es Nöggerathia inter- 
media K. Fstm., um anzudeuten, dass diese Art gleichsam in 
der Mitte zwischen der nur gezähnten Nögg. foliosa Stbg. 
und der ganz tief gespaltenen NÖgg. speciosa Ettgh. steht 
(wenn letztere überhaupt eine Nöggerathia ist). — 
Siehe Ettingshausen , Steinkohlenflora von Radnitz 1854. 
pag. 58. 



78 



Später kamen dann bei Rakonitz ebenfalls nrit der Nögg. 
foliosa Stbg. ziemlich zahlreiche Exemplare der sog. N'ögg. 
intermedia vor, die deutlich zeigten, dass diese Art wohl 
ebenfalls zu Nöggerathia gehöre; sie hat im Grossen und 
Ganzen fast dieselbe Blattform, nur ist sie etwas länglicher; 
die Stellung der Blatter ist dieselbe, aber der Rand ist bis 
zum Drittel, und manchmal noch etwas weiter gespalten. — 
Ich bilde ein gutes Exemplar von Rakonitz auf Tafel V. ab. 
— Was diese Heste anbelangt, so ist es immerhin gestattet, 
sie des Verständnisses wegen unter dem obigen Namen be- 
stehen zu lassen; aber mir scheint nicht, dass sie eine ganz 
selbstständige Art vorstellt ; ich würde sie eher als eine Va- 
rietät , die durch irgend welche Verhältnisse bedingt wurde, 
auffassen; denn es ist ja sehr leicht denkbar, dass sie unter 
gewissen Bedingungen sich nur kümmerlich entwickeln konnte 
und dass dann die Zähnelung der N ögg erat Iii a foliosa 
^Stbg. zur tieferen Spaltung wurde, die dann unter der Form 
auftritt, wie sie durch den Namen N'ögg. intermedia 
K. Fstm. veranschaulicht werden soll. 

Betreffs N'ögg. speciosa Ettgh. ist es sehr zweifelhaft, 
ob sie zu Nöggerathia gehört. 

Es würde daher Nöggerathia auch in morphologischer 
Beziehung interessant sein , da sie wohl aus einer Grundform 
(Nögg. foliosa Stbg.) infolge gewisser Bedingungen eine an- 
dere Form entwickelte (Nögg. intermedia K. Fstm. , siehe Ab- 
bildung). 

Fam.: N Ögger athieae. 
Nöggerathia foliosa Stbg. Taf. V. Fig. 1. 
1822. Sternberg, Vers. I. fsc. 2. pag. 33. 
1825. Sternberg, ibid. fsc. 4. pag. 36 t. 20. 
1841. Göppert, Gattung, foss. Pfl. Heft 5. u. 6. t. 12. f. 1. 
1850. Unger, genera et sp. plant, foss. pag. 57. 
1854. Ettingshausen, Steinkohlenflora von Radnitz pag. 58. 
1865. Geinitz, Steinkohlen Deutschlands und anderer Län- 
der Europas pag. 315. 
1865. Geinitz, N. Jahrb. t. 3. f. 2. 

1869. Schimper, Traite de pal. veget. II. p. 130. und Abbild. 
1869. K. Feistmantel, Archiv für naturhist. Durchforschung 
von Böhmen, geolog. Sect. pag. 83. u. 89. 



79 



1870. Weiss, Verhandl. des naturhist. Vereins für Rheinl. 

u. Westf. pag. 63. 
1874. O. Feistmantel, Steinkohlen- u. Permablager. im NW 

von Prag pag. 101. t. 2. f. 1. 

Es lagen mir drei Exemplare von Oberschlesien vor, 
worunter besonders zwei durch ihre Vollkommenheit sich aus- 
zeichnen; das eine habe ich abgebildet. 

Das eine Exemplar ist ziemlich gross; es lagen aber nur 
auf der einen Gesteinsfläche diese Pflanzenreste, aber ziemlich 
zahlreich zerstreut. Unter diesen zeichnen sich aber zwei 
nebeneinander liegende Blattwedel durch ihre Länge aus; sie 
sind 10-11 Cm. lang und zählen bis je 7 Blättchen auf einer 
Seite. Die Blättchen haben ganz dieselbe Form, wie die in 
Böhmen vorkommende Art , sind keilförmig mit gerundetem 
Rande, der in diesem Falle etwas gezahnt ist; die Nerven 
laufen gegen den Winkel zusammen. Die Blätter sitzen alle 
alternirend. 

Das zweite, kleinere Exemplar, das ich abbilde, stellt 
ein . Blattwedelstück von 14 Cm. Länge dar; auf jeder Seite 
sind 5 Blättchen in alternirender Stellung; das oberste (rechts) 
ist zerrissen und es scheinen also zwei schmäler zu sein. 
Die Form ist im Wesentlichen dieselbe, wie bei dem grösseren 
Exemplare, nur sind sie etwas grösser und breiter, da das 
ganze Stück entweder einer älteren Pflanze angehört, oder der 
untere Theil von einem grösseren Blattwedel ist. Ausserdem 
ist hier der Blattrand ganz deutlich ungezähnt. 

An diesem Exemplare ist auch deutlicher die Anheftung 
der Blätter zu sehen ; es scheint, dass sie nicht eine derartige, 
dass die Blätter bestimmt geformte Narben nach dem Abfallen 
zurückliessen. 

Das Gestein , worauf diese Pflanzenreste sich erhalten 
haben, ist ein weicher, thoniger Schiefer, von sehr geringer 
Consistenz, so dass er, mit Wasser in Berührung gebracht, 
bald zu einem Brei wird. — Er ist grau, mit einem Stich ins 
grünlich-gelbe. 

Es ist derselbe Schiefer, wie er auch von der Agnes- 
Arn an da- Grube bekannt ist, wo er ebenfalls zahlreich Pe- 
trefacte enthält. Allem Anschein nach ist es in beiden ge- 
nannten Gruben dieselbe Schieferschicht, und scheint es mir 



80 



nach Allein eine Zwisehenmittelschicht zu sein. — Vielleicht 
dürfte sie für die Parallelisirung nicht ohne Wichtigkeit sein. 

Vorkommen: Leopoldflötz der Leopoldgrube bei 
Ornontowitz in Oberschlesien, ausserdem im Radnitz er 
und Kla dno-Rakonitzer Kohlengebiet in Böhmen. 

Zu dieser Art dürfte dann als irgend ein Entwickelungs- 
stadium gehören die 

N ö g g er athia intermedia K. Fstm. Taf. V. Fig. 2. 

1868. K. Feistmantel, Beobachtungen über einige fossile 

Pflanzen aus dem Radnitzer Becken, in Abhandl. 

der k. böhm. Gesellsch. der Wissensch, t. 1. f. H. 
1874. O. Feistmantel, Steinkohlen- und Permablager. im 

NW von Prag; Abhandl. der k. böhm. Ges. etc. 

t. 2. f. 2. pag. 102. 

Bhacopteris Raconicensis Stur, Samml. d. k. k. geol. Reichsanst. 

Diese Art habe ich zum Vergleiche mit der vorigen her- 
gezogen und abgebildet, da ich sie ja schon früher als ein 
Entwickelungsstadium derselben erwähnte. Diese ist bis jetzt 
nur auf Böhmen beschränkt, kam aber in denselben Schichten 
und A blagerungen vor, wie die Nögg er athia foliosa Stbg., 
aber natürlich etwas seltener , namentlich bei Radnitz. Im 
Kladuo - Rakonitzer Becken kam sie bis jetzt nur bei Rako- 
nitz, aber immer in Gemeinschaft mit NÖgg. foliosa Stbg. 
vor.; sie ist daselbst ziemlich häufig und in einigen schönen 
Exemplaren aufgetreten. Ein grosser Blattwedel befindet sich 
im Prager Nationalmuseum. Ich bilde auch einen ziemlich gut 
erhaltenen ab und vervollständige dadurch meine Abbildung 
in meiner letzten Arbeit (Steinkohlen- und Permablagerung 
im NW. von Prag, 1. c. t. 2 f. 2.). Ich halte auch diese 
Art für eine N ö g g er athia und nicht für eine Farre, 
es sei denn, d a s s au c h Nö gg er athia folio sa Stbg. 
eine solche sei, zu der ich die 2\ ögg. int er media 
K. Fstm. als Entwickelungsstadium stelle. (Dafür, 
dass es wohl keine Fairen sind, spricht der Umstand, dass 
die Nerven an keiner Stelle sich theilen und Verästelungen 
bilden.) Uebrigens inuss ich hier ganz ausdrücklich 
bemerken, dass schon mein Vater diesen Namen 
selbst diesem Pflanzen reste beilegte, und zwar in 



seiner oben angeführten Arbeit auf pag. 11. Es ist 
daher irrig, wenn Herr Stur behauptet, sie hätte von 
meinem Vater keinen Namen erhalten. (Verhandl. 
d. k. k. geol. Reichs ans t. 1874. Nr. 11. pag. 275. 

Vorkommen: Selten im Radnitzer Kohlengebiet, häu- 
figer bei Rakonitz mit N'ögg. foliosa Stbg. 

Anmerkung. Die Kohlenflora von Ober Schlesien 
bietet überhaupt verschiedenes Interessante. Hier will ich nur 
noch ein zweites Petrefact anführen , das auch auf dieselben 
Schichten hinweist, wie sie wenigstens dem Hauptflötze von 
Kladno-Rakonitz entsprechen. Ich kenne nämlich auch 
von der Leopoldgrube in Oberschlesien (also dem Fund- 
orte der in Rede stehenden Nöggerathia) ein Petrefact, 
das allen seinen Eigenschaften nach auf einen- Zapfen hinweist. 
Aehnliche Petrefacten kamen auch nicht gerade selten in Böh- 
men vor, und zwar abermals im Radnitzer und Kladno- 
Rako nitzer Revier; auch Corda waren sie schon bekannt. 
Derselbe beschreibt nämlich in einem unveröffentlichten Werke 
zwei Arten von Petrefacten unter dem Gattungsnamen Embo- 
lianthemum, eins mit sechseckigen und eins mit runden 
Schuppen, deren jede mehrere Sporangien trägt. Lange war 
ich über diese Dinge unklar, doch führten mich Goldberg's 
und Schimper's Abbildungen von Sigillariaestrobus auf 
den Gedanken, dass diese Petrefacten auch nur solche Sigilla- 
riaestroben seien, wenn auch etwas grösser. — Ich stellte 
sie geradezu (1871, Sitzungsber. d. k. böhm. Ges. der Wiss.: 
Ueber Fruchtstadien fossiler Pflanzen der böhm. Steinkohlenf.) 
als solche hin und bildete zwei Arten : Si gillariaestr. Cordai 
O. Fstm. (Corda 1 s Embolianthemum sexangulare) und Sigilla- 
riaestr. Feis tmanteli 0. Fstm. (Embolianth. truncatum Corda 
mit runden Schuppen). Beide kamen bei Bras vor; letzterer, 
der mit runden Schuppen, auch im Kladno-Rakonitz er 
Becken bei Rakonitz und Kladno. 

In der letzteren Ablagerung kam dieses Petrefact nur in 
denselben Schichten wie -Nogg. foliosa Stbg. und Nogg. 
intermedia K. Fstm. vor, nämlich in den Zwischenmitteln 
des Hauptflötzes. 

Bei Radnitz bin ich über das Niveau dieses Petrefacts 
nicht im Sicheren. 

Zelts, d. D. geol. Ges. XXVII. 1 6 



82 



Aus Oberschlesien kenne ich nun dasselbe Petrefact 
mit den runden Schuppen von derselben Grube und in dem- 
selben Gestein, wo N'ögg. foliosa Stbg. vorkam, näm- 
lich von der Leopold grübe. Es ist wohl nicht irrig, wenn 
man auch dieses Merkmal als unterstützend annimmt, dass die 
Schichten, worin diese beiden Petrefacten vorkamen, mit den 
oben erwähnten böhmischen dem gleichen Horizont angehören. 



Taf el erklär ung. 

Tafel V. 

Fig. 1. Nöggeratkia foliosa Stbg.; ein Exemplar mit ziemlich grossen 
Blättern von der Leopoldsgrube in Obersehlesien. 

Fig. 2. Nöggeratkia intermedia K. Fstm. ; eiu ziemlich vollkommenes 
Exemplar, mit deutlich bis zum Drittel gespaltenen Blättern. Stellung 
desselben wie bei Nögg. foliosa Stbg., ebenso Nervatur; wohl ein Ent- 
wickelungsstadium derselben. 

Fig. 3. Zwei Blättchen von einer Nögg. foliosa Stbg. von Rakonitz 
in Böhmen, zum Vergleich mit der oberschlesischen Art. 



6. Heber den bunten Sandstein in den Vogesen, 
seine Zusammensetzung und Lagerung. 



Von Herrn R. Lepsius in Berlin. 

Hierzu Tafel VI. 

Die Sandsteine der Vogesen sind deutscherseits stets als 
ein Aequivalent des bunten Sandsteins angesehen worden. 
Diese Ansicht wurde zuerst von P. Meriaü, Hausmann und 
Keferstein*) vertreten und durch ihre Autorität in Deutsch- 
land für immer gesichert. Die Conglomeratschichten an der 
Basis der Sandsteine deutete man wegen ihres Reichthums an 
Porphyrgeröllen und ihrer Verbindung mit Porphyren als Roth- 
liegendes; da aber der Zechstein als Zwischenglied fehlte, 
wiesen schon die Herren von Dechen, C. von Oeynhausen und 
H. von LA Roche in den ,,geognostischen Umrissen der Rhein- 
länder" 1825 auf die Schwierigkeit einer scharfen Trennung 
des Rothliegenden und bunten Sandsteins in den Vogesen hin. 
Wegen dieser schwierigen Trennung nämlich hatten die fran- 
zösischen Autoren das Rothliegende und die unteren Sand- 
steine, welche sie als ,,Vogesen-Sandstein u (gres des Vosges, 
gres vosgien) von den oberen, ihrem ,,gres bigarre", abschie- 
den, zu einer Gruppe zusammengefasst: den Vogesen-Sandstein 
sahen sie als eine dem Zechstein Deutschlands analoge Abla- 
gerung an ; den gres bigarre dagegen betrachteten sie als ein- 
zigen Repräsentanten des bunten Sandsteins. Diese Auffassung 
der Sandsteine in den Vogesen war zuerst von Elie de Beau- 
mont**) angegeben worden und hat trotz mancher Ein- 



*) P. Merian, Beiträge zur Geognosie 1821. - Hausmann, Göttin- 
ger gelehrte Anzeigen 1823. — Keferstein , in Band V. der Corresp. 
des württemb, landwirthsch. Vereins 1824. 

**) Elie dE Beaumont, Terrains secondaires du Systeme des Vosges. 
Annales des Mines 1827. 

6* 



84 



Sprüche*) ihren Platz in der französischen Literatur be- 
hauptet. Die mindestens ebenso schwierige Trennung von 
Vogesen-Sandstein und dem gres bigarre glaubte jener fran- 
zösische Geologe aus stratigraphischen Gründen rechtfertigen 
zu können; eine Untersuchung der Lagerung dieser Sandsteine 
nämlich veranlasste ihn zu der Annahme, dass nach der Ab- 
lagerung des Vogesen- Sandsteins die Hebung der Schwarz- 
wald-Vogesen und die Entstehung der Rheinspalte eingetroffen 
sei, eine Umwälzung, welche er in seiner Arbeit über die Erd- 
revolutionen als diejenige des ,, Systeme du Rhin" bezeichnete.**) 
Er entlehnte diesen Namen von L. v. Buch, welcher wenige 
Jahre vorher die dritte Gruppe seiner Gebirgsrichtungen 
Deutschlands ,, Rhein - System" benannt hatte.***) Elib de 
Beaümont trat später an die Spitze der geologischen Karten- 
aufnahme Frankreichs: die mustergültige Beschreibung des 
Vogesen-Sandsteins, wie der ganze vortreffliche Abschnitt über 
die Vogesen im Texte zur französischen Karte , in den vier- 
ziger Jahren herausgegeben , flössen aus seiner Feder, f) 
Seitdem wurde in allen französischen Werken ff) die Stellung 
des Vogesen-Sandstein neben dem Rothliegenden als Endglied 



*) Einspruch dagegen erheben z. B. : Voltz, Geognosie de TAlsace 
1828 und Notice sur le gres bigarre de Soultzbad. Mem. de Strasbourg 
1835. — Rüzet, Description geolog. de la partie meridionale de la chaine 
des Vosges. Paris 1834. — Omalius d'Halloy, Bull, de la soc. geolog. 
de France 1834, reunion extraord. a Strasbourg. — Von späteren Ar- 
beiten ist in dieser Hinsicht nur zu erwähnen: Contejean, Descript. 
geolog. de l'arrondissement de Montbeliard 1833. 

**) Elie de Beaimont, Recherches sur quelques-unes des revolutions 
de la surface du globe, Annal. des sciences naturelles 1 8*29. 

***) L. v. Büch, Ueber die geognostischen Systeme von Deutsch- 
land in v. Leonuard's Taschenbuch 1S24. Ein Schreiben an v. Leonhard. 

f) Explication de la carte geologique de France par Dufrenoy et 
Elie de Beaümont, Tome L pag. 2b7 ff. 1841. 

-J-f) Aus der reichen französischen Literatur über die Vogesen sind 
die wichtigsten Werke: Thirria, Statistique mineral. et geolog. du 64- 
partement de la Hautc-Saöne 1S33. — Hogard, Description mineral. et 
geol. du Systeme des Vosges 1837. — Delbos et Köchlin - Schlumbergeb, 
Descript. geolog. et mineral. du depart. Haut - Rhin, 2 vol. 1867, carte 
en 1 :80ÜO0. — De Billy, Carte geolog. du de'part. des Vosges 1850. 
1 : 80000. — De Billy, Esquisse de la geologie du du dep. des Vosges. 
— Jac^üot, Descript. mineral. et ge'ol. du depart. de la Moselle 18bS. 



85 



der paläozoischen Reihe festgehalten, während die mesozoische 
Zeit mit dem gres bigarre begann. 

Deutsche Arbeiten über die Vogesen liegen seit jenen 
ersten obengenannten Werken noch nicht vor; selbst nah be- 
nachbarte Geologen berücksichtigten wenig dieses Gebiet, ob- 
wohl doch die Vogesen für die angrenzenden Gebirge interes- 
sante Vergleichuugspunkte darbieten. Nur in einem Punkte 
machte sich französischer Einfluss bemerkbar: die „revolution 
du Systeme du Rhin' 4 fand ihren Weg über den Rhein, sodass 
wir der Annahme von der Hebung der Schwarzwald-Vogesen 
nach der Ablagerung des Vogesen-Sandstein als einen letzten 
Rest jener längst aufgegebenen BEAUMOWT'schen Theorie auch 
in deutschen Werken zuweilen begegnen.*) Bei genauerer 
Untersuchung des bunten Sandsteins im Schwarzwald wird 
diese Annahme bald wegfallen, ebenso wie sie für die Vogesen 
unhaltbar ist. 

Anknüpfend an die Untersuchungen von Gümbel und 
Weiss über die Sandsteine der Hardt und des Saar- und 
Moselgebietes**) geben wir die folgende kurze Besprechung 
der Zusammensetzung und Lagerung des bunten Sandsteins in 
den Vogesen. Aus der Arbeit von Weiss entnehmen wir für 
den oberen bunten Sandstein, den gres bigarre, die Bezeich- 
nung „Voltzien-Sandstein", erinnernd an den Pflanzenreichthum 
dieser Schichten; gerade im Elsass muss der Name des Man- 
nes dem Andenken bewahrt werden, welcher durch seine um- 
fassenden und eindringenden Beobachtungen die Berge deiner 
Heimath der Wissenschaft erschloss. 

Während die ganze Sandstein-Ablagerung in den Vogesen 
unterhalb gegen das Rothliegende durch die constant auftre- 
tenden Dolomit-Bänke, oben gegen den Muschelkalk durch die 
fossilreichen Wellendolomite scharf begrenzt ist, finden wir in 



carte en 1:80,000. — Daubree, Descript geolog. et mineral. du depart. 
du Bas-Rhin 185 v 2. carte en 1 : 80000. — Parjsot, Esquisse geolog. des 
envirous de Beifort. Mem. de la soc. d'emulation de Montbeliard 1863, 
'2 serie, 1 vol. 

*) Aus den Heften der „Beiträge zur Statistik der inneren Ver- 
waltung des Grossherzogth. Baden"; z. B. IL Heft: Geologische Be- 
schreibung der Gegend von Baden von Sandbergek 1861. pag. 20. ff. 

**) Gümbel, Geognost. Verhältnisse der Pfalz 1865 - Weiss, Trias 
an der Saar, Mosel etc. in dieser Zeitschr. Bd. XXI. pag. 836. 1869. 



86 



derselben nur einen Horizont, den des Vogesen - Conglome- 
rats , wie wir eine im oberen Vogesen-Sandstein überall anzu- 
treffende Zone von Conglomerat-Bänken nennen wollen. Durch 
diesen Horizont können wir die Sandsteine in zwei Gruppen 
trennen: den unteren bunten oder Vogesen-Sandstein unter 
dem Conglomerat, und den oberen bunten oder den Voltzien- 
Sandstein über demselben. 

Das Rothliegende hat in den Vogesen Porphyre zur Basis, 
deren Tuffe, Conglomerate und Breccien bedeckt werden von 
grobkörnigen , unregelmässig geschichteten Sandsteinen. Es 
erreicht eine Mächtigkeit von 100 bis 150 M. wie im Weiler- 
Thal, auf dem Weslabhange des Gebirges bei St. Die und im 
Süden bei Beifort. Muldenförmig gelagert keilen sich die 
Rothliegenden - Schichten unter dem Vogesen-Sandstein aus, so 
dass dieser als eine continuirliche Decke ebenso wie über die 
Gneisse, Granite und Grauwacken auch über die Rothliegenden- 
becken sich hinbreitet. Die Sandsteine des Rothliegenden 
unterlagern den Vogesen - Sandstein concordant und könnten 
von diesem kaum abgetrennt werden, wenn nicht ein constanter 
Horizont von Dolomit-Bänken eine sichere, wenn auch künst- 
liche Grenze darböte. Denn die Arcose - artigen Sandsteine 
des Rothliegenden gehen meist ohne wesentliche Aenderung 
noch über den Dolomit - Horizont fort*); sie enthalten unter 



*) Eue de Beaumont, Explic. I. pag. 424: „le gres rouge est recou- 
vevt par le gres des Vosges, dont il n 1 est qu'une modification". Auch 
Daubree und die anderen französischen Geologen legen grosses Gewicht 
auf diese innige lithologische und stratigrapliische Verbindung zwischen 
Rothliegendem und Vogesen-Sandstein , da sie der erste Anstoss zu der 
Annahme war, den Vogesen-Sandstein zur Dyas zu rechnen Wenn wir 
nun den Vogesen-Sandstein als unteren bunten Sandstein ansehen, so 
bleibt immer noch die schwierige Trennung zwischen Rotbliegendein und 
Vogesen-Sandstein bestehen; oder vielmehr man muss einräumen, dass 
die Sandsteine und Conglomerate des Rothliegenden hier nur eine Vor- 
stufe, etwa die ersten zusammengeschwemmten Strandbildungen zu der 
nachfolgenden mächtigen Sandsteinablagerung gewesen sind. Der Zech- 
stein fehlt; wenn wir daher diese untersten Sandsteine über den Por- 
phyren und Porphyr-Trümmergesteinen wegen ihrer Porphyrgerölle noch 
bis zum Dolomit-Horizont als Rothliegendes ansehen wollen, müssen wir 
nicht vergessen, dass dieses Rothlicgende der Vogesen eine viel jüngere 
Bildung ist, als unser norddeutsches Rothliegendes, und vielleicht schon 
in den Beginn der Trias-Zeit fällt. 




dieser Zone freilich einen grösseren Reichthum an Porphyr- 
Gerollen, sodass sie local zuweilen conglomeratisch werden; 
doch findet man noch über den Dolomiten genug Stücke von 
Porphyr, krystallinischem Schiefer , Gneiss und anderen Ge- 
steinen im Sandstein eingelagert. Erst in der oberen Stufe 
des Vogesen-Sandsteins, welche jedoch von der unteren durch 
keine scharfe Grenze getrennt ist, herrschen die Quarzgerölle 
allein. Trotz solcher Uebergänge zwischen den Sandsteinen 
des Rothliegenden und des Vogesen-Sandstein müssen wir uns 
daher an diesen Dolomit - Horizont als Grenze halten; man 
findet ihn allenthalben im oberen Rothliegenden: im Becken 
von Beifort haben die Bänke mit Dolomit-Knauern sogar eine 
Mächtigkeit von 7,6 M. (siehe Parisot 1. c. pag. 8. u. Delbos 
1. c. I. pag. 214.). 

Doch ist es unmöglich, diese Dolomit - Ausscheidungen 
etwa als Aequivalent des Zechsteins anzusehen, wie es von 
manchen Geologen geschehen ist*), da niemals Versteinerungen 
darin entdeckt wurden, noch der unmittelbare Zusammenbang 
dieser Dolomite mit den charakterisirten Zechsteiubänken bei 
Heidelberg wegen der zwischenliegenden Rheinspalte erwiesen 
werden kann. 

Ueber dem Dolomit-Horizonte beginnen wir den unteren 
bunten oder Vogesen-Sandstein. Die tiefere Stufe desselben, 
welche noch nicht mit den für den Vogesen-Sandstein charak- 
teristischen glitzernden Quarzsandsteinen beginnt, sondern 
thonreiche, dünngeschichtete Bänke enthält, ist nicht so gut 
als die obere Schichtenfolge aufgeschlossen, weil sie, un- 
brauchbar als Baumaterial, nicht in Steinbrüchen abgebaut 
wird. 

Am besten werden diese Schichten sichtbar in dem Hohl- 
wege, welcher vom Bergstädtchen Saales bei St. Die den 
Voymont hinaufführt, hart an den neuen Grenzsteinen entlang. 

In der Thaleinsenkung zwischen dem Voymont und dem 
Climont stehen Felsit- Porphyre und deren Tuffe an; darüber 
lagern sich bis zur Spitze des Voymont folgende Schichten: 

1. Grobkörnige Sandsteine des Rothliegenden ; darin zahl- 
reiche Porphyr - Gerölle , auch Stücke von krystalliniscben 
Schiefern, von Gneissen und anderen Gesteinen; starke Ein- 



*) z. B. Glmbel. 1. c. pag. 43. 



88 



lagerungen von dünngeschichteten, dunkelrothen Thonschiefern. 
Etwa 80 M. mächtig. 

2. Dolomit - Horizont. Dieselben Sandsteine wie in 1. 
Von Dolomit -Knauern und schwachen Dolomit- Bänken durch- 
zogen; in den Hohlräumen Dolomit-Krystalle. Daneben viel 
SiO^ angeschieden, meist als Chalcedon, zuweilen als Quarz. 
4 bis 5 M. mächtig. 

3. Die grobkörnigen Grusssandsteine von 1. setzen über 
den Dolomit-Horizont noch etwa 70 M. im unteren bunten 
Sandstein fort. Das Korn derselben besteht aus wenig abge- 
rundeten Quarz- und Feldspathstückchen , welche durch ein 
thoniges Bindemittel zu uuregelmässig geschichteten Bänken 
lose vereinigt sind; dazwischen fügen sich häufig dünngeschich- 
tete Thonschiefer ein. Häufig zeigen sich noch Porphyr und 
Quarz in Gerollen und eckigen Stücken. 

4. In den nächsten 50 Metern werden die Sandsteine 
feinkörniger und fester, häufig sind sie durch dunkle Mangan- 
flecke getiegert*); viel thoniges Bindemittel und Thonschiefer- 
einlagerungen. Glimmer in grosser Menge, besonders auf den 
Schichtflächen angehäuft. Porphyr-Einschlüsse werden selten, 
meist Quarzgerölle. Diese Schichten gehen ohne bestimmte 
Grenze über in die 

5. obere Stufe, den typischen Vogesen-Sandstein. Glitzern- 
des Quarzkorn, dickgeschichtete Bänke; nur Kieselgerölle. Etwa 
120 M. 

6. In den mächtigen Quadern auf der Spitze des Berges 
häufen sich die Quarzgerölle zu einem conglomeratischen vSand- 
stein , wie er an anderen Orten den Conglomerat- Horizont, 
die Grenze gegen den Voltzien-Sandstein, beginnt. 

Eine ähnliche Lagerung des Rothliegenden und des Vo- 
gesen-Sandsteins zeigt sich in der Gegend südlich und westlich 
des Champ du Feu überall: so im Weilerthale an den Ab- 
hängen des Uagersberges und drüben im Becken von St. Die 
in den Thaleinschnitten des Dormont. 

Im nördlichen Theile des Gebirges ist diese untere Stufe 



*) Die Manganflecke können aber nicht als Kennzeichen für diese 
untere Stufe des Vogesen-Sandsteins gelten, da sie auch in höheren Ho- 
rizonten verbreitet sind. Dasselbe gilt für die gleichen Schichten im 
Schwarzwald, den sogen. Tiegersandsteinen, 



89 



des Vogesen - Sandsteins gut zu beobachten am Schlossberge 
Windstein im Jägerthale bei Niederbronn. Am Eisenhammer 
im Thale steht Syenit an. Darüber folgt: 

1. Syenit-Gruss mit eingemischten Porphyrstücken. 1 M. 
mächtig. 

2. 1,5 M. rothliegender conglomeratischer Sandstein mit 
vielen Gerollen. 

3. 0,5 M. Dolomit - Bank , eine durch Dolomit und dolo- 
mitischen Kalk cementirte Breccie von Porphyr-, Quarz - und 
anderen kleinen Gesteinsstücken. In den Hohlräumen Dolo- 
mit-Krystalle. Dolomitknollen bis kopfgross. 

4. Unterer Vogesen-Sandstein , 100 M. Zuerst grobkör- 
niger Sandstein mit vielen Manganflecken ; dann feinkornige 
Thon- und Kaolin - reiche matte Sandsteine, dünngeschichtet 
mit Thonschiefer-Zwischenlagen. ' 

In den Felsen der Ruine und in losen Blöcken am Ab- 
hang treten neben den thonreichen Bänken schon glitzernde 
Quarzsandsteine auf, den Beginn der oberen Stufe des Vo- 
gesen-Sandsteins anzeigend. Erst weiter westlich ins Gebirge 
hinein trifft man die höherliegende Conglomerat-Zone an. 

Im Breuschthal, wo die oberen Sandsteine ihre bedeu- 
tendste Mächtigkeit erlangen , tritt diese untere Stufe des Vo- 
gesen - Sandsteins mehr als im Norden und Süden zurück. 
Daselbst sieht man diese Schiebten etwa 50 M. oberhalb des 
Porphyrkessels der Niedeck an der Strasse nahe dem Forst- 
haus. Dann drüben am Kappelhof unterm Katzenberg; hier 
zeigt der Quellenreichthum die Grenze zwischen beiden Stufen 
an : denn durch die porösen Schichten des oberen Vogesen- 
Sandsteins sickert das Wasser leicht hindurch bis auf die 
thonreichen Bänke der unteren Abtheilung, auf denen es 
hervorquillt. 

Diese Stufe des Vogesen - Sandsteins schliesst sich also 
in lithologischer Hinsicht mit ihren unteren Bänken an die 
grobkörnigen, lose aufgeschütteten Sandsteine des Rothliegen- 
den eng an; höher hinauf gewinneu feinkörnige, glimmerreiebe 
Thonsandsteine die Oberhand, sodass die Schichten häufig dem 
oberen bunten Sandstein petrographisch nicht unähnlich wer- 
den. Endlich zeigen sich häufiger Kieselsäure-reiche Bänke 
zwischen den matten Thonsandsteinen , andere als Quarzgerölle 
werden sehr selten, bis schlisslich an verschiedenen Orten, in 



90 



verschiedener Höhe, in allmäligem Uebergange , die reinen 
Quarzsandsteine des echten Vogesen-Sandstein vorherrschen 
und die zweite Stufe des bunten Sandsteins beginnt. 

Die besten Aufschlüsse für den typischen Vogesen-Sand- 
stein finden wir in den grossen Steinbrüchen des Breusch- 
thales ; in dem Bruche am Bergabhang, oberhalb Mutzig, gegen 
Diensheim hin am linken Flussufer sind folgende Schichten 
angebrochen, zu unterst: 

1. 5 M. mächtig, Quarzsandsteine in dicken Schichten, 
grobes krystallinisches Korn, sehr fest zusammengefügt, bei 
Verwitterung in Sand zerfallend. Meist abgerundete Qarzkörner, 
selten Glimmer; daneben kleine Stückchen von zersetztem Feld- 
spath. Die Poren zwischen den Körnern secundär mit win- 
zigen wasserhellen Quarzkrystallen ausgekleidet, sodass der 
Sandstein in der Sonne stark glitzert. Daneben Körnchen von 
zersetztem Feldspath ; selten ein weisses Glimmerblättchen. 
Meist durch Eisenoxyd stark roth gefärbt. Auf den Schicht- 
flachen schwache rothe Thonlagen, Kruste' 4 oder „Leber- 
stein' 4 von den Arbeitern genannt. Häufig Thongallen, welche 
stets weich und ohne Si O 2 - Ueberzug sind. Selten gerollte 
Kiesel, mit' winzigen Quarzfacetten secundär überzogen. 

2. 0,2 M. feinkörniger Sandstein; die Schichtfläche ist 
mit „Wellenfurchen" bedeckt; nur wenig Thon in den Thälern 
der vorspringenden Furchen, 

3. 6 M. dünnschichtiger Sandstein, mit mehr oder we- 
niger Thoncement; nur einzelne Bänke glitzernd durch die 
secundären Quarzkrystalle. Helle dünne Thonlagen zwischen 
den Schichten. 

4. 0,1 M. der gleiche Sandstein wie in 3. Die Schicht- 
fläche mit ,, Trockenleisten 44 (,,bourrelets polygonaux 44 ) bedeckt. 
Es sind dies leistenförmige Wülste in unregelmässigen polygo- 
nalen Figuren sich kreuzend, zwischen denen sich rother Thon 
lagert. 

5. 0,4 M. zweite Wellenfurchen-Schicht, thonreicher, hell- 
gelber Sandstein. 

6. 0,2 M. wie 4. 

7. 0,05 M. wie 5. 

8. 3 M. glitzernder Quarzsandstein; Kieselgerölle selten. 

9. 0,15 M. locale Einlagerung von gerollten Kieseln, wo- 
durch der Sandstein conglomeratisch wird. 




91 



10. 2 M. dünngeschichteter mürber Sandstein, viel Thon- 
cement, ohne Kiesel. 

11. 25 M. nicht mehr durch Steinbruch aufgeschlossener 
Abhang. Der Quarzsandstein mit secundärem Kieselsäure- 
absatz herrscht vor gegen die matten Thonsandsteine. Die 
gerollten Kiesel werden gegen oben immer häufiger, bis 
zu den 

12. Conglomeratbänken. 10 M. wenig Sandsteinmasse 
zwischen den angehäuften Rollkieseln ; die Kiesel bestehen 
nur aus Quarz und dessen Varietäten. Die Kiesel und Sand- 
steinkörner überzogen mit einer feinen Hülle von lichten 
Quarzkrystallen. 

Ueber diesem Conglomerat beginnt der weichere Voltzien- 
sandstein; daher fällt die Kuppe des Berges allseitig flach ab, 
während der Abhang unter dem Conglomerat wegen der 
grösseren Härte der Schichten steil aufsteigt. 

Dieses Profil zeigt, wenn es auch nur einen geringen 
Theil des Vogesen - Sandsteins durchschneidet, genügend die 
Natur dieser Ablagerung; nur die Wellenfurchen und Trocken- 
leisten sind diesem Horizonte eigenthümlich , sie kommen in 
den tieferen Schichten nicht vor. 

Die Quarzsandsteine mit secundärem Kieselsäure-Absatz 
charakterisiren diese obere Stufe des unteren bunten Sand- 
steins; sie rechtfertigen den Localnamen „Vogesen-Sandstein". 
Jedoch ersieht man aus dem Profil zugleich, dass diese eigen- 
tümlichen Schichten nicht einzig und allein die obere Stufe 
bilden, sondern nur vorwalten, da die feinkörnigen matten 
Sandsteine mit thonigem Bindemittel, wie sie die Voltzien- 
Sandsteine zusammensetzen, durchaus nicht fehlen, doch sind 
reine Thonschichten nicht häufig, nur schwache „Krusten" 
trennen die mächtigen Bänke. 

Die Kieselsäure ist in den Poren des Sandsteins niemals 
in so grosser Menge abgesetzt, dass derselbe seine Porosität 
verlöre und ein Quarzit entstände; sondern die Quarzkryställ- 
chen überkleiden nur die Oberfläche der Kiesel und Körner. 
Das färbende Eisenoxyd liegt frei zwischen den Körnern und 
die Sickergewässer circuliren ungehindert durch die Schichten. 
Durch Verwitterung zerfällt der Sandstein leicht in Sand. Der 
Kieselsäure- Absatz reichte nicht hin, Klüfte und Hohlräume 
im Gestein auszufüllen, eher noch finden sich Adern von Baryt 



92 



und Pyrolusit , selten Kalkspath und Dolomit. Der Kiesel- 
säure - Ueberzug kann nicht zugleich mit dem Sandstein ent- 
standen sein, sondern ist erst secundär von den Tagesgewässern 
abgesetzt worden. 

Der gänzliche Mangel von Porphyrgeröllen unterscheidet 
den Vogesen-vSandstein wesentlich von der unteren Stufe des 
unteren bunten Sandsteins und vom Rothliegenden. Zersetzte 
Gneiss- und Granitstücke kommen als Seltenheit vor.*) 

Die Quarzgerölle sind meistens einzeln im Sandstein ein- 
gebacken , local sammeln sie sich in vStrichen zu einem con- 
glomeratischen Sandstein; doch häufen sie sich erst an der 
Grenze zum Voltzien - Sandstein zu einem wahren Conglo- 
merat an. 

Der untere bunte Sandstein erreicht im Breusch - Gebiet 
eine Mächtigkeit von 400 M. ; von diesem mittleren Theile 
des Gebirges nimmt er nach Norden und Süden im Allge- 
meinen an Höhe ab*, im Osten verschwindet er mit den jün- 
geren Formationen unter der Tertiärdecke der Rheinebene, 
bis er drüben am Abhänge des Schwarzwaldes wieder zu Tage 
tritt; im Westen dagegen keilt er sich unter dem Voltzien- 
Sandstein aus, wie dieser unter dem Muschelkalk und endlich 
in noch weiterer Entfernung von den Vogesen der Muschel- 
kalk unter dem Keuper sich auskeilt, sodass im Central- 
plateau von Frankreich von den triasischen Ablagerungen der 
Keuper allein dem Grundgebirge aufruht. 

Die obere Grenze des Vogesen- gegen den Voltzien- 
Sandstein oder — nach französischer Ansicht — der Dyas 
gegen die Trias in den Vogesen war früher eine sehr unsichere, 
ja willkürliche; denn man hatte kein anderes Merkmal als die 
petrographische Umänderung des glitzerndes Quarzkorns des 
Vogesen - Sandsteins in die matten, thonreichen Bänke des 
Voltzien - Sandstein , Charaktere, nach denen keine bestimmte 
Grenze, kein Horizont gezogen werden kann zwischen beiden 
Ablagerungen , da die thonreichen Bänke des oberen bunten 
Sandstein schon im Vogesen - Sandstein häufig sind , und die 
Quarz-Sandsteine des letzteren in den Voltzien-Sandstein weit 



*) Ich fand ein zersetztes Granit-Gerölle einmal am Fuss des Heiligen- 
berges im Breuschthal mitten im Vogesen-Snndstein. Auch Daubkee 1. c. 
pag. 86 erwähnt solche Stücke als Seltenheit. 



93 



hinaufgehen ; gerade in der unteren Stufe des Voltzien-Sand- 
steins, d. h. in dem etwa 100 M. mächtigen Scbichtencomplex 
über dem Conglomerat-Horizont ist es unmöglich, eine solche 
Grenze festzuhalten. Daher wurde denn die Grenze zwischen 
dem gres vosgien und dem gres bigarre auf den französischen 
Karten und Profilen nach Bedürfniss bald höher bald tiefer 
gelegt, während wir in den betreffenden Werken kein Wort 
über bestimmte Grenzmarken hören. 

Wenn man die Sandstein - Ablagerungen in den Vogesen 
eingehender untersucht hätte, würde man erkannt haben , dass 
jene mächtigen Conglomerat - Bänke , welche wir allenthalben 
im Gebirge im oberen Vogesen- <: andstein begegnen, z. B. auf 
der Spitze des Schneebergs, auf den Höhen über Mutzig, auf 
dem Odilienberg und Mennelstein , auf dem Hohnack, in den 
Felsen um Philippsburg, und an anderen Orten, nicht wie die 
schwachen Striche von Quarzgeröllen in den unteren Schichten 
nur locale Bedeutung haben , sondern einen durchgehenden 
Horizont einhalten, welcher für die Eintheilung der Sandsteine 
und für eine Vergleichung derselben an verschiedenen Punkten 
des Gebirges von grosser Bedeutung ist. 

Betrachten wir das angeführte Profil am Mutziger Stein, 
so sehen wir, dass in den mächtigen, unteren Bänken nur 
locale Einlagerungen von Quarzgeröllen eingeschaltet sind. 
Erst oben auf der Höhe des Berges treffen wir Bänke, in 
denen die Quarzgerölle dicht aufeinander gehäuft ein wahres 
Conglomerat in einer Mächtigkeit von circa 10 M. bilden; 
durch ihr reicheres Kieselsäure- Cement trotzen sie länger als 
die Nachbarbänke den Atmosphärilien, so dass sie meist weit 
aus dem Abhänge hervorragen, bis ihre eigene Last sie herab- 
bricht. Ueber diesem Horizonte verschwinden die Quarzgerölle 
fast ganz in den Uebergangsschichten zum Voltzien-Sandstein. 

Am Heiligenberg, weiter hinauf im Thale der Breusch, 
ist die obere Grenze der Conglomerat - Zone eine ebenso 
scharfe; kaum zeigen sich Quarzgerölle über derselben am 
flachabfallenden Hang unterhalb des Dorfes. Die gleiche 
Beobachtung machen wir im Kronthal , an allen aufgeschlos- 
senen Punkten im weiten Becken von Mutzig, und überall im 
nordwestlichen Kamme. Wenn man eines der schönen Quer- 
thäler dieses Kammes oder des Bitscher Landes hinaufsteigt, 
so durchschneidet man Anfangs die groben Quarzbänke des 



94 



unteren Vogesen-Sandstein, welche nur selten Kiesel enthalten; 
höber hinauf, westlicher vordringend, gelangt man zur Con- 
glomerat- Zone, die sich oben auf den Höhen oft bis zum 
Rande des Ostabhanges durchzieht. Endlich erreicht man die 
Uebergangsschichten zum Voltzien-Sandstein, welche sich weit 
auf dem Plateau des nordwestlichen Gebirgszuges ausbreiten. 

Nach Westen und Süden nimmt mit der Mächtigkeit des 
Vogesen-Sandsteins auch die der Conglomerat- Zone ab: man 
kann diese auf dem Sandsteinzuge vom Donon südwärts über 
die Hautes Chaumes bei Schirmeck, zum Climont und zum 
Dormont bei St. Die gut verfolgen. Auf dem Massive der 
Belchen (,, Systeme des ballons") bedecken nur noch Reste 
des Vogesen-Sandstein die hohen Kuppen , wo dann meist die 
Conglomerate , oft nur noch in mächtigen Blöcken übrig ge- 
blieben, die höchste Spitze einnehmen: so liegt der Vogesen- 
Sandstein auf dem Hohnack in einer Höhe von 980 M., dem 
Thannichel in 970 M., dem Climont in 974 M., dem Haut 
du Roc in 1016 M. und auf dem Ballon de Servance in 
1140 M. , nur 286 M. tiefer als der höchste Gipfel des Ge- 
birges, der Gebweiler Belchen. 

Auch ist die Conglomerat-Zone gut zu beobachten in den 
Hügelketten, welche dem nordöstlichen Fusse des Gebweiler 
Belchen vorgelagert sind, auf der Höhe über den Weinbergen 
von Sultz und Gebweiler, sowie in dem Thale, welches von 
Winzfelden und Osenbach herab nach Ruffach die Berge 
durchschneidet. 

Als Horizont wurden diese Conglomerate in den betreffen- 
den Werken noch nicht erkannt oder benutzt, wohl aber sind 
sie an richtiger Stelle eingezeichnet worden in vielen Profilen 
Elie de Beaumont's und späterer Bearbeiter, so z. B. in dem 
Profil, welches Elie de Beaümont als Diagramm der Lagerung 
für die Trias in den Vogesen giebt mit der Unterschrift: „coupe 
figurant la disposition relative du gres des Vosges et du trias." 
(Explic. I. pag. 391 f. 1.) und in dem Profil, welches Jacqüot 
(1. c. pag. 121) für die Umgebung von Bitsch zeichnet 
(f. 2.)*). 



*) Dieser Conglomerat-Horizont findet sich ebenso im Schwarzwalde 
zwischen dem unteren und oberen bunten Sandstein; allerdings sind 
hier die Quarzgerölle nicht in der Masse als in den Vogesen angehäuft, 



95 



Ueber diesem Conglomerat beginnen wir den oberen 
bunten oder Voltzien - Sandstein. Man kann denselben nach 
der petrographischen Beschaffenheit in zwei Stufen eintheilen, 
da Anfangs noch die Quarzsandsteine des Vogesen - Sandstein 
neben den thonreichen Bänken auftreten, erst in der oberen 
Abtheilung die hellen dünngeschichteten Thonsandsteine und 
Thonschichten allein herrschen ; auch liegt der Pflanzenreich- 
thum des Voltzien- Sandstein erst in der oberen Stufe, unten 
sind Pflanzenreste noch nicht häufig.*) 

Profile für die untere Stufe des Voltzien-Sandsteins finden 
wir wieder am Besten im Becken von Mutzig; so in den durch 
ihre fossile Flora berühmten Steinbrüchen von Sulzbad, von 
deren Schichten Voltz folgende Uebersicht giebt**): 

1. Muschelkalk, en haut de la carriere beaucoup de co- 
quillages littoraux appartenant a ce calcaire, et point de 
plantes. 

2. Gres bigarre superieur 15 M. röche argileuse avec de 
petits bancs de dolomie, sans coquillages, mais beaucoup de 
plantes et un peu de crustaces. 

3. Gres bigarre moyen 35 M. le passage du gres bigarre 
au gres vosgien dans la carriere. 



so dass diese Zone mehr einem conglomeratischen Sandstein als ein Con- 
glomerat, wie wir es aus dem Breusch-Thale kennen, darstellt. Die mir 
von Herrn Professor Eck aus Stuttgart freundlichst gemachten Mitthei- 
lungen bestätigen meine aus eigener Anschauung gewonnene Ansicht, 
dass die Bunt-Sandstein-Formation des Schwarzwaldes sowohl in ihrer 
Gliederung wie in ihrer Lagerung völlig mit der gleichen Ablagerung in 
den Vogesen übereinstimmt, was gerade in der Umgebung von Baden- 
Baden am Besten wahrzunehmen ist. Erst die zur Tertiärzeit entstan- 
dene Rheinspalte trennte was sich vorher als eine zusammende Decke 
über das südwestliche Deutschland ausbreitete. Sandberger (1. c. pag. 18 
bis '21) und die anderen Bearbeiter der Schwarzwald-Aufnahmen verthei- 
digen noch die Elib de BEAUiwoNT'sche Trennung des Vogesen- und 
Voltzien-Sandstein durch die Revolution des Systeme de Rhin. 

*) Im Vogesen-Sandstein ist nie eine Spur eines Organismus entdeckt 
worden, wenn man den Abdruck von Spirifer speciosus ausnimmt, welcher 
sich in einem Quarzgeröll auf secundärer Lagerstätte gefunden hat. 

**) In den Mem. de la soc. du Museum d'hist. nat. de Strasbourg, 
tome 2 1835. Voltz, Notice sur la gres bigarre de Soultz- les- Bains, 
wo er pag. 2 sagt: „le gres vosgien, pue je considere comme etaut le 
gres bigarre inferieur. 



96 



4. Gres bigarre inferieur — gres vosgien.*) No. 3 und 
4 stellen unsere untere Stufe des Voltzien - Sandstein dar, 
da sie über dem Conglomerate liegen; es sind eben dies in 
petrographischer Beziehung Uebefgangsschiebten von dem Quarz- 
sandstein des unteren zum Thonsandstein des oberen bunten 
Sandsteins. 

Im gleichen Horizonte wird der Steinbruch am Berg- 
abhange nördlich des Flecken Mutzig gebrochen; es sind 
Schichten, welche über dem Conglomerat des Mutziger Steins 
lagern und nur durch eine NS. -Verwerfung in eine tiefere Lage 
versetzt sind. Zu unterst an der Strasse befindet sich: 

1. 1 M. gelber Saudstein, mit Kieselsäure - Ausscheidun- 
gen, besonders viel Karneol; kleine Quarzkry stalle allenthalben 
in den Hohlräumen.**) 

2. 0,15 M. Schlammsandschicht; grauer feiner Thonsand 
mit kleinen Glimmerblättchen. 

3. 2,4 M. sehr feinkörniger, mürber, rother Sandstein in 
unregelmässig dünngeschichteten Bänken mit Zwischenlagen 
von grauem Schlammsandstein. 

4. 0,08 M. Schlammsandsteiu. 

5. 0,1 M. rother Thonschiefer. 

6. 1 M. grobkörniger Sandstein mit kleinen Quarzgeröllen, 
etwas Kieselsäure-Cement. 

7. 0,7 31. derselbe Sandstein ohne Gerolle. 

8. 1,2 M. feinkörniger Quarzsandstein, zuweilen glitzernd 
mit wenig Thoncement. 

9. 0,4 M. rother Thonschiefer. 

10. 1,3 M. dünngeschichteter, feinkörniger, mürber Thon- 
sandstein mit viel weissem Glimmer auf den Schichtflächen. 

11. 1,7 M. Quarzsandstein, jedoch feineres Korn als im 
Vogesen-Sandstein die Regel ist, selten einige Quarzgerölle. 

12. 1,2 3V1. wie No. 10. 



*) Daubhee (1. e pag. W'2) reebnet No. 4 nuch zum gres bigarre', 
jedoch als Uebergangsschichtcn zum gres vo gien ; er kennt eben keine 
bestimmte Grenze zwischen beiden Formationen. 

**) Diese Schicht mit Karneol hat nichts zu thun mit der Karneol- 
schicht von Sandberger und Schalch; diese liegt im Schwarzwald tief 
unten im Vogesen- Sandstein und ist vielleicht der Dolomitzone der Vo- 
gesen. an der Grenze des Rothliegenden zum bunten Sandstein, an die 
Seite zu stellen. 



97 

13. 1 M. feinkörniger Quarzsandstein; darüber folgen 
unaufgeschlossen die Sandsteine und die dolomitischen Bänke 
des oberen Voltzien-Sandsteins bis hinauf zum Muschelkalk. 

Der Wechsel von Thon- und Kieselsäure -reichen Sand- 
steinen charakterisirt die untere Stufe des Voltzien-Sandsteins 
als Uebergangsschichten ; aber bald walten die feinkörnigen 
Thonsandsteine vor; häufiger und mächtiger stellen sich reine 
Thonschichten ein ; vor Allem sind die Bänke durchsäht mit 
weissem Glimmer, welcher im Vogesen-Sandstein nur ein sel- 
tener Gast war; dabei sind Quarzgerölle spärlich und nicht 
mehr mit einem Kieselsäure-Ueberzuge bedeckt. 

Die Mächtigkeit der einzelnen Sandsteinschichten ist oft 
eine bedeutende, daher aus diesem Horizonte die besten Bau- 
steine in zahlreichen Steinbrüchen gewonnen werden : der 
Vogesen-Sandstein ist zu hart und spröde für feine archite- 
ktonische Ausarbeitung, er wird nur in rohen Stücken für 
Strassenbau und Fundamente, sowie für die Festungswälle ver- 
wandt. Der obere Voltzien-Sandstein aber ist zu dünnschichtig, 
zu thonreich, um brauchbare Steine zu geben.*) 

Der obere Voltzien - Sandstein , welchen man dem Roth 
Norddeutschlands gleichstellen kann , ist von den Sandsteinen 
der Vogesen die am Besten charakterisirte Abtheilung: der 
grosse Pflanzenreichthum seiner unteren Bänke gab ihm den 
Namen, die darüberliegenden Wellendolomite vermitteln durch 
ihre reiche Fauna den unmittelbaren Anschluss an die Muschel- 
kalk - Formation. Der grosse Steinbruch oberhalb Diensheim 
im Breuschthal entblösst wohl auf 25 M. Höhe die Schichten 
des oberen bunten Sandsteins : der Mangel an glitzernden 
Quarzsandsteinen, die zahlreichen Pflanzenreste, der Reich- 
thum an Glimmer, die matten Thonsandsteine lassen erkennen, 
dass wir uns schon bedeutend über den Conglomerat-Horizont 
erhoben haben. Indess erst in der Höhe am oberen Rande 
des Steinbruches finden wir die dünngeschichteten Thone des 



*) Beim Bau des Strassburger Münsters gebrauchte man Anfangs für 
die Fundamente und den romanischen Theil den spröden Vogesen-Sand- 
stein ; die Gothik musste für ihre Ornamente zu zarterem Material grei- 
fen; daher ist das Münster grösstentheils mit dem unteren Voltzien- 
Sandstein erbaut worden, der am linken Ufer der Mossig oberhalb 
Wasselnheim gebrochen wurde. 

Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 1 . 7 



98 



Roth , welche über den unteren mächtigen Bänken als un- 
brauchbares Material weggeräumt werden; ein eben ange- 
brochener Aufschluss zeigte hier folgende Schichten des Roth, 
von unten beginnend : 

1. Pflanzenführender gelblicher Thon , 0,3 M. wulstige, 
dünne Lagen, wenig Glimmer. 

2. 0,15 M. grauer, reiner, dünngeschichteter Thon, 
graublau. 

3. 0,3 M. rother Thon voller kleiner weisser Glimmer- 
blättchen. 

4. 0,3 M. gelblicher Thon, sandig. 

5. 0,1 M. reiner grauer Thon. 

6. 1,35 M. rother Thon mit thonreichen Sandsteineinla- 
gerungen ; Pflanzenreste. 

7. 0,6 M. Leller Thon mit einer harten , feinkörnigen 
Sandsteinlage, glimmerreich. 

8. 0,9 M. rother Thonsandstein mit viel Glimmer, mit 
zwei 0,04 M. starken harten Sandsteinlagen. 

9. 0,5 M. harter Thonsandstein, gelblich, mit vielem 
Glimmer und kleinen braunen Flecken. 

10. 0,6 M. wulstige Thonschicht, sandig, gelb. 

11. 0,15 M. reiner dünngeschichteter Thon. 

12. 0,5 M. unregelmässig geschichteter Thonsandstein, 
allmählich in den mit Sandsteinstücken erfüllten Humus über- 
gehend. 

Die Wellendolomite sind hier über den Pflanzen-führenden 
Thonen und Sandsteinen nicht mehr aufgeschlossen; erst höher 
am Berge hinauf trifft man den Muschelkalk an, auf den in 
regelmässiger Lagerung die Lettenkohle und der Keuper folgen. 
Besser sind die Wellendolomite in den Steinbrüchen von 
Sulzbad aufgeschlossen , wo die Schichten folgendes Profil 
zeigen: 

1. Unterer Voltzien - Sandstein , 12,5 M. ; Wechsel von 
Thonsandstein-Bänken, 2 — 4 M. mächtig, und Thonschiefern, 
0,3 — 0,5 M. ; die letzteren sind erfüllt mit Pflanzenresten. 

2. Oberer Voltzien - Sandstein. 

a. Roth , 15 M. Abwechselnd Thone und sandige 
Schichten wie in dem Profil des Diensheimer Stein- 
bruchs. 



99 



b. Wellendolomit, 5 M. Dolomitische wulstige Sand- 
steine von 0,7 — 1,5 M. Mächtigkeit, dazwischen Thon- 
schiefer und Thone, 0,3 — 0,5 M. 
4. Muschelkalk. 

Schon im Roth, besonders aber im Wellendolomit finden 
sich hier zahlreiche Muschelkalk-Versteinerungen , deren Liste 
Daubree (1. c. pag. 114 u. 115) angiebt. 

Wenn wir die Reihe der vorgeführten Sandstein - Ablage- 
rungen überblicken, so lenken wir die Aufmerksamkeit beson- 
ders darauf, dass in petrographischer Hinsicht keine scharfe 
Grenze zwischen dem Vogesen - und Voltzien - Sandstein ge- 
zogen werden kann: der Uebergang aus dem einen in den an- 
deren geschieht ganz allmählich in den unteren Höhen des 
Voltzien - Sandsteins. Denn auch der Conglomerat - Horizont 
bildet nur eine künstliche Grenze , da er ohne eine Umände- 
rung in der ununterbrochenen Folge der Sandsteine zu be- 
wirken sich accessorisch und fast zufällig gerade an dieser 
Stelle einfügt. Trotzdem bedingte bisher nur der petrogra- 
phische Umschwung des glitzernden Quarzkornes in die fein- 
körnigen Thonsandsteine die Grenze zwischen beiden Sand- 
steinen. Die Folge davon war, dass diese Grenze in einem 
Spielraum von etwa 100 JVJ. Höhe hin und her schwankte und 
im einzelnen Falle durch die stratigraphische Lagerung ent- 
schieden wurde: so kam es, dass durch den Zeitpunkt der 
Hebung der Schwarzwald - Vogesen die beiden petrographisch 
untrennbaren Sandsteine getrennt, der Zeitpunkt der Hebung 
aber durch die petrographische Grenze beider Ablagerungen 
bestimmt werden sollte. Ohne diesen Cirkelschluss zu be- 
merken, berief man sich bald auf die eine bald auf die andere 
Ursache der Grenzbestimmung, obwohl doch die eine genau 
ebenso unsicher war, als die andere, weil sie gegenseitig von 
einander abhingen. 

Ebensowenig wie die Lithologie giebt die Stratigraphie 
der Sandsteine der Vogesen einen Grund für die Trennung 
des Vogesen- und Voltzien-Sandsteins ab, obgleich gerade ihre 
eigentümliche Lagerung die erste Ursache zur Aufstellung der 
, Revolution du Systeme de Rhin 4 ' war. Elie de Beaumont 
erkannte nämlich als der erste die Existenz zweier grossen 
Verwerfungen am Ostfusse der Vogesen und am Westfusse 
des Schwarzwaldes. Er glaubte aber, diese Verwerfungen 

7* 



100 



seien — zugleich mit der Hebung der Gebirge — entstanden 
vor der Ablagerung des Voltzien-Sandsteins, weil der Vogesen- 
Sandstein allein den Abhang der Gebirge, die jüngeren For- 
mationen nur die Hügelketten am Fusse derselben consti- 
tuirten.*) Ganz abgesehen davon, dass bei dieser Annahme 
die Wirkungen der Denudation vernachlässigt werden — denn 
die Atmosphärilien würden seit den Zeiten der Trias ver- 
gebens an der Zerstörung des Vogesen - Sandsteins gearbeitet 
haben**) — streitet augenfällig gegen diese Theorie der Um- 
stand, dass die jüngeren Formationen den Vogesen-Sandstein 
überall ccncordant überlagern und ferner auch auf der Höhe 
des Gebirges bedecken. 

Betrachten wir die (Fig. 3. 4. 5. 7. 8. 9. 10.) durch ver- 
schiedene Gegenden der Vogesen gelegten Profile , so sehen 
wir, dass der Voltzien-Sandstein und die folgenden Formationen 
den Vogesen-Sandstein concordant überlagern. Dieselbe That- 
sache beweisen alle in den betreffenden Werken gezeichneten 
Profile sowohl der Vogesen wie des Schwarzwaldes. Wenn 
wir dennoch vom Gegentheil sprechen hören, und sogar in 
den Handbüchern von Naumann (Geognosie II. pag. 744) und 
Alberti (Trias 1864 pag. 4) von der Discordanz des Voltzien- 
auf dem Vogesen-Sandstein lesen, so ist dies nur dem Ein- 
flüsse Elie de Beaumont's zuzuschreiben ; er brauchte diese 
Discordanz zur Stütze seiner , Revolution du Systeme du Rhin", 
deshalb war er der erste, welcher von ihr sprach: le gres 



*) Elie de BbaumoiNT, Explic. tome I. pag. 398: ,,cette raerae falaise 
(du bord oriental qui cötoie la plaine du Rhin) a domine de presque 
toute sa hauteur actuelle la nappe d'eau sous laquelle se sont deposes le 
gres bigarre (Voltzien-Sandstein) et le muschelkalk" und an anderen 
Orten. Die französischen Geologen folgten ihm in dieser Ansicht ohne 
Ausnahme; ebenso Sandbergek in seiner Beschreibung der Umgebung 
von Baden-Baden. 

**) Sandb erger (1, c. pag. 21 u. 22) vergisst auch die Wirkungen 
der Denudation, wenn er nach seinem Profil vom Hardtberge sagt : „die 
unterste Schicht an diesem Berge ist dieselbe, welche oben auf der Spitze 
des gegenüberliegenden Fremcrsberges Hegt ; nach der Ablagerung dieser 
Schicht geschah die grosse Hebung des Schwarzwaldes und mit ihm des 
Fremersberges." — Daraus folgt, dass die oberste Scbicht des Fremers- 
berges niemals seit der Triaszeit von den Atmosphärilien denudirt worden 
ist, denn sie nimmt noch heutigen Tages dieselbe Stelle ein, welche sie 
damals zur Zeit der Hebung des Schwarzwaldes erhalten hatte. 



101 

bigarre (Voltzien - Sandstein) parait reposer ä stratification 
discordante sur le gres des Vosges" (Annal. des Mines 1827 
pag. 435). Trotzdem beweisen alle Profile Elie de Beaümont's, 
wie aller seiner Nachfolger, gerade das Gegentheil ; selbst in 
seinem Diagramm der Lagerung der Trias (Fig. 1) liegen die 
drei Formationen concordant übereinander.*) Wie sollte es 
auch möglich sein , eine Discordanz nachzuweisen zwischen 
zwei Ablagerungen, welche nicht durch eine bestimmte Grenze, 
sondern durch ein mächtiges Schiebteusystem getrennt sind. 
Nur ein einziges Mal zeichnet Elie de Beaümont ein discor- 
dantes Profil (Fig. 6), das er im Chausseegraben zwischen 
Forbach nnd Saargemünd aufgenommen hat.**) Abgesehen 
davon , dass dieser Ort ausserhalb des Hebungssystems der 
Schwarzwald- Vogesen liegt, und dass die Grenzbestimmung 
zwischen Vogesen- und Voltzien - Sandstein hier wie überall 
eine beliebige ist, darf der Thatsache gegenüber, dass im 
übrigen südwestlichen Deutschland noch niemals eine solche 
Discordanz nachgewiesen worden ist, auf diese einzelne Beob- 
achtung kein Werth gelegt werden. 

Die Concordanz der Lagerung aber von Vogesen- und 
Voltzien-Sandstein spricht selbst am meisten dagegen, dass die 
Hebung der Schwarzwald-Vogesen, die Entstehung der Rhein- 
spalte und die Bildung der Verwerfungen zwischen beiden 
Ablagerungen erfolgt sei. 

Ferner überlagern die jüngeren Formationen in der That 
den Vogesen - Sandstein auf der Höhe der Gebirge sowohl in 
den Vogesen wie im Schwarzwalde: concordant ruhen sie über 
dem Rothliegenden und dem Vogesen-Sandstein und fallen mit 
derselben geringen Neigung, wie diese nach Westen vom 
Kamme der Vogesen, nach Osten von dem des Schwarzwaldes 
unter die Jurabildungen ein; sie sind also mit dem Vogesen- 



*) Daher sagt Eue de Beaümont selbst einmal in der Explication 
tom. 12 pag. 12: le gros bigarre repose, en general , sur le gres des 
Vosges a stratification concordant e. 

**) Dieses Profil hat Eme de Beaümont zuerst in den Ann. des Mines 
18:<£7 pl. I. f. 5. abgebildet, dann wiederholt in der Explic. tom. II. 
pag. 15. Die Zwischenschicht mit Dolomitknollen fehlt in den Vogesen; 
tritt aber nach Jacqüot (1, c. pag. 126) überall im departem. de la 
Moselle auf. 




102 



Sandstein gehoben , nicht nach dessen Hebung am Fusse des- 
selben abgelagert. 

Allerdings fehlt der Voltzien - Sandstein auf dem System 
der Beleben, der höchsten Vogesen-Erhebung. Wenn man aber 
sieht, wie schon der Vogesen - Sandstein auf diesem System 
nur in kleinen Kuppen und Spitzen erhalten ist, so kann man 
sich nicht wundern, dass der viel weichere und leichter zer- 
störbare Voltzien- Sandstein durch die Wirkungen der Denu- 
dation über demselben verschwunden ist. Werden doch auch 
bald die wenigen Reste des Vogesen - Sandsteins auf dem 
Belchen - System der Zerstörung erlegen sein, wie man schon 
jetzt an den grossen Schutthalden, welche diese letzten Kup- 
pen umlagern, die Stärke der Denudation ermessen kann. 
Aber in den übrigen Theilen des Gebirges, wo auch die Decke 
des Vogesen-Sandsteins zusammenhängender ist, breiten sich 
die jüngeren Formationen überall concordant über denselben 
aus. Au dem Profil Figur 5 , welches bis an den Fuss des 
kleinen Gebweiler Belchen vordringt, kann man sehen, wie 
selbst mitten im höchsten Theile des Gebirges noch Reste der 
alten Bedeckung durch die jüngeren Formationen der zerstö- 
renden Wirkung der Denudation entgangen sind: denn vom 
Vogesen - Sandstein hinauf durch den Voltzien - Sandstein , den 
Muschelkalk und Keuper bis zum Lias siud Schichten dieser 
Formationen in regelmässiger concordanter Ueberlagerung auf 
dem Granit des Grundgebirges zurückgeblieben. 

Im nördlichen Theile der Vogesen (Profil Fig. 3) bedecken 
die jüngeren Formationen über dem Vogeeen - Sandstein selbst 
den Kamm des Gebirges: nach Westen fallen sie concordant 
übereinander unter die Juraformation der lothringischen Hoch- 
ebene ein , am Ostabhange sind sie an der Verwerfung her- 
untergebrochen und bilden hier in dem Hügellande von Zabern 
und Wörth in ebenso concordanter Ueberlagerung des Vogesen- 
Sandsteins eine Vorstufe des Gebirges, dessen tiefster Absturz 
erst weiter nach Osten in der Rheinebene auf der Linie 
Barr-Weissenburg liegt. 

Im mittleren Theile des Gebirges, im Gebiete der Breusch 
(Profil Fig. 4), würde es wohl am schwierigsten sein, die Wir- 
kungen einer Gebirgshebung nach der Ablagerung des Vogesen- 
Sandsteins nachzuweisen. Denn trotz der vielen Verwerfungen 
überlagern hier die jüngeren Formationen überall concordant 



103 



den Vogesen - Sandstein. Denselben Conglomerat - Horizont, 
welchen wir auf der Spitze des Schneeberges in einer Höhe 
von 963 M. antreffen , finden wir wieder am Fusse desselben 
in den Vorbergen von Mutzig, concordant überlagert vom 
Voltzien-Sandstein , Muschelkalk und Keuper. 

Es dürfte demnach wohl aus allen angeführten Thatsacben 
die Ansicht hervorgehen, dass sowohl die auf den äusseren 
Abdachungen der Vogesen und des Schwarzwaldes, als die in 
der Rheinebene liegenden Schichten der Trias und des Jura 
nur Reste sind von den durch eine nachjurassische Hebung 
der Schwarzwald-Vogeseu zerrissenen Formationen , und dass 
vor diesem Zeitpunkte diese Ablagerungen über den ganzen 
Raum des südwestlichen Deutschlands in concordanter Lage- 
rung und in ununterbrochener Reihenfolge ausgebreitet lagen. 



104 



7. Die granitischcn Gänge des sächsischen Granulit- 
gebirges. 

Eine Studie auf dem Gebiete genetischer Geologie 
von Herrn Hermann Credner in Leipzig. 

Hierzu Tafel VII. 

Dasjenige Areal, mit dessen Durchforschung und karto- 
graphischer Aufnahrae sich die geologische Landesuntersuchung 
von Sachsen seit etwa einem Jahre beschäftigt, ist das Gra- 
nulitgebirge und seine Umgebung. Zahlreiche Touren 
durch dieses hochinteressante Gebiet boten auch mir Gelegen- 
heit, neben der Verfolgung meines auf allgemeine Orientirung 
gerichteten Hauptzweckes eine Reihe von Beobachtungen an- 
zustellen. Namentlich waren es die granitischen Gänge, 
welche das Granulitgebirge in ausserordentlicher Anzahl durch- 
schwärmen, die eine bedeutende Anziehungskraft auf mich aus- 
übten. Die eingehende Schilderung dieser Ganggebilde ist das 
Thema der folgenden Abhandlung. 

Abgesehen von den Zügen des sogenannten Mittweida'er 
Granites, setzen in den petrographisch zum Theil sehr verschie- 
denartigen Gliedern der sächsischen Granulitformation auf : 

1. Gänge vom Quarz, Kaligliinmer und Turmaliu im 
Cordieritgueiss. 

Die Thalgehänge der Mulde zwischen dem Göhrener Via- 
duct und dem Städtchen Lunzenau werden von Tordieritgneiss 
gebildet, welcher von seiner Oberfläche aus bis zu beträcht- 
licher Tiefe verwittert und in seiner unveränderten Gestalt erst 
neuerdings durch die Eisenbahneinschnitte der Muldethalbahn 
blossgelegt worden ist. Der Cordierit ist in dem dort auf- 
geschlossenen Gesteine so reichlich enthalten , dass die durch 
Sprengungen neu geschaffenen Felswände und gewaltigen 



105 



Trümmerhalden schon von ferne durch ihre blaugraue Farbe 
auffallen. Sie sind es, welche vielen Mitgliedern der Deutschen 
geologischen Gesellschaft von unserer gemeinsamen Excursion 
im Anfang September 1874 in Erinnerung geblieben sein 
werden. 

Der petrographische Charakter dieses Cordieritgneisses ist 
bekannt, nur muss nochmals betont werden, dass der neben 
Orthoklas, Cordierit und Quarz auftretende Glimmer in dem 
frischen Gesteine stets schwarzer Magnesiaglimmer ist. 

Die eingetretene Verwitterung hat das Gestein zerklüftet 
und seine ursprünglich schön blaugraue Farbe mit einer 
schmutzig braunen, grünlich gefleckten vertauscht, hat den 
Feldspath mürbe und erdig gemacht, dadurch der ganzen ober- 
flächlichen Gesteinsmasse ihre Festigkeit genommen, und den 
Cordierit anscheinend ganz aufgezehrt, aus wel- 
chem nun Glimm erschüppchen von weisser oder grün- 
lichgrauer Farbe hervorgegangen sind, die das Gestein in dün- 
nen Membranen durchziehen, schuppige Partieen oder blätte- 
rige Trümer bilden oder endlich in einzelnen Blättchen wirr 
zwischen den übrigen Gesteinsbestandtheilen eingelagert sind. 
Ein zweites Zersetzungsproduct ist Eis en ox yd hy drat, wel- 
ches sich überall in dem verwitterten Gesteine in Form zarter 
Incrustate von gelber oder brauner Farbe ausgeschieden hat 
und die bereits hervorgehobene schmutzigbraune Färbung des 
aus der Verwitterung hervorgehenden Gesteins bedingt. 

Nach einzelnen Individuen von Cordierit sind Pseudo- 
morphosen von Glimmer längst bekannt. An den Lunzenauer 
Cordieritgneissen aber sehen wir ganze Gebirgsmassen 
von diesem Zersetzungs- und Neubildungsprozesse ergriffen, 
sehen das Ausgehende stundenlanger Gesteinszüge im Zustande 
dieser pseudomorphosirenden Verwitterung.*) Die Bildung des 
Kaliglimmers geschieht dabei auf Kosten der beiden Haupt- 
gemengtheile des Cordieritgneisses, indem die Zersetzung des 
Orthoklases das kieselsaure Kali, diejenige des Cordierits die 
kieselsaure Thonerde lieferte, welche zu Kaliglimmer zusammen- 
traten. Eisenoxydul aber und Magnesia wurden gleichzeitig 
als Carbonate weggeführt, von denen jedoch ersteres bald 
wieder als Eisenoxydhydrat zur Ausscheidung gelangte. 



*) Siehe auch v. La?aulx, N. Jahrb. IST^. pag. 834. 



106 



Recht interessant, wenn auch nur Bekanntes bestätigend, 
sind die mikroskopischen Erscheinungen, welche der Spaltung 
des Cordierits in Thonerdesilicat und Magnesiacarbonat , sowie 
der Verbindung des ersteren mit Kalisilicat vorausgingen. Unter 
dem Mikroskop erweisen sich die grossen wasserhellen Cor- 
dieritkörner unseres Gneisses ausserordentlich reich an den farb- 
losen , schlanksäulen- oder nadeiförmigen Mikrolithen, welche 
Zirkel und y. Lasaulx*) eingehend beschrieben haben. Sie 
bilden wirre, oft filzige Haufen oder stromartig sich windende 
Nadelguirlanden in der Cordieritmasse. Unabhängig von ihnen 
stellt sich nun jene von Zirkel, neuerdings von Wichmann 
an Cordieriten von Haddam in Connecticut**) geschilderte 
Aederung des klaren Minerals durch ein sich mehr und mehr 
ausbreitendes Netzwerk von schmalen , sich kreuzenden Zer- 
setzungszonen ein, welche sich auf Kosten der in ihren Maschen 
liegenden frischen Cordieritbrocken immer mehr verbreitern 
und zuletzt das gesammte Cordieritkorn in eine Substanz von 
grünlichgelber Farbe, in C h 1 o ro p h yl Ii t, umwandeln. Diese 
Pseudomorphose besteht in der Aufnahme von Wasser von 
Seiten des Cordierits und repräsentirt eins seiner Uebergangs- 
stadien in Kaliglimmer. In diesem Chloropbyllit stellen sich 
nun ohne jede weitere Uebergänge als Endproduct des Um- 
wandlungsprocesses lichte Tafeln von Glimmer ein. Auch 
Wichmann , der zuletzt die Pseudomorphosen des Cordierits 
mikroskopisch untersuchte, gelang es nicht, den allmäligen 
Uebergang des Chlorophyllits in Glimmer zu beobachten. 

Als Endresultat dieses ganzen schliesslich auf Erzeugung 
von Glimmer gerichteten Vorganges sieht man das Ausgehende 
des Cordieritgneisses bis zur Tiefe von mehreren Metern in 
ein verworren-schuppiges, kurzflaseriges Gestein umgewandelt, 
welches einem im Zustande der Verwitterung begriffenen 
Glimmergneiss gleicht, und welchem der Nichteingeweihte kaum 
seine Abstammung von Cordieritgneiss ansehen dürfte. Zu- 
weilen erhalten sich grössere rundliche Blöcke in verhältniss- 
mässig frischem Zustande innerhalb des glimmerreichen Zer- 



*) Siehe Zirkel, Mikrosk. Beschaff, d. Min. pag. 209; v. Lasaulx, 
N. Jahrb. 1872. 'pag. 831. 

**) Diese Zeitschr. 1874. pag. 680. — Zihkkl, Mikrosk. Beschaff, 
pag. 211. 



107 



setzungsproductes. Da nun dieses letztere durch vollständige 
Verwesung des Orthoklases zu Grus zerfällt und von den 
Tagewassern weggeführt wird , so entstehen , ähnlich wie bei 
der Verwitterung des Granits, freiliegende aufeinander gethürmte, 
wollsackartige Blöcke und felsenmeerartige Blockanhäufungen, 
wie sie für die Cordieritgneiss - Regionen des sächsischen 
Granulitgebietes, im Gegensatze zu den scharfkantigen, schroffen 
Felsbildungen des Granulits so charakteristisch sind und z. B. 
im Thale der Chemnitz bei Schweizerthal und in dem der 
Mulde zwischen Rochsburg und Göhrener Brücke auftreten. 
Kein Punkt aber des gesammten Granulitgebirges liefert eine 
deutlichere Illustration der in Folge der Verwitterung eintre- 
tenden Wollsackbildung des Cordieritgneisses als der Galgen- 
berg bei Mitweida. Der Scheitel dieser flachen Erhebung ist 
gekrönt von einem kühnen Haufwerk gewaltiger rundlicher 
Blöcke von ausserordentlich festem und zähem Cordierit- 
fels, an ihren Abhängen aber, da wo das stattliche Tech- 
nicum sich erhebt, ist ein mürbes, ja mit der Hand zerreib- 
liches Gestein aufgeschlossen , das sich durch seinen ganzen 
Habitus, seinen geringen Zusammenhalt, seinen Reichthum an 
ockerigem Eisenoxydhydrat direct als ein Zersetzungsproduct 
ausweist. Es besteht aus sehr viel Glimmer, sowie Schmitzen 
und Körnern von Quarz und Eisenoxydhydrat, hat eine schief- 
rige Structur und ist augenscheinlich die nämliche Masse, in 
welche am Göhrener Viaduct der Cordieritgneiss an seiner 
Oberfläche zersetzt ist. Und in der That liegen in ihr am 
Fusse des Galgenberges kleine Knollen und grosse Blöcke 
von noch unzersetztem festem Cordieritfels umschlossen. Wie 
heut noch die Gehänge und der Fuss, so bestand früher auch 
der Gipfel des Galgenberges aus solchen mulmigen Zersetzungs- 
producten mit einzelnen noch frischen Blöcken. Durch die 
mechanische Thätigkeit der atmosphärischen Wasser aber, 
wurden erstere allmälig entfernt, während die Blöcke zurück- 
blieben und nach Wegführung des sie bis dahin trennenden 
losen Gruses und Mulmes zu jenen auffälligen Haufwerken 
wurden. 

Den erst besprochenen, z. Th. verwitterten Cordieritgneiss 
von Lunzenau durchziehen regellos und in ziemlich weiten 
Abständen Klüfte. In nehmlicher Weise nun wie in der ver- 
witterten Gesteinsmasse selbst an Stelle, des durch Zersetzung 



108 



theilweise entfernten Cordierits und Orthoklases: Kaliglimmer, 
Eisenocker und Quarz zur Ausbildung gelangten, haben sich 
diese und andere Zersetzungsproducte des der Verwesung ver- 
fallenen Gesteins in jenen Spalten angesiedelt, haben diese 
ganz oder theilweise ausgefällt und zu M i n eral g ä n ge n um- 
gestaltet, die eine weitläuftige wirre Durchäderung des Cor- 
dieritgneisses bewirken und ohne an dessen vollkommen zer- 
setztes Ausgehende gebunden zu sein , in das anscheinend 
vollständig frische Gestein fortsetzen. 

Diese Gänge besitzen der Natur ihrer Entstehung nach 
einen sehr unregelmässigen Verlauf und eine sehr schwankende 
Mächtigkeit. Es sind schmale Trümer von 2 — 5 Cm. Dicke, 
welche sich zu 25 bis 35 Cm. Mächtigkeit aufblähen können, 
sich auch wohl hier und da verzweigen und dort, wo sie sich 
zu mehreren treffen, ein unregelmässiges Nest bilden. 

Die Hauptausfüllungsmasse dieser Gänge ist Kaliglimmer 
und Quarz, ihnen gesellt sich Eisenoxyd und Turmalin zu. 
Die Vergesellschaftung, die Wachsthumsverhältnisse dieser 
Mineralien bieten manches Interessante. 

In vielen Fällen und zwar namentlich bei weniger mäch- 
tigen Trümern bildet Kaliglimmer, ein blätteriges Aggregat 
von wirren oder büschelig- strahlig verwachsenen Individuen, 
das ausschliessliche Gangmineral , mit dessen weissen oder 
gelblichen Blättern sich nur hier und da ein Bündel von Tur- 
malinsäulen, oder einige Tafeln von schwarzem Magnesia- 
glimmer, sowie Körner von Quarz verwachsen zeigen, in den 
meisten Gängen aber gesellt sich Quarz und Eisenoxyd in 
sehr beträchtlicher Menge dem Glimmer zu. In der Art und 
Weise der Aggregation dieser drei Mineralien herrscht jedoch 
wiederum sehr grosse Verschiedenheit. In manchen Fällen 
liegen die hellen Glimmertafeln wirr und ungeordnet durch- 
einander, so dass zwischen ihnen kleine eckige Hohlräume 
offen bleiben und ein nur wenig compactes zelliges Aggregat 
entsteht. Alle diese Hohlräume sind nun drusig ausgekleidet 
oder fast vollständig ausgefüllt von einer Unzahl meist nur 
einige Millimeter grosser, trüber, bräunlich rother Quarz- 
kryställchen. Sie sind sämmtlich langsäulenrörmig ausgebildet, 
tragen an beiden Enden Pyramidenflächen und liegen entweder 
kreuz und quer durcheinander, wie auf einen Haufen geworfene 
Scheite Holz, oder bilden stachelige Büschel und kettenförmige 



109 



Reihen. Turmalin in schwarzen Strahlenbündeln tritt zuweilen 
mit Glimmer und Quarz in Vergesellschaftung. Sie alle sind 
schliesslich bedeckt von einem Ueberzug von ockerigem Eisen- 
oxyd. Dieses ist es zugleich, welches die nur lose verbun- 
denen Gemengtheile des Quarz-Glimmer- Aggregats verkittet. 

In anderen der dortigen Gänge waltet nicht der Kali- 
glimmer, sondern der Quarz vor. Dieser ist dann grob- 
splitterig, derb, glasig, milchweiss und umfasst in der Centrai- 
zone des Ganges nicht selten parallel den Gangwandungen 
gestellte Bündel von schwarzen Turmalinsäulen, während sich 
an den Salbändern, oder wenigstens an einem derselben ein 
schuppig-blätteriges Aggregat von weissem Kaliglimmer ein- 
stellt. Diese symmetrische Anordnung der Gangmineralien 
gestaltet sich in manchen, wenn auch weniger häufigen Fällen 
fast so deutlich wie in den ähnlichen zinnsteinführenden Quarz- 
Giimmergängen von Zinnwald. Wie dort sind auch an der 
von uns besprochenen Localität die beiderseitigen Salband- 
zonen zuweilen ausschliesslich von rechtwinklig auf den Gang- 
grenzflächen stehenden lichtgrauen Glimmerblättern zusammen- 
gesetzt, während der mittlere Theil des Ganges nur weissen 
Quarz enthält. 

Diesen sämmtlichen Gängen des Cordieritgneisses von 
Lunzenau ist die Neigung zur Drusenbildung gemeinsam, eine 
ganz naturgemässe Erscheinung, wenn man in Erwägung zieht, 
dass sie ins Gesammt durch allmälige Auskrystallisirung ihrer 
mineralischen Bestandtheile von den Salbändern aus zuge- 
wachsen sind und dass an Stellen, wo die Spalten sich aus- 
dehnen und der Stoff zur Ausfüllung nicht hinreichte, Hohl- 
räume offen bleiben mussten, deren Wandungen die Krystall- 
enden der im Wachsthum begriffenen Gangmineralien bildeten. 
Wie aus Obigem hervorgeht, sind dies Quarz, Kaliglimmer 
und Turmalin. 

Vom Quarz dieser Drusen ist nichts weiter zu bemerken, 
als dass er trübe, von einer röthlichen Eisenoxydhaut über- 
zogen ist und nur die gewöhnlichsten Formen, aber keine 
Rhomben- und Trapezflächen aufzuweisen hat. Seine Krystalle 
stehen nicht alle senkrecht auf den Seitenwandungeu der 
spaltenförmigen Drusen , sondern sitzen z. Th. in deren 
Hintergründe fest und ziehen sich den seitlichen Wänden fast 
parallel der Länge nach durch den Drusenraum. Dann ist die 



HO 



Pyramidenspitze gewöhnlich zu einer Kante verzogen , womit 
eine tafelförmige Verzerruug Hand in Hand geht. Die brei- 
teren Säulenflächen und die aus der Spitze hervorgehende 
Kante stehen dann meist parallel der Längserstreckung der 
Drusenspalte. Von allen drei Gangmineralien ist augenschein- 
lich der Turmalin zuletzt zur Ausbildung gelangt, indem seine 
säulig-büscheligen Aggregate die aus den Wandungen hervor- 
ragenden Krystallenden verbinden. 

Interessanter als diese offenen Drusenräume sind die 
von losen Krystallen und Krystalls chutt ausge- 
füllten, meterlangen Ausweitungen einzelner jener 
Gänge. Auch sie sind früher nichts anderes gewesen als 
grosse Drusenräume und deshalb wie diese ausgekleidet von 
Glimmer und Quarzen, letztere im Vergleiche mit den übrigen 
kaum zollgrossen Vorkommnissen von sehr bedeutenden Di- 
mensionen; besassen doch manche der herausgebrochenen Indi- 
viduen bei einer Breite von 15, eine Länge von 20 Cm. 
x^uch ihre Krystallgestalt beschränkt sich auf die Ausbildung 
von Säule und Pyramide, wobei sich ebenfalls die oben er- 
wähnte tafelartige Verzerrung in der Richtuug der Drusenspalte 
einstellen kann. Auffällig ist der ausserordentlich geringe 
Zusammenhang dieser grossen Quarze mit den Drusenwan- 
dungen und er erklärt es, dass die Krystalle bei fortgesetzter 
Gewichtszunahme oder in Folge von Erschütterungen, denen 
das Nebengestein ausgesetzt war, sich loslösen, herabstürzen 
und sich auf dem Boden der Weitungen anhäufen konnten. 
So ist denn der eigentliche Drusenraum innerhalb derartiger 
linsenförmiger Erweiterungen der Quarz - Glimmer - Gänge zum 
grossen Theil ausgefüllt von einem wirren , vollkommen losen 
Haufwerk von Quarzen, Glimmertafeln, Turmalinfragmenten 
und Eisenrahm, so lose, dass man es ohne Mühe mit der Hand 
aus den Drusen auszuräumen vermochte. 

Die Quarze walten in ihm vor. Unter ihnen muss man 
unterscheiden 1) grosse, von den Wandungen herabgefallene, 
wohlerhalteue Krystalle, 2) ganz frische und ältere aus deren 
Lostrennung und Herabsturz entstandene Scherben, 3) kleine, 
nur wenige Millimeter grosse, meist allseitig ausgebildete, erst 
innerhalb des schüttigen Haufwerks selbst entstandene Kry- 
ställchen. Die erstgenannten erreichen 5 — 10 Cm. Länge, sind 
stets von Eisenrahm überzogen und haben deshalb zwar ebene, 



aber matte Flächen, die sich natürlich wiederum auf diejenigen 
von Säule und Pyramide beschränken. Die Combiuations- 
kanten der beiden letzteren sind zuweilen durch eine spitzere 
Pyramide abgestumpft. Die einzige Abwechselung besteht in 
der nicht seltenen ungleichwerthigen Ausbildung der beiden 
Rhomboeder oder in der tafelartigen Verzerrung der Säule. 
Interessant ist eine auch von G. vom Rath von gewissen 
Quarzen der Insel Elba beschriebene*) aulfallend topasartige 
Gestaltung mancher Krystalle unseres Fundpunktes, welche 
dadurch erzeugt wird, dass zwei parallele Flächen des Prismas 
und die entsprechenden beiden Pyramidenflächen fast vollkom- 
men verschwinden. An ihrem unteren Ende tragen die Quarz- 
krystalie Glimmerpartieen und Turmalinfragmente, die sie von 
den Drusenwandungen mit losgerissen haben; sind sie jedoch 
geborsten und nur theilweise herabgebrochen, so sind die 
Bruchflächen mit Neubildungen von Quarz versehen und zwar 
entweder wie mit einem glänzenden Firniss überzogen , oder 
bereits von deutlichen Anfängen neuer Krystallbildungen be- 
deckt. Letztere haben sich dann parasitisch auf jedem kleinen 
Vorsprung des muscheligen Bruches angesiedelt, dabei jedoch 
eine gesetzmässige vStellung zu dem Mutterkrystall einnehmend. 
Ist nämlich die Bruchfläche ungefähr paral'el oR, so trägt sie 
mehr oder weniger verzogene Flächengruppen , welche solchen 
der Pyramide entsprechen und bei fortgesetztem Wachsthum 
augenscheinlich das den alten Krystallen fehlende Pyramiden- 
Ende ersetzen würden. Ist jedoch die Richtung der Bruch- 
fläche mehr der Hauptaxe parallel oder läuft unter spitzem 
Winkel durch diese , so zeigen sich der Horizontalstreifung 
der intakten Prismenflächen entsprechende, flachleistenförmige 
Ansätze, welche sich wellig-treppenförmig übereinander wieder- 
holen können und Combinationen einer Prismen- und einer 
Pyramidenfläche sind. Nicht selten ist ferner die Erscheinung, 
dass grosse zerbrochene Quarzkrystalle durch die beschrie- 
benen Neubildungen wieder verwachsen, nachdem sich die 
Bruchflächen durch einen mehrere Millimeter breiten Riss 
gegeneinander verschoben haben. 

Die neben solchen ziemlich vollständigen Quarzkrystallen 
vorkommenden zahlreichen Quarzscherben und -Splitter sind 



*) Diese Zeitschrift 1872. pag. 650. 



112 



z. Th. weiss, ja wasserhell und dann so frisch und scharfkantig, 
als stammten sie von eben erst zerschlagenen Quarzen ab, 
während andere, jedenfalls viel älteren Ursprungs, durch einen 
Ueberzug von Eisenrahm braun gefärbt und mit parasitischen 
Neubildungen von Quarz und Ansiedelungen von Glimmer- 
blättchen versehen sind. 

Hat man die grösseren Krystalle und die Scherben aus 
dem Haufwerke entfernt, so bleibt ein feiner Schutt zurück, 
aus welchem zwar die glänzenden Glimmerblättcheu am meisten 
hervortreten, der jedoch vorwaltend von neu gebildeten 
kleinen Quarzkryställchen zusammengesetzt wird, von denen 
die grosse Mehrzahl nur wenige Millimeter misst und aus 
regelmässigen dünnen Säulchen mit beiderseitiger Pyramide 
besteht. Die bereits zu 1 — 2 Cm. Grösse herangewachsenen 
Krystalle haben die Tendenz, sich durch Ausdehnung zweier 
paralleler Prismenflächen zu flachen Tafeln zu gestalten. 

Aus den oben beschriebenen Ansiedelungs - und Aushei- 
lungserscheinungen an den grossen Quarzen, aus der Neubil- 
dung der kleinen Quarzkryställchen geht hervor, dass eine 
constante Zufuhr von Kieselsäuresolution stattgefunden hat. 
Aus dieser werden sich gleichzeitig mit der in dem Haufwerke 
vor sich gehenden Quarzausscheidung auch an den Wandungen 
an Stelle der herabgebrochenen Krystalle neue Quarze abgesetzt 
haben, die bei fortdauerndem Wachsthum wiederum herab- 
stürzten und die Schuttansammlung auf dem Boden der Wei- 
tung vergrösserten. Daraus erklärt sich auch das augenschein- 
lich ganz verschiedene Alter der Krystallfragmente innerhalb 
dieses Haufwerkes. 

Dasselbe besteht neben Quarz aus Tafeln und Schuppen 
von Kaliglimmer, aus Säulenbruchstücken und kleinen büsche- 
ligen Aggregaten von schwarzem Turmalin und endlich sehr 
beträchtlichen Mengen von schuppigem Eisenoxyd, also Eisen- 
rahm. Zugleich aber füllt erdiges Eisenoxyd die dem Glimmer- 
Quarz-Gang benachbarten Klüfte und Spalten aus und bildet 
dann zinnoberrothe Bestege und Trümer, welche im Verein 
mit den beschriebeneu Gängen den Cordieritgneiss des Mulde- 
thales durchsetzen. 

Sie alle aber sind Producte eines Zersetzungs- und Aus- 
laugungsproeesses des Nebengesteins und stehen in demselben 
Verhältnisse zu dem verwitterten Cordieritgneissgebirge , wie 



113 



die Glimme* äderchen, die einen aus Zersetzung eines Cordierit- 
krystalls hervorgegangenen Pinit durchziehen , zu diesem Mi- 
nerale. Es sind grossartige Wiederholungen des nämlichen 
Vorganges, welchen Haidinger, Blüm und Bischof an den 
Pseudomorphosen von Chlorophyllit, Pinit und Glimmer nach 
Individuen des Cordierits kennen lehrten, und auf welchen wir 
bei Besprechung derartiger Pseudomorphosen in den Pegma- 
titen von Rochsburg zurückkommen werden. 

An und für sich schon lehrreich, beweist das beschriebene 
Gangvorkommen innerhalb eines in Zersetzung begriffenen 
Gesteins mit Bezug auf unsere später anzustellenden Betrach- 
tungen über die Genesis der echten granitischen Gänge im 
Granulitgebirge, dass: Quarz, Kaliglimmer und Turma- 
lin, drei wesentliche Bestandteile dieser grani- 
tischen Gange aus durch Zersetzung einzelner Ge- 
mengtheile des Nebengesteins entstehender mi- 
neralischer Solution innerhalb Gesteinsspalten 
zu krystal Ii nischer Ausscheidung gelangen, also 
gangförmige Secretionen bilden können. 

2. Gänge von l|uarz mit Orthoklas. 

Am Wege von Penig nach der Fabrik Amerika, am rechten 
Ufer der Mulde gegenüber der Carlseiche wird der dortige 
typische Granulit von einigen Quarzgängen durchsetzt. Ihre 
Mächtigkeit ist nur unbedeutend und beträgt kaum mehr als 
8 Cm. Sie bestehen aus glasigem, sprödem, grobsplitterigem 
Quarz von weisser bis rauchgrauer Farbe. Hier und da stellen 
sich Drusenräume ein, deren Wandungen von den Pyramiden 
der augenscheinlich von beiden Salbandflächen angeschossenen, 
jetzt aber nicht mehr gesonderten, vielmehr zu einer homo- 
genen Quarz-Gangmasse verschmolzenen Quarzkrystalle gebildet 
werden. Innerhalb dieses glasigen Quarzes treten vereinzelte 
Einsprenglinge von fleischrothem Orthoklas in körnigen 
Aggregaten oder in Einzelindividuen mit ausgezeichnetem 
Blätterdurchgang und in manchen von diesen wiederum kleine 
Blättchen von weissem Kaliglimmer auf. Von ihrem 
Nebengestein werden diese Gänge durch ein zartes Salband 
von dunkelgrünen Chloritschuppen getrennt. 

Auch bei Wolkenburg und Etzdorf treten im Granulit 

Zeits.d.D.geol. Ges. XXVII. 1. 8 



114 



schmale Gänge von hornsteiuartigem Quarz mit hellröthlichen 
Feldspatheinsprenglingen auf. Das schönste Vorkommen der 
Art ist durch einen Bahneinschnitt direct oberhalb der Thier- 
bacher Eisenbahnbrücke aufgeschlossen. Dieser Gang ist über 
einen Meter mächtig und besteht aus prachtvoll glasigem, 
schneeweissem , in dünneren Splittern wasserhellem Quarz mit 
lauter isolirten Einsprenglingen von blassrothem Orthoklas 
und vereinzelten Tafeln von schwarzem Magnesiaglimmer. Der 
Quarz wird etwa f, der Orthoklas aber nur { der Gangmasse 
betragen. 

Ganz ähnliche und zwar ebenfalls im normalen Granulit 
aufsetzende Gangbildungen sind an der Hängebrücke bei Krieb- 
stein und im Bahneinschnitt nördlich von Waldheim aufge- 
schlossen. An ersterem Orte bilden auf ihrem Bruche glän- 
zend glasige, hellraucbgrane Quarze ein körnig-stengeliges 
Aggregat, in welchem vereinzelte Tafeln von schwarzbraunem 
Magnesiaglimmer und wohlausgebildete, vollkommen isolirte 
weisse Orthoklaskrystalle inne liegen. Auf dem scharfum- 
grenzten sechsseitigen Querbruche mancher dieser Krystalle 
zeigt sich ihre Natur als Carlsbader Zwillinge. Der Quarz- 
gang in dem erwähnten Bahneinschnit nördlich von Waldheim 
ist ebenfalls durch innige Verwachsung und Verschmelzung 
grosser Quarzindividuen entstanden, was sich darin ausspricht, 
dass sich in der sonst compacten und homogenen Quarzmasse 
zahlreiche eckige Hohlräume zwischen den gegeneinander ge- 
wachsenen Quarzsäulen offen erhalten haben. Die Wandungen 
derselben sind bedeckt von kleinen, wohlausgebildeten Quarzen 
und von Gruppen zierlicher fleischrother Orthoklase , welche 
von den Flächen oo P und o P begrenzt, flachen Rhomboedern 
ähneln. 

Bemerkt sei hier noch , dass in manchen Pegmatitgangen 
local der Quarz so vorwaltet, dass sie als Quarzgänge mit 
eingesprengten rothen Orthoklasen und schwarzen Turmalinen 
bezeichnet werden könnten , innerhalb welcher | oder mehr 
der Gangmasse auf Rechnung des Quarzes zu setzen ist. 

Schliesslich sei noch einiger Feldspath - führender Quarz- 
gänge gedacht, welche im Granulit direct oberhalb Rochsburg 
durch die Erdarbeiten der Muldethalbahn aufgeschlossen wurden. 
Dieselben sind so drusenreich , dass die Structur ihrer Aus- 
füllungsmasse eine grosszellig-drusige genannt werden muss. 



115 



Aus den Drusenwandungen ragen bis zolllange , meist trübe 
Quarzkrystalle hervor, deren gewöhnliche Gestalt zwar die 
einfache Combination von Säule und Pyramide ist, von denen 
aber einzelne Individuen die bereits oben beschriebene topas- 
ähnliche Form durch Verkümmerung zweier paralleler Prismen- 
und der entsprechenden Pyramidenflächen erhalten haben. Zu 
Füssen dieser Krystalle treten aus den Drusenwandungen kurze 
Orthoklase einfachster Form hervor, welche dem Drusenraum 
die Flächen P und x zuwenden. Zwischen beiden Mineralien 
stellt sich hier und da eine strahlig- blätterige Rosette von 
weissem Kaliglimmer ein. 

Die Erscheinungsweise der beiden Hauptbestandtheile dieser 
Gänge ist jedoch nicht immer so einfach, vielmehr geben so- 
wohl Quarz wie Feldspath Veranlassung zu complicirten Be- 
obachtungen. Während letzterer der Ausgangspunkt einer 
Reihe von interessanten Zersetzungsproducten geworden ist, 
zeigen einzelne Individuen des Quarzes eine höchst unge- 
wöhnliche Ausbildungsweise, welche durch das Auftreten einer 
rauhen „basischen 44 Fläche und eines in Verbindung damit 
stehenden treppenförmigen Aufbaues bedingt wird. Auf die 
Prismenflächen einer Anzahl dieser Krystalle sind nämlich 
schmale Pyramidenflächen aufgesetzt. Diese werden von einer 
rauhen, matten, „ b a s i s ch e n tt Fl äc h e abgestumpft, 
ganz ähnlich wie 'dies M. Bauer von einem Rauchtopas aus 
Wallis beschrieben hat.*) Ebensowenig jedoch wie an dem 
Walliser Krystall ist dies die wirkliche Basis, da sie gegen 
die Hauptaxe schwach geneigt ist. Einige etwa 2 Cm. lange 
Krystalle schliessen mit dieser eigentümlichen Fläche ab, — 
andere von 2 bis 3 Cm. Grösse tragen in der Mitte dieser 
letzteren knopfartig eine verzogene Quarzpyramide mit kurzem 
Prisma, — auf noch zwei anderen erheben sich in treppen- 
förmiger Aufeinanderfolge vier kurze tafelförmige Prismen, von 
denen jedes obere einen kleineren Durchmesser besitzt, als 
das seine Basis bildende. Dieselben sind wie die untersten 
Hauptkrystalle Combinationen einer kurzen Prismenfläche, einer 
schmalen Pyramidenfläche und der rauhen basischen Fläche. 
Von diesen liegen die einander entsprechenden Pyramiden- 
flächen in einer Ebene, — denkt man sich dieselben über die 



*) Diese Zeitschrift iS7i pag. 194. 



8* 



116 



einspringenden Winkel des treppenförmigen Aufbaues verlängert, 
so würden sie sich zu einer vollständigen Pyramide vereinen. 
Endlich ist ein Exemplar von 2 Cm. Höhe in der Weise 
thurmförmig aufgebaut, dass acht immer kleiner werdende 
Prismen, jedes auf der rauhen basischen Fläche des vorigen 
aufsitzen. Es entsteht also hier eine sechsseitige, oben grade 
abgestumpfte, in diesem Falle jedoch sehr steile und hoch- 
stufige Treppe. (Siehe Taf. VII. Fig. 29.) 

Weniger auffällig als sie es auf den ersten Blick ist, 
gestaltet sich diese Erscheinung, wenn wir andere benachbarte 
Krystalle in Vergleich ziehen. An ihnen treten Flächen auf, 
welche ganz ähnlich , wie die beschriebene „Basis", nur 
schräg und zwar unter bald mehr, bald weniger spitzem 
Winkel die Quarzprismen abschneiden. Auch auf ihnen erhebt 
sich eine Anzahl nach oben zu jedesmal kleiner werdender 
tafelförmiger Prismen, so dass schräge Treppen entstehen. 
Es geht daraus hervor, dass diese Endflächen eine gesetz- 
mässige krystallographische Lage nicht besitzen, sondern in 
ihrer Richtung, wie in ihrem Auftreten überhaupt, durchaus 
von Zufällen abhängig sind. 

M. Bauer erklärt 1. c. die Entstehung der basischen Fläche 
an dem von ihm beschriebenen Rauchtopas durch Anstossen 
des im Wachsthum begriffenen Krystalls an eine ihm gegen- 
über liegende Krystallfläche irgend eines Minerals, den treppen- 
förmigen Aufbau aber des betreffenden Exemplars durch spä- 
teres nach Auflösung des hemmenden Minerals eintretendes 
Fortwachsen des Rauchtopases. Diese Deutung acceptiren wir 
auch für unsere Treppenquarze mit dem Zusätze, dass es bei 
letzteren Täfelchen von Kaliglimmer waren, welche sich an- 
fänglich den wachsenden Quarzen als Hindernisse in den Weg 
stellten , dann zersetzt und dadurch entführt wurden und als 
einzige Merkzeichen ihrer einstigen Existenz die beschriebenen 
Endflächen der Quarze hinterliessen. Dass dem so ist, wird 
durch den Umstand bewiesen, dass in einem ganz analogen 
Quarzvorkommen innerhalb granitischer Drusen bei Markers- 
dorf, sowie in einzelnen solchen bei Penig Reste jener Kali- 
glimmer-Tafeln innerhalb und an jenen Quarzen noch sichtbar 
sind, während die Hauptmasse des zersetzten Kaliglimmers, 
durch dessen Entfernung das unterbrochene Wacbsthum sich 
fortsetzen konnte, verschwunden ist. 



117 



Nicht weniger interessant sind die Resultate gewisser 
Zerstörungs- und Um w an d 1 u n g s v org än g e des Feld- 
spaths eines dieser Gänge. Man denke sich zwischen den 
Quarzgruppen einzelne Orthoklasindividuen nur so weit hervor- 
ragen , dass P und x, sowie der in dem Winkel zwischen 
beiden Flächen liegende Theil von M , seltener kleine Par- 
tieen der Säule sichtbar sind. An die beiden KJinopinakoid- 
flächen der meisten dieser Orthoklase unserer Handstücke legt 
sich nun je ein tafelförmiger Albitzwilling in paralleler Axen- 
stellung an. Sehr eigenthümliche Verhältnisse zeigt der zwi- 
schen je zwei Albittafeln liegende Orthoklas. Statt wie ur- 
sprünglich aus einer fleischrothen homogenen Masse , besteht 
er aus lauter dünnen , eng nebeneinander stehenden wellig- 
bauchigen Lamellen von bräunlicher Farbe, welche durch zarte 
spaltenförmige Zwischenräume getrennt werden. Diese La- 
mellen stehen senkrecht auf M, also auch auf den angrenzen- 
den Albittafeln und ebenso auf P und x , liegen also parallel 
der Hauptaxe und der Orthodiagonale. Basis und Hemidoma 
sind demnach wie mit zarten , aber tiefen horizontal verlau- 
fenden Einschnitten eng liniirt, während das Klinopinakoid ver- 
tical gestreift erscheinen würde, wenn die darauf liegenden 
Albittafeln entfernt werden könnten. 

Nun ist ja einerseits der Process der Albitextraction aus 
natronhaltigen Orthoklasen, andererseits die Thatsache bekannt, 
dass gewisse Feldspäthe aus einer parallelen Verwachsung von 
abwechselnden Orthoklas- und Albitlamelien bestehen, wie wir 
dies auch von vielen Feldspäthen der granitischen und peg- 
matitischen Gänge des Granulitgebiets nachweisen werden. 
Dasselbe ist nun, nach diesen Analogien zu schliessen, auch 
bei dem eben beschriebenen Vorkommniss ursprünglich der 
Fall gewesen. Die leichter zerstörbaren Lamellen von Albit 
wurden ausgelaugt , um sich anfänglich in Gestalt einzelner 
Kryställchen auf den Klinopinakoidflächen des theilweise zer- 
störten Mutterkrystalls anzusiedeln und bei anhaltender Sub- 
stanzzuführung allmälig zu einem tafelförmigen Individuum zu 
verwachsen, während von dem das Material liefernden Feld- 
späthe nur die reinen Orthoklaslamellen zurückblieben. 

G. vom Rath beschreibt aus den granitischen Gängen von 
Elba*), auf deren Analogie mit den unseren wir noch öfters 



*) Siehe diese Zeitschr. 1870 pag. 656. 



118 



zurückkommen werden, und zwar aus solchen von S. Piero in 
ganz ähnlicher Weise zerstörte Feldspäthe, deren zerfressenes 
Aussehen er ebenfalls nicht abgeneigt ist, aus ihrer ursprüng- 
lichen , lamellaren Verwachsung von Orthoklas und Albit her- 
zuleiten. Dass letzteres wirklich der Fall sei , hat später 
Streng*) durch mikroskopische Untersuchung von Dünn- 
schliffen nachgewiesen. Auch in Elba sitzen kleine Albit- 
kryställchen in paralleler Stellung auf dem Orthoklas, so dass 
sich dort, wie hier die nämlichen Erscheinungen wiederholen 
und gleicher genetischer Deutung unterliegen müssen. 

Mit der Albitextration war jedoch der Zerstörungsprocess 
des Feldspaths der Gänge von Rochsburg noch nicht abge- 
schlossen. Erhielten sich auch einige Orthoklas - Albit - Ver- 
wachsungen in der beschriebenen Form, so verfiel doch schliess- 
lich die Substanz mancher von der Albitauslaugung übrig blei- 
benden blätterigen Orthoklase einer Zersetzung und Um- 
wandlung in Kaliglimmer. Hat sich dieser bereits zwi- 
schen den Lamellen der zerfressenen Orthoklase in einzelnen 
silberglänzenden , punktartigen Schüppchen angesiedelt, so bil- 
det er auf den Quarzen in der Umgebung derjenigen Feldspäthe, 
die der Zersetzung fast vollkommen verfallen sind, und von 
deren früherer Rrystallgestalt kaum irgend welche Andeutung 
erhalten geblieben ist , zierliche radialschuppige oder rosetten- 
förmige Gruppen von sehr kleinen gelblichweissen Blättchen. 
Die bei der Glimmerbildung ausgeschiedene Kieselsäure hat 
das Material zur Bildung einzelner Quarzkrystalle geliefert, 
w r elche sich auf den Flächen älterer trüber Quarze, oft in 
paralleler Axenstellung angelegt haben, sich von diesen durch 
ihren grösseren Glanz unterscheiden und z. Th. mit Kali- 
glimmer in einer Weise verwachsen sind, dass die Gleich- 
zeitigkeit der Entstehung beider fraglos ist. 

Nach allem dem spaltete sich der ursprünglich natron- 
haltige Orthoklas in Folge fortgesetzter Zersetzungsvor- 
gänge in Albit und Orthoklas und letzterer wiederum in 
Kaliglimmer und Quarz, so dass wir folgenden Stamm- 
baum erhalten: 



*) Streng, N. Jahrb. 1871 pag. 720. 



119 



Kaliglimmer Quarz 



Albit Orthoklas 



Natronhaitiger Orthoklas 

Im Laufe unserer späteren Betrachtungen werden wir auf 
die an dieser Stelle kurz angedeutete Abstammung gewisser 
Kaliglimmer und vieler Albite von perthitartigem Feldspath 
noch ausführlicher einzugehen haben. 

Auf unsere genetischen Betrachtungen über die 
granitischen Gänge des G ranulitgebirges ist das Vor- 
kommen orthoklasführender Quarzgänge von bedeutsamen Ein- 
fluss. Vergesellschaftet mit Ganggebilden von vollkommen reinem, 
derbem oder an Krystalldrusen reichem Quarz stellen sie selbst 
nur Modifikationen derselben dar, die sich durch accessorisch 
eingesprengte oder in Drusen auskrystallisirte Feldspäthe von 
jenen unterscheiden, — gleichwertig denjenigen Quarzgängen, 
welche local Schwefelkies- oder Flussspath - Einsprenglinge 
führen, und deren Entstehung durch Absatz aus wässeriger 
Lösung über jeden Zweifel erhaben ist. Das accessorische 
Vorkommen von etwas Feldspath in ein oder dem anderen 
derartigen Gange wird die Allgemeingültigkeit dieser gene- 
tischen Anschauung nicht beschränken ; weiss man doch längst, 
dass Feldspath so gut wie Quarz auf nassem Wege umkrystal- 
lisirt, von einem Orte nach dem anderen umsiedelt, — ein 
Vorgang, der so trefflich durch die Quarz-Orthoklas-Incrustate 
auf den Porphyrgeröllen des Euba'er Kohlenconglomerates illu- 
strirt wird.*) 

Von den Feldspath- und oft auch etwas Glimmer- führenden 
Quarzgängen des sächsischen Granulitgebietes unterscheiden 
sich aber die granitischen Ganggebilde des genannten Ter- 
ritorii allein durch das so wie so weder bei den einen, 
noch bei den anderen constante Mischungsverhältniss ihrer 



*) Knop, N. Jahrb. für Min. 1859 pag. 59f>. — Vülgkr, ebendort 
1861 pag. 1 ff. 



120 



Gemengtheile. Es stehen somit keine minerogenetischen Ein- 
würfe dem entgegen , die granitischen Gänge des Granulit- 
gebirges, in denen der Quarz seine vorwaltende Rolle mit dem 
Feldspath getauscht hat, für wässerigen Ursprungs zu 
erklären, falls gewisse höchst charakteristische 
St ructur Verhältnisse und Wachsthumserscheinun- 
gen des granitischen Gangmaterials solches wün- 
schenswerth machen sollten. 

3. Gänge vom Albit, Kallglimmer und Quarz im Granulit. 

Durch die bereits mehrmals erwähnten ausgedehnten Erd- 
arbeiten der Muldethalbahn sind in dem normalen Granulit, 
oberhalb der letzten Häuser von Rochsburg einige Gang- 
trümmer von etwa 5 Cm. Mächtigkeit zum Aufschluss gelangt, 
welche vorwaltend aus Albit und bald in grösserer, bald ge- 
ringerer Menge beigemengtem Kaliglimmer bestehen. 

Der Albit ist auf frischer Bruchfläche weiss mit einem 
Stich ins Röthliche , an seiner Oberfläche jedoch durch Eisen- 
oxydhydrat licht gelblichbraun gefärbt. Er bildet Krystalle 
von 0,5 Mm. bis 1,5 Cm. Grösse, welche z. Th. allseitig aus- 
gebildet sind , z. Th. nur einzelne Flächen tragen , während 
noch andere Körner wie scharfkantige Fragmente zerborstener 
Individuen aussehen. Der Habitus der Albitkrystalle ist ent- 
weder durch Vorherrschen des Brachypinakoides ein tafelför- 
miger, oder, wie es besonders bei den kleineren Kryställchen 
der Fall ist, durch Zurücktreten dieser Fläche ein mehr pris- 
matischer. Auf ihren P- Flächen finden sich die aus der ge- 
wöhnlichen polysynthetischen Zwillingsverwachsung des Al- 
bits resultirenden einspringenden Winkel, während die P ent- 
sprechenden Spaltungsflächen der unregelmässig umgrenzten 
Krystallkörner eine ausserordentlich zarte, vielfache Zwillings- 
streifung erkennen lassen. Periklinartige Verwachsung wurde 
nicht beobachtet. Nicht wenige dieser Albitkrystalle, und zwar 
kleine sowohl wie grosse, sind hohl, dürfen jedoch nicht mit 
jenen albitischen Incrustaten des St. Gotthardter Adulars ver- 
glichen werden, sind vielmehr durch unvollkommene Raum- 
erfüllung beim gegenseitigen Verwachsen von nebeneinander 
stehenden kleineren Kryställchen entstanden, 

Vergesellschaftet mit oft nur vereinzelt, zuweilen aber 



121 



auch sehr reichlich auftretenden, glänzenden, weisslichgrauen 
Schuppen von Kaliglimmer, bilden derartige Albite ein 
wirres Krystallaggregat, welches in Folge nur stellenweiser, 
gegenseitiger Berührung und Verwachsung der einzelnen Indi- 
viduen keinen sehr festen Zusammenhalt besitzt und deshalb 
den Eindruck mancher künstlicher krystallinischer Niederschläge 
aus wässerigen Lösungen macht. Local ist das Korn dieses 
Albitaggregats ein so feines, dass man an ein locker-körniges 
Dolomitgestein erinnert wird. Andere Handstücke dieses 
Gangvorkommens bestehen aus einem Aggregat von vorwal- 
tenden Albitkrystallen und Quarzen, während der Glimmer 
zurücktritt. 

Die Deutung der Entstehung dieser Albit - Kaliglimmer- 
Quarz - Gänge fällt nicht schwer, wenn wir, ganz abge- 
sehen von zahlreichen anderen wohlbekannten Albitvorkomm- 
nissen auf Orthoklas und abgesehen von anderweitig beschrie- 
benen Pseudomorphosen von Kaliglimmer nach Feldspath, nur 
die von uns oben dargelegten und später noch eingehender 
zu verfolgende Abstammung gewisser Albite, Kaliglimmer und 
Quarze von albithaltigen Orthoklasen ins Auge fassen. Einem 
ähnlichen Zersetzungs - und Auslaugungsprocess, wie er dort 
im Kleinen innerhalb des engen Rahmens eines Drusenraumes 
vor sich ging, verdanken auch die eben besprochenen Gänge 
ihren Ursprung, nur waren es hier nicht einzelne perthitartig 
verwachsene Albit-Orthoklase, sondern die gesammten Massen 
des wesentlich aus natronhaltigem Orthoklas bestehenden nor- 
malen Granulits , welche ganz entsprechend dem oben ent- 
worfenen Stammbaume durch Auslaugung den Albit und durch 
Zersetzung des Orthoklases den Kaliglimmer und Quarz lie- 
ferten. Dass wir von ,, natronhaltigem Orthoklas" des granu- 
litischen Nebengesteins jetzt und später sprechen dürfen, geht 
einerseits aus Stelzner 1 s und Zirkel's mikroskopischen Unter- 
suchungen der Granulite*) hervor, nach denen der feldspathige 
Gemengtheil jenes Gesteins ausschliesslich Orthoklas 
ist, andererseits aus den von Scheerer veröffentlichten Ana- 
lysen**), denen zufolge die sächsischen Granulite im Durch- 



*) Stelzner, N. Jahrb. 1S71 pag. '246. — Zirkel, Mikroskop. 
Beschaff, pag. 466. 

**) N. Jahrb. 1873 pag. 5. 



122 



schnitt 2,5 pCt. Natron enthalten, welches demnach nur als 
Vertreter des Kali im Orthoklas aufgefasst werden kann. 

In den oben beschriebenen Gängen haben wir ein körnig« 
krystallinisches Aggregat von Feldspath , Quarz und Glimmer, 
also eine Art von Granit vor uns, welcher unbedingt eine 
wässerige Entstehung zukommt, die ihr kein Geologe 
abzustreiten willens oder im Stande sein wird. 

4. Orauitische Gänge im Granulit. 

Nebengestein und G a n g v e r h äl tn i s s e. Zu den 
gewöhnlichsten Erscheinungen des sächsischen Granulitgebietes 
gehören granitische Gänge vou röthlichem Orthoklas, grün- 
lichem Oligoklas, grauem Quarz und schwarzem oder weissem 
Glimmer, welche bald in grösserer Anzahl vergesellschaftet, 
bald vereinzelt fast in jedem Aufschlüsse dem Beobachter 
entgegen treten und noch mehr Mannigfaltigkeit in diese schon 
an und für sich hochinteressante Gegend bringen. Erscheint 
nun auch das gesammte Granulitterritorium von solchen Granit- 
gängen durchschwärmt, so ergiebt doch eine etwas eingehen- 
dere Beobachtung, dass sie sich wesentlich auf das Gebiet des 
eigentlichen Granulits beschränken, in den letzterem eingela- 
gerten Serpentin-, Eklogit-, Cordieritgneiss - und Granatfels- 
partieen jedoch nur selten auftreten und ebensowenig in die 
das Granulitgebirge aberlagernde Schieferzone hineinsetzen. 
Das Nebengestein unserer granitischen Gänge ist demnach 
in bei Weiten den meisten Fällen Granulit in allen seinen 
durch Fehlen oder Erscheinen von Glimmer bedingten Varie- 
täten, als deren extreme Glieder normaler, fast weisser, ferner 
gneissartiger grauer, sowie granitischer röthlicher Granulit zu 
nennen sind. Von ganz verschiedenem petrographischem Cha- 
rakter sind diejenigen granitischen Gänge , welche in anderen 
Gliedern des Granulitgebirges und zwar namentlich in ein- 
zelnen Vorkommen des Hornblendeschiefers, des Augitschiefers 
und Eklogits aufsetzen und deshalb in einem besonderen Ab- 
schnitt behandelt werden sollen. 

Die Form der zu besprechenden granitischen Gänge ist 
eine ausserordentlich abwechslungsreiche. In vielen Fällen 
sind ihre seitlichen Begrenzungsflächen so parallel und eben- 
flächig wie nur denkbar, in anderen nähern sich dieselben 



123 



allseitig allraälig , bis sie sich schneiden, so dass sie linsen- 
förmige, jedoch die Granulitschichten durchsetzende Nester 
umschliessen. Hier bilden sie wellig - zackig gewundene 
Schmitze, welche sich stellenweise bei unbedeutender Längen- 
ausdehnüng zu unverhältnissmässiger Dicke aufblähen, dort 
raachen sie treppenförmige Sprünge, indem sie den sich kreu- 
zenden Klüften des Gesteins folgen, schneiden auch wohl an 
diesen plötzlich ab oder zersplittern sich in zahlreiche Trümer. 

Ihre Mächtigkeit ist eine sehr schwankende, jedoch 
im Durchschnitt unbedeutende; in bei Weiten den meisten 
Fällen beträgt sie nur 3 bis 15 Cm. , zuweilen noch weniger, 
oft aber auch 15 bis 30, selten 30 bis 60 Cm, , während mir 
kaum ein Fall einer | M. mächtigen granitischen Gangsecretion 
bekannt ist, obwohl ich mehrere Hundert derartiger Vorkom- 
men an Ort und Stelle besichtigt habe. 

Auch das Anhalten, also die Längenerstreckung dieser 
Gänge ist kein beträchtliches; als sein Maximum konnten 
20 M. festgestellt werden , jedoch ist die Gelegenheit zur Ver- 
folgung der Gänge in ihrer Horizontalausdehnung so selten 
geboten, dass die Existenz längerer Gänge nicht unwahr- 
scheinlich ist. 

Die beiderseitige Begrenzung zwischen Gängen und Neben- 
gestein ist in vielen Fällen eine sehr scharfe, z. Th. wie mit 
der Feder gezogene, und erhält oft durch Ablösungsflächen 
oder durch chloritisch - glimmerige Salbänder einen noch 
bestimmteren Ausdruck. Dann trennt, besonders bei eintre- 
tender Verwitterung, ein Hammerschlag Gang und Neben- 
gestein durch eine spiegelglatte Begrenzungsfläche, so dass es 
bei gewissen Vorkommnissen schwer hält, beide in einem 
Handstück zu erlangen. Oft freilich sind auch die Mineral- 
individuen der Gangmasse unmittelbar auf denen des Neben- 
gesteins so fest aufgewachsen , dass die Ganggrenze durch 
nicht die geringste Discontinuität, sondern ausschliesslich durch 
plötzlichen Wechsel der Structur und Farbe bezeichnet wird. 

Fragmente des Nebengesteins sind in diesen gra- 
nitischen Gängen eine ziemlich gewöhnliche Erscheinung. Nicht 
selten lässt sich die Stelle, von der sie losgebrochen sind, 
mit Sicherheit nachweisen, was namentlich dort der Fall ist, 
wo durch Gabelung oder Zersplitterung des Ganges oder 
durch Scharung mehrerer Gänge zungenförmig in die Gang- 



124 



spalte ragende Keile oder scharfe Ecken entstanden sind. 
Bei der dem Gestein eigentümlichen Zerklüftung zum Ab- 
brechen besonders geeignet, finden sich dieselben jetzt, leicht 
erkennbar an ihren dreiseitigen Umrissen, inmitten der Gang- 
masse durch einen Streifen der letzteren von der Stelle ihres 
einstigen Zusammenhanges getrennt. Taf. VII. Fig 2 u. 3 
illustriren dieses Vorkommen. Ferner kann der Fall eintreten, 
dass sich eine Gangspalte im Verlaufe ihres Ausfüllungspro- 
cesses durch locales Nachbrechen ihres klüftigen Nebengesteins 
zu einer höhlenartigen Weitung ausbildet, in welcher sich jetzt 
nach erfolgter Ausfüllung durch die Gangmineralien die nach- 
gestürzten Trümmer als Einschlüsse in der Gangmasse prä- 
sentiren, wie dies z. ß. Fig. 1 auf Taf. VII. zeigt. Die 
Brüchigkeit des Nebengesteins und das Loslösen seitlicher 
Schollen desselben kann auch zur Folge gehabt haben , dass 
sich der Gang local in zahlreiche schwache Trümer zerschla- 
gen oder ein breccienartiges Aussehen erhalten hat. Derartige 
Vorkommen von Nebengesteinsbruchstücken mit einer eruptiven 
Entstehungsweise granitischer Gänge in unbedingte Abhängig- 
keit zu bringen, wie dies früher wohl geschehen, ist selbst- 
verständlich unstatthaft, wiederholen sie sich doch u. A. und 
ganz abgesehen von fast jedem Erzgange auf ähnliche Weise 
in den das Granulitgebiet in grosser Zahl durchsetzenden 
Schwerspathgängen. 

Was die Schichtenlage des den granitischen Gängen 
benachbarten Granulits betrifft, so ist dieselbe durch die Ge- 
sammtheit der mechanischen Gangbildungsvorgänge unberührt 
geblieben : die Granulitschicbten schneiden scharf an den Gang- 
wänden ab, ohne ihre allgemeine Richtung zu verändern. Nur 
selten machen sich Ausnahmen von dieser Regel in der Weise 
geltend, dass die dem x einen Salbande des Ganges zugewen- 
deten Schichtenenden auf 6 — 8 Cm., sehr selten auf grössere 
Entfernung in schön geschwungener Krümmung nach oben, 
am anderen Salbande aber nach unten gebogen sind, wie 
dies Fig. 5 Taf. VII. zeigt. Nicht die besonders mächtigen, son- 
dern im Gegentheil nur wenige Centimeter starke Granitgänge 
sind es, an denen diese Erscheinung zuweilen wahrgenommen 
wurde. Und es entspricht solches der genetischen Deutung dieser 
Schichtenstörungen. Sind diese doch nicht etwa eine, vielleicht 
sogar als Beweismittel für Eruptivität zu betrachtende Folge 



125 



der Gangbildung, sondern derselben lange vorausgegangen 
und waren bereits ermöglicht durch das Aufreissen der Spal- 
ten. In Folge der Zerstörung ihres Zusammenhanges verloren 
gewaltige Partieen des Granulits ihren Halt und rutschten auf 
einer Kluftfläche langsam in ein etwas tieferes Niveau, wobei 
durch die enorme Reibung die Schichtenenden der sich be- 
wegenden Felsmasse nach oben, diejenigen des die festlie- 
liegende Bahn abgebenden Gesteins nach unten geschleift 
und gekrümmt wurden, — ein Vorgang, der sich besonders 
deutlich dort verkörpert findet, wo, wie durch Fig. 10 Taf. VII. 
illustrirt, Granitgang, Schichtenbiegung und Verwerfung com- 
binirt sind. Letztere tritt in dem abgebildeten, mir von Herrn 
Dr. Dathe mitgetheilten Profile dadurch so klar hervor , dass 
sie die Schichtenenden einer Anzahl sehr glimmerreicher und 
deshalb dunklerer Zwischenlagen des lichten Normalgranulits 
verbogen und gegeneinander verschoben hat. Bei breit klaf- 
fenden, ihre anfängliche Weite bis zu ihrer Ausfüllung beibe- 
haltenden Spalten konnten derartige Reibungserscheinungen na- 
türlicherweise nicht eintreten, und das ist der Grund, weshalb 
die beschriebene Schichtenstörung, wo sie überhaupt beobachtet 
wurde , meist an schmale Trümer gebunden , bei mächtigen 
Gängen aber selten ist. 

Dass, wie übrigens selbstverständlich, Verrückungen und 
Rutschungen des durch die Spaltenbildung zerklüfteten Gra- 
nulits stattgefunden, zeigt das in Fig. 4 Taf. VII. abgebildete 
Gangprofil, welches einem Einschnitte der Muldethalbahn ober- 
halb Rochsburg entnommen ist. Der dortige plattenförmige, 
graue, glimmerführende Granulit wird von zwei einander etwa 
rechtwinklig schneidenden Kluftsystemeu durchsetzt. Dem 
einen derselben entspricht ein einige 20 Cm. mächtiger Granit- 
gang a mit haarscharfen Salbändern und wunderbar eben- 
flächiger Begrenzung. In das Liegende dieses Ganges läuft 
von letzterem aus unter ungefähr rechtem Winkel ein 3 Cm. 
mächtiges , dem zweiten Kluftsysteme entsprechendes Trum b 
ab. Auf ihm ist nun dessen Hangendes c um einige Zoll 
herabgerutsebt, so dass nicht nur eine Verwerfung seines 
Nebengesteins, sondern zugleich auch eine sprungartige Er- 
weiterung des Hauptganges a stattgefunden hat. Unterhalb 
dieser Rutschuug misst letzterer 24, oberhalb derselben 29 Cm. 

Weder nach ihrem Streichen, noch nach ihrem Fallen 



126 



halten die granitisehen Gänge des Granulitgebiets ein be- 
stimmtes Gesetz ein, gehören vielmehr den verschiedenartigsten 
Himmels- und Fallrichtungen an und schneiden sich deshalb 
im Falle ihrer Vergesellschaftung sehr gewöhnlich. Abgesehen 
von vielen anderen Beispielen war es eine jetzt leider durch 
den Bau der Muldebahn verschüttete Felswand direct unterhalb 
der Spinnerei Amerika bei Penig, wo das wirre Durcheinander 
dieser Gänge in schönem Profil aufgeschlossen war. Ausser 
vielen kleinen , oft wellig gebogenen Trümern kamen hier ein 
auf dem Kopf stehender, zwei horizontale, ein unter 45 Grad 
fallender und ein kuppeiförmig gewölbter Granitgang von 18 
bis 50 Cm. Mächtigkeit zum gegenseitigen Durchschnitt. Jedoch 
sind eigentliche Durchsetzungen oder wirkliche Verwerfun- 
gen eines älteren Ganges durch einen jüngeren nur selten zu 
beobachten. Ein solcher Fall ist mir von der Etzdorfer Mühle 
im Striegis-Thale bekannt, wo ein 4 Cm. mächtiger Gang von 
glasigem, sprödem Quarz mit röthlichen Feldspath-Einspreng- 
lingen von einem echt granitischen Gange scharf durchsetzt 
und um seine Mächtigkeit verworfen wird (siehe Taf. VII. 
Fig. 6), so dass hier sicher eine ältere und eine jüngere Gang- 
bildung vorliegt. Im Allgemeinen jedoch scheint die Ausfüllung 
der verschiedener Richtung angehörigen Gänge in den nehm- 
lichen Zeiträumen vor sich gegangen zu sein. Hierfür spricht 
namentlich noch die Erscheinung, dass sich bei vorhandenem, 
petrographisch von der Hauptgangmasse verschiedenem Sal- 
band dieses ununterbrochen aus einem Gang in den ihn kreu- 
zenden umbiegt und in ihm weiter forterstreckt. Mit wirk- 
lichen Verwerfungen dürfen die kleinen Gangauslenkungen 
nicht verwechselt werden, welche dadurch hervorgebracht wor- 
den sind , dass entstehende Spalten bereits vorhandenen eine 
Strecke weit folgten , ehe sie in ihrer alten Richtung weiter 
fortsetzten. 

Die wesentlichen mineralischen Gernengtheile 
dieser Gänge sind Feldspath , Quarz und Glimmer. 

Der Orthoklas kommt einerseits als Gemengtheil des 
granitischen Aggregats, andererseits aus diesem in Drusen- 
räume hineinragend in theilweise entwickelter Krystaliform 
vor. In ersterem Falle ist er zuweilen schneeweiss, meist 
aber lichtfleischroth oder hellröthlichgelb, seltener dunkelblut- 
roth gefärbt. Zwillingsverwachsungen nach dem Carlsbader 



127 



Gesetz sind nicht selten. Seine in Drusen zur Entfaltung 
gebrachte Krystallgestalt ist einförmig und flächenarm. Säule, 
Klinopinakoid, Basis und Hemidoma sind bald zu tafelförmi- 
gem, bald zu rectangulär säulenförmigem Habitus entwickelt. 
Zuweilen tritt noch das Klinoprisma z, ferner das seltene 
Orthopinakoid k als schmale Abstumpfungsflächen der verti- 
calen Kanten hinzu, — bei anderen Krystallen hingegen fehlen 
nicht nur diese, sondern auch das Klinopinakoid. Selten ist 
das sonst so gewöhnliche Hemidoma y. Wie es in Elba der 
Fall ist*), so wenden auch in unseren Gängen die aus dem 
Granitaggregate in die Drusen ragenden Orthoklase die End- 
fläche o P meist den Drusenwandungen zu, so dass sie häufig 
ganz verdeckt wird, während die Hemidomen x und, wo vor- 
handen, y die freie, der Beobachtung am besten zugängige 
Seite des Krystallendes bilden. Eine fernere Uebereinstim- 
mung mit den Orthoklasen von Elba zeigt sich darin , dass 
der von G. VOM Rath**) beschriebene silberglänzende Schim- 
mer auch an manchen unserer Orthoklase zu beobachten ist. 
Er beschränkt sich hier auf die Kanten x:T und T : z, die 
dann silberglänzend gesäumt sind. Dieser schöne Schimmer 
scheint daher zu rühren , dass auf den der Verwitterung am 
meisten ausgesetzten Kanten bereits ausserordentlich zarte 
Schüppchen von Kaliglimmer zur Ausbildung gelangten, wäh- 
rend der Rest der Flächen noch ganz frisch und deshalb glas- 
glänzend ist. 

Der Oligoklas kommt nur in wenig Gängen mit dem 
Orthoklas grob-krystallinisch verwachsen vor. Er besitzt dann 
eine lichtgrüne Farbe, einen ausgezeichneten Glasglanz, der 
den des Orthoklases übertrifft, eine auffällig starke Durchsich- 
tigkeit und endlich eine ausserordentlich zarte Zwillingsstrei- 
fung. In einzelnen Gängen (z. B. im Muldethal, direct unter- 
halb Amerika) wird der Orthoklas local durch Oligoklas voll- 
kommen ersetzt, in anderen sind die Oligoklas - Individuen so 
gestellt, dass sie augenscheinlich zuerst von allen Mineral- 
bestandtheilen des dortigen Granits an den Salbändern an- 
geschossen sind. 

Der Albit spielt in den granitischen Gängen eine ebenso 

*) vom Rath, diese Zeitschr. 1870. pag. 654. 
**) 1. c. pag. 055. 



128 



wichtige wie interessante Rolle. Ursprünglich mit dem Ortho- 
klas in dünnen Schwitzen und Lamellen perthitähnlich ver- 
wachsen, kann er durch Auslaugung seiner ersten Heimath 
entzogen werden und sich in wohlausgebildeten Krystallen in 
Druseuräumen und zwar meist in regelmässiger Verwachsung 
mit seinem Mutterminerale wieder ansiedeln, wie wir dies im 
Verlaufe dieses und des folgenden Abschnittes nachweisen 
wollen. 

Der Quarz bietet als granitisches Gemengtheil keine 
irgendwie auffällige Erscheinung dar, höchstens dass sein 
Reichthum an Flüssigkeitseinschlüssen bemerkenswerth wäre. 
Auch die in Drusenräumen auskrj^stallisirten Quarze sind 
ausserordentlich einförmig. An allen sind ausschliesslich Prisma 
und die beiden Rhomboeder vorhanden, Rhomben- und Trapez- 
flächen hingegen nur in einem einzigen der eigentlich grani- 
tischen Gänge beobachtet worden. Ausserdem sind auch die 
gesammten Krystailflächen meist matt und trübe. Im Mulde- 
thal unterhalb Penig sind an verschiedenen Aufschlusspunkten 
Scepterquarze von grosser Zierlichkeit und Klarheit gefunden 
worden. 

Einiges Interesse erregt der Quarz eines Granitganges 
unmittelbar oberhalb Markersdorf im Chemnitzthal durch sein 
seltsam zerfressenes Aussehen. Sehr zarte durchscheinende 
Quarzlamellen , deren obere Ränder oft sägeförmig gezahnt 
sind, ziehen sich vollkommen parallel zu einander, getrennt 
durch nur papierdünne Zwischenräume auf den Wandungen 
der Drusenräume jenes Ganges hin. Ganz analoge Vorkomm- 
nisse der Insel Elba haben Breithaupt und G. vom Rath mit 
einem Stück Wachs verglichen, welches eine Näherin oft ge- 
braucht und durch das häufige Durchziehen der Fäden mit 
scharfen tiefen Einschnitten versehen hat. Unter ihnen ent- 
deckte Breithaupt die beiden seltenen Mineralien Castor und 
Pollux, welche nach G. vom Rath mit Bezug auf ihren äusseren 
Habitus nur schwer von jenen Quarzen unterscheidbar sind und 
mit diesen selbst von geübtem Auge verwechselt werden kön- 
nen. Die auffallende A ehnlichkeit unserer und jener Elba'er 
Quarze, die noch frappantere Analogie ihres Vorkommens 
erregte die Hoffnung, die genannten seltenen Mineralien auch 
in den Granitgängen des sächsischen Granulitgebiets nachzu- 
weisen, — eine Hoffnung, die sich bis jetzt, als eitel erwies. 



129 



Der Magnesia gl immer, meist von glänzendem Braun- 
schwarz, bildet fast stets unregelmässig sechsseitig conturirte 
dünnblättrige Tafeln, welche in sehr vielen Granitgängen des 
Cranulitgebirges eine höchst charakteristische Stellung und 
zwar entweder parallel oder rechtwinklig zu den Salbändern 
einnehmen, wie wir ausführlich schildern werden. In manchen 
Gängen haben die Glimmertafeln in Folge einseitiger horizon- 
taler Verzerrung eine langbandförmige Gestalt angenommen, 
erreichen bei 0,5 bis 1 Cm. Breite eine Länge von 7 bis 10 Cm, 
und durchschiessen , von den Salbändern ausgehend, quer die 
granitische Gangmasse (so bei Rocbsburg, Carlseiche und 
Wolkenburg im Muldethal). 

Der Kaliglimmer in Blättchen und Tafeln von silber- 
weisser, lichtgelblicher oder grauer Farbe vertritt zuweilen, so 
in den Gängen an der Scheibe bei Penig, den Magnesiaglimmer 
vollständig, — häufiger noch nehmen beide Glimmerarten ge- 
meinschaftlich an der Zusammensetzung granitischer Gänge 
Theil, jedoch ist dann häufig der Kaliglimmer auf die centralen, 
der Magnesiaglimmer auf die seitlichen Zonen dieser Gänge 
beschränkt. 

Neben diesen sechs wesentlichen Gemengtheilen der gra- 
nitischen Gangmasse kommen in letzterer noch folgende Mine- 
ralien accessorisch vor : 

Tur malin von ausnahmslos schwarzer Farbe in säulig- 
strahligen Partieen und zwar fast stets auf die Centraizone der 
Gänge beschränkt. 

Granat in braunrothen, Stecknadelkopf- bis kleinerbsen- 
grossen Ikositetraedern im Granit der Scheibe bei Penig und 
in dem von Markersdorf. 

Braunspath und Kalkspath. Die Wandungen der 
schmalspaltenförmigen Centraidrusen eines granitischen Ganges 
bei Amerika sind überzogen von einer Lage körnigen, licht- 
gelblichen Braunspathes, oder eisenschüssigen, magnesiabaltigen 
Kalkspathes, welcher in der Richtung nach der Centraispalte 
zu in Folge von dort aus eindringender Oxydation des Eisen- 
oxyduls eine immer dunklere und zuletzt intensiv braune Farbe 
annimmt und sich dann zu erdigem Eisenoxydhydrat umge- 
wandelt hat. Auf dieser Brauneisensteinkruste sitzen nun 
einzelne bis centimetergrosse , weisse, durchscheinende Kalk- 
spath-Rhomboeder und zwar — j R, und zwischen ihnen stellen- 
Zeits.d, D.geol.Ges. XXVII. 1. 9 



130 



weise zahlreiche Kalkspäthchen von viel unbedeutenderen Di- 
mensionen. Der hydrochemische Process der Spaltung eines 
durch Beimengungen einer anderen Substanz verunreinigten 
Minerals in diese seine zwei Bestandtheile liegt in dem eben 
beschriebenen Falle ausserordentlich klar vor Augen. Durch 
Einwirkung Kohlensäure- und Sauerstoff - haltigen Wassers, 
welches die Drusenwände hinabrieselte, wurde dem Urminerale 
das Kalk-, sowie das in geringen Mengen vorhandene Magnesia- 
»carbonat entzogen , während sich aus dem gleichzeitig ent- 
stechenden Eisenoxydulbicarbonat in Folge der Gegenwart von 
Sauerstoff Brauneisenstein ausschied, auf welchem die dem 
Muttermineral entführten erdigen Carbonate als schwach 
magnesiahaltiger Kalkspath wieder auskrystailisirten. 

Varietäten der Ganggranite. Besteht auch die 
Ausfüllungsmasse der granitischen Gänge des Grauulitgebiets 
in bei Weitem den meisten Fällen aus den Gemengtheilen des 
normalen Granits, also aus viel Orthoklas, wenig Oligo- 
klas, Quarz und Glimmer, so fehlt doch das zuletzt genannte 
Mineral zuweilen vollkommen , oder wird durch ein anderes 
ersetzt, so dass auf diesem Wege gewisse ziemlich hervor- 
stechende Gesteinsmodificationen erzeugt werden. So entsteht 
in gewissen Gangen bei Wolkenburg und Amerika durch 
Zurücktreten des Glimmers ein feinkörniges, ausserordentlich 
gleichmässiges und constantes Gemenge von Orthoklas und 
Quarz, also Halbgranit, ferner durch theil weise oder gänz- 
liche Stellvertretung des Glimmers von Seiten des Turmalins 
eine Art Turmalingranit, ein grobkörniges Aggregat von 
lichtfleischrothem Orthoklas , grossen Körnern von stark glän- 
zendem Quarz und federkielstarken kürzeren oder längeren 
Säulen von schwarzem Turmalin, welche alle in etwa gleicher 
Menge vorhanden sind. Namentlich schön ist dieser Tur- 
malingranit in einem Bahneinschnitte an der Nordseite von 
Friedemannsklippe im Muldethal vorgekommen. Ferner könnte 
man dort, wo die Gangausfüllungsmasse, wie unterhalb Ame- 
rika, von sehr reichlichem , lichtgrünem Oligoklas , rothem 
Orthoklas , wenig Quarz und schwärzlich braunem Magnesia- 
glimmer gebildet wird, während Kaliglimmer fehlt, nebeu dem 
normalen Granit- Aggregat einen Granitit unterscheiden, um 
eine wenn auch sehr variable Modifikation der granitischen 
Gänge zu bezeichnen. Endlich nehmen letztere auch voll- 



w : - 

I 

kommen den Charakter des Pegmatits an; dann fällt ihre Be- 
schreibung dem nächsten Abschnitte dieser Arbeit anheim. 

Structurverhältnisse. Bei ihrer verhältnissmässigen 
Armuth an accessorischen Bestandteilen und der Seltenheit 
der Mehrzahl dieser letzteren, würde sich die Combination der 
eben aufgezählten wesentlichen Cangmineralien an Hunderten 
von Gängen in ermüdender Einförmigkeit wiederholen, wenn 
nicht durch die Mannigfaltigkeit ihrer Aggregationsweise ab- 
wechslungsreiche, genetisch hoch interessante Structurver- 
hältnisse hervorgebracht würden, welche unseren Granit- 
gängen den Stempel ihrer Entstehung auf das Unverkennbarste 
aufdrücken und sie als von den Gängen der Eruptivgranite 
anderer Gegenden durchaus verschiedene Gebilde kennzeichnen, 
ohne bis jetzt hervorgehoben und geologisch ausgenutzt wor- 
den zu sein. 

An den granitischen Gängen des Granulitgebirges sind 
folgende Structurformen beobachtet worden: 1) die massig- 
granitische, 2) die stengelige, 3) die symmetrisch-lagenförmige, 
4) die breccienartige, 5) die concentrisch-lagenförmige (cocar- 
denartige), 6) die zellig- cavernöse , 7) die central - drusige 
Structur. 

1) Die massige, für echte Granitgänge so charak- 
teristische Structur findet sich rein, also ohne wenigstens mit 
Andeutungen einer der übrigen genannten Aggregationsformen 
combinirt zu sein, an den in das Gebiet unserer Beobachtung 
fallenden granitischen Gangbildungen nur selten. Als typisches 
Beispiel mag die Beschreibung eines Ganges folgen, welcher 
im Muldethal an der granulitischen Felswand direct unterhalb 
Amerika nach seinem Streichen aufgeschlossen war. Seine 
Längenerstreckung ist eine nur unbedeutende und beträgt nicht 
mehr als 12 bis 13 M. , indem sich der Gang in beiden 
Richtungen seines Streichens auskeilt. Im Querschnitte besitzt 
er eine höchst unregelmässige Gestaltung. Bei einer vorwiegen- 
den Mächtigkeit von 8 bis 10 Cm. bläht sich bald seine han- 
gende, bald seine liegende Grenzfläche zu welligen oder kuppei- 
förmigen Weitungen auf, wodurch eine Maximalmächtigkeit 
von 15 bis 18 Cm. erreicht wird. Ausserdem sendet er nach 
diesen beiden Richtungen einige sich nach kurzem Verlaufe 
auskeilende Trümer ab, wird zu mehreren Malen aus seiner 
tlauptrichtung von Klüften abgelenkt und umschliesst hier und 



132 



da ein von der Spaltenwandung losgebrochenes Fragment 
seines Nebengesteins. Die Ausfüllungsmasse dieses Ganges 
besteht aus einem granitischen, prachtvoll grobkrystallinischen 
Gemenge von fleischfarbigem Orthoklas, viel lichtgrünem Oli- 
goklas mit 1,5 bis 3 Cm. grossen, glänzenden, zart zwillings- 
streifigen Spaltungsflächen , grauen , glasigen Quarzkörnern, 
grossen z. Th. sechsseitigen Tafeln von glänzend schwarzem 
Magnesiaglimmer, die oft bandartig verzerrt sind und endlich 
selteneren kleinen Blättchen von silberweissem Kaliglimmer. 
Die Orthoklasindividuen haben nicht selten Krystallgestalt und 
geben je nach der Richtung des Gesteinsbrucbes breite sechs- 
seitige oder schmalere leistenförmige Durchschnitte, nicht selten 
mit Carlsbader Zwillingsverwachsung. Grössere Spaltungs- 
individuen sind oft zart schriftgranitisch von Quarz durch- 
wachsen. An besonders engen Partieeu des Ganges und in 
den Nebentrümern desselben verschwindet der Orthoklas gänz- 
lich oder fast vollkommen , so dass das Gestein eine durch 
das Vorwalten des Oligoklas bedingte lichtgrüne Färbung 
erhält; zugleich aber tritt dadurch, dass sich die Glimmer- 
blätter rechtwinklig auf das Salband stellen , die Andeutung 
einer stengeligen Structur ein. 

Auch im Scheibenbruche oberhalb Penig sieht man 
granitische Gänge von massiger Structur den Granulit durch- 
setzen. Sie sind ebenfalls grobkrystallinisch und bestehen aus 
vorwaltenden 2 bis 4 Cm. grossen Individuen und grossen 
Körnern von diesmal s ch n eew ei s s e m Orthoklas und derben 
Partieen von lichtgrauem Quarz, welche aus einem klein- 
körnigen Gemenge von lichtgelblichem Oligoklas, Quarz- 
körnern, zahlreichen aber kleinen Kaliglimmerschuppen und 
einzelnen Granatikositetraedern porphyrartig hervortreten. Die 
mikroskopische Untersuchung dieses wie des eben beschrie- 
benen Ganggranits ergiebt ausser dem zu betonenden Reich- 
thum des Quarzes an Flüssigkeitseiuschlüssen nichts Erwäh- 
nenswerthes. Interessant ist die Erscheinung, dass die grossen 
Orthoklasindividuen nicht selten geborsten sind, und dass sich 
auf den Wandungen der entstandenen Risse kleine Gruppen 
von Kaliglimmer, sowie klare Quarzkryställchen angesiedelt 
haben. Häufiger noch sind die geborstenen Feldspäthe durch 
glasige Quarzsubstanz, wie mit einem glänzenden Firniss 
wieder verkittet. So vollkommen auch die massig-krystalli- 



irische Structur dieser Gänge erscheint, so neigt sie doch be- 
reits dadurch zu symmetrisch - lagenförmiger Ausbildung hin, 
dass das Korn der granitischen Gangmasse nach den Sal- 
bändern zu nicht selten bedeutend gröber ist, als in der 
Centraizone. 

2) Stengelige Structur nehmen die granitischen Gänge 
dadurch an, dass sich ein oder mehrere ihrer Bestandtheile un- 
gefähr rechtwinklig oder wenigstens quer auf die Salbänder 
stellen. Namentlich häufig ist dies beim Magnesiaglimmer 
der Fall (siehe Fig. 14, 15 u. 18), der ganz gewöhnlich von 
den Gangwandungen aus nach der Mitte zu angeschossen und 
dann fast stets in dieser Richtung bandförmig verlängert 
ist. Bei Gängen von geringer Mächtigkeit erreichen und be- 
gegnen sich die beiderseitigen Glimmerlamellen, wie dies 
z. B. bei einem in Fig. 14 Taf. VII. wiedergegebenen Gange 
des Chemnitzthaies unterhalb Diethensdorf der Fall ist, — bei 
solchen von bedeutender Mächtigkeit hingegen beschränken sie 
sich auf die randlichen , dem Salbande zunächst liegenden 
Zonen , während die mittlere Gangzone echt granitisch-körnige 
Structur besitzt. In allen diesen sehr häufigen Fällen haben 
die Glimmertafeln eine zwar auf der Gangwandung ziemlich 
rechtwinklige, aber unter sich ordnungslose und wirre Stellung 
inne, — es zeigt sich jedoch auch die interessante Erschei- 
nung, auf die mich zuerst Herr Dr. Lehmann aufmerksam 
machte, dass dieselben nicht nur unter sich, sondern auch mit 
den Glimmerschüppchen des benachbarten Gneiss - Granulits 
parallel stehen , ja auf letzteren in der Weise aufgewachsen 
sind, dass sie deren Fortsetzung bilden (siehe Fig. 15 Taf. VII.). 
Man hat sich dies so zu erklären, dass die im Gneissgranulit 
aufgerissene Spalte mit diesem auch die für ihn charakteristi- 
schen, parallel gelagerten Glimmerblättchen durchsetzte, welche 
nun im Querschnitte auf den Spaltenwandungen sichtbar wurden 
und beim Eintritt von Mineralsolutionen den Impuls und die 
Basis für eine neue Glimmerbildung gaben, mit anderen Worten 
in der Richtung ihrer früheren Ausdehnung weiter fortwuchsen. 
Diese Parallelität der Gangglimmertafeln sowohl untereinander, 
wie mit dem Granulitglimmer hat zur Folge, dass man beim 
Zerschlagen des Ganges in der Richtung der Nebengesteins- 
schichten wie auf diesen letzteren lauter Glimmer, aber wenig 
Feldspath und Quarz, hingegen auf dem Bruche rechtwinklig 



134 



darauf wie beim Nebengestein nur die zarten , linsenförmigen 
Querschnitte der Glimmertafeln und zwischen ihnen viel Quarz 
und Feldspath erblickt, wie dies in Fig. 15 Taf. VII. dar- 
gestellt ist. 

Bei vielen anderen nur wenige Centimeter mächtigen Gan- 
gen, welche vorwaltend oder ausschliesslich aus Feldspath und 
Quarz bestehen, sind diese in langen parallelen und deshalb 
stengeligen Individuen unter ziemlich rechtem Winkel auf den 
Spaltenwandungen angeschossen. Inmitten der Gangspalte 
mussten sie gegeneinander stossen und bilden hier nicht* selten 
eine so ausgesprochene, im Querschnitt schwach zickzackför- 
mige Verwacbsungsfläche , dass solche Gänge leichter auf ihr 
zerklüften, als sich auf den Salbändern vom Nebengestein los- 
lösen. In einzelnen Fällen sind die in stengeliger Aggregation 
gegeneinander wachsenden Quarz - und Orthoklas - Individuen 
in der Symmetrie-Ebene zusammengestossen, ohne miteinander 
zu verwachsen. Dann läuft die Mitte des Ganges entlang eine 
Fläche vollkommener Discontinuität , durch welche der Gang 
in zwei gleiche Hälften zerfällt, deren Mineralindividuen nach der 
Centrainaht zu mehr oder weniger verdrückte Krystallenden 
tragen. Solche Aggregate von ausgezeichnet stengeliger Structur 
besitzen die auffälligste Aehnlichkeit mit den Quarz-Orthoklas- 
Incrustaten auf den Porphyrgeröllen des Kohlenconglomerats 
von Euba bei Chemnitz. Diese bestehen gleichfalls aus lauter 
stengelig gestellten Orthoklas- und Quarz-Individuen und kön- 
nen auf dem Querbruche nicht unterschieden werden von den 
oben beschriebenen querstengeligen Granitgängen des Granulit- 
gebietes. Sollten die Incrustate zweier einander zugewandter 
Porphyrgeröll-Flächen in Folge fortgesetzten Wachsthums zu- 
sammenstossen , so würde genau die eben geschilderte Gang- 
erscbeinung (nämlich Quarz- Feldspath- Ausfüllung, stengelige 
Structur und mittlere Zuwachsnaht) hervorgebracht werden. 
An der bydrochemischen Entstehung der Euba'er Orthoklas- 
Quarz-Aggregate zweifelt heute kein Sachverständiger mehr, 
warum soll man zögern, die vollkommen analogen Verhältnisse 
in den Spalten des Granulitgebirges in gleicher Weise zu 
deuten? Wie dort die Porphyrgerölle, so lieferte hier das gra- 
nulitische Nebengestein die Quarz- und Feldspath-Substanz. 

Die gewöhnliche Zuwachsnaht der granitischen Gänge 
wird dadurch noch viel auffälliger, dass ihr zuweilen eine 



135 



dünne Lage von oft über Quadratzoll grossen schwarzbraunen 
Magnesiaglimmer-Tafeln entspricht, welche sich ununterbrochen, 
parallel den Salbändern die Mitte des Ganges entlang zieht 
(siehe Fig. 8 Taf. VII.). Im Querschnitt eine schwarze Linie 
auf meist lichtgelblich - rothem Grunde, spaltet auf ihr der 
Gang unter dem Schlage des Hammers und zeigt die glänzend- 
schwarze Zusammenwachsungsfläche der beiden Gangzonen. 
Nicht immer ist es dunkler Magnesiaglimmer, sondern zuweilen 
auch heller Kaliglimmer, welcher sich als centrale Schluss- 
bildung solcher stengeligen Gänge vorfindet. So riss neulich 
ein Sprengschuss einen nur 4 Cm. mächtigen Granitgang auf 
dieser Fläche seines geringsten Zusammenhaltes in zwei 
symmetrische, natürlich an ihrem Salbande mit dem Neben- 
gestein verwachsene Hälften auseinander, deren vollkommen 
ebene Oberflächen bei einer Breite von 1 M. eine Länge von 
1,5 M. besassen und dicht mit grossen, lichtgelben, metallglän- 
zenden Tafeln von Kaliglimmer belegt waren , so dass sie, 
obwohl im Querschnitt nur als zarte Linie erscheinend, wie 
Schichtenflächen eines grossblätterigen Glimmerschiefers aus- 
sahen. Neben Glimmer können in der Ebene der Centrainaht 
auch noch Turmalinsäulen liegen, wie dies beispielsweise 
Fig. 9 Taf. VII. zeigt. 

Eine sehr häufige Erscheinung innerhalb unserer grani- 
tischen Gänge ist die s c hr i f t gr a n it i s ch e Structur, wenn 
sie auch in ihrer typischen Ausbildung auf die Pegmatite be- 
schränkt ist. Wo vorwaltender Orthoklas in Vergesellschaf- 
tung mit Quarz ausschliesslich einen Gang oder eine Gangzone 
zusammensetzt, stellt sich sehr gewöhnlich eine schriftgra- 
nitische Durchwachsung des ersteren von Seiten des letzteren 
ein und zwar meist so, dass die Quarzprismen und Lamellen 
quer auf den Gangflächen stehen. 

Endlich können auch die gesammten mineralischen Be- 
standteile der granitischen Gänge lamellare oder stengelige 
Form besitzen und sämmtlich quer auf die Salbänder gerichtet 
sein; es ist dies bei sehr vielen Orthoklas-, Oligoklas-, Quarz-, 
Magnesia- und Kaliglimmmer - haltigen Gängen von geringer, 
seltener bei solchen von grösserer Mächtigkeit zu beobachten. 
Sehr instructive Beispiele der letzteren liefert der Bahneinschnitt 
an der Carls -Eiche bei Penig. Hier wird der Granulit von 
mehreren 8 bis 10 Cm. mächtigen Gängen durchsetzt, welche 



136 



vorwaltend aus sehr grosskrystallinischem, dunkelfleischrothem 
Orthoklas bestehen , dessen Hauptblätterdurchgang sich quer 
durch den Gang zieht und der von dünnen Quarzlamellen 
durchschossen ist, welche ungefähr rechtwinklig auf den Sal- 
bändern stehen. Namentlich deutlich tritt diese Structur an 
den feinkörnigeren, schmalen, randlichen Zonen hervor. In 
Folge derartiger Textur sind die Gänge quer auf ihre Haupt- 
ausdehnung sehr leicht in säulige oder quaderartige Stücke zu 
zerbrechen. Dazu kommt noch, dass das Ganze von den 
Salbändern aus von zahlreichen 0,5 bis 1 Cm. breiten , aber 
4 bis 8 Cm. langen, glänzendschwarzen, bandförmigen Glimmer- 
streifen durchzogen ist. Letztere sind zuweilen geknickt und 
an dieser Stelle in zwei Stücke zerbrochen , deren Zusammen- 
hang vollständig aufgehoben ist. Diese Gänge besitzen aus- 
gezeichnete , 3 bis 4 Mm. starke Salbänder von prachtvoll 
dunkelgrünem, radialschuppigem Chlorit. 

Recht schön ist die stengelige Structur auch an den in 
grosser Zahl den Glimmer - führenden Granulit am Bahnhofe 
von Wittgensdorf durchschwärmenden Trümern ausgeprägt und 
wird hier wesentlich durch die auf den Salbändern rechtwink- 
lige Stellung der silberglänzenden Kaliglimmerblättchen erzeugt. 
Durch diese ward natürlich auch die Wachsthumsrichtung des 
Quarzes und Feldspaths bedingt. In der Centraizone dieser 
Gänge, aber nur in dieser, finden sich zuweilen kleine büsche- 
lige Partieen und einzelne Säulen von Turmalin. — Diese 
leicht zu vermehrenden Beispiele mögen genügen. 

3) Symmetrisch -lagenförmige Structur kann 
innerhalb der granitischen Gangausscheidungen des Granulit- 
gebirges durch sehr verschiedene Mittel hervorgebracht werden. 
Ein nicht seltener Fall ist es, dass sich gewisse Bestand- 
teile des granitischen Ganges den Salbändern 
parallel lagern. Seiner tafelartigen Form wegen ist hierzu 
besonders der Glimmer geneigt. Es ist diese Erscheinung 
bereits von Gängen mit stengeliger Structur beschrieben wor- 
den, in denen unter sich und den Spaltenwandungen parallele 
Glimmerblättchen die Centraizone einnehmen , sie kann sich 
jedoch auch bei solchen von granitisch - körnigem Habitus 
wiederholen und giebt Veranlassung , dass sich solche Gänge 
symmetrisch in eine hangende und liegende oder rechte und 
linke Zone gliedern. Aehnlich wie in der Mitte des Ganges 



137 



kann sich eine derartige Ansammlung parallel oder langflaserig 
gelagerter Glimmerblätter auch beiderseitig nach den Salbän- 
dern zu vollziehen. 

Complicirter gestaltet sieb diejenige Structurform, wo sym- 
metrische Gangzonen durch Wechsel der Textur, ver- 
schiedene Korng rosse, Vorwalten bald des einen, 
bald des anderen in den übrigen Lagen schwach 
vertretenen Gemengtheils erzeugt werden. Der ein- 
fachste Fall ist der bei Besprechung der granitisch - massigen 
Gangstructur bereits erwähnte, wo sich in einem massigen 
Gange schmale randliche Zonen mit stengeliger, durch die 
Richtung der Glimmerblättchen bedingter Structur einstellen. 
Nahe damit verwandt ist die Erscheinung, dass die seitlichen 
Zonen vollkommen glimmerfrei sind und ausschliesslich aus 
einem grobkrystallinischen Aggregat von röthlichem Feldspath 
und etwas , oft sebriftgranitisch mit ihm verwachsenen Quarz 
bestehen , wahrend die bei Weitem mächtigere Centraizone 
einen echt granitischen Habitus besitzt und ausserordentlich 
reich an schwarzem Glimmer ist. Von zahlreichen solchen 
Vorkommnissen sei der Felswand unterhalb Amerika in Fig. 7 
Taf. VII. ein Beispiel entnommen. 

Während, wie gesagt, Gänge, bei denen die Anzahl der 
in ihrer Structur verschiedenen parallelen Gangzonen auf drei 
beschränkt ist, ziemlich häufig anzutreffen sind, kommen solche 
von fünf- und selbst siebenfacher lagenförmiger Gliederung 
seltener vor. So durchsetzt im Chemnitzthale , gegenüber der 
Diethensdorfer Spinnerei ein granitischer Gang von 40 Cm. 
Mächtigkeit den Granulit. Fällt seine haarscharfe, eben- 
flächige Begrenzung bereits beim ersten Anblick auf, so zeigt 
sorgfältige Untersuchung, dass er aus folgenden, freilich gegen- 
einander nicht scharf begrenzten Gangzonen besteht: zwei 
randlichen von 2 Cm. Dicke , reich an den Salbändern an- 
nähernd parallel gelagerten schwarzen Glimmerblättchen; zwei 
nach Innen zu darauf folgenden Zonen von äusserst feinkörni- 
gem, röthlichem Granit und einer Centraizone von sehr grob- 
krystalliniscbem , fleischrothem Orthoklas mit grossen schwar- 
zen Glimmertafeln. 

Siebenfache Zonenbildung weist ein fast einen halben 
Meter mächtiger Gang im Granulit an der Strasse nach dem 
Bahnhof von Wittgensdorf auf (siehe Fig. 21 Taf. VIT.). Seine 



138 



an die Salbänder grenzenden Zonen, also a, bestehen aus 
einem mittelkörnigen granitischen Aggregat von weisslichem 
Orthoklas, Quarz, weissem Kali- und schwarzem Magnesia- 
glimmer. ■ Auf sie folgt (b) eine Zone von grossen schwarzen 
Glimmertafeln in vorwaltendem röthlichem Orthoklas, welche 
erstere strahlig nach Innen divergiren und augenscheinlich auf 
der Oberfläche der älteren granitischen Lage a angeschossen 
sind. Die dritten Zonen (c) zeichnen sich durch Gruppen von 
radialstrahligen, weissen Kaliglimmertafeln aus, die ebenfalls 
auf der Oberfläche der vorigen Lage wurzeln, während die 
Centraizone d durch ein echt granitisch-körniges Gemenge von 
Quarz , Feldspath und weissem Glimmer gebildet wird. 

Kann mau schon bei den oben beschriebenen Fällen nicht 
daran zweifeln, dass diese granitischen Gänge vollkommen 
analog jedem Erzgange durch Auskrystallisiren der bis dahin 
in Lösung befindlichen Mineralsubstanzen an den jeweiligen 
Wandungen der allmälig zuwachsenden Spaltenräume entstanden 
und nicht etwa aus Gluthfluss erstarrte Injectionen sind, so 
erlaubt der Aufbau eines leider seit einiger Zeit der Beobach- 
tung entzogenen granitischen Ganggebildes an der mehrfach 
erwähnten Felswand, direct unterhalb Amerika, überhaupt kaum 
einen Einwurf gegen die Behauptung seines hydrochemischen 
Ursprungs. Ein Gangstück dieses interessanten Vorkomm- 
nisses ist in Fig. 24 Taf. VII. dargestellt. Die hier gegebene 
Zeichnung wurde etwa einen Monat nach ihrer Aufnahme einer 
nochmaligen strengen Vergleichung mit dem Aufschlüsse unter- 
worfen, ohne dass sich irgend welche wesentlichen Verände- 
rungen nöthig gezeigt hätten. Der betreffende Gang durchsetzt 
unter steilem Fallwinkel mit scharfen Salbändern in einer 
Mächtigkeit von 45 bis 50 Cm. den lichtgraublauen, etwas 
Glimmer führenden Granulit des Muldethals und gliedert sich 
in 7, ja wenn man will, in 11, z. Th. scharf gegeneinander ab- 
schneidende, z. Th. miteinander innig verwachsene, stellenweise 
etwas verschwommene Gangzonen. Von den Gangwandungen 
ausgehend sind es folgende: a) röthlich-gelblicher , grobkry- 
stallinischer Orthoklas mit wenig Quarz , aber ziemlich viel 
Glimmertafeln , welche annähernd rechtwinklig auf den Sal- 
bändern stehen, etwa 2 Cm. mächtig; b) sehr feinkörniges 
granitisches Aggregat, 1 bis 3 Cm. mächtig; c) grobkrystalli- 
nischer, lichtrötblicher Orthoklas mit kleinen Quarzkörnern, 
I 



durchschossen von grossen schwarzen Glimraertafeln. Diese 
beiderseitigen wesentlich aus Feldspath bestehenden symme- 
trischen Zonen haben jedenfalls längere Zeit hindurch die 
Wandungen eines spaltenförmigen Drusenraumes gebildet, denn 
ihr Feldspathmaterial ist nach dem Innern zu in grossen Indi- 
viduen auskrystallisirt, welche sich jetzt, nachdem die Drusen- 
spalte von einem dunklen, feinkörnigen Granit ausgefüllt ist, 
in hellen Flächen mit scharfen Conturen aus dem dunklen 
Grunde hervorbeben Diese ihre Krystallenden der Centrai- 
zone zuwendenden Orthoklaskrystalle besitzen ziemlich be- 
trächtliche Dimensionen; so maass an einem derselben P im 
Querbruch parallel dem Klinopinakoide 4 Cm. Die zwischen 
den beiden Krystallwänden von c befindliche mittlere Gang- 
zone d wird von einem düsteren , feinkörnig - granitischen 
Aggregat von rötblichem Orthoklas, grauem Quarz und ver- 
hältnissmässig viel schwarzem Glimmer gebildet. Die Täfel- 
chen des letzteren zeigen zuweilen das Bestreben, sich in 
Flächen anzuordnen, welche denen der hervorragenden Ortho- 
klaskrystalle parallel liegen und deren P und x haubenförmig 
überschirmen, wie solches in unserer Zeichnung im Quer- 
schnitt wiedergegeben ist. Verwandt damit ist die Erschei- 
nung, dass sich nahe jeder der beiderseitigen Grenzen dieser 
granitischen Centraizone ein besonders glimmerreicher und 
dadurch dunklerer Streifen hinzieht, dessen welliger Verlauf 
den durch hervorspringende Orthoklaskrystalle bewirkten Un- 
ebenheiten seiner Grenzflächen entspricht. Durch diese zwei 
dunklen Streifen gliedert sich die Centraizone wiederum in 
drei Felder, so dass sich auf dem Querbruche dieses interes- 
santen Ganges im Ganzen 11 Zonen und zwar 4 sich jeder- 
seits wiederholende paarige und eine centrale unpaarige unter- 
scheiden lassen. 

Während die bisher betrachteten Gangvorkommen symme- 
trisch-lagenförmige Gangstructur nur der zonenförmigen Ver- 
änderung der Textur und den wechselnden Mengungsverhält- 
nissen des Gangmaterials verdanken, kann diese Structur- 
erscheinung in noch deutlicherer Gestalt durch totale Sub- 
stanzverschiedenheit einzelner Lagen hervorgebracht 
werden. 

Der einfachste der hierher gehörigen Fälle ist der, dass 
die beiden randlichen Lagen aus Feldspath mit einzelnen Glim- 



140 



merschüppchen bestehen, während die Gangmitte von derbem, 
glasigem Quarz eingenommen wird. Auch hier stellt sich die 
bereits oben geschilderte Erscheinung ein, dass die nach innen 
gerichteten haarscharfen Begrenzungsflächen der Feldspath- 
zonen die Querschnitte von Krystallen zeigen (siehe Fig. 12 
Taf. VII.), also einstigen Drusenwandungen entsprechen, so 
dass wir hier innerhalb granitischer Gangbildungen auf eine 
Wiederholung der in den Bleierzgängen des Oberharzes nicht 
seltenen geschlossenen drusenförmigen Structur*) 
stossen. Aehnlichen, jedoch etwas complicirteren Aufbau be- 
sitzen gewisse Gänge aus dem Muldethal unterhalb Wolken- 
burg (siehe Fig. 18 Taf. VII.). Bei einer Mächtigkeit von 
4 bis 6 Cm. gliedern sie sich ebenfalls in je eine randliche 
und eine mittlere, also in drei und zwar scharf von einander 
getrennte Lagen. Die. ersteren bestehen aus lichtröthlichem 
Orthoklas, hellgrünlichem Oligoklas, etwas Quarz und schwar- 
zem Glimmer, dessen Tafeln von den Salbändern aus ange- 
schossen sind und deshalb eine stengelige Structur der beiden 
Zonen hervorbringen. Besonders dicht stehen sie direct an den 
Ganggrenzen, sind aber dann sehr kurz, während sich einzelne 
grössere Tafeln über deren Niveau erheben und bis an, ja bis 
in die Centraizone ragen. Letztere aber wird -von reinem, 
derbem, splittrigem Quarze gebildet. Ganz ähnliche Gang- 
gebilde sind noch von anderen Fundpunkten aus dem Granulit- 
gebiet bekannt. Bei einem derselben, ebenfalls von Wolken- 
burg, geht die beiderseitige granitische Zone durch Ueberhand- 
nehmen des Quarzes in eine rein quarzige Centraizone über. 
Solche Vorkommnisse sprechen von selbst für ihre hydroche- 
mische Genesis. 

Dem Quarze ganz analog kann sich Turmalin in der 
Gangmitte einstellen. Es ist dies eine sowohl bei Gängen mit 
echt granitischer, wie bei solchen mit stengeliger Structur sehr 
häufige Erscheinung. Dann bildet der stets schwarze Turmalin 
einzelne Strahlen, strahlige Bündel oder büschelige Nester, 
deren Hauptausdehnung der Gangfläche parallel läuft, wie wir 
dies in ähnlicher Weise bereits früher von den Glimmertafeln 
kennen gelernt haben. Seltener tritt auschliesslich schwarzer 
Turmalin in Form einer selbstständigen Centraizone auf. Dann 



*) v. Gu uDDiiCK, diese Zeitsehr. 1866. Bd. XVIII. pag. 744. 



ereignet es sich wohl , dass diese durch eine Median ebene 
wiederum in zwei Lagen getheilt wird, deren radialfaserige 
Structur darauf hinweist, dass das Wachsthum der Turmalin- 
individuen von der Drusenwandung aus nach der Mitte zu vor 
sich ging, wo sie bei erfolgendem Zusammenstoss die erwähnte 
Centrainaht erzeugten. 

Nicht nur jedes für sich allein, auch vereint treten 
Quarz und Turmalin inmitten zweier echt granitischen Rand- 
lagen auf und bilden hier entweder eine zusammenhängende 
parallelwandige Zone, in welcher der Turmalin wiederum auf 
die Mitte beschränkt ist (z. B. Fig. 16 und 17 Taf. VII.), 
oder sie bilden ein System von in der Symmetrie -Ebene des 
langes liegenden isolirten , unregelmässig gestalteten Nestern 
von Quarz mit Bündeln grosser schwarzer Turmalinsäulen, 
nicht selten mit Drusenräumen und diese mit Krystallen ein- 
fachster Form, — Vorkommnissen, welche durch Fig. 11 u. 13 
Taf. VII. illustrirt werden. Häufig ist dann der röthliche Ortho- 
klas und der graue Quarz der randlichen Zone schriftgranitisch 
ausgebildet. Auch können letztere selbst wieder eine symme- 
trisch-lagenförmige Structur besitzen , in denen sich am Sal- 
bande stengelige, nach der Mitte zu massig-körnige und dann 
schriftgranitische Structur einstellt, wie dies z. B. bei Gängen 
im Granulit von Markersdorf und Rochsburg beobachtet wurde. 

Endlich können sich zum weissen Quarz und schwarzen 
Turmalin noch fleischrother Orthoklas und weisser Kaliglimmer 
gesellen, um ein grosskörniges Aggregat von nuss- bis faust- 
grossen Partieen, federkieldicken Säulen und über quadratzoll- 
grossen Tafeln, also einen Pegmatit zu bilden und oft die 
mittlere Hauptmächtigkeit des Ganges einzunehmen, während 
die seitlichen Zonen von kleinkörnigem , stengeligem oder 
lagenförmig gesondertem granitischem Material gebildet werden. 
In Fig. 19 und 20 Taf. VII. sind solche Gänge dargestellt 
und in den zugehörigen Erklärungen erläutert. Nur aus dem 
Markersdorfer Gange (Fig. 20) sei noch folgende, in gene- 
tischer Beziehung nicht uninteressante Erscheinung beschrieben: 
In derselben treten Drusenräume auf, deren Wandungen von 
Quarz und dunkelfleischrothem Orthoklas gebildet werden. Die 
Oberfläche des letzteren ist z. Th. bedeckt von einer zusam- 
menhängenden, mehrere Millimeter starken Kruste von Albit, 
über welche sich wiederum ein noch jüngeres Incrustat von 



142 



jenen zu lauter dünnen Laraellen zerschnittenen Quarzen aus- 
dehnt, welche bereits auf Seite 128 Erwähnung gefunden 
haben. Die einzelnen Quarzlamelleu bestehen entweder aus 
mehreren seitlich verwachsenen Individuen, die jedoch sämmt- 
lich lamellar verzerrt sind, und erscheinen dann oben palli- 
saden- oder zinnenartig gezackt, oder aber sie bestehen jedes- 
mal aus nur einem Individuum , dessen Pyramidenspitze zu 
einer unverhältnissmässig langen Kante ausgezogen ist. Die 
Endflächen dieser Lamellen sind ausserordentlich glänzend und 
scharf ausgebildet, die seitlichen zwar gleichfalls eben, aber 
matt. Von diesen Quarzblättern läuft jedesmal eine Anzahl 
parallel nebeneinander her, bis sie von einer anderen Gruppe 
ähnlicher Lamellen geschnitten werden. Die trennenden 
Zwischenräume zwischen je zwei Blättern sind oft nur papier- 
düun , aber bis 4 oder 5 Cm. lang. Es lässt sich nicht ver- 
kennen , dass sie früher von einer festen, in Blättern ange- 
schossenen Substanz eingenommen wurden , dass dann die 
Hohlräume zwischen diesen vom Drusengrunde aus durch in 
die Höhe wachsenden Quarz ausgefüllt und dann die ursprüng- 
lichen Blätter weggelaugt wurden, so dass statt ihrer tiefe 
Einschnitte in der Ausfüllungsmasse zurückblieben, welche 
letztere nun wie zersägt aussieht. Die verschwundenen Blätter 
waren jedenfalls Glimmer. So erklärt sich auch der Umstand, 
dass die einander zugewandten Seiten je zweier benachbarter 
Quarzlamellen stets parallel sind, was bei der beiderseitigen 
Begrenzung jeder einzelnen Lamelle nicht immer der Fall ist. 
Diese Erscheinung erinnert uns an die Seite 115 beschriebene 
Basisfläche gewisser Quarze von Rochsburg. An beiden Punkten 
hat sich der nämliche Vorgang wiederholt, nur dass in dem 
eben behandelten Falle die Quarze parallel den Glimmer- 
blättern gewachsen sind und dadurch eine unnatürliche seit- 
liche Begrenzung erhielten, während bei Rochsburg die 
Quarze bei ihrem Wachsthum mit ihrer Spitze quer vor eine 
Glimmertafel stiessen und eine unnatürliche Endfläche aus- 
bildeten. 

Andeutungen der oben beschriebenen symmetrisch - Iagen- 
förmigen Structur dürfte man in den wenigsten granitischeu 
Gängen des Granulitgebietes vermissen, doch ist sie auch von 
G. vom Rath an den analogen Gängen von Elba*) und von 



*) Diese Zeitschr. 1870. pag. 646. 



143 



Sterbt Hunt an denen der neuenglischen Staaten*) beschrie- 
ben worden, also jedenfalls eine ziemlich allgemeine Erschei- 
nung. Ist man gezwungen, dieselbe in Gemeinschaft mit der 
stengeligen Structur als ein Criterium für hydrochemiscbe Ent- 
stehungsweise aufzufassen, wie es z. B. bei Erzgängen ganz 
allgemein geschieht, so wird die grosse Zahl der bisher als 
Eruptivinjectionen betrachteten ' Granitgänge sehr beträchtlich 
reducirt werden müssen. 

4) Brec ci e n artig e Structur entsteht dadurch, dass 
sich der granitische Gang in sehr zahlreiche, oft rechtwinklig 
voneinander ablaufende Trümer zerschlägt, die wiederum durch 
Quergeäder unter sich verbunden sind , so dass sie unregel- 
mässig gestaltete, scharfkantige Fragmente des granulitischen 
Nebengesteins umschliessen und miteinander verkitten. Eine 
derartige Durchäderung des Granulits durch ausgezeichnet kör- 
nigen Granit findet z. B. in dem Bruche an der Kriebethaler 
Brücke über die Zschopau statt , wo ausserdem der Granit in 
seiner Centraizone reich an Turmalinbündeln und kleinen 
Drusenräumen ist. 

5) Cocardenartige Gang structur geht aus der 
Combination der breccienartigen und stengelig - lagenförmigen 
Structur hervor. Sie ist selten, liess sich aber in besonderer 
Schönheit in einem Steinbruche am Bahnhofe von Wittgensdorf 
beobachten. Ein Handstück dieses Vorkommens ist in Fig. 22 
Taf. VII, bildlich dargestellt. Ein granitischer Gang zerschlägt 
sich hier in so zahlreiche Trümer, dass der dünn- und scharf- 
geschichtete glimmerführende Granulit von granitischem Geäder 
völlig durchschwärmt ist und eine breccienartige Ausbildung 
erhalten hat. Jedes dieser Granulitfragmente sehen wir nun 
rings umhüllt von einer schmalen 0,5 bis 1 Cm. breiten Zone 
von deutlichst stengeligem Orthoklas , Quarz und Glimmer, 
während die Centraizone jedes Granittrumes ein ausgezeichnet 
körniges Gefüge besitzt. Dadurch entsteht eine im Querbruche 
des Gesteins dem Ringelerze des Oberharzes**) nicht unähn- 
liche, wenn auch bei Weitem nicht so scharf ausgeprägte 
Cocardenstructur. Da diese Gesteinsfragmente allseitig von 



*) Amer. Journ. 1871. I. pag. 89 u. 185. 
**) v. Groddkck, diese Zeitschr. 1866. pag. 737 u. 743. Taf. XVI. 
Fig. 7-19. 



144 



Gangmineralien umgeben sind, also vollkommen frei in der 
Grundmasse schweben, so müssen sie ursprünglich nur in 
losem Zusammenhang mit den Gangwandungen stehend, durch 
die Krystallisationskraft der in zarten Klüften zwischen ihnen 
und dem festen Nebengestein anschliessenden Gangmineralien 
allmälig mehr und mehr in den Gangraum gehoben und hier 
bis zu allseitiger Umhüllung festgehalten worden sein. Den 
beschriebenen in vieler Beziehung ähnlich sind die Structur- 
verhältnisse des bekannten Kohlenconglomerats von Euba bei 
Chemnitz, dessen bis kopfgrosse Porphyrgerölle überall dort, 
wo offene Lücken den nöthigen Raum boten, von einem radial- 
stengeligen Incrustat von Orthoklas und Quarz überzogen sind. 

6) Zell ig- c a v ern Öse Structur wurde nur an einem 
einzigen granitischen Gange des Granulitgebiets beobachtet, 
aber an diesem in so ausgeprägter Weise, dass der Begriff, 
den man gewöhnlich mit dem Worte Granit verbindet, nämlich 
der einer gleichmässig körnigen , massiven Gesteinsmasse, 
durchaus verloren geht. Dieser Gang, auf welchen ich zuerst 
von Herrn Dr. Lehmann aufmerksam gemacht wurde, ist in 
nördlicher Richtung von Markersdorf bei Burgstädt durch einen 
Steinbruch aufgeschlossen, welcher die Gewinnung eines den 
Granulit durchsetzenden Granits zum Zweck hat. Letzterer 
ist ein normales, festes, mittelkörniges Gemenge seiner ge- 
wöhnlichen Bestandteile und besitzt in Folge seines Reich- 
thums an kleinen Glimmerblättchen und der lichtgraulichweissen 
Farbe seines Feldspaths eine graue Färbung. Ihn durchsetzt 
jener granitische Gang, der wegen seiner zellig- cavernösen 
Structur, sowie wegen einer Reihe anderer interessanter Er- 
scheinungen unsere ganz besondere Aufmerksamkeit verdient. 

Derselbe steht vertical , besitzt eine Mächtigkeit von 
4 Decim., wird von vollkommen ebenflächigen, einander durch- 
aus parallelen Salbändern begrenzt und hebt sich in Folge 
dessen, sowie seiner fleischrothen Farbe auf das schärfste von 
seinem grauen Nebengesteine ab, von dessen glatten, ebenen 
Ppaltenwandungen er sich mit Leichtigkeit loslöst. Im Con- 
tact mit ihm hat der benachbarte Granit seine Festigkeit ver- 
loren und sich in einen mulmig - lockeren Gruss verwandelt. 
Diese Zersetzung erstreckt sich von den Salbändern aus bis 
zu einer Entfernung von 15 bis 18 Cm., wo jedoch horizontale 
Klüfte das Nebengestein durchsetzen und bis zu dem grani- 



145 



tischen Gange reichen, wie dies in kurzen Zwischenräumen 
übereinander der Fall ist, folgt ihnen die Zersetzung mehrere 
Meter weit in das feste Gestein hinein. Unser granitischer 
Gang kommt demnach mit dem frischen Nebengestein nirgends 
in Berührung , sondern ist von ihm durch eine Zone von zer- 
setztem Granit getrennt. 

Der granitische Gang selbst repräsentirt ein mittel- 
körniges Aggregat von vorwaltenden weissen bis lichtfleisch- 
rothen Orthoklasindividuen, grauen Quarzkörnern und weissen 
bis lichtgrünlichen Blättchen von Kaliglimmer. Schon als 
Bestandtheile dieses Aggregats zeigen die Feldspäthe eine 
ausserordentliche Neigung zur Ausbildung ihrer Krystallgestalt. 
In Folge davon sind die einzelnen Gemengtheile weniger innig 
mit einander verwachsen, wie es bei den echten Graniten der 
Fall ist. Stellenweise liegen die Feldspathindividuen ähnlich 
wie künstliche Praecipitate aus wässerigen Lösungen durch- 
und nebeneinander, und sind nur locker verbunden, ohne dass 
die kleinen, von den gegeneinander geneigten Flächen meh- 
rerer benachbarter Krystalle gebildeten Lücken stets vollkom- 
men ausgefüllt wären. Das Gestein besitzt deshalb einen 
verhaltnissmässig nur geringen Zusammenhalt, und ist stellen- 
weise so bröckelig, dass man Scherben desselben leicht zer- 
brechen kann und dass unter dem Hammerschlage verhältniss- 
mässig bedeutende Quantitäten von Grus abfallen. Dazu kommt 
noch, dass die ganze Gesteinsmasse von isolirten oder mit- 
einander in Zusammenhang stehenden, rundlichen oder un- 
regelmässig verzerrten, kluftartigen oder aufgeblähten, sich 
verzweigenden oder rings abgeschlossenen, millimetergrossen 
bis decimeterlangen drusigen Hohlräumen durchzogen wird, 
auf deren Rechnung l bis \ des vom Gestein eingenommenen 
Raumes zu setzen ist. Das Gestein erhält dadurch eine aus- 
gezeichnet zellig-drusige Structur. Die Wandungen dieser Hohl- 
räume werden gebildet von den in ihnen zu freier Krystalli- 
sation gelangten Gesteins - Bestandtheilen , so namentlich von 
kleinen Orthoklasen schärfster Krystallgestalt, deren Anzahl 
man an den vorliegenden Handstücken auf mehrere Tausend 
veranschlagen kann. Zwischen ihnen , sie zwar an Grösse 
überragend, aber an Zahl stark zurücktretend: Quarze, die 
nicht selten — fast der einzige mir bekannte Fall in den 
gesammten granitischen Gängen des Granulitgebirges, — ausser 
Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 1. 10 



146 



einem spitzen Rhomboeder, Rhomben- und Trapezflächen auf- 
weisen; endlich Tafeln von Kaliglimmer. Sie besitzen na- 
türlich gleiches Alter wie die Gesteinsmasse selbst, da sie 
nichts sind , als dessen zu freier Krystallisation gelangte Ge- 
mengtheile. Zu ihnen gesellen sich noch Turmalinkryställcben 
und einem späteren Bildungsprocesse angehörige Albite. Diese 
einzelnen Mineralien bieten jedoch so viele interessante Er- 
scheinungen, dass wir sie specieller betrachten müssen. 

Die Orthoklaskryställchen haben meist nur eine 
Grösse von 0,3 bis 0,5, seltener eine solche von 1 Cm., sind 
im Innern weiss, gewöhnlich mit einem Stich in's Röthliche, 
oft aber auf ihrer Oberfläche von einem hauchartigen Ueberzug 
von ziegelrothem Eisenoxyd bedeckt. Es sind flächenarme 
Gestalten, gebildet von Prisma, Klinopinakoid , Basis, Ortho- 
doma x, zuweilen auch y (in welchem Falle jedoch x stets 
vorherrscht), seltener mit dem Klinodoma n. Diese höchst 
zierlichen, ebenflächigen Krystalle erhalten durch starke Ent- 
wickelung von M einen dicktafelförmigen Habitus, sind meist 
einfache Individuen , häufig aber auch Zwillinge nach dem 
Carlsbader Gesetz, seltener solche, deren Verwachsungsebene 
die Basis bildet. 

Eine an diesen Orthoklasen sehr gewöhnliche Erschei- 
nung ist ihre aus gewissen Quarz-Orthoklas-Gängen (Seite 117) 
bereits erwähnte und aus den Pegmatitgängen noch eingehend 
zu beschreibende, mehr oder weniger weit fortgeschrittene 
lamellare Zersetzung. Von der zartesten Horizontal- 
streifung der Flächen P und x und den feinsten Verticallinien 
auf T und M , lässt sie sich bis dahin verfolgen, wo von den 
zierlichen Orthoklasen nur ein Skelet von lauter dünnen, unter 
sich und dem Orthopinakoide parallelen , etwas welligen La- 
mellen übrig geblieben ist. Besonders bei den Zwillingen giebt 
dieser Vorgang Veranlassung zu einigen nicht uninteressan- 
ten Beobachtungen: Au unseren Carlsbader Zwillingen kom- 
men nur die schiefen Endflächen P und x, nicht aber y vor. 
Ihre Verwachsungsnath fällt constant in die kliuodiagonale 
Prismenkante und zerlegt deshalb den Krystall in zwei sym- 
metrische Hälften, wobei P des einen Individuums und x des 
anderen in einer Ebene zu liegen scheinen.*) Auf diese Weise 

*) Aehnliches beschreibt vom Rath aus Elba, diese Zeitschr. 1870. 
pag. 0;')5. 



zerfällt das dachförmige Endflächenpaar in vier ganz gleiche 
Felder, ein vorderes und ein hinteres P und x. Nun ist es 
eine mehrfach gemachte Erfahrung, dass sich der Beginn lamel- 
larer Zersetzung zuerst auf P zeigt, während alle übrigen 
Flächen noch frisch und glänzend bleiben. Diese Beobachtung 
erfährt an unseren Carlsbader Zwillingen eine höchst augen- 
fällige Bestätigung, indem je eine P entsprechende Hälfte der 
vorderen und hinteren Endfläche des Zwillingskrystalls mit 
ziemlich tiefen Horizontalfurchungen versehen ist, während die 
alternirenden Flächenhälften, also x, noch spiegelnden Glanz 
besitzen. Durch die ausserordentlich scharfe Grenze zwischen 
Furchung und Ebenflächigkeit hebt sich die Zwillingsnaht auf 
jeder der Endflächen auf das Deutlichste hervor. 

Ein anderer kleiner Zwillingskrystall besteht aus zwei mit 
der sehr ausgedehnten Basis verwachsenen rectangulär-säulen- 
förmigen Individuen. Da nun bei derartiger Zwillingsstellung 
die Hauptaxe und somit das Orthopinakoid in jeder der beiden 
verzwillingten Individuen unter einem Winkel von 63° 57' 
gegen die P entsprechende Zwillingsnaht geneigt ist und die 
aus der besprochenen Zersetzung hervorgehenden Lamellen 
parallel dem Orthopinakoide sind, so zeigen die Flächen M 
einzelner dieser Zwillinge fiederartig auf jeder Seite der Zwil- 
lingsnaht stehende, nach oben mit etwa 127° divergirende 
Furchen , die bei fortgesetzter Ausiaugung sich bis zur Aus- 
bildung fiederartig gestellter Lamellen vertiefen können. 

Wir werden später bei Besprechung ganz analoger Zer- 
setzungsvorgänge an den Feldspäthen der Pegmatitgänge dar- 
thun, dass die ihnen zu Grunde liegende Ursache in perthit- 
artiger Verwachsung von Albit - und Orthoklaslamellen zu 
suchen ist. Dass aber Gleiches von den gefurchten Ortho- 
klasen unserer zelligen Granitgänge gilt , beweisen einige 
Schliffe derselben. Einer von diesen schneidet einen Zwilling 
von dem nämlichen Habitus wie das eben beschriebene Exem- 
plar mit fiederartiger Furchung der in einer Ebene liegen- 
den M-Flächen. In dem parallel M angefertigten Schliffe tritt 
bei polarisirtem Licht eine diesen Auslaugungsfurchen voll- 
kommen entsprechende, also gleichfalls fiederartig auf der 
Zwillingsebene stehende bunte Streifung hervor, ganz analog 
den perthitähnlich von Albitlamellen durchwachsenen grossen 
Orthoklasen des Pegmatits. Dass diese zarten Albitquer- 

10* 



148 



schnitte eine Zwillingsstreifung nicht aufzuweisen haben , be- 
ruht darauf, dass die Schliffebene parallel M liegt , zugleich 
aber auf bereits in geringem Grade sich geltend machender 
Zersetzung. 

Herr Dr. E. von Meyer hatte die Güte, durch Herrn 
Schwartz eine Analyse dieser Orthoklase ausführen zu lassen. 
Dieselbe ergab folgende Resultate*): 

a. b. Mittel. Dividirt durch 

SiO, 66,88 — 66,88 die Atomge- 

A1 2 0, 19,78 19,45 19,61 wichte: 
Cab 0,57 0,32 0,44 . . Ca = 0,314 . . . 0,0079 
K 2 — 9,95 9,95 . . K = 8,256 . . . 0,2117 
Na,0 — 4, 00 4,00 . . Na = 2,968 . . . 0,1290 
100,88 

Auch diese, wie die mikroskopischen Ergebnisse weisen 
darauf hin, dass die vorliegenden Feldspäthe eine Verbindung 
von Kalifeldspath mit kalkhaltigem Natronfeldspath sind , und 
zwar kommen bei dem Verhältniss der Atomzahlen von 

Ca : K : Na 
0,0079 : 0,2117 : 0,1290 
oder 1 : 26,8 : 16,3 

auf 5 (17) Moleküle kalkhaltigen Natronfeldspaths 8 (27) Mole- 
küle Kalifeldspath. 

Die Resultate mikroskopischer und chemischer Unter- 
suchung, sowie die Analogie mit anderen Feldspath-Vorkomm- 
uissen im Pegmatit lassen es demnach zweifellos erscheinen, 
dass der Natrongehalt des Orthoklases unseres zelligen Gra- 
nits von Albitlamellen herrührt, welche ersterem in ortho- 
pinakoidiscber Lage eingeschaltet sind, ferner dass die beob- 
achtete Furchung und lamellare Zersetzung auf Auslaugung 
der Albitsubstanz beruht. 

Eine weite Wanderung hat letztere nicht unternommen, 



*) Die Werthe unter a. wurden erhalten nach Aufsehluss des Feld- 
spaths durch Schmelzen mit kohlensaurem Natron-Kali, die unter h. nach 
Ausschluss durch Flusssäure. Zur Bestimmung von Kali und Natron 
wurde die Summe der schwefelsauren Alkalien festgestellt , sodann 
die Menge der Schwefelsäure durch Füllen mit Chlorbarium ermittelt 



149 



sich vielmehr z. Th. in den zarten Rissen, welche den Mutter- 
krystall in unregelmässigem Verlaufe durchziehen , ausge- 
schieden , namentlich aber in unmittelbarer Nähe ihrer alten 
Heimath zwischen und auf den theilweise zerstörten Ortho- 
klasen wieder angesiedelt. 

Diese jungen AI bitkry ställch en haben' milchweisse 
Farbe, Glasglanz und einen dünn tafelförmigen Habitus. Es 
sind meist einfache Zwillinge mit flach einspringendem Winkel 
auf oP oder von polysynthetischer Verwachsung, so dass die 
Endfläche sehr zart und dicht liniirt erscheint. Endlich sind 
zuweilen zwei Viellinge nach dem Carlsbader Gesetz ver- 
wachsen, während Zwillingsbildung nach dem Periklingesetz, 
also mit einspringendem Winkel auf M, nicht beobachtet 
wurde. Die Flächen der von der Zersetzung ergriffenen Or- 
thoklase sind nicht selten von Albit bedeckt, welcher sich in 
Form zarter, weisser Lamellen an das Klinopinakoid M anlegt 
oder die durch Zersetzung verletzten Ecken und Kanten wieder 
ausheilt. 

Auch die von der anfänglichen Auslaugung nicht berührten 
Orthoklaslamellen verfallen später, wie auch anderwärts aus 
den Gängen des sächsischen Granulitgebiets von uns beschrie- 
ben, einer Zersetzung zu Kaliglimmer und Quarz. Die silber- 
glänzenden Schüppchen des ersteren siedeln sich auf den zer- 
fressenen Feldspathen und in deren Umgebung an und wachsen, 
der Zersetzung folgend, schmarotzend in deren Inneres hinein. 

Was den Quarz unseres drusigen Granits betrifft, so 
bildet er bis 2 Cm. grosse , klare iichtrauchgraue Krystalle 
von in unseren Gängen ungewöhnlich scharfer, gleichmässiger 
Entwicklung der Flächen des Prismas und des Dihexaeders. 
Zu ihnen gesellen sich sehr gewöhnlich diejenigen eines sehr 
spitzen Rhomboeders und nicht selten Rhomben- und Trapez- 
flächen. Es ist dies die flächenreichste Combination an allen 
mir bekannt gewordenen Quarzen des sächsischen Granulit- 
gebietes. Wir werden in dem Abschnitte über Pegmatitgänge 
nochmals diesen Punkt zu berühren haben. 

Von Werth mit Bezug auf die Deutung der bereits früher 
(Seite 115) beschriebenen „basischen" Fläche gewisser Quarze 
ist die Beobachtung, dass in den granitischen Drusen des 
Markersdorfer Ganges nicht selten wachsende Quarzkrystalle 
an eine Tafel von Kaliglimmer gestossen sind, an dieser ab- 



150 



schneiden und dann mit einer schrägen Endfläche abschliessen. 
Nicht selten ist diese hindernde Glimmertafel später zerstört 
worden und dann das unterbrochene Wachsthum weiter fort- 
geschritten. Derartigen temporären Unterbrechungen ent- 
sprechen dann mehr oder, weniger hervortretende treppenför- 
mige Einspränge des Prismas. Manchmal aber sind auch 
Theile des Glimmerblatts von dem Quarze vollständig über- 
wuchert und eingeschlossen worden. 

Von dem Kaliglimmer sei nur erwähnt, dass er centi- 
metergrosse blätterige Tafeln von silberweisser oder weisslich- 
grauer Farbe bildet, sich bei eintretender Zersetzung lebhaft 
apfelgrün färbt, später matt zeisiggrün wird und sich zugleich 
in ein erdiges Aggregat von kleinen Schüppchen auflöst. Letz- 
tere dürften ein aus wasserhaltigem Thonerdesilicat bestehen- 
des , dem Steinmark oder dem Gilbertit ähnliches Residuum 
des sich zersetzenden Kaliglimmers repräsentiren. 

7) D r u s enförm ig e Structur stellt sich in Folge un- 
vollständiger, allmälig vor sich gehender Spaltenausfüllung ein, 
und zeigt sich deshalb vorzüglich in Verbindung mit symme- 
trisch lagenförmiger Aggregationsform des granitischen Gang- 
materials. Da nun die Ausfüllung der Gangspalten, worauf 
stengelige sowohl wie lagenförmige Structur hinweisen , von 
beiden Salbändern zu nach der Mitte vorschritt, so ist es 
naturgemäss, dass die Centraizone der Sitz der Drusen- 
räume ist. Diese Erscheinung ist bei den granitischen Gängen 
des Granulitgebirges so gewöhnlich , dass sich einzelne Bei- 
spiele kaum hervorheben lassen. Meist freilich sind diese 
Drusen nur klein und unregelmässig gestaltet , zuweilen aber 
auch mehrere Decimeter lange Klüfte, deren grösste Ausdeh- 
nung der Gangwandung parallel läuft. Sie werden gebildet 
von den frei auskrystallisirten Enden der granitischen Gang- 
mineralien, von einförmigen, grauen Quarzen, an welchen nur 
Prisma und Dihexaeder, nie Rhomben- und Trapezflächen 
beobachtet wurden, von Orthoklas in seiner gewöhnlichen Kry- 
stallgestalt , hier und da auch von Glimmertafeln oder einigen 
kurzen schwarzen Turmalinsäulen. Für die Genesis der gra- 
nitischen Gänge am lehrreichsten sind jedoch die Fälle, wo 
deren Centraizone überhaupt nicht zur Ausfüllung gelangt, 
sondern in Form einer centralen, der S y m m e t ri e - Eb en e 
entsprechenden Drusen spalte ganz offen geblie- 



ben sind. Kein schöneres Beispiel ist mir hierfür bekannt, 
als einer der zahlreichen Gänge an einem Promenadenwege 
am Fusse des Schlossberges von Rochsburg. Hier läuft von 
einem 0,3 M. mächtigen granitischen Gange ein liegendes 
Trum horizontal ab. In directer Nähe des Hauptganges ist 
dasselbe vollkommen und zwar seitlich (also bei der horizon- 
talen Lage dieses Trums oben und unten) stengelig , in der 
Mitte körnig-granitisch ausgefüllt; in seinem weiteren Verlaufe 
jedoch verkümmert die centrale Ausfüllungsmasse und es blei- 
ben nur die randlichen Zonen von quer auf den Salbändern 
angeschossenem weissem Quarz, rothlichem Feldspath und 
Glimmertafeln, welche nach der offenen Centraispalte zu, wenn 
auch nur in der Grösse von 1 bis 1,5 Cm. und in einförmigen, 
so doch sehr schönen und scharfen Gestalten auskrystallisirt 
sind, so dass man tief in eine enge glitzernde Drusenspalte 
hineinblickt. Wo sich die nicht ganz ebenen, sondern welligen 
Krystallwandungen nähern, sind strahlige Partieen von schwar- 
zem Turmalin als locale Ausfüllung des Spaltenraumes zur 
Ausbildung gelangt. 

In wie klaren Zügen ist hier die Entstehung der grani- 
tischen Gänge des Granulitgebiets in den Fels geschrieben! 
Sie bestätigen uns die aus den übrigen vStructurverhältnissen 
gezogenen Schlüsse auf die h y dr och e m i s c h e Entstehung 
dieser Gänge unwiderleglich und vergegenwärtigen unserem 
Geist den langsamen Process der Spaltenausfüllung. Denken 
wir uns die hier unterbrochene oder noch nicht abgeschlossene 
Feldspath-Quarz-Bildung weiter nach der Mitte zu fortschreiten, 
so erhalten wir beim Zusammenstoss beider Wachsthumsflächen 
einen granitischen Gang von stengeliger Structur mit der zick- 
zackförmigen centralen Zuwachsnaht, wie sie oben beschrieben 
ist. Oder denken wir uns die bereits begonnene Turmalin- 
bildung weiter fortgesetzt, oder zwischen den beiden Krystall- 
wänden der Drusenspalte eine kleinkörnig - granitische Gang- 
mitte zur Ausbildung gelangt, wie dies ja wirklich in einem 
Theile unseres Ganges geschehen ist, so resultirt ein symme- 
trischer, in drei Zonen gegliederter, in seiner Centraizone aus 
Turmalin, oder aus körnigem Granit bestehender, auf beiden 
Seiten stengelig- granitischer Gang, mit der bereits oben an 
instructiven Beispielen erörterten „geschlossenen Drusen- 
structur u . 



152 



Genesis der granitischen Gänge des Granulitgebiets und 
analoge Ganggebilde ans anderen Gegenden. Ueber die Ge- 
nesis unserer granitischen Gänge können nach allem dem 
oben Gesagten Zweifel nicht mehr obwalten : 

sie sind hydrochemischen Ursprungs, so gut 
wie Kalkspath-, Baryt- und Quarzgänge, denn eines Theils 
steht es fest, dass ihre mineralischen Bestandtheile unter Be- 
theiligung des Wassers von einem Orte zum anderen wan- 
dern und sich dort neu ansiedeln können, anderen Theils be- 
sitzen unsere granitischen Gänge nicht nur die nämliche 
Structur, wie die oben genannten Mineralgänge, sondern 
haben sogar Reste ihres einstigen Lösungsmittels in Form von 
Flüssigkeitseinschlüssen aufbewahrt, während von solchen eines 
etwaigen gluthflüssigen Magmas (also Glaseiern, glasiger oder 
entglaster Zwischendrängungsmasse) nicht die geringste Spur 
vorhanden ist, ebensowenig wie von gewissen Structurerschei- 
nungen innerhalb eruptiver Gesteinsarten (also von Mikroflu- 
ctuation und spinnenförmigen oder farnwedelartigen Mikro- 
lithen); 

sie verdanken ihr Material der Auslaugung 
ihres Nebengesteins, denn sie sind erstens an ganz be- 
stimmte Gesteinsarten und zwar an den echten Granulit ge- 
bunden, während andere Gesteine andere Gangausschei- 
dungen erzeugen; und besitzen zweitens sehr gewöhnlich 
nesterartige Gestaltung, keilen sich mit anderen Worten nach 
allen Richtungen aus, können also in genetischer Beziehung 
zu aus der Tiefe emporsteigenden Mineralquellen nicht ge- 
standen haben ; 

ihre Bildung ist von den Wandungen der Spal- 
ten aus vor sich gegangen und zwar durch Aus- 
kry stallisiren der in Lösung zu geführten Gang- 
mineralien und deren nach der Mitte gerichtetes 
Wachsthum, denn wir sehen alle Stadien dieses Ausfüllungs- 
processes in Beispielen verkörpert. 

Dass uns viele Einzelheiten dieser Vorgänge dunkel sind, 
wie z. B. der Bildungsmodus der echt granitisch - körnigen 
Aggregate, ist ebensowenig zu leugnen, wie der Mangel einer 
klaren Vorstellung von der Entstehungsweise lachtermächtiger, 
grobkrystallinischer Baryt- oder Kalkspatbgänge, deren wässe- 



153 



rigen Ursprung trotzdem kein Geologe zu bezweifeln wagen 
dürfte. 

Den unseren ähnliche Beobachtungen über granitische 
Gänge sind bereits von anderen Geologen gemacht worden, 
und haben diese zu ähnlichen genetischen Schlussfolgerungen 
geführt. 

Nach Lossen*) werden die Sericitgneisse und Schiefer 
des linksrheinischen Taunus von Adern , Trümern und fuss- 
mächtigen Gängen von Quarz, Albit und Glimmer, Sericit 
oder Chlorit durchschwärmt. Ebenso die palaeozoischen 
Schichten des Ostharzes**) von gangartigen Kluftausfüllungen 
mit Feldspath, Quarz und sericitischem Glimmer, welche nicht 
selten grössere Fragmente und Splitter des Nebengesteins 
umschliessen, und welche Lossen naturgemässer Weise als 
Ausscheidungsproducte aus wässeriger Lösung ansieht. 

Sterry Hünt beschreibt in seinen „Notes on granitic 
Rocks"***) zahlreiche, die laurentischen Gneisse der neueng- 
lischen Staaten und Canadas durchsetzende Granitgänge z. Th. 
mit ausgezeichnet symmetrisch-lagenförmiger Anordnung ihrer 
Gemengtheile. Manche derselben bestehen aus reinem wasser- 
hellem Quarz mit eingesprengten zollgrossen Orthoklaskrystallen, 
andere an den Salbändern oder in der Centraizone aus Quarz, 
während Orthoklas entweder eine mittlere oder zwei seitliche 
Lagen bildet. In ähnlicher Weise kommt Perthit mit Quarz 
vor. Sehr gewöhnlich ist die Combination von Orthoklas, 
Quarz, Magnesiaglimmer und schwarzem Turmalin, denen sich 
zuweilen Zirkon , Granat oder Chrysoberyll zugesesellen , — 
ferner die von rothem Orthoklas und dunkelgrüner Hornblende 
mit etwas Magneteisen. Feldspath, Quarz, Glimmer, Horn- 
blende und Turmalin bilden fast überall die vorwaltende Gang- 
masse, in dieser stellen sich jedoch mehr oder weniger häufig 
noch folgende Mineralien ein: Amblygonit, Spodumen, Beryll, 
Zirkon, Rutil, Columbit, Idokras, Granat, Apatit, Epidot, Ti- 
tanit, Allanit, Sahlit, Yttrocerit u. a. Für die Quarze dieser 
Gänge sind ihre abgerundeten Kanten und Ecken charak- 



*) Diese Zeitschr. 1867. pag. 567, 578, 662. 
**) Diese Zeitschr. 1869. pag. 312, 313, 314, 315, u. 1872. pag. 731. 
***) Americ. Journ 3<i Series. 1871 Vol. I. pag- 82 u. 182; sowie 
1872. Vol. III. pag. 115. 



154 



teristisch , eine Erscheinung, die sich in den analogen Gang- 
gebilden Elbas wiederholt. 

Als interessante Beispiele symmetrisch-lagenförmiger Glie- 
derung der nordamerikanischen Gänge mögen neben dem be- 
reits erwähnten zonenweisen Wechsel von Quarz und Orthoklas 
hier folgende Vorkommnisse angeführt werden: Beiderseitige 
Lagen von gelblichem Orthoklas mit quer auf den Wandungen 
stehenden Bändern von schwarzem Glimmer^, Centraizone aus 
Schriftgranit (Biddeford) ; — randliche Zonen von Apatit und 
Kalkspath , Gangmitte rother Orthoklas und grüner Apatit 
(Burgess); — Salbänder von Hornblende, mittlere Hauptzone 
von Apatit, in dieser eine Centrailage von Orthoklas und 
Quarz (Ontario). Apatit sowohl wie Glimmer sind oft an 
den Salbändern angeschossen und reichen nicht selten durch 
die randliche Gangzone bis in die Gangmitte, ähnlich wie wir 
es vom Gangglimmer des sächsischen Granulitgebiets beob- 
achtet haben. Centrale Drusenspalten sind gleichfalls nicht 
selten. 

Hunt kommt, wie bereits in der Geology of Canada*), 
zu dem naturgemässen Schluss, dass diese granitischen Gänge 
wässerigen Ursprungs und wie die Erzgänge in Spalten- 
räumen durch allmälige Auskrystallisirung aus Lösungen zur 
Entstehung gelangt seien. Zur Unterscheidung von den erupti- 
ven Graniten nennt er sie ,, endogen". 

Ebenso wie die nordamerikanischen, so ähneln die gra- 
nitischen Gänge von San Piero auf der Insel Elba in vielen 
Beziehungen denen des sächsischen Granulitgebiets. G. vom 
B.ath beschreibt sie in seinen ,,geognostischen Fragmenten 
aus Italien 4 '**) in gewohnt trefflicher Weise. 

Diese nach Tausenden zählenden Gänge von Turmalin- 
führendem Granit setzen in normalem Elbagranit auf, laufen 
indessen zuweilen in die Schieferzone hinein , welche das 
Granitmassiv umgürtet. So lange letzteres ihr Nebengestein 
bildet, sind sie mit diesem fest verwachsen und zeigen nur in 
ihrem Innern unregelmässig gestaltete Hohlräume, — von den 
Schiefern jedoch sind sie z. Th. durch Klüfte getrennt, auf 
deren Wänden Sphen , Albit und Turmalin auskrystallisirt 



*) Geology of Canada 1863. pag. 476 u. 644. 
**) Diese Zeitechr, 1870 pag. 644 ff. 



155 



erscheinen. Sie streichen bei steilem Fallen ziemlich constant 
von N. nach S. oder von SSW. nach NNO. und bestehen im 
Wesentlichen aus Orthoklas, Quarz, Magnesiaglimmer und 
Lithionglimmer. Allen gemeinsam ist ihr Reichthum an Tur- 
malin von den verschiedensten Farben. Eisenglanz, Granat, 
Beryll, Zinnstein, Petalit, Castor , Pollux und Pyrrhit sind 
die übrigen , mehr oder weniger seltenen Gangmineralien. 
Worauf aber ihre Analogie mit den granitischen Gängen des 
sächsischen Granulitgebiets beruht und was G. vom Rath zu 
ähnlichen Schlüssen über die Genesis dieser Turmalingranit- 
gänge von Elba führt, sind ihre Xtructurverhältnisse und die 
Wachsthumserscheinungen der gangbildenden Mineralien. So 
stellt sich gewöhnlich eine mehr oder weniger deutliche sym- 
metrische Anordnung der Gemengtheile ein, welche Herrn vom 
Rath an die Mineralgruppirung gewisser erzführender Gänge 
erinnert, und welche sich darin ausspricht, dass an den Sal- 
bändern gewöhnlich schwarzer Turmalin auftritt, auf welchen 
nach der Mitte zu ein grobkörniges Gemenge von weissem 
Orthoklas und Oligoklas mit Quarz, fast immer in schriftgranit- 
artiger Verwachsung folgt, dem sich ebenfalls schwarzer Tur- 
malin zugesellt. Ein 16 Cm, mächtiger Gang zeigte an beiden 
Salbändern ein Gemenge von weissem Orthoklas, Quarz und 
viel schwarzen Glimmerblättchen ; weiter gegen das Innere des 
Ganges zu nimmt der Glimmer die Form linearer Bänder an, 
welche quer gegen die Gangfläche gerichtet sind. Auf diese 
randliche, 8 Cm. breite Lage folgt jederseits eine etwa 2 Cm. 
dicke Zone von weissem Schriftgranit, den inneren 2 bis 5 Cm. 
mächtigen Gangraum erfüllen ganz oder theilweise Krystalle 
von Feldspath , Quarz, Turmalin und Lithion - Glimmer. Bei 
grösserer Mächtigkeit der Gänge wiederholen sich derartige 
Zonen symmetrisch zu mehreren Malen. Zeigen sich, wie 
gewöhnlich, in der Centraizone des Ganges spaltenartige Klüfte 
oder Höhlungen , so erscheinen die obengenannten Mineralien 
in prachtvollen freien Krystallgebilden. 

Nach G. vom Rath ist die Erklärung dieser Cranitgänge 
von Elba als instantane Injectionsgebilde, als „Nachgeburten 
derselben Granitformation, in derem Bereiche sie vorkommen 4 ' 
(Naumann) auf das Bestimmteste ausgeschlossen. Er deutet 
sie vielmehr als Absätze aus Lösungen, welche aus 
der Tiefe der Erde emporgeführt wurden , nicht aber aus dem 



156 



Nebengestein stammen sollen. G. vom Rath verhehlt sich 
jedoch nicht die Bedenken , welche sich gegen eine Verallge- 
meinerung der zweiten Hälfte dieses Schlusses z. B. an solchen 
Punkten erheben, wo wir ringsgeschlossene, mit der 
Erdtiefe also nicht in Zusammenhang stehende Nester und 
Drusen von gleichem mineralogischen Charakter, wie die oben 
beschriebenen antreffen. 

Der Bonner Geologe bezeichnet die Granitgänge von 
S. Piero, deren kurze Schilderung wir gegeben, als zu den 
wichtigsten und schwierigsten Problemen der Geologie gehörig 
und constatirt die grosse Analogie, welche zwischen ihnen 
und gewissen Gängen von Chesterfield und Goshen in Massa- 
chusetts, sowie solchen von Brevig und Gulsvik im südlichen 
Norwegen herrscht. An letzt genannter Localität wird der 
dort herrschende Gneiss von unzähligen Gängen des herr- 
lichsten , grobkörnigen Granits durchsetzt. Dieselben haben 
einen ausserordentlich unregelmässigen Verlauf, sie winden 
sich bald hier, bald dorthin, schwellen an, schnüren sich zu- 
sammen, umschliessen Fragmente des Nebengesteins und sen- 
den Apopbysen in letzteres. Viele von ihneu erhalten dadurch 
einen symmetrischen Bau, dass glimmerreiche Zonen mit 
solchen von Schriftgranit abwechseln, während andere eine 
sphärische Structur besitzen, indem sonnenartige Glimmer- 
massen von kreisförmigen Zonen von Schriftgranit hofartig 
umgeben werden. 

Auf Grund rein theoretischer Betrachtungen, also auf 
ganz anderem Wege wie vom Rath und Hunt, gelangt Pf äff 
in seiner „Allgemeinen Geologie als exacte Wissenschaft" zu 
gewissen die Granitentstehung betreffenden Schlüssen*), welche 
einige Berührungspunkte mit den unsrigen haben. Nachdem 
Pfaff in naturgemässem Anschluss au die Auffassung vieler 
Geologen die sedimentären Lagergranite (Granitgneisse) der 
laurentischen Schichtenreihe von den durchgreifenden Gang- 
und Stockgraniten getrennt hat, macht er eine Anzahl Einwürfe 
sowohl gegen die rein pyrogene, wie gegen die hydatopyro- 
gene Entstehungsweise des Ganggranits geltend und unterzieht 
die Auffassung dieses Gesteins als Spaltenausfüllung durch 
Absatz aus wässerigen Lösungen einer Kritik, ohne jedoch 



*) 1873 pag. 179. 



157 



mit den einschlägigen Arbeiten von Hunt (1863, 1864, 1871) 
und vom Rath (1870) bekannt zu sein. Erstens habe diese 
hydrochemische Theorie weder chemische noch physikalische 
Bedenken, da es ein Factum sei, dass die Mineralgemenge des 
Granits sich aus wässeriger Lösung bilden können, 2) die sonst 
nicht erklärliche Granitbildung in feinsten Aederchen sei dann 
sehr natürlich, 3) die bald vorhandene, bald fehlende der Ein- 
wirkung des Granits zugeschriebene Contactmetamorphose be- 
reite dieser Theorie nur geringe Schwierigkeiten, 4) wir seien 
im Stande, die Bildung der vom Granit eingenommenen Spalten- 
räume auf die wegführende Thätigkeit des Wassers zurückzu- 
führen, während eine gluthflüssige Masse durch Druck sie nicht 
erzeugen könne, — letzteres eine Theorie , gegen deren Zu- 
muthung sich viele Geologen mit Recht verwahren werden. 

Sind wir auch entfernt davon, uns den Ansichten Pfaff's 
in dieser Verallgemeinerung anzuschliessen, so viel geht doch 
aus Beobachtungen auf deutschem, italienischem, scandina- 
vischem und amerikanischem Boden hervor, dass gewisse 
Granitgänge wässerigen Ursprungs sind. 

5. Gänge von Pegmatit. 

In Vergesellschaftung mit den granitischen Gängen durch- 
schwärmen solche von Pegmatit den normalen Granulit. 
Obwohl nach der mineralischen Beschaffenheit ihrer wesent- 
lichen Gemengtheile nichts anderes als grosskörnige Modifica- 
tionen Kaliglimmer-führender Granite, bieten sie doch in ihrem 
Reichthum an accessorischen Bestandteilen, in ihren Structur- 
verhältnissen und Wachsthumserscheinungen Abweichungen von 
den beschriebenen Graniten, welche es wünschenswerth machen, 
sie gesondert von diesen zu behandeln. 

Trotz ihrer Häufigkeit stehen sie doch an Zahl den gra- 
nitischen Gängen stark nach, jedoch nur um sie an Mächtigkeit 
bei Weitem zu übertreffen. Diese kann 2,5 bis 3 Meter er- 
reichen, wenn sie sich auch meist auf etwa 0,5 bis 1 M. 
beschränkt. In der Richtung ihres Streichens und Fallens 
herrscht keine Gesetzmässigkeit, — ihre Längenausdehuung 
scheint meistentheils keine sehr beträchtliche zu sein. 

Die wesentlichen Gemengtheile dieser Pegmatitgänge sind 
Orthoklas und Quarz, denen sich fast stets Turmalin, Kali- 
glimmer und Albit zugesellen. 



158 



Orthoklas und Albit. Der Orthoklas als pegmati- 
tischer Gemengtheil besitzt fast stets fleischrothe Farbe, ist 
sehr gewöhnlich von Quarz schriftgranitisch durchwachsen und 
bildet entweder unregelmässig gestaltete , dann bis kubikfuss- 
grosse, oder dicktafelförmige bis 10 Cm. lange Individuen, 
welche nicht selten nach dem Carlsbader Gesetze verwachsen 
sind, und deren Form , ebensowenig wie die Spaltbarkeit der 
unregelmässigen Orthoklasklumpen, durch die sie schriftgrani- 
tisch durchschiessenden Quarze gestört wird. Die Formen der 
Krystalle , in Gestalt welcher der Orthoklas aus der pegmati- 
tischen Gesteinsmasse in die Drusenräume hineinragt, sind 
ausserordentlich einfach; meist sind nur T, M, x und P ver- 
treten, ähnlich wie es bei den Feldspathen der granitiscben 
Gänge der Fall ist. Das Orthopinakoid tritt verhältnissmässig 
ziemlich häufig auf. Die Endfläche y hingegen ist nur selten 
neben x angedeutet, bei Carlsbader Zwillingen gar nicht ent- 
wickelt. Von solchen nach dem Bavenoer Gesetz liegt nur 
ein einziges etwa 7 Cm. hohes Exemplar vor, dessen eigen- 
thümliche Oberflächenbeschaffenheit uns später beschäftigen 
soll. Ebenso wie die als Bestandtheile des Pegmatits auftre- 
tenden Orthoklaspartieen , sind auch die in Drusenräume ra- 
genden und hier zur Krystallbildung gelangten Feldspäthe fast 
ste's in ihrem Innern schriftgranitisch von Quarzlamellen 
durchwachsen; jedoch reichen diese nur selten bis zur Ober- 
fläche, beschränken sich vielmehr auf den Kern, so dass in 
der Nähe der Flächen meist reine Feldspathsubstanz vorhanden 
ist, — ganz ähnlich wie es z. B. Streng*) von Harzburger 
Orthoklasen beschreibt. 

Schon bei Besprechung der granitischen sowie der Ortho- 
klas-Quarz-Gänge des Granulitgebietes haben wir (Seite 117, 
128 u. 146) auf einen gewissen Zersetzungsprocess des Ortho- 
klases aufmerksam gemacht , dem zu Folge der letztere sich 
schliesslich in lauter der Hauptaxe und Orthodia- 
donale parallele Lamellen trennt, während gleich- 
zeitig Alb i tn e üb ild u ng en vor sich gehen. Die näm- 
liche Erscheinung tritt uns noch viel deutlicher und häufiger 
an den grossen Orthoklasen der Pegmatitdrusen entgegen. 
Dann ist ihre Basis und ihr Hemidoma mit tiefen , der 



*) N. Jahrb. für Miner. 1871. pag. 719. 



159 



Kante P:x parallelen, furchenartigen Einschnitten versehen, 
ihre Seitenflächen erscheinen vertical gereift, kleine Schuppen 
von Kaliglimmer, namentlich aber Kryställchen von Albit 
wachsen zwischen den auf diese Weise entstehenden Lamellen 
hervor und erheben sich kammförmig über die ursprünglichen 
Flächen ihres Mutterkrystalls. 

Um zu constatiren, ob diese mit Albitbildung verbundene 
Jamellare Zersetzung des Feldspaths durch eine perthitähn- 
liche Verwachsung von Orthoklas- und Albit- 
lamellen und eine später eintretende Auslaugung 
der letzteren bedingt sei, wurde u. a. aus einem der Basis 
parallelen Spaltungsstück eines auf seiner Oberfläche bereits 
tief gereiften Orthoklaskrystalls aus der Druse eines Pegmatits 
von Göppersdorf ein Dünnschliff gefertigt und untersucht. 
Bereits bei Betrachtung mit der Lupe zeigte dieser eine Zu- 
sammensetzung aus abwechselnden zarten klaren und breiteren 
trüben Streifen von schwach welligem, im Wesentlichen unter 
sich und der Horizontalkante von oP parallelem Verlauf. 
Unter dem Mikroskop ergab es sich, dass die Undurchsichtig- 
keit des einen Theils dieser Lamellen davon herrührt, dass 
sie eine Unzahl ausserordentlich kleiner, unregelmässig gestal- 
teter Einschlüsse bergen, die in lauter der P : x-Kante parallele 
Zonen angeordnet sind. Zirkel beschreibt*) streifige Ortho- 
klase, deren anscheinend perthitartige Verwachsung mit Albit 
sich bei mikroskopischer Untersuchung auf eine derartige 
zonenvveise Trübung durch mikroskopische Poren und Läpp- 
chen reducirte. Sind nun auch die abwechselnden Feldspath- 
zonen unserer Schliffe durch solche fremde Einschlüsse ver- 
unreinigt, so ergiebt sich doch bei Anwendung der Nicols 
direct, dass die dazwischen liegenden klaren Feldspathzonen 
anders gefärbt erscheinen als die getrübten. Da sie gegen 
letztere an Breite zurücktreten , erblickt man das Gesichtsfeld 
auf einfarbigem Grunde von zarten, schwach welligen, bald 
kürzeren, bald längeren anders gefärbten Schmitzen und Bän- 
dern gestreift. Wir haben es demnach hier mit einer Ver- 
wachsung von verschiedenartigen Feldspathlamellen zu thun. 
Dass es die klaren schmäleren Zonen sind, die aus Albit 
bestehen, geht bei dem Mangel an deren Zwillingsstreifung 



*) Mikroskop. Beschaffenh. d. Mineralien pag 131. 



160 



aus der Uebereinstimmung ihrer Gestalt und ihres Verlaufes 
mit den oberflächlichen Auswitterungsfurchen des betreffenden 
Feldspathkrystalls hervor. 

Vollkommen sicher gestellt wird die Albitnatur der ein- 
geschalteten zarten Lamellen durch einige andere Vorkomm- 
nisse. Die Drusen innerhalb eines durch Bahnbauten auf- 
geschlossenen metermächtigen Pegmatitganges an dem linken 
Gehänge des Muldethals zwischen Friedemanns Klippe und 
Rochsburg waren ausgekleidet von grossen Orthoklaskrystallen, 
deren P:x- Kante 8 bis 12 Cm. maass. Sie ragten unter 
spitzem Winkel aus den Drusenwandungen und zwar wiederum 
in einer solchen Stellung, dass die Basis den letzteren, x hin- 
gegen dem offenen Drusenraum zugewandt war, wie wir dies 
bereits an den Orthoklasen der granitischen Gänge als Regel 
kennen gelernt haben. Ausser den genannten beiden End- 
flächen ist nur noch das Klinopinakoid und das Prisma aus- 
gebildet, so dass wir Feldspäthe des einfachsten Habitus vor 
uns sehen. Ihre Oberfläche bietet uns die Erscheinung lamel- 
larer Auslaugung in einer aussergewöhnlichen, der Grosse der 
Individuen proportionalen Deutlichkeit dar. Bis zur Höhe 
von mehreren Millimetern ragen die stehengebliebenen Ortho- 
klaslamellen über das Niveau, bis zu welchem die Zersetzung 
der übrigen Substanz bereits vor sich gegangen ist, hervor, 
so dass die 50 bis 100 Cm. grossen Flächen von einer tiefen 
und dichten, schwachwelligen Furchung bedeckt sind, welche, 
wie immer in solchen Fällen, in ihrer Hauptrichtung parallel 
den Kanten des Orthopinakoids verläuft. Dünnschliffe von 
Spaltungsstücken parallel oP zeigen zwischen den Orthoklas 
in orthopinakoidischer Lage eingeschaltete, langgezogene, flach- 
wellige Streifen, kurze Schmitzen und spitzkeilförmige Bänder 
von Albit in überraschender Frische, welche zugleich die deut- 
lichste Erhaltung deren Zwillingsstreifung bedingte. Natürlich 
ist diese in rechtem Winkel auf die Längenerstreckuug der 
einzelnen Lamellen - Querschnitte gerichtet, da jeder der letz- 
teren einer schmalen, unverhältnissmässig in die Breite ge- 
zogenen P-Fläche entspricht. Diese plagioklastische Streifung 
tritt im Dünnschliff des oben beschriebenen kleineren Ortho- 
klases von Göppersdorf augenscheinlich deshalb nicht hervor, 
weil derselbe von seiner allseitig der Verwitterung exponirten 



161 



Oberfläche aus bereits bis in sein Inneres hinein von dieser 
gelitten hat. 

Herr Dr. von Meyer hatte die Gefälligkeit, durch Herrn 
Schwartz eine Analyse des im Dünnschliff perthitartige Ver- 
wachsung zeigenden Feldspaths von Rochsburg ausführen zu 
lassen. Dieselbe ergab folgende Resultate: 



SiO, 

A1,0 3 

CaO 

K 2 

Na 2 

MgO 



a. 
64,65 
19,82 
0,41 



Spur 



b. 

19,44 
0,20 

14,15 
2,05 



Mittel*) 

64,65 

19,63 

0,30 . 
14,15 . 

2,05 . 



Ca = 0,214 . 
K = 11,72 . 
Na = 1,52 . 



Dividirt durch 
die Atomge- 
wichte 
. . 0,0054 
. . 0,3005 
. . 0,0661 



100,78. 



Entsprechend dem Atomverhältniss 



Ca : K 
0,0054 : 0,3005 
oder 1 : 55,6 



Na 
0,0661 
12,2 



würden mit 13 Molekülen kalkhaltigen Natronfeldspaths etwa 
56 Moleküle Kalifeldspath verbunden sein.. Halten wir dies 
Ergebniss zusammen mit den Resultaten der mikroskopischen 
Unsersuchung, so geht daraus hervor, dass unser ,,Orthoklas u 
aus einer perthitartigen Verwachsung von etwa 4 Theilen 
Orthoklas und 1 Theil Albit besteht. 

Ausser den beschriebenen Krystallen wurden noch Feld- 
späthe aus dem Rochsburger Pegmatite selbst, also nicht 
frei ausgebildete Individuen, sondern eigentliche Gemengtheile 
dieses Gesteins mikroskopisch untersucht. Auch bei ihnen 
zeigte sich eine perthitartige Verwachsung von Orthoklas und 
Albit, sowie ebenfalls eine sehr deutliche Zwillingsstreifung 
der Albitlamellen. 

Eine weitere interessante Erscheinung, welche diese sämmt- 
lichen Schliffe, jedoch nur stellenweise bieten, ist die der netz- 
artigen Durchwachsung des Orthoklases von Seiten des Al- 
bits in einer an die von Kreischer und Stelzner beschriebenen 
Pegmatolithe von Arendal erinnernden Weise. An einzelnen 



*) Siehe Anmerkung auf Seite 148. 
Zeits. a.D. geol. Ges. XXVII. 1. 



11 



162 



Stellen des Schliffs sieht man nämlich je zwei oder mehrere 
flach wellig geschlängelt nebeneinander herlaufende Lamellen 
des Albits durch rechtwinklig auf ihnen stehende, also dem 
Klinopinakoid parallele Querriegel untereinander verbunden, 
die sich in unbestimmten Zwischenräumen wiederholen, ja hier 
und da machen die sonst dem Perthitgesetze folgenden Albit- 
lamellen eine rechtwinklige Knickung und nehmen dann erst 
ihre alte Richtung wieder an. In ganz vereinzelten Fällen 
besitzen diese dem Klinopinakoide parallelen Albite viel be- 
deutendere Dimensionen als die dem Orthopinakoide ent- 
sprechenden Albitlamellen. Die Querstreifung der letzteren 
setzt ohne Unterbrechung als Längsstreifung in die klinopina- 
koidische Lage besitzenden Verbindungslamellen fort. Wir 
haben es also hier mit einer im Querschnitt natürlicher Weise 
netz- oder leiterförmig erscheinenden, höchst unregelmässig 
bienenwabenartigen Durchwachsung des Orthoklases mit Albit 
zu thun, wobei die verzwillingten Individuen des letzteren 
unter sich, sowie mit den durch sie getrennten Orthoklas- 
Lamellen und -Leisten durchweg eine parallele Stellung inne- 
haben. 

Rosesbüsch , Stelzner und Zirkel haben diese ebenso 
interessante wie schöne Verwachsungserscheinung von einer 
Reihe anderer Fundpunkte kennen gelehrt. *) Ueberraschend 
aber ist die Uebereinstimmung unserer und der von Streng**) 
geschilderten perthitartigen Albit - Orthoklase aus Drusen der 
Schriftgranitgänge im Radauthale. 

Aus Obigem, zusammengehalten mit der Häufigkeit der 
beschriebenen Furchung der Feldspäthe geht hervor, dass die 
lamellare Verwachsung von Orthoklas und mehr oder weniger 
Albit eine in den Pegmatitgängen des sächsischen Granulit- 
gebiets ganz gewöhnliche Erscheinung ist. Trotzdem darf sie 
als eine neue Bestätigung der Feldspath-Theorie Tschermak's 
nicht bezeichnet werden, da die natronhaltigen Kalifeldspäthe 
des granulitischen Nebengesteins keine Spur lamellarer Ver- 
wachsung zeigen, also isomorphe Mischungen sind. 
Erst bei Auslaugung der Feldspathsubstanz aus 



*) Siehe Zirkel, Mikrosk. Beschaffenh. der Min. pag. 130, und 
Rosenbüsch, Mikrosk. Fhysiogr. pag. 3'29. 
**) N. Jahrb. für Min. 1871. pag. 719. 



163 



dem Nebengestein tritt eine Spaltung und Iudivi- 
dualisirung des kalkhaltigen Natronfeldspathes 
und des Ka 1 if el ds p a th es u n d bei gleichzeitiger 
Wiederausscheidung eine gegenseitige Durchwach- 
sung beider ein. Ferner ergiebt es sich, dass die Furchung 
auf der Oberfläche dieser Feldspäthe das Resultat beginnender 
Auslaugung der lamellar zwischen den Orthoklas eingeschal- 
teten Albitsubstanz ist. Noch muss hinzugefügt werden, dass 
die sich einstellende Furchung zugleich die Zersetzung des 
zurückbleibenden Orthoklases einleitet und beschleunigt, wes- 
halb die ursprünglichen den A Ibitschmitzen entsprechenden 
zarten Einschnitte sich auf Kosten der Orthoklassubstanz bald 
verbreitern. 

Derartige Auslaugungs- und Zersetzungsfurchen auf den 
Flächen der Feldspathkrystalle geben vorzüglich bei Zwillings- 
bildungen der letzteren Veranlassung zu recht auffälligen und 
der Erwähnung werthen Erscheinungen. So sind an dem oben 
erwähnten, etwa 7 Cm. langen Bavenoer Zwilling, wenn man 
I die vier Flächen P und M vertical und zwar die beiden P 
nach hinten stellt, die beiden letztgenannten Flächen horizontal 
und die beiden vornliegenden M - Flächen schräg nach vorn 
geneigt gereift , während das obere Ende des Krystalls da- 
durch kastenartig aus lauter zarten Lamellen aufgebaut er- 
scheint, dass die jeder Zwillingshälfte angehörigen , natürlich 
rechtwinklig aufeinander stehenden Reifen auf x und T, in 
der Zwillingsnath aneinander stossen. 

Dass die zarten, fast linearen Flächen, welche die der 
Basis eines einfachen Feldspaths zugehörigen Lamellen nach 
oben begrenzen, mit dieser, also mit oP spiegeln, ist selbst- 
verständlich, sind sie doch nichts als durch Einschnitte ge- 
trennte Partieen dieser letzteren. Dahingegen fällt es im ersten 
Augenblick sehr auf, dass die Lamellenendflächen, welche dem 
Hemidoma x angehören, ebenfalls in der Richtung der Basis 
oP liegen und gleichfalls mit dieser spiegeln, also keine stehen- 
! gebliebenen von der Zersetzung verschonten Theile der Fläche x 
i sind, wie man es hätte erwarten sollen. Es ergiebt sich viel- 
i mehr, dass diese zarten glänzenden Flächen nur Spaltungs- 
flächen und dadurch entstanden sind , dass die scharfen hori- 
zontalen Endkanten der Lamellen, gebildet von der durch 
Auslaugung des Albits hervorgebrachten Orthopinakoid- und 

11* 



164 



der ursprünglichen Hemidomafläche x, auf dem Hauptblätter- 
durchgang abbrachen. In Folge davon trat an Stelle ihrer 
eigentlichen, nach hinten geneigten Endfläche x die nach vorn 
geneigte Spaltungsfläche P. Sehr auffällig gestaltet sich diese 
Erscheinung an zwei nach dem Carlsbader Gesetze verwach- 
senen Orthoklasen, an welchen, wie meist in den Gängen des 
Granulitgebiets, von Endflächen nur P und x, in diesem Falle 
tief gefurcht, entwickelt sind. Von diesen beiden Krystallen 
hält der eine grössere den anderen in der Weise umschlossen, 
dass das Hemidoma x des kleineren in die Ebene der Basis 
des grösseren fällt, was durch eine bekanntlich nicht unge- 
wöhnliche Abweichung vom normalen Kantenwinkel ermög- 
licht wird,*) Die Grenzlinien zwischen den beiden Individuen 
treten auf der Fläche des grossen Krystalls dadurch so haar- 
scharf hervor, dass die der letzteren entsprechenden Lamellen- 
endflächen des grossen Feldspaths ausserordentlich glänzend 
spiegeln, während diejenigen des kleineren Individuums, ob- 
wohl eigentlich in derselben Ebene liegend, dunkel bleiben 
und bei vorgenommener Drehung erst gleichzeitig mit dessen 
Spaltungsflächen spiegeln. Sie besitzen also die Lage des 
Hauptblätterdurchganges oP des kleinen Feldspathes, sind also 
nach hinten geneigt. Wäre eine derartige Verletzung der ho- 
rizontalen Lamellenkanten nicht eingetreten, so würden an dem 
beschriebenen Zwilling die in einer Ebene liegenden Lamellen- 
endflächen von x des einen Krystalls gleichzeitig mit P des 
anderen spiegeln müssen. 

Was übrigens die Albitn eubil d u ng auf Kosten gewisser 
Bestandteile unserer perthitartigen Feldspäthe betrifft, so ist 
dieselbe nicht auf die Oberfläche dieser letzteren beschränkt, 
sondern zieht sich nicht selten auf Rissen in das Innere der 
als eigentliche Gemengtheile des Pegmatits auftretenden Ortho- 
klasmassen hinein , deren randliche Zonen dann noch frisch 
und unzersetzt erscheinen;, während einzelne Stelleu ihres 
Innern in Folge eintretender Verwitterung ein lockeres , kör- 
niges Gefüge angenommen haben. In ihnen stellen sich un- 
regelmässig löcherige Hohlräume ein , welche theilweise aus- 
gefüllt sind von einem Haufwerke kleiner klarer Albite, von 
erdigem Eisenoxydhydrat und von grünlichweissen Täfelchen 

*) vom Rath, diese Zeitsehr. 1870. pag. 05 1 und 655. 



165 



von Kaliglimmer , welche sich ausserdem bereits in den von 
diesen Hohlräumen ausgehenden Rissen angesiedelt haben. 

Endlich kann auch die Albitsubstanz verhältnissmässig 
grössere Wanderungen antreten und sich in Drusenräumen oder 
Klüften ganz unabhängig von den das ursprüngliche Material 
liefernden Feldspäthen in Form mehrerer Millimeter bis Centi- 
meter dicker Krystallkrusten auf der Oberfläche von Quarzen 
oder frischen Orthoklasen ansiedeln. Die auf solche Weise 
gebildeten Krystalle übertreffen den parasitisch auf seinem 
Muttermineral wuchernden Albit sehr beträchtlich an Grösse 
und sind nicht selten mit Quarz schriftgranitisch verwachsen. 
Aus der Nähe von Rochsburg liegen Albitkrystalle von 1,5 
bis 2 Cm. Höhe und Breite vor, an welchen die Flächen oo P, 
qüPoo, oP, Poe und P in grösster Schärfe entwickelt sind. 
Die Zwillingsbildung hat immer nach dem Brachypinakoide 
stattgefunden. — Zuweilen haben sich auf den frischen End- 
flächen oP des Orthoklases kleine Albite angesiedelt. Die- 
selben besitzen dann in Folge nnverhältnismässig starker Aus- 
bildung von oP eine ausserordentlich flache Tafelform, deren 
Umgrenzung von den sehr zarten Flächen des Prisma, Brachy- 
pinakoid und der hinteren Endfläche x bewirkt wird. Diese 
Täfelchen sitzen nun auf oP des Orthoklases in der Weise 
dachziegelartig auf, dass die Px- Kante der kleinen Albite 
derjenigen des grossen Orthoklaskrystalls parallel läuft, soweit 
dies bei der Ungleichheit der Axenwinkel überhaupt mög- 
lich ist. 

Die Zersetzung des pegmatitischen Feldspaths kann jedoch 
noch in einer anderen als ausschliesslich auf Extraction und 
Neubildung der Albitsubstanz hinzielenden Richtung vor sich 
gehen, indem sie auf eine Umwandlung des Ortho- 
klases in Kali glimm er hinwirkt. Wir haben zwar bereits 
diese beiden Vorgänge vereint an einzelnen Krystallen der 
Orthoklas-Quarzgänge beobachtet (Seite 118), ja gesehen, dass 
Albitextraction und Zersetzung des Orthoklasresiduums zu 
Glimmer und Quarz Veranlassung zu selbstständigen Gangbil- 
dungen gegeben hat (Seite 120); aus dem Pegmatit jedoch 
liegen besonders instruetive Fälle vor, an denen man die 
Pseudomorphosirung des Orthoklases zu Glimmer und Quarz 
zu verfolgen im Stande ist. Das unserer Beschreibung zu 
Grunde gelegte Orthoklasindividuum, durch Vorwalten von P 



166 



und M zu einer rectangulären Säule gestaltet, hat eine Länge 
von gegen 6 und eine Breite und Dicke von 3 Cm. Der 
Kern dieses ursprünglich in Pegmatit eingewachsenen Krystalls 
besteht aus frischem, auf seinen Spaltungsflächen stark glän- 
zenden, fleischrothem Orthoklas, nach aussen zu aber geht die 
rothe Farbe in eine lichtgelbliche über, die Spaltbarkeit verliert 
mehr und mehr an Schärfe, an ihre Stelle tritt ein feinkörniges, 
poröses Gefüge, die Feldspathhärte des Centrums weicht einer 
gewissen Mürbe, unter der Lupe wahrnehmbare silberglänzende 
Punkte stellen sich ein , bis endlich als äusserste Grenzzone 
des ursprünglichen Orthoklasindividuums ein schuppig-blumiges 
Aggregat von im Durchschnitt 0,5 Cm. grossen, silberweissen 
Glimmerblätteben erscheint, welches den ganzen Krystall rings 
umkleidete. Die Grenzen zwischen mürber Feldspathsubstanz 
und Glimmerüberzug sind keine scharfen, vielmehr drängen 
sich Blättchen des letzteren in alle kleinen Risse und Kluft- 
flächen des ersteren , vergleicblich den Wurzeln einer Rasen- 
decke im Erdreich. 

Vollkommen ähnliche z. Tb. auf Kosten des frischen 
Kernes bereits noch weiter vorgeschrittene Pseudomorphosen 
von Glimmer nach Orthoklas sind von Rose, namentlich aber 
von G. vom Rath aus Lomnitz in Schlesien, von Blum aus 
Warrensteinach im Fichtelgebirge und von Bischof beschrieben 
und genetisch gedeutet worden.*) G. vom Rath analysirte die 
einzelnen Zersetzungsproducte des in Pseudomorphosirung be- 
griffenen schlesischen Feldspaths und zeigte, dass letzterem, 
um zur Bildung von Glimmer zu gelangen, etwa 35 pCt. 
Kieselsäure und 5,5 pCt. Kali und Natron entführt, dahingegen 
in dem betreffenden Falle 4,91 pCt. Eisenoxyd und Wasser 
zugeführt worden sind. Aehnliches wird von dem eben be- 
schriebenen neuen Vorkommen gelten, — jedenfalls ist auch 
hier ein Theil der Alkalisilikate des ursprünglichen Ortho- 
klases in Lösung direct entführt, ein anderer zersetzt und in 
Form von Carbonaten und Kieselsäure entfernt worden. 

In gleicher Deutlichkeit ist die Umbildung zu Glimmer 
an einem Orthoklaskrystall zu beobachten, welcher ganz isolirt 



*) Rose, diese Zeitschr. II. pag. 10. — vom Rath, Pogg. Ann. XCVIII. 
pag. 190. — Blum, Pseudom. I. Nachtr. pag. '25. — Bischof, Lehrb. d. 
ehem. u. phys. Geol. II. pag. 4l v 2u, 737. 



167 



auf dem oberen rhomboedrischen Ende eines 2,5 Cm. starken 
und gegen 5 Cm. langen, schwarzen Turmalinprismas aufsitzt. 
Erhalten ist nur wenig mehr als der in der Turmalinmasse 
innesitzende Theil des Feldspaths, der Rest hingegen in Folge 
zersetzender Einflüsse verschwunden. Letztere haben sich 
selbst bis in die noch übrig gebliebene Partie des Orthoklases 
hinein geltend gemacht, so dass diese ein zerfressenes, löche- 
riges Aussehen erhalten hat. Die verschwundene Orthoklas- 
substanz aber ist zu Kaliglimmer geworden. Dieser überzieht 
die vollkommen unverletzten, stark glänzenden Turmalinfiächen 
in einer so charakteristischen Weise, dass seine genetische 
Abhängigkeit von dem Feldspathindividuum unverkennbar ist. 
Der Kaliglimmer ist nämlich auf denjenigen Theil der Turmalin- 
fiächen beschränkt, welcher den zerfressenen Orthoklas un- 
mittelbar umgrenzt, zieht sich aber von hier aus noch in die- 
jenigen durch Verwachsung mehrerer Prismen entstandenen 
Vertikalrinnen hinab, welche auf den sich zersetzenden Feld- 
spath treffen. Man kann sich hieran ganz deutlich vergegen- 
wärtigen, wie der aus der Zersetzung hervorgehende mineralische 
Saft, aus welchem sich der Kaliglimmer bildete, in jenen 
Rinnen an dem Turmalin hinabgelaufen ist. 

Derartige Glimmerbildungen auf Kosten der Orthoklas- 
substanz stellen sich nun nicht nur bei frei ausgebildeten 
Krystallen, sondern noch viel häufiger bei den uuregelmässig 
umgrenzten Feldspathpartieen des pegmatitischen Aggregats 
ein. Jede Spaltungs - und Kluftfläche solcher Orthoklase er- 
scheint von einem Ueberzug zarter Kaliglimmerschüppchen wie 
angehaucht, — auf den Sprüngen, von welchen jene durch- 
zogen werden , haben sich lichtgraue glänzende Glimmerblätt- 
chen und radialblättrige Rosetten dieses Minerals angesiedelt, 
— die schmalen Klüfte haben sich gangartig mit blätterigem 
Glimmer ausgefüllt. Von ihnen aus hat sich die Zersetzung 
beiderseitig weiter ausgebreitet, so dass quer durch den Ortho- 
klas oder bis tief in denselben zeitig - löcherige Zersetzungs- 
zonen von Glimmerblättchen und mulmigem Eisenoxydhydrat, 
dieses mit kleinen Körnchen und Kryställchen von jungem 
Quarz hineinreichen. Hier finden wir demnach die den Alkali- 
silikaten durch Zersetzung zu Carbonaten entführte Kieselsäure 
als Quarz, sowie den Eisengehalt des Orthoklases als Eisen- 
ocker wieder. 



168 



Von dem Quarz als eigentlichem Gemengtheil des Peg- 
matits lässt sich nur erwähnen, dass er entweder milchweisse, 
rauchgraue oder fast ganz wasserhelle Partieen von Nuss- bis 
Kopfgrösse bildet, welche reich an mikroskopischen Flüssig- 
keitseinschlüssen sind. Stellenweise kann er auch als bei 
Weitem vorwaltende Ausfüllungsmasse der Gänge auftreten, 
in welcher dann Orthoklas und Turmalin als isolirte Indivi- 
duen eingesprengt sind. Seine Krystalle z. Th. tief rauchgrau, 
z. Th. tief schwarz gefärbt, erreichen Centnerschwere und 
mehr als Fusslänge, sind jedoch meist von ziemlich einför- 
miger Gestalt und besitzen vorwiegend nur die Flächen von 
Prisma und Dihexaeder, seltener ausser diesen noch diejenigen 
eines sehr spitzen Dihexaeders. Sämmtliche Flächen sind 
sehr häufig von Eiseuoxydhydrat oder jüngerem Quarz-, Feld- 
spath- oder Glimmergebilden überzogen, oder sonst rauh 
und matt. 

Nicht ungewöhnlich und zwar dann fast stets in Combi- 
nation mit den Flächen eines sehr spitzen Rhomboeders treten 
grosse, matte und zwar bald linke, bald rechte Trapez- 
flächen auf (so in den pegmatitischen Drusen von Waldheim, 
Göppersdorf, Friedemanns Klippe, Wolkenburg, Penig), ja es 
kann vorkommen, wie bei Göppersdorf, dass von zwei be- 
nachbarten Quarzen der eine linke, der andere rechte Trapez- 
flächen aufzuweisen hat. Gewöhnlich sind die beiden Rhorn- 
boeder R ziemlich gleichmässig, sehr selten nur die Flächen 
des einen entwickelt. In einem solchen Falle treten unter den 
drei R- Flächen und den drei dazwischen liegenden Kanten 
6 matte Flächen zweier sehr spitzer Rhomboeder und 6 grosse 
rauhe Trapezflächen auf. 

Das Vorkommen der letzteren am Quarze turmalinfüh- 
render Pegmatitgänge ist keine besonders auffällige, ja voll- 
kommen normale Erscheinung, wenn wir in Betracht ziehen, 
dass die Paragenesis des Quarzes mit Turmalin , Kaliglimmer, 
Apatit und Topas an vielen anderen Fundpunkten ganz regel- 
mässig das Auftreten von Trapezflächen bedingt. Aus dieser 
constanten Verknüpfung zog Stelzner*) den Schluss, dass 
wenn Quarz in Gegenwart von fluor-, chlor- und borhaltigen 
Verbindungen auskrystallisirte, diese letzteren die Veranlassung 



*) N. Jahrb. f. Miner. 1871. pag. 45 u. 49. 



169 



zur Entwicklung des trapezoedrischen Habitus des Quarzes 
gewesen seien, — eine Folgerung, welche ich um so freudiger 
acceptirte, als ich durch Experimente dargethan hatte, dass 
die Krystallgestalt des kohlensauren Kalkes durch gewisse 
fremdartige Beimengungen zu ihrer ursprünglichen Lösung 
beeinflusst werde.*) Nach den Beobachtungen Stelzner's an 
analogen Quarzvorkommnissen war die Folgerung eine gerecht- 
fertigte, dass auch die stets mit Fluor- und Borsäure - haltigem 
Turmalin, mit Fluor-haltigem Kaliglimmer, zuweilen mit Topas 
und Apatit vergesellschafteten Quarze der Pegmatitgänge des 
sächsischen Granulitgebirges unter dem Einflüsse des Fluor-, 
Bor- und Chlorgehalts der Mineralsolutionen , aus welchen 
ausser dem Quarze die genannten Drusenmineralien auskrystal- 
lisirten, ebenfalls Trapezflächen entwickelt hätten. Im Allge- 
meinen betrachtet, entsprechen die Krystallverhältnisse der 
Quarze innerhalb der beschriebenen und noch zu beschreiben- 
den Gänge diesen Schlussfolgerungen. Die Quarze der Ortho- 
klas-Quarz-Gänge zeigen keine Trapezflächen, ebensowenig 
diejenigen der turmalinfreien Granite, dahingegen sind die 
betreffenden Flächen vorhanden an dem Quarze des turmalin- 
führenden zelligen Granits von Markersdorf, sowie an dem 
Rauchtopas und lichten Quarz der turmalinreichen Pegmatite. 
Fassen wir jedoch statt dieser Gruppen Einzelindividuen ins 
Auge, so stellen sich Abweichungen von der anscheinenden 
Regel ein. Es ergiebt sich nämlich , dass in den Pegmatit- 
gängen neben den trapezoedrischen Quarzen solche ohne 
Trapezflächen viel häufiger sind, ferner dass selbst an mit 
Turmalinkrystallen verwachsenen und augenscheinlich mit ihnen 
gleichalterigen Quarzen die betreffenden Flächen nicht immer, 
vielmehr nur in vereinzelten Fällen zur Ausbildung gelangt sind. 

Schliesslich sei noch einiger interessanter Wachsthums- 
erscheinungen des Quarzes gedacht. So wuchsen eine Anzahl 
von Quarzkrystallen von einer Drusenwandung aus auf die 
gegenüberliegende zu und stiessen hier auf die Prismenfläche 
eines grossen Orthoklases. Die Pyramiden der Quarze , in 
ihrem Fortwachsen in der Richtung der Hauptaxe verhindert, 
verwendeten nun die ihnen zuströmende Kieselsäure-Solution 
zu ihrer allmäligen Ausdehnung in die Breite, indem sie zu 



*) Journal für practische Chemie 1870 Bd. II. pag. t. 



170 



einer Säule anwuchsen , welche schräg an der Prismenfläche 
des Orthoklases abschneidet. Diesen Vorgang sieht man sehr 
deutlich an zwei in ihrem Wachsthum etwas zurückgebliebenen 
Quarzen illustrirt, welche mit ihrer Spitze gerade gegen die 
Feldspathfläche stossen und bereits begonnen haben, den Raum 
zwischen ihren Pyramidenflächen und dem quer davorliegenden 
Orthoklas auszufüllen und dadurch die Pyramide zur Säule zu 
gestalten. 

Ganz analog ist die Erscheinung, dass eine Anzahl Quarze 
einen Orthoklaskrystall pallisadenartig umstanden haben und 
dann seitlich zu einem einzigen Individuum miteinander ver- 
schmolzen sind, dem die Spitze noch fehlt und dessen centrale 
Axe von dem Feldspath eingenommen wurde. In Folge ein- 
getretener Kaolinisirung ist letzterer fast vollständig ver- 
schwunden, so dass man in eine seinen einstigen Umrissen 
entsprechende Höhlung hinein blickt. 

Von der Ansiedelung jüngerer Quarzgebilde auf älteren 
Quarzkrystallen liefern einige grosse dunkele Rauchtopase 
von Friedemanns Klippe instructive Beispiele: Durch Ver- 
witterung des Orthoklases, auf dem sie früher festgesessen 
hatten, waren Theile dieser ihrer A ufwachsfläche frei geworden, 
auf welchen sich nun ein Incrustat von weissem , gelblich 
irisirendem jungem Quarz ansiedelte. Obwohl nun dieses die 
Form eines ununterbrochenen Ueberzuges von homogener 
Quarzmasse besitzt, ist es doch an seiner Oberfläche zu lauter 
unter sich parallel stehenden Krystallflächen und Flächen- 
gruppen ausgebildet. Wo die unregelmässig verlaufende, jetzt 
blossgelegte Aufwachsfläche zufälliger Weise fast senkrecht 
steht, ist sie durch den Quarzüberzug zu einer Prismenfläche 
ausgebildet; wo sie schräg zur Hauptaxe des alten Haupt- 
krystalls verläuft, ist die incrustirende Lage von jungem Quarz 
zu lauter gleichzeitig spiegelnden Pyramidenflächen oder Flächen- 
paaren ausgebildet ; schneidet sie die Axe flach, so erheben 
sich auf ihr treppenförmig oder dachziegelartig übereinander 
emporragende Pyramidenspitzen, — kurz das Incrustat ist als 
ein im Wachsthum begriffenes Quarzindividuum zu betrachten, 
welches schliesslich einen normalen, von geschlossenen Flächen 
begrenzten Krystall bilden würde, trotzdem es augenblicklich 
in gegen hundert Krystallspitzen ausläuft. Die Abstammung 
der jungen Krystallsubstanz ist offenbar in den durch Kohlen- 



171 

säure theilweise zu Carbonaten zersetzten benachbarten Ortho- 
klasen zu suchen. 

Der Tu r mal in besitzt als Gemengtheil des Pegmatits 
stets eine schwarze Farbe. . In bleistift- bis zu mehreren 
centimeter-, ja armdicken, glänzend schwarzen Säulen durch- 
schiesst er den Quarz und Feldspath , ist also eher als beide 
zur Auskrystallisirung gelangt und bildet fast stets radial- 
strahlige Bündel. Zuweilen sind die Säulen gebogen, geknickt 
oder in zahlreiche Querglieder gebrochen, welche durch weissen 
Quarz wieder zusammengeheilt sind. In Drusenräumen ist der 
Turmalin auskrystallisirt , zuweilen an beiden Enden frei aus- 
gebildet und zeigt dann die gewöhnlichen, auch von Frenzel*) 
aufgezählten Combinationen. 

Die Kali glimm er mancher Pegmatite , sowie einiger 
Turmalingranite und grobkrystallinischen Granite unseres Ge- 
bietes sind nicht selten durch die eigenthümliche Feder- 
streifung ausgezeichnet, welche bis dahin so gewöhnlich 
als ein Beweis von Zwillingsbildung aufgefasst , erst von 
M. Bauer als Wirkungen des Drucks , welchem sie innerhalb 
der granitischen Gesteine ausgesetzt waren, richtig gedeutet 
wurde.**) Die in unseren Gängen eingewachsenen Tafeln 
von Kaliglimmer besitzen meist unregelmässige Umrisse, an 
denen nur zwei sich unter spitzem oder unter stumpfem 
Winkel schneidende Flächen des Prismas und eine solche des 
Brachypinakoides zur Ausbildung gelangt sind. Von ihnen geht 
in senkrechter Richtung die erwähnte zarte Streifung des ba- 
sischen Blätterbruches aus, und zwar erstreckt sich die auf 
00P0C' stehende, also makrodiagonale Streifung über die ganze 
Fläche, während die vom Prisma ausgehenden Linien nur bis 
zu dem eben beschriebenen Hauptsystem reichen, an ihm ab- 
schneiden und so eine federartige Streifung der Spaltungsfläche 
bewirken. Zuweilen fehlt jedoch die makrodiagonale Streifung, 
dann erscheinen nur die beiden anderen Streifungssysteme, 
werden jedoch mit ihrer Entfernung vom Rande undeutlich 
und verlieren sich nach der Mitte zu ganz, so dass dieser ihre 
ursprüngliche Glattheit erhalten bleibt. Also die nämlichen 
Erscheinungen, wie sie Bauer von den uralischen Muscowiten 




f) Min. Lex. von Sachsen, pag. 329. 
**) Diese Zeitschr. 1874. pag. 159 ff. 



172 



1. c. beschreibt und Taf. II. Fig 8, 9 und 11 abbildet. Auf 
den Werth , den diese Streifung für die krystallographische 
Orientirung bei Glimmertafeln von regelloser Umgrenzung oder 
unvollständiger Ausbildung haben, ist von Bauer 1. c. pag. 162 
und 163 hingewiesen worden. 

Arn zierlichsten gestaltet sich die beschriebene Erschei- 
nung auf den Spaltungsflächen gewisser Glimmertafeln aus 
dem Granit von Markersdorf, welche gewöhnlich nur von drei 
Flächen, nämlich von zwei den stumpfen, seltener den spitzen 
Prismenwinkel bildenden Säulenflächen und einer des Brachy- 
pinakoids begrenzt werden. Diese äusseren Conturen unserer 
Tafeln wiederholen sich nun im Abstände von 1 bis 2 Mm. 
in einer tiefgrünen, zarten, aber haarscharfen Linie, bis zu 
welcher die äussere Umgrenzungszone etwas dunkler gefärbt 
erscheint als der centrale Kern ; sie ist es zugleich , welche 
die rechtwinklig auf den Flächen stehende Streifung in solcher 
Deutlichkeit und Dichtheit zeigt, dass diese wie eine asbest- 
artige Faserung erscheint. In viel geringerem Grade setzt sie 
in die lichte Partie der Spaltungsfläche fort, und hier ist es 
namentlich die makrodiagonale Streifung, die sich durch ihre 
Eigenschaft, quer über den ganzen Blätterbruch fortzusetzen, 
kenntlich macht und zu sofortiger Orientirung dient. Diese 
Faserung tritt besonders schön bei Anwendung des Polarisa- 
tions-Apparats hervor. Zugleich ergiebt das Mikroskop, dass 
zahlreiche sechsseitige Täfelchen von Eisenoxyd in den Glim- 
mertafeln eingelagert sind, dass aber ausserdem auch noch 
auf den Faserungsklüften Eisenoxyd eingewandert ist und sich 
zwischen ihnen angesiedelt hat. Auch bei einigen zu Zwil- 
lingen verwachsenen Individuen lässt sich eine derartige durch 
Druck hervorgebrachte Streifung ziemlich deutlich beobachten. 
So kommen bei Wolkenburg radialblätterige Gruppen von 
Kaliglimmertafeln vor, deren schwalbenschwanzartig ausge- 
zackte Zwillingsenden in das umgebende Quarz - Feldspath- 
Aggregat hineinragen. Jede dieser verzwillingten Platten hat 
drei Streifensysteme aufzuweisen und zwar je ein makro- 
diagonales, welche von der gemeinsamen Spitze, unter 60 Grad 
divergirend, ausgehen, und sich über jede der beiden ver- 
wachsenen Glimmerindividuen bis in die beiden Spitzen des 
Schwalbenschwanzes fortsetzen , — ferner die zwei recht- 
winklig auf den Prismenkanten stehenden Systeme, so dass 



173 



jede Schwalbenschwanzspitze eine federartige Streifung be- 
sitzt. Ausser Markersdorf und Wolkenburg boten die Eisen- 
bahneinschnitte von Rochsburg und Amerika, ferner die Um- 
gegend von Göppersdorf Fundpunkte streifiger Kaliglimmer- 
tafeln. 

Magnesiaglimmer kommt in schwarzbraunen Tafeln 
an einigen Stellen als seltener Gemengtheil des Pegmatits vor. 
Ganz eigenthümlich ist sein Auftreten in einem Pegmatitgange 
direct oberhalb Waldheims. Hier bildet er dünne Lamellen 
von grünlich-brauner Farbe, welche eine Länge und Breite von 
12 bis 15 Cm. besitzen und den Gang in allen möglichen 
Richtungen schräg durchsetzen, so dass ein unregelmässig 
bienenwabenartiges Fachwerk von Glimmerlamellen entsteht. 
Ausgefüllt ist dasselbe von röthlichem Orthoklas und glasigem 
grauem Quarz, so dass bald die grossen Feldspäthe, bald 
grosse Quarzpartien haarscharf und vollkommen ebenflächig 
von den Glimmerlamellen abgeschnitten werden. Die Gang- 
masse lässt sich demnach auf diesen Glimmerflächen in lauter 
bis faustgrosse prismatische Stücke oder Tafeln trennen, welche 
auf jeder Seite von einer Glimmertafel begrenzt sind und des- 
halb auf der ganzen Oberfläche glänzend schwarz erscheinen, 
während sie im Innern aus lauter rothem Orthoklas oder 
grauem Quarz oder aus beiden bestehen. Es ist klar, dass 
zuerst die Glimmerlamellen anschössen, und dann der Raum 
zwischen ihnen von Feldspath und Quarz ausgefüllt wurde. 

Neben Orthoklas, Quarz, Turmalin und Glimmer kommen 
accessorisch in den Pegmatitgängen des Granulitgebiets 
folgende Mineralien vor: 

Andalusit, röthlicbgrau bis dunkelfleichroth in radial- 
stengeligen Büscheln von 6 bis 10 Cm. Radius, deren Aus- 
gangspunkte oft so nahe nebeneinander liegen, dass sich die 
einzelnen Strahlenbündel gegenseitig abschneiden. In der Nähe 
ihrer Ausgangspunkte ausschliesslich aus lauter eng aneinander 
liegenden, quadratischen Andalusitprismen bestehend, werden 
diese in ihrem späteren Verlaufe durch keilförmig zwischen 
sie dringende Quarz - und Feldspathmasse voneinander ge- 
trennt. Die Oberfläche dieser stengeligen A ndalusitindividuen 
ist oft mit einem hauchartigen Ueberzug von lichtgelblichem 
Kaliglimmer bedeckt und zwar namentlich dort, wo die Büschel 
divergiren und Orthoklas sich zwischen sie drängt. Sind die 



174 



Glimmerschüppchen, wie es hier scheint, secundärer Entste- 
hung, so dürfte sie richtiger einer Zersetzung des benach- 
barten Kalifeldspaths, als einer Umbildung des Andalusits zu- 
zuschreiben sein. Gümbel beschreibt*) Andalusite von Zwiesel 
und Bodenmais, die in ganz ähnlicher Weise von lichten 
Glimmerschuppen bedeckt sind und bestreitet mit einleuchten- 
den Gründen die secundäre Entstehung der letzteren, die er 
in diesem Falle vielmehr für dem Andalusit gleichzeitige Ge- 
bilde hält. 

Apatit von spargelgrüner Farbe in bis nussgrossen, kör- 
nigen Aggregaten mit Orthoklas verwachsen, so im Eisenbahn- 
einschnitt durch Friedemanns Klippe, unterhalb Amerika. Von 
Aufschlüssen früherer Zeiten herstammend, kennt man aus der 
Gegend von Penig, Chursdorf und Rochsburg Apatite von 
weisser, grünlicher und indigoblauer Farbe und den gewöhn- 
lichen einfachen Combinationen. **) 

Topas in seltenen lichtgrünen, bis fingergiiedlangen, 
prismatischen Einsprenglingen im schriflgranitisch vom Quarz 
durchwachsenem Orthoklas an Friedemanns Klippe. Früher in 
blassblauen und grünlichen Krystallen bei Limbach, Mylau, 
Chursdorf, Hartmannsdorf und Arnsdorf gefunden. Ihre stark 
entwickelte Basis ist gewöhnlich drusig.***) Im kiesigen Di- 
luviallehm eines kleinen Thälchens bei Neugepülzig (in der 
nördlichen Hälfte des Granulitgebiets) fand Herr Dr. Dathe 
einen vollkommen klaren, blassgrünen Topaskrystall von 2,5 Cm. 
makrodiagonaler Breite und gleicher Höhe. Die Kanten des 
längsstreifigen Prismas oc P sind durch Rollung etwas abge- 
rieben, weshalb man ooP2 nicht nachweisen kann, falls es 
etwa angedeutet war. Die ausserdem erhaltene Endfläche o P 
ist nur auf ihrer einen Hälfte spiegelglatt, während die andere 
in zahlreiche parallele Krystallspitzen ausläuft. Da der ganze 
Habitus dieses Geschiebes ganz derjenige des dem Pegmatite 
des Granulitgebiets selbst entstammenden Topases ist, so kann 
kaum bezweifelt werden , dass der beschriebene Krystall dem 
Bereiche unserer Betrachtungen angehört. 

Pinit habe ich in kurzsäulenförmigen Partieen von 4 Cm. 



*) Ostbaier. Grenzgeb. B. 1. pag. 318. 
**) Frenzkl, Mineral. Lex. von Sachs, pag. t7. 
***) 1. c. pag. 323. 



175 



Durchmesser, eingewachsen in dem röthlichen Orthoklase eines 
Pegmatitganges, eine Viertelstunde oberhalb Rochsburg aufge- 
funden. Er besitzt grünlichgraue Farbe , ist sehr leicht zu 
ritzen und zeigt eine ausgezeichnete, der Basis parallele blät- 
terige Absonderung; die durch sie hervorgebrachten Flächen 
sind von zarten Glimmersehüppchen belegt uud erhalten da- 
durch Perlmutterglanz. In seinem ganzen Habitus ähnelt er 
dem Gigantolith aus Finnland ausserordentlich. Wie bei ander- 
weitigen Vorkommen dieser Mineralsubstanz (Aue, Schneeberg, 
Penig, Pardoux)*) ist auch hier der Pinit aus einer Um- 
wandlung des Cordierits hervorgegangen. Dafür spricht ausser 
jenen Analogien namentlich mit den Piniten des benachbarten 
Penig der kurzsäulenförmige Habitus dieser Pseudomorphosen, 
deren Prismenwinkel, soweit Messungen an ihrer rauhen und 
zerfressenen Oberfläche zulässig, mit dem des Cordierits über- 
einstimmt. Mikroskopische Untersuchung lehrt, dass der Rochs- 
burger Pinit, ganz ähnlich dem von Penig**), aus einem 
filzigfaserigen, büscheligen, stellenweise radialstrahligen Aggre- 
gate von Nädelehen besteht, aus welchem hie und da ein un- 
regelmässig umgrenztes Fleckchen einer ziemlich lebhaft pola- 
risirenden Substanz , augenscheinlich Reste des Cordierits 
hervortreten. Dass aber die Pinitbildung nur ein Zwischen- 
stadium in der fortschreitenden Umwandlung des Cordierits 
vorstellt, dass diese jedoch auf Herstellung von Glimmer hin- 
arbeitet, zeigt sich auch bei vorliegenden Handstücken. Nicht 
nur die Absonderungsflächen, sondern auch die Aussenseite 
unserer Pinite und zwar vorzugsweise diese, also lauter Punkte, 
zu denen die umwandelnden Wasser den ersten und leichtesten 
Zutritt hatten, sind von weissen Glimmersehüppchen bedeckt, 
von wo aus sie einerseits auf Rissen in das Innere der Mineral- 
masse eingedrungen sind , andererseits sich auf Klüftchen des 
benachbarten Orthoklases angesiedelt haben. Zugleich hat eine 
ziemlich reichliche Ausscheidung von Eisenoxydhydrat statt- 
gefunden. Wir begegnen also hier im kleinsten Maassstabe 
den nämlichen Erscheinungen, welche sich in grossen an den 
früher (Seite 107) beschriebenen Glimmer - Quarz - Eisenoxyd- 
hydratgängen im Cordieritgneiss von Lunzenau wiederholen. 



*) Wichmann, diese Zeitschr. 1874. pag. 675. 
**) 1. e. pag 698. 



176 



Was nun den Umwandlungsvorgang des Cordierits betrifft, 
aus welchem Pinit und Kaliglimmer resultirten, so muss dieser 
nach Bischof*) und Blüm**) darin bestanden haben, dass 
dem ursprünglichen Thonerde - Magnesia - Eisensilicate durch 
Kohlensäure und kieselsaure Alkalien - haltige Sickerwasser, 
Magnesia als Carbonat entführt und Alkalien sowie Wasser 
zugeführt wurden. 

Amblygonit; dieses sehr seltene Mineral hat sich in 
den neuerdings in grosser Anzahl aufgeschlossenen Pegmatit- 
gängen nicht wiedergefunden, trotzdem dieselben in directer 
Nachbarschaft der alten im ersten Drittel dieses Jahrhunderts 
ausgebeuteten Fundstellen aufsetzen. Die aus jener Zeit stam- 
menden Handstücke von Chursdorf, Arnsdorf und Friedemanns 
Klippe (sämmtlich unweit Penig) zeigen den Amblygonit in 
derben, unregelmässig umgrenzten Partieen oder rundlichen 
Klumpen, zuweilen mit bräunlichrother Umgrenzung, ver- 
wachsen mit typischem rechlichem Orthoklas , glasigem licht- 
grauem Quarz, schwarzem Turmalin und lichtröthlichgrauem 
Kali- und Lithionglimmer, denen sich zuweilen grünlichweisser 
Topas und bläulichweisser Apatit zugesellen können. Eine der 
vorliegenden A mblygonitpartieen is't selbst von einem Topas 
durewachsen. 

Die Structur der Pegmatitgänge kann zwar im Allge- 
meinen mit Recht als eine ausserordentlich grosskörnige be- 
zeichnet werden, jedoch erleidet sie fast ausnahmslos gewisse 
Modificationen, welche an die besprochenen Structurverhältnisse 
der granitischen Gänge erinnern und von der gleichen gene- 
tischen Bedeutung sind. In Combination mit der erst erwähn- 
ten m assig- grosskrystallinischen Structur findet sich 
nämlich stets eine symmetrisch-lagenförmige , eine querstenge- 
lige oder eine drusenförmige Aggregationsweise, und endlich 
erhält die erstgenannte einen ganz bezeichnenden Habitus da- 
durch , dass die Mehrzahl der pegmatitischen Gemengtheile 
zu radialstrahliger Ausbildung gelangt sind. Schliesslich kann 
der Quarz local in manchen Granitgängen eine so vorwaltende 
Rolle spielen, dass er mehr als |- des gesammten Ganges ein- 
nimmt. In dieser Grundmasse von glasigem Quarz treten dann 



*) Lehrb der ehem. u. physik. Geologie II. pag. 576. 
**) Pseudom. I. Nachtr. pag. 48. 



lauter einzelne Einsprenglinge von Orthoklas, Turmalin und 
Kaliglimmer auf. 

Die Bezeichnung „grosskörnig" entspricht der Structur 
der sächsischen Pegmatite nur dann , wenn man allein die 
richtungslose Anordnung der grossen Quarz- und Orthoklas- 
individuen in's Auge fasst. Zieht man jedoch die übrigen 
ebenso constanten Gemengtheile, also Turmalin und Glimmer, 
ferner die mit dem Feldspath schriftgranitisch durchwachsenen 
Quarze, sowie die in gewissen Gängen häufigen Andalusite 
mit in Betracht, so tritt uns die durchweg strahlige Aggre- 
gationsweise dieser Gesteinselemente als höchst charakteristisch 
für sämmtliche Pegmatitgänge des Granulitgebiets entgegen: 
Turmalin durchschiesst in bis fusslangen Strahlenbündeln die 
Gangmasse, Glimmer bildet blätterig-strahlige Partieen, Quarz- 
nadeln und -lamellen durchziehen die Ortboklasindividuen in 
radiären Bündeln und die Andalusitprismen sind zu radial- 
strahligen Gruppen angeordnet. Da ausserdem Drusenräume 
zu den gewöhnlichen Erscheinungen der besprochenen Peg- 
matitgänge gehören, so kann man die Structur der letzteren 
als combinirt grosskörnig, radialstrahlig und drusenreich be- 
zeichnen. 

Nur selten jedoch ist dieses Structurverhältniss der ge- 
sammten Ausfüllungsmasse der Pegmatitgänge zu eigen, 
meist stellt sich neben ihm eine sy m m etris ch - lag enf ö r - 
mige Anordnung des Gangmaterials ein. Dann werden die 
beiden Randzonen gewöhnlich von Schriftgranit , seltener von 
einem stengeligen Aggregat von Orthoklas, Quarz und schwar- 
zem , bandartig verzogenem Magnesiaglimmer gebildet, denen 
sich zuweilen noch grünlicher Oligoklas zugesellt, während 
die Haupt- und Centraizone entweder, und zwar meist, aus 
echtem, grosskörnigem Pegmatit besteht, oder sich wiederum 
symmetrisch in zwei seitliche Lagen von rothem grobkrystal- 
linischem Orthoklas und eine mittlere Zone von schneeweissem 
Quarz gliedert, der dann in manchen Gängen rein, meist aber 
von Glimmer und Turmalin durchwachsen ist. Ein sehr 
schönes Beispiel solcher symmetrisch-lagenförmiger Pegmatite 
liefert ein 1,3 Meter mächtiger Andalusit - führender Gang, 
welcher in einem kleinen Bruche im Muldethal direct oberhalb 
Rochsburg aufgeschlossen war und in Fig. 25 Taf. VII. ab- 

Zeits.d. D. geol. Ges. XXVII. 1 . 12 



178 



gebildet ist. Seine etwa 10 Cm. mächtigen Randzonen (a) be- 
stehen aus einem sehr zähen Schriftgranit, dessen quer aut 
den Salbändern stehende Quarzuadeln zwar ausserordentlich 
zart sind, aber den röthlichen Orthoklas in sehr beträchtlicher 
Anzahl durchziehen und ihm dadurch seine grosse Zähigkeit 
verleihen. Auf diesen Schriftgranit folgt jederseits nach innen 
zu (b) ein Aggregat von kopfgrossen , rothen Orthoklasen, 
deren nach der Gangmitte gerichtete Begrenzungsfläche zwar 
haarscharf ist, aber höchst unregelmässig in die Ceutralzone 
eingreift. In ihrer Nähe ist der Feldspath durchwachsen von, 
radialstrahligen Andalusitbüscheln, deren divergirende Enden 
stets nach Innen gerichtet sind, die also auf die nämliche 
Weise, wie die lagenförmig aufeinander abgesetzten Orthoklase 
und Schriftgranite an den Wandungen der jeweiligen centralen 
Drusenspalte auskrystallisirten. Letztere ist jetzt von schnee- 
weissem Quarz (c) ausgefüllt. In diesem Pegmatitgange ist 
also grosskörnige (beim Orthoklas), stengelige (beim Schrift- 
granit), radialstrahlige (beim Andalusit) und lagenförmige 
Structur combinirt; in jeder einzelnen derselben, wie in ihrer 
Gesamrntheit ist der allmälig und von den Spaltenwandungen 
aus vor sich gehende Krystallisationsprocess verkörpert. Wenn 
der Augenschein und die Analogie mit den beschriebenen gra- 
nitischen Gängen es nicht bereits lehrten, die Fl üs s i g k e i ts - 
einschlüsse innerhalb ihres Hauptgemengtheils des Quarzes 
beweisen, dass er aus wässeriger Lösung erfolgte. 

Für viele Gesteine gelten Flüssigkeitseinschlüsse als Be- 
weise dafür, dass erstere aus einem mit Wasser impräg- 
nirten gluthflüssigen Gemenge hervorgegangen, also 
hydatopyrogen seien. Und mit Recht, sobald sich neben 
der durch die Flüssigkeitsporen erwiesenen dermaligen Gegen- 
wart des Wassers, auch ihre frühere Gluthflüssigkeit , sei es 
durch Glaseier, Fluctuationserscheinungen oder glasige Zvvischen- 
drängungsmasse constatiren lässt. So liegt in dem gleichzei- 
tigen Auftreten von Flüssigkeitseiuschlüssen und Glassubstanz 
in den Quarzen der Felsitporphyre der Beweis, dass das 
betreffende Mineral und somit auch das Gestein, als dessen 
wesentlicher Bestandtheil es zu gelten hat, sich bei Gegen- 
wart von Dämpfen oder überhitzten Wassern aus Glasfluss 
ausschied. Nun sind aber in unseren Pegmatiten und in un- 



179 



seren granitischen Gängen (wie überhaupt in denen aller übri- 
gen Länder) zwar überall zahllose Wasserporen, also eben- 
soviel Beweise für Betheiligung des Wassers bei der Ent- 
stehung jener Gesteine, aber noch nie einer oder mehrere 
oer oben erwähnten und bei keinem echten Eruptivgestein 
fegenden Kriterien früheren Schmelzflusses durch das 
Mikroskop nachgewiesen. Muss sich da unbefangenes Urtheil 
nicht dem von rein p e t r ograp h i s ch e m Standpunkte 
vollkommen unberechtigten Herbeiziehen vulkanischer 
oder plutonischer Gluthen*) widersetzen? 

Aber weiter. Als wesentliches Gemengtheil des Pegmatits 
und der früher besprochenen granitischen Gesteine findet sich 
Alb it. Albit jedoch ist ein Mineral, welches sonst nur als 
Auskleidung von Drusenräumen, als Inkrustat von Spalten- 
wänden, eingesprengt in Quarztrümern, als parasitischer Ueber- 
zug auf anderen 1 Mineralien , als Pseudomorphose an deren 
Stelle, ferner als accessorischer Bestandtheil gewisser Kalk- 
steine und Chloritschiefer, sowie als wesentliches Gemengtheil 
einer Anzahl geschichteter Silicatgesteine**), nirgends aber als 
solcher von Eruptivgesteinen bekannt ist. Albit repräsentirt 
somit für die betreffende Mineralassociation, deren Theilnehmer 
er ist, also für die betreffende Gangformation, ein ,, Leitmineral" 
für wässerige Entstehung. Nun ist aber Albit mit dem Haupt- 
bestandteile unserer Pegmatit- und Granitgänge, dem Ortho- 
klas, auf innigste Weise verwachsen, — wie der eine, so 
muss auch der andere dieser beiden Feldspäthe, zugleich aber 
auch der sie schriftgranitisch durchschiessende Quarz, ent- 
standen sein. Incrustiren nun gar Orthoklase von fast Zoll- 
grösse die Gerolle benachbarter Conglomerate (z. B. bei Euba), 
so ist kein anderer Schluss gerechtfertigt, als der, dass sich 
diese Gänge von symmetrischem Bau und stengeliger Structur 
auf hydrochemi schein Wege gebildet haben. 

Eine ähnliche Regelmässigkeit, wie sie im Allgemeinen 
die Anordnung der Gemeugtheile des Pegmatits im Granulit- 
gebiet zu beherrschen pflegt, beobachtete Gümbel an den Peg- 
matitgängen des ostbayerischen Grenzgebirges.***) Innerhalb 



*) Siehe auch Zirkel, Mikrosk. Beschaffenh. d. Gest. pag. 3:20. 
'*) Siehe auch Lossen, diese Zeitschr. 1867. pag. 684. 
'*) Geogn. Bcsehr. des ostbayer. Grenzgeb. pag. 6 i3, 

12* 



180 



dieser nehmen deren Bestandteile mit der Entfernung von den 
Ganggrenzen, also in der Richtung nach der Mitte an Grösse 
zu, während sich gleichzeitig eine zonenartige Sonderuug der 
Gemengtheile in der Weise bemerklich macht , dass gegen 
Aussen die feldspathigen Gemengtheile, dann der Glimmer mit 
etwas Quarz, auf der Grenze zwischen beiden Zonen Turmalin, 
Granat, Beryll, Andalusit, Zwieselit, Triplit, Triphylin , Co- 
lumbit und Apatit und endlich als Centraizone Quarz mit ein- 
zelnen grossen Feldspathkrystallen und Glimmerputzen auftritt. 
Häufig stehen ausserdem die Krystallsäulen der Mineralien 
senkrecht zu den Gangwänden, ebenso wie Drusenräume zu den 
gewöhnlichsten Erscheinungen gehören. Ueberhaupt herrscht, 
abgesehen von dem grösseren Mineralreichthum der bayerischen 
Pegmatite eine auffallende Aehnlichkeit zwischen ihnen und 
den sächsischen. 

6. Gang von Turmalingranit mit bunten Turmalinen. 

Dort, wo sich das schöne Thal der Mulde in kurzem 
Bogen um den felsigen Berg schlingt, der das Wolkenburger 
Schloss trägt, werden für die in Bau begriffene Eisenbahn 
einige tiefe Felseinschnitte gesprengt. Dieselben übten von 
Beginn der Arbeiten an eine besondere Anziehungskraft auf 
mich aus, da sie eine hochinteressante Reihe von Granulit- 
varietäten entblössten und in diesen eine so grosse Anzahl 
von Quarz-, Granit- und Pegmatitgängen der verschiedensten 
Structur und Mächtigkeit erschlossen, dass ich nie ohne Aus- 
beute und Belehrung von dannen zog. So oft ich nun auch 
gemeinschaftlich mit Herrn Dr. Lehmann, in dessen Kartirungs- 
gebiet jene Gegend fällt, oder jeder von uns für sich diese 
gewaltigen Schürfe besucht hatte, der seltenste, interessanteste 
und das geologische Auge entzückendste Erfund wäre dennoch, 
vielleicht bis auf einige Krystalle , unserer Kenntnissnahme 
entgangen, hätten mich nicht die Herren Ingenieure Donath 
und Josupeit davon unterrichtet, dass in den besprochenen 
Einschnitten rosenfarbiger Turmalin gefunden worden sei. Ich 
eilte an Ort und Stelle und fand statt der erwarteten einzelnen 
Krystalle eine Vergesellschaftung Hunderter von Rosaturma- 
linen ! Herr Dr. Lehmann löste mich am folgenden Tage ab 



setzte die Beobachtung und Ausbeutung des Vorkommens 
fort, dessen Beschreibung folgt: 

Die z. Th. glimmerführenden, steilaufgerichteten Granu- 
lite von Wolkenburg werden in einem der oben erwähnten 
Einschnitte, abgesehen von einer grossen Anzahl schwacher. 
granitischer Gangtrümer , durchsetzt von einigen Gängen von 
Turm ali ngrani t. Derjenige, dem unsere Aufmerksamkeit 
speciell gewidmet werden soll, besitzt eine Mächtigkeit von 
durchschnittlich 2 Meter. Seine Salbänder sind z. Th. wellig, 
stets aber scharf. Er selbst besteht aus einem grosskörnigeu, 
grellfarbigen Gemenge von Orthoklas, Oligoklas, Quarz, Kali- 
glimmer und viel Turmalin. 

Der Orthoklas hat lichtfleischrothe Farbe, bildet bis 
10 Cm. grosse , unregelmässig umgrenzte Individuen , welche 
sehr gewöhnlich von fast wasserhellem Quarz schriftgranitisch 
durchwachsen sind. 

Der Oligoklas ist trübe weiss, mit einem Stich in's 
Gelblichgrüne, bildet Aggregate von bedeutend geringerer 
Individuengrösse , wie sie der Orthoklas erreicht. Dieselben 
umfassen grössere Individuen des letzteren, welche dann por- 
phyrartig aus dem Oligoklasaggregate hervortreten. Die 
Zwillingsstreifung des Oligoklas ist eine ausserordentlich zarte 
und dichte. 

Der Quarz hat lichtgraue Farbe, tritt an Menge gegen 
jeden der Feldspäthe zurück und bildet entweder unregelraässige, 
bis erbsengrosse eingesprengte Körner oder langgezogene Sten- 
gel, an denen hie und da pyramidale Endflächen wahrnehmbar 
sind, ferner durchwächst er den Orthoklas weitläuftig schrift- 
granitartig, und endlich ist er mit dem Turmalin in einer 
Weise vergesellschaftet, welche wir weiter unten genauer in's 
Auge fassen werden. 

Der Kaliglimmer, der am meisten zurücktretende Ge- 
mengtheil unseres Turmalingranits , tritt in diesem entweder 
in einzelnen blätterigen Tafeln auf, oder bildet in Gemeinschaft 
mit Quarz bis zu 10 Cm. grosse radialstrahlige Blätteraggre- 
; gate, w r obei der Quarz in Form langer stengeliger Lamellen 
zwischen den einzelnen Glimmerblättchen lagert und sie zu 
einem festen Bündel vereint. Die Farbe des Kaliglimmers 
ist in frischem Zustande ein reines Silberweiss, sein Glanz 
ausgezeichnet perlmutterartig; bei eintretender Verwitterung 



182 



erhält erstere einen Stich iu's Goldgelbe , während sich der 
Perlmutterglanz in einen Metallglanz verwandelt. Manche 
dieser Glimmertafeln, aber nicht alle, schmelzen leicht vor 
dem Löthrohr, sind also lithionhaltig und besitzen dann 
einen rosigen Schein. Auf den Spaltungsflächen vieler dieser 
schönen Kaliglimmertafeln ist die bei Beschreibung des peg- 
matitischen Glimmers erwähnte, federartige, rechtwinklig auf 
der ßracbydiagonale , sowie auf den Prismenflächen stehende 
Streifung zu beobachten. 

Einen besonders prachtvollen Anblick gewähren diese blät- 
terigen Aggregate von zollgrossen Glimmertafeln dadurch, dass 
diese letzteren mit Büscheln von lichtgrünem Turmalin 
verwachsen sind. Dieselben liegen in parallelfaserigen oder 
radialstrahligen Säulenbündeln in der Masse der Glimmer- 
tafeln selbst und zwar mit ihrer Längenaxe in der basischen 
Spaltungsfläche des Glimmers, so dass jeder Blätterbruch des 
letzteren die grasgrünen Tnrmalinbündel auf weissem, atlas- 
glänzendem Untergrunde erblicken lässt. Manche derselben 
liegen in der Makrodiagonale des Glimmers, also parallel 
dessen durchgehender Streifung und reichen ebenso wie diese 
ganz durch die Tafel. 

Der Turmalin besitzt, soweit er als Gemengtheil dieses 
Ganggranits auftritt, also abgesehen von den eben beschrie- 
benen grasgrünen Turmalineinschlüssen des Glimmers, constant 
eine tief sammtschwarze Farbe und bildet bleistift- bis über 
zollstarke sechsseitige Säulen von 10, 20, in einzelnen Fällen 
bis gegen 40 Cm. Länge. Dieselben durchspicken die gra- 
nitische Gangmasse in Einzelindividuen wirr und ordnungslos, 
oder durchschiessen diese in radialstrahligen Büscheln. 

Höchst auffällig ist die in diesem Turmalingranit sehr 
gewöhnliche Erscheinung der gegenseitigen steten Vergesell- 
schaftung und gesetzmässigen Verwachsung von Tur- 
malin und Quarz. Dieselbe bethätigt sich darin , dass die 
schwarzen Turmalinsäulen einen weissen Quarzkern von rund- 
lichem oder sechsseitigem Querschnitt haben, dessen Prismen- 
flächen in letzterem Falle denen des Turmalins entsprechen 
(Fig. 28 Taf. VII.). Dann stellt letzterer einen hohlen sechs- 
seitigen Cylinder mit bald schwächeren bald stärkeren Wan- 
dungen vor, dessen Inneres mit Quarz, zuweilen aber auch 
mit einem Gemenge von diesem und Feldspath, also mit fein- 




183 



körnigem Nebengestein ausgefüllt ist, ähnlich wie die Chiasto- 
lithe mit Thonschiefermasse. Complicirter wird dieser Aufbau, 
sobald sich in der Axe des Quarzkernes ein centraler Stengel 
von Tormalin einstellt (Fig. 28 a. Taf. VII.) oder wenn eine 
zartwandige, von Quarz und Feldspath ausgefüllte sechsseitige 
Turmalinröhre wiederum von einer dünnen Quarzlage und 
diese von einem zweiten Turmalincylinder umhüllt wird , so 
dass auf dem Querbruche derartiger Säulen zwei schwarze 
concentrische Sechsecke von Turmalinsubstanz auf weissem 
Grunde hervortreten. Endlich ist die Erscheinung nicht selten, 
dass solche Turmaline von mehrfach cylindrischem Bau um- 
geben sind von einer im Querschnitt ebenfalls sechsseitigen 
Zone, welche sich aus lauter der Hauptaxe der Zone paral- 
lelen dünnen Stengeln von Quarz und Nadeln von schwarzem 
Turmalin zusammensetzt (Fig. 28b. Taf. VII.). Turmalinsäulen 
von solch complicirtem Aufbau durchschiessen in 0,5 bis 2 Cm. 
starken und 10 bis 15 Cm. langen Strahlen das granitisch- 
körnige Aggregat. 

Dieselben gehören unter die Rubrik der „Perimorphosen" 
oder besser der Kern k ry stalle Scheerer's, reihen sich also 
den Feldspäthen mit Epidot - Quarz - Kalkspath - Kernen von 
Arendal, dem Granat mit Epidot-Kalkspath-Kernen ebendaher, 
dem Granat mit Epidot -Hornblende -Albit- Kalkspath -Quarz- 
Kern von Auerbach an der Bergstrasse und anderen ähnlichen 
Vorkommnissen an. Von letztgenanntem Fundorte hat Knop*) 
zugleich Turmaline mit Quarz-Albit-Kern beschrieben, welche 
den einfacheren unserer Kernkrystalle vollkommen entsprechen. 
Man hat längst aufgehört, derartige Kernkrystalle als begin- 
nende Pseudomorphosen aufzufassen, vielmehr ist es augen- 
scheinlich, dass sich die Krystallisationskraft des anschiessen- 
den Turmalins der sich zu gleicher Zeit ausscheidenden Quarz- 
und Feldspathmolekule bemächtigte und sie in dessen Formen 
zwang, — ein Vorgang, der seit Anwendung des Mikroskops 
bei Gesteinsuntersuchungen zahlreiche Illustrationen gefunden 
hat. Knop kam bereits bei Deutung der Auerbacher Granat- 
und Turmalinkernkrystalle zu diesem Schlüsse. Er sagt: „Die 
verschiedenen Stoffe zur Fortbildung der verschiedenartigen 
mineralischen Individuen der Kernkrystalle müssen gleichzeitig 



*) N. Jahrb. f. Mitter. 1858. pag. 33 ff. 



184 



in derselben Flüssigkeit in Lösung gewesen sein, um gleich- 
zeitig jedes einzelne Individuum mit homogener Substanz näh- 
reu zu können. Es gehören deshalb alle zu Kernkrystallen 
verbundenen Mineralien derselben Bildungszeit an, in welcher 
zugleich auch alle anderen Mineralkörper desselben Ganges 
ausgeschieden wurden. Die Kernkrystalle aber sind Penetra- 
tionen verschiedener Mineralkörper mit Behauptung je ihrer 
Individualität durch den stetigen Zusammenhang ihrer in dem- 
selben Sinne krystaliographisch orientirten Masse-Theilchen." 

Unter den von Herrn Dr. Lehmann gesammelten Hand- 
stücken befand sich eine Anzahl solcher, in denen der Tur- 
malin in basisch - blätterigen Pinit umgewandelt war. Die- 
selben stammen direct von den Salbändern des Turmalingranit- 
ganges , auf welchen die atmosphärischen Wasser Gelegenheit 
fanden , einzusickern und die erwähnte Pseudomorphosirung 
vorzunehmen. Die aus ihr resultirenden Pinite haben einen 
Durchmesser von 0,5 bis 3 Cm. und bilden meist lange Säulen, 
welche das schriftgranitische oder körnige Aggregat von Or- 
thoklas und Quarz kreuz und quer durchspicken. Die äusseren 
Conturen sind diejenigen ihres Urminerals , des Turmalins, 
geblieben. Dahingegen hat sich eine ausgezeichnete basische 
Blätterung eingestellt, der zu Folge die Säulen aus lauter 
horizontalen Tafeln aufgebaut erscheinen. Die Farbe dieser 
Pinite ist ein trübes Oelgrün, welche auf den basischen Ab- 
sonderungsflächen einer dunkelrauchgrünen Platz macht. Jede 
dieser Flächen ist von einem zarten Glimmerhäutchen bedeckt, 
wodurch sie den ausgezeichneten Glanz dieses Minerals erhält. 
Der Querbruch des Pinits ist, seiner basischen Blätterung 
wegen, treppenförmig, zwischen je zwei horizontalen Abson- 
derungsflächen matt, aber geradflächig und zwar rechtwinklig 
auf der Basis. Durch die Querschnitte der zwischengelagerteu 
Glimmerhäutchen erscheint er wie von glänzenden Linien ho- 
rizontal gestreift. Auch die benachbarten Feldspäthe sind 
bereits in Zersetzung begriffen, denn das Gestein ist bröckelig, 
der Orthoklas trübe und glanzlos und auf seinen Klüften von 
Eisenoxydhydrat überzogen. 

Die Umwandlung des Turmalins in Pinit ist keine häufige 
Erscheinung , wenigstens führt Blüm in seinen Pseudomor- 
phosen kein Beispiel derselben an , — Bischof erwähnt nur 



185 



ganz kurz, dass Tamnau*) die theilweise Zersetzung eines 
grossen Turmalinkrystalls zu einer pinitartigen Masse beob- 
achtet habe, — Frenzel giebt**) die kurze Notiz, dass bei 
Penig Pinit als Pseudomorphose nach Cordierit, aber auch 
nach Turmalin vorgekommen sei , dass ferner der sogenannte 
Pinit eines Schriftgranits bei Neustadt-Stolpen als aus Tur- 
malin hervorgegangener Glimmer aufzufassen sei , während 
Wichmar in***) zeigte, dass der angebliche Turmalinkern nicht 
aus diesem , sondern aus einem mit keinem anderen iden- 
tificirbaren Minerale bestehe, der Neustädter Micarell deshalb 
nicht aus der Umwandlung von Turmalin abgeleitet werden 
dürfe. Dahingegen beschrieb Gümbel f ) gigantolithähnliche 
Pinite mit ausgezeichneter basischer Spaltbarkeit , welche 
stellenweise von Glimmerblättchen bedeckt sind und, wie die 
genau stimmenden Winkel beweisen, als Pseudomorphosen nach 
Turmalin aufgefasst werden müssen. Hier liegt also ein dem 
Wolkenburger ganz ähnliches Vorkommniss vor. 

Altersfolge der Gemengtheile des Turmalin- 
granits. Wenn auch nicht bezweifelt werden kann, dass die 
Ausscheidung der zum Turmalingranit aggregirten Gangmine- 
ralien eine ziemlich gleichzeitige war, so ist doch andererseits 
nicht zu verkennen , dass die Krystallisation des Turmalins 
und des mit ihm verwachsenen Quarzes der Bildung der Feld- 
späthe und Glimmer stets um einen Schritt voraus war, und 
dass letztere, jenen im Wachsthum folgend, die von ihnen leer- 
gelassenen Räume ausfüllten. Nur so lässt es sich erklären, 
dass der Turmalin in fusslangen Strahlen die übrige Gang- 
masse durchschiesst. Dieser Vorgang kann uns nicht über- 
raschen, da wir ihn bei der Entstehung jedes Schriftgranits 
sich vollziehen sehen. Hier sind es die Stengel und Lamellen 
des Quarzes, welche vorauswachsen, während das Wachsthum 
des sie umhüllenden Feldspaths direct nachrückt, jene an Zu- 
nahme in die Breite hindert und sie zur Ausdehnung in der 
Richtung der Längenaxe zwingt. In unserem Gange folgten 
der Turmalin - und Quarzausscheidung diejenige des , wie er- 



*) Diese Zeitschr. 1848. pag. 12. 
**) Min. Lex. von Sachs, pag. £ 23"2. 
***) Diese Zeitschr, 1874. pag. 698. 

f) Ostbayev. Grenzgeb. I. pag. 319. 



186 



wähnt, ebenfalls oft mit Quarzlamellen verwachsenen Kali- 
glimmers, dann diejenige des von Quarz durchschossenen Or- 
thoklases und endlich die des wiederum mit Quarzkörnern 
aggregirten Oligoklases. Aus dieser constanten Vergesellschaf- 
tung des Quarzes mit dem Turmalin , dem Glimmer und den 
beiden Feldspäthen geht hervor , dass gleichzeitig mit der 
Krystallisation jedes dieser Gangmineralien im Ueberfluss vor- 
handene und freiwerdende Kieselsäure sich ausschied. 

Ga n g s truc tur. In dem bisher beschriebenen Gang- 
material macht sich dadurch die Andeutung einer symmetriscb- 
lagenförmigen Gangstructur bemerklich, dass die Turmalin- 
säulen in den beiden den Salbändern benachbarten seitlichen 
Gangzonen kreuz und quer das übrige grobkrystallinische 
Mineralaggregat durchspicken , während sie sich nach der 
Gangmitte zu in fächerartige Büschel gruppiren , welche von 
beiden Seiten jedesmal in der Richtung nach der Centrainaht 
divergiren (siehe Fig. 23 Taf. VII.) , also wie die Finger ge- 
spreizter Hände gegeneinander gerichtet sind. Der Augen- 
schein lehrt, wie hier eine von den Salbändern nach der Mitte 
zu fortschreitende Krystallisation stattgefunden hat. 

Nester von bunten Tur malinen und Lepidolitb. 
Die ebengenannte Centrainaht ist nun nicht in ihrem ganzen 
Verlaufe verwachsen, thut sich vielmehr stellenweise zu ur- 
sprünglich spaltenförmigen Central-Drusenräumen auf, welche 
jedoch durchweg von Mineralgebilden jüngeren Ursprungs aus- 
gefüllt und dadurch zu Nestern von Lepidolith, jüngerem Quarz, 
Orthoklas und farbigen Turraalinen umgestaltet wurden. 

Es sind grobblätterige Aggregate von richtnngslos ver- 
wachsenen , vorwaltenden, dicken, glänzenden, röthlichgrauen 
bis pflrsichblüthrothen Li t h i o n gl im m er t af e 1 n und zwar 
centimetergrosse und etwa halb so hohe Prismen mit geringer 
Abstumpfung der scharfen Seitenkanten, ferner graulichweisser 
Quarz in regelmässigen, nuss - bis eigrossen Partieen , bis 
faustgrosse, lichtgraue oder blassröthliche Orthoklase und 
endlich Turmalin von licht- bis dun kelro s enroth er, 
selbst kirsch rother, aber auch grüner und gelb- 
licher Farbe, in radialstrahligen Büscheln und einzelnen 
säulenförmigen Individuen alle übrigen Gemengtheile durch- 
schiessend. In Folge der auffällig leichten Zersetzbarkeit 
dieses Orthoklases , sowie des verhältnissmässig geringen Zu- 



187 



sammenhaltes , welchen Aggregate von vorwaltenden Glimmer- 
tafeln stets besitzen, zerbröckelt dieses Mineralaggregat ziem- 
lich leicht. 

Zwischen dem Lithionglimmer und dem Quarze stellen 
sich nicht selten kleine Drusenräume ein, deren Wandungen 
dann zuweilen bedeckt sind von den zierlichsten, freilich meist 
nur 1 bis 3 Mm. grossen A p a ti tkr y s tä 1 1 ch e n. Dieselben 
sind lichtweisslichgrau gefärbt, theilweise durchscheinend und 
besitzen durch starke Entwicklung der Endfläche einen tafel- 
oder kurzsäulenförmigen Habitus. Neben oP ist das kurze 
sechsseitige Prisma mit durch die zweite Säule abgestumpften 
Kanten vertreten, ferner die schmalen, oft nur linearen Flächen 
der ersten und die ausgedehnteren der zweiten Pyramide. 
Diese sehr scharfen glänzenden Kryställchen bilden trauben- 
förmige Ansiedelungen auf Glimmer und Quarz. 

Gewisse von den in früheren Jahren ausgebeuteten Fund- 
stellen bei Penig stammende Handstücke von vorwaltendem 
Lepidolith und Quarz gleichen den unserigen zum Verwechseln 
und erhalten dadurch besonderes Interesse, dass sie Ambly- 
gonit in unregelmässig conturirten, mit dem Glimmer innig 
verwachsenen und von demselben durchzogene Partieen um- 
fassen. 

Die bekannte Neigung des Quarzes, sich in Krystallform 
auszuscheiden, kommt auch hier zur Geltung. Er bildet trübe, 
kurze Säulen mit Pyramide, welche jedoch nur selten frei 
hervorragen, sondern meist in dem schuppigen Glimmer- 
aggregat verborgen stecken. Im Innern lichtgrau und glasig, 
besitzen sie dünne äussere Umhüllungen von milchweisser 
Farbe und sind ausserdem stellenweise bedeckt von noch 
jüngeren Quarzkryställchen , welche auch die mit den grossen 
Quarzen verwachsenen Glimmertafeln und Turmaline mit einem 
dichten Incrustate überziehen. Ein besonderes Interesse er- 
halten diese Quarze dadurch , dass sie sehr gewöhnlich von 
radialstrahligen Säulenbündeln eines dunkelrosa- bis car- 
moisinrothen Turmalins durchwachsen sind , dessen dun- 
kele Farbentöne für diese Art seines Vorkommens geradezu 
charakteristisch sind. Zuweilen ragt das Ende eines solchen 
Turmalins aus einem Quarze hervor, oder es liegt ein solcher 
in einer Pyramidenfläche des letzteren. Dann hat er sich zu 
dem herrlichsten Krystall entwickelt, dessen oberes Ende in 



188 



den vorliegenden Fällen von der glänzenden Endfläche oR 
mit kleinen randlichen Abstumpfungen durch das Hauptrhom- 
boeder gebildet wird. Spiegelnder Glanz der gesammten 
Flächen, die Schönheit der Farbentöne und die Gleichmässig- 
keit der intensiv rosarothen Färbung zeichnen derartige Tur- 
maline aus. Einzelne ihrer im Quarz eingewachsenen Säulen 
erreichen einen Durchmesser von 1,5 Cm. 

Sind Turmaline von dunklerem Roth der Vergesellschaftung 
mit Quarz eigen, so scheint die tief grüne Färbung des Tur- 
malins an den Orthoklas gebunden zu sein. In dem Feld- 
spath des eben beschriebenen Mineralaggregats, und zwar 
ausschliesslich in ihm, treten nämlich Turmalinsäulen einge- 
wachsen auf, welche sich von allen übrigen Varietäten dieses 
Minerals , soweit sie in der Centraizone unseres granifischen 
Ganges vorkommen, unterscheidet 1) durch ihre Grösse, indem 
einzelne Individuen einen Säulendurchmesser von 2 Cm. er- 
reichen ; 2) durch ihren meist ausgezeichnet trigonalen Quer- 
schnitt; 3) durch ihre in's Schwärzliche übergehende, tiefgrüne 
Farbe von so dunkeler Nüancirung, dass sie erst an Splittern 
und an den Rändern der Krystalle ganz deutlich wird; 4) durch 
ihre ausserordentliche Rissigkeit und Sprödigkeit, in Folge 
deren die Krystalle bei geringer Erschütterung in zahlreiche 
muschelige Scherben und Fragmente von starkem Pechglanze 
zerbersten; 5) durch ihre nicht seltene Ausbildung zu Kern- 
krystallen, wobei sie in ihrer Centralaxe ein scharfes sechs- 
seitiges Prisma von schneeweissem Quarz umschliessen. 

Zuweilen sind diese kurzen , dicken , schwärzlicbgrünen 
Turmalinsäulen verwachsen mit stengeligen Aggregaten von 
rothem Turmalin. Dann beginnt sowohl das dunkle Grün wie 
das tiefe Roth jederseits in der Richtung nach der gemein- 
samen Berührungsfläche lichteren Farbtönen zu weichen, so 
dass sie sich nicht direct berühren, sondern eine schmale Zone 
von blassem Lauchgrün und lichtem Roth zwischen sich haben. 

Besitzt das bisher beschriebene, bunte Turmaline führende 
Mineralaggregat in Folge des Vorwaltens des dunkelröthlich- 
grauen Lithionglimmers eine etwas düstere Färbung, so zeichnet 
sich eine andere Modification der nämlichen Mineralvergesell- 
schaftung, so lange sie sich in frischem Zustande befindet, 
durch die Lieblichkeit und Zartheit ihrer Farbtöne aus. Man 
denke sich ein schuppiges Lepidolith- Aggregat von makellos 



189 

silberweisser Farbe und dem prächtigsten Perlrautterglanz, 
durchsetzt von Büscheln zarter Nädelchen, von Strahlenbündeln 
zolllanger Säulen und von schlanken Einzelprismen eines bald 
lichtrosa, bald tiefrosenrothen oder carmoisinfarbigen Turma- 
lins! Wo sich zwischen den silberweissen Blättchen des Le- 
pidoliths ein kleiner Hohlraum zeigt, da ragt nicht selten das 
Ende eines Turmalins hinein und trägt hier eine glänzende, 
also obere Endfläche mit schmalen randlichen Abstumpfungen 
durch das Hauptrhomboeder und — 2R, oder aber die glän- 
zenden Flächen von R. 

Eine dritte Varietät der Rosaturmalin führenden Gesteins- 
bildung entsteht dadurch, dass Quarz, Feldspath und Litbion- 
glimmer sehr stark in den Hintergrund treten, ja fast gänzlich 
verschwinden. Dann setzt sich das Mineralaggregat fast aus- 
schliesslich aus rothen Turmalinen zusammen, die in einer 
Grundmasse eingebettet liegen , welche in frischem Zustande 
aus einem feinkörnigen , innigem Gemenge von Quarz und 
lichtgraulichweissem Orthoklas Desteht. Jedoch tritt dieselbe 
meist in einem solchen Grade zurück, dass nur etwa ein 
Drittel oder gar nur ein Fünftel des Volumens des gesammten 
Mineralaggregats von ihr eingenommen wird. Man hat also 
im Wesentlichen ein Aggregat von Rosaturmalinen vor sich, 
von welchem eine Anzahl über faustgrosser Belegstücke, an 
deren Oberfläche man Hunderte von Turmalinindividuen zählen 
kann, diesen Beobachtungen zu Grunde liegen. Die betreffen- 
den Turmaline sind nicht etwa, wie man es von ihnen als 
Hauptbestandtheilen eines gesteinsartigen Aggregats erwarten 
sollte, trübe und sich gegenseitig in ihrer Formausbildung 
gehindert habende krystallinisehe Individuen, — vielmehr sind 
es zum grossen Theile die klarsten , schönsten Krystalle mit 
glänzenden Prismenflächen , sehr häufig auch mit Endflächen, 
erreichen 4 bis 6 Cm. Länge bei einem Durchmesser von 
einem Centimeter und liegen kreuz und quer übereinander, 
jedoch ohne sich gegenseitig zu berühren , da die erwähnte 
Quarz - Feldspath - Masse sie von einander trennt. Nicht etwa 
aus Drusen, sondern fast allein aus diesem wenig festen Aggre- 
gate stammen die später zu beschreibenden Krystalle und 
konnten demselben mit ziemlicher Leichtigkeit entnommen 
werden. Wir haben oben bereits betont, dass der junge Or- 
thoklas dieser turmalinreichen Centraizone sehr leicht ver- 



190 



wittert; so auch hier. Es verwandelt sich deshalb das fein- 
körnige Quarz - Feldspath - Cement unseres Aggregates in eine 
erdige, kaolinartige Substanz, welche im Wasser ihren Zu- 
sammenhalt verliert, so dass das ganze Turmalin - Aggregat 
zerfällt. Leider bleiben dabei die Turmalinkrystalle nur selten 
in ihrer ganzen Länge erhalten, lösen sich vielmehr, wie dies 
die zahlreichen Querrisse bereits vcrher ahnen Messen, in eine 
grössere oder geringere Anzahl von Quergliedern auf. Solche 
zuweilen am oberen oder unteren Ende, seltener beiderseitig 
ausgebildete Krystalle, namentlich aber bis zu mehreren Centi- 
metern lange, z. Th. prachtvoll klare Säulenbruchstücke von 
farbigen Turmalinen lagen uns über Tausend vor. Herrschten 
unter diesen auch die rosarothen bei Weitem vor, so fanden 
sich doch ueben ihnen auch solche von dunkelkirschrother, 
gelblicher und lichtgrüner Farbe, sowie fast vollkommen 
wasserhelle und andererseits mehrfarbige Krystalle. 

An den rosa Turmalinen sind alle Farbtöne vom blassen 
bis zum intensiven Rosenroth* vertreten. Die Länge der freien 
Exemplare schwankt zwischen 0,5 und 2 , ihr Durchmesser 
zwischen 0,1 und 1,5 Cm. , ein solcher von 0,5 Cm. ist sehr 
gewöhnlich. Von mit oberen oder unteren Endflächen verse- 
henen Krystallen liegen etwa 250, von beiderseitig ausgebil- 
deten Individuen 12 Exemplare , ausserdem zahlreiche pris- 
matische Bruchstücke vor. An allen ist die zweite Säule 
oo P2 vorherrschend, deren alternirende Kanten durch das 
mehr oder weniger entwickelte trigonale Prisma oo R abge- 
stumpft werden. Zuweilen sind die Prismenflächen durch das 
Auftreten dihexagonaler Säulen gewölbt, noch gewöhnlicher in 
Folge prismatischer Parallelverwachsung gereift und nicht selten 
von tiefen einspringenden Verticalrinnen unterbrochen. 

Bei der grossen Mehrzahl der mit einseitiger Endfläche 
versehenen Exemplare ist das untere Ende ausgebildet und 
weist entweder ausschliesslich die matte Basis oR oder, und 
das ist das Gewöhnliche, letztere vorwaltend und in Combi- 
nation mit — jR, seltener auch noch mit R, in einem Falle 
ausser mit diesen beiden Rhomboedern noch mit — 2 R auf. 
Eine Anzahl dieser Krystalle wurde auf ihr thermoelectrisches 
Verhalten geprüft und erwies sich bei sinkender Temperatur 
als negativ. 

Bei eiuigen 70 Exemplaren ist das obere, nach ther- 



191 



moelectrischer Prüfung positive Ende zur Ausbildung gelangt 
und zwar meist in Form des glänzenden Rhomboeders R ; 
dazu gesellen sich ziemlich häufig die schmalen, oft fast 
linearen Flächen des Skalenoeders t, ebenso oft — 2R. Auch 
kann die glänzende Basis oR ausschliesslich oder nebst R, 

— 2R und — jR das obere Krystallende abschliessen. Bei 
der rhomboedrischen Ausbildung des letzteren kommt die, wie 
schon erwähnt, nicht seltene prismatische Parallelverwachsung 
der Turmaline zu einem deutlicheren Ausdruck, als bei vor- 
waltender Basis. Während nämlich die o R - Flächen sämmt- 
licher verwachsenen Individuen natürlicher Weise in eine Ebene 
fallen, befinden sich die Rhomboeder-Enden der Einzelprismen 
zwar in paralleler Stellung, sind aber in einer Mehrzahl vor- 
handen , so dass derartige Krystallenden den Eindruck des 
Unfertigen, des noch im Wachsthum Begriffenen machen. 

Die vorliegenden beiderseitig ausgebildeten Rosaturma- 
line zeichnen sich sämmtlich durch scharfe, glatte und glän- 
zende Prismenflächen aus, an denen die sonst so häufige ver- 
ticale Reifung nicht vorhanden ist. Im einfachsten Falle ist 
am oberen Ende das glänzende Rhomboeder, am unteren die 
matte Basis, oder statt deren — jR entwickelt. Ein anderer 
Krystall zeigt oben glänzend R, unten die matte Basis nebst 

— ^R, noi'h ein anderer oben R und — 2 R, unten oR nebst 
R, und die letzten zwei oben R und das Skalenoeder t, unten 
die Basis nebst — \ R und R. 

Turmaline von dunkelkirschrother Farbe, die dann 
an den Kanten prachtvoll purpurn durchschimmern, sind selten, 
von den fünf Exemplaren, welche vorlagen, erreichte der 
grösste bei einem Durchmesser von 0,7 Cm. eine Höhe von 
1,0 Cm. Sie waren sämmtlich mit dem oberen Ende und zwar 
mit dem glänzenden Rhomboeder R, einer ausserdem mit dem 
Skalenoeder t ausgebildet. 

Häufiger ist die blassoliven grüne Färbung der Tur- 
malinkrystalle. Dieselben sind bei einem Durchmesser von 
0,3 bis 0,4 Cm. vollkommen klar und sehr scharf ausgebildet. 
Durch Vorwalten des trigonalen Prismas ist der Habitus ihrer 
Säulen ein mehr dreiseitiger; oben tragen sie glänzende Rhom- 
boeder-, unten matte Basisflächen. Von zwei beiderseitig aus- 
gebildeten Krystallen weist der eine am oberen Ende neben R 
zarte Flächen des Skalenoeders t, das untere neben oR noch 



192 



— \ R auf. Nach den beiderseitigen Enden zu nehmen die 
Krystalle einen Stich in's Röthliche an, der direct an den End- 
flächen am intensivsten ist. 

Eine Anzahl anderer Turmaline besitzt eine weingelbe 
Farbe, welche jedoch durch Uebergänge mit der eben erwähnten 
in Verknüpfung steht. Deshalb ist auch ihre krystallogra- 
phische A usbildungsweise genau dieselbe. Einige licht- 
n elkenbraune Krystalle sind an ihrem oberen Ende von 
R begrenzt. Vollständig farblose, wasserhelle Turmaline 
sind meist nur 0,5 Cm. lang, ausnahmsweise bis 0,4 Cm. dick, 
zeichnen sich durch Schärfe ihrer Krystallform und Glanz ihrer 
Flächen aus. Gewöhnlich ist das obere Ende von glänzendem 
R, zuweilen mit den zarten Flächen des Skalenoeders t und 
eines spitzen Rhomboeders, das untere durch mattes oR, zu- 
weilen mit — ^R gebildet. 

Mehrfarbige Turmaline gehören zu den Seltenheiten 
des Wolkenburger Granitganges. Von den hierher zu zählen- 
den Funden sind vier bis 1,5 Cm. lange Krystalle in ihrer 
oberen in R auslaufenden Hälfte rosaroth , in ihrer unteren 
weingelb oder fast farblos und werden hier sämmtlich von 
der matten Basis begrenzt. Die Grenze beider Farbtöne liegt 
in der Mitte der Krystalllänge. In ganz ähnlicher Weise ist 
bei einem 1,3 Cm. langen, dreifarbigen Turmalin an die 
matte Basis eine untere Schicht von weingelber Farbe ge- 
bunden j welche nach der Mitte zu einer intensiv rosenrothen 
Platz macht, welche nach dem oberen Pol zu wiederum einer 
olivengrünen weicht. Ueberhaupt tritt an allen der vorliegen- 
den , mehrfarbigen Turmaline mit lichtgelblicher Endschicht 
diese an dem negativen Ende auf und hat die Bildung eines 
matten o R im Gefolge. Ein anderes 0,6 Crn. starkes Prisma 
ist rosafarbig, nur eine oberste scharfabselzende, haubenartige 
Schicht ist dunkelcarmoisinroth gefärbt und zu einem glän- 
zenden Rhomboeder ausgebildet. Endlich ist die Erscheinung 
nicht selten , dass der Kern der Turmalinsäulen eine andere 
Farbe besitzt als deren äussese Zonen. So kommen licht- 
kirschrothe Kerne mit rosenrother Umhüllung, hyacinthrothe 
Kerne mit lichtcarmoisinrother Umhüllung, rosafarbige Kerne 
mit gelblichgrüner Umhüllung, lichtrosarothe Kerne mit na- 
mentlich an den prismatischen Kanten intensiv hyacinthrother 
Umhüllung vor. 



193 

Die mineralischen Schätze der alten , jetzt längst ausge- 
beuteten und verschütteten Chursdorfer, Peniger und Lim- 
bacber Fundpunkte bunter Turmaline sind das Object vielfäl- 
tiger mineralogischer, physikalischer und chemischer Unter- 
suchungen gewesen.*) Mit Bezug aber auf ihr geologisches 
Auftreten gestattet die Analogie mit dem eben beschriebenen 
Mineralvorkommen den Schluss auf ganz ähnliche Verhältnisse. 

Genetische Betrachtungen. Nachdem wir an un- 
zweideutigen , dem sächsischen Granulitgebirge entnommenen 
Beispielen dargethan, dass sich Feldspäthe, Kaliglimmer, Quarz 
und Turmalin, jedes für sich allein oder zu mehreren, ja 
sämmtlich vergesellschaftet aus wässerigen Solutionen ausge- 
schieden und, sobald dies in Spalten geschah , gangförmige 
Mineralaggregate gebildet haben , ist die nämliche Möglichkeit 
auch für den eben beschriebenen Turmalingranit gegeben. Diese 
Möglichkeit gestaltet sich zur Wahrscheinlichkeit, wenn wir 
folgende Erscheinungen in's Auge fassen: 

1) Die symmetrische Structur des Ganges (beiderseitig 
wirres Aggregat der Gemengtheile , dann beiderseitige Zonen 
mit radial-strahligen schwarzen Turmalinen , Centraizone von 
bunten Turmalinen und Lepidolith), eine Structur, die für 
Bildung auf nassem Wege , also von beiden Seiten nach 
Innen zu erfolgte Ausfüllung spricht. ,,Sie ist, um Bischof's 
Worte**) zu gebrauchen, eine Schichtung, nicht aber eine ho- 
rizontale, wie aus stehenden Gewässern auf ebenem Boden, 
sondern eine solche in mehr oder weniger geneigter Lage, wie 
sie statthaben muss, wenn Gewässer an Spaltenwandungen 
langsam herabsickern und das Aufgelöste absetzen. u 

2) Die eben erwähnte radial-strahlige Stellung der Tur- 
maline, des Kaliglimmers und der Quarze zu Bündeln, deren 
Individuen von beiden Seiten des Ganges aus nach der Mitte 
zu divergiren, eine Aggregations form, welche voraussetzt, dass 
der Centrairaum des Ganges offen war und einer mineralischen 
Lösung den Zutritt verstattete, wodurch einerseits das An- 
schiessen der Krystalle an den jeweiligen Gangwandungen, 
andererseits ihr fortgesetztes Wachsthum ermöglicht wurde. 



*) Frenzel, Min. Lexik, v. Sachsen pag. 328 ff. — Jentzsch, Min. 
u. geol. Literatur v. Sachsen pag. 65 u. 66. 

**) Bischof, Lehrbuch der ehem. u. phys. Geologie II. pag. 551. 
Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 1 13 



194 



3) Die mineralogische Verschiedenheit der äusseren Gang- 
zonen und der local entwickelten Centraizone , welche in die- 
sem gegebenen Falle darauf hinweist, dass das von beiden 
Salbändern aus nach der Mitte zu wachsende und sich in einer 
centralen Symmetrie -Naht treffende Gangmaterial hie und da 
centrale Klüfte offen gelassen, also sich nicht vollständig ge- 
schlossen hat und dass in späterer Zeit eine von der bishe- 
rigen verschiedene Mineralsolution die schliessliche Ausfüllung 
dieser Centraidrusen mit Rosaturroalin und Lepidolith be- 
wirkt hat. 

7. fränkische Clangausscheidungen im Augitschiefer von 
Schweizerthal. 

Am linken Ufer des Chemnitzflusses , eine kurze Strecke 
unterhalb der grossen Garnspinnerei Schweizerthal tritt zwi- 
schen den Granuliten, welche die dortigen Felsgehänge bilden, 
eine 15 bis 20 Meter mächtige Einlagerung von im Zustande 
bereits weit fortgeschrittener Verwitterung befindlichem, schwärz- 
lichgrünem sogenanntem „Trappgran ulit u auf. Durch Anlage 
einer Chausse , welche stromabwärts nach Stein und Cossen 
führt, ist dieses Gestein ziemlich tief angeschnitten und in 
einer steilen Wand biosgelegt worden , an deren weniger ver- 
witterten Stellen in Folge regelmässig lagenweise abwechseln- 
der hellerer und dunklerer Färbung eine deutliche, mit 45 Grad 
gegen Süd geneigte Schichtung hervortritt. 

Das Gestein besitzt eine grauschwarze Färbung mit einem 
Stich in's Grüne, ist sehr zähe, höchst feinkörnig und besteht, 
mit blossem Auge oder mit der Lupe betrachtet , aus einem 
gleichmässigen Gemenge von glänzenden , hellen Feldspath- 
pünktchen, dunkelgrünen Körnchen von Augit und fein ein- 
gestreutem Magneteisenstein. Es ist eines der der Granulit- 
formation untergeordneten Gesteine, für welche bisher der 
Name ,,Trappgranulit u gebräuchlich war, von denen jedoch 
durch einschlägige Arbeiten der geologischen Landesunter- 
suchung von Sachsen gezeigt werden wird, dass sie einer 
Anzahl von durchaus verschiedenen, nur durch ihre düstere 
Färbung einander ähnlichen Gesteinsarten angehören. 

Die mikroskopische Untersuchung der Dünnschliffe des 
schweizerthaler Trappgranulits lehrt, dass das Hauptgeineng- 



195 



tfaeil dieses Gesteins Plagioklas ist. Derselbe bildet vollkom- 
men klare, durchsichtige Partieen , welche durchaus frei von 
Glas- und Flüssigkeitseinschlüssen sind und sich bei Anwen- 
dung des Polarisationsapparats als sehr kleinkörnige Aggre- 
gate von durchweg zwillingsstreifigen Individuen erweisen. 
Zwischen diesen Feldspäthen tritt hier und da ein Körnchen 
von Quarz auf, welches dann nicht selten von Flüssigkeits- 
einschlüssen strotzt, deren Libellen sich mit grosser Leb- 
haftigkeit bewegen. Nur wenig steht dem Plagioklas der 
Augit an Menge nach und bildet unregelmässig rundliche Hau- 
fen oder kettenartige Zonen kleiner , stark durchscheinender 
Körner, welche eine vollkommen reine , blassgrünlichgraue 
Farbe besitzen und von unregelmässigen Sprüngen durchzogen 
werden. Sie polarisiren grell und zeigen kaum eine Spur von 
Dichroismus. Wie der Plagioklas ist auch der Augit frei von 
fremden Einschlüssen. Zu diesen dreien gesellt sich als viertes 
Gesteinselement Magneteisen in Körnern, die, wenn auch 
bei Weitem nicht an Zahl, so doch an Grösse denen des Augit 
gleichkommen und eine unregelmässig verzogene und verzweigte 
Gestalt besitzen. Sie sind in der Gesteinsmasse nicht gleich- 
mässig vertheilt, sondern halten sich mehr in der Nähe der 
Augitaggregate. Dem Feldspath oder dem Augit beigemengte 
staubartige Magneteisenpartikelchen sind nicht vorhanden. 

Die Mikrostructur dieses Gesteins ist eine ausgezeichnet 
krystallinisch- körnige, ohne jedoch einen typisch - granitischen 
Habitus zu besitzen. Die einzelnen Feldspathkörner sind 
nämlich nicht direct mit Augitindividuen zu einem feinkörnigen 
Aggregat verwachsen , vielmehr bilden im Allgemeinen zahl- 
reiche Individuen dieser beiden ßestandtheile untereinander 
unregelmässig conturirte Gruppen, und diese spielen die Rolle 
individueller Gemengtheile , Aggregate vertreten also Einzel- 
krystalle, wenn sich auch hie und da eine individuelle Men- 
gung einstellt. Eine derartige Aggregationsform ist nicht die 
den Eruptivgesteinen eigenthümliche, vielmehr charakteristisch 
für gewisse krystallinische Schiefer, was mit den Lagerungs- 
formen und der geschichteten Structur des Gesteins überein- 
stimmt. 

Eine analytische Untersuchung des letzteren führte Herr 
Alpr. Schwarz im Universitäts-Laboratorium des Herrn Prof. 
Wiedemakn aus und erzielte folgende Resultate: 

13* 



196 



Si0 2 . 
A1 2 3 
CaO . 
MgO . 
Fe 2 3 
FeO . 
Na„0 
K 2 Ö . 



52,23 
11,83 
11,43 
7,41 
7,80 
6,95 
2,34 
0,21 



100,20 

Die chemische Zusammensetzung unserer Augit-Plagioklas- 
Schiefer ist somit derjenigen der Basalte ähnlich, ihr höherer 
Kieselsäuregehalt erklärt sich aus der Gegenwart von etwas 
freiem Quarz. Wir werden auf diese Analyse noch zurückzu- 
kommen haben. 

Im Zustande der Verwitterung wird das ursprünglich fast 
schwarze Gestein rostgelb, röthlichbraun gefleckt. Indem die 
Verwitterung den Klüften folgt, die Ecken und Kanten der 
polyedriscben Gesteinsstücke am intensivsten angreift und dann 
gleichmässig in deren Inneres vorschreitet, entstehen rundliche 
Blöcke von ausgezeichnet concentrisch-schaliger Structur. Die- 
selben sind oft so dicht aneinander gedrängt, dass einzelne 
Stellen der betreffenden Gesteinswand den Anblick bieten, als 
wenn sie besetzt wären mit eng aneinander gestellten, grösseren 
und kleineren eben im Begriff des Aufbrechens befindlichen 
Rosenknospen. Hier sind die einzelnen Kugeln nuss- bis 
faustgross und bestehen aus lauter nur 1 bis 2 Mm. dicken 
Schalen, welche nach der Fläche des Aufschlusses zu, also 
nach der Seite, wo die Atmosphärilien am kräftigsten wirken 
konnten, aufgeplatzt sind, so dass man in den concentrisch- 
schaligen Aufbau der Kugeln hineinblickt, wie in eine eben 
aufgebrochene Rose. An derartigen ellipsoidischen Knollen 
von 5 bis 6 Cm. Länge kann man auf diese Weise 15 bis 
16 Schalen von je 1 Mm. Dicke zählen. Diese Verwitterungs- 
schalen sind äusserst mürbe und lösen sich durch fortgesetzte 
Verwitterung in einen gelblichbraunen, feinkörnigen, eckigen 
Grus auf, der sehr bald zu einem mulmigen Sande zerfällt. 

Bei dem Mangel an Analysen, an welchen sich diese 
Umwandlungsvorgänge verfolgen Hessen, ist es gestattet, die- 
selben nach analogen, wissenschaftlich erforschten Zersetzungs- 
processen ähnlicher Mineralaggregate zu deuten. Es ist na- 



197 



mentlich der Feldspathbasalt , der, wenn wir ausschliesslich 
seine mineralische Zusammensetzung in's Auge fassen, in seiner 
Constitution eine grosse Aehnlichkeit mit unseren Augitschie- 
fern besitzt. In beiden treten Plagioklas , Augit und Magnet- 
eisen als Hauptgemengtheile auf. Man ist deshalb zu dem 
Schluss berechtigt, dass die unter dem Einflüsse der Atmosphä- 
rilien vor sich gehende Zersetzung dieser zu den genannten 
beiden Gesteinen vergesellschafteten Mineralien eine vollkom- 
men analoge ist. Beim Basalt aber besteht dieselbe in einer 
Auslaugung des frischen Gesteins und zwar in der Entführung 
von mehr oder weniger Kieselsäure, Thonerde, Magnesia, 
Eisenoxyd und -oxydul, Kalk, Kali und Natron, in Folge 
deren bei verhältnissmässig geringerem Verluste von Thonerde 
und Eisenoxydul eine relative Anreicherung dieser beiden Sub- 
stanzen und bei gleichzeitiger Aufnahme von Wasser schliess- 
lich ein wasserhaltiges , eisenschüssiges Thonerdesilicat als 
Residuum zurückgelassen wird. *) Auf das Plagioklas-Augit- 
Magneteisen-Aggregat, als welches wir unsere Schiefer erkannt 
haben, werden die Atmosphärilien in der nämlichen Weise ein- 
gewirkt haben , wie auf das basaltische Plagioklas - Augit- 
Magneteisen-Aggregat, mit anderen Worten ebenfalls bestrebt 
sein, denselben unter Zurücklassung von wasserhaltigem Thon- 
erdesilicat die obengenannten Substanzen zu entführen. 

Die unserem Gestein entzogenen Bestandtheile sind jedoch 
nicht spurlos verschwunden , sondern haben nur eine geringe 
Ortsveränderung vorgenommen: in den Spalten und Klüf- 
ten des verwitterten Muttergesteins finden wir sie 
als deren granitische Ausfüllung wieder, und zwar 
in Gestalt unregelmässig gangförmiger und nest- oder schmitz- 
artiger Trümer zwischen den mit einer mehr oder weniger 
dicken Verwitterungskruste bedeckten, oder bereits durch und 
durch mürben und bröckeligen Gesteinsblöcken und den da- 
zwischen liegenden Grus- und Sandmassen. Dieselben winden 
sich zwischen jenen Blöcken hindurch und passen sich überall 
an deren Oberflächenform an, sind also erst nach bereits ein- 
getretener Verwitterung, welcher die Blöcke ihren Ursprung 
und ihre Form verdanken , zur Ausbildung gelangt (siehe 
Fig. 26 Taf. VII.). 



*) Bischof, Geologie III. pag. 424 ff. 



198 



Ihrer mineralischen Zusammensetzung und Structur nach, 
lassen sich folgende Modifikationen dieser Gänge unterscheiden: 

1) Gang- und nesterartige Trümer, 8 bis 20 Cm. mäch- 
tig, welche aus einem düsterfarbigen, ausgezeichnet granitisch- 
körnigen Gemenge von grünlichgrauem Plagioklas, sehr wenig 
weissem Orthoklas, viel grauem Quarz und unverhältnissmässig 
viel schwarzem Magnesiaglimmer bestehen. Seinen eigentüm- 
lichen Charakter erhält das Gestein, im Gegensatz zu den 
orthoklasreichen und plagioklasarmen granitischen Gängen des 
echten Granulits, namentlich durch seinen Reichthum an trübem 
Plagioklas und Magnesiaglimmer, welcher letztere sowohl in 
zahlreichen grossen schwarzen Tafeln und Bändern die Gesteins- 
masse wirr durchschiesst , als auch in kleinen schwarzen 
Schüppchen zwischen den übrigen Bestandtheilen in Menge 
vertheilt ist. Die reichliche Vertretung des Magnesiagliramers 
und Plagioklases erklärt sich durch den hohen Gehalt des ver- 
witternden, das Gangmaterial geliefert habenden Nebengesteins 
an Magnesia, Kalk und Natron, bei gleichzeitiger grosser Ar- 
muth an Kali. Unter dem Mikroskop tritt die granitisch-kör- 
nige Structur dieses Ganggesteins noch deutlicher hervor, 
ebenso die Plagioklasnatur der bei Weitem meisten Feldspath- 
körner. Sind diese auch insgesammt durch beginnende Zer- 
setzung schwach gekörnelt und getrübt, so sind doch bei fast 
allen mehr oder weniger deutliche Reste der Zwillingsstreifung 
vorhanden. Nur einzelne sind trotz ihrer geringen Verwitte- 
rung vollkommen einfarbig und dürften deshalb Orthoklase 
sein. Die Quarze strotzen von Flüssigkeitseinschlüssen. 

2) Schmitzartige 4 bis 6 Cm. mächtige Trümer, welche 
fast ausschliesslich aus schwarzem Glimmer mit einzelnen 
Körnern von Quarz und OligoklaS bestehen. Die Blätter des 
Magnesiaglimmers bilden zwar ein ziemlich wirres Aggregat, 
sind aber doch meist quer auf die Salbänder gestellt. 

3) Trümer, welche in der Art eine symmetrische An- 
ordnung ihrer Gemengtheile zeigen, dass die beiderseitigen Sal- 
bänder bis zu einer Stärke von mehreren Millimetern aus- 
schliesslich aus schwarzen, wirr durcheinander liegenden 
Magnesiaglimmerblättchen bestehen. Auf jede der- 
selben folgt nach Innen zu eine etwa 2 Cm. dicke düster- 
farbige Zone von trübem, ölgrünem, zwillingsstreifigen Oli- 
goklas, ziemlich viel schwarzem Glimmer und etwas Quarz, 
während die helle, 5 bis 8 Cm. mächtige Centraizone des 



199 



Ganges durch ein Aggregat von z. Th. rein weissen, z. Th. 
lichtfleischfarbigen glänzenden Orthoklaskörnern gebildet 
wird, welche von dünnen Quarznadeln und -lamellen schwach 
schriftgranitisch durchwachsen sind. Glimmer fehlt in dieser 
mittleren Zone fast ganz. Von den Ergebnissen der mikrosko- 
pischen Untersuchung ist für unsere Zwecke der grosse Reich- 
thum des Quarzes an mit beweglicher Libelle versehenen 
Flüssigkeitseinschlüssen , sowie die Bestätigung der plagio- 
klastischen Natur der Feldspäthe der seitlichen Gangzonen 
hervorzuheben. 

4) Zollmächtige Gangtrümer von ausgezeichnet symme- 
trischer Anordnung ihrer Bestandtheile, indem die beiden seit- 
lichen Zonen von 1 Cm. langen , stengeligen , grünlichgrauen 
zwillingsstreifigen Oligoklasindividuen, grauen Quarz- 
säulen und einzelnen Glimmertafeln gebildet werden, welche 
ziemlich rechtwinklig auf den Salbändern stehen, was na- 
mentlich bei letztgenannten Gemengtheilen besonders deutlich 
hervortritt. Die beiderseitig scharf abschneidende, bis 2 Cm. 
mächtige Centraizone hingegen besteht aus einem sehr fein- 
körnigen , echt granitiscben Gemenge von röthlichem Ortho- 
klas und grauem Quarz und sticht grell von den trüben seit- 
lichen Oligoklaszonen ab. Noch deutlicher wie im Handstück 
tritt die ausgezeichnet combinirt stengelig - symmetrisch -lagen- 
förmige Structur dieser Gänge am Dünnschliff bereits ohne 
Anwendung des Mikroskops hervor. Zwischen den Quer- 
schnitten der grossen, von beiden Seiten quer nach der Gang- 
mitte gerichteten fast wasserhellen Quarze und durch Zer- 
setzung leicht getrübter und geäderter Plagioklase erscheint 
die Centraizone im zartesten Mosaik äusserst feiner grani- 
tischer Structur. Bei mikroskopischer Untersuchung der beiden 
seitlichen Gangzonen erweisen sich zwar manche der Plagio- 
klase in Folge beginnender Zersetzung bereits von zahlreichen 
Sprüngen durchzogen, längs deren die Feldspathsubstanz trübe 
und körnig geworden ist, viele andere jedoch sind vollkommen 
klar und haben ihre Zwillingsstreifung noch nicht verloren. 
Im Gegensatz zu ihnen strotzen die Quarze von Flüssigkeits- 
einschlüssen der verschiedensten Grösse und Gestalt, fast alle 
mit meist festliegenden, zuweilen zitternden, aber durch schwache 
Erwärmung in Bewegung zu setzenden Libellen, welche in 
reihenförmigen Zügen voreinander liegend, in förmlichen Schich- 
ten die Quarze durchziehen. Während die Querschnitte der 



200 



Plagioklase und Quarze der randlichen Zonen im Dünnschliff 
so grosse Flächen einnehmen, dass man unter dem Mikroskop 
auch bei schwacher Vergrösserung jede einzelne derselben nur 
zum geringen Theile übersehen kann, bietet die kleinste Partie 
der Centraizone ein ausserordentlich bunt zusammengewürfeltes 
Aggregat von röthlichen Orthoklas - und Quarzkörnern, mit 
einzelnen braunen Glimmerblättchen , wobei der Quarz nicht 
nur in selbstständigen Körnern, sondern auch in feinster, 
schriftgranitischer Durchwachsung des Feldspaths auftritt. Wie 
in den Seitenzonen ist jedes Quarzkorn reich an Flüssigkeits- 
einschlüssen , ausserdem aber auch noch an langen, zarten 
Nadeln eines schwarzen, dunkelgrün durchscheinenden Minerals, 
augenscheinlich Hornblende. Der Gegensatz zwischen der mitt- 
leren und den seitlichen Zonen dieser Gänge ist der schroffste, 
der mir aus den gesammten granitischen Gängen des Granulit- 
gebiets bekannt ist und tritt bei der geringen Mächtigkeit dieser 
Trümer in besonderer Schärfe hervor. 

Genetische Betrachtungen. Nicht leicht lässt sich 
ein anderes Beispiel finden , an welchem man die Entstehung 
granitischer Gänge durch Auslaugung ihrer Bestandtheile aus 
dem in Verwitterung begriffenen Nebengestein so überzeugend 
darlegen könnte, wie an dem eben beschriebenen von Schweizer- 
thal. Der Vorgang war folgender: 

1) Das Plagioklas-Augit-Gestein wird unter dem Einfluss 
der Atmosphärilien von einem Zersetzungsprocess ergriffen, 
durch welchen ihm, ganz ähnlich wie den analog zusammen- 
gesetzten Basalten, Kieselsäure, Thonerde, Magnesia, Eisen- 
oxyd und -oxydul, Kalk, Kali und Natron in wässeriger Lö- 
sung entführt werden. 

2) In Folge der diese Verwitterung einleitenden Zerklüf- 
tung und der mit ihr Hand in Hand gehenden Grusbildung ent- 
stehen zwischen den Gesteinsblöcken klaffende Spalten, die in 
ihrer Form und in ihrem Verlaufe von der Lage und Gestal- 
tung der Blöcke abhängig sind. 

3) Die dem Nebengestein entzogenen Miueralsolutionen 
ziehen sich nach diesen Klüften , in welchen sich entweder 
direct oder durch Wechselwirkung die gangbildenden Mineralien 
ausscheiden. 

Durch diese Vorgänge sind folgende Erscheinungen 
bedingt und erklärt: 



201 



1) Die granitischen Gänge von Schweizerthal bestehen 
aus den nämlichen Stoffen, wie die dem Gestein entführten, 
nämlich aus Kieselsäure, Thonerde, Magnesia, Eisenoxydul, 
Kali und Natron, während ein Theil des Kalkes entführt 
worden, ein anderer vielleicht im Plagioklas enthalten ist. 
Diese Substanzen lieferten das Material zur Neubildung von 
Feldspath, Quarz und Magnesiaglimmer, während die in an- 
deren benachbarten Gängen mit abweichendem Nebengestein 
vorkommenden Titanite , Zirkone, Apatite, Turmaline, Lepi- 
dolithe und Topase hier fehlen. 

2) Im Gegensatz zu dem Orthoklasreichthum der Granit- 
und Pegmatitgänge, welche in dem benachbarten normalen, im 
Verhältniss zu Kali wenig Natron haltenden Granulite auf- 
setzen, waltet in den schweizerthaler Gängen bei Weitem der 
wahrscheinlich kalkhaltige Oligoklas vor, weil, wie die oben 
angeführte Analyse zeigt, der Natron- und Kalkgehalt des 
Nebengesteins ein viel bedeutenderer ist, als der an Kali 
(Na : K — 2,3 : 0,2). Die mineralische Beschaffenheit der 
Gänge steht somit in einem Abhängigkeitsverhältniss von der 
petrographischen und substantiellen Zusammensetzung des 
Nebengesteins. Durch Entführung des grossen Magnesiagehalts 
des ursprünglichen Gesteins bei dessen Umwandlung zu einem 
wasserhaltigen Thonerde-Silicat erklärt sich zugleich der grosse 
Reichthum der Gänge an Magnesiaglimmer, während der 
für die im Granulit aufsetzenden Gänge so charakteristische 
Kaliglimmer vollständig fehlt. 

3) Die mineralischen Bestandtheile mancher dieser Gänge 
von Schweizerthal sind wie diejenigen gewisser Erzgänge 
symmetrisch zu nach ihrer mineralischen und chemischen Con- 
stitution verschiedenen Lagen angeordnet oder stehen quer 
auf den Salbändern, — Erscheinungen , welche wir als un- 
trügliche Kriterien für eine Ausscheidung aus wässeriger, an 
den Spaltenwandungen hinabsickernder Lösung erkannt haben. 

4) Die betreffenden gangartigen Ausscheidungen setzen 
nicht in die Tiefe fort, sondern keilen sich wenigstens zum 
Theil allseitig aus, haben also keinen Zusammenhang mit irgend 
einem Eruptionsheerde oder einer aus der Tiefe emporsteigenden 
Mineralquelle. 



202 



8. Gänge von Zirkou - führendem Syeuitgranit im Eklogit rou 
Waldheim. 

Der Hofraum der Restauration „Zur Erholung" in un- 
mittelbarer Nähe des Waldheimer Bahnhofs ist in den anste- 
henden Fels des dahinter liegenden Hügels in der Weise ein- 
gesprengt , dass eine steil abstürzende Gesteinswand den Hof 
nach hinten abgrenzt. Mit ihr ist zugleich ein höchst interes- 
santer Aufschlusspunkt geschaffen. 

Wie ein grosser Theil des Hügels selbst, so besteht die 
Gesteinswand aus Eklogit, und zwar einem mittelkörnigen 
Aggregate von vorwaltendem, kurzstengeligem , dunkellauch- 
grünem Augit und kleinen röthlichen Granatkörnern. Im All- 
gemeinen den Eindruck eines massigen Gesteins machend, 
erhält dasselbe durch das Auftreten einer schwachen, band- 
artig abwechselnden helleren und dunkleren Färbung die An- 
deutung einer nach Norden einfallenden Schichtung. Dieser 
entspricht, wie solches namentlich am Dünnschliff schon dem 
blossen Auge sichtbar wird, eine Abwechselung granatreicher 
und fast granatfreier Eklogitzonen. Die mikroskopische Unter- 
suchung dieses Gesteins zeigt, dass sein vorwaltender Bestand- 
teil in der That ein im Dünnschliff lichtlauchgrüner , sehr 
wenig dichroitischer Augit ist, dessen Körner von Sprüngen 
und diesen folgenden gelblichbraunen, z. Th. wolkig - gekör- 
nelten oder faserigen Bändern durchzogen sind. Zwischen 
diesen Augiten, au Zahl jedoch bei Weitem geringer als diese, 
liegen blassrosaroth durchscheinende Granatkörner von un- 
regelmässiger, z. Tb. rundlicher, z. Th. verzogen-eiförmiger 
Gestalt, sowie Körnchen und lappige Partieen von Magnet- 
eisen eingestreut. Eine sehr zierliche Structur wird dadurch 
erzeugt , dass viele der Granatkörner rings umgeben sind von 
einer Zone radialgestellter, im Querschnitt wellig oder wurm- 
förmig gebogener , blassgrüner Augite und zwischen ihnen ge- 
lagerter, opaker Körner und Stäbchen von Magneteisen. 

Dies Gestein ist nach allen Richtungen im höchsten Grade 
durchklüftet und dadurch in rundliche Blöcke und polyedrische 
Stücke von unregelmässiger Gestalt und Grösse zertheilt. Mit 
dieser Zerklüftung, welche den Tagewassern ihren Weg und 
ihre zersetzende Thätigkeit erleichterten , ist nun eine Um- 
wandlung des Eklogits Hand in Hand gegangen, welche sich 



203 



bereits der vorwaltenden Masse des aufgeschlossenen Gesteins, 
wenn auch in verschieden weit fortgeschrittenem Grade be- 
mächtigt und nur den geringeren Theil des Eklogits in seinem 
ursprünglichen Zustande gelassen hat. Schon äusserlich macht 
sich diese Zersetzung durch die Bleichung des Gesteins kennt- 
lich. Seine dunkelgrüne Farbe weicht einer lichteren und 
wandelt sich schliesslich in ein ganz helles Grünlichgrau um. 
Hand in Hand mit dem Verluste der ursprünglichen Farbe geht 
derjenige der Festigkeit in dem Maasse, dass aus dem dunklen, 
zähen, schwerzersprengbaren Eklogit zuletzt ein lichtes, mür- 
bes, leicht zerbröckelndes, zu mulmigem Grus zerfallendes Zer- 
setzungsproduct wird. 

Wie oben gesagt, ist dieser Eklogit und der aus ihm 
hervorgehende mulmige Grus von ausserordentlich zahlreichen 
Klüften durchsetzt. Diese aber sind heute ausgefüllt von 
mineralischen Substanzen und zu einem unregelmässi- 
gen, z. Th. engmaschigen körperlichen Netz von Mineral- 
gängen geworden. In schwer verfolgbarem Gewirre durch- 
ädern dieselben das Nebengestein (siehe Fig. 27 Tai. VII.), 
bald vollkommen geradlinig dasselbe durchsetzend, bald in 
unregelmässigen Biegungen sich zwischen den rundlichen 
Gesteinsblöcken hindurch windend, sich gabelnd und wieder 
vereinend, verknüpfende Ausläufer von einem Hauptstamme 
nach dem anderen sendend, sich knorrig verdickend und dann 
wieder zur grössten Zartheit zusammenziehend, hier nur so 
stark wie ein Messerrücken, dort 0,3 bis 0,5 Meter mächtig. 

Ihrer mineralischen Ausfüllung nach sind diese Gänge 
und Schnüre 1) solche von Hornblende, 2) solche von derbem 
Granat, 3) solche von vorwaltendem Feldspath. Die erst- 
genannten sind meist nur 1 bis 2 Cm. dick und bestehen aus 
schwärzlichgrüner, verworren faseriger Hornblende, lassen 
in ihrer Centraizone zuweilen kleine Drusen offen, in welchen 
Säulenflächen von Hornblendeindividuen freiliegen , oder um- 
schliessen eine mittlere, nur wenige Millimeter mächtige Lage 
von körnigem, röthlichgelbem Feldspath. Andere etwa finger- 
breite Schnüre bestehen aus derbem, kleinmuscheligem Granat 
von brauner Farbe, dem hier und da Körner von Pistazit bei- 
gemengt sind. Noch andere mehr nesterartige, unregelraässige 
Schmitzen werden wesentlich von körnigem Pistazit ge- 
bildet, dem sich etwas fleischrother Orthoklas und einzelne 



204 



röthliche Granatkörner zugesellen , an denen sämmtlich glän- 
zende Flächengruppen auftreten. 

Eine viel wichtigere Rolle spielen die feldspathreichen, 
granitischen Gänge, sowohl was ihre Zahl und Mächtigkeit, 
wie ihr Reichthum an interessanten mineralischen Gemeng- 
theilen anbetrifft. Sie sind es , die dem Beschauer zunächst 
in's Auge fallen, wie ein fleischrothes Geäder treten sie ihm 
grell aus dem grünlichen Nebengestein entgegen (Fig. 27 
Taf. VII.). Auf sie bezieht sich deshalb auch wesentlich die 
vorhin gegebene Beschreibung der äusseren Formen der dort 
überhaupt aufsetzenden Gänge. 

An ihrer Zusammensetzung nehmen folgende Mineralien 
Theil: Orthoklas von fleischrother bis lichtröthlichgrauer 
Farbe, der vorwaltende Gemengtheil, bildet in Form eines 
mittel- bis grobkörnigen Aggregats die Hauptausfüllungsmasse 
der Gänge, in welcher die übrigen Gangmineralien in grösserer 
oder geringerer Häufigkeit eingesprengt sind. Oligoklas in 
wenigen, trüben, zwillingsstreifigen Individuen. Wasserheller 
bis lichtrauchgrauer Quarz, mit diesem in kleinen, sehr ver- 
einzelten, silberglänzenden Blättchen verwachsen Kaliglim- 
mer, noch seltener Lamellen von braunem Magnesia- 
gl immer. Dunkelgrüne Hornblende, gewöhnlich in 3 bis 
6 Cm. langen, säulenförmigen Individuen mit ausgezeichneten, 
sehr stark glänzenden , prismatischen Spaltungsflächen und 
dann in Gestalt vereinzelter Einsprenglinge den Feldspath 
durchschiessend , zuweilen jedoch auch in kleinereu Körnern 
als gleichwerthiger , ja vorwaltender Gemengtheil der dann 
syenitgranitiscben Gangmasse. Die qualitative Analyse dieser 
Hornblende ergab einen nicht unbedeutenden Kali-, 
namentlich aber Natrongehalt, wodurch sie sich der 
arfv e d s o n i tä h n 1 i c h en Hornblende des norwegischen Zir- 
konsyenits nähert. Titanit in ausserordentlich zahlreichen, 
bis 1,5 Cm. grossen, fast diamantartig glänzenden Krystallen 
von rothbrauner bis hyacinthrother Farbe, durch starkes Vor- 
walten der Hemipyramide n langsäulenförmig, ausserdem mit 
P, r und y, wie Figur 5 in Näumakn's Mineralogie pag. 530. 
Nach einer Analyse, welche Herr Schmöger in Prof. Kolbe's 
Laboratorium ausführte, hat dieser Titanit folgende Zusammen- 
setzung: 



205 



Ti0 2 . . . 


. 37,45 


Si0 2 . . . 


. 31,37 


AI /~k 

A1 2 3 . . 


a na 


Fe 2 O a . . 


. 3,13 


Yttererde . 


. 0,88 


CaO . . . 


. 22,38 




100,00 



Das analysirte Mineral ist demnach kein reiner, sondern 
ein Thonerde, Yttererde und Eisenoxyd haltiger Titanit, wel- 
cher dem Yttrotitanit von Arendal uud dem Grothit*) des 
Plauenschen Grundes nahe steht. Epidot in grellgrünen, 
körnigen, bis erbsengrossen Einsprenglingeu. Apatit in 
zarten , wasserhellen oder lichtweingelben hexagonalen Na- 
deln, welche Quarz, Feldspath und Hornblende durchspicken. 
Orthit in sehr vereinzelten, bis linsengrossen unregelmässig 
gestalteten, kleinmuscheligen Einsprenglingen, z. Th. umgeben 
von einem braunrothen Hof. Zirkon in allseitig, ausser- 
ordentlich scharf und ebenflächig ausgebildeten, bis 2,5 Mm. 
grossen Kryställchen , welche entweder isolirt im Feldspathe 
eingewachsen sind , oder als selbstständige Gemengtheile des 
in diesem Falle kleinkörnigen Aggregats des übrigen Gang- 
materials auftreten. Sie besitzen eine röthlichbraune bis nelken- 
braune Farbe und einen so starken diamantartigen Glanz, dass 
sie sich durch diesen auch an grösseren Handstücken leicht 
kenntlich machen und aus dem zu grobem Sand zermalmten 
Gestein, trotz der glänzenden Orthoklasspaltungsstückchen, 
durch ihr Funkeln hervorscheinen. Der Habitus der Krystalle 
ist ein mehr oder weniger langsäulenförmiger. Gewöhnlich 
ist dann ausschliesslich das Protoprisma, zuweilen das Deu- 
teroprisma als schmale Abstumpfungsfläche, selten im Gleich- 
gewicht mit dem ersteren, zur Ausbildung gelangt. Von Pyra- 
miden treten P und die ditetragonale 3P3 auf, letztere meist 
nur als Zuschärfung -der Combinationsecken , selten so vor- 
herrschend, dass die Protopyramide daneben stark 
zurücktritt. 

Den im Bereiche Sachsens bekannten Fundstellen des 
Zirkons im Granit von Boxdorf bei Dresden, des Malakons 



*) Frenzel, Min. Lexik, von Sachsen pag. 322. 



206 



im Syenit des Plauen'schen Grundes und des Hyacinths im 
Schwemmlande des Elbthalgebirges reiht sich das beschriebene 
Vorkommen des Zirkons in den Gängen von Syenitgranit bei 
Waldheim an. Zugleich aber erinnert die Mineralcombinatiou 
von natronhaltiger, dadurch arfvedsonitähnlicher Hornblende, 
yttererdebaltigem, dadurch yttrotitanitähnlichem Titanit, ferner 
Orthit und Zirkon lebhaft an die berühmten skandinavischen 
Vorkommnisse. 

Die Structur dieses Gänge ist eine ausgezeichnet kör- 
nige, doch macht sich stets die Tendenz zu schriftgranitischer 
Verwachsung des Feldspaths und Quarzes geltend. Selbst 
dort, wo diese beiden Gemengtheile mit den übrigen oben 
aufgezählten ein echt granitisch-körniges Aggregat bilden, sind 
die Feldspathindividuen oft von nadelartigen , in jedem Korne 
parallelstehenden Quarzsäulehen durchwachsen , die dann auf 
den glänzenden Spaltungsflächen des Orthoklases als rauch- 
graue Punkte hervortreten. In manchen der weniger mäch- 
tigen Gänge, wo der Feldspath bei Weitem vorwaltet, ist er 
von federkielstarken Quarzprismen durchschossen, so dass eine 
dem echten Schriftgranit ähnliche Gesteinsvarietät erzeugt 
wird. In diesem leicht in Spaltungsstücke von mehreren 
Kubikzoll Grösse zerschlagbaren Schriftgranit liegen dann 
ordnungslos vereinzelte glänzende Hornblendesäulen und Titan- 
krystalle eingesprengt. Ist auch die gesammte Gesteinsmasse 
unserer Gänge und namentlich die echt granitisch-körnige Va- 
rietät derselben reich, stellenweise sehr reich an Titanit- 
krystallen , so findet doch gewöhnlich nach den beiderseitigen 
Grenzflächen der Gänge zu eine derartige Concentrirung dieses 
Minerals statt, dass sich 0,2 bis 0,5 Cm. mächtige Salband- 
zonen von ziemlich dicht aneinander liegenden 
Titani tkry stall en herausbilden. Diese Titanitsalbänder 
stellen sich auch dann ein , wenn die Hauptgangmasse das 
genannte Mineral sehr spärlich oder gar nicht führt. In beiden 
Fällen aber wird durch diese Erscheinung ein symmetrischer 
Bau der Gänge bedingt. Die Titanitkrystalle der Salbänder 
sind fast immer mit zwei Flächen der vorherrschenden Hemi- 
pyramide auf die Wandungen der einstigen Spalten aufge- 
wachsen, so dass diese stellenweise wie mit flachen Titaniten 
gepflastert erscheinen , welche letzteren dem Spaltenraume, 
also der jetzigen granitischen Gangmasse jedesmal zwei glän- 




zende Flächen von n , eine von P und die eines Hemidomas 
zuwenden. 

Schliesslich sei an dieser Stelle noch darauf hingewiesen, 
dass in keiner anderen Gesteinsart des Granulitgebirges Gänge 
ähnlicher Art aufsetzen und dass kein einziger der Hunderte 
von granitischen Gängen, wie sie dem echten Granulit, dem 
Cordieritgneiss u. s. w. angehören, eine derartige Combination 
von Titanit, Zirkon, Hornblende, Feldspath und Quarz aufweist. 
Es ergiebt sich dasaus , dass die mineralische Zusam- 
mensetzung der in den verschiedenartigen Ge- 
birg s glie d e r n der Gr anuli tf o rmation aufsetzenden 
granitischen Gänge abhängig ist von der petro- 
graphischen Beschaffenheit des Nebengesteins. 

1 

9. Granat und Epidot fahrende Qnarz-Feldspath-Trümer im Horn- 
hlendeschiefer von Thierbach. 

Zwischen Thierbach und Wolkenburg ist durch den tiefen 
Thaleinschnitt der Mulde ein der hangenden Grenze der eigent- 
lichen Granulitformation angehörige Einlagerung von Horn- 
blendeschiefern entblösst. Letztere sind aus dunkelgrünen, 
faserigen Hornblendeindividuen zusammengesetzt, enthalten ein- 
zelne Einsprenglinge von Feldspath, Granat, Quarz und Glim- 
mer und werden von zahlreichen Gangtrümern netzartig 
durchädert. 

Dieselben besitzen eine durchschnittliche Mächtigkeit von 
2 bis 5 Cm., bilden jedoch locale Anschwellungen von dop- 
pelter Dicke, sind mit ihrem Nebengestein auf das Innigste 
verwachsen und bestehen aus Quarz, Oligoklas, Epidot, Granat 
und Hornblende, denen sich accessorisch Schwefelkies und 
Titanit zugesellt. 

Der Quarz ist z. Th. glasig und klar mit einem Stich 
in's Braune, z. Th. körnig und dann weiss. Der Epidot 
besitzt eine intensiv pistaziengrüne Farbe, bildet körnige und 
wirr-stengelige Aggregate, aus denen einzelne grössere Krystall- 
individuen oder deren glänzende Spaltungsflächeu hervor- 
treten. In offene Drusenräume ragen zuweilen einfache hori- 
zontal-säulenförmige Epidotkrystalie, gebildet von der schiefen 
Basis und den Orthopinakoid , an dem freien Ende mit einer 
Hemipyramide hinein. Der Oligoklas ist weiss, körnig 



208 



und ausserordentlich zart zwillingsstreifig. Granat von 
röthlich nelkenbrauner Farbe ist entweder in stecknadelkopf- 
grossen Krystallen (oc O. 202) im Epidot, Oligoklas oder 
Kalkspath eingesprengt, oder aber bildet für sich oder mit 
Kalkspathindividuen ein körniges Aggregat. In letzterem Falle 
sind beide Mineralien zuweilen zu kernkrystallartigen Formen 
verwachsen, indem glänzend weisse Kalkspathkörner von brau- 
ner Granatmasse rings umgeben und wiederum von Lamellen 
derselben durchzogen sind.*) — Der Kalkspath ist weiss 
bis wasserhell, füllt die Spältchen, Ecken und Drusenräume 
innerhalb der übrigen Gangmasse aus oder bildet mit ihnen 
ein krystallinisch körniges Aggregat. Mit dem Epidot ver- 
wachsen treten säulige Partieen dunkellauchgrüner Horn- 
blende auf. Die seltenen Titanitkrystalle von hori- 
zontal-säulenförmigem Habitus besitzen eine lichtgelblichgrüne 
Farbe und fallen durch ihren ausgezeichneten Diamantglanz 
in's Auge. Schwefelkies kommt hier und da derb einge- 
sprengt vor. 

Was die Structur des kurz beschriebenen Gangmaterials 
betrifft, so ist dieselbe z. Th. zwar eine granitisch - körnige, 
meist jedoch eine symmetrisch - lagenförmige. Dann bildet 
stellenweise Epidot die beiden äussersten , Quarz die beider- 
seitig darauf folgenden, Granat, Kalkspath und Oligoklas die 
centralen Zonen, ohne dass diese Reihenfolge constant bliebe, 
die sich sogar zu der umgekehrten gestalten kann. 

Die kurze Darstellung dieses Gangvorkommens hat deshalb 
hier Platz gefunden, weil letzteres eine gewisse Bedeutung für 
unsere Betrachtungen über die Genesis der granitischen Gänge 



*) In seinem dem kgl. sächs. Oberbergamte zu Freiberg erstatteten 
Berichte über die von ihm im Sommer 1865 ausgeführten Untersuchungen 
im südwestlichen Theile des sächsischen Granulitgebietes giebt Si'elznek 
u. a. eine Beschreibung dieser Gangvorkommnisse, sowie gewisser, den 
letzteren angehöriger „Granatperimorphosen, die unter einer ausserordentlich 
dünnen, aus Granatsubstanz bestehenden Hülle ein Gemenge von Pistazit, 
Granat und Kalkspath als Ausfüllung des Krystallraumes erkennen lassen." 

Zugleich gestehe ich dankbar ein, dass die eingehenden Vorunter- 
suchungen und kartographischen Aufnahmen des sächsischen Granulit- 
gebiets von Seiten des Herrn A. Stelznek sowohl den diesem Aufsatze 
zu Grunde liegenden geognostischcn Beobachtungen, wie den Aufnahmen 
der geologischen Landesuntersuchung in dem von Stelzner behandelten 
Gebiete einen wesentlichen Vorschub geleistet haben. 



209 



des Granulitgebirges hat. Aus Obigem geht nämlich Folgendes 
hervor : 

1) Quarz, Epidot, Kalkspatb, Granat, Hornblende, Oli- 
goklas und Schwefelkies führende Trümer gehören zu den ge- 
wöhnlichen Vorkommnissen innerhalb der Hornblende- 
gesteine vieler Gegenden. 

2) Dahingegen sind dergleichen Gangvorkommen in dem 
normalen und glimmerführenden Granulit, im Cordieritgneiss 
und Trappgranulit des sächsischen Granulitgebirges nicht 
bekannt, ebensowenig wie auf der anderen Seite die Pegmatite, 
Turmalingranite oder granitischen Gänge des Granulits in den 
ihm auflagernden Hornblendefels hineinreichen. 

3) Die oben beschriebenen Epidot - Granat - Gänge sind 
somit gebunden an ein bestimmtes Nebengestein , in welchem 
sich die Bedingungen zu ihrer Entstehung gegeben finden, 
nämlich an die Hornblendeschiefer, die umgekehrt nicht im 
Stande waren, das MateriaLzu den kalireichen Granitgängen, 
wie sie an den Granulit gebunden sind, zu liefern. Dahin- 
gegen haben unter allen übrigen Gesteinen des Granulitgebirges 
die Eklogite die meiste Aehnlichkeit in ihrer chemischen Con- 
stitution mit den Hornblendeschiefern von Thierbach. Die- 
selbe offenbart sich namentlich in dem Reichthum beider 
Gesteinsarten an Kalkerde und in deren Armuth an Kali und 
Natron. Deshalb sind auch die aus der Zersetzung beider 
Gesteinsarten hervorgegangenen Mineralvergesellschaftungen von 
allen mineralischen Gängen des Granulitgebiets am nächsten 
miteinander verwandt: in jeder derselben spielen Epidot, 
Hornblende, Titanit und Granat neben Feldspath und Quarz 
eine Hauptrolle. 



Gedrängter Rückblick. 

I. In dem sächsischen G ra n u 1 i t g e bi r g e treten 
Hunderte von granitischen, syenitischen und peg- 
m atitischen Gängen auf. Ihre Mächtigkeit ist unbedeu- 
tend, ihr Verlauf unregelmässig, ihre Ausdehnung unbeträcht- 
lich, ihre Streichrichtung gesetzlos. 

Zeits. d.D.geol. Ges. XXVII. 1. " 14 



210 



II. An ihrer Zusammensetzung nehmen fol- 
gende Mineralien Theil: 

Metall oxyde: 

Quarz, 
H al o id e: 

Amblygonit, 

Apatit, 

Kalkspath, 

Braunspath, 
G eolithe : 

Orthoklas, 

Perthitartiger Feldspath, 
Oligoklas, 
Albit, 
Andalusit, 
Topas, 
Zirkon, 
A mphoterolitbe: 
Turmalin, 
Granat, 
Orthit, 
Epidot, 

Hornblende, z. Tb. arfvedsonitartig, 

Magnesiaglimmer, 

Kaliglimmer, 

Lithionglimmer, 

Chlorit, 

Pinit, 
Tantaloide: 

Titanit, z. Th. yttererdehaltig, 
Metalloxyde: 

Eisenglanz, Eisenrahm, Eisenocker, 
Kiese: 

Eisenkies. 

III. Einige dieser Gangmineralien weisen 
aussergewöhnliche oder sonst interessante Er- 
scheinungen auf: 

Der Quarz in seiner Krystallgestalt meist auf Prisma 
und Pyramide beschränkt, ist zuweilen durch das Auftreten 



211 



von Rhomben - und Trapezflächen ausgezeichnet und zwar 
fällt die Entwicklung des trapezoedrischen Habitus meist 
mit der Vergesellschaftung von Turmalin zusammen. Es scheint 
hierin eine Bestätigung des Satzes zu liegen, dass die Krystall- 
gestalt des Quarzes durch den Bor- und Fluorgehalt der Mineral- 
solution beeinflusst .worden sei, aus welcher sich neben Quarz 
gleichzeitig Turmalin ausgeschieden hat. Jedoch ergiebt es 
sich , dass in den an Turmalinen reichen Drusen neben trape- 
zoedrischen Quarzen solche von einfachster Form viel häu- 
figer sind, ja dass mit Turmalin verwachsene und sicher mit 
ihm gleichaltrige Quarze die erwähnten Trapezflächen nur in 
vereinzelten Fällen aufweisen. 

Bei geringem Zusammenhang grosser Quarze mit den 
Wandungen der Gangspalten konnten sich dieselben durch 
fortgesetztes Wachsthum und damit verbundene Gewichts- 
zunahme, oder in Folge von Erschütterungen, welchen das 
Nebengestein ausgesetzt war, loslösen, herabstürzen, zu Frag- 
menten zersplittern und ein loses Haufwerk auf dem Boden 
der Weitungen bilden. Dann stellt sich die Erscheinung ein, 
dass die Bruchflächen der von den Wandungen herabgestürzten 
Krystalle sich mit Neubildungen von Quarz bedecken, welche 
sich auf jeden kleinen Vorsprung des muscheligen Bruches 
ansiedeln, dabei jedoch sowohl untereinander wie zu dem 
Hauptkrystall eine parallele Axenstellung einnehmen und augen- 
scheinlich bestrebt sind, das fehlende Krystallende zu ersetzen. 
Die verstümmelten , ja oft zu dünnen Scherben zersplitterten 
Quarze suchen demnach ihre Verletzung auszugleichen und 
eine ,öormale, geschlossene Krystallgestalt wieder zu gewinnen. 

Nicht selten sind Drusenquarze bei ihrem Wachsthum an 
irgend eine ihnen entgegen tretende Krystallfläche gestossen 
und haben dann eine abnormale, z. B. „basische" Endfläche 
ausgebildet. Erfolgte nach Zersetzung dieses Hemmnisses ein 
Fortwachsen des Quarzes in der Richtung der Hauptaxe und 
wiederholen sich diese Ereignisse , so entstand ein treppen- 
fö'rmiger Aufbau aus lauter aufeinander gesetzten kurzen 
Prismen. 

Perthitartig verwachsene Feldspäthe. Die frei- 
lich erst mit Benutzung des Mikroskops nachweisbare Erschei- 
nung, dass zarte zwillingsstreifige Lamellen und Schmitzen von 
Albit zwischen stärkeren Lamellen von Orthoklas in ortho- 

14* 



212 



pinakoidischer Lage eingeschaltet sind, ist in den granitischen 
Gängen des Granulitgebirges sehr gewöhnlich. Nicht selten 
stellen sich zugleich zarte Albitlamellen in klinopinakoidischer 
oder prismatischer Lage ein, so dass eine unregelmässig bienen- 
wabenähnliche Durchwachsung des Orthoklases mit Albit hervor- 
gebracht wird, welche im Querschnitt natürlich in Form einer 
netz - oder leiterähnlichen Zeichnung erscheint. Diese die 
Krystallgestalt des Orthoklases besitzende Association von 
Orthoklas und Albit kann in Folge der Gegenwart des letzt- 
genannten Feldspaths einen Natrongehalt von 4 pCt. auf- 
weisen. Durch Auslaugung und Umsiedelung des Albits wer- 
den sehr interessante Erscheinungen hervorgerufen. Jedoch 
sind dergleichen perthitartige Verwachsungen von Orthoklas 
und Albit innerhalb des Granulitgebirges auf die Gangspalten 
beschränkt , während die natronhaltigen Kalifeldspäthe des 
Nebengesteins keine-Spur lamellarer Zusammensetzung zeigen, 
sondern isomorphe Mischungen sind. Erst bei Auslaugung 
der Feldspathsubstanz aus dem Nebengestein kann eine Spal- 
tung und Individualisirung des Natronfeldspaths und des Kali- 
feldspaths und bei gleichzeitiger Wiederausscheidung eine gegen- 
seitige Durchwachsung eintreten. 

Zirkon war bisher in den Gängen des Granulitgebirges 
noch nicht bekannt. An einzelnen Kryställehen des neuen 
Vorkommnisses ist die vorwiegende Entwicklung der ditetra- 
gonalen Pyramide bemerkenswerth. 

Schwarze Turmali ne bilden einen Hauptbestandteil 
vieler Gänge, neben ihnen spielen jedoch auch solche von 
dunkellauchgrüner , lichtsmaragdgrüner , blassölgrüner , car- 
moisinrother , intensiv- oder lichtrosarother und weingelber 
Farbe eine wichtige Rolle. Auch mehrfarbige Krystalle sind 
von dem nämlichen Fundpunkte bekannt. Rosaturmaline mit 
wenigstens einseitiger Endausbildung können fast ohne Bethei- 
ligung eines anderen Minerals zu einem grobkrystallinischeu 
Aggregat zusammentreten. In einem der granitischen Gänge 
ist die Mehrzahl der das Gestein durchschiessenden Turmaline 
mit Quarz oder Orthoklas und Quarz zu Kernkrystallen und 
zwar z. Th. solchen von complicirterem Aufbau verwachsen. 

Viele der Kaliglimmer und manche der Lithion- 
gl immer zeichnen sich, ganz ähnlich wie die uralischen 
Muskowite , durch ihre Federstreifung aus , welche als trelf- 



liches Mittel zu krystallographischer Orientirung besondere 
Aufmerksamkeit verdient. 

Gewisse Hornblenden nähern sich durch ihren Gehalt an 
Natron und Kali dem Arfvedsonit, gewisse Titanite durch 
ihren Gehalt an Ytter - und Thonerde dem Yttrotitanit; 
beide sind vergesellschaftet mit Zirkon, Apatit und Orthit und 
erinnern dadurch lebhaft an nordische Mineralcombinationen. 

IV. Gewisse der oben aufgezählten Gangmine- 
ralien sind Pseudomorpho sen oder anderweitiger 
secundärer Entstehung: 

Die Albitkrystalle innerhalb der Drusenräume ver- 
danken ihren Ursprung der Auslaugung des Natronfeldspaths 
aus dem perthitartigen Orthoklas , in welchem derselbe zarte, 
flachwellige Schmitzen und Lamellen bildete. Die ersten Sta- 
dien dieser Albitextraction offenbaren sich in einer dem Ortho- 
pinakoide parallelen Streifung und dann allmälig immer tiefer 
und tiefer werdenden Furchung der Krystallflächen des perthi- 
tischen Orthoklases. In Folge fortgesetzter Vertiefung dieser 
Furchen verfällt letzterer einer lamellaren Zersetzung , welche 
noch dadurch beschleunigt wird, dass die stehenbleibenden 
Orthoklaslamellen den zersetzenden Einflüssen mehr Angriffs- 
punkte bieten wie bisher. Derartige auf oP horizontal, auf 
den Flächen des Prismas und Klinopinakoides vertikal gereifte 
und gefurchte Orthoklase sind innerhalb der granitischen 
Gänge des Granulitgebiets sehr häufig. Bei Carlsbader, ßa- 
venöer und nach o P verwachsenen Zwillingen giebt die gesetz- 
mässig verlaufende Furchung der Flächen zu ebenso zierlichen, 
wie interessanten Oberflächenerscheinungen Veranlassung. Die 
aus dem perthitartigen Feldspath extrahirte Albitsubstanz sie- 
delt sich in anfänglich kleinen, allmälig wachsenden Krystallen 
und Krystallincrustaten entweder auf der Oberfläche, am Fusse 
oder in der weiteren Umgebung des Mutterminerals, in ersterem 
Falle in paralleler Stellung zu diesem an. 

Ein Theil des Kaliglimmers ist aus der Zersetzung 
des Orthoklases hervorgegangen und bildet dann auf der Ober- 
fläche oder in der Nähe der in Zersetzung begriffenen Feld- 
späthe radialschuppige oder rosettenförmige Gruppen , — auf 
den Spaltungs- und Kluftflächen oft nur hauchartige, z. Th. 
aber auch derbere Ueberzüge von zarten Schüppchen, innerhalb 
der mürben Feldspathsubstanz silberglänzende Punkte, in Rissen 



214 



und Sprüngen feine blätterige Aushüllungen , und endlich bei 
im Zustande weit fortgeschrittener Umwandlung begriffenen 
Individuen eine vollständige, radialblätterige Umhüllung, deren 
Schuppen in die mürbe, zersetzte Feldspathmasse parasitisch 
eindringen. 

Bei dieser Umgestaltung des Orthoklases in Kaliglimmer 
wird gleichzeitig Kieselsäure frei, welche zur Bildung von 
Quarzkryställchen Veranlassung giebt. 

Der Pinit, welcher in einigen granitischen Gängen des 
Grauulitgebirges auftritt, ist z. Th. aus der Umwandlung von 
Cordierit (so bei Penig), z. Th. aus der von Turmalin (so bei 
Wolkenburg) hervorgegangen. 

V. Die unter II. aufgezählten Mineralien ver- 
gesellschaften sich zu folgenden Gangformationen: 

1. Quarz — Orthoklas ; 

2. Quarz — Kaligiimmer — Turmalin ; 

3. Albit — Kaliglimmer — Quarz; 

4. Orthoklas — Kaliglimmer — Quarz; 

5. Oligoklas — wenig Orthoklas — viel Magnesiaglimraer 

— Quarz; 

6. Orthoklas — Perthit — Albit — Oligoklas — Kaliglim- 

mer — Magnesiaglimmer — Quarz — Granat — An- 
dalusit — Cordieritpinit — schwarzer Turmalin — 
Apatit; 

7. Orthoklas — Quarz — Lithionglimmer — Amblygonit — 

Apatit — schwarzer und bunter Turmalin — Topas 

— Turmalinpinit; 

8. Orthoklas — Oligoklas — Quarz — arfvedsonitäbnliche 

Hornblende — Pistazit — Apatit — Orthit — Zirkon 

— yttererdehaltiger Titanit; 

9. Oligoklas — Pistazit — Hornblende — Granat — Quarz 

— Kalkspath — Titanit — Schwefelkies. 

VI. Die verschiedenartigen Hauptgruppen der 
eben genannten Mineralassociationen setzen nicht 
in gegenseitiger Vergesellschaftung, auch nicht 
in jedem beliebigen Nebengestein auf, sind viel- 
mehr an bestimmte Gesteinsgruppen gebunden, 
und zwar: 



215 



1) die Combinationen, in denen Orthoklas, Perthit, Kali- 
glimraer, Lithionglimmer, Magnesiaglimmer und Tur- 
malin eine Hauptrolle spielen , an die echten und an 
die glimmerführenden Granulite; 

2) die Combinationen, in denen Magnesiaglimmer und 
Oligoklas vorwalten, an die Plagioklas-Augitschiefer; 

3) die Combinationen, an denen wesentlich Hornblende, 
Pistazit, Granat und Titanit theilnehmen, an die Eklo- 
gite und Hornblendeschiefer; 

4) die Combination von Quarz, Kaliglimmer und Tur- 
malin an die Cordieritgneisse. 

VII. In der Aggregirung der genannten Mine- 
ralien zur Ausfüllungsmasse der Gänge zeigen 
sich folgende Structurformen: 

1) Massige, feinkörnige bis pegmatitische Structur; 

2) stengelige Structur, die stengeligen Individuen reichen 
von Salband zu Salband; 

3) stengelige Individuen stossen in einer centralen Ver- 
wachsungsnaht zusammen; 

4) radialstrahlige Structur, die Säulenbündel divergiren 
in der Richtung nach der Medianebene des Ganges ; 

5) symmetrisch-lagenförmige Structur, in Folge: 

a. lagenförmigen Wechsels der Textur, 

b. lagenförmig verschiedener Korngrösse, 

c. lagenförmigen Vorwaltens bald des einen, bald 
des anderen Gemengtheils, 

d. lagenförmiger totaler Substanzverschiedenheit; 

6) concentrisch-lagenförmige Structur; 

7) geschlossen-drusenförmige Structur; 

8) zellig-drusige Structur; 

9) nicht geschchlossen-spaltenförmige Structur; 

10) aus einzelnen oder der Mehrzahl der genannten Structur- 
formen combinirte Gangstructur. 

VIII. Die Ausfüllungsmasse dieser graui- 
tischen Gänge hat sich analog jedem erzführenden 
Mineralgange durch Ausscheidung aus wässerigen 
Lösungen gebildet, denn 

1) gestatten die Structurformen dieser Gänge keine an- 
dere Deutung. Bald zwingen sich die an den Salbändern 



216 



anschiessenden Mineralien dadurch, dass sie sich gegenseitig 
in ihrer normalen Ausdehnung in die Breite hinderten, zu 
unverhältnissmässiger Entwicklung in die Länge, also zu sten- 
geligen Formen. Dieselben müssen bei fortdauernder Zufuhr 
der mineralischen Losung in der Mitte gegen einander stossen 
und bilden dann hier, ohne miteinander zu verwachsen, eine 
centrale Naht (also stengelige Structur mit centraler Naht). 
Zuweilen aber hörte der Zufluss der Lösung auf, ehe die von 
beiden Salbändern aus aufeinander zu wachsenden Mineral- 
individuen zu gegenseitiger Berührung gelangten und lassen 
dann eine von den Krystallenden der granitischen Bestand- 
teile gebildete Drusenspalte offen, — oder es ändert sich 
die substantielle Beschaffenheit der Mineralsolution, dann wird 
die centrale Drusenspalte von einer anders beschaffenen Mineral- 
masse ausgefüllt, in welche die Krystallenden der bisherigen 
Centraidruse hineinragen, es entsteht die geschlossene Druseu- 
structur (z. B. Fig. 12 u. 24). Die symmetrisch-lageuförmige 
Structur ist nichts Anderes, als eine der Unterlage der sich 
ausscheidenden Bestandteile parallele, in diesem Falle geneigte 
oder vertikale Schichtung und für Gänge das nämliche Krite- 
rium wässerigen Absatzes, wie für die sedimentären Schichten- 
reihen. Jede Lage entspricht einer periodischen Zuströmung 
von mineralischer Lösung, jeder Wechsel in der Structur und 
in den Gemengtheilen dieser Lagen einer Aenderung der zu- 
fliessenden Lösung. Nur als eine Modification der symme- 
trischen ist die concentrisch-lagenförmige Structur aufzufassen; 
— es ist überall das Nebengestein, auf welchem die Gang- 
mineralien anschössen , mochte dasselbe nun seine ebenen 
Spaltenwandungen oder in den Spaltenraum hineinragende, 
sich später losziehende Ecken als Basis für die Krystallbildung 
bieten. Hierbei bethätigt sich zuweilen die nämliche Erschei- 
nung, die wir an verletzten künstlichen Krystallen wahrnehmen, 
nämlich die energische Tendenz, die erlittene Verletzung aus- 
zuheilen und deshalb an der betreffenden Stelle besonders reich- 
lich Masse anzuhäufen. Innerhalb unserer Gangspalten wieder- 
holt sich dieser Vorgang in der Gestalt, dass die von den 
Spalten geschnittenen Glimmerblättchen als Ausgangspunkte 
für eine neue Glimmerbildung dienten , also nach langem Zu- 
stande der Ruhe in den aufgerissenen , mit mineralischen Lö- 
sungen angefüllten Spaltenraum hinein fortzuwachsen begannen. 




217 

Aehnlich wie die erwähnten, nur an den Salbändern mit 
einer granitischen Krystallkruste bedeckten Spalten , reprä- 
sentiren sowohl die zahlreichen mit kleineren oder grösseren 
Mediandrusen versehenen, wie jene zellig-drusigen Gänge eine 
noch nicht abgeschlossene, mehr oder weniger unfertige Gang- 
bildung. Jede dieser Krystalldrusen stellt die Wachsthums- 
fläche einer Granitpartie vor, — ihre Krystalle sind nichts als 
die noch freien , vorgeschobenen Enden der weiter hinten zu 
granitischem Aggregat verbundenen Gesteinsbestandtheile , sie 
sind nichts als die granitischen Keime, welche in die nährende 
Mineralsolution der Drusen - und Spaltenräume eindringen. 
Werden letztere in Folge des nach Innen vorschreitenden 
Wachsthums so eng, dass die am weitesten vorgeschobenen 
Krystalle auf solche der gegenüber liegenden Seite stossen, 
so werden sie in ihrem Fortwachsen gehindert und erhalten 
abnormale Endausbildung, so z. B. die Quarze ,, basische' 4 oder 
schräge Endflächen. Die sämmtlichen , oben aufgeführten 
Structurformen der granitischen Gänge weisen demnach darauf 
hin, dass letztere nur als Producte einer allmäligen, von den 
Spaltenwandungen aus vor sich gehenden Ausscheidung aus 
wässeriger Lösung betrachtet werden können. 

2) Reste dieser letzteren sind uns in Form zahlloser 
Flüssigkeitseinschlüsse innerhalb der Bestandtheile der gra- 
nitischen Gänge überliefert worden. Der nicht unübliche Schluss: 
„der Granit ist reich an Flüssigkeitseinschlüssen, folglich sind 
bei seiner E r u p ti on Wasserdämpfe oder überhitzte Wasser be- 
theiligt gewesen", dieser Schluss ist durchaus ungerechtfertigt, 
so lange nicht auch Reste des Schmelzflusses, also Glaseier 
und glasige Zwischendrängungsmasse nachgewiesen werden, 
was bis jetzt noch nicht der Fall gewesen ist. Für unsere 
Gange lässt sich nur die Gegenwart von Wasser bei deren 
Entstehung beweisen. 

3) Zugleich aber ist durch anderweitige Einzelvorkommen 
von fast sämmtlichen Bestandtheilen der granitischen Gänge 
des sächsischen Granulitgebirges constatirt , dass sie sich in 
der That aus wässerigen Lösungen auszuscheiden im Stande 
sind, — haben sich doch z. B. die Porphyrgerölle des Kohlen- 
conglomerats von Euba mit einer Kruste der Hauptbestand- 
teile des Granits, also von Orthoklas, Quarz und etwas 
Glimmer bedeckt. 



218 



IX. Das mineralische Material unserer grani- 
tischen Gänge stammt nicht von aus der Teufe 
e inp o r d r ing en d en , vielleicht sogar heissen Mi- 
neralquellen, sondern von partieller Zersetzung 
und Auslau gung des Nebengesteins durch sich all- 
mälig zu Min eral solutio n umgestaltende Sicker- 
"wasser; und zwar aus folgenden Gründen: 

1) Viele der granitischen Gänge keilen sich nach unten, 
oder wenn sie schwebende Lage besitzen , beiderseitig aus, 
stehen also mit Quellcanälen in keiner Verbindung. 

2) Viele der granitischen Gänge (z. B. Fig. 26) schmiegen 
sich an die Verwitterungsformen ihres Nebengesteins an, neh- 
men also Räume ein, deren Entstehung mit der theilweisen 
Zerstörung des Nebengesteins verknüpft war. 

3) Einzelne der beschriebenen Gänge sind grossartige 
Wiederholungen der an den individuellen Bestandtheilen des 
Nebengesteins vor sich gehenden Pseudomorphosen. So wan- 
deln sich die Cordieritkörner des Cordieritgneisses von Lun- 
zenau durch Aufnahme des von der Zersetzung des Orthoklases 
herrührenden kieselsauren Kalis in Kaliglimmer um, wobei 
gleichzeitig Eisenoxydhydrat und Kieselsäure ausgeschieden 
werden und Magnesiacarbonat entführt wird. Wie an Stelle 
der durch Zersetzung theilweise entfernten Orthoklas - und 
Cordieritindividuen , so haben sich die Producte des pseudo- 
morphosirenden Processes auch in den das Gestein durch- 
ziehenden Spalten angesiedelt und bilden jetzt Gänge von Kali- 
glimmer, Quarz und Eisenoxyd. Ferner wissen wir, dass aus 
natronhaltigem Orthoklas albitische Substanz ausgelaugt, der 
übrig bleibende reine Kalifeldspath aber in Kaliglimmer und 
Quarz umgewandelt werden kann. Die aus dieser Metamor- 
phosirung resultirenden Mineralsubstanzen können aber auch 
eine etwas grössere Ortsveränderung vornehmen, Spaltenräu- 
men zugeführt werden, diese allmälig ausfüllen und zu Gängen 
von Albit, Kaliglimmer und Quarz umgestalten. 

4) Jede als selbstständiges Glied des Granulitgebirges 
auftretende Gesteinsart hat im Allgemeinen ihre besonderen 
Gangformationen : 

der normale und glimmerführende Granulit: echte 
Granit- und Pegmatitgänge, sowie Quarzgänge mit Ortho- 
klaseinsprenglingen ; 



219 



der Augitschiefer: an Magnesiaglimmer und Oligoklas 
sehr reichen Granit; 

der Eklogit: Epidot, Titanit, Zirkon haltigen Syenit- 
granit; 

der Hornblendeschiefer: Epidot, Granat, Kalkspath- 
gänge; 

der Cordieritgneiss : Quarz, Kaliglimmer, Turmalin- 
gänge ; 

der Glimmerschiefer: Quarzgänge. 

Ausnahmen sind selten und lassen sich meist auf eine 
locale Ursache zurückführen. Dahingegen ist nicht ein ein- 
ziger Fall beobachtet worden , wo Gänge einer Mineralcombi- 
nation von solchen einer anderen durchsetzt werden. 

5) Der mineralische Inhalt der Gangspalten steht in 
einem gewissen Abhängigkeitsverhältniss zu der chemischen 
Zusammensetzung des Nebengesteins: 

Der Kalireichthum , der geringere Natrongehalt , die 
Magnesia- und Kalkarmuth des Granulits finden darin ihren 
Ausdruck, dass die Hauptbestandtheile der in ihnen auf- 
setzenden Gänge Kalifeldspath und Kaliglimmer sind, während 
Natronfeldspath und 2 bis 4 pCt. Natron haltiger Perthit, in 
vielen Fällen auch Magnesiaglimmer, zurücktreten und endlich 
Kalkmineralien wie Hornblende und Epidot gar nicht, andere 
wie Granat und Kalkspath nur in seltenen und geringfügigen 
Mengen vorkommen. 

Dahingegen sind die Plagioklas- Augitschiefer verhältniss- 
mässig reich an Natron, sehr reich an Magnesia, aber arm 
an Kali, deshalb enthalten auch die in ihnen aufsetzenden 
Gänge im Gegensatz zu denen des Granulits sehr viel Magnesia- 
glimmer, viel Plagioklas, weit weniger Orthoklas und gar keinen 
Kaliglimmer. 

Ferner beträgt bei den Eklogiten der Gehalt an Magnesia 
7 bis 8 pCt. , an Kalk 10 bis 13 pCt. und ebensoviel der- 
jenige an Eisenoxyden, deshalb führen seine Gänge die Kalk- 
Eisen-Mineralien Hornblende, Epidot, Granat und Titanit. 

In ähnlicher Weise wiederholt sich der Reichthum der 
Hornblendeschiefer an Kalkerde und Eisenoxyden in den 
eisenkiesführenden Epidot, Granat, Hornblende, Kalkspath, 
Titanit-Trümern, welche dieselben durchziehen. 

Aus dem Obigen (sub VIII. und IX.) ergiebt sich , dass 



220 



die granitischen Gänge des sächsischen Granulitgebirges Aus- 
scheidungen aus wässerigen, dem Nebengestein entstammenden 
Mineralsolutionen sind, — ein Resultat, auf welches der 
etwaige Nachweis, dass irgend eine andere Gruppe von Granit- 
gängen eruptiver Entstehung ist, nicht den geringsten Einfluss 
ausüben wird; lag es doch auch uns fern, die aus Beobach- 
tungen im Granulitgebirge gezogenen Schlussfolgerungen auf 
die Genesis der gesammten Granite zu verallgemeinern. 



Erklärung der Abbildungen. 

Tafel VII. 
Profile g raniti sch e r G änge. 

Fig. 1. Von der Spaltenwandung losgebrochene Fragmente des 
Nebengesteins in der Gangmasse. Seite 124. 

Fig. 2 u. 3. Keilförmig in die ursprüngliche Gangspalte ragende 
Partieen (a) des Nebengesteins sind losgebrochen und von Gangmasse 
allseitig umschlossen. Seite 124. 

Fig. 4. Das Hangende c des Trumes b ist gerutscht, wodurch 
Gang a an Mächtigkeit gewonnen hat. Oberhalb Rochsburg. Seite 125. 

Fig. 5. Die Schichtenenden des Hangenden einer Gangspalte sind 
nach oben, diejenigen des Liegenden nach unten geschleift. Oberhalb 
Rochsburg. Seite 124. 

Fig. 6. Ein Feldspath führender Quarzgang wird von einem gra- 
nitischen Gange durchsetzt und verworfen. Striegis Thal, Etzdorfer 
Mühle. Seite 126. 

Fig. 7. Ein granitischer Gang in seiner mittleren Mächtigkeit aus 
einem echten granitischen glimmerreichen Aggregat bestehend, in den 
beiderseitigen Zonen ohne Glimmer. Spinnerei Amerika. Seite 137. 

Fig. 8. Granitischer Gang mit centraler Verwachsungsnaht von den 
Salbändern parallel liegenden Magnesiaglimmer- Tafeln. Unterhalb Penig. 
Seite 135. 

Fig. 9. Granitischer Gang mit stengeliger Structur und Centrainaht 
Beiderseitig Schriftgranit, dessen Stengel rechtwinklig auf den Salbändern 
stehen, in der Centrainaht Kaliglimmer -Tafeln und Turmalin - Säulen. 
Carl's Eiche unterhalb Penig. Seite 135. 

Fig. 10. Krümmung der hangenden Schichten eines Granittrumes 
nach oben, der liegenden nach unten, combiniit mit Verwerfung; be- 



221 



sonders deutlich durch die Wechsellagerung glimmerfreier und glimmer- 
reicher Schichten. Lauenhainer Mühle. Seite 125. 

Fig. 11. Granitischer Gang mit seitlichen Zonen von vorwaltendem 
röthlichen Feldspath und Centraizone von weissem Quarz mit schwarzem 
Turmalin. 15 Cm. mächtig. Gegenüber dem Rochsburger Schloss. 
Seite 141. 

Fig. 12. Granitischer Gang mit symmetrisch-lagenförmiger und zwar 
geschlossen-drusenförmiger Structur. 2 Cm. mächtig. Unterhalb Wolken- 
burg. Seite 140. 

Fig. 13. Granitischer Gang mit beiderseitiger Zone von dunkel- 
fleischfarbige in, von Quarz durchwachsenem Orthoklas. In der Centraizone 
Nester von schneeweissem Quarz und schwarzem Turmalin. 20 Cm. 
mächtig. Rochsburger Schlosspark. Seite 141. 

Fig. 14. Granitischer Gang mit stengeliger Structur. Lamellen von 
Magnesiaglimmer sind auf den beiderseitigen Spaltenwandungen ange- 
schossen und begegnen sich in der Centraizone. Chemnitzthal unterhalb 
Diethensdorf. Seite 133. 

Fig. 15. Granitischer Gang. Die Lamellen des Gangglimmers bil- 
den die Fortsetzung der von der Gangspalte geschnittenen Glimmer- 
schuppen des Nebengesteins. Bei Wolkenburg. Seite 133. 

Fig. 16. Gang mit beiderseitiger granitiscber Zone , die breite 
Centraizone aus Quarz mit strahlig - büscheligem Turmalin. 18 Cm. 
mächtig. Oberhalb Göhrener Viaduct. Seite 141. 

Fig. 17. Aehnlicher Gang, nur mit seitlichen Zonen von lichtgelb- 
lichem Orthoklas und Quarz. Unterhalb Wolkenburg. Seite 141. 

Fig.. 18. Granitischer Gang ebenfalls mit symmetrisch-lagenförmiger 
Structur, und zwar mit seitlichen Zonen von vorwaltendem Orthoklas, 
Quarz und viel quergestellten Glimmertafeln. Die centrale Zone reiner 
Quarz. 4 Cm. mächtig. Unterhalb Wolkenburg. Seite 140. 

Fig. 19. Granitischer Gang mit symmetrisch-lagenförmiger Structur 
und zwar Zone a = stengeliger Feldspath und Quarz , quer auf Sal- 
band gestellt;- b = feinkörniger Granit mit viel schwarzem Glimmer; 
c = a; d = b; e = breite Centraizone mit grossen röthlichen Ortho- 
klasen, weissem Quarz, schwarzem Turmalin, sehr grobkrystallinisch, in 
der Medianebene mit spaltenförmigem Drusenraum. 20 Cm. mächtig. 
Rochsburger Schlossberg. Seite 141. 

Fig. 20. Granitischer Gang mit lagen förmiger Structur und zwar 
beiderseitiger Zone a — hellrother stengeliger Orthoklas mit wenig Quarz; 
b = röthlicher Feldspath, Quarz, grünlicher Glimmer grobkörnig aggre- 
girt; c = Schriftgranit nach innen zu strahlig: d = Centraizone mit 
weissem Glimmer, Quarz, schwarzem Turmalin, röthlichem Orthoklas ; in 
der Medianebene mit spaltenförmigen Drusenräumen. Diese mit „ge- 
sägtem" Quarz und grossen Glimmertafeln. 15 Cm. mächtig. Oberhalb 
Markersdorf. Seite 141. 

Fig. 21. Granitischer Gang am Bahnhofe zu Wittgensdorf mit 
symmetrisch-lagenförmiger Structur und zwar siebenfacher Zonenbildung. 
45 Cm. mächtig. Seite 137. 



222 



Fig. 22. Cocardenartige Gangstructur ; a — Granulitfragment . um- 
geben zunächst von einer Zone stengeligen Granits, dessen Glimmer- 
blättchen quer auf der Oberfläche der Granulitbruehstücke stehen. Witt- 
gensdorf bei Burgstaedt. Seite 143. 

Fig. 23. Gang von Turmalingranit bei Wolkenburg. 2 Meter 
mächtig. Beiderseitig mit schwarzen Turmali nsäulen, welche sich nach 
der Mitte zu radialstrahlig gruppiren. In der schmalen Centraizone mit 
Nestern von Lepidolith und bunten, namentlich rosenfarbigen 
Turmalinen. Seite 186. 

Fig. 24. Granitischer Gang im Muldethal unterhalb Amerika. 45 bis 
50 Cm. mächtig, mit symmetrisch-lagenförmiger Structur und zwar elf- 
facher Zonenbildung. Seite 138. 

Fig. 25. Pegmatitgang oberhalb Rochsburg. 1,3 M. mächtig, mit 
combinirt symmetrisch-lagenförmiger und strahlig -stengeliger Structur. 
a — Schriftgranit ; b = röthlicher Orthoklas mit Andalusitbüscheln, 
c = weisser Quarz. Seite 177. 

Fig. 26. Granitische, sehr glimmerreiche Gangsecretionen im block- 
artig verwitterten Augitschiefer von Schweizerthal. Seite 197. 

Fig. 27. Trümer von Zirkon und Titanit führendem Syenitgranit 
im zersetzten Eklogit hinter der „Erholung" bei Waldheim. Seite 203. 

Fig. 28 a und b. Querschnitte durch Kernkrystalle von schwarzem 
Turmalin und weissem Quarz, aus dem Turmalingranitgang bei Wolken- 
burg. Seite 183. 

Fig. 29. Schematische Darstellung zweier Quarze mit treppenför- 
migem Aufbau. Aus einem Quarz - Orthoklas - Gang bei Rochsburg. 
Seite 115. 



223 



Inhalt. 

Seite. 

Einleitende Bemerkung 104 

1. Gänge von Quarz, Kaliglimmer und Turmalin im Cordierit- 
gneiss von Lunzenau 104 

2. Gänge von Quarz mit Orthoklas 113 

3. Gänge von Albit, Kaliglimmer und Quarz im Granulit . . 120 

4. Granitische Gänge im Granulit 122 

5. Gänge von Pegmatit 157 

6. Gang von Turmalingranit mit bunten Turmalinen .... 180 

7. Granitische Gangausscheidungen im Augitschiefer von 
Schweizerthal 194 

8. Gänge von zirkonführendem Syenitgranit im Eklogit von 
Waldheim 202 

9. Granat und Epidot führende Quarz - Eeldspath - Trümer im 

Hornblendeschiefer von Thierbach 207 

Gedrängter Rückblick . . . . • 209 

Erklärung der Tafel VII 220 



224 



B. Briefliche Mitteilungen. 



1. Herr F. Hilgendorf an Herrn E, von Martens. 

Toiko (Japan), den 23. November 1874. 

Aus einer Aprilnummer des Naturforschers ersehe ich 
etwas spät, dass Herr Prof. F. Sandberger in den Verhand- 
lungen der physik. - medic. Gesellschaft zu Würzburg N. F. 
Bd. 5 eine Revision meiner Untersuchungen über den Planorbis 
mulliformis von Steinheim, die er an Ort und Stelle unternahm, 
veröffentlicht hat, und dass er zu ganz anderen Ansichten als 
den von mir ausgesprochenen gelangt ist. Zu einem gleichen 
Resultat, theilt er mit, sei auch Herr Prof. Hyatt in Boston 
gekommen und die Herren Professoren Leydig und Weissmann 
hätten sich durch das von ihm gesammelte Material von der 
Unnahbarkeit meiner Ansichten überzeugt. Der Hauptdifferenz- 
punkt ist offenbar, ob die einzelnen von mir beschriebenen 
Formen nach Schichten gesondert sind oder nicht, insbesondere, 
ob schon in den Discoideus - Schichten PL multif. trocM/orrnis 
zu finden ist, oder mit anderen Worten, ob es wirkliche Dis- 
coideus-Schichten giebt. Herr Sandberger hat beide Varietäten 
stets vermischt gefunden und leugnet eine Scheidung der 
Schichten nach diesen Varietäten mit grosser Entschiedenheit. 

Wie in meiner Abhandlung (Monatsber d. königl. preuss. 
Akad. d. Wiss. 1866 pag. 480) zu lesen , habe ich in einem 
einzigen Profil 27 deutlich unterschiedene Lagen in einer 
Gesammtstärke von 10', im einzelnen von 1" bis 42" stark, 
beobachtet und über ihre petrographischen Verhältnisse und 
ihre Mächtigkeit genauere Angaben gemacht. In allen diesen 
27 Schichten habe ich nie einen einzigen PL multif. trochiformis 
gefunden , trotzdem dass ich die Wichtigkeit dieses Punktes 



225 



von vornherein erkannt und ihn von Anfang an im Auge ge- 
habt habe. Ein Irrthum hierin oder ein Uebersehen ist bei 
der leichten Unterscheidbarkeit und der Grösse der betreifenden 
Formen undenkbar. Auch die Lagerung war durch die zwischen 
die Sandschichten geschobenen Kalkbänke völlig klar. Da ich 
nun etwa 2 Monate in den Sandgruben gesteckt habe und fast 
Tag für Tag diese Schichten, die durch das stetige Wegführen 
des Sandes immer erneute Profil - Oberflächen zeigten, beob- 
achten konnte , so habe ich viele tausend Exemplare des PI. 
multif. discoideus darin in situ gesehen und auch Tausende in 
sorgfältiger Weise für spätere Beobachtung gesammelt, jedoch 
nie darunter ein einziges Stück der kegelförmigen Varietät 
angetroffen. Die zweite Grube am östlichen Abhänge lieferte 
einen ganz gleichen Befund. In jeder Sulcatus - Schicht oder 
in einer Tenuis-Schicht fehlte der trochiformis ebenfalls absolut. 
Es könnte mir daher ebenfalls ganz unbegreiflich sein , wie 
Herr Sandberger finden kann, dass in den tiefsten Bänken 
schon alle (?) Formen meiner Hauptreihe nebeneinander 
liegen. Wie es scheint, hat Herr Sandberger auch keine 
Oxvstomus - Lage , d. h. eine ausschliesslich oder doch fast 
ausschliesslich mit oxystomus gefüllte Schicht ohne irgendwie 
wesentliche Beimischung von trochiformis oder discoideus sehen 
können, und auch die Tenuis - Zone ist ihm unbekannt ge- 
blieben. 

Was folgt nun aus diesen Widersprüchen? Ich denke 
einfach das, dass Herr Sandberger ein anderes Material unter- 
sucht hat, als ich. Und dies ist mir auch von vornherein 
höchst wahrscheinlich. Ich selbst habe während meiner Ar- 
beiten den Verlust verschiedener Schichten zu beklagen gehabt; 
so z. B. war die Schicht mit dem PI, multif. denudatus schon 
zu meiner Zeit völlig verschwunden. Eine einzige Düte Sand 
hatte mir 1862 wenigstens 20 Stücke dieser Form geliefert, 
die einzigen Exemplare die ich erhalten habe; später habe 
ich trotz wochenlanger Bemühung nie ein einziges Stück wie- 
der erlangen können. — Die ganze Ablagerung ist wenig aus- 
gedehnt; dabei bezieht nicht nur Steinheim, sondern die ganze 
Umgegend ihren Sand zum Mauern und zu anderem Bedarf 
von der berühmten Fundstelle. Seit 10 Jahren dürfte sich 
daher sehr viel geändert haben. Meiner Ansicht nach, so viel 
ich vorläufig beurtheilen kann, hat Herr Sandberger nur noch 

Zeits. d.D. geol. Ges. XXVII. 1. 15 



226 



Trochiformis - Schichten und die von mir (pag. 496) geschil- 
derte „Schutt-Schicht", eine secundäre Bildung, oder vielleicht 
gar nur die letzte allein, einer Untersuchung unterwerfen kön- 
nen oder doch unterworfen. Dann würden unsere Angaben 
ganz in Uebereinstimmung sein. 

Ich muss allerdings gestehen, dass diese Lösung der 
Disharmonie eine so einfache ist, dass sie auch von den 
Herren Sandberger und Hyatt hätte gefunden werden können ; 
ich werde daher auf jeden Fall, wenn ich nach Deutschland 
zurückgekehrt bin, durch eine erneute Untersuchung in Stein- 
heim selbst eine Aufklärung zu geben mich bemühen. In- 
zwischen verweise ich auf eine Stelle in meines Freundes, des 
Herrn Prof. Fraas, Werk „Vor der Sündfluth", wo er mit- 
theilt, dass er (unabhängig von mir) die Sonderung der Formen 
nach Tiefezonen gleichfalls aufgefunden. Ausserdem müssen 
sich in verschiedenen Sammlungen Proben der Kalkplatten mit 
PI, multif. discoideus befinden, sowie die thonigen Platten mit 
Fischen, die häufig der Sulcatus - Zone entstammen. Daran 
wird sich jeder Zweifler leicht von der Richtigkeit meiner 
Angabe , dass es Sichten ohne trochiformis giebt , überzeugen 
können. Auch das von mir im Berliner königl. Petrefacten- 
Cabinet niedergelegte Material muss für den fraglichen Punkt 
ziemlich beweisend sein. 

Entsprechend würde sich dann wohl auch die Stelle des 
Herrn Sandberger erledigen : „Es ist mir daher unbegreiflich, 
wie Hilgendorf aus solchem (d. h. dem von Sandb. gesam- 
melten) Materiale eine aus angeblich aufeinander folgenden 
Formen bestehende Entwickelungsreihe mit seitlichen Ausläufern 
hat construiren können. tt Ich habe eben nicht „solches" Ma- 
terial gehabt. 

Die anderen Süsswasserschnecken anlangend, so habe ich 
über die Limnaeen ausführlicher berichtet (Sitzungsber. d. 
Ges. naturf. Freunde, Berlin, 16. April 1867). Es findet sich 
keine ähnliche ausgesprochene Entwickelung im Laufe, der Zeit 
wie bei dem Planorbis; dagegen wird sich aus meinem Ma- 
terial für die sogen. Paludina globulus vielleicht der Nachweis 
einer derartigen Umgestaltung führen lassen. Ich habe zu 
dieser Untersuchung sowie zu der der mikroskopischen Krebs- 
schalen noch nicht Zeit gefunden, und vielleicht wird es durch 
die unglücklichen Verhältnisse der Steinheimer Grube un- 



227 



möglich gemacht werden, je diese wichtige Ergänzung zu 
meinen Untersuchungen zu liefern. Daruber, dass die Er- 
forschung der letztgenannten beiden Thierreste dringend wüu- 
schenswerth , habe ich mich Herrn J. Barrande gegenüber in 
einem Briefe (März 1872) ausgesprochen. — Der Grundriss 
der Grube, wie ich ihn seiner Zeit aufgezeichnet, muss sich 
unter meinen Papieren in Deutschland noch vorfinden, und er 
wird leicht die Stärke der Veränderungen , die in Steinheim 
eingetreten sind, beweisen. 

Dem Interesse und dem anerkennenden Urtheil gegenüber, 
welche meine Arbeit bei namhaften Gelehrten , Quenstedt, 
Schleiden, Haeckel, C. Vogt (Lehrb. d. Geologie u. Petre- 
factenkunde) , Leydig, Weissmann und den Herren Gelehrten, 
die mich in Berlin bei der Bearbeitung in freundlichster Weise 
unterstützten, Beyrich, Braun, v. Martens, gefunden hat, 
glaube ich die Versicherung schuldig zu sein, dass von einem 
Irrthume meinerseits, wie er vielleicht aus dem Widerspruche 
Sandberger's gefolgert werden könnte, nicht die Rede sein 
kann. Wo in den Lagerungsverhältnissen oder in der Voll- 
ständigkeit der Uebergangsreihen ein Zweifel obwalten konnte, 
da ist dies in genügender Weise von mir selbst zum Ausdruck 
gekommen. 



2. Herr Gotische an Herrn Beyrich. 

Würzburg, den 15. Februar t875. 
Erlauben Sie mir , Ihnen kurz über ein Tertiärgeschiebe 
zu berichten, welches durch das Niveau, dem es angehört, 
interessant sein dürfte. Dasselbe stammt aus einer Kiesgrube 
von Eimsbüttel bei Hamburg, befindet sich in Folge dessen 
im Besitze des Hamburger naturw. Museums und ist ein san- 
diger Kalkstein, der ganz von den Steinkernen einer Paludina 
erfüllt ist, in welcher ich, da die Abdrücke scharf genug wa- 
ren , um Guttaperchaabgüsse davon zu machen , durch Ver- 
gleichung mit englischen Originalen, welche Herr Sandbreger 
mir freundlichst zur Verfügung stellte, mit Bestimmtheit die 
echte Paludina lenta Brand sp. (Sandb., „Land - u. Süssw.- 
Conch." pag 267. t. 15. f. 11.) erkannte. Ueberdies enthält 

15* 



228 



dasselbe noch Melanopsis carinata Sow. (Sandb. pag. 315. t. 20. 
f. 10. u. t. 14. f. 19.), Planorbis euomphalus Sow. (Sanbd. p. 262. 
t. 15. f. 22.) , Limnaeus sp. äff. longiscatus und Unio Solandri 
Sow. (Sandb. pag. 262. t. 15. f. 3.). Abgesehen von der Me- 
lanopsis , welche ins Mitteloligocän hinaufreicht , und von dem 
Limnaeus, der keine sichere Bestimmung zuliess, sind die drei 
übrigen Petrefacten auf die Headon-series beschrankt, Unio 
Solandri sogar auf die untere Abtheilung derselben , während 
Planorbis euomphalus und Paludina lenta zwar in allen Niveau's 
der Headon-series vorkommen, aber in den direct darauf fol- 
genden Osborne-Schichten bereits durch andere Formen ersetzt 
sind; denn was bisher — selbst in den „Land- und Süss- 
wasser-Conchylien" — als Pal. lenta von Bembridge, Hemp- 
stead und anderen mittel oligocänen Localitäten figurirte, ist 
nach Sandberger's mündlicher Mittheilung = splendida Lüdw. 
Ich stehe deswegen nicht an, dies Geschiebe mit den bra- 
kischen Headon-series zu parallelisiren, welche, trotz der merk- 
würdigen Uebereinstimmung in der Fauna der middle Headon- 
series von Brockenhurst und des belgisch - deutsehen Unter- 
oligocäns, welche von Koenen im Quart. Journ. 1864 pag. 97 
bis 102 und später in Zeitschr. d. deutschen geol. Ges. 1867 
pag. 29 nachwies, von Sadnbreger, gestützt auf die Lagerungs- 
verhältnisse, noch zum Obereocän gerechnet werden. Sei dem 
nun wie ihm wolle, viel wichtiger scheint mir, dass dies Ge- 
schiebe eine Schicht repräsentirt , welche wir bisher in Nord- 
deutschland nicht anstehend kennen. Da sich indessen alle 
übrigen Tertiärgeschiebe unseres Diluviums auf ein Ursprungs- 
gebiet innerhalb der norddeutschen Ebene zurückführen lassen, 
und da ein Transport aus Westen , wie er für unsere basal- 
tischen Geschiebe wohl angenommen werden muss, bei einem 
so leicht zerreiblichen Gestein sehr unwahrscheinlich ist, ist 
vielleicht die Hoffnung nicht unberechtigt, dass wir auch diese 
Schicht noch irgendwo in Norddeutschland auffinden. 



229 



C. Verhandlungen der Gesellschaft. 



1. Protokoll der Januar- Sitzung. 



Verhandelt Berlin, den 6. Januar 1875. 



Vorsitzender: Herr Beyrich. 

Das Protokoll der December - Sitzung wurde vorgelesen 
und genehmigt. 

Der Vorsitzende legte die für die Bibliothek der Gesell- 
schaft eingegangenen Schriften vor. 

Mit dem Bemerken, dass mit der heutigen Sitzung ein 
neues Geschäftsjahr beginne, forderte der Vorsitzende unter 
Abstattung eines Dankes für das dem Vorstandes von der Ge- 
sellschaft geschenkte Vertrauen zur Neuwahl desselben auf. 
Der Vorsitzende und die beiden Stellvertreter desselben wur- 
den durch Stimmzettel gewählt. Die übrigen Mitglieder des 
Vorstandes wurden durch Acclamation auf Vorschlag eines 
Mitgliedes wiedergewählt. 

Der Vorstand besteht demnach aus folgenden Herren : 




Herr Bauer, J 
Herr Hauchecorne, als Archivar, 
Herr Lasard, als Schatzmeister. 



als stellvertretende Vorsitzende, 



230 



Der Gesellschaft ist als Mitglied beigetreten: 

Herr Bergassessor Viedenz von Beuthen i. O.-Schl., 
vorgeschlagen durch die Herren Hauchecorne, 
Lossen und Bauer. 

Herr Hauchecorne legte die von Herrn vom Rath ver- 
fasste und der Gesellschaft eingesandte Erinnerungsschrift an 
Dr. Fr. Hessenberg vor und besprach deren Inhalt. 

Herr Max Bauer legte eine Stufe von Kjerulfin vor, die 
Herr Kjerülp in Christiania der Gesellschaft eingesandt hatte. 
Dieses neue Mineral wurde von Herrn Apotheker Rode zu 
Porsgrund in Norwegen benannt, der es bei Bamle auffand 
und eine Probe davon an Herrn von Kobell in München 
sandte , welcher eine Analyse davon machte , die in den 
Sitzungsberichten der raathematisch - naturwissenschaftlichen 
Klasse der königl. bair. Akademie der Wissenschaften in 
München, 1, März 1873 pag. 106 publicirt ist. Das Mineral 
ist derb und zeigt zwei Blätterbrüche, von denen der eine 
leichter darstellbar ist, als der andere. Beide Blätterbrüche 
machen ungefähr 90 mit einander und sind nicht beson- 
ders deutlich. Der Bruch ist splitterig. Der Glanz geht 
etwas in's Fette , auf dem deutlicheren Blätterbruch in's Perl- 
mutterartige. Die Farbe ist eine blassrothe oder gelbe, dünne 
Stücke sind durchscheinend. G — 3,15, H — 4 — 5 (diese Be- 
stimmungen nach von Kobell h c, nach dessen Angaben beim 
Erwärmen schwache Phosphoresceuz mit weissem Schein ein- 
tritt). Vor dem Löthrohr schmilzt der Kjerulfin ziemlich 
leicht, etwa wie der rothe Granat des Zillerthals (3. Grad der 
KoBELL'schen Schmelzbarkeitsskala) mit etwas Blasenwerfen 
zu einem kleinblasigen Email. Das feine Pulver wird von 
warmer Salzsäure leicht, von warmer Salpetersäure etwas we- 
niger leicht aufgelöst. Durch Schwefelsäure erfolgt keine 
vollkommene Lösung, sondern Entwicklung von Flusssäure 
und Abscheidung von schwefelsaurem Kalk. 

Bei der Aualyse , bei welcher das Fluor direct bestimmt 
und auf die Bestimmung der Alkalien besondere Aufmerk- 
samkeit werwendet wurde, fand von Kobell: 



231 



Phosphorsäure 42,22 

Magnesia 37,00 

Kalk 7,56 

Natron mit wenig Kali. . . 1,56 

Fluor 4,78 

Kieselsäure 1,50 

Thonerde und Eisenoxyd . . 5,40 

Spur von Schwefelsäure . . — 

100,02. 

Bei dieser Analyse ist es auffallend , dass kein Ueber- 
schuss vorhanden ist, da ja in der Verbindung offenbar das 
Fl mit einem Theil des Mg etc. vereinigt ist, welcher Theil 
sich erst nachher bei der Zersetzung durch die Analyse mit 
einer dem Fl äquivalenten Menge O verbindet, die vorher 
gar nicht in dem Mineral vorhanden war, die aber doch neben 
dem Fl mitgewogen wird und dann bei der Aufstellung der 
Formel mit in der Rechnung berücksichtigt werden muss. 

Sieht man aber davon ab und bedenkt ferner, dass die 
Kieselsäure nebst Eisenoxyd und Thonerde wahrscheinlich als 
Verunreinigung in dem Mineral vorhanden ist, so hat man 
als wahre Zusammensetzung: 



Phosphorsäure . 


42,22 


Magnesia 


37,00 


Kalk. . . . 


7,56 


Natron . . 


1,56 


Fluor. . . . 


4,78 




93,12. 



Berechnet man daraus die Menge jedes einzelnen Ele- 
ments, zieht die der Menge des Fl äquivalente Menge O ab 
und reducirt auf 100, so hat man: 



Phosphor . 


. 20,23 


Magnesium . 


. 24,36 


Calcium . 


. 5,93 


Natrium . 


. 1,27 


Sauerstoff . 


. 42,96 


Fluor. . . 


. 5,25 




100,00, 



232 



woraus sich dann weiter die Formel des Minerals berechnen 
lässt. Diese ist: 

2 (3 RO. P 2 5 ) + RF1 2 , oder 
2 R 3 P 2 8 + RF1 2 , worin 

R = Mg, Ca, Na 2 , und wobei sich die Anzahl der Atome von: 

Mg : Ca : Na 2 = 34 : 5 : 1 

verhält. 

Die Uebereinstimmung von Analyse und Formel zeigt die 
folgende Zusammenstellung: 



Analyse. Formel. 



Phosphor . . 


. 20,23 


20,53 


Magnesium 


. 24,36 


23,66 


Calcium . . 


. 5,93 


5,80 


Natrium 


. 1,27 


1,33 


Sauerstoff . . 


. 42,96 


42,39 


Fluor . . ♦ 


. 5,25 


6,29 




100,0 


100,0. 



Eine bedeutendere Differenz ist nur beim Fluor, wo die 
Formel ca. 1 pCt mehr giebt. Diese Differenz kann aber 
nicht auffallen , wenn man bedenkt, dass bei der Bestimmung 
des Fluors in der Analyse leicht ein Verlust entsteht. 

Bei Betrachtung der Zusammensetzung des Kjerulfins wird 
man an ein anderes Mineral erinnert, das eine ganz ähnliche 
Zusammensetzung zeigt, nämlich an den seltenen Wagnerit 
vom Radelgraben bei Werfen im Salzburgischen, welche Aehn- 
lichkeit auch von Kobll (1. c.) hervorhebt. 

Auch von diesem Mineral hat Herr von Kobell eine neue 
Analyse gemacht, welche in bemerkenswerther Weise von den 
früheren von Nepomuk Fuchs und Rammelsberg herrührenden 
Analysen abweicht, dadurch, dass sie einen früher nicht an- 
gegebenen Gehalt von Natron (5,21 Na 2 O) zeigt. Auch hier 
ist der Fluorgehalt direct bestimmt worden. 

Diese Analyse gab (Sitzungsber. der königl. bair. Akad., 
3. Mai 1873 pag. 155): 



Phosphorsäure .... 40,30 

Magnesia 32,78 

Kalk 2,24 

Natron (mit etwas Kali) . 5,12 

Eisenoxyd 8,00 

Thonerde 1,11 

Fluor 10,00 

Wasser 0,50 

100,05. 

Auch diese Analyse giebt also trotz des noch grösseren 
Fluor-Gehalts von 10,00 pCt. keinen Ueberschuss. Betrachtet 
man Eisenoxyd, Thonerde und Wasser als Verunreinigungen 
und berechnet wie oben, so hat man (Reihe L): 





I. 


II. 


III. 


Phosphor . 


. 20,41 


18,51 


20,49 


Magnesium 


. 22,81 


24,76 


23,98 


Calcium 


. 1,86 


2,17 


2,10 


Natrium 


. 4,43 


4,99 


4,84 


Sauerstoff . 


. 38,89 


38,22 


42,31 


Fluor . . 


. 11,60 


11,34 


6,28 




100,0 


100,0 


100,0, 



woraus man die Formel erhält: 

3 RO. P 2 5 + RF1 3 , oder 

R 3 P 2 8 + RF V WOrin 

R — Mg, Na 2 , Ca und wo sich die Anzahl der Atome von 
Mg: Na, : Ca 19:2:1 

verhält. 

Diese Formel giebt die in der Reihe II. angeführte Zu- 
sammensetzung. Man sieht, dass diese Zahlen nicht unerheb- 
lich von den aus der Analyse entnommenen und in der I. Reihe 
angeführten abweichen. 

Dies legt den Gedanken nahe, ob nicht auch für den 
Wagnerit die für den Kjerulfin oben angenommene Formel: 

2 (3 RO. P 2 5 ) + RF1 2 



angewendet werden kann , wobei aber die Anzahl der Atome 



234 



von Mg, Na., und Ca in dem beim Wagnerit angegebenen 
Verhältniss stehen. Diese Formel giebt die Zusammensetzung, 
welche in der Reihe III. aufgeführt ist. 

Vergleicht man nun die Zahlen der Reihen II. und III. 
mit den Zahlen der Reihe I., so sieht man, dass bei P die 
zweite Formel eine fast vollkommene Uebereinstimmung mit 
der Analyse zeigt , während die erste eine nicht unerhebliche 
Abweichung (1,90 pCt.) erkennen lässt. Bei Mg zeigt die 
zweite Formel eine Abweichung von 1,17, die erste von 
1,95 pCt., die zweite Formel also eine geringere Abweichung, 
als die erste, wenngleich auch die bei der zweiten Formel 
vorhandene Abweichung schon eine nicht unerhebliche ist. 
Bei Calcium und Natrium stimmen beide Formeln fast gleich 
gut mit der Analyse überein. Ganz beträchtlich ist aber die 
Abweichung der zweiten Formel von der Analyse im O- and 
Fl-Gehalt (bei Fl : 5,23 pCt.), welche beide in der ersten Formel 
eine fast vollkommene Uebereinstimmung mit der Analyse er- 
kennen lassen. Ich nehme darnach keinen Anstand, mich vor- 
läufig für die erste Formel: 

3 RO. P 2 5 -f RF1 2 , 

deren Ergebnisse in der Reihe II. dargestellt sind, zu ent- 
scheiden, soweit die vorliegende Analyse einen sicheren Schluss 
erlaubt. Denn wenn auch der Mg-Gebalt der zweiten Formel 
besser mit der Analyse stimmt als der der ersten, so ist doch 
auch für diese noch eine starke Abweichung vorhanden, 
welche auf eine nicht ganz genügende Beschaffenheit der Ana- 
lyse oder des Materials deutet; wenn auch beim P - Gehalt 
dasselbe der Fall ist, so würde doch bei der zweiten Formel 
bei dem Fl-Gehalt eine Differenz sich herausstellen, welche 
gewiss unzulässig ist. Bei der Fl-Bestimmung, die hier direct 
geschah, sind Fehler nicht zu vermeiden, aber 5 pCt. und 
darüber dürfen diese doch wohl nicht betragen. Auch giebt 
die Analyse stets weniger, nie mehr Fl als in Wirklichkeit 
vorhanden ist. Dazu kommt, dass alle Wagnerit - Analysen 
Rammelsberg's ebenfalls den hohen Fl-Gehalt von ca. 10 pCt. 
geben, der also sicher annähernd richtig und eher etwas zu 
klein ist, wie sich auch schon Rammelsberg für die hier an- 
genommene Formel 

3 RO. P 2 5 + RF1 2 oder R 3 P 2 8 + RF1„ 



auf die alle früheren Analysen führen, entschieden hat. v. Kobell 
hat (Sitzungsber. d. kgl. bair. Ak. 1873 pag. 158) die andere, 
mit der Kjerulfinformel übereinstimmende Formel angegeben; 
nach den a. a. O. angegebenen Vergleichungszahlen meint er 
wohl auch die andere hier angenommene Formel. 

Sind die angegebenen Analysen unzweifelhaft und unan- 
tastbar richtig und für die Beurtheilung der vorliegenden Mi- 
neralien genügend, so hat man also für diese beiden folgende 
zwar ähnliche, aber nicht übereinstimmende Formeln, und 
zwar für: 

Wagnerit: 3 RO. P, 5 + RF1 2 od. R 3 P ; 8 + RF1 2 
Kjerulfin: 2 (3 RO." P^OJ + R Fl 2 od.' 2 R 3 P 2 O s + RF1 2 

Es ist aber doch zu bezweifeln , ob die bis jetzt vorlie- 
genden chemischen Untersuchungen der beiden Stoffe, und 
besonders des Kjerulfin zur Aufstellung von definitiven For- 
meln hinreichen, vielmehr erscheint es gar nicht unmöglich, 
dass sieb eines Tages für beide Mineralien dieselbe Formel 
herausstellt und dass dann beide unter dem älteren Namen 
„Wagnerit" vereinigt werden müssen , wenn nicht bedeutende 
Unterschiede im Verhältniss von Mg: Ca: Na doch die Tren- 
nung beider wünschenswerth machen sollten. Für die Gleich- 
heit der beiden Stoffe spricht jedenfalls das speeifische Gewicht, 
das bei beiden gleich ist. Für Wagnerit ist G — 3,0 — 3,15, 
für Kjerulfin G ~ 3,15. Dagegen ist in der Härte ein kleiner 
Unterschied ; für Wagnerit H — 5—5,5, für Kjerulfin — 4 — 5. 

Es kann somit über die Verschiedenheit oder Identität der 
genannten beiden Mineralien nicht definitiv entschieden wer- 
den , ehe nicht neue Analysen die Zusammensetzung beider 
vollkommen klar gelegt haben. Vielleicht hilft auch der Zufall 
zur Lösung dieser Frage , indem er gut messbare Krystalle 
von Kjerulfin, der bisher bloss in derben Massen vorgekommen 
ist, den Mineralogen in die Hände spielt, die dann mit den 
Wagneritkrystallen verglichen werden können. 

Mit dem Kjerulfin zusammen kommt ein anderes interes- 
santes Mineral vor, nämlich ein Feldspath. Dieser findet sich 
in ziemlich grossen derben Stücken, ist graulich weiss , an der 
Oberfläche mit einer grünen Schicht bedeckt und hat auf dem 
Hauptblätterbruch P sehr deutlich die Zwillingsstreifung der 
triklinen Feldspäthe. Nach von Kobell und Hawes (siehe 



236 



unten) ist P/M == 94°. H = 6, G = 2,64. Das Mineral 
phosphorescirt beim Erwärmen mit weisslichem Licht. Vor 
dem Löthrohr schmilzt es ruhig wie der rothe Granat 
(3. Schmelzgrad der von KoBELL'schen Skala) zu einem durch- 
scheinenden Glase und wird von Säuren nicht angegriffen: 
Die Analyse ergab folgendes Resultat : 

Kieselsäure . . 66,57 

Thonerde . . . 15,80 

Magnesia . . . 8,00 

Natron . . . 6,80 (mit einer Spur von K 2 0) 

Wasser . . 2,70 

99,87. 

Dieser Feldspath zeichnet sich darnach durch einen be- 
deutenden Mg -Gehalt aus, neben welchem das sonst in den 
triklinen Feldspäthen das Na begleitende Ca vollständig fehlt. 
Ein kleiner Mg -Gehalt ist auch sonst den Feldspäthen nicht 
fremd, er tritt aber gegen den Ca -Gehalt doch stets sehr 
zurück. Wir hätten es also hier mit einem ganz neuen und 
sehr interessanten Glied der so zahlreichen Feldspathgruppe 
zu thun, das der Entdecker, Herr von Kobell, mit dem Na- 
men „Tschermakit" belegt hat. 

Geht man näher auf obige Analyse ein und sucht den 
vorliegenden Feldspath nach der TscHERMAK'schen Theorie 
als eine isomorphe Mischung zweier Glieder, eines Na - hal- 
tigen (Albit) und eines Mg - haltigen zu berechnen, so ist 
zunächst zu sehen, welche Formel dem Na-freien Mg-haltigen 
Glied zukommen wird, das man selbstständig noch nicht kennt. 
Analog dem reinen Barytfeldspath wird es wohl am natur- 
gemässesten sein, anzunehmen, dass auch der reine Magnesia- 
feldspath die allgemeine Formel des Anorthits haben werde. 
Er wäre dann = Mg AI Si 2 8 . Dann wäre der Tschermakit 
nach der TsCHERMAKSchen Theorie, die bisher sich uberall 
bewährt hat: 

] m (Na 2 AI Si 6 O le )| 
1 n (Mg AI Si 8 8 ) ! 

Es lassen sich aber keine zwei Werthe für m und n be- 
stimmen , für die die Formel auch nur annähernd mit der 



237 



Analyse im Einklang wäre, da für das Verhältniss MgO:Na 2 0, 
wie es die Analyse angiebt, ein viel zu grosser Si0 2 -Gehalt 
gefunden wurde oder umgekehrt, da der hohe Kieselsäure- 
gehalt einen bedeutend höheren Natrongehalt erfordern würde, 
neben viel weniger Magnesia. 

Ebensowenig erhält man eine Uebereinstimmung zwischen 
der Analyse und der Theorie, wenn man die a priori höchst 
unwahrscheinliche Annahme macht, der Magnesiafeldspath habe 
die dem Albit entsprechende Formel: 

Mg AI Si. 16 . 

Der Umstand nun, dass dieser Feldspath sich in keiner 
Weise der TscHERMAK'schen Theorie fügen will , die sich bis 
jetzt immer als richtig erwiesen hat , wenn auch scheinbare 
Ausnahmen zuweilen vorkamen, führt zu einem gewissen Zwei- 
fel an der Richtigkeit der Ergebnisse der von KoBELi/schen 
Analyse: 

In der That haben auch andere Analysen von der er- 
wähnten ganz abweichende Resultate ergeben. Diese Analysen 
stammen von W. Hawes (Am. Journ. Sc. Arts. III. VII. p. 579 
1874) und von Pisani (Comptes rendus LXXX. 1875) und 
stimmen ganz befriedigend überein, so dass man nicht zweifel- 
haft sein kann, dass der Feldspath, der diesen beiden Analy- 
tikern vorgelegen hat, wirklich die von ihnen angegebene, un- 
abhängig von einander gefundene Zusammensetzung habe. 
Hawes sagt ausdrücklich , dass der von ihm analysirte Feld- 
spath mit Kjerulfin vorkommt, alle die von von Kobell für 
seinen „Tschermakit" angegebenen Eigenschaften besitze und 
dass er von ihm in grossen reinen Stücken zur Analyse ver- 
wendet worden sei, so dass also an eine Verwechselung der 
Fundorte und des Vorkommens nicht zu denken ist, und auch 
Des Cloizeaux, auf dessen Veranlassung Pisani seine Analyse 
machte , spricht ausdrücklich das Zusammenvorkommen mit 
Kjerulfin in Bamle aus, wie Hawes. 

Die Ergebnisse dieser Analysen sind nun die folgenden: 



238 





I. 


II. 


III. 


IV. 


V. 


Kieselsäure . 


. . 66,04 


66,05 


66,37 


66,15 


66,06 


Thonerde . . 


. . 20,33 


20,41 


22,70 


21,15 


21,24 


Eisenoxyd . . 


. . 0,29 


0,28 





0,19 




Kalk 


. . 1,29 


1,30 


1,40 


1,33 


2,78 


Magnesia . . 


. . 1,11 


1,08 


0,95 


1,04 




Kali 


. . 0,21 


0,21 




0,14 




Natron .... 


. . 10,01 


9,81 


9,70 


9,84 


9,92 


Glühverlust . 


. . 0,95 


0,96 


0,70 


(H a O) 0,87 






100,23 100,10 101,82 


100,71 100,00 




. . 2,67 




2,60 


2,635 





I. und II. Analysen von Hawes ; III. von Pisam; IV. das 
Mittel aus diesen 3 Analysen; V. dieses Mittel nach Weg- 
lassung des Wassers und Umrechnung des 3?e0 3 , MgO und 
K 2 in die äquivalenten Mengen von A10 3 , GaO und Na.,0, 
auf 100 berechnet. 

Was die Deutung dieser Analysen anbelangt, so sagt 
Hawes (1. c), dass das Mineral jedenfalls dem Oligoklas nahe 
stehe, wenn es nicht mit dieser Species ident sei, Des Cloi- 
zeaux erklärte es auf Grund von optischen Erscheinungen für 
Albit, beide machen nicht den Versuch, die Zusammensetzung 
nach Tschermak's Theorie zu berechnen. Führt man dies aus, 
so erhält man nach Bunsen's Tabelle (Ann. Ch. Pharm. VI. 
Sppl.-Bd. 188) eine Mischung von 1 Gew. -Th. Anorthit mit 
9 Gew.-Th. Albit, und man hat dann zwischen der hieraus 
berechneten Zusammensetzung und der obigen Analyse V. 
folgende Uebereinstimmung : 



Analyse Mischungsformel Differenz 

Kieselsäure . . 66,06 66,01 + 0,05 

Thonerde . . . 21,24 21,35 — 0,11 

Kalk 2,78 2,01 + 0,77 

Natron . . . . 9,92 10,63 — 0,71 

100,00 100,00 



Der Feldspath ist also ein echter Oligoklas , der sich 
allerdings der Grenze nach dem Albit hin ziemlich nähert, da 
er 4 Moleküle Albit mit 1 Molekül Anorthit gemischt enthält, 
was nach Tschermak's Annahme die Mischung des natron- 
reichsten Oligoklases ist. Dazu stimmt auch sehr gut das 



239 



spec. Gewicht, das im Mittel = 2,64 ist, was dem berechneten 
Gewicht des natronreichsten Oligoklases gerade entspricht und 
was von Kobbll bei seinen Versuchen direct beobachtet hat. 
Des Cloizeaux giebt auch die optischen Verhältnisse dieses 
Feldspaths an, die nach ihm genau dieselben sind wie beim 
Albit. Wegen der Details verweise ich auf Des Cloizeaux' s 
Abhandlung, C. r. 1875 Bd. LXXX.*) 

Es ist also nach Allem dem wohl der Tschermakit aus 
der Reihe der Mineralspecies zu streichen , wie schon von 
vornherein wegen der Widersprüche mit der Tschermak' sehen 
Theorie zu erwarten war. Denn jedenfalls ist es sehr un- 
wahrscheinlich, dass zwei chemisch verschiedene, aber ganz 
gleich aussehende trikline Feldspäthe mit dem Kjerulfin zu- 
sammen vorkommen, von denen der eine Tschermakit, der 
andere Oligoklas wäre. Dass die Analysen von Hawes und 
Pisam richtig sind, folgt aus der Uebereinstimmung derselben 
untereinader und mit der TscHERMAK'schen Theorie. Es ist 
also die von KoBELi/sche Analyse zu beanstanden, bis weitere 
Aufklärungen darüber vorliegen. 

Ferner folgt, dass es nicht möglich ist, nach den von 
Herrn Des Cloizeaux angegebenen Kennzeichen die verschie- 
denen triklinen Feldspathgruppen, wie sie die TsCHERMAK'sche 
Theorie annimmt, von einander zu sondern, welch letztere 
Des Cloizeaux allerdings dieser optischen Differenzen wegen 
nicht annehmen will. Da aber die sämmtlichen guten Ana- 
lysen von triklinen Feldspäthen sich nach der TscHERMAK'schen 
Theorie als isomorphe Mischungen der Endglieder Albit und 
Anorthit berechnen lassen , wie es jetzt Pisani's und Hawes's 
Analysen auf's Neue bestätigen, so kann man nur schliessen, 
dass eben die von Des Cloizeaux beobachteten optischen 
Unterschiede bei den Gliedern einer isomorphen Mischungs- 
reihe vorkommen können, wie das eben die triklinen Feld- 
späthe sind. Uebrigens sind diese Unterschiede in der Haupt- 



*) Die Resultate der Untersuchungen von Des Cloizkaux wurden 
zwar erst in der Märzsitzung vorgetragen, da aber das Protokoll der 
Januarsitzung noch nicht gedruckt war, so wurden sie hior mit aufge- 
nommen, um die Bemerkungen über den Tschermakit nicht zu zerreissen, 
sondern sie im Zusammenhang zu geben. D. Red. 



240 



sache solche, wie sie sogar bei verschiedenen Krystallen einer 
und derselben Mineralspecies vorkommen und können daher 
gegen die TsCHERMAK'sche Theorie umsoweniger in's Gewicht 
fallen. Ueberhaupt lässt sich diese rein chemische Frage wohl 
schwerlich auf optischem Wege entscheiden. 

Herr von Richthofen gab eine Uebersicht der letzten 
Forschungen des betrauerten i)r. Stoliczka in Ost-Turkestan, 
und hob die Bedeutung hervor , welche diese neuesten und 
zugleich vollkommen zuverlässigen Beobachtungen in den 
grossartigsten Gebirgsländern der Welt für die Kenntniss des 
Baues von Central - Asien überhaupt haben. Der Vortragende 
resümirte kurz die von ihm in einer früheren Sitzung ruitge- 
theilten Resultate von Stoliczka's Reisen vom Indus -Thal 
über den Karakorum und das Kwen - lun - Gebirge nach dem 
grossen Becken von Ost - Turkestan. Es hatte sich dabei 
herausgestellt: 1. dass in dieser ungeheuren Massenanschwel- 
lung eine bestimmte Altersfolge herrscht, indem der Kwen-lun, 
dessen Formationen nicht über die ältesten paläozoischen 
hinausgehen, das älteste ist. Der Karakorum, in welchem die 
alpine Trias repräsentirt ist, im Alter folgt, und der Himalaya, 
dessen Gebirgsbau mit Tertiärschichten am Indus -Thal endet, 
das jüngste Glied und gewissermassen den älteren Gebirgs- 
massen später angewachsen ist; 2) dass die Gesteine in dem 
Becken von Ost-Turkestan von denen des Kwen-lun unab- 
hängig sind. Denn dort beginnt in einem tiefen Niveau die 
Anlagerung der Steinkohlenformation, und in einem noch tie- 
feren das Auftreten von Kreide- Sandsteinen , welche das we- 
sentliche Material zu den Sandmassen der Wüste Takla Makän 
gegeben zu haben scheinen. — Nachdem Stoliczka mit der 
Expedition von Herrn Forsytt in Kashgar angekommen war, 
unternahm er zunächst mit einigen Herren derselben einen 
Ausflug nach dem Tshatyr-Kul-See im Tien-shan-Gebirge, und 
später über die Pamin-Pässe hinweg nach Wakhan am Ober- 
lauf des Amu Darya. Der frühzeitige Tod des ausgezeich- 
neten deutschen Gelehrten hat genauere Berichte über den 
letzteren Ausflug verhindert; aber über denjenigen nach dem 
Tshatyr-Kul sind höchst werthvolle Aufzeichnungen vorhanden. 
Nachdem Redner die von Stoliczka entlang dem Weg beob- 
achtete Gebirgsstructur geschildert hatte, hob er die wesent- 
lichen Ergebnisse unter den folgenden Gesichtspunkten hervor: 



241 



1. Das Vorkommen von Vulcanen jüngster Perioden in 
Tien-shan ist von Stoliczka mit Sicherheit erwiesen worden. 
Humboldt hatte dasselbe aus chinesischen Berichten gefolgert 
und stets an seiner Ansicht festgehalten, trotz des energischen 
Widerspruchs , den sie insbesondere durch die russischen For- 
schungsreisenden erfahren hat, und der bis in die neueste Zeit 
häufig wiederholt worden ist. Zwischen den Ketten des 
Koktan und des Terek-tagh, der einen Wald von Gipfeln von 
16,000 bis 17,000 Fuss Höhe bildet, ist eine mit erloschenen, 
aber wohlerhaltenen Vulcanen besetzte Hochfläche von un- 
gefähr 12,000 Fuss Höhe. 

2. Den Antheil, welchen die Triasformation am Gebirgs- 
bau des Tien-shan nimmt, indem die Koktan - Kette daraus 
besteht. Nach den vorhergehenden Untersuchungen hatte es 
geschienen, als ob Steinkohlenformation das jüngste Gebilde 
in diesem Gebirge sei. 

3. Die Zusammensetzung des südlichen Tien-shan aus 
Parallelketten, welche von Wz S nach Oz N gerichtet sind, 
und dadurch in ihrer Richtung von derjenigen des Kwen-lun 
(Wz N — Oz S) abweichen. Von Kashgar aus verquert man 
bis zum Tshatyr-kul drei solche Ketten (Artush-, Koktan-, 
Terek-tagh-Kette) , welche allmälig an Höhe zunehmen, und 
denen als höchste die Hauptkette des Tien-shan jenseits des 
Sees folgt. 

4. Das Auftreten jugendlicher Ablagerungen, welche 
Stoliczka für neogen hält, im Becken von Ost- Turkestan. 
Es sind sehr mächtige Schotterbänke, welche die Anwesenheit 
des Meeres in der centralasiatischen Depression in einer ver- 
hältnissmässig jugendlichen Zeit erweisen und Pumpelly's weiter 
östlich gemachte Beobachtungen ergänzen. 

5. Den Umstand, dass durch alle drei Parallelketten ein 
Einfallen der jüngeren Schichtgebilde unter die älteren statt- 
findet, welches Stoliczka dadurch erklärt, dass das ost-turke- 
stanische Becken sich an der Seite des Tien - shan allmälig 
eingesenkt habe. 

Als ein ferneres Resultat der Untersuchungen von Sto- 
liczka und seiner Collegen folgert der Vortragende, dass, wie 
schon die Forschungen von Fedschenko und anderer Reisen- 
den in dem Becken des Syr-darya und des Amu-darya schlie- 
ssen Hessen, die Ketten, welche die Pamir-Pässe einschliessen, 

Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. i . 16 



242 



und welche Humboldt als ein Meridiangebirge betrachtet und 
mit dem Namen Bolor-tagh bezeichnet, ganz und gar dem 
System des Tien-shan angehören, und dass dasselbe für den 
Hindukush gilt. 

Herr A. Sadebeck sprach zunächst über Resultate, welche 
sich beim Studium der Krystallotektonik des regulären Systems 
ergeben haben. Erläutert wurde der Vortrag durch eine mit 
bekannter Meisterschaft von Herrn Laue lithographirte Tafel, 
welche für den demnächst zu publicirenden II. Theil der Ele- 
mente der Krystallographie angefertigt wurde. 

Naumann hat in seinem Lehrbuch der reinen und ange- 
wandten Krystallographie gezeigt, dass sich rein theoretisch die 
Formen mit einfachen Parameterverhältnissen als Grenzzonen 
solcher mit complicirten Axenabschnitten betrachten lassen. 
Eine nothwendige Folge dieser Erwägung war, dass bei den 
hemiedrischen Formen die mit ihnen zusammen auftretenden 
holoedrischen Formen auch als Grenzgestalten zu betrachten 
sind, mithin nur scheinbar holoedrische Formen und zwar 
solche 1. oder 2. Stellung sind. . G. Rose hat zuerst beim 
Boracit nachgewiesen, dass diese Auffassung der holoedrischen 
Formen in hemiedrischen Krystallreihen eine praktische Be- 
deutung hat, indem die scheinbar holoedrischen Formen eine 
verschiedene Oberflächenbeschaffenheit haben, je nachdem sie 
Formen 1. oder 2. Stellung sind; dies Verhalten wurde vom 
Redner beim Kupferkies, Fahlerz und Blende bestätigt, und 
von G. Rose beim Eisenkies. 

Die Unterschiede in der Oberflächenbeschaffenheit beruhen 
auf der Tektonik der Krystalle; daraus folgt, dass auch For- 
men in holoedrischen Krystallreihen derartige Unterschiede 
zeigen müssen, wenn sie Grenzgestalten verschiedener Formen 
sind. Dies bestätigt sich in der Natur vollkommen. Beispiels- 
weise sind die auf den Hexaederflächen hervortretenden Sub- 
individuen verschiedene, je nachdem das Hexaeder die Grenz- 
gestalt eines Ikositetraeders oder eines Tetrakishexaeders ist. 
Die Hexaeder des Flussspaths und Steinsalzes erweisen sich 
als aufgebaut aus Tetrakishexaedern , die des Bleiglanzes aus 
Ikositetraedern. Was vom Hexaeder gilt , ist auch beim 
Oktaeder und Dodekaeder der Fall. 

Eine genauere Betrachtung der Subindividuen lehrt ferner, 
dass die Flächen gebrochen sind, dass es also im Grunde ge- 



243 



nommen Hexakisoktaeder sind und zwar solche , welche 
Websky vicinale genannt hat. Die vicinalen Hexakisoktaeder 
sind die eigentlichen Grundgestalten der Subindividuen. Sind 
sie nur in Bezug auf eine Kante vicinal, so entstehen Formen, 
welche dem Ikositetraeder , Tetrakishexaeder oder Triakis- 
oktaeder im Aussehen ausserordentlich nahe stehen. Aus die- 
sen dreierlei Formen, als Zwischengestalten, bauen sich dann 
die letzten Grenzgestalten, Hexaeder, Oktaeder und Dode- 
kaeder, auf. Durch diese drei Formen sind die dreierlei 
krvstallographischen Axen gegeben , nach denen überhaupt, 
wie schon Knop gezeigt hat, der Aufbau der Krystalle vor 
sich geht. 

Ferner sprach Hedner über Zwillingsstreifen beim Eisen- 
glanz. 

In der Einnerung an die mannigfaltigen und schätzbaren 
Beobachtungen, welche G. Rose bei den Vorbereitungen zu 
den Vorlesungen und nach denselben anzudeuten pflegte, theilte 
er mit, dass G. Rose auf diese Streifen beim Eisenglanz 
immer besonderes Gewicht gelegt hatte. Es war dessen Ab- 
sicht, diese Streifen genauer zu bearbeiten und in Folge dessen 
hat er, da er vorläufige Mittheilungen nicht liebte, bei der 
Beschreibung des Eisenglanzes von Beresowsk in seiner Reise 
nach dem Ural derselben keine Erwähnung gethan. Herr 
Bauer hat kürzlich in dieser Zeitschrift die Streifen beschrieben, 
wobei er sagt, dass sie G. Rose nicht erwähnt hat, obgleich 
sie ausserordentlich deutlich wahrzunehmen sind. Der Grund, 
warum G. Rose dies nicht gethan hat, ist nun leicht aus 
dem Gesagten ersichtlich. Auch beim Titaneisen, von welchem 
Bauer angiebt, dass die Streifen nicht oder jedenfalls nicht 
deutlich wahrzunehmen sind, hat sie G. Rose schon beob- 
achtet und einzelne Krystalle von Snarum in Norwegen lassen 
sie ausserordentlich deutlich wahrnehmen. Schliesslich wurde 
noch erwähnt, dass sie auch bei einem Krystall von Elba im 
Berliner Museum vorhanden sind. 

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

Beyrich. Dames. Bauer. 



16* 



244 



2. Protokoll der Februar- Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 3. Februar 1875. 
Vorsitzender: Herr Beyrich. 

Das Protokoll der Januar - Sitzung wurde vorgelesen und 
genehmigt. 

Der Gesellschaft sind als Mitglieder ^beigetreten: 

Herr von Gellhorn, königl. Bergmeister in Neustadt- 
Eberswalde, 

vorgeschlagen durch die Herren Lindig, Hauche- 
corne und Dames; 
Herr Carl Gottsche aus Altona, z. Z. stud. min. in 
Würzburg, 

vorgeschlagen durch die Herren Sandberger, 
A. Streng und A. von Koenen; 
Herr Gustav Pohlitz aus Schwenda bei Stolberg (Harz), 
z. Z. stud, min. in Würzburg, 

vorgeschlagen durch die Herren von Koenen, 
Streng und Bücking. 
Herr Beyrich verlas eine briefliche Mittheilung von Herrn 
Neumayr in Wien über seine Reise in den griechischen 
Archipel. 

Herr Weiss legte die für die Bibliothek der Gesellschaft 
eingesandten Schriften und Karten vor. 

Herr Lepsius gab eine Uebersicht über die Schichten der 
Trias und des Jura im Elsass. 

Herr Dames legte einige Exemplare von Eophyton Linnea- 
num Torell aus den cambrischen Schiefern von Luganas in 
Westgothland vor, welche Herr Lündgreen dem hiesigen 
Mineraliencabinet geschenkt hat. — Die von Torell und 
Linnarsson behauptete organische Natur dieser Abdrücke ist 
neuerer Zeit durch Nathorst in seinem Aufsatz: Om nagra 
förmodade växtfossilier*) durchaus in Abrede gestellt worden. 
Nathorst führt die auf der Unterseite der Schichten er- 



*) Öfversigt af kongl. Vetenskaps-Akademiens Foihandlingar 1873. 

No. 9. 



245 



scheinenden Erhabenheiten mit längsgestreifter Oberfläche auf 
die Ausfüllung von Vertiefungen zurück; diese sollen durch 
Fucoiden, die durch Fluthen auf dem Strande hingezogen 
werden , hervorgebracht werden. Er erläutert seine Ansicht 
durch mehrere Abbildungen, welche derartige Eindrücke, wie 
er sie an den Küsten beobachtet hat, zur Darstellung bringen. 
Herr Lundgreen, der übrigens die NATHORST'sche Ansicht 
über Eophyton theilt, richtete nun brieflich an den Vortragen- 
den die Frage, ob demselben auch aus anderen Formationen 
derartige Eophyton-'&hnhche Dinge bekannt seien, denn selbst- 
verständlich müssten sich , die Richtigkeit der NATHORST'schen 
Behauptungen vorausgesetzt, überall derartige Abdrücke, resp. 
Ausgüsse derselben bilden, wo dieselben petrographischen Ver- 
hältnisse, nämlich ein Wechsel von sandigen Schiefern und 
Letten, vorhanden seien. Es lag nun nahe, derartige Gebilde 
im bunten Sandstein aufzusuchen, und in der That besitzt die 
Sammlung der hiesigen Bergakademie mehrere Stücke aus der 
oberen Abtheilung des bunten Sandsteins, welche mit Erhaben- 
heiten bedeckt sind , die durchaus mit Eophyton ident sind. 
Der i. J. 1865 mit der geologischen Kartirung der Gegend von 
Artern beauftragte, leider verstorbene Bergassessor Giebelhausen 
hat in dem Steinbruche nahe bei der sogen. „Kneipe* 4 an der 
Strasse zwischen Bottendorf und Ziegelrode, östlich von Artern, 
in den oberen Lagen des unteren bunten Sandsteins Stücke 
gesammelt, welche von Eophyton ununterscheidbare Erhaben- 
heiten tragen. Auf der Schichtfläche der dünnschiefrigen Sand- 
steine liegen ca. 60 Mm. lange, 10 Mm. breite Erhabenheiten 
mit Längsstreifen, von denen der Streifen zunächst dem einen 
Rande der stärkste ist, während die anderen schwächeren 
unter sich beinahe gleich sind. Dieselben stimmen gut mit 
Torell's Abbildungen von Eophyton und ebenso mit der von 
Nathorst (1. c. t. XVI. f. 6) veranschaulichten Fucoidenspur 
im Strandsande, natürlich als Ausguss des letzteren. Dadurch, 
dass sich nun auch in der Trias derartige sogen. Eophyton 
gefunden haben, gewinnt die NATHORST'sche Behauptung noch 
mehr Boden, und die nichtorganische Natur der Eophyton, Pa- 
laeochoria, Butotrephis etc. genannten Dinge steht danach wohl 
ausser Zweifel. 

Herr Bauer sprach über die Kry stallform des 
Speisskobalts Folgendes: 



246 



In Poggendoeff's Ann. Bd. 152 p. 249 1874 erschien eine 
Arbeit von Herrn P. Groth in Strassburg über die Krystall- 
form des Speisskobalts (und Chloantbits) , die den Verfasser 
zu folgenden Resultaten führten: 1. der Speisskobalt ist py- 
ritoedrisch; 2. die Krystalle des Speisskobalt sind thermo- 
elektrisch theils positiv, theils negativ, wie Eisenkies und 
Kobaltglanz und diese Eigenschaften in Verbindung mit der 
pyritoedrischen Hemiedrie beweisen, dass die erwähnten drei 
Mineralien vollkommen isomorph sind, und dass demnach der 
Speisskobalt die Formel: (Co, Ni, Fe) As., hat. Da sich 
hieraus Folgerungen von gewisser allgemeiner Wichtigkeit 
ergeben , so lohnt es sich der Mühe , diese Sätze und die zur 
Begründung derselben dienenden Beobachtungen etwas näher 
zu prüfen. 

Was zunächst die Krystallform betrifft, so führt Groth 
folgende Thatsachen an, welche für die pyritoedrische He- 
miedrie beweisend sein sollen : Speisskobalt aus dem Kinzig- 
thal zeigt neben Würfel scheinbare Oktaederflächen, welche 
aber aus je drei Facetten zusammengesetzt sind, die sich in 
sehr stumpfen , unsymmetrisch liegenden Kanten schneiden, 
und demnach Flächen eines Diploeders sein sollen. Bei Kry- 
stallen von Riechelsdorf zeigen die Flächen des Würfels (in 
Combination mit dem Oktaeder) durch Rundung an zwei 
gegenüberliegenden Kanten die Andeutung eines Pentagon- 
dodekaeders. Unter den Krystallen von Wolkenstein waren 
Würfel, die schöne pentagonaldodekaedrische Streifung zeigten, 
wie häufig die Würfelflächen des Schwefelkieses, welche her- 
rühren von den Flächen zweier Pyritoeder, die nach ungefähren 

iVlessungen die Ausdrucke: — - — | und |^ — ^ — 

Andere Würfel ebendaher zeigen ausser der Streifung eine be- 
trächtliche Rundung an den Kanten , so dass bei Messung 
mittelst des Lichtschimmers während einer längeren Drehung 
fast fortwährend einzelne Flächentheile Licht reflectiren. Das 
Einstellen auf die Schimmermaxima ergab die Pyritoeder 

[ °°2^ 3 ] ~ ^ erner % ^' unc * ^' ^ ocn sm ^ die Messun- 
gen zu ungenau, um das Auftreten dieser Formen als sicher 
festgestellt erscheinen zu lassen. Unter den Krystallen von 
Schneeberg ist besonders eine flächenreiche Combination, die 



haben. 



247 



1. c. t. 5. f. 1. abgebildet ist. Diese zeigt u. a. Flächen des 



Ausdruck. Die Neigung der Flächen des Pyritoeders gegen 
die des Würfels sind mit dem Anlegegoniometer bestimmt. 
Die Diploederflächen liegen in einer bekannten Zone und 
machen mit den Pyritoederflächen stumpfe Winkel, aus denen 



Man sieht also , dass die sämmtlichen angeführten Beob- 
achtungen keine deutlichen und scharf messbaren Formen des 
pyritoedrischen Systems mit völlig klar und unzweideutig be- 
stimmten Ausdrücken ergeben haben, sondern es sind nur 
Flächenkrümmungen und Knickungen nebst Streifungen, deren 
Richtungen auf jene Formen zur Noth gedeutet werden können. 
Diese Flächen selbst machen mit den Würfelflächen sehr 
stumpfe Winkel, und die Messungen, die alle ganz annähernd 
sind, ergeben meist complicirte Ausdrücke, die zum grössten 
Theil nicht sehr wahrscheinlich sind. Auch die erwähnte 
Figur ist wenig beweisend, da man nicht ersieht, ob es eine 
ideale Zeichnung oder eine getreue Abbildung des betreffenden 
Krystalls sein soll, da sie in einigen nicht unwesentlichen 
Punkten jedenfalls falsch ist. Ehe nicht weitere Beobachtun- 
gen von deutlicheren Formen des pyritoedrischen Systems vor- 
liegen , halte ich die hier beschriebenen für bloss scheinbar 
diesem System angehörige. Betrachtet man nämlich die Speiss- 
kobaltkrystalle, wie sie z. B. im hiesigen mineralogischen Mu- 
seum in grosser Anzahl vorliegen, so sieht man, dass nur die 
kleinsten davon ebene Flächen und scharfe, gerade Kanten 
besitzen , alle grösseren Krystalle sind Verwachsungen von 
hypoparallelen Subindividuen, und es entstehen dadurch auf 
den Flächen unregelmässige Krümmungen und Knickungen. 
Besonders die Würfelflächen sind bei einigermaassen ansehn- 
licheren Krystallen stark gekrümmt und stets ganz matt, 
schuppig und unregelmässig gestreift. Wenn auch die Oktaeder- 
flächen , wo sie nicht sehr ausgedehnt sind, meist glänzender 
und ebener sind, so knicken und runden sie sich doch auch, 
wenn sie etwas grösser werden und zeigen ebenfalls nicht 
selten unregelmässige Streifungen. Die unebenen Würfelflächen 
zeigen meistens eine Abruudung nach den anderen Würfelflächen 



Pyritoeders 




und eines Diploeders von unbestimmtem 



sich ungefähr der Ausdruck 




248 



hin, seltener nach den Oktaederflächen, und es entstehen da- 
durch oft Formen, die an flache Pyramidenwürfel erinnern. 
Ist die Krümmung nach zwei gegenüberliegenden Würfelflächen 
grösser als nach dem anderen Paar von gegenüberliegenden 
Würfelflächen, so entsteht ein scheinbares Pyritoeder und bei 
einer Messung in einer solchen Würfelkantenzone kann es nicht 
schwer sein, aus den bei längerer Drehung fast fortwährend 
erscheinenden Lichtreflexen einige Schimmermaxima heraus- 
zugreifen , aus denen sich dann auch immer ein Ausdruck für 
eine solche scheinbare Pyritoederfläche berechnen lässt. Es 
dürfte sich demnach empfehlen, auch ferner noch vorläufig den 
Speisskobalt für holoedrisch regulär krystallisirt zu halten. 

Dem widerspricht durchaus nicht das thermoelektrische 
Verhalten des Speisskobalts, wie es von Groth festgestellt 
und oben angegeben worden ist. Zwar sollte es nach den 
interessanten und wichtigen Untersuchungen von G. Rose am 
Schwefelkies und Glanzkobalt, von denen er leider vor seinem 
Tode nur die allgemeinen Resultate, nicht aber die Details 
veröffentlichen konnte, scheinen, als sei allgemein mit diesen 
thermoelektrischen Unterschieden eine krystallographische Dif- 
ferenz in der Art verbunden, dass die Hernieder der einen 
Stellung positiv, die der anderen Stellung negativ sind, aber 
weitere Untersuchungen haben ergeben , dass dies , jedenfalls 
allgemein, nicht richtig ist, denn unzweifelhaft holoedrische 
Krystalle haben dieselben thermoelektrischen Unterschiede 
ergeben. So hat schon 1865 Stefan nachgewiesen, dass der 
Bleiglanz theils positiv, theils negativ ist, und neuerer Zeit 
haben Schrauf und Dana dasselbe vom Glaukodot und Danait ? 
Arsenkies, Selenkupferblei und Tesseralkies nachgewiesen, 
ganz abgesehen vom Tetradymit, dessen rhomboedrische Form 
ja vielfach auch als hemiedrisch gedeutet wird (Sitzungsber. 
der Wiener Akad. 12. März 1874). Alle oben erwähnten 
Mineralien haben noch keine Anzeichen von hemiedrischer 
Ausbildung erkennen lassen, und es folgt somit, dass auch beim 
Speisskobalt das thermoelektricche Verhalten keineswegs not- 
wendig auf ein hemiedrisches Krystallsystem hinweist. 

Was endlich die chemische Zusammensetzung der unter 
dem Namen ,, Speisskobalt" hier zusammengefassten Mineralien 
betrifft, so ist es noch zweifelhaft, ob ihnen wirklich allen die 
Formel: RAs 2 (wo R = Co, Ni, Fe, alle in den wechselndsten 



249 



Verhältnissen) zukommt. Nach dem Obigen fällt jeder theo- 
retische Zwang zu dieser Annahme weg, da die Glieder der 
Pyritgruppe nicht so zweifellos mit Speisskobalt isomorph 
sind. Die vorhandenen Analysen sind dieser allerdings sehr 
einfachen Formel eher ungünstig, da sie in ihrer Mehrzahl 
mehr oder weniger Arsen ergeben , als die Theorie erfordert, 
und zwar sind diese Unterschiede oft ziemlich beträchtlich. 
Dabei findet sich nicht selten ein kleiner Schwefelgehalt. Die 
z. Th. beträchtlichen Unterschiede in der Menge des vorhan- 
denen Arsens sucht Groth durch fremde Beimischungen zu 
erklären, und zwar soll bei arsenarmen Speisskobalten Kupfer- 
nickel (Ni As) oder das angeblich von Kenngott beobachtete 
Einfach - Arsenkobalt (Co As) beigemengt sein. Der Arsen- 
überschuss soll von einer Beimischung von Tesseralkies 
(CoAs 3 ) herrühren. In der That sieht man den Kupfernickel 
häufig in grösserer Menge in dem Speisskobalt eingesprengt, 
und sich durch seine kupferrothe Farbe von dem letzteren 
auch in kleineren Füttern scharf abheben. Es ist aus diesem 
letzten Grunde nicht anzunehmen , dass ein sorgfältiger Che- 
miker grössere Mengen dieses so leicht erkennbaren Erzes mit 
analysirt haben sollte. Kleine Unterschiede mögen aber immer- 
hin eingesprengtem Kupfernickel ihren Ursprung verdanken, 
aber nur bei Ni - haltigen Speisskobalten, bei Ni- freien lässt 
einen der Kupfernickel ganz im Stich , da kommt als Retter 
in der Noth das von Kenngott angegebene Einfach-Arsenkobalt. 
Diese Beobachtung von Einfach - Arsen kobalt (vergl. Viertel- 
jahrsschr. der naturf, Ges., Zürich 1869 pag. 704, und daraus 
beinahe wörtlich: Jahrbuch 1869 pag. 753) ist aber eine der 
mangelhaftesten, die man sich denken kann, und es fehlt na- 
mentlich eine Analyse; nur das Löthrohr hat bei der hier- 
hergestellten Substanz (die ich für nichts anderes als Speiss- 
kobalt halte, soweit man nach der Beschreibung und Verglei- 
chung mit anderen Stücken urtheilen kann) Reactionen auf Co 
und As ergeben. Kenngott hat sich auch äusserst verklau- 
sulirt ausgesprochen und hinter ,, Einfach - Arsenkobalt u ein 
dickes Fragezeichen gesetzt. Das alles hindert aber Groth 
nicht, diese Verbindung als wirklich existirend anzunehmen 
und als dem Speisskobalt beigemischt darzustellen, bloss um 
den As -Mangel Ni- freier Speisskobalte durch Verunreinigung 
erklären zu können. Das heisst doch wirklich in mehr als 



250 



kühner Weise Hypothesen auf Hypothesen stellen, um weitere 
Hypothesen zu stützen. 

Aehnlich ist es mit der Einmengung des Tesseralkieses, 
der allerdings an Farbe etc. wenigstens den eisenarmen, minder 
den eisenreichen Speisskobalten gleicht. Der Tesseralkies hat 
sich bis jetzt nur bei Skutterud gefunden, und zwar nicht mit 
Speisskobalt, sondern mit Glanzkobalt zusammen. Es ist also 
eine zum mindesten willkürliche Annahme, ihn als eingesprengt 
in die sämmtlichen arsenreicheren Speisskobalte aller Fundorte 
voraussetzen und dadurch den Ueberschuss an Arsen erklären 
zu wollen , wenngleich bei metallischen Substanzen natürlich 
für vollkommene Reinheit keine Gewähr geleistet werden kann, 
besonders bei den zur Analyse meist verwandten derben 
Massen. Es sind aber doch nicht bloss solche analysirt wor- 
den , sondern auch Krystalle, die man jedenfalls als reiner 
voraussetzen darf, da man häufig beobachtet, dass der die 
derbe Masse durchziehende Kupfernickel nicht oder jedenfalls 
lange nicht so reichlich in die darauf aufsitzenden Krystalle 
hineinreicht, welches Verhalten man wohl auch für die hypo- 
thetisch eingewachsenen unsichtbaren Verunreinigungen Arsen- 
kobalt und Tesseralkies annehmen darf. Um nur beispiels- 
weise eines zu erwähnen, so hat Rammelsberg Krystalle von 
Speisskobalt vom Markus Rohling bei Annaberg und von 
Usseglio in Piemont analysirt, und zwar mit der speciellen 
Absicht, die Zusammensetzung dieses Minerals festzustellen, 
so dass man jedenfalls annehmen muss, er habe auf Verun- 
reinigungen scharf und sorgfältig geachtet. Er hat dabei resp. 
76,26 und 76,55 pCt. As gefunden, statt 71,8 pCt. , wie die 
Formel RAs 2 verlangt, eine Differenz, die schon bedeutende 
Mengen von verunreinigender Substanz voraussetzen würde. 

Es zeigt sich somit kein Verhalten des Speisskobalts, 
weder in krystallographischer , noch in physikalischer und 
chemischer Beziehung, was dieses Mineral der Pyritgruppe zu- 
weisen würde, und er wird deshalb wohl zunächst noch ge- 
trennt davon zu halten sein, bis einst bessere Krystalle un- 
zweifelhaft pyritoedrische Formen und weitere Analysen oder 
sonstige Beobachtungen die Richtigkeit der Formel RAs, dar- 
gethan haben. Das thermoelektrisehe Verhalten kommt dabei 
gar nicht in Betracht. 

Herr Kayser sprach über Versteinerungen , welche Herr 



251 



Stelzner von Südamerika mitgebracht hat, und die der Pri- 
mordialfauna und der Fauna des Untersilur angehören. 

Herr Lasrad legte ein durch Grösse ausgezeichnetes Stück 
Bernstein vor, welches im Alluvialsand auf dem im Neustettiner 
Kreise gelegenen Gute Buchwald des Banquier von Krause 
gefunden und von diesem der geologischen Landesanstalt als 
Geschenk überwiesen worden ist. 

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 

v. w. o. 

Beyrich. Websky. Bauer. 



3. Protokoll der März - Sitzung. 

Verhandelt Berlin, den 3. März 1875. 
Vorsitzender: Herr Beyrich. 

Das Protokoll der Februar-Sitzung wurde vorgelesen und 
genehmigt. 

Der Gesellschaft sind als Mitglieder beigetreten : 
Herr Kreisvicar Bronder in Beuthen i. O.-Schl., 

vorgeschlagen durch die Herren Viedenz, Kayser 
und Lossen; 
Herr Dr. von Tsoharner aus Bern, 

vorgeschlagen durch die Herren Beyrich, Roth 
und Dames; 

Herr August Frenzel, Hüttenchemiker in Freiberg i. 8., 
vorgeschlagen durch die Herren G. vom Rath, 
von Dechen und Dames. 
Der Vorsitzende verlas nachstehendes Schreiben des Herrn 
Göppert in Breslau : 

Hochgeehrte Herren! Die freundliche Erinnerung und 
überaus gütigen Glückwünsche, welche Sie Ihrem alten Mit- 
gliede an seiner Promotionsfeier widmen , hat mich sehr 
erfreut, aber auch sehr nachdenklich gemacht über alles das 
Schöne, was Sie von meinen etwaigen Leistungen sagen, 
die, ganz aufrichtig gesprochen , während der Arbeit selbst 
weniger , aber nach der Fertigstellung stets hinter meinen 
Wünschen zurückgeblieben , also sicher von Ihnen als zu 



252 



nachsichtig beurtheilt worden sind. Empfangen Sie meinen 
herzlichen Dank für diesen Beweis Ihrer Aufmerksamkeit 
und genehmigen Sie den aufrichtigen Wunsch, mich noch 
recht oft in Ihren stets für mich belehrungsreichen Kreisen 
bewegen zu können. Unter hochachtungsvollsten Empfeh- 
lungen ganz ergebenst Göppert. 
Breslau, den 8. Februar 1875. 
Sodann theilte derselbe aus einer brieflichen Mittheilung 
des Herrn v. Fritsch in Halle das Vorkommen einer Cyrena, 
wahrscheinlich consobrina oder fluminalis bei Lyell im Dilu- 
vium von Teutschenthal bei Halle mit und fügte bei, dass 
ihm auch von Bromberg einmal eine Cyrena aus dem Diluvium 
zugekommen sei. 

Derselbe legte dann die eingegangenen Schriften vor und 
besprach besonders das Werk über die geologische Beschaffen- 
heit von Oesterreich von Fr. von Hauer. 

Herr Jül. Schmidt aus Athen gab eine kurze Uebersicht 
über die Hergänge während der Eruption auf Santorin, 1866 
bis 1872, wobei die Orte der Ausbrüche seit 20 Jahrhunderten 
und die Terrainänderungen während der letzten Eruption durch 
Zeichnungen an der Tafel erläutert wurden. Der alte Ring- 
wall der Insel, in unbekannter Vorzeit entstanden, besteht 
jetzt aus den drei Abtheilungen: Santorin oder Thera, The- 
rasia und der sehr kleinen westlichen Insel Aspronisi. Der 
Schauplatz der bekannten Eruptionen seit dem Jahre 200 
vor Chr. war im Mittelpunkte des alten Kraters, in der Mitte 
des jetzigen Golfes von Santorin, und nur ein sicher bekannter 
submariner Ausbruch ausserhalb des Golfes hat gegen 1650 
stattgefunden. Ungefähr 200 vor Chr. ward die südlichste der 
centralen Kaymenen oder „verbrannten" Inseln gebildet, die 
Paläa Kaymeni; 1570 — 1573 entstand Mikra Kaymeni, die 
nördlichste, und 1707 — 1711, zwischen den Vorigen, die Nea 
Kaymeni. Am Südrande der letzteren haben sich die Eruptio- 
nen von 1866 — 1872 ereignet. Sie begannen zu Eude des 
Januars 1866 mit wenig lebhaften submarinen Erscheinungen. 
Zu Anfang des Februar traten solide , schon sehr abgekühlte 
Lavamassen, Blöcke und Trümmer über die Seefläche hervor, 
und zwar in dem kleinen südlichen Hafen, dessen braunes 
Wasser vormals die Eigenschaft hatte, die Kupferbelegung der 
Schiffe zu reinigen. Um diesen kleinen Hafen, besonders an 



253 



der Ostseite, lag die 50 oder 60 Häuser und 2 Kirchen zäh- 
lende Ortschaft Vulcano, die jetzt bis auf geringe Trümmer 
gänzlich verschwunden ist. Verlassen ward der Ort von den 
Bewohnern schon am Anfange des Februar 1866, als wegen 
Senkung des Bodens und wegen anderer drohender Erschei- 
nungen es nöthig ward, diese Gegend zu meiden. Der neue 
Lavahügel im Vulcano-Hafen erhielt den Namen „Georg"; der 
zweite am 13. Februar über See erschienene Hügel, südwestlich 
vom vorigen, ward „Aphroessa" genannt, nach dem Schiffe 
der Athener Commission, welche von der griechischen Regie- 
rung nach Santorin* beordert ward. Bis 19. Februar waren 
alle Erscheinungen ohne lebhaften Charakter. Das Aufsteigen 
der submarinen Lavamassen geschah langsam und ruhig, bei 
massiger Entwicklung von Wasserdämpfen und mit nur ge- 
ringem Getöse. Nach Maassgabe der Entfernung von der Lava 
fand man das Meer von 80° bis 20° Celsius erhitzt. Ein- 
zelne Explosionen des Georghügels förderten wenig glühende 
Schlacken, Steine und Asche zu Tage, und zwar aus der 
Gipfelregion, welche keinen Krater zeigte. Mit dem 20. Fe- 
bruar begannen die grossen , oft furchtbaren Aschen- und 
Steineruptionen, mehrfach bis 8000 Fuss hoch gemessen, und 
der Vulkan trat nun in die zweite Phase seiner Entwicklung, 
der zu Folge sich ein normaler Aufschüttungskegel mit 30 
geneigten Flächen bildete, stets ohne eigentlichen Krater, und 
mehr und mehr sich vergrössernd , bis er 1872 mehr als 300 
par. Fuss Höhe erreicht hatte und den ganz ähnlichen Conus 
von 1707 wenig überragte. Seit 1868 ward oft wahrgenommen, 
wie das Terrain des Gipfels sich abwechselnd hob und senkte, 
wenn die Eruptionen nicht mächtig genug waren, um eine all- 
seitige Sprengung zu bewirken. — Durch den Erguss der sub- 
marinen Lava wurden grosse Strecken des Meeres ausgefüllt, 
und nach fünfjähriger Wirksamkeit waren im Osten, Süden und 
Westen der Nea Kaymeni sehr ausgedehnte rauhe Lavafelder 
über See getreten , deren Ränder schroff gegen die See ab- 
fallen. Da die Ausfüllung des Meeres die Hundertfaden-Linie 
überschritt, und die Seehöhe des sichtbaren Lavagebiets (ab- 
gesehen vom Georg-Conus) gegen 100 Fuss beträgt, so kann 
man die Dicke der Lava im Maximo zu 700 Fuss annehmen. 
Ueber dem Lavaterrain steigt der Georg-Conus noch gegen 



254 



200 Fuss an, lediglich aus Asche, Blöcken und Bimsteiuen, 
zu sehr geringem Theile aus geflossener Lava bestehend. 

Noch im Herbst 1873 sah man den Gipfel des Georg- 
hügels dampfen, und an ihm, sowie im nahen Meere fand man 
noch hohe Temperaturen. 

Die frühesten Beobachtungen verdankt man dem Dr. med. 
Dekigala auf Sautorin. Am 11. Februar begannen die Mit- 
glieder der Athener Commission ihre Beobachtungen. Später 
kamen die französischen Gelehrten Foüqüe und de Verneüil, 
die deutschen Geologen von Seebach, Reiss, Stübel und 
von Fritsch. Foüqüe besuchte Santorin später nochmals, 
und ebenso war der Vortragende zum zweiten Male auf San- 
torin im Januar 1868. Durch Mittheilungen der Capitäne und 
Officiere von Kriegsschiffen ward die Sammlung von Docu- 
menten über Beobachtungen und Messungen sehr ansehnlich. 
Das jüngst erschienene Werk des Vortragenden, „Vulkanstudien", 
giebt darüber nähere Kunde. 

Herr Kayser legte ein Exemplar von Goniatites intu- 
mescens von ca. 60 Mm. Durchmesser vor , welches sich in 
einer grossen von der Bergakademie vor Kurzem angekauften 
Sammlung von Eifeler Versteinerungen gefunden hatte. Der 
Erhaltungsart nach kann das Stück — ein aus weisslichem, 
zerreiblichen Dolomit bestehender Steinkern — wohl nur aus 
den hellfarbigen, z. Th. stark dolomitisirten Mergelkalken 
stammen, welche bei Büdesheim im Hangenden der Stringo- 
cephalenkalke auftreten und sich durch Lagerung und Fauna 
(Spirifer Verneuili, Rhynchonella cuboides , CamaropJioria for- 
mosa etc.) als ein Aequivalent der belgischen sogen. Cuboides- 
sehiehten (Ibergerkalk) erweisen. So viel dem Vortragenden 
bekannt, ist es das erste Mal, dass sich in diesen Schichten 
in der Eifel auch Gon. iniumescens gefunden hat, bekanntlich 
der typische Repräsentant der für die ältere Oberdevon-Fauna 
so bezeichnenden crenaten (oder primordialen) Goniatiten. 

Derselbe Redner legte weiter einen kleinen, aber sehr 
wohl erhaltenen vererzten Steinkern eines sehr dicken Gonia- 
titen mit überaus weitem und tiefem Nabel und einer mit der 
von Gon. lateseptatus fast genau übereinstimmenden Sutur vor. 
Auch dies Stück war der Akademie mit der vorerwähnten 
Sammlung zugegangen und hatte sich in einer Schachtel mit 
Büdesheimer Goniatiten vorgefunden. Diese Goniatiten kom- 



255 



men bekanntlich in graulichen Mergel schiefern vor, welche im 
Hangenden der oben genannten Cuboideskalke liegen. Sollte 
der in Rede stehende Steinkern in der That aus den Büdes- 
heimer Goniatitenschiefern stammen — wofür die Erhaltungs- 
art allerdings zu sprechen scheint*) — und nicht etwa von 
einer noch unbekannten Eifeler Localität, so wäre derselbe 
von grossem Interesse. Denn während es Regel ist, dass die 
nautilinen Goniatiten nicht über die obere Grenze des Mittel- 
devon hinausgehen , die crenaten aber sich auf das untere 
Oberdevon beschränken, so ist ein Zusammenvorkommen beider 
durchaus ungewöhnlich. Ja, obige Regel hat im grossen 
Ganzen eine so allgemeine Geltung, dass der Vortragende noch 
im vorigen Jahre Angaben, die mit ihr im Widerspruch stehen, 
in Zweifel ziehen zu müssen glaubte. Solcher Angaben sind 
indess nur wenige. Nach den Brüdern Sandberger ist Gon. 
suhnautilinus bei Madfeld unweit Brilon (nach v. Dechens 
Karte das gleiche Niveau wie Nehden) gefunden worden 
(Rhein. Schichtensystem in Nassau pag. 117). Weiter kommen 
nach Herrn v. Groddeck in der Gegend von Clausthal crenate 
und nautiline Goniatiten in ein und derselben Schicht vor, 
und neuere , sorgfältige Untersuchungen des Herrn Halfar 
scheinen jene Angabe in der That zu bestätigen. Darf nun 
der in Rede stehende kleine Goniatit wirklich als von Büdes- 
heim stammend angesehen werden, so würden wir bereits drei 
Localitäten haben, wo die im Uebrigen für die Verbreitung 
des Goniatiten im Devon geltende Regel eine Ausnahme 
erleidet. 

Herr K. A. Lossen sprach über eigentümliche, theils 
makro- theils mikroskopische Trümer, welche Quarz- und 
Feldspathkrystallkörner in den Porphyroiden des Harz schein- 
bar durchsetzen und ein Mittel an die Hand geben zu der oft 
sehr schwierigen Unterscheidung krystallinischer und klastischer 
Mineralkörner in den Gesteinen, besonders in den normalen 
oder metamorphen Sedimentgesteinen. Diese meist kaum 
1 Mm. bis 0,1 Mm. und darunter weiten Trümer bestehen wie 
die erwähnten porphyroidischen Einsprenglinge, aus Quarz und 



*) Dem Material nach könnte der fragliche Steinkern auch von 
Nehden stammen, soweit aber bis jetzt bekannt, kommt dort ein ähn- 
licher Goniatit nicht vor. 



256 



Feldspath. Beim ersten Anblick mit der Lupe oder unter dem 
Mikroskop im gewöhnlichen Licht rufen sie häufig den Ein- 
druck von nachträglich in dem festen Gestein entstandenen 
und wieder ausgefüllten Spältchen hervor, was, abgesehen von 
der trumartigen Form, oft noch besonders darin seinen Grund 
hat, dass ihre Mineralsubstanz klarer ist, als diejenige der 
scheinbar durchsetzten Einsprenglinge. Hiernach könnten diese 
letzteren ebensowohl krystallinischer als klastischer Natur sein. 
Dass dem indessen nicht so sei, dass vielmehr eine genauere 
Untersuchung dafür spricht, sowohl die Substanz der Trümer, 
als die der dem Gestein eingesprengten Körner seien an Ort 
und Stelle in dem nach der Sedimentation in der Verfestigung 
begriffenen Gestein erfolgte Krystallisationsbildungen wesent- 
lich ein und desselben Bildungsprocesses , dafür bringt der 
Redner folgende Gründe bei: 

1. Spricht dafür der Umstand, dass die Körner wie die 
Trümer aus derselben Mineralsubstanz, Quarz und Feldspath, 
bestehen, und in der Regel, wenn auch nicht stets, ein Trum 
innerhalb der Grenzen eines Quarzkornes Quarz , innerhalb 
eines Feldspathkornes Feldspath enthält. 

2. Ist eine bestimmte Grenze zwischen der Trumsubstanz 
und der Substanz der Körner innerhalb dieser letzteren selbst 
bei starker Vergrösserung und bei verschiedener Klarheit der 
Substanz nicht wahrnehmbar, 

3. Die Verschiedenheit der Klarheit der Substanz an- 
langend, die am meisten die gegentheilige Auffassung befür- 
wortet, so ist hervorzuheben, dass, wenn auch vorzugsweise 
eine klare Bahn innerhalb der Mineralkörner der Fortsetzung 
des Trumes ausserhalb entspricht, meistens sogar ohngefähr 
in gleicher Breite mit diesem letzteren , es dennoch nicht an 
klaren Stellen in den Krystallkörnern auch neben dieser fort- 
gesetzten Richtung oder an unregelmässigen seitlichen Erbrei- 
terungen der klaren Bahn, oder endlich an ganz klaren Kry- 
stallen fehlt, wo also jener Unterschied in der Klarheit ausser 
Betracht fällt. 

4. Die ganz klaren Krystalle rufen denn auch schon beim 
ersten Anblick den Eindruck hervor, als seien sie nur seit- 
liche Erweiterungen des Trums und leiten so unmittelbar auf 
die Vorstellung der einheitlichen Bildung von Krystallkörnern 
und Trümern hin; dieselbe Auffassung befürworten solche 



257 



Krystalle , in welche von zwei Seiten die zugespitzten Enden 
zweier sich begegnenden, aber in ihrer Richtung nicht genau 
aufeinander treffenden Trümer einmünden und in der Krystall- 
substanz aufgehen. 

5. Weiterhin ist aber auch die Substanz der zumeist 
wasserklaren Trümer keineswegs allerwärts klar, vielmehr an 
einzelnen Stellen ebenso licht bräunlich oder graulich gefärbt, 
wie die meisten Krystallkörner zum grössten Theil. 

6. Ganz besonders aber befürwortet ein bereits an an- 
derer Stelle (cfr. diese Zeitschr. Bd. XXI. pag. 316 — 319, 
wo jedoch die Beschreibung in mancher Hinsicht zu verbessern 
ist) mitgetheiltes Vorkommen die vom Redner vertretene Auf- 
fassung: Es giebt bei Rübeland Porphyroide , welche dunkel- 
grau bis tintenfarbig pigmentirte Quarz - und Orthoklas - Ein- 
sprenglinge neben den helleren Krystallkörnern besitzen und 
in diesen sind auch die bereits makroskopisch deutlich sicht- 
baren Trümer theils klar, theils ebenso dunkel pigmentirt, wie 
die Einsprenglinge und es verhalten sich die dunklen Trümer 
zu den dunklen Krystallen ganz ebenso, wie die klaren Trü- 
mer zu den vollständig klaren Krystallen. Dabei nimmt man 
unter dem Mikroskop deutlich wahr, dass das noch näher zu 
prüfende, höchst wahrscheinlich kohlige und der dunklen 
Substanz in den Couseraniten , Chiastolithen und anderen Mi- 
neralien vergleichbare Pigment, da wo es weniger dicht ver- 
theilt ist, nur eine schwache Bräunung hervorruft, wie sie die 
helleren Krystalle meist, nur in noch geringerem Maasse, zeigen. 

7. Zu allen diesen Momenten tritt der wichtige Um- 
stand, dass bei Anwendung von polarisirtem Licht fast an 
allen Stellen, wo ein solches Trum einen Quarz - oder Ortho- 
klaskrystall scheinbar durchsetzt oder in ihm endigt, die Pola- 
risationsfarbe des Krystalls und des Trums bei gekreuzten 
Nicols und jeglicher Drehung des Schliffs in seiner Ebene 
durchaus dieselbe ist. Während im polarisirten Licht die 
Trümer da, wo sie die Grundmasse durchlaufen, aus einem 
sehr bunten Mosaik kleinster Kryställchen bestehen, herrscht 
fast stets mit einem Male bei dem Eintritt in das porphyroidische 
Krystallkorn auf die ganze Erstreckung ein und dieselbe Farbe, 
wie schon gesagt, diejenige des scheinbar durchsetzten Kry- 
stalls. Ja man sieht gar nicht selten , dass die Farbe der 
Krystallkörner nicht nur innerhalb des normalen Krystall- 

Zeits. d.D.geol. Ges. XXVII. 1. . 17 



258 



umrisses constant bleibt, sondern auch darüber hinaus in das 
von Grundmasse umgebene Trum eine kleine Strecke weit 
hinein fortsetzt, so dass der Krystall nach diesem Bilde im 
polarisirten Licht Ausläufer in den Trumweg hineinsendet. 
Bei genauer Beobachtung sieht man denn auch schon bei ge- 
wöhnlichem Licht eine ganz scharfe Grenze da, wo die ein- 
heitliche Farbenerscheinung aufhört, so dass gar kein Zweifel 
sein kann , dass in der That auf dem Trumweg ein einheit- 
liches Quarz- oder Feldspathindividuum in dem porphyroi- 
dischen Einsprengling mitsammt seinen Ausläufern vorliegt. 

Aus der Summe dieser Gründe, welche einzeln genommen, 
auch die aus den Polarisationserscheinungen hergeleiteten, 
nicht für einen vollgiltigen Beweis zureichend erscheinen kön- 
nen, folgert der Redner im Zusammenhange mit dem geolo- 
gischen Vorkommen der in Rede stehenden Gesteine, dass 
das scheinbare Durchsetzen der Trümer durch die Krystalle 
vielmehr auf einer eigenthümlichen Vertheilung jenes Pigments 
(und vielleicht noch anderer Einschlüsse, wie z. Th. ebenfalls 
pigmentisch dunkel gefärbter Flüssigkeitsporen mit beweg- 
licher Libelle) beruhe, wonach jene kleinen Trümer, die hie 
und da vielmehr ein vielfach in der Grundmasse verästeltes 
und darin capillarisch endigendes Adernetz, als regelmässige 
Spältchen darstellen, die Hauptzuführungswege bildeten, auf 
denen eine Silicatlösung in dem in Krystallisation begriffenen 
Gestein circulirte und die von der verunreinigenden Substanz 
sowohl, als von anderen Einschlüssen vielleicht um deswillen 
freier geblieben sind, weil die Bewegung der Lösung deren 
Fixirung nicht gestattete. Nur, wenn das Pigment sehr dicht 
gedrängt eingebettet liegt, erfüllt es gleichmässig die Trümer 
und die grösseren Krystalle, die als seitliche Erweiterungen der 
erstereu, hervorgebracht durch Bildung eines besonders grossen 
Krystallindividuums, gelten müssen. Wenn übrigens eine Zer- 
spaltung und nachträgliche Ausfüllung des festen Gesteins 
zurückgewiesen werden muss , so gilt dies doch nicht in 
gleicher Weise für eine Spaltenbildung, die vor oder unter 
der Verfestigung des Gesteins durch Austrocknen des ursprüng- 
lichen Sediments oder Krystallisationsspannung stattgefunden 
haben mochte und welche dann zum natürlichen Weg für die 
in Circulation begriffenen Lösungen und zum Sitz reinerer 
Krystallisation wurde. Derartige Spältchen mögen denn auch 



259 



grössere Krystalle in statu nascendi zertheilt haben , wonach 
aber unmittelbar darauf die Ausheilung mit zu dem Krystall 
optisch gleichartig oder seltener ungleichartig orientirter Sub- 
stanz erfolgt sein muss. Redner lenkt die Aufmerksamkeit auf 
diese Beobachtungen in der Hoffnung, es werden sich bei sorgfäl- 
tiger weiterer Verfolgung derselben sichere Kriterien zur Unter- 
scheidung krystallinischer und klastischer Gesteinselemente 
finden lassen , auch wenn die äussere Form oder andere 
Umstände kein Mittel zur Unterscheidung an die Hand geben. 
Er ist der Ansicht, dass derartige Trümer gar nicht so selten 
sein werden in allen den Sedimenten, welche nach ihrer Ab- 
lagerung einen, gleichviel ob diagenetischen oder metamor- 
phischen , Krystallisationsprocess erlitten haben , und führt 
dafür an , dass ein zufällig vorliegender Dünnschliff einer 
Harzer Grauwacke darauf geprüft analoge Erscheinungen dar- 
bot, wonach es den Anschein gewinnt, dass nicht alle Quarz- 
und (?) I?eldspathkörner in der Grauwacke klastischer Natur sind. 
Weitere eingehendere Mittheilungen über den Gegenstand sollen 
folgen. 

Derselbe theilte aus einem von Herrn F. Zirkel in Leipzig 
an ihn gerichteten Briefe mit, dass dieser unermüdliche Mi- 
kroskopiker in amerikanischen Gesteinen Leucit, „unendlich 
viel schöner, als ihn das alte Europa gebiert", aufgefunden 
habe. 

Herr Kosmann referirte über einen im Februarhefte der 
Comptes rendus etc. enthaltenen Aufsatz von Des Cloizeaux 
über die optischen doppelbrechenden Eigenschaften der tri- 
klinen Feldspäthe. Des Cloizeaux behauptete, durch die ge- 
nauere Untersuchung dieser Eigenschaften am Albit, Oligoklas, 
Labrador und Anorthit zu Ergebnissen gelangt zu sein, welche 
der vor einigen Jahren aufgestellten Theorie Tschermak's, 
dass die intermediären triklinen Feldspäthe als isomorphe 
Mischungen der Grenztypen, nämlich des Albits und Anorthits, 
zu betrachten seien, hinfällig machen» Die optische Mittel- 
linie des Albits ist positiv, die Axenzerstreuung ergiebt p <! o, 
und ergiebt sich gleiches für den Anorthit, wenngleich die 
Orientation der Axenebene des letzteren keine so bestimmte, 
wie an ersterem und ebenso wie am Oligoklas und Labrador. 
Die Bestimmung der positiven oder negativen Beschaffenheit 
der optischen Mittellinie im Oligoklas erleidet Schwankungen, 



260 



die Zerstreuung für die negative Mittellinie des spitzen Axen- 
winkels zeigt p > u. Am Labrador dagegen zeigt sich die 
optische Mittellinie stets positiv und die Axenzerstreuung in 
den Farben p > u. 

Es wird .hieraus gefolgert : 1. dass gewisse Mineral- 
varietäten , wie der Mondstein von Mineral Hill , der Tscher- 
makit vom Bamle in Norwegen auf den Albit, der Kalkoligo- 
klas oder Hafnefjordit auf den Labrador zurückzuführen seien; 
2. dass die TsCHERMAK'sche Theorie mit Bestimmtheit für den 
Labrador zurückgewiesen werden müsse, insofern bei dem 
Zusammentreten zweier Minerale , deren Mittellinie negativen 
Charakter und deren Axenzerstreuung den Index p <* u habe, 
nicht ein anderes Mineral resultiren könne , welches eine 
Mittellinie von positivem Vorzeichen und einer Axenzerstreuung 
p ;> u aufweise. 

Herr Bauer besprach die Analyse des Tschermakits von 
Pisani , die in derselben Arbeit von Des Cloizeaux angeführt 
ist, und die mit der Analyse von Hawes vollkommen überein- 
stimmt und ebenso mit der Tschermak' sehen Theorie , nach 
welcher der Tschermakit ein Na- reicher Oligoklas ist. Des 
Cloizeuax erklärte ihn auf Grund seiner optischen Unter- 
suchungen für Albit. Diese Untersuchungen dürften aber kaum 
geeignet sein, die TsCHERMAK'sche Theorie als unzutreffend zu 
kennzeichnen, da diese Frage wesentlich vom chemischen Stand- 
punkt aus entschieden werden muss, und da hat man doch 
gefunden, dass bei allen guten Analysen Theorie und che- 
mischer Befund durchaus übereinstimmen. 

Herr Schmidt legte einige Blätter der photographischen 
Copie seiner Mondkarte vor. 

Hierauf wurde die Sitzung geschlossen. 

V. w. o. 

Betrich. Dames. Bauer. 



c 



Druck von J. F. Starcke in Berlin. 



Inhalt des 1. Heftes. 



A. Aufsätze. 

Seite. 

f. Geologie der Morgenberghornkette und der angrenzenden 
Flysch- und Cypsregion am Thunersee. Von Herrn 
Madrice von Tribolet in Neuchätel. (Hierzu Tafel I.) . 1 

2. üeber die Schichtenfolge des oberen Jura bei Ahlem unweit 

Hannover und über das Vorkommen der Exogyra virgula 
im oberen Korallen - Oolith des weissen Jura daselbst. 
Von Herrn C. Strcckmann in Hannover 30 

3. Geognostisch - chemische Mittheilungen über die neuesten 

Eruptionen auf Vulcano und die Producte derselben. 

Von Herrn A. Baltzer in Zürich. (Hierzu Tafel II — IV.) 36 

4. Ueber die Eisenerzlagerstätten von El Pedroso in der Pro- 

vinz Sevilla. Von Herrn Ferd. Roemer in Breslau . . 63 

5. Ueber das Vorkommen von Nöggerathia foliosa Stbg. in dem 

Steinkohlengebirge von Oberschlesien und über die Wich- 
tigkeit desselben für eine Parallelisirung dieser Schichten 
mit denen von Böhmen. Von Hrn. Ottokar Feistmantel 
in Breslau. (Hierzu Tafel V.) 70 

6. Ueber den bunten Sandstein in den Vogesen, seine Zusam- 

mensetzung und Lagerung Von Herrn R. Lepsius in 
Berlin. (Hierzu Tafel VI.) 83 

7. Die granitischen Gänge des sächsischen Granulitgebirges. 

Von Herrn H. Crednrr in Leipzig. (Hierzu Tafel VII.) 104 

B. Briefliche Mittheilungen 
der Herren Hilgendorf und Gottsche 224 

C. Verhandlungen der Gesellschaft. 

1. Protokoll der Januar-Sitzung, vom 6. Januar 1875 . . . 229 

2. Protokoll der Februar-Sitzung, vom 3. Februar 1S75 ... 244 

3. Protokoll der März-Sitzung, vom 3. März 1875 . . . . 251 



Die Autoren sind allein verantwortlich für den Inhalt ihrer Abhandlungen. 



Einsendungen für die Bibliothek der Gesellschaft, Beiträge für 
die Zeitschrift, Briefe und Anfragen, betreffend die Versendung der 

Zeitschrift, Reclamationen nicht eingegangener Hefte, sowie Anzei- 
gen etwaiger Veränderungen des Wohnortes sind an Dr. Dames (Lust- 
garten No. 6.) zu richten. Die Beiträge sind pränumerando an die 
Bessersche Buchhandlung (Marienstrasse 10.) einzureichen. Die 
Herren Mitglieder werden ersucht, diese Einzahlung nicht auf buch- 
j händlerischem Wege, sondern durch directe Uebersendung an 
I die BeSMersche Buchhandlung zu bewirken. 



Zeitschrift 



der 



Deutschen geologischen Gesellschaft. 



XXVII. Band. 

2. Heft. 

April bis Juni 1875. 



(Hierzu Tafel VIII — XI.) 



Berlin, 1875. 

Bei Wilhelm Hertz (Bessersche Buchhandlung). 

Marienstrasse No. 10. 



Zeitschrift 

der 

Deutschen geologischen Gesellschaft. 

2. Heft (April, Mai und Juni 1875). 



A. Aufsätze, 



1. Aus dem Thüringischen Schieferg*birge. 

Von Herrn R. Richter in Saalfeld. 

Hierzu Tafel VIII. 
V.*) 

Nachdem es gelungen, die von dem königl. bayer. Ober- 
bergrath Herrn Dr. C. W. Gümbel zuerst bei Gräfenthal und 
bei Steinach unterschiedenen graptolithenreichen Schiefer im 
Hangenden der obersilurischen Kalklager Thüringens (vergl. 
diese Zeitschr. XXIII. pag. 782) auf der ganzen Strecke von 
Saalfeld bis Hämmern als ein constantes, wenn auch mehrfach 
bis -zum Verschwinden verdrücktes Glied des obersilurischen 
Systems im Thüringer Walde zu erkennen , zerlegt sich das 
ganze System am einfachsten in eine untere graptolithenreiche 
Abtheilung (Graptolithenschichten) , welche aus den basalen 
Kiesel - und Alaunschiefern (3. des umstehenden Profils, 
welches dem südlichen Theile der Umgegend von Saalfeld 
entnommen ist), den mittleren Kalklagern mit Orthoceras bohe- 
micum Barr, und Cardiola interrupta Brod. (4. des Profils) 
und aus den hangenden Kiesel- und Alaunschiefern (5. des 
Profils) besteht; und in eine obere tentaculitenreiche (Tenta- 



*) Vergl. diese Zeitschr. XIII. pag. 231 ff. 

Zeits.d.D.geoI. Ges. XXVII. 2. 18 



262 



culitenschichten) , welche aus den Knotenkalken mit Ktena- 
kanthusstacheln , Tentaculites acuarius und Favosites gottlandica 
Goldf. (6. des Profils), ferner den Nereitenschichten (7. des 
Profils) und den Schiefern mit Tentaculites cancellatus (8. des 
Profils) , endlich den alaunschieferartigen Grenzschiefern , in 
denen bis jetzt Petrefacten nicht aufgefunden sind (9. des Profils), 
sich aufbaut. 




12. Schotter. 
11. Zechstein. 
10- Cypridinenschiefer. 
9. Grenzschiefer. 

8. Cancellatusschichten (Tentacu- 

litenschiefer). ***) 
7. Nereitenschichten. 



6. Ktenakanthuschichten (Tentacu- 

litenschichten (Gein.)*). 

5. Oberer Graptolithenschiefer. 

-4. Interruptakalk. **) 

3. Untere Graptolithenschiefei'. 

2. Untersilur, 

t. Phycodesschichten. 



Ihrer petrographischen Beschaffenheit nach sind die in 
Rede stehenden oberen Graptolithenschiefer, die selbstver- 
ständlich mit den liegenden Interruptakalken und den hangen- 
den Ktenakanthusschichten in vollkommener Concordanz sich 
befinden , mit den unteren Graptolithenschiefern fast ganz 
gleichartig und Handstücke aus beiden Horizonten lassen sich 
nur bei genauer Vergleichung unterscheiden. Wie die unteren, 
so constituiren die oberen Graptolithenschiefer in ihrem tiefsten 
Theile einen Kieselschiefer, der nach aufwärts mehr und mehr 
mit Alaunschieferlagen abwechselt und endlich ganz und gar 
zurücktritt; wie jene, gestatten sie dem unbewaffneten Auge 



*) Der Name ist gewählt worden , um das Formationsglied als 
das tiefste, in welchem Wirbclthicrrcste vorkommen, auszuzeichnen. 

**) Der in dieser Zeitschr. Bd. XXIII. pag. 782 gebrauchte Name 
Ockerkalk würde ebenso den Zechstcinkalken zukommen, aus denen hier 
Ocker in weit grösserer Menge gewonnen wird, als aus dem Interrupta- 
kalk. 

***) Nach dem vorherrschenden Tentaculites cancellatus. 



263 



eine Unterscheidung der Gemengtheile nicht; wie jene besitzen 
sie eine regelmässige Schieferung , die sich von centimeter- 
starken Tafeln bis zu papierdünnen Blättern verfolgen lässt; 
wie diese sind sie tiefschwarz und nehmen erst nach längerer 
Einwirkung der Atmosphärilien graue und weissliche Nuancen 
an und unterscheiden sich nur dadurch , dass ihr Korn etwas 
weniger rauh und ihre Härte etwas geringer ist, was auf 
einen grösseren Gehalt von Thonerde hinweist, vermöge dessen 
sie an manchen Punkten , wie bei Steinach und Gebersdorf, 
bei der Verwitterung in thonige Blätter und Splitter zerfallen. 
Fast scheint es, als ob Engelhardt das Vorkommen dieser 
Schiefer in der Partschengasse zu Steinach meine, wenn er 
(diese Zeitschr. Bd. IV.) gewisser Thonschiefer gedenkt, die 
in Folge von Anfeuchtung plastisch werden. 

Auch ist die Beimengung von Eisenkies eine geringere, 
weshalb diese oberen Graptolithenschiefer , obgleich auch ihre 
Petrefacten nicht selten verkiest sind, doch wenig Neigung zur 
Erzeugung jener Efflorescenzen zeigen , die in den unteren 
Graptolithenschiefern so häufig und nutzbar, der Erhaltung der 
Petrefacten dagegen so nachtheilig sind. Nur an einem Punkte, 
im Rothenbach unweit Saalfeld , sind sie eine Zeit lang zur 
Vitriolbereitung verwendet worden. Dagegen sind ebenso wie 
dort die Abdrücke der Petrefacten mit einem Pyrophyllit- 
häutchen überzogen und die Verkiesungen von diesem Mineral 
umhüllt. 

Ein mehr als nur gradueller Unterschied scheint der zu 
sein, dass die oberen Graptolithenschiefer fast überall und am 
meisten bei grösserer Mächtigkeit eine Streckung in der Rich- 
tung des Streichens und eine Stauchung in der Richtung des 
Fallens wahrnehmen lassen, die am deutlichsten in der Be- 
schaffenheit der Petrefacten zum Ausdrucke gelangt , indem 
diese in der ersten Richtung länger und schlanker, in der 
zweiten kürzer und breiter erscheinen , als in den zwischen- 
liegenden Richtungen, in denen allein sie die mittleren natür- 
lichen Dimensionen beibehalten. 

Die paläontologischen Unterschiede lassen sich vorläufig 
noch nicht mit Sicherheit bezeichnen , da die Untersuchung 
unseres oberen Graptolithenhorizonts gerade in dieser Richtung 
noch zu wenig eingehend hat geschehen können. Im Allge- 
meinen sind in dem oberen Horizont bisher nur zwei Grapto- 

18* 



264 



lithenformen aufgefunden worden , die mit jenen des unteren 
Horizonts nicht übereinstimmen. Das Vorkommen ausschliess- 
lich geradliniger monoprionidischer Graptolithen (diese Zeitschr. 
Bd. XXIII. pag. 782) bestätigt sich nicht, sondern beschränkt 
sich nur auf einzelne Fundorte , wie es nicht selten auch in 
den unteren Graptolithenschiefern der Fall ist, während ander- 
wärts auch gekrümrate und gewundene Formen sich jenen bei- 
gesellen. Wenn bisher diprionidische Formen, die doch selbst 
den Nereitenschichten und den Cancellatusschiefern nicht ab- 
gehen, noch nicht beobachtet worden sind, so würde ein Schluss 
auf das gänzliche Fehlen derselben innerhalb dieses Horizontes 
doch umsomebr verfrüht sein, als einestheils bis jetzt nur an 
wenigen Punkten gesammelt worden ist, anderntheils diese 
zweizeiligen Graptolithen auch in dem unteren Horizonte oft 
auf weite Strecken hin vermisst werden. 

Desto auffallender ist das Vorkommen eines Dicranograptus, 
da nach den bisherigen Erfahrungen diese Gattung nur den 
relativ älteren Formationen anzugehören schien und deshalb 
ihre Abwesenheit in den unteren Graptolithenschiefern Thü- 
ringens nicht überraschte. Um so merkwürdiger dieses Wieder- 
aufleben der Gattung. Aber auch noch in anderer und sehr 
beachtenswerther Weise weicht die Fauna der oberen Grapto- 
lithenschiefer von jener der unteren und zwar darin ab , dass 
wenigstens an zwei Stellen (Adriansthal bei Saalfeld und 
Gissera bei Reschwitz) mit den Graptolithen zugleich Tenta- 
culiten der Ktenakanthusschichten vorkommen, während ausser- 
dem in dem ganzen Gebiete der Graptolithenschichten noch 
nie eine Spur von diesen kleinen Pteropoden entdeckt worden 
ist. Diese Tentaculiten , eine kleine Discina und Graptolithen 
nebst einigen Formen incertae sedis machen vorläufig den gan- 
zen Bestand der Fauna des oberen Graptolithenhorizontes aus. 



Das unmittelbar Hangende des oberen Graptolithenhori- 
zontes, also das Tiefste der Ktenakanthusschichten, besteht aus 
schwarzen Schiefern, deren ebenfalls schwarze Kalkconcretionen 
von bedeutender Grösse und oft plattenförmiger Absonderung 
sind. Bei der Verwitterung bräunt sich theilweise das Gestein 
und lässt sowohl daran als auch an der rothen Färbung, 



265 



welche die Oberfläche der aus weissem Kalkspath bestehenden 
Tentaculiten bedeckt, einen gewissen Eisengehalt erkennen. 
Manchmal sind auch diese weissspäthigen Tentaculiten mit 
einer dünnen Markasitrinde umgeben , die an die Stelle des 
Schälchens getreten ist und alle Ornamente des Petrefacts bis 
in die feinsten Einzelheiten conservirt hat. Neben diesen dem 
Formationsgliede eigenen Tentaculiten findet sich noch die für 
Thüringen neue Pterinaea lineatula d'Orb. (Ludlow) und Car- 
diola striata Sow. , die bisher in diesen Schichten noch nicht 
gefunden worden war, in ausgezeichnet grossen Exemplaren. 
Erst darunter folgen die oberen Graptolithenschiefer mit ihrer 
besonderen Fauna — Pflanzenreste haben sich noch nicht ent- 
decken lassen. 

Nach ihrem Erhaltungszustande sind die Petrefacten der 
oberen Graptolithenschiefer theils Abdrücke, theils Verkiesungen, 
aber nur die Graptolithen zeigen in beiden Fällen regelmässig 
den schon erwähnten Ueberzug von Pyropbyllit, der manchmal 
eine ansehnliche Stärke hat und auf den ausgebleichten Schie- 
fern ein silberweisses und endlich ein mattes kalkartiges Aus- 
sehen hat. Andere Petrefacten sind nur ausnahmsweise von 
Pyropbyllit begleitet und gestatten den Schluss auf eine Be- 
schaffenheit der petrificirten Reste, die jener der Graptolithen 
entsprochen haben möchte. 

1. Tentaculites ferula. 

Vergl. diese Zeitschr. Bd. XVIII. pag. 410,, Taf. V. Fig. 1. 2. 

2. T. acuarius. 

3. T. Geinitzianus. 

4. T. infundibulum. 

5. T. subconicus Gein. 

Vergl. diese Zeitschr. Bd. VI. pag. 285 ff., Taf. III. Fig. 2-9 und 
17 - 19. 

6. Discina dissimilis n. sp. 

Taf. VIII. Fig. 1. 

Fast regelmässig eirund, 8 — 10 Mm. lang, 6 — 7 Mm. 
breit. Die sehr fein punktirte, aber sonst glatte Ventralklappe 
hat einen engen Schlitz mit wenig hervortretender Randwulst. 
Die mützenförmige Dorsalklappe mit länglichem , nach hinten 
und oben excentrischem Scheitel ist mit starken radialen Rip- 



266 



pen , die gegen den Rand hin durch Einschiebung sich ver- 
mehren, und einigen ziemlich entfernt stehenden Anwachs- 
streifen versehen. Der Rand scheint leistenartig verdickt ge- 
wesen zu sein , da oft nur der vertiefte Eindruck desselben 
erhalten ist und bei Erhaltung der ganzen Schale diese immer 
innerhalb der Randleiste eingedrückt ist , so dass zwischen 
diesem Rande und dem Scheitel eine ringförmige Vertiefung 
entsteht, in welcher die Radialrippen selten erkennbar bleiben, 
und in diesem Falle es den Anschein hat, als ob ein glattes 
Band zwischen Rand und Scheitel liege. 

In den obersten Lagen unseres Horizonts die Schicht- 
flächen dicht, wie ein Pflaster bedeckend, so dass kaum ein 
Tentaculit oder Graptolith dazwischen Raum findet. 

Dicrano graptus Hall z. Th. 

Der kurze verkehrtkegelförmige Fuss verbreitert sich nach 
oben und bildet so die Basis für die zwei monoprionidischen 
Arme des Stockes, welche in einem weitgeöffneten Winkel 
divergiren und einander ihre Dorsalseiten zukehren, während 
die Ventralseite mit den Zellen nach aussen und unten ge- 
wendet ist. Nach diesen Charakteren gehört hierher ausser 
dem typischen D. divaricatus Hall nur noch die unten zu 
beschreibende Form , denn Ciadograptus Forchammeri Gein., 
den Hall mit der Gattung vereinigt, hat in der Abbildung bei 
Geinitz (Graptolithen Taf. V. Fig. 29 — 31) einen Fuss, nach 
dessen Stellung die Arme einander die Ventralseite zukehren 
und gehört demnach zu Didymo graptus. 

Von der Beschaffenheit der Zellen, die Hall als blosse 
Einsenkungen in den Canal ohne becherförmigen oder anders- 
gestalteten Rand charakterisirt, wird um so eher abgesehen 
werden dürfen, als auch in anderen Gattungen, namentlich in 
der Gattung Monograptus Formen wie M. cliorda und die übrigen 
Rastriten (diese Zeitschr. Bd. XXIII. p. 240. Taf. V. Fig. 2—4.) 
vorkommen, deren Zellen auch bloss in den Canal eingelassen 
und nur durch Ornamente oder Bewaffnungen ausgezeichnet 
sind. Die unmittelbar aus dem Fusse entspringende Diver- 
genz der beiden Arme des Stockes ist an der Basis nicht 
durch den Scheitel eines Winkels, sondern durch eine ziemlich 
weite und völlig glatte Ausrundung markirt und schliesst 



267 



deshalb Formen, wie D. sextans Hall. D. ramosus Hall, 

D. furcatus Hall und D. Clingani Carr. , die am Grunde des 
Stockes diprionidisch erscheinen und dann erst in zwei mono- 

prionidische Aeste zerfallen, aus der oben definirten Gat- 
tung aus. 

7. D. posthumus n. sp. 
Taf. VIII. Fig. 2. 3. 

Fuss einfach , wenigstens lässt sich bis jetzt keine Spur 
der Nebenfüsse des D. divaricatus Hall erkennen. Canal eng 
mit einer Axe, die in dem normalen Verhältniss zu demselben 
steht. Die Linien, die in der Substanz des Fusses zum Vor- 
schein kommen , sind nicht bei allen Exemplaren dieselben 
und lassen sich deshalb nicht mit Sicherheit auf die x\nfänge 
der Axe beziehen. Bei dem vorliegenden Erhaltungszustande 
sind am Canal weder die gewöhnlichen schiefen Querrunzeln, 
noch auch die Knötchen nachzuweisen , welche bei D. divari- 
catus Hall erscheinen , obgleich einzelne Andeutungen der- 
selben vorhanden sind. Die Zellen entspringen in solcher 
Entfernung von einander , dass die Basis der folgenden Zelle 
mit der Spitze der vorhergehenden auf gleicher Höhe steht; 
legen sich eng an den Canal an, von dessen Richtung sie nur 
um ca. 20 abweichen , haben die vierfache Länge des Quer- 
durchmessers und stellen enge Becherchen dar, deren Aussen- 
wand etwas schneppenförmig vorgezogen ist. Die Mündung 
liegt zwischen dieser Schneppe und dem Canal und scheint 
mit einem verdickten und abgerundeten Saume versehen zu 
sein. Der Pyrophyllitüberzug, der sich ohne Verletzung des 
Petrefacts nicht abheben lässt, verbirgt manche Details. 

Hauptsächlich im mittleren Theile des Horizonts. 

8. Mono graptus colonus Barr. 

Qraptolithus colonus Barrandk, Graptol. de Boh. pag. 42. PI. II. 
f. 1 —5. 

9. M. nuntius Barr. 
Grapt. nuntius Barr. 1. c. pag. 45. PI. II f. 6 — 8. 

10. M. cf. sa gittarius His. 

Prionolus sagittarius Hisinger, Leth. suec. Suppl. p. 114. t. 35. f. 6. 
Monograptus sagittarius His. , Geinitz, Graptol. t. 2 f. 3. 4. und 
t. 3 f. 9. 10. 



268 

11. M. Nilsso ni Barr. 

Grapt. Nilssoni Barr. 1. c. pag. 51. PI. II. f. 16. 17. 

Neben der echten Form Barrande's findet sich auch die 
robustere, die Nicholson (Quart. Journ. of the Geol. Soc. 1868. 
PI. XX. f. 20. 21.) als var. major unterscheidet. Abgesehen 
von den Dimensionen bleiben die Relationen der einzelneu 
Theile zu einander gleich, da die Stärke des Canals jener der 
Zellen gleich ist, die Stellung der letzteren um 15° von der 
Richtung des Canals abweicht und die Länge der Zellen, deren 
jede mit ihrer Spitze nur die Basis der nächstfolgenden er- 
reicht, 2,5 mal grösser ist, als ihr Querdurchmesser. Die 
Axe , die auch in vielen Abdrücken aus Eisenkies besteht, 
zerfällt öfters in ganz kurze cylindrisehe oder kugelförmige 
Fragmente. 

12. M. microdon n. sp. 
Taf. VIII. Fig. 4. 5. 6. 

Schlank und sehr langsam an Stärke zunehmend. Der 
einfache Fuss ist meist, wie bei den monoprionidischen For- 
men überhaupt, aufwärts zurückgeschlagen. Der nicht selten 
leicht hin und hergebogene Canal ist stärker als die Zellen 
mit einer Axe von normaler Stärke und an den Seiten da, 
wo der Boden der Zellen zu vermuthen ist, mit einem Orna- 
ment, das bald als eingedrückter Punkt, bald als Knötchen 
erscheint. Die schiefen Querrunzeln des Hautskelets, die 
anderen Formen selten fehlen, lassen sich hier vielleicht in 
Folge der Pyrophyllithülle nicht erkennen. Die Zellen be- 
schreiben mit dem Canal einen Winkel von 15°, stehen um 
ihre eigene Länge von einander ab, so dass die Spitze der un- 
teren Zelle nur wenig über die Basis der darüber stehenden 
hinaufreicht, sind am Grunde bauchig, nach oben fast hals- 
artig verengt und der Mundsaum tritt nur sehr wenig nach 
aussen und unten aus dem Umrisse der Ventralseite hervor. 

Vermöge der verhältnissmässigen Stärke des Canals und 
der damit zusammenhängenden Abplattung der Zellen scheint 
der Stock eine gewisse Rundung besessen zu haben, was auch 
daraus hervorgeht, dass scalariforme Exemplare oder solche, 
deren Axe in der Medianlinie liegt, ziemlich häufig vorkommen. 



269 



13. M. priodon Bronn. 

Lomatoceras priodon Bronn, Leih, geogn. I. pag. 56. t. 1. f. 13. 
Grajtt. priodon Barr., Grapt. pag. 38. PI. I. f. 1 — 14, 

Taf. VIII. Fig. 7. 

Häufig nur im oberen Theile des Horizonts und zwar 
nieist verkiest in Gesellschaft der Tentaculiten , der Pterinaea 
lineatula d'Orb. , der Cardiola striata Sow. und der Discinen. 
Eins dieser verkiesten Exemplare zeigt an dem stärkeren Theile 
des zurückgeschlagenen Fusses eine deutlich erkennbare Zellen- 
mündung und unterstützt somit die Anschauung, dass der Fuss 
eigentlich nur das erste Individuum des Graptolithenstockes 
sei, welches nach Bildung der ersten Knospe zu Grunde geht 
und fortan nur noch zur Befestigung der Colonie dient. 

14. M. Ludensis Murchison. 
Gr. Ludensis Murcb., Sil. Syst. pag. 694. PI. XXVI. f. i. la. 

Taf. VIII. Fig. 8. 9. 10. 11. 

Die Artbestimmung beruht zunächst auf der fast vollkom- 
menen Uebereinstimmung des hiesigen Petrefacts mit der Ab- 
bildung bei Murchison. Die einzige Abweichung besteht darin, 
dass in der vergrösserten Figur la die Zellenmündungen nicht 
angedeutet sind, ein Mangel, der 1839, zu einer Zeit, in der 
Barrande's bahnbrechendes Werk über die böhmischen Gra- 
ptolithen noch nicht erschienen war, wohl Entschuldigung finden 
wird. Eine weitere Stütze für unsere Bestimmung gewähren 
Exemplare aus nordischen Geschieben, die in der Umgebung 
von Rostock gesammelt worden sind. 

Der Stock erreicht eine ansehnliche Länge und ist im 
Jugendzustande leicht rückwärts gekrümmt, wächst aber dann 
in gerader Richtung fort. Der Canal erscheint im Profil we- 
niger stark, als die einzelne Zelle und zeigt eine nur sehr 
langsame Zunahme. Die Axe ist von normaler Beschaffenheit 
und «conservirt sich oft noch auf eine bedeutende Länge, wenn 
auch die jüngsten Zellen des Stockes gänzlich zerstört und 
verschwunden sind. Die diehtanstossenden Zellen, deren Reihe 
0,6 von der Profilbreite des Petrefacts einnimmt, stehen um 
30 vom Canale ab , haben die doppelte Länge ihres Quer- 
durchmessers und sind am Grunde bauchig, oben verengert 
mit schief nach aussen gewendeter Mündung, deren Saum sich 



270 



nach vorn zu einer abwärts geneigten Spitze verlängert. Die 
zahlreichen scalariforraen Exemplare lassen auf eine gewisse 
Rundung des Stockes oder auf Abplattung der Dorsalseite 
schliessen. 

Der häufigste Graptolith des Horizonts, aber so vielfach 
auch alle Schichtflächen völlig von demselben bedeckt werden, 
so gehören doch längere Individuen zu den Seltenheiten, wäh- 
rend die Stücke bis zu 3 Cm. Länge (Taf. VIII. Fig. 4) die 
Hauptmenge des Vorkommens ausmachen, ganz in ähnlicher 
Weise wie in den Handstücken nordischer Kalkgeschiebe, in 
denen zugleich M. tenuis Portlock (sicher von M. Nilssoni 
Barr, verschieden) *) sich findet. 

15. M. convolutus Hisinger. 

Prionotus convolutus His., Leth. suec. Suppl. p. 114. t. 35. f. 7. 
Graptol. spiralis Barr., Grapt. pag. 54. PI. IV. f. 10 — 13. 
M. convolutus Gein., Grapt. pag. 45. t. 4. f. 30-35. 

Nach einigen Kieskernen von leider unvollkommener Er- 
haltung scheinen die Zellen auf dem bandförmigen Canal eine 
ähnliche Stellung zu haben, wie bei M. turriculatus Barr. 

16. M. gemmatus Barr. 

Grapt. gemmatus Barr., Grapt pag. 68 PI. IV. f. 5. 

— — diese Zeitschr. V. pag. 462 Taf. XII. Fig. 34. 

— — diese Zeitschr. XXIII. pag. 240. Taf. V. Fig. 2. 

17. M. fugax Barr. 

Rastrites fugax Barr., Grapt. pag. 66. PJ. IV. f. 1. 

M. spina, diese Zeitschr. V. pag. 462. Taf. XII. Fig. 32, 33. 

— — diese Zeitschr. XXIII. pag. 235. 

Taf. VIII. Fig. 12. 

Wie die vorhergehende Art ein echter Rastrit, dessen 
Zellen als kleine umgekehrt kegelförmige Becher mit weiter 
Mündung gleichsam in den Achseln stehen, welche die hier 
ziemlich geradlinigen appendiculären Theile des äusseren Zell- 
randes mit dem Canale bilden. 

*) Vergl. dazu Dames, Beitrag zur Kenntniss der Gattung Dictyonema, 
diese Zeitschr. XXV. pag. 383. 



271 



Aus dem einfachen meist zurückgeschlagenen Fusse ent- 
springt der sehr enge, entfernt quergerunzelte Canal mit einer 
Axe von entsprechender Feinheit und beschreibt eine ziemlich 
weite Spirale von nur wenigen Umgängen , die aber meist 
etwas in die Länge gezogen ist und den Anschein hat, als ob 
sie nicht in einer und derselben Ebene gelegen , sondern sich 
in umgekehrter Kegelform erhoben hätte. Die Zellen befinden 
sich auf der Aussen- und Oberseite der Windungen des Canals, 
sind wie bei M. gemmatus in den an diesen Stellen verdickten 
Canal eingelassen und um die Länge ihrer appendiculären 
Spitzen von einander entfernt. Wo die Krümmung des Canals 
stärker ist, stehen diese Ornamente rechtwinklig ab, je flacher 
dagegen die Krümmung ist , desto steiler richten sie sich auf 
und liegen am Canal an, so dass solche Stücke wie Theile 
des M. Nilssoni erscheinen. Sie lassen sich jedoch leicht, am 
besten in den Verkiesungen von diesem unterscheiden , da sie 
spitz sind, während die Zellen des M. Nilssoni bis an's obere 
Ende gleich stark bleiben oder sich sogar etwas verdicken. 

Mit den beiden vorigen Arten besonders im mittleren 
Theile des Horizonts, wo centimeterstarke Lagen von Kiesel- 
schiefer mit solchen von Alaunschiefer wecbsellagern. 

Taf. Vitt. Fig. 13. 

In den Alaunschiefern des Schwefellochs bei Schmiedefeld 
hat sich einmal ein Petrefact gefunden , das nach Krümmung 
und Verästelung des Stämmchens sich nur mit Cyrtoyraptus 
Murchisoni Carrüthers (Brit. Graptol. Geol. Mag. 1868. p. 72. 
PI. V. f. 17.) vergleichen lässt, sofern dabei von den Zellen, 
die an dem britischen Fossil so ausserordentlich scharf aus- 
geprägt sind , abgesehen wird. Denn beide Ränder des hie- 
sigen Petrefacts sind vollkommen glatt, und auch die minutiö- 
seste Untersuchung zeigt weder hier eine Spur von Zellen, 
noch auch innerhalb dieser Ränder eine Andeutung, dass ein 
scalariformer Erhaltungszustand vorliege. Allerdings ist die 
Untersuchung dadurch erschwert, dass die beiden Spaltflächen 
des Stückes, welches nicht so flach, wie die Abdrücke der 
mitvorkommenden Graptolithen auf dem Schiefer liegt, son- 
dern ungefähr 0,5 Mm. in das Gestein eingedrückt ist, mit klei- 
nen Eisenkieskrystallen bedeckt sind. Die vertiefte Mittellinie, 
die durch einen Theil des Stückes hinläuft, scheint Folge davon 



272 



zu sein, dass die an den Wänden des Hohlraums, der nach 
Zersetzung des ursprünglich vorhanden gewesenen Körpers 
zurückblieb, sich bildenden Krystalle den Raum nicht vollkom- 
men ausfüllten. Die an der Aussenseite des Stammes befind- 
lichen Aeste stehen in regelmässigen Entfernungen von 9, 2x9 
und (in der Verlängerung des Stammes, welche die Abbildung 
nicht mehr wiedergiebt) 3x9 Mm. von einander ab. 

Taf. VIII. Fig. 14. 15. 

Ungleich dem unteren Graptolithenhorizonte , in welchem 
bisher ausser den Graptolithen nur ein kleiner Nautilus (N. veles, 
vergl. diese Zeitschr. XXIII. pag. 243.) und neuerlich ein Or- 
thoceratit als grosse Seltenheiten gefunden worden sind, enthält 
der obere Horizont gar nicht selten Formen, die den Grapto- 
lithinen nicht angehören , aber freilich ihres unvollkommenen 
Erhaltungszustandes wegen vorläufig incertae sedis bleiben 
müssen. Manche derselben gestatten einen Vergleich mit 
Hinterleibssegmenten und Steuerapparat von Ceratiocaris , an- 
dere mit Conularia, wieder andere sind wurmförmig und mit 
starken auf der concaven Seite der Abdrücke gespaltenen 
Rippen versehen, noch andere schlauchförmig mit äusserst 
feinen Querrunzeln, deren Zwischenräume mit Pyrophyllit aus- 
gefüllt sind und in Folge davon ein eigentümliches flimmerndes 
Ausseben darbieten. 

Etwas deutlicher, aber trotzdem unbestimmter sind Ab- 
drücke, wie Figur 14 u. 15 unserer Tafel, welche innerhalb 
eines spateiförmigen Umrisses mit kleinen nach aussen dicht 
gedrängten , nach innen entfernter stehenden Furchen bedeckt 
sind, die meist nur eine hakenförmige Gestalt zeigen, bei bes- 
serer Erhaltung aber als scharf eingeschnittene geschlossene 
Ovale erscheinen, deren Innenraum von quincuncial geordneten 
Knötchen oder Spitzchen eingenommen wird. Ein Vergleich 
mit lebenden Formen lässt sich kaum finden. 



273 



Erklärung der Tafel VIII. 



Figur 1. Discina dissimiUs n. sp. Dorsalklappe, \ n, Gr. Gissera. 

Figur 2. Dicranograptus posthumus n. sp. ^ n. Gr. Kreunitz 

Figur 3. Derselbe £ n. Gr. 

Figur 4. Monograplus microdon n. sp. \ n. Gr. Kreunitz. 

Figur 5. Derselbe, f n. Gr. 

Figur 6 Derselbe, Fussstück, f n. Gr. 

Figur 7. M. priodon Bronn, Fussstück, f n. Gr. Adriansthal. 

Figur 8. M. Ludensis Mürch., mit entblösster Axe. | n. Gr. Jagd- 
stiegelwand. 

Figur 9. Derselbe, gewöhnliches Vorkommen. | n. Gr. Gräfenthal. 
Figur 10. Derselbe, halbscalariform. | n. Gr. Kreunitz. 
Figur Ii. Derselbe, f n. Gr. 

Figur 12. M. fugax Barr. { n. Gr. Rothenbach 
Figur 13. ? Cyrtograptus. | n. Gr. Schmiedefeld. 
Figur 14. Inc. sedis. | n. Gr. Kreunitz. 
Figur 15. Hakenfurchen desselben Stücks. ' T ° n. Gr. 



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2. Beriebt über eine Reise nach dem Quilotoa und dem 
Cerro hermoso in den ecuadorischen Cordilleren. 

Von Herrn VV. Reiss aus Mannheim. 

(Aus dem Spanischen*) übersetzt von Herrn Gr. vom Rath.) 

Nachdem ich den Iliniza untersucht und meine Beobach- 
tungen über den Cotopaxi abgeschlossen hatte , bot sich mir 
als fernere Aufgabe meiner den Vulcanen Ecuadors gewid- 
meten Studien die Untersuchung zweier sehr berufener, aber 
wenig bekannter Berge dar. Den Quilotoa, über dessen Eru- 
ptionen der Pater Velasco einen so seltsamen Bericht giebt, 
musste ich in der westlichen Cordillere aufsuchen, während in 
gleicher Weise meine Aufmerksamkeit auf die Gebirge von 
Llanganates in der östlichen Cordillere gelenkt wurde, da die- 
selben verschiedenen Berichten zufolge sowohl reich an Gold 
als auch an thätigen Vulkanen sein sollten — eine sehr un- 
gewöhnliche Vereinigung geologischer Tbatsachen. 

Zunächst beschloss ich, mich nach dem Quilotoa zu wen- 
den, von welchem nur bekannt war, dass er der Westcordillere 
zwischen Sigchos und Tigua angehöre, über dessen genaue 
Lage aber Nichts zu erfahren war. 

Von Toacaso führt bis zum Dorfe Sigchos ein leidlich 
guter Weg, welcher über das nördliche Gehänge der Cordillere 
von Guangaje und Tsinlivi in einer ansehnlichen Höhe über 
dem Flusse Hatuncama hinzieht und Gelegenheit bietet, sowohl 
die geologische Beschaffenheit jener Cordillere, als auch die 
Gestaltung des Thals zu beobachten. 

Viele kleine Bäche rinnen von den Schneeflächen des 
Iliniza (10 Wegestunden SSW. von Quito) herab, sie vereinigen 
sich in einem tiefen und breiten Thal und bilden den Fluss 



*) Carta del Dr. W. Reiss ä S. E. el Presidente de la Repüblica, 
sobre sus viajes a las montanas del Sur de la Capital, Quito, 187J. 



275 



Hatuncama, welcher bis zu seiner Vereinigung mit dem Rio 
Toache unfern des Fleckens Sigchos von Ost nach West 
durch Gebirge älterer Formationen seinen Lauf nimmt. Von 
Sigchos bilden die vereinigten Gewässer einen grossen Fluss 
(Toache), welcher gegen NW. strömt und alle von den west- 
lichen Gehängen des Corazon , Atacatzo und Pichincha herab- 
kommenden Rinnsale sammelt, um sich schliesslich unferti 
der Küste des Stillen Oceans mit dem Rio Guaillabamba, 
welcher das Hochthal von Quito entwässert, zu vereinigen. 
So verbinden sich die Abflüsse beider Gehänge der West- 
cordillere zum Rio Esmeraldas. Nur zwei Bäche , der Rio 
blanco und Razuyacu, welche dem Gebirgssysteme des Uiniza 
angehören, bilden eine Ausnahme, indem sie sich nicht zum 
Stillen Ocean wenden , sondern mit südlichem Laufe dem 
grossen Stromgebiet des Amazonas angehören. 

Der Rio Toache fliesst von seiner Quelle bis zu seiner 
Vereinigung mit dem Hatuncama von Süd nach Nord in einem 
breiten und tiefen Thale , welches von den Hochebenen Lata- 
cunga's durch die Cordillere von Guangaje und Tsinlivi ge- 
schieden und gegen Westen durch die Cordillere von Chug- 
chillan und Sigchos begrenzt wird. Beide Gebirgsketten 
bestehen aus Gesteinen älterer Bildungen. Schichten von 
Sandstein, quarzige Conglomerate , bituminöse Schiefer stehen 
mit fast verticaler Schichtenstellung im Thalgrunde an , wäh- 
rend die nackten Felsen der höheren Gehänge aus plutonischen 
Gesteinen bestehen. Nur auf dem hohen Kamme und an 
einigen Punkten der östlichen Gehänge der Cordillere von 
Guangaje und Tsinlivi finden sich einige zerstörte Reste von 
Lavadecken. Die beiden genannten Cordilleren verbinden sich 
gegen Süd mit einem hohen unter dem Namen „Cordillere 
von Zumbagua und Angamarca" bekannten Gebirgsknoten. 

Bereits im Hatuncama - Thale erblickt man mit Bewun- 
derung die ungeheuren Ablagerungen von vulkanischen Tuffen 
und Breccien, welche das Thal bis zu erstaunlicher Höhe an- 
gefüllt haben und die ausgedehnten Plateaus der Meierei Pongo 
bilden. Während das Vorhandensein solcher Tuffmassen An- 
gesichts des Iliniza an dessen Basis sich erklärt, so erscheinen 
jene Tuffplateaus im Thale des Rio Toache doch schwer er- 
klärlich , da sich kein hochragender Gipfel im oberen Thal- 
gebiet erhebt. Jene neuvulkanischen Ablagerungen dehnen 



276 



sich durch das ganze Thal des Toache aus, von dem Flecken 
Sigchos bis über die Meiereien Zumbagua und Tigua hinaus, 
sich fast unmerklich von Nord nach Süd erhebend, unter- 
brochen von tiefen Spalten, welche durch die Thätigkeit des 
Wassers bis zur alten Sohle des Flusses und des Thals ero- 
dirt wurden. Alle Dörfer dieses Thals sind auf den Tuff- und 
Bimsteinplateaus erbaut und leiden sehr durch Wassermangel, 
da die Flüsse in einem viel tieferen Niveau fliessen, und die 
Oberfläche aus porösen lockeren Massen bestehend das Wasser 
durchlässt, bis es auf dem Grunde der Schluchten als Quellen 
zum Vorschein kommt. 

Von welchem Berge wurde jene erstaunliche Menge vul- 
kanischer Auswürflinge ausgeschleudert? jene von den Laven 
des Uiniza so verschiedenen trachytischen Massen? jene Bim- 
steinschichten , welche die Hochflächen der Paramos bedecken 
und wie Schnee erglänzen auf den dunklen Gehängen der 
älteren Gebirge? 

Die Lösung dieser Fragen bietet sich unfern Chugchilan 
dar, wo eine Felswand über den Tuffen emporsteigt und quer 
von West nach Ost fast über das ganze Thal des Toache 
hinüberstreicht, so dass nur ein schmaler Durchbruch für den 
Fluss übrig bleibt. Wenn man diese Felsen, dem Wege nach 
Tigua folgend , erklettert , so gelangt man auf die Pampa von 
Hatalö. Auf dem Joche, welches dieselbe mit der Cordillere 
von Chugchilan verbindet, öffnet sich plötzlich dem Blick ein 
ungeheurer Kraterkessel , dessen Tiefe der See (das Maar) 
von Quilotoa einnimmt. Es stellt sich jener Thalabschluss, 
welcher von Chugchilan gesehen lediglich als eine Felswand 
erschien , nun als das nördliche Gehänge eines grossen ab- 
gestumpften Kegels dar. Die fast verticalen Felsen, aus Trachyt 
und weissen Tuffen bestehend, bilden einen überraschenden 
Contrast mit der stillen Oberfläche der grünen geheimnissvollen 
Lagune. 

Ich umschritt den Krater, dem hohen Rande folgend, in- 
dem ich auf der einen Seite stets den Absturz bis zum Maar, 
auf der anderen das äussere, zuweilen sehr steile Gehänge 
des Kegels hatte. Man erfreut sich auf dem Rundgang um den 
Krater bezaubernder Ansichten: das ganze Toache -Thal liegt 
zu den Füssen; die Pyramiden des Uiniza erheben sich in 
grösster Nähe, und die schneebedeckten Kuppeln des Cotopaxi 



277 



und Chimborazo ragen etwas über die näheren Cordilleren 
empor; doch der interessanteste Blick liegt gegen Norden, wo 
sich zur Seite des Corazon die Caldera und der Krater des 
Pichincha in ihrer ganzen Breite darstellen. Ohne Zweifel 
muss man den Quilotoa auch vom Guanga Pichincha sehen 
können. Da er aber kein hochragender Gipfel, sondern ein 
abgestumpfter, in einem breiten Thal verborgener, von höheren 
Bergen umgebener Kegel ist, so wird es nicht leicht sein, ihn 
in der grossen Zahl von Kämmen und Höhen herauszufinden, 
welche die Aussicht vom Pichincha umfasst, zumal wenn man 
nicht genau Lage und Form des Quilotoa kennt. 

Ziegen und Schaafe vermögen allerorts die das Maar um- 
gebenden Felsen zu erklettern; auch finden sich einzelne kleine 
Pfade, auf denen man zur Wasserfläche hinabsteigen kann. 
Leicht ist indess der Abstieg nur auf der Westseite, weil dort 
das Gehänge in Folge eines Felssturzes , welcher sich vom 
hohen Rande bis in die Lagune hinein erstreckt, weniger steil 
ist. Hier kann man auch dem Rande der Wasserfläche eine 
Strecke weit folgen, während an den meisten anderen Stellen 
das Wasser jäh abstürzende Felsen bespült. An der Küste 
macht sich ein Geruch nach Schwefelwasserstoff bemerkbar, 
und ein schwarzer schwerer Schlamm bedeckt den weissen 
Sand an den wenigen Punkten, wo die Felsen nicht jäh zur 
Tiefe abstürzen. Längs der ganzen Küste beobachtet man 
eine Gasentwicklung. Die ohne Unterbrechung aufsteigenden 
Gasblasen bewegen die Oberfläche des Wassers und veran- 
lassten das Volk zu dem Glauben, das Wasser siede. In der 
That besitzt die Lagune eine etwas erhöhte Temperatur (16° C.) 
und ist salzig. Sie hat keinen sichtbaren Abfluss; doch rinnt 
das Wasser durch die lockeren Fels- und Tuffmassen und tritt 
am äusseren Fuss des Kegels als laue salzige Quellen wieder 
hervor, in deren Wasser die Prenadillas (Pimelodes Cyclopum) 
mit Vorliebe leben. 

Kein anderer Vulkan Ecuador's besitzt eine so eigen- 
thümliche Lage wie der Quilotoa , und von keinem ist es so 
leicht, eine Vorstellung seiner Bildung zu gewinnen. 

Ohne Zweifel hat das Wasser das tiefe und breite Thal 
des Toache in der aus alten sedimentären und aus plutonischen 
Gesteinen gebildeten Cordillere ausgehöhlt, bevor die vulka- 
nischen Kräfte in diesem Gebiet hervorbrachen. Die ersten 

Zeits. d.D.geol. Ges. XXVII. 2. 19 



278 



Eruptionen fanden in der Cordillere von Guangaje und Isinlivi 
statt, doch nicht in ununterbrochener Folge und ohne grössere 
Massen von Lava und Tuffen zu bilden. Eine lange Ruhezeit 
trennt diese erste Aeusserung vulkanischer Kräfte von der Eru- 
ption des Quilotoa, denn jene älteren Laven befinden sich in 
einem mehr vorgeschrittenen Zustande der Verwitterung in 
dem Maasse, dass es auf den ersten Blick nicht immer leicht 
ist, sie von den älteren Gesteinen zu unterscheiden. Als das 
Thal bereits in gleicher Weise ausgetieft war, wie wir es jetzt 
sehen würden, wenn wir uns alle dasselbe erfüllenden vulka- 
nischen Massen entfernt denken, begannen die Eruptionen im 
Thalgrunde selbst und zwar in seiner Mitte, zwischen seinem 
Ursprünge und der Vereinigung mit dem Thal des Hatun- 
cama. Zähflüssige trachytische Laven häuften sich auf um 
den Eruptionsschlund, ohne indess zu breiteren oder schmalen 
Bändern sich auszudehnen, ohne Lavaströme, ähnlich denen 
des Vesuvs, des Cotopaxi oder des Antisana, zu bilden. Viel- 
mehr thürmte sich die Lava in ähnlicher Weise auf, wie es 
im Jahre 1866 in den Kaimeni- Inseln des Archipels von 
Santorin zu beobachten war. Oftmals müssen sich diese Eru- 
ptionen wiederholt haben, begleitet von heftigen Gas- und 
Wasserdampf-Entwickelungen , welche die Lava zertrümmerten, 
zerstäubten und als Aschenmassen, mit Bimstein vermischt, 
ausschleuderten. Diese feinen Auswurfsmassen verbanden sich 
mit den grösseren Blöcken zu Conglomeraten und Tuffen und 
lieferten das Material zu den vulkanischen Bildungen des 
Toachethals. Ohne Zweifel stauten die in der Mitte der Thal- 
erstreckung aufgethürmten vulkanischen Produkte den Lauf 
der Gewässer auf, welche von Zeit zu Zeit, vermischt mit 
Aschen und Gerollen, Schlammfluthen erzeugten, die den un- 
teren Theil des Thals heimsuchten. Regengüsse und Wolkeu- 
brüche , welche den gewaltigen Dampfexhalationen ihre Ent- 
stehung verdanken mochten , stürzten an den Berggehängen 
herab und trugen zur Bildung jener das Thal hoch erfüllenden 
Tuffplateaus bei, in dem sie die vulkanischen Aschen von den 
höheren Theilen des Gebirges zum Thale herabführten. Zu 
Anfang bildete sich in der Thalfläche wohl nur ein kleiner 
Kegel , welcher die beiden Thalgehänge nicht berührte. All- 
mälig vergrösserte sich derselbe und nahm die ganze Thal- 
breite ein, sich mit der westlichen Gebirgskette verbindend. 



279 



Wahrscheinlich dauerten beim QuiJotoa, wie bei vielen anderen 
Vulkanen die Aschenauswürfe nach dem letzten Lavaerguss 
noch lange fort und so zerstörten die damit verbundenen 
Explosionen einen grossen Theil des Kegels, schleuderten den 
Gipfel fort und bildeten schliesslich jenen grossen und tiefen 
Krater, welcher jetzt die Lagune lauwarmen und salzigen 
Wassers birgt. So erklärt sich die Thatsache, dass der Kegel 
so tief gleichsam begraben ist von Tuff- und Bimsteinmassen. 
Die Lagune bildete sich in dem ringsumschlossenen Becken 
durch Regenwasser, da in diesen Höhen die Verdunstung dem 
Niederschlage nicht das Gleichgewicht hält. Ohne die unter- 
irdischen Abflüsse müsste sich der Spiegel des Sees höher und 
höher füllen. In der That hebt sich allmälig der Spiegel des- 
selben aus einer anderen Ursache, nämlich in Folge der 
zahlreichen Felsstürze, welche von den jähen Felswänden fort 
und fort sich lösen, den Grund des Kraters ausfüllen und so 
die Tiefe desselben vermindern. 

Die letzten Anzeichen jener Entwicklung von Gasen und 
Dämpfen , welche eine so grosse Rolle in der Geschichte des 
Quilotoa gespielt haben, erkennt man in der höheren Tem- 
peratur der Lagune und in den erwähnten Gasblasen , welche 
aus der Wasserfläche aufsteigen. Ich halte es für sehr wahr- 
scheinlich, dass die verschiedenen Ausbrüche, welche in histo- 
rischer Zeit stattgefunden haben sollen, sich auf eine Zunahme 
jener Gasexhalationen beschränken , in Folge deren die ganze 
Wasserfläche im Sieden zu sein schien. Der Tod verschie- 
dener Thiere und die schwarze Färbung, welche alsbald ihr 
Fleisch annahm , sowie das Verdorren der Gräser auf ver- 
schiedenen Theilen des Felskranzes und ähnliche Erscheinungen 
erklären sich unschwer durch starke Entwickelungen von 
Kohlensäure und Schwefelwasserstoff. Die Flammen , welche 
aus dem Krater aufgestiegen sein sollen, sind wohl unzweifel- 
haft eine Erfindung der Indianer; denn niemals war ein Weisser 
Augenzeuge einer Eruption des Quilotoa. Nicht einmal im 
Zustande völliger Ruhe, in welchem der Berg sich jetzt be- 
findet, wagen die Weissen zum Krater hinabzusteigen, aus 
Furcht, das Maar möchte sie an sich ziehen, während doch die 
Indianer alle Tage hinabgehen, um ihre Schaafe mit dem Salz- 
wasser zu tränken. Die wenigen Weissen , welche eine Eru- 
ption gesehen zu haben behaupten, haben sich erst sechs oder 

19* 



280 



acht Tage nach dem Ende des Phänomens bis zum Krater- 
rande gewagt. 

Es scheint, dass die von der westlichen Kraterwand durch 
einen (bereits oben erwähnten) Felssturz losgelösten Massen 
ehemals sich weiter in die Lagune erstreckten, sodass sie, 
nach der Aussage einiger älterer Landbewohner, Weidegrund 
für einige Thiere boten. Da sie indess grösstentheils aus 
lockeren und durch den Sturz von der Höhe zerstörten Tuffen 
bestanden, so wurden sie allmälig durch das bewegte Wasser 
der Lagune zerstört und verschwanden schliesslich ganz. Dies 
ist die grosse „Insel" des Pater Velasco, welche verschwand, 
als der Spiegel des Wassers sich um 70 Varas erhob. Die 
unbestimmten Angaben des Pater Velasco verdienen nicht 
mehr Glauben , als die sich oft widersprechenden Traditionen 
der Indianer, welche ich in der Umgebung des Quilotoa sam- 
meln konnte, und von denen ich das Wesentlichste und Wahr- 
scheinlichste berichtet habe. Gewiss scheint mir, dass der 
Berg seit Menschen Gedenken keine Eruption gehabt habe, 
denn man findet weder Aschen noch Schlacken aus historischer 
Zeit. Die Uebertreibungen der aus der Nähe des Vulkans 
entspringenden Gefahren erklären sich meiner Ansicht nach 
leicht aus der Erwägung des Charakters und der gegenseitigen 
socialen Stellung der beiden das Land bewohnenden Rassen, 
von denen die eine absoluter Herr der Ländereien und der 
Bewohner, die andere Sclaven ohne Eigenthum ist. Man 
muss die Schlauheit kennen , mit welcher die Schwachen und 
Unterdrückten aus den Vorurtheilen ihrer Unterdrücker Gewinn 
ziehen. 

Die kurze Schilderung, welche ich vom Quilotoa und der 
Geschichte seiner Bildung gegeben habe, erklärt nicht nur die 
Tuffplateaus im Toache-Thal, die Verbindung von tracby- 
tischen Massen mit Tuffen zum Aufbau des Kegels, die Aus- 
höhlung des tiefen Kraters und die Ansammlung von lau- 
warmen salzigen Wasser in demselben, sondern lehrt auch, 
dass niemals hier ein hochragender Vulkankegel vorhanden 
war, durch dessen Einsturz die Gesammtheit der angeführten 
Erscheinungen sich erklären liessen. Diese Vorstellung des 
Einsturzes eines hohen Vulkans hat gleich wenig Begründung 
für den Quilotoa, den Altar, den Carihuairazo, den Mujnnda, 
den Pichincha oder den Cuicocha; und ebenso unbegründet ist 



281 



die Furcht, es möchte früher oder später der Chimborazo und 
der Cotopaxi einstürzen. Wie der Quilotoa dem Geologen 
grossartige, der Erforschung würdige Erscheinungen darbietet, 
so gewährt der Berg und seine Umgebung auch dem Mine- 
ralogen nicht geringeres Interesse. Die Laven mit den grossen 
ausgeschiedenen Feldspathkrystallen gehören zu den schönsten 
und merkwürdigsten Trachyten Ecuadors und bieten zudem so 
zahlreiche verschiedene Varietäten dar, wie bei wenigen an- 
deren Bergen der Welt. Vom krystallinisch-körnigen Trachyt 
bis zum Bimstein , ja bis zum Obsidian finden sich alle 
Zwischenstufen.. Häufig liegen die Feldspath- und Hornblende- 
krystalle parallel und geben dem Gestein ein schiefriges Ge- 
füge, so dass man nicht sowohl eine Lava als vielmehr einen 
Hornblendeschiefer vor sich zu haben glaubt. Dieselben Tra- 
chyte finden sich mit Eisenkies imprägnirt am Rande des 
Maars. Die Diorite und die anderen plutonischen Gesteine 
wechseln ihr Ansehen beinahe mit jedem Schritte und um- 
schliessen — was bei Gesteinen dieser Formation ungewöhn- 
lich — eine bauwürdige Schwefellagerstätte. Eigenthümlich 
ist dies Schwefelvorkommen. Gegenüber der Meierei Pilapujin 
erblickt man in der Cordillere von Isinlivi und Guangaje die 
Trümmer eines grossen Bergsturzes, welcher vom hohen Kamm 
bis zum Toache-Fluss sich erstreckte, mit seinen Trümmern 
die Berggehänge bedeckend. Diese Trümmer bestehen zum 
grossen Theil aus sehr hartem, schwefelreichem Gesteine. 
Wahrscheinlich erklärt sich der Bergsturz und die Gegenwart 
des Schwefels durch die Zersetzung des Eisenkieses in den 
die Cordillere bildenden alten Gesteinen. Jene Schwefellager- 
stätte wurde, wie man mir versicherte, früher mit Vortheil 
bearbeitet. Gründe, welche mit der Grube in keiner Bezie- 
hung standen, veranlassten den Unternehmer, die Arbeit auf- 
zugeben. *) 

Um meinen Bericht über die Gebirge in der Umgebung 
des Quilotoa zu vervollständigen, füge ich einige Worte über 
die Cordillere von Zumbagua und Angamarca hinzu, obgleich 
ich dieselbe erst viel später, nämlich nach meiner Reise zum 
Cerro hermoso, besucht habe. 



*) Nach den Hühenmessungen von Reiss und Stübel beträgt der 
höchste Gipfel des Quilotoa 4010 M. 



282 



Es wurde bereits erwähnt, dass die das Toache-Thal zu 
beiden Seiten begleitenden Gebirgszüge sich zu einem hohen 
Bergknoten oberhalb der Meiereien Tigua und Zumbagua ver- 
einigen. Diese Berggruppe, welche zum grossen Theile aus 
alten Gesteins- und Schichtenmasseu besteht und mit vulka- 
nischen Producten nur bedeckt ist, erstreckt sich von der 
Quelle des Toache bis zum Fusse des Carihuairazo und von 
den Paramos von Cusubamba bis zum Flecken Angamarca. 
Die kulminirenden Punkte sind die Kämme Michacala und Tigsan 
und die Berge von Cuchihuasi und Guagua aparishca rumi, 
welche häufig von Schnee bedeckt sind. Die Schluchten sind 
sehr tief und breit und nur durch schmale Kämme geschieden, 
die kaum Raum für einen Saumpfad gewähren. Schiefer, 
Sandsteine, Conglomerate, Porphyre und Melaphyre setzen das 
Gebirge in seinem nördlichen und westlichen Theile bis zu 
einer Höhe von 4000 M. zusammen, während die die Höhen 
der Cordillere bedeckenden vulkanischen Bildungen gegen Sü- 
den sich hinabsenken , um sich mit den Laven des Carihuai- 
razo zu verbinden. Gegen Osten erstreckt sich die vulkanische 
Formation bis zu den Ufern des Cutuche-FJusses, welcher dort 
den Namen Rio Pulapuchan führt. Breccien und trachytische 
Conglomerate und Bimsteintuffe, in mächtige Bänke gesondert, 
zuweilen mit trachytischen Massen wechselnd, charakterisiren 
in diesem Gebiet die vulkanische Formation, deren Laven theils 
denen des Quilotoa gleichen, theils, eine perlitische Structur 
annehmend, an die Gesteine von Guamanies erinnern, wäh- 
rend die Lavaströme in der Gegend von Llangagua sich den 
Trachytvarietäten des Carihuairazo nähern. Die Strasse (camino 
real) von Latacunga nach Angamarca überschreitet diese Cor- 
dillere, indem sie mehr als eine halbe Legua in einer Höhe 
von 4300 bis 4400 M. auf einem schmalen nackten Felskamm 
fortläuft. Dieser Uebergang von Michacala und Angamarca ist 
wegen der Schneewehen und Stürme, gegen welche sich kein 
Schutz bietet, sehr gefürchtet. Ohne Zweifel ist dieser Hoch- 
pass viel schutzloser als der so gefürchtete Pass des Azuay. 

Als einen Punkt von besonderem Interesse muss ich noch 
Chambullas erwähnen auf dem höchsten Punkte des Weges, 
welcher von der Hacienda Tigua nach Pugili führt. Dort ent- 
weicht aus mehreren Oeffnungen im Boden und unter ziemlich 
starker Spannung eine grosse Menge von Kohlensäure. 



283 



Nachdem ich drei Wochen auf die Untersuchung des Qui- 
lotoa und seiner Umgebung verwendet, kam ich am Weih- 
nachtstage nach Latacunga. Von dort begab ich mich in den 
ersten Tagen des Januar nach Pillaro, von welchem Punkte 
bereits mehrere Reisen nach Llanganates unternommen worden 
waren. Unterstützt durch die Behörden gelang es mir, in 
wenigen Tagen eine hinlängliche Zahl von Bauern zu gewin- 
nen , welche das für einen dreiwöchentlichen Aufenthalt in 
völlig unbewohnten Landstrichen unumgänglich nüthige Gepäck 
auf den Schultern trugen. Doch war damit erst wenig ge- 
wonnen, da es unmöglich war, einen Führer zu finden. Bisher 
hatten alle Reisen in jener Richtung den Zweck, die reichen 
Erzlagerstätten aufzusuchen, von denen das Routier (Derra- 
tero) spricht, oder um eine Hacienda des Tieflandes (tierra 
caliente) im Stromgebiet des ( ururay zu bearbeiten; während 
ich selbst einen mehr südlichen Weg nehmen wollte, um den 
einzigen Schneeberg zu untersuchen, welcher sich über der 
gesammten Cordillere von Llanganates erhebt. Die Existenz 
dieses Schneegipfels war den Bewohnern von Pülano wohl 
bekannt, und alle bezeichneten ihn als „Cerro hermoso". Da 
indess Niemand bisher auch nur dem Fusse des Gebirges nahe 
gekommen , so wichen die Ansichten über den einzuschlagen- 
den Weg sehr von einander ab. Die Einen suchten mich für 
den nördlichen Weg zu bestimmen, welcher zunächst zu den 
erwähnten Hacienden führt, um zum Tiefland (Tierra caliente) 
niederzusteigen und dann wieder zum Gebirge mich zu erheben. 
Andere schlugen mir vor , zunächst nach Taramillo zu gehen, 
einer alten Hirtenwohnung (Hato) in Päramo , von der man 
den Cerro hermoso gesehen habe und von wo derselbe, aller 
Wahrscheinlichkeit nach , nicht mehr sehr ferne sein konnte. 
In der Absicht, wenn möglich, den Abstieg zur Waldregion 
zu vermeiden, und einen Pfad über den Paramo zu suchen, 
entschloss ich mich zu dem letztgenannten Wege, welcher 
ausserdem den Vortheil bot , bis Jaramillo — eine starke 
Tagereise von Piliaro entfernt — auch für Pferde gangbar 
zu sein. ^ 

Der Aufbruch war auf den 8. Januar 6 Uhr Morgens 
festgesetzt. Da es indess nöthig war , die Bauern durch 
Polizei - Patrouillen herbeizuholen, so verzögerte sich unsere 



284 



Reise bis 9 Uhr. Die Expedition bestand aus 30 Menschen 
und 11 Maulthieren. 

Die Gebirge , welche sich östlich von Pillaro erheben, 
sind die Fortsetzung der Cordillere, welche sich vom Coto- 
paxi und Quilindaöa bis zum Rio Pastaza erstreckt, eine breite 
Kette ohne ragende Gipfel und mit einer schnellen Abdachung 
gegen West; während in östlicher Richtung die Queräste des 
Gebirges eine ansehnliche Erstreckung gewinnen, bis sie end- 
lich in den Llanos des weiten Amazonenthals sich verlieren. 
Eine grosse Zahl von Schluchten, alle von geringer Bedeutung, 
öffnet sich gegen West, um sich mit dem Cutuche - Thale zu 
verbinden. Nur ein einziger grosserer Fluss , der Rio Gua- 
pante, nimmt gegen West seinen Lauf, indem er die Gewässer 
vieler Päramos sowohl des nördlichen Gebiets um Latacunga, 
als auch des südlichen Hochgebirgs in der Umgebung von 
Pillaro sammelt. Alle anderen grösseren Flussthäler wenden 
sich gegen Ost. In denselben vereinigen sich die wasser- 
reichen Quellbäche der Flüsse Cururay und Bombonazo, Neben- 
flüsse des Napo und des Pastaza. Von so hohem Alter und 
bereits durch die Erosion in dem Maasse zerstört ist jene 
Cordillere, dass nur schmale Schneiden die Thalgründe tren- 
nen, welche, mit Seen und Mooren erfüllt, die Quellen der 
Flüsse bergen. 

Steigt man von Pillaro am westlichen Gehänge des Ge- 
birges empor, so erreicht man bald den Kamm, welcher die 
gegen Süd und die gegen Nord gerichteten Thäler scheidet. 
Diesem Kamme folgend, welcher mit ostwestlichem Streichen 
die tiefen Thäler Guagrahuazi , Cruzsacha, Yanacocha und 
Pujin trennt, kann man zu Pferde alle Gebirge überschreiten, 
welche unter dem Namen der Cordillere von Pillaro bekannt 
sind, bis zum Thale von Taramillo. Hier liegt die Grenze 
zwischen der genannten Cordillere und derjenigen von Llan- 
ganates. Während man nämlich von Piliaro bis zum Rio 
verde, welcher die Päramos von Taramillo entwässert, nur 
älteren vulkanischen Gesteinen begegnet, verschwinden dieselben 
gegen Ost vollständig und Glimmerschiefer und Gneiss er- 
heben sich bis zu den höchsten Gipfeln. Es fällt demnach 
hier die herkömmliche Provinzialgrenze mit der geologischen 
Grenze zusammen. Ohne Zweifel verbergen sich auch in der 
Cordillere von Pillaro unter den Lavamassen und vulkanischen 



285 



Auswürflingen die alten Schiefergesteine. Ich habe sie indess, 
da mein Weg über den hohen Kamm führte, ohne in die 
Thaltiefen hinabzusteigen, nicht wahrgenommen. Mächtige 
Lavabänke treten am westlichen Gehänge , um Pillaro und 
Quimbana, auf. während die Felsen, welche die oberen Theile 
der Schluchten trennen, vorzugsweise aus vulkanischen Tuffen 
und Conglomeraten , durchsetzt von Gängen , bestehen. Die 
mehr zersetzten Laven der höheren Gebirgstheile sind zuweilen 
mit Eisenkies imprägnirt , die Hohlräume anderer sind mit 
Quarzkrystallen erfüllt. Die Salbänder der Gänge bestehen 
zuweilen aus obsidianähnlichem Gestein. 

In so grosser Begleitung kommt man stets nur langsam 
vorwärts, und obgleich ich bis Taramillo das Gepäck auf Maul- 
thieren transportiren liess, brauchten wir doch drei und einen 
halben Tag, bis wir einen hohen Kamm erreichten, von wel- 
chem wir des Schneegipfels ansichtig wurden. Unser Weg 
führte uns bald über die Hochflächen der Paramos, bald 
mussten wir uns Bahn brechen durch das dichtverwachsene 
Riedgras, bald stiegen wir wieder hinab auf den Grund, uns 
durch den dichten , die Gehänge bedeckenden Wald hindurch- 
arbeitend. Die von den Thieren getretenen Pfade erleichterten 
uns sehr die Arbeit. Das Wetter war uns indess nicht günstig, 
denn es regnete und schneite fast ununterbrochen und das 
Gewölk verhüllte uns den Anblick von 9 Uhr des Morgens 
an. So war ich genöthigt, die Zelte schon vor Abend auf- 
schlagen zu lassen aus Furcht, mich in diesem Gebirgslaby- 
rinth zu verirren. Trotz aller Vorsicht fehlte nicht viel , dass 
wir uns verirrt hätten und den Schneegipfel gegen Süden las- 
send , ohne ihn zu erblicken ihn immer weiter gegen Osten 
gesucht hätten. 

Sechs Tage verweilten wir am steilen Gehänge eines 
Glimmerschieferkamms inmitten eines fast undurchdringlichen 
Dickichts von hohem Riedgras, in Wolken gehüllt, unter 
immerwährenden Regengüssen und Schneegestöbern, bis es 
uns gelang, für einige Augenblicke des Schneebergs ansichtig 
zu werden, um seine Höhe messen zu können. Nachdem diese 
Arbeit vollendet, erstieg ich mit einigen Begleitern den west- 
lichen Abhang des Cerro hermoso bis zur unteren Schnee- 
grenze, um mir über die Gesteinsbeschaffenheit der Gipfel- 
felsen Gewissheit zu verschaffen. 



286 



Die Aussicht von unserem Lagerplatz an den Glimmer- 
schieferfelsen, welchen wir Toldafilo nannten, umfasst die 
ganze östliche Cordillere zwischen dem Antisana und Coto- 
paxi bis zum Sangay. Ich konnte, mich vergewissern, dass 
weder jene Kegel und Vulkane, welche Herr Guzmasn auf 
seine Karte eingetragen bat, noch überhaupt vulkanische Ge- 
bilde in jenem Theile der Cordilleren vorhanden sind. Der 
Antisana und Sangay sind die beiden am meisten gegen Ost 
gerückten Vulkankegel. Die Eruptionen , welche in diesem 
Zwischenraum stattgefunden , haben lediglich das Schiefer- 
gebirge mit einer dünnen Aschenschicht bedeckt, welche vom 
hohen Gebirgsgewölbe (Cumbre) bis zu den Hochebenen reicht, 
welche sich zwischen den beiden Hauptzweigen der grossen 
Cordillere ausbreiten. Doch scheint eine Ausnahme zu be- 
stehen , denn ich erblickte einmal vom Antisana aus gegen 
Osten , und wiederum vom Cerro hermoso aus gegen Nord- 
osten schon weit abwärts am östlichen Crdillerengehänge , wo 
schon die niederen Hügel beginnen , einen Kegel von gleich 
regelmässiger Gestalt, wie die des Cotopaxi oder des Sangay, 
sich völlig isolirt erhebend über die waldbedeckten Höhen, 
welche ihm zur Basis dienen. Es wurde mir versichert, dass 
der Weg von Papallacta zum Napo am Fusse jenes Kegels, 
welcher Cuyufa heisse, vorbeiführe. Es ist befremdlich, dass 
Villavivencio , obgleich er einige Zeit am Napo lebte, jenes 
Kegelbergs in seiner Geographie keine Erwähnung thut, wenn 
derselbe nicht etwa identisch ist mit dem Berg Sumaco, unfern 
San Jose de Mote. Dem sei indess wie ihm wolle, seine 
Untersuchung wird immerhin grosses Interesse darbieten, denn 
er scheint von vulkanischer Bildung zu sein. 

Die Schieferberge, namentlich diejenigen östlich des Flusses 
Topo, sind sehr steil, schneidige Formen bildend, mit nackten 
Gehängen. Die Schieferungsflächen stehen fast vertical und 
erglänzen unter den Strahlen der Sonne in Folge der die 
Schieferungsebene bedeckenden Glimmerblätter wie Silber. 
Doch erreichen jene jähen Berggestalten keine grössere Höhe 
als 4200 — 4300 M. und überragen den hohen Kamm der Cor- 
dillere nicht. Nur der Cerro hermoso steigt zu grösserer 
Höhe empor*), was mit seiner besonderen geologischen Bil- 

*) Nach den Höheniessuugen von Beiss und Stlbei. beträgt die 
Gipfelhöbe des Cerro hermoso (trigonometrische Messung) 4576. Die 
Schneegrenze liegt auf der Westseite des Berges in 4242 M. Höhe. 



287 



dung zusammenhängt. Der untere Theil des Schneebergs be- 
steht gleichfalls aus Glimmerschieferschichten. Anstatt aber 
mit einem sägeförmigen scharfen Kamm zu gipfeln , trägt 
der Berg über den aufgerichteten Schieferstraten horizontale 
Schichten. Wenn schon der untere Theil des Berges kaum 
ersteiglich scheint, so stellt sich die Gipfelmasse — wenigstens 
auf der westlichen Seite — in Folge des Abbruchs der hori- 
zontalen Schichten wie eine Mauer dar, über welcher ein grosser 
Gletscher herabhängt, der sich mit den Firnmassen am Fusse 
der schwarzen Felsen vereinigt. Die horizontalen Schichten 
bestehen aus bituminösen Kalkschiefern, welche in dem Maasse 
mit Eisenkies imprägnirt sind, dass man die glänzenden 
Krystallkörner — nach den Worten meiner Begleiter — wie 
Gold glänzen sieht. Vielleicht sind die berufenen grossen 
Goldschätze von Llanganates nichts Anderes als Massen von 
Eisenkies, welcher den unerfahrenen Erzgräbern Ecuador's 
schon so viel Geld gekostet hat. 

Wenn man den Cerro hermoso nur von der Westseite be- 
trachtet, so begreift man nicht, wie auf dem Gipfel sich ein 
Gletscher bilden kann. Derselbe nimmt seinen Ursprung in 
den grossen Firnmassen, welche sich auf einem etwas gegen 
Süd geneigten Plateau anhäufen. Der Gipfel ist nämlich von 
West nach Ost ausgedehnt, wie man deutlich von einem mehr 
südlich gelegenen Punkte, z. B. von Mocha sehen kann. Schon 
Dr. Stübel hob die interessante Thatsache hervor, dass die 
Schneegrenze in der Cordillere tiefer hinabsinkt in dem Maasse 
als man gegen Ost fortschreitet. So erreicht der Cerro her- 
moso die Höhe von 4600 M. nicht, welche die allgemeine 
Schneegrenze in der westlichen Cordillere bezeichnet, und 
dennoch ist jener Gipfel nicht nur mit ewigem Schnee bedeckt, 
sondern ein grosser Schneeberg, welcher wahre aus kom- 
paktem Firn und Eis bestehende Gletscher erzeugt. — Von 
jenen feuchten und kalten Höhen zurückkehrend, beschleu- 
nigten wir unseren Marsch und erreichten in 2\ Tag Pillaro, 
von wo ich mich ohne Aufenthalt nach Ambato und dann auf 
der fahrbaren Strasse nach Latacunga begab. 

Ich verwandte nun drei Wochen zu trigonometrischen 
Operationen , überstieg dann die westliche Cordillere südlich 
des Flusses Toache, wandte mich dann von Angamarca zurück 
nach Ambato (21. Februar), wo ich mit Dr. Stübel, welchen 



288 



ich ein volles Jahr nicht gesehen, zusammentreffen sollte. 
Ueber diese letztere Reise habe ich bereits oben einige An- 
deutungen gemacht, als ich von der Cordillere von Zumbagua 
und Angamarca sprach. 

Noch bleibt mir übrig, raeine Reise zum Azuay und nach 
Cuenca zu schildern. Am 7. März brach ich zum Sangay auf. 
Während eines schrecklichen Schneegestöbers gestattete mir 
in Calcitpungo das Wetter dennoch, einige Male den Berg zu 
erblicken. Indess störte das überaus schlechte Wetter und 
namentlich die starken Winde meine Reise nicht wenig, so 
dass die gewonnenen Resultate der Höhenbestimmungen einem 
Zweifel Raum geben, weil sie nur auf schmaler Grundfläche 
mit bedeutender absoluter Höhe gewonnen sind. Ich hoffe, 
meine Messungen bald unter günstigeren Bedingungen wieder- 
holen zu können. 

Da die gute Jahreszeit, welche in diesem Jahre unge- 
wöhnlich lange angedauert, sich bereits zum Ende neigte, und 
ich des Lebens in den Paramos müde war, entschloss ich mich, 
einen Ausflug nach Cuenca zu machen, um zu untersuchen, 
wie weit in jener Richtung die vulkanischen Bildungen reichen. 

Wenig südlich von Riobamba endet die deutliche Thei- 
lung, welche die Cordillere in nördlicher Hälfte von Ecuador 
erkennen lässt, und tritt erst in der Gegend von Cuenca wieder 
hervor. Der ganze Zwischenraum zwischen Riobamba und 
Guamote wird von Gebirgen eingenommen, welche aus kry- 
stallinischen Schiefern (pizarros) , Syeniten , Dioriten und an- 
deren plutonischen Gesteinen bestehen und vielfach von vul- 
kanischen Massen bedeckt sind. Die Fahrstrasse benutzt eine 
im westlichen Theile des Gebirges befindliche Senkung um 
dasselbe — welchem Dr. Stübel den Namen Gebirge von 
Yaruqui'es gegeben hat — zu überschreiten. Mehrere andere 
Wege führen über dies Gebirge, welche sich sämmtlich im 
Flecken Guamote vereinigen. Unter den vulkanischen Formen 
dieses Gebirges sind wegen ihrer charakteristischen Gestaltung 
namentlich die Kegel Tulabug und Aulabug hervorzuheben, 
während unter den Gesteinsarten die losen Blöcke von quarz- 
führendem Trachyt in der Gegend von Pulucate besonders be- 
merkenswerth sind. 

Im Süden des Flusses von Guamote, welcher sich mit 
dem Flusse von Cebadas vereinigt, beginnen Gebirgshöhen, 



289 



welche aus Schiefern und alten Gesteinen bestehen. Diese 
steigen empor zu den Paramos von Zula und bilden die Basis 
des Azuay. Es giebt zwei Wege nach Cuenca: der eine führt 
über die Höhe des Azuay, der andere, längere, zieht ani west- 
lichen Gehänge desselben Gebirges hin und verbindet sich, 
ohne zu bedeutenden Höhen anzusteigen, mit der königlichen 
Strasse bei dem Flecken Canar. Auf der Hinreise wählte ich 
die letztere der erwähnten Strassen, welche die Flecken Tigsan 
und Alausi berührt, dem Thale des Sucus- Flusses bis zu 
seiner Vereinigung mit dem B'lusse Chanchan folgt, sich dann 
nach Chunchi erhebt, wo der Uebergang durch Waldterrain 
beginnt. Bei jeder Jahreszeit ist dieser Weg schlecht; doch 
fast ungangbar im Winter, so dass ich mehr als 20 Stunden 
gebrauchte, um die zehn Wegestunden zwischen Chunchi und 
Canar zurückzulegen. Auf der Rückreise wählte ich die könig- 
liche Strasse, so dass ich auf diesen beiden schnellen Reisen 
doch eine allgemeine geologische Uebersicht des Azuay ge- 
winnen konnte. Zu einem gründlichen Studium dieses Ge- 
birges würden mehrere Monate erforderlich sein, eine Zeit, 
welche mir jetzt nicht zur Verfügung steht. Doch wage ich 
zu hoffen, dass die wenigen Andeutungen, welche ich geben 
konnte, andere Reisende veranlassen werden, jenes bis jetzt 
fast ganz unbekannte Gebirge eingehender zu untersuchen. 

Der grosse Gebirgsknoten Azuay besteht in seiner nörd- 
lichen Hälfte aus alten Gesteinen: Schiefern, Porphyren, Dio- 
riten u. s. w. , während die Südhälfte durch Sandsteine gebildet 
wird. Diese Massen sind von vulkanischen Bildungen bedeckt. 
Die Schiefer und Sandsteine, die letzteren häufig als Con- 
glomerate entwickelt (Nagelfluh), treten in fast senkrechter 
Schichtenstellung und mit nordsüdlichem Streichen , unbedeckt 
von der vulkanischen Ueberschüttung auf den Höhen und in 
den Schluchten bis zu einer Höhe von 3600 — 3800 M. auf. 
Von diesem Niveau beginnend bis zu den Gipfeln trifft man 
auf dem südlichen Gehänge nur Laven, vulkanische Breccien, 
Conglomerate und Tuffe auf der Südseite. Im Centrum des 
Gebirges werden diese Massen von Lavagängen durchsetzt. 
Trachytische Conglomerate und Bimsteintuffe sind in der Um- 
gebung des Azuay weit verbreitet. Sie bilden mächtige Schich- 
ten in den Paramos von Zula, gegen West bis zur Waldregion 
sich hinabsenkend und erfüllen auch das ganze Thal des Mo- 



290 



lobog-Flusses unfern Canar, so dass es oft schwierig ist, sich 
über das anstehende Gestein zu vergewissern. Vielleicht kön- 
nen die Eruptionen von Ticsan als Vorboten und Ausläufer 
des grossen vulkanischen Centrum Assuay gedeutet werden ; 
und vielleicht sind von derselben Art die trachytischen Tuffe 
und Breccien von Deleg, Sidcay und Turi unfern Cuenca. 

Auf dem Wege von Canar und Ingapirca nach Cuenca 
habe ich keine anstehenden Lavafelsen oder Berge vulkanischer 
Bildung beobachtet, wohl aber an den bezeichneten Orten 
Trachyttuffe und Bimsteinsande. Der District von Cuenca, 
wenigstens der von der königlichen Strasse durchschnittene 
Theil unterscheidet sich sehr von den nördlichen Landschaften 
der Republik Ecuador : die Thäler sind breit, die Höhen niedrig, 
nicht steil und ohne ausgezeichnete Gestalten. Schon auf den 
ersten Blick erkennt man, dass hier sedimentäre Schichten 
herrschen. Einige Porphyrgipfel überragen die sanften, aus 
leichter verwitterbaren Gesteinen bestehenden Höhen. Die 
Flussgerölle deuten an, dass auch plutonische Gesteine an der 
Zusammensetzung des Landes theilnehmen. Unter den Porphyr- 
bergen verdient namentlich der Cerro Molobog Erwähnung, 
an dessen Fuss ein Weg von Canar nach Azögues vorbeiführt. 
Mit dem Porphyr verbunden findet sich nämlich an jenem 
Berge Pechstein in grosser Verbreitung. 

Nur in dem weiten Thale von Cuenca scheinen sedimen- 
täre Gebilde zu herrschen, denn die von der westlichen Cor- 
dillere herabströmenden Flüsse führen nur Quarzite und viele 
Varietäten plutonischer Gesteine. Die fahrbare Strasse nach 
Guayaquil überschreitet bei Sayausi die Schiefer und tritt dann 
sogleich in das Gebiet jener plutonischen Gesteine ein. 

Die Umgebung von Cuenca ist reich an warmen Quellen, 
deren Kalktuffbildungen bei Guapan und Barlos die Gebirgs- 
abhäuge bedecken. Ich zweifle nicht daran, dass die bunten 
Marmore von Banos und diejenigen von Tejar bei Cuenca Bil- 
dungen gleicher Art sind. 

Ich besuchte die alte Quecksilbergrube bei Huaishun, un- 
fern des Fleckens Azögues (Quecksilber), doch war es mir 
nicht möglich, Anzeichen des Erzes zu entdecken, obgleich 
mehrere Einwohner des Fleckens mich versicherten, dass sie 
bei Bestellung ihrer Felder oftmals bedeutende Quantitäten 
von flüssigem Quecksilber fänden, und die bedeutenden Aus- 



291 

grabungen, welche noch sichtbar sind, von dem einstigen Reich- 
thum der Grube Zeugniss ablegen. 

In Cuenca endete meine Reise, und ich kehrte, nachdem 
ich die Ostertage dort zugebracht, nach Riobamba zurück, wo 
ich in den letzten Tagen des April anlangte. Nur bei Achu- 
pallas bog ich von der Strasse ab , um die Niederschläge der 
Mineralquelle von Zula zu sehen, welche wegen ihres Stron- 
tiangehalts so merkwürdig sind. Einige der von mir durch- 
reisten Districte müssen zur Zeit der Conquista eine sehr 
grosse Wichtigkeit gehabt haben, wie man aus den Trümmern 
merkwürdiger Bauten schliessen kann, welche noch heute die 
Aufmerksamkeit des Wanderers auf sich ziehen. Andere Ge- 
biete, durch welche mein Weg mich führte, haben in Folge 
der zahlreichen in der jüngsten Zeit vorgekommenen Erdbeben 
eine traurige Berühmtheit erlangt.*) 

Das Erdbeben vom 24. October 1872, dessen Verwüstun- 
gen Dr. Stübel in den Llanas von Riobamba bis auf die 
Höhen der östlichen Cordillere beobachten konnte, machte sich 
fühlbar bis Quito und bis Canar, ja vielleicht bis Cuenca. 
Die stärkste Erschütterung wurde auf dem westlichen Abhang 
der Cordillere zwischen Pallatanga und Alausi gefühlt. Sie 
war der Beginn einer langen Reihe mehr oder weniger starker 
Bewegungen , welche sich anhaltend wiederholten vom ge- 
nannten Tage an bis in die ersten Monate des Jahres 1873 
hinein. Nach den Mittheilungen des Pfarrers von Tigsan 
zählte man während jenes Zeitraums in seinem Sprengel 
120 Erschütterungen, fast alle auf den bezeichneten District 
beschränkt. Die Erdbebenstösse , welche im Laufe des No- 
vember sehr zahlreich gewesen, nahmen allmalig ab, sowohl 
an Häufigkeit als auch an Stärke — bis zum Monat Januar, 
in welchem sie fast vollständig verschwanden. Der erste Stoss 
war der heftigste von allen , warf die Kirchen und mehrere 
Häuser in den Städten und Dörfern um, verwüstete Meiereien 
an den Ufern der Flüsse Sucus oder Pumachaca und Canchan, 
sowie ihrer Nebenflüsse. Da die Erschütterung am Tage 
erfolgte, so forderte sie nur wenige Opfer (1 oder 2 Todte 
und einige Verwundete). Die folgenden Stösse waren nicht 



*) Es folgt hier im Original eine Schilderung der alten Inea-Bauten 
von Ingapirca, am südöstlichen Abhang des Azuay. 



292 



mehr sehr heftig; indem sie sich indess beständig wieder- 
holten, brachten sie allmälig viele Häuser zu Fall. In Tigsan 
erblickte ich die Wirkungen dieser Erschütterungen : der grösste 
Theil der Kirche war eingestürzt, sowie viele Mauern; eine 
ansehnliche Zahl von Häusern wurde beschädigt. Gleiches 
beobachtete man in Alausi. Die ärgste Verwüstung bot sich 
mir in der Meierei Bugnac dar, nahe der Vereinigung der 
Flüsse Sucus und Chanchan , woselbst die Zuckermühlen voll- 
ständig zusammengestürzt waren. Die merkwürdigste That- 
sache ist, dass einige Meiereien, welche etwas höher über 
dem Flusse liegen, aber näher bei Bugnac, nicht bemerkbar 
gelitten haben und ebensowenig der Flecken Chunchi, welcher 
in der Höhe auf der linken Seite des Flusses Chanchan liegt. 
Grösseren Schaden litt der Flecken Pallatanga , wo die Er- 
schütterungen — wie mir erzählt wurde — mit grösserer Ge- 
walt auftraten. Jenes Centrum der Erschütterungen habe ich 
bis jetzt nicht selbst besucht, hoffe aber bald dorthin zu kom- 
men. In denjenigen Landstrichen, welche ich bis jetzt durch- 
wandert habe, bemerkte ich keine grösseren Bergstürze oder 
Abrutschungen gleich denjenigen, welche durch das Erdbeben 
von Imbabura verursacht worden sind. Doch ist es wohl 
möglich , dass einige Felsblöcke von den hohen Wänden des 
Cerro Patarata bei Alausi herabgestürzt sind. — Von beson- 
derem Interesse sind diese auf ein enges nichtvulkanisches 
Gebiet beschränkten Erdbeben. Jenes Gebiet ist wegen seiner 
hohen und steilen Berge nur schwer zugänglich; während in 
den Thalgründen bereits Zuckerrohr cultivirt wird, erheben sich 
die hohen Berggewölbe bis zur Region der Gräser (des 
Pajonals). 

Es ist begreiflich, dass man in einem Lande, welches 
den Erdbeben so sehr unterworfen ist, wie Ecuador, Alles mit 
Interesse aufnimmt, was sich auf die Theorie der Erdbeben 
bezieht. So kann es auch nicht Wunder nehmen, dass selbst, 
nachdem die Folgerungen des Herrn Falb sich als trügerisch 
erwiesen , man den scheinbar wissenschaftlichen Darlegungen 
desselben Glauben beigemessen hat, jenen Folgerungen, welche 
ein allmäliges Sinken der Cordilleren beweisen sollten , und 
welche sich auf den Vergleich neuerer Messungen mit den- 
jenigen älterer Reisenden gründen sollten. Indess , trotz des 
Verlockenden, welches diese Vorstellung für die Bewohner der 



293 



rauben Hochebenen haben musste, wurde es mir doch nicht 
schwer, dieselben davon zu überzeugen, wie hinfällig jene 
Folgerungeu sind. Bevor ich diesen Bericht schliesse, sei es 
mir noch gestattet, eine Thatsache zu erwähnen, welche ich 
glaube auf den wenig zahlreichen Ausflügen beobachtet zu 
haben , welche ich in solche Päramos unternahm , die noch 
nicht von Menschen betreten waren. 

Die höheren Theile der Cordilleren sind von unermess- 
lichen Pajonales (gleichsam Alpenwiesen ; indess nicht gebildet 
durch niedere Rasen und Kräuter, wie in den europäischen 
Alpen, sondern aus 3 bis 4 Fuss hohem Büschelgras — An- 
dropogon, Stipa etc. — bestehend, welches erhöhte Rasen und 
Polster bildet; nach Th. Wolf) bedeckt, welche man für die 
ursprüngliche Vegetationsdecke der Cordilleren halten könnte. 
Indess wo auch immer ich mich aus den Gebieten der Meie- 
reien und der Viehzucht entfernte und in solche Hochebene 
vordrang, welche niemals weder von Hirten noch von Jägern 
besucht waren, fand ich fast undurchdringliche Jucales*) oder 

*) Ueber die oben genannten Pflanzen Jucales , Achupallas und 
Chusque erhielt ich durch die Güte des Herrn Consul Carl Ochsenius in 
Marburg folgende Mittheilung: Iucales, richtiger zu schreiben Yucales, 
kommt her von Yuca. Das angedeutete 1 deutet an, dass sich die 
Pflanze in grosser Menge bei einander findet ; z. B. trigo Weizen, trigal 
Weizenfeld etc. , also auch Yucal — plur. Yucales = grosse Flecken, 
bedeckt von Yuca , lat. yucca. — Die hier gemeinte Species ist wahr- 
scheinlich Y. acaulis oder eine verwandte Species (Familie der Liliaceen). 
Wildwachsend im nördlichen Südamerika, schwertförmige Blätter, sehr 
harter Blattrand, Spitzen sehr scharf. Wurzel von den Eingeborenen zu 
Mehl benutzt. — Achupalla, plur. A — s. Er'mgium aquaticum (Um- 
bellifere) , aber wohl nicht Er. aquaticum , welches Cavanilles aus Chile 
angiebt. Dieses ist nach Hooker Er. peniculatum Laroch, welches vom 
33° südlich geht; wird seinem ecuadorianischen Verwandten aber sehr 
ähnlich sehen. Er. penic. gleicht ohne Blüthen ganz einer kleinen Agave 
oder einer Bromeliacee. Stachlich starr, rauh, auch grosse Flächen be- 
deckend, sogar vom Vieh gemieden — Landplage. Blüthenstengel bis 
l,b M. hoch. Pflanze ohne denselben etwa 0,5 M. — Chusque. 
Wahrscheinlich der südamerikanische Namen, welcher Kunih veranlasste, 
das Genus der hierhin gehörigen Pflanzen Chusquea zu nennen , das 
charakteristisch für Südamerika ist. — Astgräser , von strauchartiger 
Species bis zu solchen, die bis zu den höchsten Bäumen gehen und von 
da überhängen. — Arge Plage für den Reisenden; undurchdringliche 
Dickichte. Durchgehauene Wege gefährlich für Menschen und Pferde. Auf 
kalten Hochflächen niedrig, ja kriechend und dann sich sehr ausbreitend. 
Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII, 2. 20 



294 



Achupallas , Chusque und andere Stachelgewächse , so dicht 
verwachsen , dass ich mir immer mit dem Waldmesser einen 
Weg bahnen musste. Woher rührt diese auffallende Verschie- 
denheit der Vegetation, warum setzen die Pajonales (die Rasen- 
flächen) nicht auch über diejenigen Theile der Päramos fort, 
welche vom Menschen früher nicht betreten wurden? Meiner 
Ansicht nach muss man die Ursache in dem Gebrauche suchen, 
diejenigen Päramos, welche für die Viehzucht bestimmt sind, zu- 
nächst abzubrennen. Dieser Ansicht zufolge sind die Päramos ur- 
sprünglich mit Jucas , Chusque, Achupallas und anderen ge- 
selligen Pflanzen, nicht aber mit Gräsern (Pajonales) bedeckt 
gewesen. Nachdem diese ursprüngliche Pflanzendecke abge- 
brannt war, entwickelte sich überall das Gras in schnellem 
Wachsthum. Durch wiederholte Brände wurden allmälig alle 
anderen Pflanzen zerstört und durch das aufschiessende Gras 
erstickt, welches, mehr und mehr Land einnehmend, Licht 
und Luft den langsamer wachsenden Pflanzen raubte. So 
wurde der Vegetations-Charakter der Päramos vollständig durch 
die Thätigkeit des Menschen verwandelt und einer Pflauzen- 
gattung das Uebergewicht verschafft, welche ursprünglich auf 
jenen Hochflächen nur in geringer Menge wuchs. Die nutz- 
losen und fast undurchdringlichen Einöden der Jucales wurden 
in Grasflächen umgewandelt, welche unzählbaren Viehheerden 
Nahrung geben. Diese Ansicht wird auch durch die Thatsache 
gestützt, dass diejenigen Päramos, welche lange Zeit nicht ab- 
gebrannt sind, sich von Neuem mit wildem Gestrüpp bedecken. 



3. Beiträge zur Petrographie. 



Von Herrn G. vom Rath in Bonn. 

Hiezu Tafel IX. und X. 

I. TJeber einige Andesgesteine, 

mit besonderer Berücksichtigung der in ihnen auftretenden tri» 
klinen Feldspathe. 

Durch die Güte des Herrn Theodor Wolf, Professor der 
Geologie in Quito, erhielt ich eine Sammlung von Gesteinen, 
welche mehrere der ausgezeichnetsten, theils erloschenen, theils 
noch thätigen Vulkane des Hochlandes von Ecuador zusammen- 
setzen. Diese werthvolle Sammlung, von Herrn Wolf mit 
grosser Hingebung unter vielen Mühen und Gefahren zusammen- 
gebracht , bot mir Veranlassung, die Kenntniss einiger dieser 
Gesteine durch Untersuchung der sie konstituirenden Feldspathe 
zu fördern. Die meisten Felsarten jenes erhabensten Schau- 
platzes vulkanischer Thätigkeit sind zwar in solchem Grade 
feinkörnig und dicht, dass es nicht gelingt, den Plagioklas 
zum Zwecke der gesonderten Analyse auszusuchen. Bei 
einigen Andesiten indess war es möglich , wenngleich meist 
nur mit grossem Zeitaufwand, den ausgeschiedenen Plagioklas 
von der Grundmasse zu trennen, der gesonderten Analyse zu 
unterwerfen und so eine sichere Grundlage für die Deutung 
der ecuadorischen Gesteine zu gewinnen. In solcher Weise 
konnte ich die Zusammensetzung der Plagioklase aus der 
Sphärolithlava des Antisana ermitteln, sowie der Andesite vom 
südlichen Abbange des Vulkans Mojanda, des Kraters Pu- 
lulagua, des Guagua Pichincha, des Tunguragua, 
sowie eines trachytischen Einschlusses aus den sogenannten 
Calicalituffen von Pomasqui, endlich des grossen Lava- 
stromes von La n gl an geh i (zwischen Riobamba und dem 
Tunguragua). Der Untersuchung dieser Plagioklase reihen sich 
an: diejenigen des Trachyts von Toluca in Mexico, des 
obsidianähnlichen Trachyts von Conejos am Rio grande del 
Norte in Colorado, sowie der Hauyn-führenden Lava von Palma. 

20* 



296 

Die Sphärolithlava des Antisana. 

Der Antisana erhebt sich über der Ostcordillere, 6^ d. M. 
gegen Südost von Quito entfernt, bis zur Meereshöhe von 
5756 M. (nach Dr. Reiss), 2906 M. über der Hauptstadt. 
Dieser gewaltige Vulkan steigt nicht auf der östlichen Cor- 
dillerenkette selbst empor, sondern bildet ein gegen Osten der- 
selben angelagertes, gewaltiges Plateaugebirge, welchem gleich 
einer ungeheuren silberweissen Kuppel der hohe Vulkangipfel 
aufgesetzt ist. „Unter den Vulkanen der ecuadorischen Anden, 
sagt Wolf in Briefen an seinen Vater, Herrn Oberlehrer 
Wolf in Altshausen, muss man sich nicht einfache Bergkegel 
vorstellen. Jedes dieser Vulkansysteme bildet eigentlich ein 
ganzes Gebirge, welches sich meilen- und tagereisenweit aus- 
dehnt und aus vielen hohen Bergen , ausgedehnten Paramos, 
grossen Lavaströmen u. s. w. besteht; im Centrum erhebt sich 
dann gewöhnlich der Hauptkegel als hoher Schneeberg. So 
ist es besonders am Antisana. In der Hacienda Yurac (unfern 
des Dorfes Pintac) war ich vom eigentlichen Antisana - Kegel 
noch eine ganze Tagereise weit entfernt, aber doch schon auf 
seinem Vulkangebiet. Schon hier an seinem Fusse waren 
grosse Lavaströme ausgeflossen und hohe Andesitlavaberge 
aufgethürmt, welche dem geologischen Studium reichlichen 
und interessanten Stoff bieten. Ich machte gerade hier (am 
Berge Achupallas, s. Neues Jahrb. f. Min. von Leonhard und 
Geinitz 1874 pag. 380) einige für die Vulkanologie wichtige 
Entdeckungen in den Obsidian- und Perlitlaven, ganz besonders 
die Entdeckung merkwürdiger Quarzlaven. — Von der Ha- 
cienda Pinantura (3142 M. Reiss) am westlichen Fusse des 
Antisana ritten wir von Morgens früh bis Abends spät immer 
aufwärts steigend durch rauhe trostlose Paramos, die an vielen 
Stellen sehr sumpfig und schwer zu passiren waren. Grosse 
Ausdehnung und sumpfiges Terrain ist für die Paramos der 
Ostcordillere charakteristisch im Gegensatze zur Westcordillere. 
— Wenn man sich, an diesen Gebirgen emporsteigend , müh- 
sam durch die Wald - und Buschregion durchgearbeitet hat, 
betritt man in der Höhe von ungefähr 12000 Fuss das Pa- 
jonal oder den Päramo; Alpen wiesen, wenn man so sagen 
darf, welche in einem breiten Gürtel bis zur Höhe von 14000 F. 
die Gebirge umsäumen. Aber denken Sie nur nicht an jene 



597 



lieblichen Triften und Matten, welche in den europäischen 
Alpen das Auge des Wanderers durch ihr frisches Grün und 
den Schmelz ihrer Blumen ergötzen. Statt eines gleichmässi- 
gen , von niederen Grasarten und Alpenkräutern gebildeten 
Rasens, über den man leichten Fusses hinwegschreitet, steht 
man hier bis an die Hüften und oft bis an die Arme zwischen 
dem groben, 3 bis 4 F. hohen Büschelgras, welches erhöhte 
Rasen und Polster bildet. Zu Pferde und zu Fuss kommt 
man nur sehr langsam und immer strauchelnd voran. Nach 
Erdbeben, welche den Boden durch tausend Risse und Spalten 
zerklüften, wird eine Wanderung im Paramo sogar gefährlich 
und gleicht dann etwa der über einen zerklüfteten, mit frischem 
Schnee bedeckten Gletscher. — Bei der Besteigung der ecua- 
dorianischen Vulkane wandert man gewöhnlich 2 bis 3 Stunden 
durch diese Päramos, bevor man in die vegetationslose Schnee- 
region kommt; doch auf denjenigen Gebirgen, welche die Höhe 
von 13500 F. nicht übersteigen , irrt man tagelang in diesen 
trostlosen Einöden und Graswüsten umher, in welchen kein 
Baum oder Strauch dem Auge eine Abwechselung bietet, und 
woselbst mau keine Spur des animalischeu Lebens, ge- 
schweige denn eine menschliche Ansiedlung entdeckt. Das 
Wort Päramo ist selbst für den Eingeborenen der Inbegriff 
aller Mühsale und alles Elends. — Nirgends erschliesst sich 
hier dem Geognosten durch anstehendes Gestein der Bau des 
Gebirges. — In der Höhe von ca. 12500 F., wo ich nun in 
einem Hato (Hirtenwohnung) für acht Tage mein Standquartier 
nahm , hat dies Antisanagebirge eine ganz eigene Physiogno- 
mie und stellt sich als eine besondere abgeschlossene Welt 
dar: es befinden sich da stundenweit ausgedehnte Ebenen, 
grosse mit merkwürdigen Sumpf- und Schwimmvögeln bevöl- 
kerte Seen, eine Menge krystallheller Quellen und Bäche, die 
nicht wild über Felsen stürzen , sondern sich sanft dahin- 
schlängeln und erst am Rande dieser breiten Zone sich in 
Wildbäche verwandeln. Dann wieder ganz gesonderte kleine 
Gebirge für sich, welche Ebenen und Seen umschliessen, oder 
isolirte Vulkane und Krater, welche ganz bedeutend sind und 
nur an der Seite des gewaltigen Centraikegels klein erscheinen, 
— es sind die Seiteneruptionskegel des Antisana. Dieser hebt 
sich nun mit königlicher Majestät aus dem Centrum der ihn 
umgebenden Landschaft zu der colossalen Höhe von 5756 M. 



298 



— So flach die Basis des Vulkankegels ist, so steil steigt er 
dann von der Schneegrenze an empor und an den meisten 
Punkten wäre wohl ein Besteigungsversuch vergeblich. Von 
den ungeheuren Schnee - und Eismassen , die den Berg be- 
decken, kann man sich kaum einen Begriff machen; nur an 
wenigen Punkten schaut eine schwarze, nackte Felsenspitze 
heraus. Wenn der Riese im hellen Sonnenschein oder im 
Vollmondglanz in so unmittelbarer Nähe frei vor einem steht 
oder plötzlich aus einer Wolkenumhüllung tritt und sich am 
azurblauen Himmel scharf abhebt, kann man sich an diesem 
Anblick kaum satt sehen: diese duftigblauen oder meergrünen, 
mehrere hundert Fuss dicken Eisterrassen und Eisblöcke! 
diese blendend weissen , von dunklen Spalten durchfurchten 
Schneefelder! dieser Contrast mit den ernsten schwarzen Lava- 
feldern am Fusse! — Der Antisana hat einen ungeheuren 
Krater, der nach Südost offen ist, von welcher Seite man auch 
ziemlich leicht hineingehen kann; er gilt jetzt für erloschen, 
war aber am Ende des vorigen und noch am Anfang dieses 
Jahrhunderts thätig, und es ist gar nicht unmöglich, dass er 
wieder aus seiner Ruhe mit gesteigerter Energie sich auf- 
raffe/ 

Ueber die geologischen Forschungen von Prof. Wolf auf 
der Westseite des Antisana, am Kegel Achupallas und im Thale 
von Ansango oder Pinantura s. Neues Jahrb. 1874 pag. 380 
bis 384. Ueber den Anlisana und seine Lavaströme s. von 
Humboldt, Kosmos Bd. IV. pag. 354 — 359. — Die Sphäro- 
lithlava, von welcher in der Sammlung Stücke von etwas 
verschiedenen Varietäten sich finden , bildet einen grossen 
Lavastrom, welcher westlich unterhalb des Hauptkegels her- 
vorgebrochen ist. Diese Lavaströme des Antisana, welche 
strahlenförmig vom Vulkan ausgehen und sich über die weiten 
fast unmerkbar ansteigenden Hochebenen hinziehen , stellen 
sich dar als meilenlange Gesteinsgerölle , bis 33 M. hoch, 
bis 700 JV1. breit, mit schrundiger, jeder Vegetation entbeh- 
render Oberfläche. Die Spbärolithlava ist von röthlicher oder 
grauer Farbe und besteht aus Sphärolithen , quarzähnlichen 
Obsidiankörnern und Plagioklas, zu welchen als seltenerer 
Gemengtheil sich noch Biotit gesellt. Das Verhältniss der 
Gemengtheile wechselt, so dass das Gestein bald fast aus- 
schliesslich aus Sphärolithen, bald zu gleichen Theilen aus 



299 



diesen und Obsidiankörnern besteht. — Die Sphärolithe sind 
bis 3 Mm. gross, zeigen meist im Innern einen mehr grauen, 
aussen einen mehr röthliehen Farbenton. Häufig umschliessen 
sie im Innern einen weissen Plagioklaskrystall, zuweilen auch 
ein kleines Biotitblättchen. 

Unter dem Mikroskop zeigt das Gestein ein ausgezeichnet 
sphärolithisches Gefüge; es besteht aus lauter mehr oder we- 
niger kugeligen Concretionen von radialfasriger Zusammen- 
setzung. Man unterscheidet deutlich eine zweifache Bildung 
von Sphärolithen , die eine etwas ältere von röthlichbrauner 
Farbe und gradfaseriger Zusammensetzung, die andere, jüngere, 
von mehr grauer Farbe und verworren - fasriger Zusammen- 
setzung. Die letztere Spbärolithmasse bildet theils die peri- 
pherische Zone der älteren Gebilde, theils selbstständige Con- 
cretionen. Häufig sind die geradfasrigen älteren Spbärolith- 
kugeln zertrümmert, und zwischen ihren Spalten haben sich die 
jüngeren Concretionen mit eigentümlicher, verworrener Faser- 
zusammensetzung gebildet. Die Sphärolithe , deren Fasern 
schwach doppelbrechend wirken , haben eine von den vorra- 
genden feinsten Prismen herrührende rauhe Oberfläche. Die 
Gestalt der Sphärolithe ist nicht immer kugelig, sondern oft 
in die Länge gezogen oder keulenförmig. Die Zusammen- 
setzung der Sphärolithe ist die folgende. Spec. Gew. 2,386. 



Glühverlust 0,45. 

Kieselsäure 77,01 

Thonerde 12,90 

Eisenoxyd ...... 1,88 

Kalk 0,21 

Magnesia 0,29 



Alkalien .(Verlust) . . 7,71 

100,00 

Zwischen den, Sphärolithen ziehen nun die eigentüm- 
lichen Gestalten der Obsidiankörner hin; theils von schwärz- 
lichgrauer, theils von lichtgrauer Farbe, muschligem Bruch, 
rauher, fast feindrusiger Oberfläche. Diese Körner haben eine 
ganz seltsame, oft zackige Gestalt und bilden zuweilen ein 
wahres Skelett, welches zwischen den Sphärolithen, sich leicht 
von denselben ablösend, in zackigen Apophysen fortsetzt. 
Wenn sie reichlich vorhanden, verbinden sich diese Körner zu 



300 



zusammenhängenden Lagen und das Gestein besteht aus wech- 
selnden Straten von sphärolithischer Masse uud Obsidian. In 
manchen Handstücken werden die Obsidiankörner dem Quarz 
so ähnlich, dass ich sie in der That Anfangs dafür hielt und 
mich erst ihre Schmelzbarkeit in Betreff ihrer wahren Natur 
belehrte. Spec. Gew. 2,320 (bei 20° C.). Glühverlust 0,24. 
Die Analyse ergab: 



Kieselsäure . 


77,76 


Thonerde . . . 


13,14 


Kalk .... 


0,63 


Eisenoxyd . . . 


. 1,47 


Alkalien (Verlust) 


. 7,00 




100,00 



Diese Obsidiankörner aus dem Antisana-Sphärolith zeigen 
demnach eine fast gleiche Zusammensetzung, wie jene quarz- 
ähnlichen Glaskörner aus dem Trachyt des Monte Amiata 
(s. diese Zeitschr. Jahrg. 1865 pag. 413). — Ein Vergleich 
der Obsidiankörner mit den Sphärolithen ergiebt, dass beide 
sehr nahe die gleiche Zusammensetzung besitzen. Es könnte 
demnach die Obsidianmasse durch Krystallisation ohne Rest- 
ausscheidung völlig in Sphärolith sich umwandeln. Der Pla- 
gioklas der Sphärolithlava ist weiss. Die Krystalle 1 — 3 Mm. 
gross liegen theils im Innern der Sphärolithe, theils zwischen 
denselben und den Glaskörnern. In letzterem Falle sind sie 
zuweilen fast ringsum ausgebildet und haben sogar messbare 
Flächen. Es macht nicht den Eindruck, als ob die Krystalle 
sich aus der Lava ausgeschieden hätten. 

Spec. Gew 2,603; 2,594 (in zwei Versuchen bei 18° C.). 
Glühverlust 0,11 pCt. 

Analyse I. wurde durch Schmelzen mit kohlensaurem Na- 
trium, II. mittelst Fluorwasserstoffsäure ausgeführt. 
I. II. Mittel 
Kieselsäure . 64,27 — 64,27 Ox. 34,277 
Thonerde . . 22,19 22,41 22,30 10,412 

Kalk 3,01 3,23 3,12 0,891 ] 

Kali — 2,11 2,11 0,358 1 3,288 

Natron .... — 7, 90 7,90 2,039 J 

99,70 

Sauertoffproportion 0,947 : 3 : 9,876. 



301 



Vorstehende Mischung gehört demnach einem Oligoklas 
an und kann im Sinne der TscHERMAK'schen, stets neu bestä- 
tigten Theorie aufgefasst werden als eine Mischung von 3 Mol. 
Albit und 1 Mol. Anorthit, für welche sich folgende Zusammen- 
setzung berechnet: Kieselsäure 64,75, Thonerde 22,20, Kalk 
3,02, Natron 10,03; in naher Uebereinstimmung mit dem Re- 
sultat der Analyse, wenn wir eine kleine Menge des Natrons 
durch Kali vertreten denken. Durch vorstehende Analyse ist 
wohl zum ersten Mal in den trachytischen Gesteinen der 
Anden Oligoklas nachgewiesen. Es ist bekanntlich nur sehr 
selten möglich gewesen, die Krystallformen der Kalknatron- 
Feldspathe genau zu bestimmen. Als einen besonders glück- 
lichen Zufall musste ich es demnach ansehen, dass ich in der 
Antisana-Lava einen 3 Mm. grossen, ringsum ausgebildeten 
messbaren Oligoklaskrystall auffand. Die 
nebenstehende Figur giebt ein Vorstellung 
des interessanten Krystalls*), eines Doppel- 
zwillings nach zwei Gesetzen : 1) Dre- 
hungsaxe die Normale zum Brachypina- 
koid M (resp. Zwillingsebene M) und 2) Dre- 
hungsaxe die makrodiagonale Axe b oder 
(was hier identisch) die Normale zur brachy- 
diagonalen Axe a in der Basis (s. Pogg. 
Ann. Bd. 138 pag. 473). 

Ich beobachtete folgende Flächen: 

P — (ooa:oob:c), oP 
M = (oc a : b : oo c), ooPoo 
y = (a : x b : 2 c), 2^00 
e = (ooa:b: 2 c), 2 y P'oo 
n = (oca:b':2c), 2'Poo 
1 = (a : b : oo c), oo P' 
T = (a:b':ooc), oo 'P 
f = (a:|b:ooc), oo P'3 
z = (a:^b':ooc), oo 'P 3 
m = (a:b:c), P' 




*) In der Zeichnung ist das nach dem „Albitgesetz" angewachsene 
Krystallstück fortgelassen; man denke sich dasselbe der linken Seite des 



302 



Mit Ausnahme von m , einer am Anorthit nicht seltenen 
Fläche, wurden alle oben aufgeführten Formen auch am Oli- 
goklas vom Vesuv (s. a. a. O.) beobachtet. Sehr schön konnte 
an der Zwillingsgruppe beobachtet werden, dass die Zwillings- 
kanten der beiden nach dem Gesetze 2) verbundenen Indivi- 
duen ringsum parallel den Kanten der betreffenden Flächen 
mit der Basis P laufen; genau in gleicher Weise wie es früher 
für den Oligoklas nachgewiesen wurde, — im Gegensatze zu 
den Zwillingen des Anorthits. Die Messung des kleinen Kry- 
stalls konnte zwar am grossen Goniometer, doch nicht mit 
völliger Genauigkeit geschehen, da die Bilder theils etwas 
verwaschen, theils doppelt waren. Nichtsdestoweniger ist die 
Uebereinstimmung mehrerer Winkel mit den betreffenden des 
vesuvischen Oligoklas gewiss sehr bemerkenswerth. 





Antisana 


Ves 


UV 


T:M = 


118° 26' 


118° 


20' 




20 






1:M = 


121 


120 




P:T = 


[110 27 


111 


12 


2 Bilder 


\111 20 


P:T' = 


69° 3 


68 


48 


M:P = 


86 19 


86 


32 



So liefert der kleine Krystall vom fernen amerikanischen 
Feuerberg eine unerwartete Bestätigung der an den Krystallen 
eines vesuvischen Auswürflings erhaltenen Resultate. 

Der Quarz-Andesit (Dacit) des Vulkans Mojanda. 

Der Vulkan Mojanda (4294 M.) liegt (unfern des Yana 
Urcu, 4272 M.) etwa 4 d. Meil. nordöstlich von Quito. Nach 
Wolf's Forschungen (s. Neues Jahrb. d. Min. 1874 pag. 377) 
bildet das in Rede stehende Gestein mit anderen älteren 
Eruptivgesteinen die ausgedehnte Basis, auf welcher sich jene 
beiden Vulkane erhoben haben. Wolf beobachtete den Dacit 
unfern Puellaro in über 100 M. mächtigen, dem vulkanischen 
Tuff eingeschalteten Bänken, am steilen nördlichen Gehänge 



oberen Individuums angeiugt; so dass oben der einspringende Winkel 
P : P liegt. Auch fehlen in der Zeichnung die Flächen e. n, sowie m, 
welch letztere die Kante P : 1 abstumpft. 



303 



der fast 1000 M. tiefen engen Schlucht des Rio Guallabamba*), 
welcher in seinem Unterlaufe Rio Esmeraldas heisst, und die 
Vulkane Mojanda und Yana Urcu („Schwarzer Kopf") im 
Norden von dem Vulkan Pululagua im Süden trennt. Die 
Entdeckung des Dacits im ecuadorischen Hochlande durch 
Herrn Wolf ist um so wichtiger, als dies durch die Association 
von Quarz und Plagioklas charakterisirte Gestein bisher fast 
allein aus Siebenbürgen und Ungarn bekannt war. 

Der Dacit von Puellaro enthält in einer rauhen oder fein- 
porösen bräunlichgrauen Grundmasse sehr zahlreiche, schnee- 
weisse Plagioklaskörner (meist bis 5 Mm., selten bis 10 Mm. 
gross), welche auf der vollkommenen Spaltungsfläche stets 
deutlich die Zwillingsstreifung zeigen; ferner weniger zahl- 
reiche gerundete Dihexaeder von wasserhellem Quarz (bis 
5 Mm. gross). Nach Wolf besitzt der Quarz zuweilen auch 
einen gelblichen oder rosenrothen Farbenthon. Zuweilen ist 
er milchig getrübt, irisirend und erinnert etwas an Opal. Als 
mehr untergeordnete Gemengtheile sind zu nennen: sehr spär- 
liche kleine Prismen von schwarzer Hornblende und hexa- 
gonale Täfelchen von schwärzlich-braunem Biotit, sowie fein 
zertheiltes Magneteisen. Unter dem Mikroskop löst sich das 
Gestein zum allergrössten Theil in ein körniges Mineral- 
Aggregat auf. Diese weissen rundlichen Krystallkörner, welche 
sich nur unrein aus dem glasigen Magma ausgeschieden haben 
und kaum farbengebend auf das polarisirende Mikroskop wir- 
ken, haben eine gewisse, wenn auch nur entfernte Aehnlich- 
keit mit Leucit. Es muss dahin gestellt bleiben, welchem 
Mineral sie angehören. Plagioklas scheinen sie nicht zu sein, 
da sie keine Zwillingsstreifung im polarisirten Lichte zeigen. 
In diesem körnigen Aggregat liegen nun porphyrartig einge- 
mengt Plagioklase , von denen selbst die kleinsten deutliche 
Zwillingslamellen zeigen, ferner Quarzkörner, welche theils 
sich auf Durchschnitte gerundeter Dihexaeder parallel der Haupt- 
axe beziehen lassen, theils ganz unregelmässig gestaltet, theils 
offenbare Bruchstücke sind. Zuweilen bemerkt man an den 
Quarzkörnern die schönsten Anwachshüllen. Gewöhnlich wird 



*) Bei dem Dorfe Guallabamba (6482 p. F. h. nach Humboldt), 
3 Wegestunden südöstlich von Puellaro fand v. Humboldt bis 68 F. hohe, 
3 F. dicke Basaltsäulen. 



304 



der Quarz von Sprüngen durchsetzt, in welche nicht selten 
die Grundmasse eindringt. Der Quarz in diesem Dacit gleicht 
in seinem mikroskopischen Verhalten in hohem Grade dem 
Quarz mancher Porphyre. — Die feinen Magneteisenpunkte 
sammeln sich vorzugsweise um die Hornblendekrystalle. 

Der Kieselsäuregehalt dieses Gesteins beträgt, nachdem 
die grösseren Gemengtheile ausgeschieden waren, 

= 69,78 pCt. 

Der Plagioklas, welcher einen konstituirenden Bestand- 
teil dieses Dacits ausmacht, besitzt folgende Zusammen- 
setzung: 

Spec. Gew. 2,666 (bei 15° C.). Glühverlust 0,04. 





I. 


m 


Mittel 




Kieselsäure . 


. 60,48 




60,48 Ox. - 


32,256 


Thonerde . . 


. 25,07 


25,63 


25,35 


11,836 




. 7,30 


7,20 


7,25 


2,071 


Kali 




0,08 


0,08 


0,014 


Natron . . . 




7,28 


7,28 . 


1,879 








. 100,44 





Sauerstoifproportion 1,005 : 3 : 8,175. 



Der Plagioklas vom Mojanda ist demnach ein Andesin 
und kann im Sinne der TscHERMAK'schen Theorie durch eine 
Verbindung von 1 Mol. Albit mit 1 Mol. Anorthit dargestellt 
werden. Derselben würde folgende Zusammensetzung ent- 
sprechen : 

Kieselsäure 59,73, Thonerde 25,59, Kalk 6,97, 
Natron 7,71. 

Der Andesit vom Vulkan Pululagua. 

Der erloschene Vulkan Pululagua liegt 2 bis 3 d. Meil. 
nördlich von Quito, unfern des Ortes S. Antonio de Lulubamba*), 
auf der linken oder südlichen Seite des Rio Guallabamba. 



*) Etwas Genaueres über diesen Vulkan, welchen ich sonst nirgends 
erwähnt finde , konnte ich bis jetzt nicht in Erfahrung bringen, da ein 
Brief von Prof. Wolf mit näheren Nachrichten über diesen und andere 
vulkanische Punkte leider verloren gegangen ist. 



305 



Prof. Wolf schlug dies Gestein „von grossen Blöcken, 
welche von den Kraterwänden herabgestürzt sind", unfern des 
Ortes Niebli. Dieser Andesit, gleichfalls von schön porphyr- 
artigem Gefüge, ähnlich dem Mojanda-Gestein (also ein Sara- 
Rumi der Indianer), enthält in einer rauhen, bald röthlichen, 
bald hellgrauen Grundmasse sehr zahlreiche, schneeweisse, 
mit deutlicher Zwillingsstreifung versehene Plagioklaskörner. 
Hornblende, Biotit, Magneteisen sind in der röthlichen Gesteins- 
varietät in etwas geringerer Menge ausgeschieden , während 
die Varietät mit lichtgrauer Grundmasse zahlreiche überaus 
deutliche schwarze Hornblendeprismen zeigt und demnach als 
ein eigentlicher Hornblende-Andesit bezeichnet werden kann. 

Unter dem Mikroskop erscheint die Grundmasse der grauen 
Varietät wesentlich als ein Gemenge kleinster Plagioklase, 
welche von einer amorphen Grundmasse umschlossen sind; 
darin sind grössere Plagioklase ausgeschieden, sowie die zier- 
lichsten grünen Hornblendekryställchen , welche stets von 
feinsten Magneteisenkörnchen umsäumt werden. Diese graue 
Varietät ist nach Wolf das anstehende Gestein des Pululagua. 
Die nördlichen und westlichen Kraterwände (besonders da, wo 
der Krater gegen Niebli offen ist) bestehen daraus. Es ist in 
dicke , gegen das Innere des Kraters aufgerichtete Bänke ab- 
gesondert. — Die Grundmasse der röthlichen Varietät ist der 
vorigen ähnlich; doch ist die Hornblende von brauner Farbe, 
auch Biotit und einzelne Augite sind vorhanden. Die grösseren 
Plagioklase zeigen bei polarisirtem Lichte eine polysynthetische 
Zusammensetzung: neben der gewöhnlichen Zwillingsstreifung, 
entsprechend den Zwillingslamellen parallel dem Brachypina- 
koid (M), bemerkt man häufig auch Streifen, welche jene erste 
Richtung annähernd unter rechtem Winkel schneiden und wahr- 
scheinlich auf eine Verwachsung nach dem Gesetze: Zwillings- 
axe die in der Basis (P) liegende Normale der Brachydiago- 
nale zurückzuführen sind. Zahlreiche concentrische Anwachs- 
streifen zeichnen gleichfalls diese Krystalle aus. Ausser den 
genannten Gemengtheilen weist das Mikroskop auch sehr ver- 
einzelte Quarzkörnchen auf, welche, wenn sie auch sehr viel 
spärlicher sind, wie in dem oben geschilderten Dacit des Mo- 
janda, doch beweisen, dass beide Felsarten nicht durchaus 
verschieden sind. 



306 



Den Kieselsäuregehalt der Grundmasse des röthlichen 
Andesits vom Krater Pululagua bestimmte ich 

= 65,16 P Ct. 

Der Flagioklas aus derselben röthlichen Gesteinsvarietät 
ergab : 

Spec. Gew. 2,659 (bei 16° C). Glühverlust 0,12. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure . . 


59,39 




59,39 Ox.- 


31,675 


Thonerde . . . 


25,88 


26,27 


26,08 


12,177 


Kalk 


8,11 


8,29 


8,20 


2,325 


Kali 




0,22 


0,22 


0,037 






6,74 


6,74 


1,739 








100,63 





Sauerstoffproportion 1,010 : 3 : 7,804. 

Auch dieser Plagioklas ist demnach ein Andesin , dessen 
Zusammensetzung annähernd durch die obige Mischung von 
1 Mol. Albit und 1 Mol. Anorthit dargestellt wird. 

Im Pululagua - Krater sammelte Prof. Wolf auch dunkle, 
schlackenähnliche A ndesitvarietäten mit sehr kleinen weissen 
Andesinen und grünen Augiten. Ferner besitzt die Sammlung 
Andesit-Bimstein aus der Gegend von S. Antonio, ^ Stunde 
vom Kraterrande entfernt, ein Produkt des Vulkans. Grössere 
und kleinere Blöcke dieses Plagioklas- und Hornblende- füh- 
renden Bimsteins bilden mächtige Schichten. ,,Die grösseren 
Blöcke werden als vortrefflicher Baustein benutzt."' — Von 
Pululagua stammt ferner einer der schönsten, durch schnee- 
weisse Andesine und schwarze Hornblendeprismen ausgezeich- 
neten Andesite der WoLF'schen Sammlung. In ziemlich spär- 
licher dunkler Grundmasse liegen in grosser Menge die ge- 
nannten beiden Bestandteile. Während das Gestein selbst in 
schwarzer, scheinbar dichter, krystallinischer Grundmasse An- 
desin und Hornblende zeigt, sind die obere und untere Fläche 
des Hahdstücks mit hellgrauer, fast bimsteinähnlicher Masse 
bedeckt. ,, Diese stammt von Gängen , einige Linien dick, 
welche das Gestein durchsetzen. 4 ' 



307 



Der Andesit des Guagua Picbincba. 

Die beiden Gesteinsvarietäteri , deren Plagioklase der ge- 
sonderten Analyse unterworfen wurden, sammelte Prof. Wolf 
theils auf der äusseren Südostseite des Gipfels in 4600 M. 
Höbe (rötbliche Varietät), theils im unteren Krater des Guagua 
Pichincba (dunkle Varietät). Wolf bemerkt, dass v. Hum- 
boldt in allen seinen Schriften die Namen Ruccu- und Gua- 
gua-Piehincha verwechsle. „Der Ruccu-Pichincha (der Vater 
oder Alte) ist der erloschene nördliche Kegel (4737 M. Reiss), 
Guagua Pichincha (das Kind) der noch thätige südliche Krater 
(4787 M. Reiss). Bei Humboldt stets umgekehrt. 4 ' Es darf 
hier auf die schöne Ansicht und Karte des Pichincha ver- 
wiesen werden, welche wir dem grossen Reisenden und Natur- 
forscher verdanken (v. Hümb. Atlas zu den kleiner. Schriften 
Taf. 1 und 10). Der Pichincha bildet eine 2 d. Meil. lange 
Mauer, in welcher man von Poingasi (3104 M. Reiss) aus in dem 
Höhenzuge, welcher das Hochthal von Quito in zwei Theile 
trennt (einen östlichen mit den Thalebenen von Puembo 
(2484 M. Reiss) und Chillo; und einen westlichen mit den 
rauheren Grasfluren von Inaquito und Turabamba), hauptsächlich 
vier von Nordost nach Südwest aneinander gereihte Gipfel 
unterscheidet: 1) einen ungenannten Kegelberg, von Humboldt 
„Condorgipfel" genannt*); 2) Ruccu Pichincha (bei v. Humb. 
Guagua P.), ein kastellartiger Fels; 3) Picacho de los La- 
drillos (Ziegelberg); 4) Guagua P. (bei v. Humb. Ruccu P.). 
Dieser letztere trägt den grossen noch entzündeten Krater 
und den höchsten Gipfel des ganzen Gebirges. In v. Hum- 
boldt's schöner Ansicht ist der Guagua Pichincha der mit 
Schnee bedeckte Gipfel. Nur einige wenige Male ist der ge- 
waltige Kraterboden von Menschen betreten worden : zuerst 1845 
durch Seb. Wisse und seinen „ausgezeichnetsten Schüler" 
Garcia Moreno, den jetzigen Präsidenten der Republik, dann 
1870 durch die Herren Reiss und Stübel, endlich in demsel- 
ben Jahre durch Wolf. — Bouguer und La Condamike, welche 
7 Jahre mit den Arbeiten der Gradmessung beschäftigt auf 



*) fm Kosmos IV. Band pag. 285 nennt v. Humboldt offenbar irr- 
thümlich den Cunturguachana (den Condorgipfel) den südwestlichsten in 
der Reihe. 



308 



dem Hochlande von Quito lebten , gelangten 1742 nach vielen 
Bemühungen bis zum hohen Kraterrande und blickten in den- 
selben hinab. Als Humboldt 60 Jahre später (14. April 1802) 
den Versuch machte, an den Krater zu gelangen, war jede ge- 
nauere Kenntniss über die Lage desselben verloren gegangen, so 
dass der grosse Reisende bei seiner ersten Besteigung gegen den 
mittleren kastellartigen Gipfel emporstieg, von wo er den noch 
mehr als 4 Kilom. entfernten, durch unüberschreitbare Schluch- 
ten getrennten Krater nicht erreichen konnte. Bei seinen beiden 
anderen Expeditionen (s. kleinere Schriften pag. 55 u. 66), am 
26. u. 28. Mai 1802, erreichte er einen Altan-ähnlichen Felsen 
des Kraterrandes. „Das furchtbare, tiefe, schwarze Becken war 
ausgebreitet vor unseren Augen, in schauervoller Nähe. Ein 
Theil des hier senkrecht abgestürzten Schlundes war mit wir- 
belnden Dampfsäulen erfüllt." 

Die erste genaue Erforschung des Pichincha verdankt die 
Wissenschaft den Herren Wisse und Moreno (s. klein. Schrift, 
pag. 77 — 97). Nach Wisse's Bericht beträgt der obere Durch- 
messer des grossen Kraterrandes 1500 M. Derselbe wird 
durch eine von NNO-SSW gerichtete Felsmauer in zwei Ab- 
theilungen geschieden. Der Boden des östlichen Kraters hat 
eine absolute Höhe von 4447 M. und ist 328 M. unter den Pik 
des hohen Kraterrandes eingesenkt, er ist ohne Fumarolen 
und völlig erloschen. Der Boden des westlichen Kraters hat 
eine absolute Höhe von 4172 M., liegt also 325 M. tiefer als 
der östliche*); in demselben erhebt sich ein mit vielen Fu- 
marolen versehener, 150 M. hoher Eruptionskegel. — Nach- 
dem wir uns so der allgemeinen Gestaltung des Pichincha- 
gebirges und seines grossen Kraters erinnert, werden einige 
Stellen aus den Briefen Wolf's von besonderem Interesse 
sein. Auf der Höhe von Poingasi stehend, schildert er die 
herrliche Gebirgsansicht : „Gegen Westen hat man die schönste 
Ansicht von Quito , weil man zugleich mit der ganzen Stadt 
auch den ganzen grossartigen Hintergrund überblickt , ich 
meine die Berggruppe des Vulkans Pichincha mit seinen ma- 
lerischen Schluchten und Felsenzacken , aus denen sich drei 
fast immer mit Schnee bedeckte Hauptgipfel erheben. Nur 



*) Im Kosmos IV. Band pag. '280 heisst es zufolge einer Verwechs- 
lung: „der östliche Krater liegt über 1000 Fuss tiefer als der westliche.'' 



309 



der südlichste der drei Gipfel, ein abgestumpfter Kegel, zeigt 
gegenwärtig vulkanische Thätigkeit und trägt einen der inter- 
essantesten Krater der Welt von kolossalen Dimensionen, aus 
welchem weisse Wolken von Wasserdampf, gemengt mit an- 
deren vulkanischen Gasen, aufsteigen. Dieser Vulkan, dessen 
300jährige Geschichte ich voriges Jahr gründlich zu studieren 
Gelegenheit hatte, als ich die Chronik der Vulkan - Ausbrüche 
und Erdbeben für das Programm *) unserer Hochschule schrieb, 



*) Cronica de los fenomenos volcanicos y terremotas 
en el Ecuador con algunas noticias sobrc otros paises de 
la America central y meridional desde 1533 hasta 1797. 
Quito 1873. Im Verfolge seiner vulkanischen Studien im äquatorialen 
Amerika konnte es Herrn Wolf nicht verborgen bleiben, dass die bis- 
herigen Angaben über vulkanische Phänomene und Erdbeben in Ecuador 
allzusehr der Zuverlässigkeit entbehren (compilados sin critica ninguna). 
Es stellte sich heraus, dass Mittheilungen über den causalen Zusammen- 
hang vulkanischer Phänomene, welche die weiteste Verbreitung gefunden 
haben, ohne jeden thatsächlichen Anhalt sind, dass andere Angaben 
ausserordentliche Uebertreibungen aufweisen. So entschloss sich Wolf 
aus den Originalquellen, und zwar vorzugsweise aus den Archiven Quito's 
und anderer ecuadorischer Städte, alle Nachrichten über jene Ereignisse 
zusammenzustellen , bei welcher mühevollen Arbeit er sich der Unter- 
stützung eines mit der Landesgeschichte genau vertrauten Mannes, des 
Dr. Pablo Herrera, erfreute, welcher ihm viele alte Handschriften zur 
Verfügung stellte. Diese verdienstvolle und wichtige Arbeit wurde da- 
durch möglich, dass die Archive Quito's von allen politischen Revolu- 
tionen, welche seit der Unabhängigkeit des Landes einander gefolgt sind, 
unberührt geblieben sind. In einem Appendix sind die Originalauszüge 
aus den alten Geschichtschreibern des Landes, Oviedo y Valdes, Lopez 

DE GOMARA, ClEZA DE LEON, AGUSTIN DE ZäRATE, AnT. DE HERRERA, SOwie 

aus den Archiven mitgetheilt. 

Es mögen hier einige wenige Ergebnisse der WoLF'schen Forschun- 
gen mitgetheilt werden, aus denen hervorgeht, wie vieler Berichtigungen 
die bisher allgemein verbreiteten und geglaubten Schilderungen und An- 
gaben bedürfen. 

Viel verbreitet in den Büchern ist die Angabe vom Einsturz des 
Altar oder Capac-Urcu (Königs der Berge), welcher 14 Jahre vor der 
Invasion Huayna-Capac's des Sohnes Tupac-Yupanqui's (also ungefähr 
im Jahre 1461) soll stattgefunden haben. Ueber ein solches Ereigniss 
existirt indess weder eine allgemeine Sage der Indianer , noch berichtet 
darüber ein alter Geschichtschreiber , namentlich auch nicht der mit den 
Traditionen der Eingeborenen so vertraute Pat. Velasco. „Parece que 
aqui Humboldt confiö con demasiada credulidad en las palabras de un 
sol individuo, del Indio Zefla en Riobamba." 

Nach allgemein geglaubten Angaben soll der Vulkan Imbabura 
Zeits.d.D.geol.Ges.XXVII.2. 21 



310 



befindet sich gegenwärtig im sogenannten Zustande der Ruhe 
und von ferne scheint er in der That ganz harmlos. Besteigt 
man aber zum ersten Male seinen Kraterrand, so ist der den 
Blicken entgegengähnende Schlund wohl geeignet, den Zustand 
der Gemüthsruhe etwas zu erschüttern. Man vernimmt ein 
dumpfes Getöse wie von fernem Donner oder von einem 
grossen Wasserfall, und der Wind trägt von Zeit zu Zeit die 
Schwefeldämpfe empor. In der Tiefe wogen grosse weisse 
Ballen von Wasserdampf hin und her und vertheilen sich 
dann aufsteigend als Gewölk an den düstern fast senkrechten 
Kraterwänden. Nur hin und wieder erblickt man durch eine 
Wolkenspalte ein Stück des eigentlichen Kraterbodens , der 
dann der Phantasie noch tiefer erscheint als er wirklich ist. 
Ich hatte an einem wunderschönen Septembertage den höchsten 
Gipfel des Kraterrandes erreicht. Das Hinabklettern in den 
Schlund ist äusserst mühsam und an den meisten Stellen nur 
mit Hülfe der Hände möglich : theils geht es über steile Hal- 
den von Bimsteinschutt , der jedem Tritte nachgiebt, theils 
über abschüssige Eisflächen, in die erst mit dem geologischen 
Hammer Stufen gehauen werden müssen, um einen sonst 
sicheren Fall zu vermeiden; jetzt muss man einem vom Frost 
losgesprengten Felsblock ausweichen, der donnernd von oben 



(ca. S d. Meil. nordöstlich von Quito) in den Jahren 1691 und 1765 
grosse Schiammei uptionen gehabt haben, bei welchen eine solche Menge 
kleiner Fische (Prenadillas) Pimelodes Cyclopum, ausgespieen wurde, 
dass sie faulend die Luft verpesteten und unter den Umwohnenden bös- 
artige Fieber erzeugten. Aller Wahrscheinlichkeit zufolge hat indess der 
Imbabura in historischer Zeit niemals weder einen Feuer - noch einen 
Schlammausbruch gehabt. Nicht ganz selten ereignen sich indess — na- 
mentlich in Folge von Erbeben — am Imbabura Erdschlipfe seiner steilen Ge- 
hänge. Die Regenströme führen die gelockerte und aulgehäufte Erde 
fort und erzeugen die „Schlammströme", welche mit den fischreichen 
Bächen und Flüssen sich vereinigend wohl den Tod von Fischen hervor- 
rufen können. Ganz unglaublich und unverbürgt ist es aber, dass ihre 
Menge hinreichend gewesen sein soll, um bei der Verwesung Krankheiten 
zu erzeugen. 

In gleicher Weise sind die bisherigen Berichte über das grosse Erd- 
beben von Riobamba (4. Febr. 1707) ausserordentlich übertrieben. Nicht 
40,(300 Menschen verloren durch dies schreckliche Ereigniss ihr Leben, 
sondern 5000 bis 6000. Zu den Erscheinungen bei diesem Erdbeben, welche 
durch übertriebene .Berichte eine unverdiente Berühmtheit erlangt haben, 
gehört auch die „Moya" von Pelileo. 



311 



rollt und lavinenartig^anderes Geröll in Bewegung setzt, jetzt 
sich dem in Bewegung gerathenen Bimsteinsand mit dem 
Rücken entgegenstemmen. Nach zwei Stunden hatte ich, von 
einem eiuzigen Indianer begleitet, einen breiten Absatz, den 
sog. oberen Krater erreicht, welcher von dem unteren allein noch 
thätigen durch einen Felsgrat geschieden ist. Wir überstiegen 
den Grat an seiner niedrigsten Stelle und standen nun Anfangs 
ganz rathlos vor dem fast senkrechten Abgrund; aber was 
begonnen war, sollte vollendet werden. Dieser zweite Theil 
des Hinabsteigens war viel schwieriger als der erste , nicht 
nur wegen der Steilheit der Felswände, an denen wir hie und 
da wie an den Zacken eines gothischen Thurmes hingen, son- 
dern auch, weil wir meist schon in die Dampfwolken gehüllt 
waren und so kaum ein paar Schritte weit sehen konnten. 
Das Getöse verstärkte sich immer mehr, die Schwefeldämpfe 
wurden beschwerlicher und nach abermals zwei Stundeu grosser 
Anstrengung befanden wir uns auf dem Kraterboden , einer 
ausgedehnten, wenig geneigten Ebene, die einen furchtbar 
wilden und chaotischen Anblick bietet: grosse und kleine 
Lavablöcke liegen in grausiger Unordnung umher, Bimsteine 
und Bimsteinsand, mit Schwefel gemischt, bilden kleine Hügel, 
die dann wieder durch tiefe Schluchten von einander getrennt 
sind. Selbst am Mittag herrschte in diesem beinahe 2500 Fuss 
tiefen , von himmelhohen schwarzen Felswänden eingeschlos- 
senen und beständig von Dampfwolken überdeckten Kessel 
ein unheimliches Halbdunkel. Obgleich ganz müde und er- 
schöpft, eilte ich zwischen rauchenden und dampfenden klei- 
neren Schlünden, aus denen mir eine starke Hitze wie aus 
glühenden Oefen entgegenwehte, dem Punkte der Hauptthätig- 
keit zu, von wo ich das stärkste Getöse vernahm. Ich gelangte 
am Rande des Kraterbodens an eine breite und tiefe Felsen- 
spalte , die sich auch nach oben zwischen zwei senkrechten 
Felswänden fortsetzt. Dies ist gegenwärtig die stärkste Fu- 
marole; aus ihr werden die Dampf ballen mit furchtbarer Ge- 
walt ausgestossen. Der Boden ringsum zittert wie bei einem 
Erdbeben, und der verursachte Höllenlärm ist so stark, dass 
man zwischen dem Tosen, Krachen, Zischen sein eigenes 
Wort nicht mehr vernimmt. Von den Felswänden träufelt 
warmes Wasser, der condensirte Dampf. Die Felsen sind 
mit dicken Krusten gelben Schwefels , weissen Salmiaks und 

21* 



312 



Alauns überzogen. Unterdess fühlte ich meine Fusssohlen 
sehr heiss werden; ich konnte den Boden und die Felswände 
nicht mit den Händen berühren. Zwei Tage und eine Nacht 
verweilte ich im Krater. — Die kleineren Fumarolen sind sehr 
zahlreich und gruppenweise vertheilt, besonders an einem 
kleinen Kegel mitten im Krater, welcher ohne Zweifel der 
beim letzten grossen Ausbruch des Vulkans gebildete Eruptions- 
kegel ist. Die Dampföffnungen sind oft mit wunderschönen 
zolllangen Sehwefelkrystallen ausgekleidet, die dann, wenn 
sich die Hitze steigert, schmelzen und abfliessen und ringsum 
kleine Schwefelhügelchen bilden. Eigentliche Feuer- oder 
Lichterscheinungen habe ich nicht beobachtet, selbst nicht bei 
Nacht, wo sie sich deutlicher hätten zeigen müssen.' 4 

Das röthliche Gipfelgestein des Guagua Pichincha 
zeigt in einer fleischrothen Grundmasse sehr kleine bis 1 Mm. 
grosse weisse Plagioklase, sehr deutliche bräunlichschwarze 
Hornblendeprismen. Unter dem Mikroskop erkannte ich ausser 
den genannten von einer amorphen , durch feinste Mikrolithe 
unreinen Grundmasse umhüllten Gemengtheilen auch kleine 
Augite, in weit geringerer Menge als Hornblende. 

Der Kieselsäuregehalt des Gesteins 
= 62,99 pCt. 

Von dem Plagioklas dieses Andesits konnte nur 0,3525 Gr. 
zur Analyse ausgesucht werden; es musste deshalb von einer 
Bestimmung der Alkalien abgesehen und der Verlust der 
durch Aufschliessen mit kohlensaurem Natrium ausgeführten 
Analyse als Natron in Rechnung gezogen werden. 

Spec. Gew. 2,647 (bei 22 °C). Glühverlust 0,27. 
Kieselsäure .... 58,15 Ox. = 31,01 

Thonerde 26,10 12,20 

Kalk 9,05 2,59 

Natron . 6,70 1,73 

100,00 

Sauerstoffproportion 1,06 : 3 : 7,62. 

Die dunkle A nd e s i t - V a r i e tä t aus dem unteren oder 
westlichen Krater des Guagua Pichincha bildet dort das herr- 
schende Gestein. Die geschlossene, nicht poröse Grundmasse 
von einem pechsteinähnlichen Ansehen umhüllt sehr zahlreiche 



313 



weisse Plagioklase (1 bis 2 Mm. gross), schwarze Hornblende, 
bräunliche gerundete Körnchen von Augit und Magneteisen 
(vielleicht auch etwas Olivin). Unter dem Mikroskop gewährt 
das Gestein einen sehr schönen Anblick. Die glasige, im 
Dünnschliff durchsichtige Grundmasse besitzt eine durch feinste 
schwarze Punkte angedeutete Fluidalstructur. Bei sehr starker 
Vergrösserung offenbaren sich diese schwarzen Punkte als 
sternförmig oder dendritisch aneinander gefügte Mikrolithe, 
wahrscheinlich von Magneteisen. Letzteres bildet ausser diesen 
kleinsten Gebilden auch grössere Krystallkörner. Jene amorphe 
Grundmasse umschliesst nun sehr zahlreiche Plagioklase mit 
schönsten concentrischen Anwachsstreifen und polysynthe- 
tischer Zusammensetzung. Neben vorherrschender Hornblende 
sind auch Augite sehr deutlich zu erkennen; nicht ganz sicher 
Olivin. Schon hier mag bemerkt werden, dass eine Trennung 
der Andes-Trachyte in Hornblende- und Augit- Andesite nicht 
durchführbar ist, da nicht nur an denselben Vulkanen beide 
Varietäten, sondern auch häufig in ein und demselben Gesteine 
Hornblende sowohl als auch Augit vorkommen. 

Der Kieselsäuregehalt des dunklen Andesits aus dem 
Pichincha - Krater 

* 64,55 pCt. 

Die geringe Grösse der ausgeschiedenen Plagioklase ge- 
stattete auch hier nur eine kleine Menge auszusuchen; zu jeder 
der beiden folgenden Analysen wurde ca. 0,5 Gr. verwandt. 



Spec. Gew. 


2,620 (bei 


16° 


C). Glühverlust 0,01. 




I. 


II. 


Mittel 


Kieselsäure 


. . 59,1 




59,1 Ox. = 31,54 


Thonerde . 


. . 25,9 


26,3 


26,1 12,20 


Kalk 


. . 9,0 


8,7 


8,85 2,53 


Kali , , , 




0,5 


0,5 0,08 






5,5 


5,5 1,42 








100,05 



Sauerstoffquotient 0,99 : 3 7,75. 

Beide untersuchten Plagioklase sind demnach Andesine 
von der Zusammensetzung, welche man durch eine isomorphe 
Mischung von 1 Mol. Albit und 1 Mol. Anorthit erhält, — 
gleich den Plagioklasen des Mojanda und des Pululagua. 



314 



Noch von einigen anderen Punkten des Pichincha-Gebirges 
verdanke ich Herrn Wolf Gesteinsproben: Vom Gipfel des 
Rucu-Pichincha, Südostseite, in 4500 M. Höhe : ein schwarzes, 
feinkörniges, fast dichtes Gestein, in welchem nur hin und 
wieder ein deutlicher Plagioklas- und Augitkrystall erkennbar 
ist. Es ist dies wohl dasselbe (oder ein ähnliches) Gestein, 
dessen v. Humboldt in den kleineren Schriften pag. 26 u. 27 
erwähnt unter Hervorhebung der Kastell- und Pfeiler-ähnlichen 
Felsgestaltung. Das von Humboldt mitgebrachte schwarze 
„pechsteinähnliche" Gestein wurde von Abich analysirt (Ueber 
d. Natr. u. d. Zusammenhang d. vulk. Bildungen 1841 pag. 58): 
Kieselerde 67,07, Thonerde 13,19, Eisenoxyd 4,74, Mangan- 
oxyd 0,32, Kalk 3,69, Magnesia 3,46, Kali 2,18, Natron 4,90, 
Glühverlust 0,30. Diese Analyse, welche durch ihren Kiesel- 
säurereichthum die trachytische Natur des Gesteins beweist, 
bewahrheitet nicht die Worte „Wir haben am Pichincha wie 
am Aetna ein Dolerit - Gestein mit vorwaltendem Labrador" 
(a. a. O. pag. 27)*). Vom Gipfel des Rucu-Pichincha, Süd- 
seite, 4520 M. Höhe : ein lichtgelbliches Gestein. Die sehr 
zahlreichen kleinen Plagioklase heben sich nur wenig deutlich 
aus der feinkörnigen Grundmasse ab. Zahlreiche äusserst 
zierliche, 1 bis 2 Mm. grosse, schwarze Augite zeichnen das 
Gestein aus. 

„Andesit aus der Cantera (Steinbruch), in unmittelbarer 
Nähe der Stadt", nahe bei dem Panecillo (Javirac), „einer freiste- 
henden rundlichen Kuppe, unter der die Inca's einen Stollen 
(Durchgang) nach Turubamba gesucht haben." (a. a. O. pag. 37.) 
Nach Wolf scheint dieser Hügel durch eine Seiteneruption 
des Rucu-Pichincha gebildet. Dem blossen Auge fast körnig 
erscheinend, zeigt das lichtgraue Gestein unter dem Mikroskop 
in einer nur spärlichen amorphen Grundmasse sehr zahlreiche, 
bis 1 Mm. im Maximum grosse Plagioklase und — weniger 
zahlreich — grüne Augite. Dieser Andesit dient als Bau- 
und Pflasterstein für die Stadt Quito. Die drei erwähnten 
Gesteine des Rucu-Pichincha enthalten demnach Augit (keine 
Hornblende), während diejenigen des Guagua Pichincha Horn- 
blende (und sehr wenig Augit) enthalten. 

*) Eine neue Analyse eines von Humboldt am Pichincha in 2430 
Toisen geschlagenen Gesteins (mit 02,35 pCt. Kieselsäure) gab Artope 
(N. Jahrb. 1874 pag. 93). 



315 



In Bezug auf den Feldspath - Geraengthei] der Pichincha- 
Gesteine sind die beiden obigen Analysen wohl geeignet, die 
frühere Ansicht zu berichtigen, zufolge welcher der Trachyt 
des Pichincha Oligoklas enthalten solle (s. Kosmos Bd. IV. 
pag. 471). 

Bevor wir die Betrachtung der Pichincha - Gesteine ver- 
lassen, wird es von Interesse sein , die Eruptionen dieses 
Vulkans nach der Cronica von Wolf aufzuzählen. Historisch 
beglaubigt sind nur drei Ausbrüche des Berges: 17. u. 18. Oct. 
1566, 8. Sept. 1575, 27. Oct, 1660. Die Eruptionsproducte des 
Pichincha bestehen wesentlich in ungeheuren Massen von vul- 
kanischem Sand und Staub. — Die bisher in den Schriften 
angegebene älteste Pichincha - Eruption 1534, durch deren 
Staubregen der Marsch des Conquistadors Pedro de Alvarado 
von den Küsten der Südsee zum Plateau von Quito gehemmt 
wurde, beruht höchst wahrscheinlich auf einem Irrthum. Nach 
Wolf war es der Cotopaxi , oder einer der zahlreichen an- 
deren Vulkane des ecuadorischen Hochlandes, welcher jene 
Asche auswarf. 

Der Andesit des Tunguragua. 

Der Tunguragua (4927 M. hoch nach Stübel) gehört der 
östlichen ( ordillere an und liegt dem Chimborazo gerade gegen- 
über. Vor Kurzem haben wir über diesen merkwürdigen Berg 
neue Nachrichten erhalten durch den verdienstvollen Reisenden 
Dr. Stübel (s. Zeischr. für die ges. Naturwissenschaften 
Bd. XLI. 1873 pag. 476), welcher den Vulkan von Barlos 
(1800 M. hoch), vom Pastazathal aus, erstieg. Nach Stübel 
liegt das Eigenthümliche der Lage des Tunguragua vorzugs- 
weise darin, dass er mit seinem Nordgehänge ein enges Thal 
begrenzt, dessen gegenüberliegende Wand nicht zur vulkanischen 
Formation gehört, sondern aus sehr altem Gestein (Glimmer- 
schiefer) besteht. *) Durch dies malerische Thal, Namens Valle 



*) v. Humboldt gebührt das Verdienst, zuerst das von den ecua- 
dorischen Vulkanen durchbrochene Grundgebirge erkannt zu haben. „Da 
in der vulkanischen Hochebene von Quito alles mit Trachyt , Trachyt- 
Conglomerat und Tuffen bedeckt ist, so war es mein eifrigstes Bestreben, 
irgend einen Punkt zu entdecken, an dem man deutlich erkennen könne, 
auf welcher älteren Gebirgsart die mächtigen Kegel und Glockenberge 
aufgesetzt sind, oder um bestimmter zu reden, welche sie durchbrochen 



316 



de Banos, nimmt zwischen beiden verschiedenen Bildungen der 
Pastazafluss seinen Lauf. Den ebenen Boden des Pastazathals 
bildet ein einziger Lavastrom , welcher seinen Ursprung un- 
gefähr 700 M. über Banos am Gehänge des Tunguragua hat 
und 3 bis 4 Leguas (1 ecuador. Legua = 5573 M.) thalabwärts 
bis zum Fluss Verde grande reicht. Der Pastaza musste sich 
auf der Grenze zwischen Lava und Glimmerschiefer ein neues Bett 
suchen ; an anderen Stellen durchbrach der Fluss den festen 
Lavafels. Gegen den Rio Verde hin hat der Pastaza den im 
Mittel 30 — 50 M. mächtigen Lavastrom so zerstört, dass davon 
nur an den Einmündungen der kleinen Nebenthäler Plateau- 
reste sich erhalten haben. (Dies erinnert vollkommen an den 
Strom von Bertrieh). Jener grosse Lavastrom hat am Fusse 
des Tunguragua stattgefunden, während die letzte Eruption 
am Ende des vorigen Jahrhunderts aus dem Gipfelkrater 
erfolgte (Stübel). Die Form des Kraters ist fast kreisrund, 
er hat einen Durchmesser von ungefähr 500 M. und eine 
Tiefe von einigen 80 M. Nur im nördlichen Theil des 
Kraterrandes bemerkt man eine — und zwar recht beschränkte — 
vulkanische Thätigkeit, indem hier an vielen Punkten Wasser- 
dampf-Fumarolen, mit schwefeliger Säure geschwängert, empor- 
steigen. 

Bei dem hohen Interesse, welches dem Vulkan Tungu- 
ragua und seinen Lavaströmen, die zuerst keinen Zweifel 
an ihrer wahren Natur als geflossene Laven, übrig Hessen, 
innewohnt, war es mein Bestreben, auch die chemische Zu- 
sammensetzung des constituirenden Feldspaths zu ermitteln. 
Es schien dies um so wichtiger, da neben Plagioklas und 
Augit in den Tunguragua-Laven auch Olivin zur Ausscheidung 
gelangt, welches Mineral den bisher betrachteten Andesiten 
entweder ganz fehlt, oder in ihnen nur in geringster Menge 
vorhanden ist. Es musste die Frage beantwortet werden , ob 
in den Andesiten neben reichlichem Olivin sich auch Andesin 
ausscheiden könne, oder ob der constituirende Feldspath La- 
brador sei. 

Für fast alle in der Sammlung befindlichen Tunguragua- 



haben. Einen solchen Punkt bin ich so glücklich gewesen aufzufinden, 
als ich im Monat Juni 1802 von Riobaraba nuevo aus eine Ersteigung 
des Tunguragua versuchte", etc., s. Kosmos IV. pag. 462. 




317 



Laven war eine gesonderte Analyse des Plagioklas ganz un- 
möglich; nur bei einem einzigen Handstücke, durch Wolf 
geschlagen „von grossen Blöcken im Bette des Rio Puela bei 
Banos, vom Bache heruntergeführt (System des Tunguragua)" 
gelang es , zu einer Analyse das Material (0,336 Gr.) mit 
Aufwand vieler Zeit und Geduld zu sammeln. 

Der Andesit von Rio Puela (Tunguragua) enthält in einer 
schwarzgrauen, dichten oder feinscblackigen Grundmasse zahl- 
reiche, im Mittel kaum 1 Mm. grosse Plagiokiase, kleine 
dunkelgrüne Augite, sowie, spärlicher, Olivin. Der Gegenwart 
des letzteren Minerals in den Tunguragua - Laven erwähnen 
auch bereits die Herren Wolf und Stübel. — Der Kiesel- 
säuregehalt dieses Andesits wurde bestimmt 

= 61,48 pCt. 
Der Plagioklas des Tunguraguagesteins ergab: 

Spec. Gew. 2,627 (bei 26° C.). Glühverlust 0,15. 

Kieselsäure 57,8 Ox. = 30,84 

Thonerde 26,75 12,49 

Kalk 9,05 2,59 

Natron (Verlust) . . 6,4 1,64 
100,00 

Sauerstoffproportion 1,016 : 3 : 7,408. 

Auch dieser Plagioklas ist demnach ein Andesin, wenn- 
gleich in demselben die Mischung des Kalkfeldspaths etwas 
mehr überwiegt als es bei den Andesinen des Pichincha, des 
Pululagua und des Mojanda der Fall ist. Der Andesin des 
Tunguragua stellt sich dar als eine Mischung von 2 Mol. 
Albit und 3 Mol. Anorthit, welcher Zusammensetzung folgende 
Zahlen entsprechen : 

Kieselsäure 57,26. Thonerde 27,26. Kalk 8,91. 
Natron 6,57. 

Die Gesteine des Tunguragua sind bereits mehrfach Gegen- 
stand der Untersuchung gewesen. Abich bestimmte den Kiesel- 
säuregehalt eines homogenen, durch zahlreiche kleine gestreifte 
Plagioklaskrystalle porphyrartigen, rothbraunen Andesits von 
diesem Vulkan = 57,40 pCt. 

Dass die am Tunguragua vorkommenden vulkanischen 



318 



Gesteine recht verschieden sind, beweisen zwei genaue und 
vollständige Analysen Artope's (Neues Jahrb. f. Min. 1874 
pag. 93) Während das eine, ein schwarzes Gestein, mit dem 
spec. Gewicht 2,548 einen Kieselsäuregehalt von 66,06 pCt. 
ergab, wurden in dem andern, von rother Farbe, spec. Gewicht 
2,746, nur 55,35 pCt. gefunden. Der constituirende Plagioklas 
des ersteren ist gewiss Andesin , derjenige des letzteren wohl 
unzweifelhaft Labrador. Das Vorkommen doleritähnlicher An- 
desite am Tunguragua steht demnach wohl ausser Zweifel. 
Ein Gestein von diesem Feuerberg (zu welchem Wolf bemerkt: 
„körniges Gemenge von Plagioklas und Augit, wurde öfters für 
Basalt gehalten; Olivin; \ Stunde unterhalb ßanos , rechts 
vom Wege, anstehend in schönen basaltartigen Säulen, deren 
Köpfe zwischen Tuff und Schlacken hervorschauen. Am Wege 
selbst liegen viele herabgestürzte Blöcke") ist in der That von 
einem ätnäischen Dolerit kaum zu unterscheiden. Unter dem 
Mikroskop löst sich dasselbe fast vollständig in ein Gemenge 
kleinster Plagioklase auf, durch eine äusserst geringe amorphe 
Grundmasse verbunden, und grössere gestreifte Plagioklase um- 
schliessend. Ein zweites schwarzes Gestein „vom Lavastrome 
des Tunguragua, über welchen der Rio Pastaza fliesst, von 
der Brücke unterhalb Banos 44 zeigt kleine ausgeschiedene Kry- 
stalle von Plagioklas, Augit, Olivin, die Grundmasse besteht 
fast ausschliesslich aus kleinsten Plagioklasen. 

Die Analysen der Plagioklase aus den Andesiten des 
Mojanda, des Pululagua, des Pichincha und des Tunguragua 
lehren nun , dass in der That Andesin diejenige constituirende 
Varietät der Kalknatronfeldspäthe ist, welche mehrere der aus- 
gezeichnetsten Vulkane des ecuadorischen Hochlandes zu- 
sammensetzt. 

Erinnern wir uns der eigentümlich wechselnden Ansichten 
über die Berechtigung des Namens Andesit und über die Exi- 
stenz des Andesin-Feldspaths. L. von Buch bezeichnete (1835) 
mit dem Namen ,, Andesit" diejenigen Trachyte, in denen 
Albit die Stelle des Sanidins vertreten sollte. Auf G. Rose's 
Untersuchungen der feldspatbäbnlichen Mineralien in den von 
v. Humboldt , Meten, Pöppig und Erman mitgebrachten vul- 
kanischen Gesteine glaubte v. Büch die Behauptung begründen 
zu können , dass ,,kein einziger der fast zahllosen Vulkane 
der Anden" aus Sanidin - Trachyt bestehe, vielmehr alle aus 



319 



„Albit - haltigem Andesit" aufgebaut wären. Als G. Rose 
später den gestreiften Feldspath vieler Gesteine als Oligoklas 
erkannte (in Bezug auf den Granit des Kiesengebirges geschah 
es 1842) und das Vorkommen des Albits als Gemengtheil von 
Gesteinen überhaupt in Frage stellte, schien der Audesit in 
der von v. Büch gegebenen mineralischen Definition seine 
Begründung zu verlieren, in dem Maasse, dass Humboldt im 
Kosmos von der „nun schon veralteten Mythe des Andesits" 
spricht und anführt, dass auch er ,,das Unrecht begangen 
habe, sich zwei Mal dieses, viele Verwirrung anrichtenden 
Namens bedient zu haben.' 4 (Kosmos Bd. IV. pag. 634, 636). 
Jetzt ist der v. Bucja'sche Name Andesit allgemein wieder zur 
Geltung gekommen , um diejenigen Trachyte zu bezeichnen, 
welche des Sanidins entbehren und statt desselben einen 
Kalknatronfeldspath enthalten. — Ein ähnlicher Wechsel der 
Ansichten hat auch über demAndesin gewaltet. Fünf Jahre 
nachdem v. Buch die neue Gebirgsart aufgestellt, bezeichnete 
Abich den Feldspath eines Gesteins von Marmato bei Po- 
payan (Columbien) mit dem Namen Andesin. Abich's Analyse 
ergab annähernd die Sauerstoffproportion 1:3:8 und wies dem 
neuen Feldspath seine Stellung zwischen Oligoklas und La- 
brador an. Dieser Bezeichnung Andesin lag indess die 
irrthümliche Voraussetzung zu Grunde, dass jenes Gestein von 
Marmato ein Andesit sei, während es in Wahrheit ein Diorit- 
porphyr ist. Doch auch abgesehen von diesem Irrthum, wel- 
cher die Wahl des Namens als nicht zutreffend erscheinen 
liess , wollte es lange nicht gelingen , die von Abich ange- 
gebene Mischung ausser Zweifel zu stellen. Erst durch die 
schöne , leider noch in der allerjüngsten Zeit verkannte 
(s. Neues Jahrb. f. Min. 1874 pag. 89) Theorie Tschermak's 
gewann der Andesin ein neues Bürgerrecht, wenn auch nicht 
als Mineralspecies , so doch als eine Subspecies der Kalk- 
natronfeldspathe. — Die oben mitgetheilten Analysen beweisen 
nun, dass in mehreren der ausgezeichnetsten Andesite des 
Hochlandes von Quito Andesin — nicht Oligoklas, wie man 
bisher glaubte*) — • als constituirender Gemengtheil vorhanden 



*) Für das Chimborazo-Gestein wurde bereits früher durch Deville 
der Kieselsäuregehalt des Plagioklas r= 58/26 bestimmt, und hierdurch die 
Zugehörigkeit desselben zum Andesin bewiesen. Kosmos Bd. IV. p. ö"29. 



320 



ist. Der von Abich im Dioritporphyr von Popayan zuerst 
nachgewiesene Plagioklas, welchen er — einer irrthümlichen 
Voraussetzung zufolge — Andesin nannte, ist also in der That 
dasselbe Mineral, welches die wichtigsten Andesvulkane zusam- 
mensetzt, und jener Name erweist sich somit auf Grund der 
oben mitgetheilten Analysen als vollkommen zutreffend. 

Dass in dem ausgedehnten äquatorialen Vulkangebiet Ame- 
rikas ausser dem herrschenden Andesin, dem bisher nur in 
den Perliten des Antisana nachgewiesenen Oligoklas auch mehr 
basische Plagioklase, namentlich Lab rado r, vorkommen, wird 
durch die mineralogischen Untersuchungen in anderen Vulkan- 
gebieten wahrscheinlich; wie denn auch die Gegenwart des 
Labradors als constituirenden Plagioklases in der Lava des 
Vulkans von Purace durch Deville (Kieselsäurebestimmung 
des ausgeschiedenen Plagioklases =55,40; des Gesteins 60,80) 
nachgewiesen worden ist. — Der Labrador constituirt im Hoch- 
lande von Ecuador theils Auswürflinge, welche den Tuffen 
inneliegen, theils Laven. Ein Beispiel des ersteren Vorkom- 
mens bietet ein trachy ti s cb er Auswürfling aus den 
„Tuffen von Calacali", unfern Pomasqui, 2 d. Meil. 
nördlich von Quito. Die Bimsteintuffe von Calacali (4 d. Meil. 
nördlich der Hauptstadt, auf der linken südwestlichen Seite 
des Rio Esmeraldas gelegen), welche sich bis in die Gegend 
von Pomasqui verbreiten, schliesseu faust- bis kopfgrosse Blöcke, 
Bomben jenes Andesits ein, aus welchem die untersuchten 
Plagioklase stammen, — ein schönes Gestein, welches in einer 
feinkörnigen lichtgrauen Grundmasse weisse gestreifte Plagio- 
klase (bis 6 Mm. gross), zahlreiche schwarze Hornblende- 
prismen und Magneteisenkörnchen enthält. Kieselsäuregehalt 
des Gesteins == 62,03 pCt. 

Es wurde nur eine Analyse ausgeführt und das Natron 
aus dem Verluste bestimmt. Plagioklas aus dem Andesit von 
Pomasqui: 

Spec. Gew. 2,644 (bei 15^° C.). Glühverlust 0,11. 
Kieselsäure . . 55,86 Ox. = 29,79 
Thonerde . . . 28,10 13,13 

Kalk 10,95 3,13 

Natron. . . . . 5,09 1,31 
100,00 

Sauerstoffproportion 1,014 : 3 : 6,807. 



Diese Mischung entspricht einem aus 1 Mol. Albit und 
2 Mol. Anortbit gebildeten Plagioklas , d. h. einem Labrador, 
dessen berechnete Mischung die folgende sein würde: 

Kieselsäure 55,53. Thonerde 28,49. Kalk 10,35. 
Natron 5,73. 

In der von Wolf mir verehrten Gesteinssammlung befindet 
sich aus denselben trachytischen Tuffen von Calacali ein recht 
merkwürdiges Trachytgestein mit der Etiquette ,,Einschluss 
in einem Trachytblock aus den Tuffen (in einer Que- 
brada- Schlucht) östlich von Pomasqui." Es ist ein Ge- 
steinsstück, welches gleich den vesuvischen Auswürflingen von 
1872 zwar nicht dem ersten oberflächlichen Blick, wohl aber 
der genauen Betrachtung mittelst der Lupe eine sehr inter- 
essante Mineralassociation darbietet. Das Gestein, von röthlich- 
grauer Farbe, ist von körnig-drusiger Beschaffenheit, hierin 
den Auswürflingen anderer Vulkangebiete, z. B. des Laacher 
Sees verwandt. Das Pomasqui-Gestein ist feinkörnig, sodass 
die einzelnen krystallinischen Theile nur etwa 1 Mm. Grösse 
erreichen , und besteht aus Plagioklas, Sanidin, röthlichbraunen, 
nicht glänzenden kleinen Prismen von Hornblende, Eisenglanz 
und Tridymit. Letzteres Mineral ist, zwar vorzugsweise deut- 
lich ausgebildet in den kleinen Drusenräumen, doch auch in 
der Grundmasse vorhanden, von schneeweisser Farbe und zier- 
lichster Bildung in einfachen, Zwillings- und Drillingstafeln, 
überaus häufig, so dass es einen wesentlichen Theil der Masse 
constituirt. Die Bestimmung der röthlichbraunen Prismen ist 
schwierig, da eine scharf begrenzte äussere Form nicht vor- 
handen , vielmehr durch Rundung undeutlich. Deutlich kann 
man schon mit der Lupe wahrnehmen, dass die röthlichbraune 
Färbung nur der in unzählige feinste Fasern sich auflösenden, 
mit Magneteisen - Punkten innig gemengten Hülle der Horn- 
blendekrystalle angehört, während das Innere dunkel und glän- 
zend im Bruch erscheint. Unter dem Mikroskop erkennt und 
unterscheidet man leicht den Sanidin und den Plagioklas, wäh- 
rend der Tridymit und die Hornblende unser besonderes Interesse 
auf sich ziehen. Nachdem ich das mikroskopische Verhalten 
des Tridymits an losgelösten Täfelchen beobachtet, fand ich 
ihn leicht allenthalben in der Grundmasse auf. Der Tridymit 
stellt sich unter dem Mikroskop bei 450facher Vergrösserung 



322 



als ei» feinmaschiges Netz dar, dessen einzelne Maschen ge- 
rundet, ziemlich unregelmässig, nur zuweilen einen hexagonalen 
Umriss erkennen lassen. Die einzelnen kleinsten Täfelchen, 
welche als Maschen des Netzes erscheinen , sind zuweilen 
gleich Schuppen übereinander gelegt. So bestätigt sich hier 
in überraschender Weise die mikroskopische Charakteristik des 
Tridymits, welche wir Zirkel verdanken (F. Zirkel, die mi- 
krosk. Beschaffenh. d. Min. u. Gest. pag. 111). Einen recht 
eigentümlichen Anblick gewähren unter dem Mikroskop die 
Hornblendekrystalle. Sie besitzen nur einen kleinen, durch- 
scheinenden, braunen Kern, welcher beim Drehen des Nicols 
eiuen lebhaften Farbenwechsel zeigt, während die äussere 
Hülle, an Masse den Kern mehrfach übertreffend, schwarz und 
undurchsichtig ist und sich als ein Aggregat kleinster Magnet- 
eisenkörnchen (vielleicht mit Eisenglanz gemengt) darstellt. 
Diese Verunreinigung der Hornblendekrystalle mit Magnet- 
eisenpunkten ist nach Herrn Prof. Zirkel, welcher die Güte 
hatte, das in Rede stehende Präparat zu prüfen, zwar eine 
gewöhnliche Erscheinung in den Trachyten , doch in dem 
Maasse, wie es hier in dem Tridymit - führenden Einschluss 
vorliegt, wohl noch nicht beobachtet. 

Nicht auf diesen Block aus den Calacalituffen ist der 
Tridymit beschränkt (wenngleich das Mineral hier in grösster 
Menge vorkommt), vielmehr fand Wolf ihn (1872) gleichfalls 
in einem Trachytblock im Thal von Tumbaco auf (24 d. Meil. 
ONO von Quito). Auch enthält ein rother Andesit vom Chimbo- 
razo in Poren sehr kleine weisse aus Täfelchen bestehende Zu- 
sammenhäufungen, welche — bereits durch Wolf vermutungs- 
weise als Tridymit bestimmt — durchaus an die Erscheinungs- 
weise dieses Alinerais in vesuvischen Auswürflingen vom 
Jahre 1822 (Pogg. Ann. Bd. 147 pag. 280) erinnern. 

An den Plagioklas von Pomasqui reiht sich in Bezug auf 
seine Zusammensetzung sehr nahe an derjenige aus einer 
„andesitischen Lava von einem grossen Lavastrom zwischen 
Riobamba und dem Tunguragua, linke Seite des Rio Chamba, 
von Langlangchi; Strom säulenförmig zerklüftet, die Säulen 
in dünne Platten abgesondert 44 . Ueber das Vorkommen giebt 
Wolf in einem Briefe folgende nähere Nachricht. „Wo der 
Weg von Riobamba nach dem Tunguragua sich in dem vulka- 
nischen Tuffe stark abwärts nach dem Rio Chambo ueigt, 



323 



steht plötzlich links eine hohe senkrechte Lavawand an, das 
Ende eines Stromes, der sich als langgezogener, mit Tuff be- 
deckter Rücken weit gegen Westen auf das Plateau von Rio- 
bamba hinauf verfolgen lässt. Die Ausbruchsstelle ist mit 
Tuff bedeckt, aber der Strom scheint von keinem der hohen 
Berge der Gegend herzukommen, sondern in der Ebene aus- 
gebrochen zu sein. Der gewaltige Strom hat in der Mitte die 
Höhe von wenigstens 30. M. und eine sehr bedeutende Breite 
(fast - Stunde); er ist unten in 2 bis 3 M. dicke Pfeiler ab- 
gesondert, die sich nach oben in dünnere Pfeiler spalten. Die 
Oberfläche des Stroms ist ganz unregelmässig in kleine Stücke 
zerklüftet. Er zeigt mit einem Worte die Absonderung der 
Niedermendiger Mühlsteinlava. Unten und noch in der Mitte 
hat der Andesit porphyrartige Textur, nach oben wird er 
immer dichter und damit dunkler (mit sehr kleinen Feldspathen), 
bis er zuletzt an der Oberfläche in poröse schlackige Lava 
übergeht. Der ganze Höhenzug auf der linken Seite des Rio 
Chambo, von dem grossen Lavastrom an bis eine Stunde weiter 
unten, heisst Langlangchi , die Felswand selbst nannten die 
Indianer Pungaltuz." 

Die Lava enthält in einer schwärzlichgrauen Grundmasse 
sehr zahlreiche wasserhelle, tafelförmige Plagioklase, welche 
mit der Fläche des Brachypinakoids M annähernd parallel 
liegen. Die Gesteinsmasse schliesst nicht unmittelbar fest an 
diese Plagioklase an, sie lässt vielmehr einen feinen Zwischen- 
raum, welcher mit fasriger, fast bimsteinähnlicher Masse erfüllt 
ist. So liegen auch die Sanidine in der trachytischen Lava 
des Arsostroms , Ischia. — Ausserdem ist bräunlichschwarze 
Hornblende (fest von der Grundmasse umschlossen) vorhanden 
und fein zertheiltes Magneteisen; weder Augit noch Olivin. 
Unter dem Mikroskop löst sich die Grundmasse in ein äusserst 
feinkörniges Gemenge von Plagioklas neben nur wenig amor- 
pher Grundmasse auf. 



324 



Plagioklas aus der Andesitlava von Langlangchi: 
Spec. Gew. 2,604. Kein Glühverlust. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure . 


. 55,64 




55,64 


Ox. = 29,67 


Thonerde . . 


. 2&,23 


^28,15 


28,19 


13,16 


Eisenoxydul . 


. 0,82 


0,92 


0,87 


0,19 


Kalk 


. 10,07 


9,52 


9,79 


2,80 


Magnesia. . . 


. 0,19 


nicht best. 


0,19 


0,07 


Kali 




0,63 


0,63 


0,11 






5,48 


5,48 


1,41 



100,79 



Wenn wir vom Eisen absehen, welches von eingernengtem 
Magneteisen (vielleicht nebst etwas Eisenglanz) herrührend 
der Constitution des Plagioklas nicht angehört, so ergiebt 
sich die 

Sauerstoffproportion 1,00 : 3 : 6,76. 

Es stimmt die gefundene Zusammensetzung sehr nahe 
überein mit einer isomorphen Mischung von 1 Mol. Albit -f - 
2 Mol. Anorthit. Der Plagioklas von Langlangchi ist dem- 
nach ein Labrador, fast genau von der Zusammensetzung des- 
jenigen von Pomasqui. Die beiden letzteren Analysen liefern 
den Beweis , dass auch Labrador in den ecuadorischen Ande- 
siten als constituirender Gemengtheil auftrete. Es bestätigt 
sich demnach für diese Gesteine die von Prof. J. Roth ge- 
äusserte Ansicht (s. Beiträge z. Petrogr. der pluton. Gesteine, 
Sep.-Abdr. pag. 192), „dass eine stetig fortlaufende Reihe 
(zwischen Andesit und Dolerit) vorhanden ist." Die Verbrei- 
tung des Labradors in den Andesiten und in den Daciten 
oder Quarz- Andesiten ist vorzugsweise durch Dr. Dölter in 
seinen mühevollen und wichtigen Arbeiten über die quarzfüh- 
renden Andesite in Siebenbürgen und Ungarn (Miner. Mittheil., 
ges. von Tschermak, 1873 2. Heft) und über die Trachyte des 
Siebenbürgischen Erzgebirges (ibid. 1874 1. Heft) nachgewiesen 
worden. 

Die Frage liegt nahe, weshalb wir die dunkle Labrador- 
führende Lava von Langlangchi nicht gleich den Aetnalaven 
zu den doleritischen Gesteinen rechnen? Indess durch die 



325 



zahlreichen Hornblendekrystalle, sowie das Fehlen von Augit 
und Olivin , welche neben Labrador die Aetnalaven charak- 
terisiren, unterscheidet sich die ecuadorische Lava sehr we- 
sentlich von der ätnäisehen. 

Der Andesit von Toluca in Mexico. 

Das Vulkangebirge von Toluca mit seinem Kratersee und 
seinen beiden in die Schneeregion aufragenden Gipfeln — der 
Pico del Fraile erreicht nach v. Humboldt 4620 M. , nach 
Burkart 15,262 engl. Fuss — liegt in der Mitte jenes durch von 
Humboldt's Arbeiten so berühmten „Parallel's der mexika- 
nischen Vulkane' 4 , etwa 10 d. M. SO. von der Hauptstadt. (Ueber 
den Nevado de Toluca, vergl. Jos. Bürkart, „ Aufenthalt und 
Reisen in Mexico in den Jahren 1825 — 1834" Bd. I.; sowie 
Pieschel, „Ueber die Vulkane von Mexico 44 in Zeitschr für 
allgem. Erdkunde Bd. VI. pag. 80 — 91 ; v. Humboldt, Kosmos 
Bd. IV. pag. 313, 470.) Das Gestein, welches mir zur Unter- 
suchung diente, stammt nicht vom hohen Vulkankegel selbst, 
sondern aus dem Thale von Toluca, woselbst es von dem ver- 
ewigten, verdienstvollen Geh. Bergrath Dr. Burkart 2 Stund, 
östl. von Istlahuaca , am Wege nach Mexico geschlagen wurde 
(s. Burkart a. a. O. pag. 179). — Das Gestein ist ein An- 
desit von ungewöhnlicher Schönheit. In der lichtgrauen dichten 
Grundmasse heben sich die schneeweissen, bis 5 Mm. grossen 
Plagioklase vortrefflich ab; sie tragen eine deutliche Streifung; 
ausserdem schwarzer Biotit und bräunlichschwarze Hornblende; 
einzelne gelbe Olivinkörner und ganz vereinzelte rundliche 
Quarzkörner. Schon G. Rose erkannte, dass der Feldspath 
des Toluca - Gesteins gestreifte Spaltungsflächen darbietet und 
stellte dasselbe zu seiner dritten Abtheilung der Trachyte, 
„welche viele kleine Oligoklas-Krystalle mit schwarzer Horn- 
blende und braunem Magnesiaglimmer enthalten 44 . 

Kieselsäuregehalt des Gesteins 
= 66,85 pCt. 



Zeits.d. D.geol. Ges. XXVII. 2. 



22 



326 



PJagioklas aus dem Andesit von Toluca: 

Spec. Gew. 2,615 (19 C). Glühverlust 0,06. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure . 


. 59,79 




59,79 


Ox. - 31,888 


Thonerde . . 


. 25,54 


25,33 


25,43 


11,406 


Kalk 


. 7.37 


7,46 


7,41 


2,117 


Kali 




0,64 


0,64 


0,109 


Natron . 




7,24 


7,24 


1,869 








100,51 





Sauerstoffproportion 1,077 : 3 : 8,387. 



Dieser Plagioklas ist demnach als ein Andesin zu be- 
trachten, dessen Mischung sehr nahe durch eine Verbindung 
von 1 Mol. Albit mit 1 Mol. Anorthit dargestellt wird. Siehe 
oben Plagioklas von Mojanda. 

Der Obsidian-ähnliche Andesit von Conejos 
am Rio grande del Norte, Colorado. 

Wo der Rio grande den 37. Grad nördlicher Breite, d. h. 
die Grenze zwischen den Territorien Colorado*) und New 
Mexico überschreitet , dehnt sich ein Gebiet vulkanischer Ge- 
steine aus, von denen ich mehrere Proben durch die Gefällig- 
keit des Herrn G. Jung jun. aus Köln erhielt. — Der Rio 
grande, etwa unter 37° 40' nördl. Breite und 106° 35' westl. 
Länge von Greenwich entspringend, fliesst zunächst ca. 15 d. 
Meil. gegen Südost, wendet sich dann, nachdem er in eine 
weite Thallandschaft, den San Luis Park, eingetreten, gegen 
Süd bis zur Grenze der Republik Mexico, um dann in länder- 
scheidendem Laufe gegen Südost den mexikanischen Golf zu 
erreichen. Etwas unterhalb jener Stromwendung, noch im 
Gebiete des San Luis Park nimmt der Strom drei von Osten 
kommende Nebenflüsse auf, den Rio Trenchera, Culebra und 
Costilla. Vor ihrer Vereinigung mit dem Rio grande treten 
diese drei Flüsse in das Gebiet der vulkanischen Bildungen 
ein, ein Territorium, welches vorzugsweise aus Trachyt in 
meist vertical stehenden , mehrere Fuss bis wenige Zoll im 
Durchmesser haltenden Säulen besteht. In diesem eigenthüm- 
lichen Gebiete versinken die genannten Flüsse, so dass nur 



*) Anmerkung bei der Correctur: „jetzt ein Staat". 



327 



ihre Canons — Felsenschluchten — , welche mit Ausnahme 
einiger Tage im Frühjahr wasserleer sind, zu dem mehrere 
hundert Fuss in die Ebene eingeschnittenen Thale des Rio 
grande ziehen. Das Gestein dieser säulenförmigen Trachyt- 
bilduug ist Andesit. Aehnliche vulkanische Gesteine finden 
sich zwischen der Stadt la Costilla, welche den neuesten Mes- 
sungen zufolge genau auf der Grenze zwischen Colorado und 
New -Mexico liegt, und Elizabethtown , einem Städtchen, in 
dessen Nähe reiche, von einer englischen Gesellschaft betrie- 
bene Goldwäschen sich befinden. An dem bezeichneten Punkte 
bildet der Andesit einen 300 bis 400 Fuss hohen , in senk- 
rechte Säulen abgesonderten Kegel , den Comanche Rock , an 
dessen Fuss sich zwei Bäche vereinigen und den Rio Costilla 
bilden. Einige Meilen weiter in der Richtung auf Elizabeth- 
town erscheint der Andesit in äusserst zierlichen, nur 2 bis 
10 Cm. dicken Säulen. — Der obsidianähnliche Andesit, dessen 
ausgeschiedene Plagioklaskrystalle eine gesonderte Analyse 
gestatteten, steht an auf der rechten Seite des Rio del Norte, 
4 engl. Meilen von der Mündung des Rio Culebra entfernt, 
unfern des Städtchen Sant' Antonio. Dies Gestein zeigt in 
schwarzer, obsidianartiger Grundmasse zahlreiche weisse, deut- 
lich gestreifte Oligoklase, 2 bis 3, selten bis 10 Mm. gross. 
Ausserdem sind wenig zahlreiche, 2 bis 3 Mm. grosse bräunlich- 
schwarze Biotitblättchen wahrnehmbar. — Unter dem Mikro- 
skop zeigt die Grundmasse dieses Gesteins in ausgezeichneter 
Weise jene Bewegungs - Erscheinungen , welche zuerst von 
E. Weiss an einem Perlstein von Ungarn erkannt und dar- 
gestellt (s. Beiträge zur Kenntniss der Feldspathbildung. Ge- 
krönte Preisschr. Harlem 1866. pag. 142. 143, Taf. I. f. 15.), 
dann selbstständig von dem früh vollendeten Prof. H. Vogelsang 
aufgefunden und unter dem Namen Fluidalstructur ausführlich 
beschrieben wurde (s. Philosophie d. Geol. u. mikrosk. Ge- 
steinsstudien, 1867 pag. 138 Taf. I — IV.). Die bräunliche 
amorphe Grundmasse, welche durch kleinste Mikrolithe und 
Magneteisenpunkte eine fluthende und strömende Bewegung 
andeutet, umschliesst ausser Plagioklasen mit deutlichster 
Zwillingsbildung Biotit, Augit und Hornblende. Die Associa- 
tion dieser beiden letzteren Mineralien (hier mit vorwiegendem 
Augit) reiht sich demnach den oben mitgetheilten Beobach- 
tungen über ecuadorische Andesite an. 

22* 



328 



Kieselsäuregehalt des Gesteins 

= 63,73 pCt. 

Plagioklas aus dem obsidianähnlichen Andesit von Conejos: 



Spec. Gew. 2,631. Glühverlust 0,16. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure . 


. 61,88 




61,88 


Ox. = 33,003 


Thonerde . . 


. 23,96 


24,41 


24,18 


11,290 


Kalk 




4,62 


4,79 


1,369 


Kali 




2,50 


2,50 


0,424 


Natron . . . 




6,95 


6,95 


1,794 








100,30 





Sauerstoffproportion 0,958 : 3 : 8,77. 



Dieser Plagioklas ist demnach ein Oligoklas , welcher 
allerdings sich etwas dem Andesin (1 Mol. Albit -j- 1 Mol. 
Anorthit = 1:3:8) nähert. Wir erhalten eine der gefundenen 
ähnliche Mischung durch eine isomorphe Verbindung von 3 Mol. 
Albit + 2 Mol. Anorthit =. 

Kieselsäure 61,915. Thonerde 24,12. Kalk 5,25. 
' Natron 8,725. 

Wie Vieles wird die Kenntniss der vulkanischen Gesteine 
gewinnen, wenn die Trachyte New Mexico's, Nevada's, Cali- 
fornien's und Oregon's einer eingehenden mineralogischen und 
chemischen Untersuchung dereinst unterworfen werden, für 
welche die wichtigen Arbeiten v. Richthofen's (s. diese Zeit- 
schrift Bd. XX. pag. 663 — 726) den Grund gelegt haben. 

Anmerkung. Wenig bekannt dürfte es sein , dass der 
granitische Pike's Peak in Colorado (14216 F.), einer der 
höchsten und am Weitesten gegen Ost vorgeschobenen Gipfel 
des Felsengebirges , reich ist an schönen Mineralien. Herr 
G. Jung, welchem ich auch die obigen Mittheilungen verdanke, 
hatte die Güte, mir grosse Orthoklaszwillinge nach dem Carls- 
bader Gesetze von fleischrother Farbe zu zeigen, sowie schöne 
Krystalle von grünem Feldspath, sogen. Amazoneustein (einen 
ca. 4 Cm. grossen Krystall mit den Flächen T = ocP , z — 
(ocP3), M = (ooPoo), P = oP , y = 2Poo). Noch über- 
raschender war mir das Vorkommen von grossen Epidot- 
krystallen, welche denjenigen von Arendal sehr ähnlich sind. 



329 



Diesen zehn Plagioklasen aus amerikanischen Trachyten 
reihen wir zwei andere an : aus dem Trachyt der Perlenhardt 
im Siebengebirge und aus einer hauynführenden Lava von 
Palma (Canarische Inseln). 

Trachyt der Perlenhardt. 
Nachdem für eine Reihe von Trachyten aus fernen Län- 
dern die chemische Natur des constituirenden Plagioklases 
ermittelt war, schien es geboten, die gleiche Aufgabe, wenig- 
stens für eine der ausgezeichnetsten Varietäten der Sieben- 
gebirgsgesteine zu lösen, damit nicht das Ferne genauer be- 
kannt sei als das Heimische. Bisher war durch gesonderte 
Analyse noch für keinen Plagioklas, welcher als wesentlicher 
Gemengtheil eine Trachytvarietät des Siebengebirges bildet, die 
chemische Mischung erforscht worden. Die Annahme eines 
sogen. ,,Kali- Albits vom Drachenfels 4 ' durch Abich*) beruht 
nämlich nicht auf, der Analyse ausgesuchter Krystallkörner, 
sondern der mit Chlorwasserstoffsäure zuvor behandelten 
Grundmasse. Besondere Schwierigkeiten bieten sich allerdings 
bei dem Versuche, die Plagioklaskörner unserer Trachyte 
mechanisch zu sondern. Für die Andesite von der Wolken- 
burg und dem Stenzelberg erscheint wegen ihrer Feinkörnig- 
keit die Aufgabe fast unmöglich. Günstiger liegt die Sache 
bei dem so ausgezeichnet porphyrartigen „Sanidin - Oligoklas- 
oder Drachenfelser Trachyt", welcher ausser dem berühmten, 
burggekrönten Fels am Rhein den Gebirgskamm vom Schallen- 
berge bis zum Lohrberge und namentlich den östlichsten 
Vorhügel des Gebirges, die Perlenhardt, bildet. Die lichte 
Grundmasse des Trachyts vom Drachenfels, von welcher sich 
die weissen Plagioklaskörner nur wenig abheben, macht auch 
für diese Gesteinsvarietät die Aussonderung schwierig. Leichter 
ist es bei der Varietät der Perlenhardt , aus deren grauer 
Grundmasse die Plagioklase deutlich hervortreten. Durch 
ausserordentliche Grösse der Sanidine (bis 6 Cm.) ist zudem 
dies Gestein das ausgezeichnetste unter den Trachyten unseres 
Gebirges. Die Plagioklaskörner erreichen zuweilen eine Grösse 
von 5 Mm. und lassen nicht selten eine deutliche Streifung 



*) Abich, „Ueber die Natur und den Zusammenhang der vulkanischen 
Bildungen", Tabelle zu pag. 7. (Braunschweig 1841.) 



330 



erkennen. Neben Biotit und Hornblende ist schwärzlich- 
grüner Augit vorhanden und im mikroskopischen Schliff auf 
das deutlichste zu erkennen. Die Hornblende von brauner 
Farbe ist mit einem Saume von Magneteisenpunkten umgeben, 
welche den lichtgrünen Augitdurchschnitten fehlt. Viel Titanit. 
In sehr zahlreichen Drusen und kleinsten Hohlräumen : Quarz*) 
Tridymit, Magneteisen, Eisenglanz; dazu auch kleine, frei aus- 
gebildete, leider mattflächige Plagioklase. 

Tridymit und Quarz finden sich in Drusen dieses Trachyts 
stets gemeinsam, als eine scheinbar gleichzeitige Bildung. Das 
Gestein ist reich an Einschlüssen feinkörniger Trachytvarie- 
täten, und um diese Einschlüsse sind namentlich die eben ge- 
nannten Mineralien in sehr kleinen Krystallen ausgebildet. 

Der Kieselsäuregehalt des Gesteins beträgt 

= 64,56 pCt. 

Es konnten zu der folgenden Analyse nur 0,3345 gr. 
angewendet werden. 



*) Die zierlichen Quarze in den Hohlräumen des Trachyts der 
Perlenhardt haben gewöhnlich eine recht symmetrische Ausbildung . ihr 
Typus ist dihexaedrisch, mit niedrigem Prisma (xR), Die Kanten zwi- 
schen Dihexaeder und Prisma sind fast stets durch glänzende Flächen 
abgestumpft. Die Neigung dieser ein vollflächiges Dihexaeder bildenden 
Abstumpfungsflächen zu den Flächen R resp. — R beträgt 169-]°; woraus 
das Zeichen *R, — | R. Es sind dies zwei von Des Cloizeaüx aufge- 
fundene Formen, und zwar ^R = e 8 an zwei Krystallen von Traver- 
sella, einem aus Brasilien und einem von Ala; — §R = ef, an vielen 
Krystallen von Traversella und aus dem Wallis. — Die Ausbildung die- 
ser Krystalle aus dem Trachyt der Perlenhardt ist sehr ähnlich derjenigen 
der kleinen Quarze in Schmelzdrusen einiger Laven des Laacher Gebiets, 
welche von Dr. Joh. Lehmann aus Königsberg aufgefunden, bestimmt und 
in seiner wichtigen Schrift „Ueber die Einwirkungen eines feurigflüssigcu 
basaltischen Magma's auf Gesteins- und Mineraleinschlüsse" (s. Verhandl. d. 
naturh. Vereins d. preuss Rheinl. u. Westf., 31. Jahrg. p. 1 — 40) beschrieben 
worden. Auch jene kleinen Laven-Quarze bieten das spitze durch dieRhom- 
boeder rb£R gebildete Dihexaeder dar. Sehr treffend sagt Joh. Lehmann 
über ihre Bildung: „An eine Infiltration kieselsäurehaltiger Wasser in 
diese Drusenräume ist hier nicht zu denken, da die Quarze in engster 
Verbindung mit grünen Augitnädelchen vorkommen, zum Theil von ihnen 
überlagert werden und in diesen Drusenräumen sich überhaupt keine 
Spur der gewöhnlichen Infiltrationsproducte findet." Auf die Analogie 
der Laacher Laven-Quarze mit denjenigen aus dem Trachyt der Perlen- 
hardt weist bereits Herr Jon. Lehmann hin. 



331 



Plagioklas aus dem Trachyt der Perlenhardt: 

Spec. Gew. 2,576. Glühverlust 0,44. 

Kieselsäure .... 62,18 Ox. - 33,16 

Thonerde 23,52 10,98 

Kalk 5,33 1,52 

Natron .... . . (8,97)» *) 2,31 

100,00 

Sauerstoffproportion 1,048 : 3 : 9,065. 

Dieser Feldspath ist demnach ein Oligoklas von nahe 
gleicher Mischung wie derjenige aus dem obsidianähnlichen 
Trachyt von Conejos (s. oben pag. 328). Der Trachyt der 
Perlenhardt und so ohne Zweifel auch das durchaus ähnliche 
Gestein des Drachenfels sind demnach in der That „Sanidin- 
Oligoklas-Trachyte". 

Hauynf ü hr end e Lava von der Insel Palma. 

Unter den Gesteinsproben der Canarischen Inseln, welche 
das naturhistorische Museum unserer Universität dem Herrn 
Dr. Reiss verdankt, befindet sich ein sehr interessantes Ge- 
stein von der Insel Palma, welches theils durch seinen Gehalt 
an tiefblauem Hauyn , theils durch deutlich auskrystallisirten 
Plagioklas ein ungewöhnliches Interesse beansprucht. Dr. Reiss 
erwähnt in seiner verdienstvollen Beschreibung der Insel („Die 
Diabas- und Lavenformation der Insel Palma 44 , 1861) pag. 32 
das in Rede stehende Gestein mit folgenden Worten: „In 
einer schwarzen , glasigen , von vielen kleinen Poren durch- 
zogenen Grundmasse liegt eine grosse Menge tafelförmiger 
Krystalle eines gestreiften Feldspath's (Labradorit oder Oligo- 
klas?); viel Hauyn in kleinen Körnern und Hornblende finden 
sich eingesprengt, selten Titanit. Die Grundmasse dieses 
Gesteins gleicht vielen Tenerife- Laven; — sollte es vielleicht 
eine Oligoklaslava sein, die ja Deville auf Tenerife nachge- 
wiesen hat?" Dies Gestein findet sich in losen Blocken in 
grosser Menge auf den basaltischen Strömen, welche von der 
Cumbre vieja, dem bis 6500 Fuss emporsteigenden , den süd- 
lichen Theil der Insel durchziehenden Gebirgsrücken herab- 



') Aus dem Verluste, 



332 



stürzen. Das Gestein dieser Lavaströme enthält nach Dr. 
Reiss in poröser etwas glasiger Grundmasse: Olivin, Horn- 
blende und Magneteisen. Ueber die hauynführenden Laven 
von Palma s. ferner v. Fritsch und Reiss, Geolog. Beschreib, 
von Tenerife pag. 367 — 370. Die Plagioklaskrystalle mit 
deutlich gestreiften Spaltungsflächen erreichen eine Grösse bis 
3 Mm. Die Hauynkörner, bis £ Mm. gross, zeigen einzelne 
lebhaft glänzende Krystallflächen (oo 0). Besonders gerne 
scheiden sie sich innerhalb oder in Berührung der Plagioklase aus. 
Unter dem Mikroskop stellt sich die Grundmasse der Lava we- 
sentlich aus Plagioklas-Mikrolithen gebildet dar, welche schöne 
Fluidalstructur zeigen. Darin liegen grosse zwillingsgestreifte 
Plagioklase und prachtvoll lichtblaue Hauyne, Hornblende und 
Magneteisen. Die Hauyne verhalten sich im polarisirten Lichte 
ganz wie amorphe Körper; keine Spur von Strichsystemen (wie 
sie von Rosenbüsch als charakteristisches Kennzeichen der 
Noseane nachgewiesen wurden ; s. Dessen vortreffliche „Mi- 
kroskop. Physiographie' 4 pag. 177) ist sichtbar. Die Hauyne 
sind im Gegensatz zu den anderen Gemengtheilen dieser Lava 
sehr rein von mikrolithischen Einschlüssen; sie selbst aber 
finden sich als kleinste, und dann beinahe farblose Kryställ- 
chen in den anderen Gemengtheilen, so in der Hornblende. 

Der Kieselsäuregehalt des Gesteins — 54,11 pCt. deutet 
schon an, dass der constituirende Feldspath nicht den kiesel- 
säurereichen Varietäten angehören kann. Den Schwefelsäure- 
gehalt der Hauynlava fand ich = 0,46 pCt. Da die Menge 
der Schwefelsäure im Hauyn etwa 12 pCt. beträgt, so ergiebt 
sich aus dem gefundenen Schwefelsäuregehalt der Lava, dass 
dieselbe etwa 3,8 pCt. Hauyn enthält. 



Plagioklas der 


hauynführenden Lava von 


Palma: 


Spec. Gew. 


2,694. 


Kein Gl 


ühverlust. 






I. 


IL 


Mittel 




Kieselsäure. . . 


55,64 




55,64 


Ox. = 29,67 


Thonerde . . . . 


29,10 


28,69 


28,89 


13,49 


Kalk 


10,73 


11,12 


10,92 


3,12 


Kali 




0,71 


0,71 


0,12 






5,09 


5,09 


1,31 








101,25 





Sauerstoffproportion 1,012 : 3 : 6,598. 



333 



Dieser Plagioklas ist demnach, gleich demjenigen des 
Trachyts von Pomasqm und der Lava von Langlanchi, La- 
brador und kann als eine isomorphe Mischung von 1 Mol. 
Albit mit 2 Mol. Anorthit betrachtet werden. — Die in der 
Lava von Palma vorliegende Association von Labrador mit 
Hauyn verdient wohl eine besondere Hervorhebung. Eines 
der ausgezeichnetsten Hauyngesteine erscheint unter den Aus- 
würflingen des Laacher Sees, ein Aggregat von Hauyn und 
Sanidin. Nosean, ein dem Hauyn nahestehendes und iso- 
morphes Mineral charakterisirt eine andere sehr gewöhnliche 
Art von Laacher Sanidin-Auswürflingen , sowie Sanidin - füh- 
rende Gesteine des Laacher Gebiets. In gleicher Weise ist 
Sodalith (ebenfalls dem Hauyn verwandt und isomorph) be- 
zeichnend für mehrere Sanidin - Trachyte des phlegräischen 
Gebiets. Nach diesen älteren Erfahrungen hätte man ver- 
muthen können, dass die Hauyn-Mineralien sich nur mit ortho- 
klastischem Feldspath vergesellschaften. Da wies Dr. Reiss 
in jener Palraa -Lava zuerst auf die Association von Hauyn 
mit einem Plagioklas hin. Aehnliche Gesteine wurden in 
grösserer Verbreitung durch die Herren v. Fritsch und Reiss 
auch auf Teneriffa aufgefunden und beschrieben (in ihrem treff- 
lichen Werke über diese Insel pag. 367 — 370). Es sind die 
hauynreichen Phonolithe des Guajara-Gebirgsstocks. Dieselben 
oder ähnliche Gesteine kommen auch in den Canadas - Bergen 
vor „besonders beim Espigon, auch in den Gängen beim Tiro 
del Guanche und unter den von der Maja aus in das Taoro- 
Thal ergossenen Lavaströmen. 44 Trikliner Feldspath , Hauyn, 
Hornblende, brauner Glimmer, Magnetit und — accessorisch 
— Titanit wurden durch die genannten Forscher als Gemeng- 
theile dieser Gesteine erkannt. — Auch aus dem rheinischen 
Vulkangebiet (im Sengelberg beim Dorf Salz, 1 d. M. südsüdwestl. 
Westerburg in Nassau) wurde vor Kurzem ein wesentlich aus 
triklinem Feldspath und Nosean nebst Nephelin, Hornblende, 
Magneteisen etc. bestehendes Gestein durch Dr. G. A. Bertels 
genau untersucht und „auf Wunsch des Hrn. Prof. Sandberger" 
mit dem Namen Isenit belegt. Es gelang Herrn Bertels, den 
constituirenden Plagioklas dieses Gesteins mechanisch zu tren- 
nen. Die Analyse ergab die Labradormischung (vergl. Würz- 
burger physik.-medic. Ges. N. F. VIII. Bd.). Noch sei er- 
wähnt, dass Prof. Rosenbusch in Augit-Andesiten von Grad- 



334 



Jakan und von Widodarin auf Java, welche Herr E. Stöhr 
sammelte, Nosean oder ein anderes Mineral der Hauyn-Gruppe 
neben Sanidin und Plagioklas nachwies. Indess schien es 
Herrn Rosenbusch, dass in den untersuchten javanischen Ge- 
steinen das reguläre Mineral der Hauyn-Gruppe wesentlich an 
das massenhafte Auftreten des Sanidins gebunden sei und 
sofort da verschwindet, wo die plagioklastischen Feldspathe 
entschieden vorherrschen (s. Rosenbusch, üb. einige vulc. Gest. 
von Java, Sep.-Abdr. aus d. Ber. d. naturforsch. Gesellscb. zu 
Freiburg i. B. 1871). 



Die folgende Tabelle enthält eine Zusammenstellung der 
analysirten Kalknatronfeldspathe, geordnet nach abnehmendem 
Gehalt an Kieselsäure, zunehmendem Gehalt an Thonerde und 
Kalk. Den betreffenden Analysen ist stets das Verhältniss 
der Molecüle von Albit und Anorthit beigefügt, welche in ihrer 
Verbindung eine dem untersuchten Plagioklase ähnliche Mi- 
schung ergeben. Diese berechnete Mischung ist, durch kleine 
Zahlen bezeichnet, zur Vergleichung mit den gefundenen Wer- 
then der Analyse hinzugefügt. 

(Siehe die Tabelle umstehend.) 

Erwägt man , dass die analysirten Plagioklase nicht etwa 
frei in Drusen auskrystallisirt, sondern aus der Grundmasse 
ausgeschieden sind, demnach eine vollkommen normale Mi- 
schung nicht zeigen können, erwägt man ferner, dass zuweilen 
nur kleine Quantitäten des sorgsam ausgesuchten Materials zur 
Verfügung standen, so darf gewiss die Uebereinstimmung der 
berechneten und der gefundenen Mischung als eine befriedi- 
gende bezeichnet werden. Es ist wohl nicht überflüssig, dies 
hier besonders (unter Hinweis auf Poggend. Ann. Bd. 144 
pag. 259) hervorzuheben , da vor Kurzem durch Herrn Des 
Cloizeaux auf Grund seiner optischen Untersuchungen der 
schönen Feldspath - Theorie Tschermak's, welche einen der 
wichtigsten Fortschritte der Wissenschaft in der neueren Zeit 
bezeichnet, in der bestimmtesten Weise widersprochen wurde. 
Nach Des Cloizeaux sollen die optischen Untersuchungen den 
Beweis erbringen, dass der Labrador keine Mischung von 
Albit und Anorthit sein könne, dass ebensowenig für den Oli- 
goklas jene Erklärung zulässig sei, dass wahrscheinlich der 



335 



Andesin nur ein zersetzter Oligoklas sei „comme Tont suppose 
quelques geologues , et notamment M. Ch. Saint-Claire De- 
ville". Herr Des Cloizeaux neigt im Gegensatz zu der 
Tschermak' sehen Theorie zu der Ansicht mehrerer franzö- 
sischer organischer Chemiker, dass die triklinen Feldspathe in 
folgender Weise sich aus einander ableiten : Anorthit -J- 1 Si0 2 
= Labrador. Labrador -|~ 1 Si0 2 = Andesin. Andesin 
-j- 1 Si0 2 ~ Oligoklas (für welchen, dieser Ansicht zufolge, 
die Sauerstoffproportion 1 : 3 : 10 anzunehmen wäre). Oligo- 
klas -f- 1 Si0 2 = Albit. ,,Chimiquement les deux explica- 
tions peuvent rendre compte des faits; naturellement je penche- 
rais plutöt pour celle des chimistes organiques, qui semble mieux 
appropriee ä la fixete des caracteres crystallographiques et op- 
tiques de chaque espece." (Briefl. Mitth.) — In vollkommener 
Werthschätzung der durch Des Cloizeaux jetzt gegebenen opti- 
schen Feldspath-Untersuchungen glaube ich doch, dass sie das 
Fundament der Tschermak' sehen Theorie nicht erschüttern kön- 
nen. In dem Vierteljahrhundert, welches verstrichen, seit Deville 
die Andesine von Marmato untersuchte und dieselben für mehr 
oder minder veränderte Oligoklase erklärte, sind, namentlich 
in Deutschland, sehr viele Plagioklase mit Andesin -Mischung 
untersucht worden , welche nicht als bloss veränderte Oli- 
goklase angesehen werden können. Eine langsam gereifte 
Frucht dieser Arbeiten ist die Kenntniss der Thatsache, dass 
in den Kalknatron -Feldspathen mit dem steigenden Gehalt an 
Kieselsäure auch das Natron steigt , während die Kalkerde 
sinkt, dass mit sinkender Kieselsäure die Kalkerde zunimmt, 
das Natron sich hingegen vermindert; es ergab sich ferner, 
dass die Sauerstoffproportion (CaO -j~ Na (> 0):Al 2 3 stets 
= 1 : 3 je nach der Genauigkeit der Analyse und der Reinheit 
der Substanz, während die Proportion der Kieselsäure, selbst 
bei tadelloser Arbeit , einem einfachen Verhältniss nicht ent- 
spricht. Es wurde ferner bewiesen, dass es einen kalkfreien 
Oligoklas ebensowenig gebe wie einen natronfreien Labrador. 
Mit diesen unbezweifelbaren Thatsachen , auf welchen die 
Tschermak' sehe Theorie beruht, ist jene oben angedeutete 
Ansicht der wachsenden Kieselsäure-Moleküle ganz unvereinbar; 
denn Anorthit -f- 1 Si0 2 ist eben nicht Labrador; und La- 
brador -f - Si0 2 ist nicht Andesin u. s. w. In chemischer 
Hinsicht ist die TsCHERMAK'sche Feldspath - Theorie durch 



336 



Kalknatron-Feldspathe aus 



Spec. Gew. Kieselsäure Thonerde 

Oligoklas Antisana 2,598 64,27 22,30 

Sphärulithlava 64,12 22,62 

Perlenhardt .... 2,576 62,18 23,52 

im Siebengebirge 61,91 24,11 

Conejos am Rio . . 2,631 61,88 24,18 
grande del norte 

Andesin Mojanda 2,666 60,48 25,35 

Ecuador 59,73 25,59 

Pululagua 2,659 59,39 26,08 

Ecuador 

Toluca 2,615 59,79 25,43 

Mexico 

„ Guagua Pichincha. 2,647 58,15 26,10 

rothes Gipfelgestein 58,48 26,49 

„ Guagua Pichincha . 2,620 59,1 26,1 
dunkles Kratergestein 

Tunguragua .... 2,627 57,8 26,75 

Ecuador 58,00 26,75 

Labrador Pomasqui 2,644 55,86 28,10 

Einschluss im Tuff 55,43 28,49 

Langlanchi 2,604 55,64 28,19 

Ecuador 

Insel Palma .... 2,694 55,64 28,89 



337 



Trachyten und Andesiten. 



Kalk Kali Natron 

3,12 2,11 7,90 
3,52 9,74 

5,33 nicht best. (8,97) 
5,25 8,73 

4,79 2,50 6,95 

7,25 0,08 7,28 
6,97 7,71 

8,20 0,22 6,74 

7,41 0,64 7,24 

9,05 nicht best. 6,70 
8,02 7,01 

8,85 0,5 5,5 

9,05 nicht best. (6,04) 

8,33 6,92 

10,95 nicht best. 5,09 

10,35 5,73 

9,79 0,63 5,48 

10,92 0,71 5,09 



Moleküle Kieselsäure 

Albit Anorthit des Gesteins 

5 2 77,01 

3 2 64,56 

3 2 63,73 
1 1 69,78 
1 1 65,16 
1 1 66,85 

4 5 62,99 
4 5 64,55 
3 4 61,48 
1 2 62,03 

1 2 nicht best. 

1 2 54,11 



338 



hundert Analysen so wohl begründet, dass wir ihrem Urheber 
zustimmen müssen, wenn er sie eine „Thatsache" und nicht 
eine blosse „Explication" nennt. — Diese Bemerkungen würden 
kaum nöthig erschienen sein, wenn nicht ein so ausgezeich- 
neter Forscher wie Herr Des Cloizeaux sich gegen eine 
Theorie , welche nach vielem Kampfe in Deutschland zu all- 
gemeiner Annahme gelangt ist, in so sehr bestimmter Weise 
ausgesprochen hätte. 

Ein Vergleich des Kieselsäuregehalts der verschiedenen 
Gesteine mit der Mischung der in ihnen ausgeschiedenen Pla- 
gioklase ist nicht ohne Interesse. Wir erkennen zwar , dass 
im Allgemeinen einem aciden Gesteine auch ein acider Feld- 
spath entspricht, dass die Sphärulithlava des Antisana mit 
77 pCt. Kieselsäure auch den sauersten Plagioklas und die 
Lava von Palma mit nur 54 pCt. Kieselsäure auch den ba- 
sischesten Plagioklas enthält; im Einzelnen sehen wir indess 
diese Abhängigkeit nicht überall zutreffen. So umschliesst das 
Mojanda- Gestein mit fast 70 pCt. Kieselsäure einen nicht ganz 
so säurereichen Plagioklas als das Gestein von Conejos mit 
63,7 pCt. Kieselsäure. 

Unter den constituirenden Plagioklasen der ecuadorischen 
Andesite waltet demnach der Andesin vor. Während die 
überaus Kieselsäure-reiche Sphärulithlava des Antisana Oligo- 
klas führt, kommen an demselben Vulkan auch Gesteinsvarie- 
täten vor, welche wesentlich Andesin führen zufolge einer 
Analyse Ch. St. Cl.-Deville's, Comptes rendus 48. 16. 1859. 
In Gesteinen des Chimbörazo wiesen sowohl Rammelsberg 
als Deville Andesin nach. Die in der WoLF'schen Sammlung 
befindlichen Chimborazogesteine gestatten keine mechanische 
Sonderung des Plagioklas. Unter dem Mikroskop zeigen drei 
mir vorliegende Chimbörazo- Andesite kleinste Mikrolithe von 
Plagioklas , welche wesentlich die Grundmasse constituiren ; 
dieselbe umschliesst etwas grössere, deutlich gestreifte Ande- 
sine sowie Augite und — viel seltener — Hornblenden. Feinste 
Magneteisen - Körner sind bald spärlicher, bald häufiger ein- 
gesprengt. — Nicht zu unterscheiden vom Chimbörazo sind 
die vorliegenden Gesteine und Dünnschliffe des erloschenen 
Vulkans Imbabura. Diese Andesite sind bald lichter bald 
dunkler und lassen makroskopisch nur späi liehe Augite und 



339 



noch seltener Plagioklase erkennen. Unter dem Mikroskop 
zeigen sie ein nur durch wenig amorphe Grundmasse verbun- 
denes Aggregat von kleinsten Plagioklasen, welche alle überaus 
deutlich die Zwillingsstreifung besitzen; Augit und Magnet- 
eisen. Auch von dem wenig bekannten Vulkan Cunru bei 
Ibarra liegen Gesteinsproben vor; sie sind etwas grosspor- 
phyriseher unter dem Mikroskop als die vorigen. Die Grund- 
masse tritt zurück vor den zahlreichen und grossen Plagioklas- 
Ausscheidungen ; daneben Augit, etwas Hornblende und Magnet- 
eisen. Der Cunru liegt nach Wolf's Angabe gegen Südost 
neben dem Imbabura. Seine Höhe 3338 M. Zwischen seinen 
drei Gipfeln liegt ein kleiner Kratersee, 3317 M. hoch. Noch 
ein zweiter Kratersee, die Francisco - Cocha, findet sich in 
2836 M. Höhe am Fusse des schönen Vulkans. 

Wenn ich aus der vorliegenden Sammlung ecuadorischer 
Andesite einen Schluss ziehen darf — derselbe wird auch be- 
stätigt durch briefliche Mittheilungen Wolf's — , so fehlen den 
ecuadorischen Vulkanen fast ganz jene krystallinisch-körnigen 
Auswürflinge, welche den Laacher See und in noch höherem 
Grade den Vesuv auszeichnen und dem Mineralogen ein so 
unerschöpfliches Feld der Forschung bieten; ja es ermangeln 
die ecuadorischen Andesite fast ganz der Drusenmineralien. 



In Humboldt's Kosmos Bd. III. pag. 462 lesen wir die 
Worte: ,,Da in der vulkanischen Hochebene von Quito Alles 
mit Trachyt, Trachytconglomeraten und Tuffen bedeckt ist, so 
war es mein eifrigstes Bestreben , irgend einen Punkt zu ent- 
decken , an dem man deutlich erkennen könne, auf welcher 
älteren Gebirgsart die mächtigen Kegel und Glockenberge auf- 
gesetzt sind oder um bestimmer zu reden , welche sie durch- 
brochen haben. 4 ' 

Die von Wolf mir verehrte Sammlung bietet mehrere 
Gesteine dar, welche augenscheinlich von höherem, vorvulka- 
nischem Alter zu denjenigen Formationen gehören, welche von 
den Vulkanen durchbrochen wurden. 

Zunächst verdient Erwähnung der Syenit von Punin zwi- 
schen Riobamba und dem Chimborazo, aus vorwaltendem Pla- 
gioklas, wenig Orthoklas, aus Quarz, Biotit, Hornblende be- 
stehend. Die Plagioklas - Körner bis 1 Cm. gross, sind von 



340 



graulichweisser , die Feldspathe von sehr licht röthlichweisser 
Farbe. Der Quarz theils in unregelmässigen Körnern, theils 
in gerundeten Dihexaedern. In diesem schönen Gesteine fin- 
den sich, wie ein von Wolf geschlagenes Handstück lehrt, 
dichtgedrängte, 2 — 5 Cm. mächtige Gänge einer feinkörnigen 
Syenitvarietät. In der Nähe dieses Syenits steht auch ein 
brauner Porphyrit an mit spärlichen Quarzkörnern, zahlreichen 
kleinen (bis 3 Mm.) Plagioklasen, einzelnen grünen Augiten 
und etwas Eisenglanz. Nach einer Bemerkung von Wolf 
scheint dieser Porphyrit gangartig im Syenit aufzutreten. — 
Diesem Porphyrit verwandt scheinen gewisse Gesteine zu sein, 
welche Wolf am nördlichen Fusse des Antisana bei Papal- 
lacta auffand und als quarzführende Porphyrite bezeichnete. 

Diese Gesteine sind von lichtgrauer Farbe und zeigen 
in dichter Grundmasse rundliche Körner von Quarz mit aus- 
gezeichnet muschligem Bruche, sowie Plagioklase mehrere 
Mm. gross. Eine der beiden vorliegenden Varietäten ist 
durch die tief rothe Färbung der grösseren Quarz- und Pla- 
gioklaskörner ausgezeichnet, während die daneben liegenden 
kleineren Körner beider Mineralien ungefärbt sind. Unter 
dem Mikroskop zeigen diese Porphyre eine vorherrschende, 
amorphe Grundmasse, darin gleichmässig vertheilt kleinste 
Magneteisenpunkte, ferner Plagioklase, Hornblende (mit Magnet- 
eisen erfüllt und umrandet) und einige grössere Quarzkörner. 
Diese letzteren von ganz unregelmässiger Form umschliessen 
Theile des Magma's. Auch dringt die Gesteinsmasse mit 
feinsten Mikrolithen in tiefen Buchten und kolbenförmigen 
Fortsetzungen in die Quarzkörner ein , sodass man durchaus 
den Eindruck gewinnt, dass sich dieselben aus dem Ge- 
steine wirklich ausgeschieden haben. — Diese merkwürdigen 
quarzführenden Porphyrite treten nach Wolf „in grosser 
Mannigfaltigkeit am Fusse der Vulkane auf, an den Abhängen 
der Cordilleren. Oft sind sie nicht porphyroidisch , sondern 
feinkörnig und lassen den Quarz nicht erkennen , so dass es 
dann schwer hält , sie vom Andesit zu unterscheiden. Ge- 
wöhnlich findet man sie zwischen dem Gneiss und Glimmer- 
schiefer der niederen Gebirge und den Andesiten der Hoch- 
cordilleren, selten auf dem Hochlande anstehend, weil dies 
von Tuff bedeckt ist. 4 ' 



341 



Alte Gesteine finden sich , wie die WoLF'sche Sammlung 
lehrt, auch in den vulkanischen Tuffen von Calacali: grosse 
Blöcke von scheinbar fast dichtem Grünstein „zwischen An- 
desitblöcken im vulkanischen Tuff, auf der linken Thalseite 
des Rio Esmeraldas. Auf der rechten Seite des Thals ist 
ganz in der Nähe der Grünstein bereits anstehend und hören 
die vulkanischen Tuffe auf." In dem sehr gleichartigen Ge- 
steine erkennt man einige grüne Augite sowie sehr kleine 
rundliche Körner von Plagioklas. Es scheint demnach ein 
Diabas vorzuliegen. Schliesslich mag noch ein Gestein hier 
hervorgehoben werden, welches in zweifacher Weise unsere 
Aufmerksamkeit erweckt, einmal da es aus einem fast ganz 
unbekannten Districte stammt, und dann wegen seiner petro- 
graphischen Beschaffenheit. 

Den sphärolithischen Pe chstei n von Oyacachi fand 
Wolf „am Fusse der Ostcordillere, auf der Grenze der Vulkan- 
gebilde mit Chlorit- und Glimmerschiefer; das Gestein kommt 
von einem Vulkan zwischen dem Antisana und Cayambe, näher 
dem letzteren als dem ersteren. Den Namen konnte ich nicht 
erfahren." *) 

Das Gestein ist von lebhaft brauner Farbe mit kleinen 
entglasten sphärolithischen Körnern. Die braune amorphe 
Grundmasse ist nicht ganz gleichartig. Aus der herrschenden 
Masse lösen sich rundliche oder linsenförmige Partien heraus, 
welche dem Gestein eine Anlage zu eutaxitischer Structur 
geben. Neben den Sphärolithen bemerkt man einige Plagio- 
klas-Körnchen. Unter dem Mikroskop stellt sich die Grund- 
masse dar als. gemengt aus etwas dunkleren und lichten Par- 
tien, welche vielfach gewunden innig mit einander verflösst 
sind. In dieser amorphen Masse treten Sphärolithe mit 
charakteristisch faserig - krystallinischer Structur auf. Auch 

*) „Jene Gegend ist noch ganz unbekannt, von hohem Interesse. 
Dr. Reiss und Dr. Stübel konnten nicht bis dorthin gelangen. Zwei 
Tage irrte " ich in Schnee und Regen auf den ausgedehnten endlosen 
Paramos in der Nähe des Sara Urcu (dieser ist kein Vulkan, wie man 
gewöhnlich glaubt, sondern besteht aus Gneiss und Glimmerschiefer) 
umher und kam endlich in die Baumregion des Ostabhangs hinunter, wo ich 
einige Hütten von Indianern traf, die ihre Ansiedelung, welche an einem 
rcissenden Zufluss des Rio Napo rcsp. des Amazonas liegt, Oyacachi 
nennen. Vor mir undurchdringliche und ganz unbewohnte Wildniss, 
hinter mir die frisch beschneiten Paramos, um mich Wilde, deren Sprache 
ich nicht verstand." ^Wolf.) 

Zelts. d. D.geol.Ges. XXVII. 2. 23 



342 



zeigen sich im Schliff zahlreiche Einschlüsse von Andesit, aus- 
gezeichnet durch sehr viele Plagioklas - Mikrolithe. — Der 
Wassergehalt des Gesteins wurde durch Glühen bestimmt. 
Andesitischer Pechstein von Oyacachi: 
Spec. Gew. 2,360 (bei 15£ C.). 

Kieselsäure . . . 73,61 
Thonerde .... 12,05 
Eisenoxyd. . . . 2,27 

Kalk 0,89 

Magnesia .... 0,20 

Kali 3,82 

Natron 4,34 

Wasser . . . . . 3,35 
100,53 

Dies Gestein besitzt demnach die Zusammensetzung 
typischer Perl- und Pechsteine, z. B. des Perlsteins aus dem 
Hliniker Thal bei Schemnitz oder des Pechsteins vom Monte 
Sieva in den Euganäen. 

Von demselben Fundorte, Oyacachi, sandte Wolf ein an- 
deres sehr merkwürdiges Gestein von rhyolithischem Ansehen, 
welches ,,an der Grenze zwischen vulkanischen Gesteinen und 
Glimmerschiefer vorkommt" und nach Wolf ,,ein vulkanisches, 
jedenfalls aber ein eruptives Gebilde zu sein scheint." Das 
Gestein ist lichtgrau, ähnelt gewissen Kieselsäuretrachyten 
(Rhyolithen) von Lipari und Ungarn, mit einer Neigung zu 
streifigem Gefüge. Es ist theilvveise breccienartig, doch die 
Einschlüsse von gleicher Art wie die Masse und auf das 
Innigste verbunden. Im frischen Zustande grau und auf dem 
Bruche schimmernd , chalcedonähnlich , durch Verwitterung 
weiss und von feinerdigem Ansehen. Das Gestein enthält 
zahlreiche Körner von Quarz, 1 bis 2 Mm. gross, spärliche 
kleine Feldspathkörner , etwas Biotit und unregelmässig ge- 
staltete, etwa 1 Mm. grosse Körner von rothem Granat, be- 
reits von Wolf bestimmt. Unter dem Mikroskop erkennt man 
ein unvollkommen sphärolithisches Gefüge. Die Sphärolithe, 
charakterisirt durch eine radialfaserige Zusammensetzung, haben 
indess hier keineswegs immer oder auch nur vorzugsweise eine 
rundliche Gestalt; gewöhnlich erscheinen sie sehr verlängert. 
Der Granat bildet keine wohl begrenzten Kry stalle, sondern 
zeigt sehr unregelmässig ausgebuchtete Umrisse. 



343 



An den Landstrich aus welchem diese Gesteine stammen 
knüpft sich noch ein besonderes Interesse, da in demselben 
der' noch unbekannte Vulkan Guacamayo liegt, von welchem 
es nicht unwahrscheinlich ist, dass aus seinem Krater die 
Asche geschleudert wurde, ,, welche am 7. December 1843 zu 
Quito in grosser Menge fiel, so dass sie die Dächer 1 Zoll 
hoch bedeckte. Die Aschenwolken kamen über die Ostcordillere 
hergezogen, und es ist mir wahrscheinlich, dass dieselben vom 
Guacamayo herrührten, einem noch nie untersuchten, 3 Tage- 
reisen hinter der Ostcordillere unten (gegen Napo zu) gele- 
genen Vulkan , dessen schönen Kegel man bei klarem Wetter 
von den Päramos des Antisana sehen kann. — Sicher ist, 
dass sich damals alle bekannten Vulkane des Hochlandes 
ruhig verhielten. 4 ' (Etikette Wolf's zu einer Probe jener 
grauen Asche.) 

II. Ueber die Gesteine des Monzoni. 

Wenige Berge der Erde nehmen in gleichem Maasse das 
Interesse des Geologen in Anspruch, wie der Monzoni im süd- 
östlichen Tyrol. Der Berg ist trotz seiner Höhe von 8573 F. 
(2786 M.) etwas versteckt, indem höhere Gebirge, namentlich 
Dolomitgipfel mit ihren charakteristischen kühnen Felsformen 
ihn umringen, sodass man von keiner Stelle der Thalsohle 
des Avisio den berühmten Berg erblickt. Um des Monzoni 
ansichtig zu werden, muss man das Hauptthal von Fassa ver- 
lassen und in die östlichen Seitenthäler , in die Val S. Pelle- 
grino oder in Val dei Monzoni eindringen. Das erstere, bei 
Moena sich mit dem Hauptthal vereinigend , begrenzt das 
Monzoni-Massiv gegen Süd, während die Val dei Monzoni am 
nördlichen Felsabsturz ihren Ursprung nimmt. Wählen wir 
dies letztere , welches etwas oberhalb des Fleckens Vigo, bei 
Pozza, mündet. Zunächst erblicken wir über den südlichen 
Thalgehängen ungeheure Dolomitgipfel emporragen, unter denen 
durch ausserordentliche Gestaltung der Sasso di Mezzogiorno 
(die Mittagsspitze), ca. 1000 M. jäh über die Thalsohle empor- 
steigend, sich hervorthut. Es ist dieselbe flammenförmige Fels- 
bildung , welche wir, gegen Nordwest zurückgewendet, am 
Rosengarten erblicken, einem Dolomitkoloss , welcher sich in 
einen gewaltigen Büschel von röthlichen Felsenspitzen und 

23* 



344 



Felsflammen auflöst. Das nördliche Thalgehänge zeigt in der 
Tiefe (wie auch das südliche) geschichteten Kalkstein (Buchen- 
steiner Schichten, Trias), darüber eine mächtige Bildung von 
Augitporphyrtuff. Es ist der hohe südliche Rand des plateau- 
ähnlichen Gebirgsstocks , welcher den eigenthümlichen halb- 
kreisförmigen Lauf des oberen Avisio bedingt und meh- 
rere allbekannte Mineralfundstätten umschliesst: rother Stil- 
bit (Haut) und Analcim bei Drio le Palle*); rother Car- 
neol, Alpe Giumella; schwarzer Augit — ausgezeichnet durch 
das Auftreten einer etwas gewölbten, fast geraden Endfläche — 
am Bufaure; Pseudomorphosen von Grünerde nach Augit eben- 
daselbst etc. Wie man beim weiteren Anstieg bemerkt, ist die 
Auflagerungsfläche des Tuffs über dem Kalkstein nicht eben, 
vielmehr ragt letzterer kuppenförmig in den dunklen Tuff 
hinein. Während der Kalkstein schroffe nackte Abstürze zeigt, 
tragen die runden Höhen des Tuffplateaus eine schöne Rasen- 
decke. Bald, ~ Meil. oberhalb Pozza, gabelt sich das Thal, 
gegen Ost zieht die Val di Dam (Adamo), während das Mon- 
zonithal, plötzlich um etwa 100 M. ansteigend, sich gegen 
Südost und Süd wendet. Hier bei der Thalwendung betritt 
der Pfad zuerst anstehendes Gesteintes sind senkrechte Kalk- 
steinschichten. Indem die Felsen des Rosengartens verschwin- 
den, öffnet sich die Aussicht auf die dunkle Felsenmauer des 
Monzoni. Das enge Thal erscheint hier, an seinem Ursprung, 



*) Zu dieser Fundstätte steigt man von Campitello durch einen Felsen- 
riss am steilen Gehänge des Colpelle-Bergs empor. Man erreicht einen 
weiten Circus , eine für dies aus geschichtetem Augitporphyr - Tuff be- 
stehende Gebirge besonders charakteristische Gestaltung. Horizontal 
ziehen ringsum die dunklen Bänke hin. In einer Höhe von etwa k 2300 M. 
ist auf eine in horizontaler Kichtung weit fortsetzende Strecke der Tuff 
mit netzförmig verzweigten Trümern von Kalkspath und Analcim erfüllt. 
Wo die Trümer sich zu einer Art Gangkluft verbinden, werden aus einer 
in den Fels gebrochenen Höhle (am Berge Ciamol) die Analcime (Hauy's 
Variete tripointee) gewonnen. An diesen ersten Circus reiht sich gegen 
Südwest ein zweiter von ähnlicher Bildung. Hier senken sich die mäch- 
tigen schwarzen Schichten unter 30 ü gegen Ost. In der Mitte dieses 
Circus, fast genau in derselben Höhe, in welcher wir die Fundstätte des 
Analcims fanden, wird der Tuff wieder von einem Adernetz durchzogen, 
in dessen Spalten der rothe Stilbit (Heulandit) vorkommt, in Begleitung 
von Analcim, dessen Krystalle hier indess nur das Ikositetraeder zeigen. 
Die von dem rothen zeolithischen Netzwerk durchzogene Tuffmasse hat eine 
Längenausdehnung von etwa 150 M. bei einer Mächtigkeit von 3-4 M. 



345 



zu einem hohen Felscircus erweitert, von welchem gegen Ost 
und West, schnell über die Baumvegetation sich erhebende, 
Felsentobel emporziehen. Der Anblick des Monzoni von dieser 
Thalweitung (dem Piano dei Monzoni) aus ist, trotz der ver- 
gleichsweise nicht allzu bedeutenden Höhe, einer der erstaun- 
lichsten in der ganzen Alpenkette. Eine scheinbar durchaus 
unersteigliche über 1000 Meter hohe dunkle Felsenmauer 
(s. Taf. IX. Fig. 1) sperrt den dunklen Thalhintergrund ab. 
Die Mauer ist theils sägeförmig gezackt, theils zu Kuppen 
gewölbt; eine solche ist der Riccobettaberg der Generalstabs- 
karte, einer der höchsten Gipfel des Monzonistocks. Von 
dieser Mauer springen , gleich riesigen Strebepfeilern , kurze 
Felsgräthe vor; sie sind umgeben von wildem Steingeröll und 
Felsmeeren, welche von tiefen Rinnsalen der Regenbäche zer- 
schnitten, steil gegen die Bergmauer emporziehen. Trotz aller 
Verschiedenheit erinnert dieser nördliche Absturz des Monzoni 
mit coulissenartig vorspringenden Felsen an gewisse Theile 
der oberen Val Bove am Aetna. Diese vorspringenden Fels- 
rücken sind in der landschaftlichen Zeichnung sichtbar, in 
welcher die Umrisse möglichst naturgetreu, einiges Detail aber 
nach der Erinnerung ausgeführt wurde. Figur 2 stellt einen 
solchen vorspringenden Felsgrath von West gesehen dar. 
Zwischen den einzelnen Felsvorsprüngen dehnt sich wildes, 
steilgeneigtes Gerölle aus. Die etwa 50 M. hohe, ausgezackte 
und zerbrochene Felswand (Figur 2) wird von Gängen durch- 
setzt. Mehrere derselben steigen vertical empor und ragen 
nach Zerstörung des Nebengesteins frei über die zerbrochene 
Mauer. An einer Stelle laufen von einem verticalen Gange 
horizontale Aeste aus, deren Theile durch Verwerfungen etwas 
gegen einander verschoben sind. Am linken Abbruche des 
Profils erscheinen zwei horizontale Gangtheile, welche vielleicht 
ehemals mit demselben verticalen Gange in Verbindung waren 
und nur in Folge der Verwitterung isolirt wurden. Ausser 
den in der Figur gezeichneten Gängen zeigt die Felswand 
noch viele andere kleinere Gangverzweigungen, deren Verlauf 
indess, da sie sich nur wenig vom durchsetzten Fels abheben, 
schwierig zu verfolgen ist. Eine genaue und anhaltende Be- 
trachtung lehrt, dass unregelmässige Gänge und Adern in 
grösster Zahl die Felsen des Monzoni durchsetzen. Doch 
konnte ich die Ueberzeugung nicht gewinnen, dass jene ge- 



346 



waltigen Felsvorsprünge selbst — gleich den Lavamauern der 
Val Bove am Aetna — Gänge sind; denn ihr Gestein ist 
wesentlich dasselbe wie dasjenige der angrenzenden Gebirgs- 
theile. 

Die Südseite des Monzoni, welche gegen Val S. Pellegrino 
hinabsinkt, ist zwar auch steilgeneigt, doch nicht in gleicher 
Weise felsig wie die Nordseite, sondern meist rasenbedeckt 
bis zum Kamme hinauf. Mehrere Thalschluchten , welche in 
weiten Kesseln ihren Ursprung nehmen und gegen das Pelle- 
grinothal hin in halbtrichterförmigen Tobein (Toal) münden, 
gliedern das südliche Gehänge. Von West nach Ost sind es 
die Thäler Pesmeda, della Foglia mit Damasson , dei Rizzoni 
und Allochet. — Während das Monzoni - Massiv gegen Nord 
und Süd in tiefe Thäler abstürzt, wird es gegen West und 
Ost nicht gleich deutlich durch eine orographische Grenze ge- 
schieden von den Dolomitmassen des Sasso di Loch im 
Westen und jenem hohen schmalen Gebirgskamm im Osten, 
welcher, vorzugsweise aus veränderten Sedimentärschichten 
bestehend , gegen den Sasso di Val Fredda und die venezia- 
nische Grenze zieht. 

Kehren wir wieder auf die nördliche Seite des Gebirges 
zum Piano dei Monzoni zurück, von welchem gegen West und 
Ost Thaläste emporziehen. Die westliche Schlucht hebt sich 
mit breiter felsiger Fläche schnell zu den Dolomithöhen em- 
por, während der östliche Thalast eine Reihe merkwürdiger 
Stufen bildet, deren kesseiförmige Vertiefungen mit kleinen 
Seen erfüllt sind. An diesen vorbei steigt man zu dem hohen 
Pass le Seile (etwa 2600 M.) empor, über welchen man nach 
Campagnazzo und S. Pellegrino gelangen kann. Auf dieser 
Höhe , welche, wohl 1000 M. über dem Piano dei Monzoni, 
gegen Nordost vom Hauptgipfel liegt, erkennt man deutlich, 
dass der Monzonberg einen kolassalen , von West nach Ost 
sich verschmälerndeu Gang darstellt, und dass die nach Nord 
gewandten Steilabstürze dieser Masse die ursprünglichen Grenz- 
flächen gegen die durchbrochenen Grenzgebirge — Kalkstein 
und Dolomit — sind. Von jenem erhabenen Standpunkte aus ist es 
nicht schwer, die durch die Thalbildung zerstörten und fortge- 
führten Gebirgstheile im Geiste wieder herzustellen. Die beiden 
im Piano sich vereinigenden Thäler entblössen auf eine Strecke 
von etwa 4 Kilom. die Grenze zwischen dem Eruptivgestein 



347 



des Monzoni und den vorgelagerten Kalk- und Dolomitmassen. 
Von Stufe zu Stufe sinkt sie, deutlich erkennbar, wird im 
Piano durch ungeheures Geröll überlagert, erscheint dann 
wieder, durch verschiedenartige Gesteinsfärbung bezeichnet, 
gegen die Punta di Pallazzia hinziehend. Vielleicht war es 
von le Seile aus, wo y. Buch jene treffliche Anschauung über 
den Bau unseres Gebirges gewann, welche er in einem Briefe 
an v. Leonhard (1824) aussprach : „Sie können sich die 
wunderbare Lagerung dieser Monzonmasse nicht deutlicher, 
vielleicht auch nicht richtiger denken, als wenn Sie sich einen 
Kegel vorstellen von der Höhe, Schroffheit und Steilheit des 
Langkofels, der nicht wie dieser frei in der Luft steht, sondern 
rings umher in Dolomit eingesenkt ist." (Miner. Taschenb. von 
v. Leonhard , 1824, pag, 360.) — Naturgemässer noch wird 
unsere Vorstellung, wenn wir uns statt des Kegels eine etwa 
5 Kilom. lange, 1^ — 2 Kilom. (nach Dr. Dölter) breite Gang- 
masse vorstellen. Auch wird nur in der nördlichen Hälfte das 
Monzonigestein durch Kalk und Dolomit begrenzt, während in 
der südlichen Hälfte Augitporpbyr und Quarzporphyr angelagert 
sind, und der Kalkstein nur untergeordnete Massen bildet. 

Die Gesteine des Monzoni haben schon vielfach das 
Interesse der Geologen auf sich gezogen. Vortrefflich schildert 
v. Buch (a. a. O.) sein „gerechtes Erstaunen" als er in der 
Enge von Pozza „jene unglaubliche Menge von Syenitblöcken" 
sah. Nichts habe bisher im Fassathale auf die Vermuthung 
solcher Gesteine geführt. Der grosse Geologe wird beim An- 
blick der Monzongesteine an den norwegischen Syenit erinnert. 
Als wesentliche Gemengtheile glaubt v. Büch Feldspath und 
Hornblende zu erkennen, ausserdem führt er Eisenkies und 
Turmalin an. Die Felsblöcke in der Thalmündung von Pozza, 
in denen v. Buch Feldspath zu erkennen glaubte , enthalten 
indess wesentlich an Stelle desselben Plagioklas. „In diesen 
Krystallen wechselt unzählige Male eine rechte und eine linke 
Seite; im Granite bilden die Krystalle nur Zwillinge, aber so 
oft ' wechseln die Seiten nicht." Zur Zeit als v. Buch den 
Monzoni besuchte, kannte man noch nicht die Unterscheidung 
des Orthoklas von den triklinen Feldspathen, welche wir 
G. Rose verdanken. Dieser Forscher besuchte am 31. August 
1832 das Monzonithal und gewann die Ueberzeugung , dass 
ein Theil der Monzonigesteine dem Hypersthenite angehöre. 



348 



Es geschah diese Bestimmung zu einer Zeit, als man noch 
kein Mittel besass, den Diallag, resp. Augit vom Hypersthen 
zu scheiden und die schwarzen Varietäten des ersteren Mi- 
nerals als Hypersthen bezeichnete. — v. Richthofen widmete 
in seinem berühmten Werke (Geognostische Beschreibung von 
Predazzo, St. Cassian und der Seisser Alpe, 1860) den Ge- 
steinen des Monzoni eine eingehende Schilderung. Er unter- 
scheidet Monzon - Syenit und Monzon- Hyperstbenit, in Bezug 
auf das letztere Gestein sich auf G. Rose's Bestimmung be- 
ziehend. Nach v. Richthofen besteht der ganze Gebirgsstock 
des Monzoni aus einem Syenitgestein, welches von Hyperstbenit 
in mächtigen Gängen durchsetzt wird. Die Gänge hat v. Richt- 
hofen auch in seine Karte eingetragen ; es sind jene kolossalen 
vorspringenden Pfeiler, deren bereits oben Erwähnung geschah. 
Beide Gesteine sollen zwar in inniger Wechselbeziehung ste- 
hen, sodass der Hyperstbenit in seinem Vorkommen durchaus 
an Syenit gebunden, dennoch aber von ihm scharf und bestimmt 
geschieden sei. — Zu einem wesentlich verschiedenen Resul- 
tate wurde de Lapparent in seinem werthvollen Memoire, 
Constitution geologique du Tyrol meridional (Annales des mines, 
6. Serie T. VI. pag. 258) geführt. Ihm zufolge sollen beide 
Gesteine auf das Innigste mit einander verbunden sein und in 
einander übergehen. Der französische Forscher leugnet die 
Gegenwart des Hypersthen's oder überhaupt eines augitischen 
Minerals als Gemengtheil der in Rede stehenden Gesteine und 
glaubt statt desselben nur Hornblende zu erkennen, für welche 
Annahme er auch das Zeugniss Des Cloizeaüx's u. Friedel's an- 
führt, welches sich freilich nur auf die von de Lapparent mitge- 
brachten Gesteine beziehen konnte. Die beiden von v. Richt- 
hofen unterschiedenen Gesteine vereinigt de Lapparent unter 
der vorläufigen Bezeichnung Monzon it. Aus einem Ver- 
gleiche der Ansichten der genannten Forscher geht wohl am 
besten die Schwierigkeit hervor, welche sich der sicheren Be- 
stimmung der fraglichen Gesteine entgegenstellt. — Analysen von 
Gesteinen der Umgebungen von Predazzo , welche denen des 
Monzoni sehr nahe stehen , verdanken wir Prof. Scheerer 
(Vorläuf. Ber. über krystallin. Silicatgesteine des Fassathals, 
N. Jahrb. 1864). Einen werth vollen Beitrag zur Kenntniss 
der Monzonigesteine giebt Tschermak in seinem Werke „die 
Porphyrgesteine Oesterreichs aus der mittleren geologischen 



349 



Epoche", 1869 pag. 110—121. Nach ihm besitzt der Mon- 
zonit eine wechselnde Zusammensetzung, wenngleich er in 
seinem Auftreten als eine einzige Masse erscheint. Das eine 
Endglied in der Reihe der Abänderungen sei ein eigentlicher 
Syenit, bestehend aus Orthoklas, Hornblende und Biotit, das 
zweite Endglied enthalte die Gemengtbeile des Diorits: Pla- 
gioklas, Hornblende und Biotit. Während aber de Lapparent 
die beiden von v. Richthofen als Syenit und Hypersthenit 
getrennten Gesteine vereinigt hatte, scheidet Tsohermak den 
Hypersthenit aus dem Monzonit aus und bezeichnet denselben 
als Diabas , indem als Gemengtheile des Gesteins erkannt 
werden: Plagioklas, Augit, Biotit, Magneteisen, ein chlorit- 
artiges Mineral und Spinell. Tsohermak schliesst sich in 
Bezug auf das geologische Verhalten des Syenits und des 
Diabas wesentlich an v. Richthofen an und widerspricht der 
Ansicht de Lapparent's , dass jene beiden Gesteine durch 
allmälige Uebergänge verbunden seien. Nur bestreitet Tsoher- 
mak die Ansicht v. Richthofen's, dass eine enge Beziehung 
zwischen dem Hypersthenit und dem Augitporphyr stattfinde. 
— Diese abweichenden Ansichten beweisen wohl zur Genüge, 
dass hier ganz besondere geologische und petrographische 
Schwierigkeiten vorliegen. Zu denjenigen , welche in der 
Sache selbst liegen, treten auch örtliche Verhältnisse der 
Beobachtung. Vom nächstliegenden Orte in Fassa wandert 
man zwei Stunden bis zum Piano, dem Beginne der wilden 
Felsenmeere, welche sich mit zunehmender Neigung gegen die 
prallen, dunklen Monzoni - Wände emporheben. Nicht alle 
Theile derselben entsenden in gleicher Weise ihre Trümmer 
zu den grossen Geröllmassen. Ein einzelner leicht verwit- 
ternder Felskopf bildet einen weit sich ausdehnenden Schutt- 
kegel, während andere Theile der zerrissenen dunklen Wand 
wenige oder keine Trümmer ausstreuen. Um sichere Beob- 
achtungen zu machen , muss man durchaus empor zum an- 
stehenden Fels. Immer grösser, scharfkantiger, beweglicher 
werden die Blöcke in dem Maasse, als man sich den Felsen 
nähert. Hat man endlich an einem einzelnen Punkte die hohe 
Wand oder einen jener mauerartigen Felsvorsprünge erreicht, 
so starrt dem auf schwankenden Blöcken emporsteigenden 
Wanderer nur zu oft eine mit cbloritischer oder serpentin- 
ähnlicher Substanz überzogene Ablösungsfläche entgegen, welche 



350 



eine unmittelbare und leichte Beobachtung des Gesteins er- 
schwert und verhindert. Zudem sind die einzelnen Theile der 
Monzoniwände durch tief eingerissene, oft kaum übersteigbare 
Schluchten und Rinnsale getrennt. So die Nordseite — , wäh- 
rend auf der Südseite eine Pflanzendecke die anstehenden 
Gesteine zum grössten Theile verhüllt. Völlig unausführbar 
erwies sich das Unternehmen der Firstlinie des hohen Mon- 
zoni-Kammes zu folgen. 

Noch ist einer jüngsten vorläufigen Mittheilung des Hrn. 
Dr. Corn. Dölter über die Monzoni-Gesteine Erwähnung zu 
thun (N. Jahrb. für Min, 1875 pag. 48). Dölter's Ansicht 
hält in gewissem Sinne die Mitte zwischen den Angaben 
v. Richthofen's und de Lapparent's. Dölter, welcher es sich 
zur besonderen Aufgabe machte, das „Verhältniss des Monzon- 
Syenits zum sogen. Hypersthenit zu ergründen", drückt in fol- 
genden Worten das vorläufige Ergebniss seiner Forschungen 
aus: „Obgleich die Unterscheidung beider Gesteine nicht 
immer leicht ist, so glaube ich doch jetzt schon annehmen zu 
können, dass der Hypersthenit in getrennten Massen im Syenit 
vorkommt, wenngleich das Alter beider Gesteine dasselbe sein 
muss , da sowohl der Syenit in den Hypersthenit eindringt, 
als auch das umgekehrte Verhältniss stattfindet. Dass Hyper- 
sthenit und Syenit überall zusammen vorkommen , ist nicht 
richtig, denn ersteres Gestein ist in seiner Verbreitung auf 
den Ricobetta-Berg beschränkt." 

Nachdem ich den Monzoni-Kamm an drei verschiedenen 
Stellen überschritten (bei der Palla verde, nahe der westlichen 
Begrenzung der Eruptivmasse; durch die Scharte oder den 
Buco del Monzoni, unmittelbar westlich vom domförmigen 
Ricobettagipfel; über le Seile und, dem Kamme folgend, nach 
Allochet) und die meisten Mineralfundstätten, zum Theil wieder- 
holt, besucht habe, bin ich bei der Schwierigkeit des Gegen- 
standes doch weit entfernt, den folgenden Bemerkungen eine 
irgendwie abschliessende Bedeutung beizulegen: dieselben sollen 
vielmehr nur Beiträge zu einer späteren Lösung eines der 
interessantesten und schwierigsten petrographischen Probleme 
darbieten. 

Das Massiv des Monzoni besteht aus mehreren durch 
allmälige Uebergänge innig verbundenen Gesteinen, deren beide 
Typen oder Grenzglieder als Augit-Syenit und Diabas zu 



351 



bezeichnen sind. Das Studium des Monzont lehrt uns eine 
neue Varietät des Syenits kennen , in welcher zum Orthoklas 
als wesentlicher Gemengtheil Augit hinzutritt; auch das La- 
brador - Augit - Gestein , der Diabas des Monzoni, ist ein eigen- 
thümliches Gestein , welches durch mehrere Merkmale sich 
sehr unterscheidet von den typischen Diabasen, wie sie im 
Harze und in Nassau als Lagergänge in den devonischen 
Schiefern auftreten. Die Eigenthümlichkeiten beider genannten 
Gesteine, sowie ihre durch zahlreiche Zwischenglieder bedingten 
Uebergänge würden es vielleicht rechtfertigen , dieselben nicht 
zu jenen altbewährten Felsarten zu stellen, sondern etwa den 
Namen Monzonit für die in Rede stehenden Gesteine zu ge- 
brauchen. Indess widerspricht es allzusehr den bisher gel- 
tenden Principien der Petrographie , unter einen Begriff Ge- 
steine zu vereinigen , von denen das eine wesentlich aus Or- 
thoklas, das andere wesentlich aus Labrador besteht. So 
erscheint es wohl für jetzt das Beste, die Monzoni-Gesteine als 
Syenit und Diabas aufzuführen , bis spätere Untersuchungen 
dieselben Felsarten auch an arideren Orten als am Monzoni 
und um Predazzo nachweisen, und ein grösseres Einverständ- 
niss in Hinsicht der petrographischen Nomenklatur erzielt ist 
als bisher. 

Der grösste Theil des Monzoni, und zwar vorzugsweise 
das südliche Gehänge, doch auch die westlichen und östlichen 
Partieen des Nordabhanges der Gebirgsmasse bestehen aus 

A u gi t - Syen i t , einem krystallinischkörnigen Gemenge 
von Orthoklas, Plagioklas, Augit; mehr accessorische Gemeng- 
theile sind : Titanit, Hornblende, Eisenkies, Magneteisen, Apatit. 
Der Orthoklas ist von graulichweisser oder lichtröthlichweisser 
Farbe und bildet mehrere Decim. grosse Krystallkörner; er 
besitzt eine eigenthümliche, dem Fcldspath aus dem Syenit von 
Laurvig in Norwegen ähnliche Zusammensetzung; im Gemenge 
meist vorherrschend. Der Plagioklas ist zuweilen mit der 
Lupe nicht zu entdecken, wohl aber mittelst des polarisirenden 
Mikroskops als feinste Einmengung des Feldspaths. Durch 
solche innige Verwachsungen und Einschlüsse ist auch der 
ansehnliche Natron-, sowie der Kalkgehalt zu erklären, welchen 
die Analysen des Feldspaths aus dem Augit-Syenit ergeben. 
Augit von schwarzer oder schwärzlichgrüner Farbe, bald reich- 
lich, bald mehr untergeordnet. Titanit von brauner oder 



352 



bräunlichgelber Farbe, oft sehr reichlich, vielleicht nie ganz 
fehlend. Die Hornblende erscheint, wo sie auftritt, raeist mit 
dem Ansehen des Uralits, d. h. aus feinsten parallelen Fasern 
zusammengesetzt, seidenglänzend. Den Apatit lässt das Mikro- 
skop wohl stets in sehr kleinen Prismen erkennen. 

Die schönste Varietät dieses Gesteins traf ich im Gberen 
Theil des Toal dei Rizzoni; ein grobkörniges Gemenge von 
vorherrschendem lichtgrauem Feldspath in | bis 2 Cm. grossen 
Körnern, wenig schwarzem Augit, wenig Titanit. Auch Pla- 
gioklas ist vorhanden, wenngleich in geringer Menge; unter 
dem polarisirenden Mikroskop deutlich durch seine Streifung 
erkennbar. Nicht selten ist der Plagioklas in kleinen Körnern 
dem Feldspath parallel eingewachsen. Sorgsamst mit der Lupe 
ausgesuchte Orthoklaskörner, an denen keine gestreiften Par- 
tieen oder Einmengungen von Plagioklas mit der Lupe zu er- 
kennen waren, ergaben folgende Zusammensetzung: 

Feldspath aus dem Augit-Syenit des Toal dei 
Rizzoni.*) 

Spec. Gew. 2,565. Glühverlust 0,89. 



Kieselsäure 


. 63,36 


Ox. - 33,74 


Thonerde . 


. 21,18 


9,89 


Kalk .... 


. 1,66 


0,47 


Kali .... 


. 8,89 


1,51 


Natron . . . 


. 4,91 


1,27 




100,00 





Sauerstoffproportion 0,986 : 3 : 10,251. 

Wir können die gefundene Zusammensetzung darstellen 
durch eine Verbindung von 5 Mol. Orthoklas, 4 Mol. Albit, 
2 Mol. Anorthit, deren procentische Zusammensetzung die fol- 
gende sein würde: 

Kieselsäure 63,96. Thonerde 20,78. Kalk 2,06. 
Kali 8,65. Natron 4,55. 

Dieser Feldspath stellt sich demnach dar als eine Men- 
gung von nahe gleichen Theilen Orthoklas und Oligoklas; 
von denen der letztere aus 2 Mol. Albit und 1 Mol. Anorthit 
bestehen würde. Durch mineralogische Wahrnehmung ohne 
Zuhülfenahme der chemischen Analyse würde sich uns eine 

*) Diese Analyse wurde bereits in Pogg. Ann. Bd. 144 pag. 363 
veröffentlicht. 



353 



so hohe Beimischung von Plagioklas nicht verrathen haben. 
Der Syenit aus dem Rizzoni-Thal ist kaum zu unterscheiden 
von einem Syenit, welchen ich auf Arröen unfern Langesund 
im südlichen Norwegen schlug. Ein diesem ganz ähnliches 
Gestein von Laurvig (s. Pogg. Ann. Bd. 144 pag. 379) ent- 
hält neben vorherrschendem perlgrauem Feldspath (zuweilen 
mit einem lichtbläulichen Farbenschein) und Biotit auch — 
zufolge der Untersuchungen des Prof. Rosenbüsch (briefliche 
Mittheilung) — ein augitisches Mineral und zwar „ganz ty- 
pischen Diallag, wie die Gabbro's von Volpersdorf, absolut 
nicht von diesem zu unterscheiden , optisch ausserordentlich 
gut charakterisirt." Schon früher wies ich darauf hin , dass 
der Feldspath des Gesteins von Laurvig demjenigen des Monzon- 
Syenits sehr ähnlich zusammengesetzt ist. Gewisse Varietäten 
des berühmten Gesteins der norwegischen Südküste und na- 
mentlich das Vorkommen von Laurvig dürften demnach viel- 
dem Augit-Syenit zuzuzählen sein. 

Noch einen zweiten Orthoklas aus Augit-Syenit des Mon- 
zoni unterwarf ich der chemischen Analyse. Das Gestein, von 
einem grossen Blocke im Piano dei Monzoni geschlagen, 
wahrscheinlich vom hohen westlichen Gipfel herabgestürzt, 
besteht vorherrschend aus graulichweissem Orthoklas, grünlich- 
schwarzem Augit in 1 bis 2 Mm. grossen, deutlich in ihrer 
Form erkennbaren Krystallen , aus sehr viel braunem Titanit, 
1 bis 2 Mm. gross, Eisenkies, Magneteisen, Apatit. Letzteres 
Mineral in haarfeinen kleinen Prismen vorzugsweise den Feld- 
spath durchsetzend. Dies Gestein gewinnt dadurch ein ganz 
eigenthümliches Ansehen, dass der Feldspath zuweilen in sehr 
grossen Krystallen, 4 bis 5 Cm., ganz erfüllt mit Augit und 
Titanit in dem scheinbar kleinkörnigen Gestein weit fort- 
setzende Spaltungsflächen bildet. Dieser seltsame Gegensatz des 
kleinkörnigen Gemenges und der zwischen diesem Aggregat 
aufleuchtenden Spaltungsflächen verleihen dem Gestein eine 
besondere Schönheit. Plagioklas ist in diesem Syenite mittelst 
der Lupe gar nicht, durch das Mikroskop nur in äusserst 
geringer Menge zu erkennen. Unter dem Mikroskop erscheint 
der im Gemenge vorherrschende Orthoklas durch Mikrolithen 
verunreinigt. Die langen schmalen Apatitprismen treten nun 
auf das Deutlichste hervor. Sie scheinen zuweilen in ihrer 
Axe eine feine hohle Röhre zu bergen. 



354 



Feldspath aus dem Augit-Syenit des Piano dei 
l^onzoni. 

Spec. Gew. 2,536. Glühverlust 0,57. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure . 


. 63,45 




63,45 Ox. = 


- 33,84 


Thonerde . . 


. 19,65 


19,97 


19,81 


9,25 


Kalk 




1,41 


1,51 


0,43 


Kali. 




12,34 


12,34 


2,09 






5,47 


2,47 


0,64 








99,58 





Sauerstoffproportion 1,025 : 3 *• 10,975. 

Eine diesem Feldspathe vergleichbare Mischung erhalten 
wir durch eine Verbindung von 4 Mol. Orthoklas, 1 Mol. Albit, 
1 Mol. Anorthit: 

Kieselsäure 63,33 Thonerde 20,34. Kalk 1,85. 
Kali 12,43. Natron 2,05. 

Diese Verbindung enthält 73,5 pCt. Orthoklas neben 
26,5 pCt eines Andesin-ähnlichen Plagioklas. 

Während die beiden Syenit- Varietäten , deren Orthoklase 
oben Gegenstand der Analysen waren, der raineralogischen 
Beobachtung nur wenig Plagioklas darbieten, sind andere Ab- 
änderungen viel reicher an Plagioklas — in dem Maasse, dass 
der Feldspath fast zurückzutreten scheint. Von dieser Art 
ist der graue Syenit, welchen man im S. Pellegrino-Thal nahe 
der Einmündung der Val Pesmeda antrifft. Es überwiegt im 
Gemenge der Plagioklas, dessen wunderschöne Streifung das 
polarisirende Mikroskop offenbart. Orthoklas ist nur in ge- 
ringer Menge vorhanden, durch die fehlende Streifung, sowie 
eine eigen thüni lieh rissige Beschaffenheit unter dem Mikroskop 
leicht vom Plagioklas zu unterscheiden. Der Orthoklas er- 
scheint weniger deutlich umgrenzt, zuweilen eine Art von 
Grundmasse bildend, in welcher die Plagioklase sich scharf 
abheben. Beide sind meist trübe , mit Flecken und Wolken 
von feinsten Mikrolithen erfüllt. Das Vorhandensein des 
Augits im Gestein von S. Pellegrino wurde sowohl makrosko- 
pisch durch die äussere Form, als auch unter dem Mikroskop 
durch sehr deutliche achtseitige Umrisse, wie sie für den 



355 



Augit so charakteristisch sind , erkannt. Die 1 bis 2 Mm. 
grossen grünlichschwarzen Augitkörner haben vier Spaltungs- 
richtungen, von denen zwei den Prismenflächen parallel stehen, 
die beiden anderen den Abstumpfungsflächeu der stumpfen und 
der scharfen Kante des Augitprismas entsprechen. Neben 
dem grünlichschwarzen Augit ist auch , in geringerer Menge, 
dunkelgrüne Hornblende von Uralit-ähnlichem Ansehen vor- 
handen; Magneteisen fehlt nicht. Prof. Rosenbüsch, welcher 
die Güte hatte, gleichfalls dies Gestein aus Val S. Pellegrino 
unter dem Mikroskop zu untersuchen, bestätigte die reichliche 
Menge von Plagioklas und das Vorhandensein von Augit 
neben Hornblende. 

Aehnliche Abänderungen wie die eben geschilderte bilden 
den westlichen Theil des Monzonikammes , namentlich die 
Palla verde, eine schwache Einsenkung zur Rechten (W) des 
westlichen Gipfels und setzen die grossen Geröllmassen zu- 
sammen, welche vom Piano gegen Westen emporziehen. Die 
Gesteine, welche man in diesem westlichen Theile des Mon- 
zoni erblickt, lassen den Orthoklas neben dem Plagioklas 
meist deutlich durch seine schwach röthliche Farbe erkennen, 
während die gestreiften Körner graulichweiss sind. Denselben 
Gesteinen begegnet man im oberen Pesmeda - Thal , sowie im 
oberen Damasson und Rizzoni. Plagioklas-reiche Augit-Syenite 
bilden die ganze östliche Gebirgshälfte, sie erscheinen im 
Hochthale von le Seile, sowie in der obersten Tbalmulde von 
Allochet, an welchen beiden Orten die Grenze von Kalk und 
Eruptivgestein durch merkwürdige, später zu schildernde Con- 
tactgebilde bezeichnet ist. An manchen Orten, z. B. auf dem 
Joche der Palla verde (nach einem schwachen Rasenbande in 
der Felsumgebung so genannt) ist der Syenit in verticale 
Tafeln zerklüftet. An letztgenanntem Orte laufen die Tafeln 
parallel dem von Ost nach West streichenden Gebirgskamme. 
lieber die ganz scharfe Passsenkung streicht ein etwa 0,3 M. 
breiter Gang von serpentinähnlichem Gestein. 

Der Augit - Syenit des Monzoni ist wesentlich dasselbe 
Gestein, wie dasjenige, welches in verschiedenen Varietäten 
die Berge von Predazzo zusammensetzt und zwar einen Theil 
der Sforcella mit der berühmten Oertlichkeit Canzacoli, sowie 
Theile des Mulatto und die Hauptmasse der Margola (oder 



356 



Malgola). Eine Analyse des Augit-Syenits der Margola ver- 
danken wir Herrn Prof. Kjerülf (s. Tschermak, Porphyr- 
gesteine Oesterreichs pag. 112): 

Kieselsäure 58,05. Thonerde 17,71. Eisenoxydul 8,29. 

Kalk 5,81. Magnesia 2,07. Kali 3,24. Natron 2,98. 
Wasser 1,34. 

Ueber die Varietäten von Predazzo und namentlich ihre 
Contactbildungen besitzen wir eine vortreffliche Arbeit von 
J. Lemberg in Dorpat (Contactbildungen bei Predazzo, Zeitschr. 
d. d. geol. Ges. 1872 pag. 187 — 264). Obgleich eine syste- 
matische Classification des „MonzonitV (Augit-Syenits) nicht 
im Plane seiner Arbeit lag, so theilt Lemberg doch wichtige 
Thatsachten in Betreff dieses Gesteins mit, namentlich in Bezug 
auf die chemische Zusammensetzung desselben sowie die 
Veränderung seiner Mischung in der Nähe der Kalkgrenze. 
Lemberg erkannte schon den Augit neben der Hornblende 
und dem Glimmer. Ausser Orthoklas wies er in dem normal 
zusammengesetzten Gesteine vom Südabhange des Monte Mu- 
latto (Kieselsäure 57,66 pCt.) Oligoklas nach; während statt 
desselben nahe der Kalkgrenze Labrador vorhanden ist und 
dem entsprechend der Kieselsäuregehalt des Gesteins fast um 
10 pCt. herabsinkt, bei steigender Menge des Kalks. Auch 
Anorthit wurde im Monzonit theils in grosskrystallinischen 
mattweissen Körnern am Fusse der Margola nachgewiesen, 
theils auf sein Vorhandensein im feinkörnigen Gestein vom 
Fusse der Canzacoli, nahe der Kalkgrenze, aus dem geringen 
Kieselsäure- (48,15 pCt.), dem hohen Kalkgehalte (11,44 pCt.) 
des Gesteins geschlossen. — Unter dem Mikroskop lässt der 
Augit - Syenit der Margola auf das Deutlichste vorwaltenden 
Plagioklas neben etwas zurücktretendem Orthoklas erkennen; 
ausserdem Augit und Magnesiaglimmer. Letzterer oft in 
Quadratcentimeter grossen, trotz vielfacher Unterbrechung stets 
wieder in einer Flucht einspiegelnden Blättern. 

Das Studium des Monzoni lehrt uns demnach , dass — 
früheren Ansichten entgegen — mit Orthoklas sich Augit 
associiren könne. Diese Verbindung, welche in den trachy- 
tischen Gesteinen bereits längere Zeit bekannt ist (eine der 
ersten Wahrnehmungen dieser Art boten die Auswürflinge von 
Laach , welche meist ein körniges Gemenge von Sanidin und 
Augit sind), finden wir nun auch unter den plutonischen 



357 



Gesteinen wieder. Es ist bei der schwierigen Unterscheidung 
von Augit und Hornblende wohl kaum zu bezweifeln , dass 
dieselbe Mineralassociation auch bei anderen Syeniten vorliegt, 
in denen man bisher nur Hornblende sah. Eine ausgezeich- 
nete Varietät des Augit-Syenits scheint an einem leider noch 
nicht näher bekannten Punkte der Pyrenäen vorzukommen. 
Dies Gestein, welches der verewigte Dr. Krantz vor mehreren 
Jahrzehnten unter der Bezeichnung Dol&ute granitoide von 
Herrn Boubee in Paris mit der Ortsangabe „Pyrenäen" er- 
hielt, ist ein Gemenge von vorherrschendem weissem Feldspath 
in 5 bis 10 Mm. grossen Körnern und grünem Augit in bis 
10 Mm. grossen prismatischen Krystallen , dazu spärliche 
kleine Titanite (s. Pogg. Ann. Bd. 144 pag. 378). Die 
ungewöhnliche Association liess die chemische Analyse dieses 
Feldspaths wünschenswerth erscheinen: 

Feldspath aus dem Augit-Syenit derPyrenäen: 



Dieser Orthoklas zeichnet sich demnach durch seinen 
hohen Natrongehalt aus. Von Kalk liess sich keine Spur 
nachweisen. 

Wenden wir uns nun zu denjenigen Gesteinen des Mon- 
zoni-Massiv's , welche G. Rose und, ihm folgend, v. Richt- 
hofen als Hypersthenit bezeichneten, und für welche wir den 
von Tschermak (Porphyrgesteine Oesterreichs pag. 113) ge- 
wählten Namen 

Diabas beibehalten. Die Diabase des Monzoni bestehen 
aus Labrador, Orthoklas, Augit, Magnesiaglimmer, Hornblende, 
Titanit, Magneteisen, Eisenkies (nach Tschermak und Lem- 
berg tritt auch Spinell hinzu. *) Nicht nur durch seine mine- 



Spec. Gew. 2,549 Glühverlust 0,04. 



Kieselsäure 64,86 Ox. = ?. 



Thonerde 18,78 

Kali 9,23 

Natron 5,37 



34,59 
8,77 
1,57 
1,38 



98,34 

Sauerstoffproportion 1,009 : 3 : 11,832. 



'") Der Spinell bezeichnet wohl immer ein durch den Contact des 
Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 2. 24 



358 



ralogische Constitution, sondern in gleicher Weise durch seine 
Lagerungsform und den Uebergang in ein Orthoklasgestein 
unterscheidet sich der Diabas des Monzoni von den typischen 
Gesteinen dieses Namens, welche, niemals ein so gross- und 
deutlich körniges Gemenge darstellend, Lagergänge im Devon 
des rheinischen Gebirges und des Harzes bilden. 

Aus Monzoni-Diabas besteht namentlich der mittlere Theil 
des nördlichen Berggehänges, der Riccobetta-Gipfel, sowie die 
ungeheuren Trümmerzüge, welche von dieser ragenden Höhe 
und von der Monzonscharte (Buco) in den Piano hinab- 
geführt werden und bis hinab nach Pera in Fassa in 
Bezug auf Zahl der Blöcke vor denen des Augit-Syenits sehr 
überwiegen. Durch dies Vorherrschen der Diabasblöcke in 
der Val Monzoni erklärt es sich, dass manche Besucher, welche, 
durch dies Thal wandernd , nur bis zum Piano oder an den 
Fuss des Riccobetta gelangten , die Ansicht gewannen , dass 
das ganze Monzongebirge aus augitischen Grünsteinen be- 
stehe. — Das in dem angedeuteten Gebiete unter den losen 
Blöcken herrschende, bald porphyrartige, bald körnige Gestein 
lässt auf den ersten Blick zwei Bestandtheile erkennen: weisseu 
Plagioklas und ein dunkelgrünes bis schwärzliches Mineral, 
dessen Bestimmung, ob Augit, ob Hornblende? in der That 
nicht ganz leicht ist. Man erblickt vielfach die Hornblende- 
Spaltbarkeit, aber dieselbe ist faserig, unterbrochen, seiden- 
glänzend, von Uralit-ähnlichem Ansehen. Längere Zeit glaubte 
ich Hrn. de Lapparent beipflichten zu sollen , welcher im 
herrschenden Gestein wesentlich oder ausschliesslich Hornblende 
sah; es schien mir, dass das in Rede stehende Gestein am 
Zutreffendsten als ein Diorit (Labrador-D.) zu bezeichnen sei. 
Auch Tschermak (a.a.O. pag. 112) betont, dass das Monzon- 
gestein in Diorit übergehe, und hat dabei ohne Zweifel die- 
selbe Gesteins varietät vor Augen, von welcher v. Buch sagt: 
„Die Hornblendekrystalle erscheinen darin deutlich und schön." 

Da war es ein glücklicher Fund des Mineraliensammlers 
G. Batt. Bernard zu Campitello: wohl ausgebildete Augit- 
krystalle auf einer drusenähnlichen Fläche des von mir an- 



Kalks , sei es an der Grenze , sei es in Umschlossenen Massen , modifi- 
cirtes Mineralgemenge. 



359 

fänglich für Diorit gehaltenen Gesteins, wodurch ich zu einer 
erneuten Prüfung veranlasst wurde und erkannte, dass die 
meiste Hornblende der Monzonigesteine den Charakter des 
Uralits besitzen, wenngleich neben diesem räthselhafteu Körper 
auch echte Hornblende vorkommt. 

Bevor wir indess die herrschenden Diabasvarietäten ge- 
nauer betrachten, wollen wir gleichsam als Schlüssel zu den- 
selben zwei Gesteine kennen lernen , von denen das eine ein 
typisches Augit - Labradorgestein, gleichsam ein Dolerit der 
mittleren geologischen Epoche, ist, während das andere, ein 
prachtvoll grosskörniges Gemenge aus Labrador, Augit, Horn- 
blende, Magnesiaglimmer und Magneteisen , uns die überaus 
innige Verbindung von Augit und Hornblende kennen lehrt, 
welche in den Diabasen des Monzoni stattfindet. 

Das Augit - La bradorgestein (Diabas), geschlagen 
von mächtigen Blöcken im Piano, wahrscheinlich gangförmige 
Massen im Monzoni-Massiv bildend, besteht aus vorherrschen- 
dem schwarzem Augit in \ bis 1 Mm. grossen, deutlich aus- 
gebildeten Krystallen der gewöhnlichen Form (verticales Prisma 
oc P nebst Ortho- und Klinopinakoid ool* oc und (ooPoc) 
und der Hemipyramide s, P), — und weissem Plagioklas. In 
einzelnen Partieen des Gesteins tritt dieser Plagioklas in 
grösseren, doch nicht regelmässig begrenzten Körnern und in 
flachen linsenförmigen Ausscheidungen auf, während in anderen 
Partieen Augit und Plagioklas ein kleinkörniges Gemenge 
bilden. Als accessorische Gemengtheile erscheinen: gelber 
Titanit und Apatit. Letzterer, in dünnen fettglänzenden Pris- 
men , findet sich besonders dort , wo der Plagioklas etwas 
grössere Ausscheidungen bildet. Hornblende fehlt nicht ganz; 
sie erscheint theils in schwarzen Prismen von etwas bedeu- 
tenderer Grösse als der Augit, theils mit dem Ansehen von 
grünem , auf den Spaltungsflächen seidenglänzendem Uralit. 
Das polarisirende Mikroskop lehrt, dass neben sehr vorherr- 
schendem Plagioklas eine sehr kleine Menge von Orthoklas 
vorhanden ist. 



24* 



360 



Plagioklas des A u gi t - Lab r a do rgest ei n s : 
Spec. Gew. 2,707 Glühverlust 0,56. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure . 


. 51,81 




51,81 Ox. 


== 27,63 


Thonerde . . 


. 30,46 


30,25 


30,35 


14,17 


Kalk 


. 12,33 


11,84 


12,08 


3,45 


Magnesia . . 


. 0,05 


0,15 


0,10 


0,04 


Kali 




2,63 


2,63 


0,45 






2,85 


2,85 
99,82 


0,735 



Sauerstoffproportion 0,989 : 3 = 5,849. 

Dieser Plagioklas ist demnach als ein Labrador mit hohem 
Kaligehalt zu bezeichnen. Mit Rücksicht auf die mikrosko- 
pische Analyse ist es nicht unwahrscheinlich, dass selbst das 
sehr sorgsam ausgesuchte Material eine kleine Menge von 
Orthoklas beigemengt enthielt, und dass sich hierdurch we- 
nigstens ein Theil des Kaligehalts erklärt. Eine mit dem 
Ergebnisse der Analyse vergleichbare Mischung erhalten wir, 
wenn wir eine Verbindung von 1 Mol. Orthoklas , 3 Mol. 
Albit und 12 Mol. Anorthit berechnen: 

Kieselsäure 52,59. Thonerde 30,03. Kalk 12,27. 

Kali 1,72. Natron 3,39. 
Auf Gewichtstheile berechnet, würde jenem Molecular- 
Verhältniss entsprechen: 10,2 pCt. Orthoklas, 28,7 pCt. Albit, 
61,1 pCt. Anorthit. Nach Abzug des als mechanisch beige- 
mengt zu betrachtenden Orthoklases , bleiben demnach fast 
genau 90 pCt. eines Labradors übrig, welcher (im Sinne der 
TsOHERMAK'schen Theorie) als eine isomorphe Mischung von 
1 Mol. Albit -)- 4 Mol, Anorthit zu betrachten ist, für welche 
sich folgende procentische Zusammensetzung berechnet: 

Kieselsäure 51,22. Thonerde 31,34. Kalk 13,66. 
Natron 3,78. 

Dieselbe entspricht einem Plagioklas, welcher eine Zwischen- 
stellung zwischen dem typischen Labrador und dem Anorthit 
einnimmt. Von ähnlicher Zusammensetzung ist der „etwas 
verwitterte weisse Labrador aus dem Monzonit in der Nähe 
des Kalks von Cauzacoli " , welchen Lemberg analysirte 



361 



(Zeitschr. d. d. geol. Ges. 1872 pag. 189), sowie der von 
Damour untersuchte Labrador aus einer Lava vom Berufjord in 
Island, und der von Ludwig, Rammelsberg und mir analysirte 
Labrador aus dem Norit des Närödal's. 

Jenes oben erwähnte grosskörnige Gestein, in den Block- 
meeren des Piano sich findend , welches eine so merkwürdige 
Verwachsung von Hornblende mit Augit darbietet, besteht aus 
weissem Labrador, Augit, Hornblende, Biotit und Magneteisen, 
sowie etwas blättrigem Kalkspatb. Der Augit, von dunkel- 
grüner Farbe, bildet bis 4 Cm. grosse Krystallkörner j die 
Hornblende ist gleichfalls grün , doch mit einem Stich in's 
Braune, durch den stumpfen Winkel und die Vollkommenheit 
der Spaltungsrichtungen leicht vom Augit zu unterscheiden. 
Die in geringerer Menge vorhandene Hornblende ist nun auf 
das Innigste mit dem Augit verwachsen. Krystallkörner des 
letzteren Minerals (2 bis 3 Cm. gross) bestehen theilweise aus 
Hornblende in paralleler Verwachsung. An einem 1 Cm. 
grossen Krystallkorn war auf der einen Seite die Hornblende- 
spaltung auf das Deutlichste ausgesprochen ; als ich nun das 
Korn um die verticale Axe drehte, fand ich auf der Hinter- 
seite den Hornblendebruch nicht mehr, sondern statt desselben 
die unvollkommenere unterbrochene Spaltbarkeit des Augits. 
Bei der nur geringen Farbenverschiedenheit beider Substanzen 
trat die Grenze wenig auffallend vor. Im Querbruche verlief 
sie unregelmässig, das Korn in zwei Hälften theilend. Augit 
und Hornblende sind beide gleich frisch und glänzend; nichts 
würde hier die Annahme einer secundären Bildung der einen 
aus der anderen Substanz rechtfertigen. Die innige Verbin- 
dung, in welcher hier die beiden so nahe verwandten und 
fast als heteromorph betrachteten Mineralien erscheinen, for- 
derte dazu auf, auch ihre chemische Constitution wenigstens 
insoweit zu erforschen , um eine Vergleichung beider zu er- 
möglichen. Es war in diesem Falle von besonderem In- 
teresse, die Frage zu beantworten, ob beide Mineralien eine 
wesentlich gleiche oder eine verschiedene Zusammensetzung 
besitzen. 



362 



Augit, Hornblende, 
mit einander verwachsen. 

Spec. Gew. . 3,317 3,112 

Kieselsäure . . 49,60 49,25 

Thonerde . . . 4,16 5,83 

Eisenoxydul. . 9,82 16,97 

Kalk 21,86 . 13,03 

Magnesia . . . 14,42 13,13 

99,86 98,21 

Augit und Hornblende besitzen also hier trotz ihrer innigen 
Verbindung und bei gleichem Kieselsäuregehalt dennoch eine 
verschiedene relative Menge der Basen. Recht bemerkens- 
werth ist auch, dass der Augit trotz seines viel geringeren 
Eisengehalts ein wesentlich höheres spec. Gewicht besitzt. Es 
deutet diese Thatsache auf eine verschiedene molekulare Con- 
stitution und widerlegt die mehrfach ausgesprochene Ansicht, 
dass Augit und Hornblende lediglich als dimorph verschiedene 
Mineralien zu betrachten seien. Der Augit gehört der Varietät des 
Fassaits, dem thonerdehaltigen Kalk-Magnesia-Eisen=Augit an; 
während die Hornblende dem Pargasit (Dana), der thonerde- 
haltigen Kalk-Magnesia-EiseusHornblende zuzuzählen ist. — 
Aehnliche innige Verbindungen von Augit und Hornblende, wie 
wir sie bei jenem grosskörnigen Augit -Labrador -Gestein er- 
kannt haben , walten nun auch bei den herrschenden Diabas- 
varietäten. 

Der Diabas des Monzoui (Monte ßiccobetta etc.) besteht 
wesentlich aus Labrador (neben welchem , wie schon eine 
recht sorgsame Betrachtung mittelst der Lupe und noch deut- 
licher die Untersuchung durch das polarisirende Mikroskop 
erweist, gewöhnlich etwas Orthoklas vorhanden ist), Augit, 
Hornblende, Magnesiaglimmer, Magneteisen, Titanit, Apatit. 
Als accessorische Gemengtheile , theils in der Grundmasse, 
theils in Drusen, sind zu nennen: Turmalin, Granat, Zirkon, 
Epidot, Axinit; Chabasit, Prehnit , Kalkspath. — Das Ge- 
stein besitzt ein sehr verschiedenes Korn; bald grobkörnig, 
bald feinkörnig, auch porphyrartige Varietäten sind häufig; in 
ihnen bildet entweder der PJagioklas in körnigem Gemenge 
eine Art Grundmasse, in welcher die Augitkörner inneliegen, 
oder es besteht die Grundmasse aus körnigem Augit resp. 



363 



Hornblende, in welcher isolirte Plagioklase ausgeschieden 
sind. Auch sehiefrige Abänderungen kommen vor, in denen 
die Plagioklas- Tafeln eine angenähert parallele Lage haben. 
Ueber das mikroskopische Verhalten der Diabase des Mon- 
zoni verdanke ich Hrn. Prof. Rosenbüsch folgende wichtige 
Mittheilung: 

„Sämmtliche Proben sind vorwiegend Gemenge aus einem 
triklinen Feldspathe, neben welchem aber zweifelsohne auch 
ein monokliner Feldspath vorhanden ist in einfachen Krystallen 
und Carlsbader Zwillingen, welchen bisweilen die triklinen 
polysynthetischen Individuen eingelagert sind. Doch überwiegt 
entschieden der Plagioklas. — Neben dem oft recht frischen 
Augit, der ganz demjenigen der Diabase des rheinischen 
Devons oder der Harzer Diabase ähnelt und sich nur in 
manchen Durchschnitten (zumal normal zur Hauptaxe mit 
deutlich erkennbarem Spaltwinkel von 87 °) stärker dichroi- 
tisch zeigt, als dies gewöhnlich der Fall ist — etwa mit Aus- 
nahme des Augits in den Nephelin- und Leucitgesteinen , bei 
denen sich gleichfalls recht oft ein deutlicher Pleochroismus 
einstellt — findet sich ein brauner, rhombischer Glimmer, der 
wohl zum Phlogopit gehört und ferner als ursprüngliches Mi- 
neral auch Hornblende , sehr deutlich erkennbar durch ihre 
Blätterdurchgänge und durch die Lage der optischen Con- 
stanten. Weit interessanter aber als dieses Vorkommniss ist 
das Auftreten der Hornblende in der Form des Uralits. Zu- 
weilen fasert sich ein grösseres Augit-Individuum an einem 
Ende in Uralitprismen aus. Dies ist eine in älteren Augit- 
gesteinen so überaus häufige Erscheinung, dass ich es nicht 
für der Mühe werth gehalten haben würde, sie zu erwähnen, 
wenn ich nicht in dem Monzonigestein zum ersten Male damit 
verknüpft ein Phänomen wahrgenommen hätte, welches ich 
früher nie beobachtete. In allen bisher zu meiner Beobach- 
tung gelangten Fällen waren nämlich die parallel liegenden 
Uralitsäulchen auch optisch genau parallel orientirt. Hier ist 
das an einigen Stellen anders, und es liegen die Auslöschungs- 
richtungen oder Elasticitätsaxen in benachbarten Uralitfasern, 
die durchaus parallel erscheinen, wie sie in den Hälften eines 
normalen Amphibol - Zwillings liegen müssen. Die Erschei- 
nung ist durchaus nicht zu verwechseln mit der in meiner 
Physiographie pag. 316 angedeuteten, wo ursprüngliche Augit- 



364 



Zwillinge in zwei Complexen zu unter sich parallelen Uralit- 
kryställchen verwandelt sind. Bei den in Frage stehenden 
Uraliten aus dem Monzoni-Gestein ist ein einheitliches Augit- 
Individuum in parallele Uralit - Aggregate verwandelt, deren 
einzelne Säulchen zu einander in der Amphibol - Zwillings- 
stellung sich befinden. Freilich findet sich die Erscheinung 
nur in einem der Präparate, und ich bin in Bezug auf die ehe- 
malige Augitnatur insofern nicht absolut sicher, da die in Rede 
stehenden Uralit - Aggregate keinen Augitkern mehr enthalten, 
und die äussere Umgrenzung nicht als Beweis dienen kann. 
Indessen liegen so mannigfache Uebergänge aus diesem Falle 
durch ganz normale und unzweifelhaft als solche nachweis- 
bare Uralite in die frischen Augite vor, dass mir kaum ein 
Zweifel bleibt." 

Eine besonders schöne Varietät des Diabas wurde ge- 
wählt, um den Plagioklas auszusuchen und zu analysiren. 
Das Gestein besitzt ein porphyrartiges Gefüge; weisse, tafel- 
förmige Plagioklase liegen in einer wesentlich aus innig ver- 
wachsener, Uralit -ähnlicher Hornblende bestehenden Grund- 
masse. Die Plagioklase, bis 2 Cm. gross, 5 Mm. dick, sind 
sämmtlich Doppelzwillinge, indem zunächst zwei oder meh- 
rere Individuen nach dem Carlsbader Gesetze des Orthoklas 
d.i. ,,Drehungsaxe die Verticale" verbunden sind; jedes dieser 
Individuen dann wieder aus zahllosen feinsten Lamellen be- 
steht, welche nach dem Albitgesetze ,,Drehungsaxe normal 
zum Brachypinakoid M" verbunden sind. 

Plagioklas aus dem Diabas des Monzoni. 

Spec. Gewicht 2,690. Glühverlust 1,36 pOt. 



Kieselsäure . 


. . 55,83 


Ox. 29,78 


Thonerde . . 


. 27,57 


12,87 


Eisenoxydul . 


. 1,29 


0,29 


Kalk 


. 7,03 


2,29 


Kali 


. 3,56 


0,605 




. 4,09 


1,055 




99,37 





Sauerstoffproportion 0,988 : 3 : 6,942. 

Suchen wir, wie es auch oben geschehen, eine Verbin- 
dung von Orthoklas, Albit und Anorthit zu berechnen, in wel- 



365 



chem der erstere mechanisch beigemengt, die beiden triklinen 
Feldspathe als in isomorpher Mischung zu betrachten sein 
würden, so gelangen wir zu weniger übereinstimmenden Resul- 
taten als oben (die Ursache werden wir alsbald durch die mikro- 
skopische Betrachtung erkennen). Eine Verbindung von 1 Mol. 
Orthoklas, 2 Mol. Albit, 4 Mol. Anorthit ergiebt nämlich: 
Kieselsaure 57,32. Thonerde 26,44. Kalk 8,23. 

Kali 3,46. Natron 4,55. 
Es gelingt offenbar nicht, durch eine Verbindung nach 
anderem Verhältniss Werthe zu erhalten , welche sich den 
Zahlen der Analyse mehr nähern. Nehmen wir in der Ver- 
bindung mehr Anorthit an, so nähert sich zwar die berech- 
nete Kieselsäure mehr dem gefundenen Werthe , doch gleich- 
zeitig wird die Abweichung in den Zahlen der Thonerde noch 
grösser. 

Im mikroskopischen Schliffe zeigen die Labradorkörner 
(als deren ideale Mischung wir 1 Mol. Albit -f- 2 Mol. Anor- 
thit annehmen dürfen) eine meist unreine Beschaffenheit. Es 
gewinnt den Anschein, als ob dieselben sich aus der Grund- 
masse nicht völlig abzusondern vermocht hätten. Die Pla- 
gioklaskörner sind gleichsam verschleiert, sodass partieenweise 
der krystallinische Charakter zurücktritt und die Substanz aus 
einem unreinen Gemenge von Grundmasse und Mikrolithen 
besteht. Interessant ist es, zu beobachten, wie die Plagioklas- 
streifung sogleich deutlich dort wieder einsetzt, wo die Ver- 
unreinigungen und Wolken etwas zurücktreten. Man gewinnt 
die Ueberzeugung, dass hier eine unvollkommene Ausscheidung 
krystallinischer Körner aus einer widerstrebenden Grundmasse 
vorliegt, in welcher die Elemente von Plagioklas und Orthoklas 
zum Theil noch nicht getrennt sind. Diese Ansicht stützt 
sich auf die oben angegebene Thatsache , dass viele Diabas- 
varietäten , welche unter dem Mikroskop als ein reineres 
krystallinisches Gemenge erscheinen, neben sehr vorherrschen- 
dem Plagioklas auch etwas Orthoklas erkennen lassen. — 
Die Hornblende des in Rede stehenden porphyrartigen Diabas 
zeigt unter dem Mikroskop ein verworren fasriges Gefüge; 
sie ist zu strahlig- büschligen Partieen gruppirt. Augit fehlt 
nicht. Stets sind Glimmer und Magneteisen vorhanden. 

Nachdem dieser porphyrartige Diabas , indem er eine 
mechanische Aussonderung gestattete, uns die chemische Mi- 



366 



schung des constituirenden Plagioklas kennen gelehrt, wenden 
wir uns zu dem zweiten wesentlichen Gemengtheil der Mon- 
zoni-Diabase, dem Augit. . 

Im Diabas des Monzoni tritt zuweilen der Plagioklas fast 
ganz zurück, und das Gestein verwandelt sich so in einen fast 
reinen Augitfels. Solcher Art ist die Varietät, welche zuweilen in 

Drusen deutlich ausgebildete Augite 
führt. Diese von Bernard aufge- 
fundenen Krystalle sind von dunkel- 
lauchgrüner Farbe bis 1 Cm. gross. 
Ihre Form (s. nebenstehende Figur, 
eine grade Projection auf die Ho- 
rizontalebene) , ähnlich derjenigen 
mancher Augite von Traversella, ist 
eine Combination folgender Flächen : 




s = (af : b : c), P 

u = (a:b:c), — P 

o = (|a':^:c), 2P 

z =1 (ooa:|b:c), (2 Poe) 

p = (a':oob:c), + P oo 

m = (a:b:ooc), oo P 

a == (a : oo b : oo c), ooPoo 

c = (ooa:oob:c), oP 

Einer dieser Krystalle war glattflächig genug, um die 
Messung mehrerer Winkel mit dem grossen Goniometer zu 
gestatten : 

m:m' = 87° 16' 87° 10' (Winkel des gelben 

m:z == 131 51 131 54 Augits vom Vesuv) 

Das Gestein , welches diese Augite führt, hat eine etwas 
drusige Structur ; in den kleinen Hohlräumen finden sich 
Körner von Kalkspath. Auch jener porphyrartige Diabas, aus 
welchem die Plagioklaskörner zur Analyse ausgesucht wurden, 
enthält — wie das mikroskopische Studium lehrte — etwas 
Kalkspath, kleine drusenähnliche Räume erfüllend. Polari- 
sirtes Licht lässt eine grosse Zahl von Zwillingslamellen, 
parallel — ^ R, erkennen. — Nachdem man einmal von dem 
Vorhandensein des Augits in diesen Monzoni - Diabasen sich 
überzeugt, erkennt man ihn überall wieder. Seine Farbe ist 



367 



gewöhnlich schwärzlicbgrün, doch auch zuweilen fast schwarz. 
Bisweilen wird man durch glänzende schwarze Flächen auf 
dem Gesteinsbruch überrascht; sie entsprechen dem Ortho- 
pinakoid (Querfläche). Neben dem Augit tritt in den Monzon- 
Diabasen meistens Hornblende deutlich hervor; viele Varietäten 
lassen keinen Augit erkennen , sondern nur Hornblende von 
dunkelgrüner Farbe, mit seidenglänzenden Spaltflächen. Diese 
Hornblende besitzt ganz den Charakter des Uralits. Kleinste 
Magneteisenpunkte, welche diese Uralit - ähnliche Hornblende 
erfüllen , erinnern daran , dass auch der Uralit von Arendal 
(Hornblende in Augitform) von Magneteisen gewöhnlich be- 
gleitet ist. Selten nur lässt der Uralit in unsern Diabasen 
deutlich die Augitform erkennen. Erst allmälig gelangt man 
demnach zu der Ueberzeugung, dass man es nicht mit echter 
Hornblende zu thun hat. So erklären sich die Worte v. Bdch's 
(1824): „Die Hornblendekrystalle des Monzon - Syenits sind 
deutlich und schön ; ihr blättriger Bruch lässt sie fast an 
jedem Bruch gar deutlich erkennen; sie sind gewöhnlich nicht 
schwarz, sondern lauchgrün." Vierzig Jahre später glaubte 
auch de Lapparent (a. a. O. pag. 258) dieser Wahrnehmung 
durchaus zustimmen zu müssen, indem er von dem Hyperstbe- 
nite Rose's und v. Richthofen's sagt: „je n'ai pu y voir 
autre chose que de Pamphibole avec mica, fer oxydule et py- 
rite au milieu du labradorit. Partout ou la matiere fibreuse 
verte, sur laquelle il pourrait y avoir doute, se presente en 
cassures nettes, on y reconnait le double clivage de l'amphi- 
bole. u Die Frage , ob diese uralitische Hornblende wirklich 
aus Augit entstanden ist, wage ich nicht zu entscheiden. 

Häufig erglänzen auf den vielfach unterbrochenen Spalt- 
flächen der Hornblende kleine Glimmer-Täfelchen. Die grösse- 
ren Glimmer - Tafeln bilden häufig unterbrochene oder auch 
getrennte Partieen , welche trotz vielfacher Unterbrechungen 
durch Plagioklas und Hornblende stets wieder in denselben 
Ebenen einspiegeln. Noch ausgezeichneter wie am Monzoni 
zeigt sich diese Erscheinung an dem Gestein der Margola bei 
Predazzo. 

Ein ungewöhnlicher Bestandtheil der Diabase ist der Tur- 
malin von schwarzer Farbe, dessen schon v. Büch Erwähnung 
thut: „Quarz sehe ich nie, wohl aber Turmalin in ansehn- 
lichen, aus einem Mittelpunkt sich verbreitenden Krystallen." 



368 



Die büschelförmig gruppirten Turmalin - Nester erinnern sehr 
an das gleiche Vorkommen im rothen Turmaliugranit von 
Predazzo. 

Der Diabas des Monzoni führt ausser den genannten noch 
folgende Mineralien, welche nicht sowohl im Gemenge, als in 
Drusen und auf Kluftflächen sich finden: Granat, Epidot, 
Axinit, Chabasit, Prehnit. Der Granat von brauner Farbe, 
in der Combination des Dodekaeders mit dem Ikositetraeder 
20 2, ist selten, die Krystalle nur klein, in Begleitung von 
Epidot Kluftfläche bedeckend. Derber brauner Granat bildet 
zuweilen zollmächtige unregelmässige Gangschnüre. Den Axinit 
vom Monzoni kannte bereits v. Senger in seiner „Oryktognosie 
Tyrols", welche Angabe in viele Lehrbücher übergegangen ist. 
Doch wurde in dem verdienstvollen Werke ,,Die Mineralien 
Tyrols" von Liebener und Vorhauser jenes Vorkommen nicht 
anerkannt, „weil in keiner Sammlung Tyrols ein Exemplar 
zu finden war und deshalb eine Täuschung vermuthet wurde." 
Ich fand dann den Axinit nahe dem höchsten Kamm , un- 
mittelbar unter der Monzonischarte (Nordabhang) wieder auf 
(s. Pogg. Ann. Bd. 128 pag. 44). Er bildet in Begleitung von 
braunem Granat und Kalkspath zollmächtige Gangschnüre im 
Diabas. Bis jetzt ist er nur in krystallinisch blättrigen Massen, 
nicht in ausgebildeten Krystallen vorgekommen. Der Axinit 
ist ein in den Alpen immerhin seltenes Mineral, indem es wohl 
nur zu Saint-Christophe en Oisans, im Medelser Thal (Grau- 
bünden) am Monzoni, sowie (nach Des Cloizeaux) am Montan- 
vert vorkommt.*) Den Zirkon beobachtete ich nur ein einziges 
Mal in Begleitung von Epidot und Albit in einer Druse des 
Diabas von Allochet, welcher daselbst untergeordnete Partieen 
im Syenit zu bilden scheint. — Bereits v. Büch kennt den 
Chabasit vom Monzoni: ,, Zu den Sonderbarkeiten dieses Ge- 
steins, sagt er, gehört es, dass man nicht selten Klüfte des 
Gesteins auf beiden Seiten mit sehr schönen vollkommenen 
Rhomboedern von Chabasie besetzt sieht." 

Das Vorkommen der genannten Mineralien beobachtet 
man am besten, wenn man vom Piano zur Monzoni -Scharte, 
ca. 800 M. , emporsteigt, auf welchem Wege sich auch die 



*) v. Zepharovich führt Axinit auch vom Villanderer Berg bei 
Klausen an (Min. Lexicon f. Oesterreich II. Bd. 1873). 



369 



verschiedenen Varietäten des Diabas vortrefflich darbieten. 
Von der Fassaitlagerstätte (deren Schilderung weiter unten) 
steigt man steil und steiler in einer schmalen, sich endlich zu 
einer Scharte verengenden Felsschlucht empor. Das Gestein 
ist im Ansehen sehr wechselnd , bald reich an Plagioklas und 
licht, bald reich an Augit oder Uralit - ähnlicher Hornblende, 
dann dunkel. Die Ablösungsflächen der Felsen sind vielfach 
mit Serpentin überzogen. Chabasit überkleidet streckenweise 
alle Gesteinsklüfte. Ich sah auf der Felsenwanderung zahl- 
reiche unregelmässige Gänge verschiedener Gesteinsvarietäten: 
lichte Gänge auf dunklem Grunde, auch gangähnliche Serpentin- 
massen auf lichterem Grunde. Auch fand ich kubikfussgrosse 
Blöcke von braunem derbem Granat, mit Kalkspath gemengt; 
zuweilen beide Mineralien in Zonen geordnet. Prehnit sah 
ich in zerfressenen Quarzgängen, welche oben auf der Kamm- 
höhe erscheinen. Auch im Toal dei Rizzoni soll das Mineral 
vorkommen. Zahlreiche Gänge einer serpentinreichen Gesteins- 
varietät setzen auf der schneidigen First des Kammes auf, 
welcher in schnellerem Wechsel aus lichteren und dunkleren 
Massen besteht. Man glaubt zu bemerken , dass es diese 
serpentinisirten, leichter verwitterbaren Massen gewesen, welche 
zu den Brechen-ähnlichen Einbrüchen der First Veranlassung 
boten. 

Vom Diabas , dem Augit - Labrador - Gestein, möchte ich 
trennen einen Gabbro, Diallag- Labrador -Gestein, welches, 
wenngleich nur untergeordnet, am Monzoni vorkommt. Diese 
Felsart, welche ich in losen Blöcken unmittelbar vor dem 
Anstieg vom Piano zu den Seile fand, zog durch seine Schön- 
heit und Grobkörnigkeit (1 bis 2 Cm. Korngrösse) meine Auf- 
merksamkeit auf sich. Dieser Gabbro ist ein Gemenge von 
Labrador, Diallag-ähnlichem Augit, Olivin, wenig Magnesia- 
glimmer, Magneteisen. Der Labrador zeigt unter dem pola- 
risirenden Mikroskop deutliche Zwillingsstreifung. Der Diallag, 
von schwarzer Farbe, bildet unregelmässig begrenzte Körner, 
an welchen drei deutliche Spaltungsrichtungen gemessen wer- 
den konnten. Von diesen sind zwei gleich deutlich und 
schneiden sich unter ca. 944 ; sie entsprechen dem verti- 
calen Prisma des Augits. Die dritte Spaltbarkeit, vollkom- 
mener als die beiden erstgenannten, stumpft die scharfe Kante 
derselben ab, gehört also dem Orthopinakoid an. — Im Dünn- 



370 



schliff ist der Diallag lichtgrün, mit schönen concentrischen 
Anwachsringen. Bemerkenswerth sind zahllose feinste Sprünge 
oder Spalten, welche, in fwei sich unter etwa 105° schneiden- 
den Richtungen geordnet, die DiallagkÖrner durchsetzen. Diese 
schwarzen Spaltlinien erscheinen nicht gleichmässig im Diallag- 
korn, sondern gleichsam schwarmweise vertheilt, vergleichbar 
den schwarzen Liniengruppen , welche Prof. Rosenbusch in 
seinem vortrefflichen Werke (Mikrosk. Physiogr. s. Taf. VIII. 
Fig. 48 pag. 263) am Anthophyllit darstellt. Bei dem Diallag 
vom Monzoni ist zum Unterschied von jenem Anthophyllit die 
Streifung stets eine zweifache. Nicht unwahrscheinlich ist es, 
dass diese Spaltsysteme mit einer beginnenden Umänderung 
zusammenhängen. Von besonderem Interesse ist das Vorkommen 
des Olivins, welcher bisher in den Monzonigesteiuen noch nicht 
beobachtet wurde. Unter dem Mikroskop sind die Krystalle 
mit aller Sicherheit zu erkennen , sowohl an ihren Umrissen, 
als auch an ihren zahlreichen, etwas gekrümmten Sprüngen, 
in denen eine Zersetzung der Körner beginnt, sowie endlich 
an ihrer eigenthümlich rauhen oder „sanft wellig gekräuselten" 
Oberfläche (RosenbüSCh). Häufig sind die Olivinkörner im 
Diallag eingewachsen. Einmal durch die mikroskopische Be- 
trachtung auf das Vorhandensein des Olivins aufmerksam, 
gelingt es auch , auf dem frischen Gesteinsbruche den wenig 
spaltbaren, glasglänzenden, licht grünlichgelben Olivin zu er- 
kennen und vom dunklen, blättrigen Diallag zu unterscheiden. 
Das Vorkommen des Olivins ist auch insofern von Interesse, 
als seine Association mit Diallag eine nicht ungewöhnliche ist, 
z. B. im schwarzen Gabbro von Neurode (s. G. Rose, diese 
Zeitschr. 1867 pag. 276). 

Labrador aus dem Gabbro vom Monzoni: 



Spec. Gew. 2,668. Glühverlust 0,49. 





I. 


II. 


Mittel 




Kieselsäure 


, . 55,51 




55,51 


Ox. = 29,60 


Thonerde . 


. . 28,81 


29,10 


28,99 


13,53 


Kalk 


, . 9,61 


9,21 


9,41 


2,69 


Kali 




2,51 


2,51 


0,42 






4,48 


4,48 
100,90 


1,15 



Sauerstoffproportion 0,945 : 3 - 6,563. 



371 



Dieser Plagioklas stimmt demnach nahe überein mit einem 
Labrador aus dem Diorite des Veltlin , welcher mit Horn- 
blende associirt ist (s. Pogg. Ann. Bd. 144 pag. 246). . 
Kieselsäure 55,15. Thonerde 29,56. Kalk 9,58. 
Kali 0,80. Natron 5,23. 

— entsprechend einer Mischung von 1 Mol. Albit -f~ 2 Mol. 
Anorthit. 

Herr Prof. Websky hatte die Güte, sich der optischen 
Untersuchung des schwarzen Diallags zu unterziehen. Der- 
selben zufolge liegen die optischen Axen in der Symmetrie- 
Ebene. ,,Die Bissectrix ist positiv und bildet mit einer Nor- 
malen auf die Basis (ca. 74° geneigt zur Verticalaxe) einen 
Winkel von 2° 54' nach vorne geneigt. Die Axenapertur 
2 V — 45° 42'. Die optische Normale bildet einen Winkel 
von 18° 55' mit der Normalen zur Querfläche (dem Ortho- 
pinakoid). Nach Des Cloizeatjx giebt Pyroxen: positive 
Bissectrix 22° 53' gegen die Normale auf die Basis, gleich- 
falls nach vorne geneigt. 2 F = 58 u 59'; die optische Nor- 
male bildet 38° 54' mit einer Normalen auf die Querfläche. 

— Dagegen macht beim Achmit die optische Normale einen 
Winkel von 7° mit der Normalen auf die Querfläche und lie- 
gen von ihr die optischen Axen weit ab.' 4 (s. auch Roseebüsch, 
Mikrosk. Physiographie pag. 294, 303). Von Herrn Prof. 
Websky rührt auch die Bestimmung dieses Minerals als Diallag 
her. — Durch den Nachweis des schwarzen Diallags am Mon- 
zoni erhält die Angabe G. Rose's über das Vorkommen des 
Hypersthens daselbst wenigstens eine gewisse Bestätigung 
(gegenüber der Behauptung de Lapparent's , dass nur Horn- 
blende in jenen Gesteinen sich finde), wenn man erwägt, dass 
man damals kein Mittel besass, die schwarzen Diallagvarie- 
täten vom Hypersthen zu scheiden. 

Schwarzer Diallag vom Monzoni: 
Spec. Gew. 3,365. 

Kieselsäure . . 45,88 Ox. =t 24,47 

Thonerde . . . 5,10 2,38 

Eisenoxydul. . 12,62 2,80 

Kalk 20,30 5,80 

Magnesia . . . 13,81 5,52 
97,71 



372 



Diese Analyse ist leider, wie der Verlust ergiebt, nicht 
gauz befriedigend. Die Kieselsäure scheint etwas zu gering 
bestimmt zu sein. Ob der Verlust hier stattgefunden, oder 
ob durch fein beigemengten Olivin der Kieselsäuregehalt herab- 
gedrückt erscheint, wage ich nicht zu entscheiden. Der 
schwarze Diallag vom Monzoni erinnert an den braunen üiallag 
aus dem schwarzen Gabbro von Neurode , welches Gestein 
auch dadurch dem Gabbro des Monzoni gleicht, dass es Olivin 
als wesentlichen Gemengtheil enthält (s. diese Zeitschr. 1867 
pag. 281). 

Lernen wir nun einige der Mineralfundstätten*) des Mon- 
zoni kennen, welche an den Contact von Eruptivgestein und 
Kalk gebunden sind. Eine der ausgezeichnetsten ist das 
Fassaitlager auf der Nordseite des Berges , unterhalb der 
Scharte. Dasselbe wurde von Bersard aufgefunden ; es hat 
viele treffliche Krystalle geliefert. Die Lagerstätte ist eine 
ellipsoidische Masse von krystallinischem Kalkstein, rings um- 
schlossen von Diabas. Die Kalkscholle ist auf einer Strecke 
von etwa 50 M. im Streichen entblösst, während ihre verti- 
cale Mächtigkeit etwa 5 M. beträgt. Diese Kalkmasse wird 
indess durch eine schmale Diabasbank oder -lagergang in 
zwei Theile gesondert. Der Diabas ist in der Nähe des Kalks 
zu Serpentin verändert, und auch der Kalkstein ist von Ser- 
pentin durchzogen ; er ist eine Art von Ophicalcit. Im un- 
mittelbaren Contact beider Bildungen fanden sich die berühmten 
lichtgrünen Fassaite, deren Drusen — ursprünglich von spä- 
thigem Kalk erfüllt — erst durch die Verwitterung blosgelegt 
wurden. Diese Fundstätte liegt etwa 2100 M. hoch. — Das 
Kalklager, welches die Fassaite führt, setzt, auf weite Strecken 
durch Felsgerölle unterbrochen, sowohl nach Ost als nach 
West fort. In letzterer Richtung hebt sich das Kalklager oder 
der Zug an einander gereihter mächtiger Schollen erst allmälig, 
dann schneller am felsigen Gehänge bis zu einem der höchsten 
Monzonigipfel empor. Einige hundert Schritte südwestlich von 
der Fassaitfundstätte ragt aus den Diabasfelsen ein wohl 12 M. 
in jeder Richtung messender lichter Kopf von krystallinischem 



*) Die Entdecker der Monzoni - Mineralien waren — soviel ich er- 
kundete — die beiden Brüder Aiücstin aus Fassa. Ihnen folgte im 
mühevollen Berufe des Krystallsuchens G. B. Beknahd in Campitello. 



373 



Kalk hervor. Derselbe verräth durch seine körnige Beschaffen- 
heit den metamorphischen Einfluss des Eruptivgesteins ; Con- 
tactmineralien finden sich indess hier nicht. Weiterhin bedecken 
wilde Steinhalden den anstehenden Fels , sie lehnen sich an 
pralle unersteigliche Wände, welche unmittelbar unter dem 
westlichen Monzonigipfel , umgeben von dunklem Diabas oder 
Syenit, lichtere Kalkstreifen erkennen lassen. Als ich zur 
Palla verde (über welche man den Ursprung des Pesmeda- 
thals erreichen kann) , westlich des genannten Gipfels, empor- 
stieg, erblickte ich deutlich unterhalb des Gipfels eine mäch- 
tige Kalkmasse. Sie erschien in Straten gesondert und von 
Gängen durchsetzt. Es ist unmöglich, an diese Stelle zu ge- 
langen, doch finden sich in der Blockhalde, welche von dort 
gegen das Piano herabzieht, Blassen von körnigem Kalk mit 
gelbem Vesuvian*) in schönen Krystallen zugleich mit kleinen 
Fassaiten. Auf diesen Punkt beziehen sich die Worte von 
Büch's : „Man sieht von unten recht deutlich, wo der Vesuvian 
anstehend ist; aber noch hat ihn Niemand dort auf seiner 
Lagerstätte in der Nähe gesehen. Es ist ganz oben am Gipfel 
ein oberes Lager von grosser Mächtigkeit, doch von geringer 
Erstreckung. Es fallen dort beständig Blöcke herunter, ein 
Gemenge von blauem Kalkspath mit Vesuvian, eines der 
schönsten Gemenge, welches die Gebirge aufweisen können. tt 
— Gegen Osten von der erstgenannten Fassaitfundstätte findet 
sich das Kalklager am Fusse jenes vom Riccobettaberg gegen 
Nord vorspringenden, zerbrochenen Felsrückens wieder (siehe 
Taf. IX. Fig. 2), sinkt dann aber zum Piano hinab, unter 
dessen Felsmeer sowohl jenes Lager als auch die Gesteins- 
grenze sich verbirgt. Während am Nordabhange des Ricobetta- 
berges die Fundstätten der Mineralien rings umschlossenen 
Kalkschollen angehören, liegen sie am nordöstlichen Ende des 
Gebirges bei le Seile auf der Grenze zwischen Syenit und den 
das Eruptivgestein umschliessenden Kalkmassen. Eine eigen- 
thümliche Gestaltung besitzt der vom Piano gegen Osten 
ziehende Thalzweig, durch welchen ein hoher Uebergang nach 
S. Pellegrino führt. Man steigt von der Monzoni-Ebene eine 



. *) In der Sammlung des Ferdinandeuni zu Innspruck sah ich einen 
Vesuvian- Krystall vom Monzoni von S Cm. Grösse, breit, niedrig, die 
Basis untergeordnet. 

Zeits.d.D.geoI. Ges. XXVII. 2. 25 



374 



steile Stufe hinan , nun breitet sich eine ebene Terrasse mit 
kleinen Teichen aus. Wieder hebt sich eine steile Stufe und 
zum zweiten Male folgt eine ebenere Fläche mit Wasserbecken. 
Endlich zieht sich der wilde Thalhintergrund steil und grausig 
zum hohen (ca, 2600 M. hoch) Kamm empor. Die erste Fund- 
stätte, welche ich, ca. 200 M. über dem Piano, erreichte, war 
diejenige des Gehienits und des Granats. Das Eruptivgestein ist 
hier Syenit, welch' letzterer eine keilförmige Masse in den Kalk 
hineinschiebt, welcher in einen herrlichen grosskörnigen Marmor 
bis in eine Entfernung von 20 bis 30 M. von der Grenze um- 
gewandelt ist. Weiter folgt grauer Kalkstein, dann gelber 
Dolomit. Es hat zuweilen das Ansehen, als ob zunächst der 
Syenitgrenze der Kalkstein gänzlich in eine dunkle Silicatmasse, 
vorzugsweise aus Gehlenit bestehend, umgewandelt ist. Ausser 
dem Gehlenit tritt hier auch gelber Granat in Krystallen und 
mit körniger Zusammensetzung im Contact des Kalksteins und 
des Syenits auf. An keinem anderen Punkte im Umkreise des 
Monzoni schien mir die umändernde Wirkung des Eruptiv- 
gesteins so überzeugend hervorzutreten, wie an den Seile, wo 
ein herrlicher grossblättriger Marmor sich in schrittweisem 
Uebergang aus dichtem Kalkstein entwickelt. Der kleine 
Thalkessel von le Seile ist zwar mit Gerollen bedeckt, doch 
beweisen die in einer ostwestlichen Richtung geordneten zahl- 
reichen Contactstücke, körnige Aggregate von Granat und Kalk- 
spath, dass die Grenze, stets von Contactbildungen begleitet, 
mitten durch das kleine Hochthal streicht. Weiter über Kalk- 
felsen emporsteigend, fand ich zwei ungefähr ostwestlich strei- 
chende, fast senkrechte, j bis j M. mächtige Gänge eines dem 
Augitporphyr ähnlichen Gesteins. Die Gänge schliessen ein 
80 Cm. breites mauerförmiges Stück des Kalkfelsens zwischen 
sich. Keine krystallinische Metamorphose des Kalks oder 
Bildung von Contactmineralien ist an diesen Gängen zu beob- 
achten. Beide Gänge steigen an der jähen Wand zunächst 
gleichartig empor, der eine endet früher, während der andere 
noch etwa 6 M. höher fortsetzt. Sie enden beide , in ihrer 
ganzen Breite von 40 Cm. gleichsam plötzlich abgeschnitten. 
Weiter zur Passhöhe fortschreitend traf ich bald noch einen 
dritten, viel mächtigeren (6 M.), gleichfalls sehr nahe ostwest- 
lich streichenden , verticalen Gang von Augitporphyr. Auch 
hier war keine Veränderung des Nebengesteins wahrzunehmen. 



Diese Gänge eines dem Augitporphyr ähnlichen Gesteins, nahe 
der Syenit-Kalk-Grenze, erinnerten mich an die durchaas ähn- 
liche Erscheinung im Marmorbruche von Canzacoli und an der 
Margola bei Predazzo. Die später hervordringenden schwarzen 
basischen Porphyre fanden offenbar gerade auf der Grenze von 
Syenit und Kalkstein einen leichteren Durchbruch. In einer 
Höhe von etwa 600 M. über dem oberen Theil des Piano 
erreichte ich eine besonders ausgezeichnete Contactfundstätte. 
Aus dem wilden steilen Trümmerfeld erhebt sich ein flach- 
gewölbtes, von Ost nach West streichendes Felsriff, dessen 
südliche Hälfte aus Kalkstein besteht, während die nördliche 
durch Syenit gebildet wird. Das Eruptivgestein bildet hier 
dem Anschein nach eine über 30 M. mächtige gangähnliche 
Apophyse der weiter . gegen Süd befindlichen Gebirgsmasse. 
An der Grenze ist der in weiterer Entfernung dichte Kalkstein 
in schönen grobkörnigen Marmor verändert. Zwischen Marmor 
und Syenit liegt eine -~ bis 1 M. mächtige, übrigens sehr un- 
regelmässig bald anschwellende, bald sich wieder verschmä- 
lernde Bildung von grossblättrigem Kalkspath erfüllt und ge- 
mengt mit Contactmineralien : Granat und strahligem Augit. 
Der grossblättrige Kalkspath, aus welchem man 8 bis 10 Cm. 
grosse , von schönsten Zwillingslamellen durchsetzte ßhom- 
boeder herausspalten kann, schneidet merkwürdig scharf am 
Marmor ab. Unmittelbar an der Grenze gegen den Syenit 
liegen körnige Aggregate und bis 10 Cm. dicke Platten von 
gelbem und braunem Granat, welche auch vielfach den gross- 
blättrigen Kalkspath durchziehen. Auch wohlgebildete Granat- 
krystalle (ooO, 2 02) liegen im Kalk, zuweilen in grosser 
Menge, schwarmw r eise. Zum Granat gesellen sich (ausser 
Eisenkies) Zonen und Bänder von strahligem Augit, welcher 
eine vollkommene Analogie darbietet zu den Massen strahligen 
Augits von Campiglia marittima und am Cap Calamita sowie bei 
Torre di Rio auf Elba. Die Augitstrahlen ordnen sich zu 
Rosetten und diese zu Bändern, welche, durchschwärmt von 
Granaten , den grossblättrigen Kalkspath durchziehen. Wie 
wurde ich überrascht, als ich die Berührungsebene* von Syenit 
und den Contactgebilden entblösste! Ich fand sie bedeckt mit 
quadratzollgrossen Blättern von Eisenglanz. Wäre nicht die 
landschaftliche Umgebung in der Felswildniss am Monzoni 
nahe dem ewigen Schnee so durchaus verschieden von den 

25* 



376 



milden Gestaden Elba's, so hätte ich glauben können, auf den 
Felsen Calamita's oder der Torre di Rio zu stehen. 

Die geschilderte merkwürdige Contactmasse gehört, wie 
bereits oben bemerkt, der südlichen Grenze einer Syenit- 
apophyse gegen Kalkstein an. Die nördliche Grenze jener 
etwa 30 M. mächtigen Gangmasse, welche an der Oberfläche 
des Felsriffs sich deutlich darstellt, entbehrt der Contactgebilde, 
indem das Eruptivgestein unmittelbar an den zu Marmor ver- 
änderten Kalkstein grenzt. Das Eruptivgestein verändert in 
diesem und anderen in der Nähe befindlichen Apophysen und 
Gängen seinen normalen Charakter und ähnelt einem wenig 
ausgesprochenen Grünsteinporphyr. Zuweilen hat es den An- 
schein, als ob das Eruptivgestein isolirte Partieen im Marmor 
bilde, welche indess wohl unzweifelhaft nach der Tiefe hiu 
mit der Hauptmasse zusammenhängen. — Von der geschil- 
derten Fundstätte des Granats und des strahligen Augits zieht 
sich die Schlucht le Seile, einen stets wilderen Charakter an- 
nehmend, noch höher empor. In den gelben Dolomitfelsen, 
welche gegen Ost den Felskessel schliessen, bemerkt man 
gangförmige Massen von schwarzem Eruptivgestein , deren 
Zusammenhang durch die Zerstörung des Bergprofils unter- 
brochen , und deren Fortsetzung zur Tiefe durch Gerölle ver- 
deckt ist. Wir versuchten, gegen Süd gewendet, am trichter- 
förmigen Gehänge des hohen Thalcircus hinschreitend, 
den Uebergang nach Allochet zu gewinnen. Das hier 
herrschende Gestein ist Buchensteiner Kalk , ein farbigstrei- 
figer Kalkschiefer mit verticaler Schichtenstellung, von West 
nach Ost oder von WSW — ONO streichend, der unteren 
Trias angehörig. Dieser Kalkschiefer, welcher mich an 
die in der Granitnähe veränderten Schichten Norwegens 
erinnerte, scheint gleich der Marmorzone auf die Nähe des 
Syenits hinzuweisen. Bald wurde das Gehänge so jäh, dass 
wir nicht, in horizontaler Richtung fortschreitend, die Kamm- 
senkung von Allochet erreichen konnten. Wir stiegen also 
jäh empor, den verticalen Profillinien der veränderten Kalk- 
schichten folgend, überschritten den Kamm im Angesicht der 
dolomitischen Palle di S. Martino , der erstaunlichsten Berg- 
formen der Erde, wandten uns dann gegen Südwest, zur Fund- 
stätte Allochet. Es herrscht auf dem genannten Wege ein 
mehrfacher Wechsel von theils unverändertem, theils körnigem 



377 



Kalk. Wiederholt trafen wir entblösste Massen von grauat- 
erfülltem Marmor, welche vollkommen den betreffenden Felsen 
von le Seile gleichen. Auch zeigten sich im Diabas viele 
schmale Gänge eines rothen Augit-Syenits. Etwa 100 M. unter 
dem Kamm, unmittelbar im Contact von lichtröthlichem Augit- 
Syenit und Kalkstein, im südöstlichen Theile des Monzoni liegt 
die Epidot-Fundstätte Allochet. Dieser Epidot, welcher früher 
theils für Akmit, theils für Malakolith gehalten und zuerst 
durch v. Richthofen richtig bestimmt wurde, ist von grünlich- 
schwarzer bis schwarzer Farbe und bietet eine Combination 
folgender Flächen dar (s. Naumann, Min. pag. 423): 

n = (a':b:c), P 

z = (a : b : oo c), ooP 
M = (oca:oob:c), oP 
T — (a : oo b : oo c), ooPoo 

r — (a':oob:c), P oo 

1 = (a : oo b : 2 c), 2 P oo 

Neben dieser schwarzen Varietät kommt in Drusen eines Dia- 
bas, welcher in unmittelbarer Nähe der Fundstätte des schwarzen 
Epidots erscheint, auch eine grüne feinstrahlige Epidot- Varietät 
vor. Begleiter des Epidots sind : Granat in der Combination des 
Dodekaeders mit untergeordnetem Ikositetraeder 2 O 2 , Sphen, 
sowie kleine weisse Krystalle von Albit. Zu Allochet finden 
sich in Begleitung von grünem Epidot 1 bis 2 Cm. grosse 
röthlichweisse Krystalle von Anorthit. Es sind dies wohl die- 
selben Krystalle, welche von Liebener und Vorhauser, sowie 
von v. Zepharovich als Labrador angesprochen wurden. An 
diesen in der Verwitterung vorgeschrittenen Anorthiten von 
Allochet wurden folgende Flächen bestimmt: 

T = oo'P; l = ooP'; z = oo'P3; f=ooP'3; 
M = ooPoo; P = oP; n = 2'P^oo; e = 2P'oo; 
p = P; o = P y ; y - 2P,co. 

Das spec. Gew. dieser Krystalle = 2,787. Ihr Glühverlust 
= 5,38. In Folge der vorgeschrittenen Verwitterung sind sie in 
eine weiche, mit dem Messer leicht ritzbare Masse umgewandelt. 

Der Zirkon, welcher bereits oben als ein ganz seltener 
Gemengtheil des Diabas genannt wurde , ist von röthlich- 



378 



gelber Farbe, von prismatischem Habitus, 3 Mm. lang, 1 Mm. 
dick, eine Combination des Oktaeder P, des Dioktaeders 3P3, 
sowie des Prismas oo P. Dies Zirkon - Vorkommen erinnert 
an dasjenige im Hypersthenit des Radauthals bei Harzburg, 
welches G. Rose beschrieb (s. diese Zeitschr. 1870 pag. 754) 
sowie an den Zirkon im Diorite des Veltlin's (s. Pogg. Ann. 
Bd. 144 pag. 250). — Das Muttergestein des Epidots von Allo- 
chet ist gewöhnlich zersetzt, zuweilen zu einer braunen brüchi- 
gen Masse aufgelöst , in welcher man kaum noch den ur- 
sprünglichen Charakter des Gesteins erkennen kann. Der 
unfern anstehende frische Augit- Syenit ist vor den meisten 
anderen Varietäten dieses Gesteins dadurch ausgezeichnet, dass 
Feldspath und Plagioklas sich deutlich durch die Farbe unter- 
scheiden. Letzterer ist weiss, sehr vorherrschend, in 4 bis 
6 Mm. grossen Krystallen ; der Feldspath dunkelfleischroth, 
in spärlichen kleinen Körnern. Viel Biotit, wenig Augit. 

In Val Allochet herrscht ein mannichfacher Gesteinswechsel: 
Augit - Syenit, Kalkstein, Quarzporphyr. Letzteres Gestein 
bildet, wie schon Dölter hervorhebt, einen ansehnlichen Theil 
der Südseite des Gebirges, sodass die nordsüdliche Verbreitung 
des Monzongesteins eine geringere ist, als es zufolge der von 
Richthofen' sehen Karte zu sein scheint. Etwa 400 M. unter 
der Epidot- Fundstätte steht in Val Allochet ein recht frischer 
Quarzporphyr an. Die ausgeschiedenen Körner von Quarz und 
fleischrothem Feldspath (sehr wenig Plagioklas) erreichen nur 
eine geringe Grösse (5 bis 6 Mm.). Von besonderem In- 
teresse ist die höchst unregelmässige Form der Quarzkörner, 
wie sie sich im Dünnschliff darstellt. Neben rundlichen sieht 
man eckige, keulenförmige, und andere Gestalten. Die Grund- 
rnasse dringt zuweilen zungenartig in die Quarzkörner ein oder 
wird in isolirten Partieen von derselben umschlossen; zum 
Beweise, dass die Quarze wirklich sich aus der Masse abge- 
schieden haben müssen. 

Eine noch reichere Fundstätte als Allochet ist Toal dei 
Rizzoni, in welchen man hinabsteigt, nachdem man die Monzon- 
scharte von Norden her überschritten hat. In dem circus- 
ähnlichen Ursprung des genannten Tobels herrscht Augit- 
Syenit, in welchem fortsetzende Schichten und Schollen von 
verändertem Kalkstein auftreten. Es sind dies wohl un- 
zweifelhaft losgerissene und emporgehobene Theile des durch- 



379 



brochenen Gebirges. Der Kalkstein, dessen Schichtung deutlich 
erkennbar ist, ist meist zu Marmor verändert und vielfach mit 
Contactmineralien imprägnirt: Anorthit, Adular, Fassait, Mag- 
nesiaglimmer, Monticellit oder Batrachit, Titanit, Ceylanit oder 
Pleonast, Apatit, Magneteisen. 

Der Anorthit (Labrador bei Libbener und Vorhaüser, denen 
zufolge die Krystalle dieses Minerals hier die bisher nirgend 
beobachtete Grösse von 6 Cm. erreichen und in Gängen des 
Syenits mit Magnesiaglimmer, Magneteisen, Fassait und Sphen 
vorkommen) wurde von Tsohermak bestimmt (Verh. d. geol. 
Reichsanstalt 1874 pag. 37). Letzterem Forscher zufolge sind 
die grossen Anorthite stellenweise von Orthoklas in paralleler 
Verwachsung überzogen. Als beibrechende Mineralien werden 
genannt: Biotit, Apatit, Augit, Titanit. — Eine mir vorliegende 
Stufe zeigt in einer Druse eines Aggregats von grünem Biotit 
Adular - Krystalle, 1 bis 3 Cm. gross, in der Combination 
T — oc P, P = oP, x = P x, y = 2Poo. Dieselben sind gleich 
den sie begleitenden Quarzkrystallen schneeweiss , mit einem 
kaolinähnlichen Ueberzug bedeckt; Apatit fehlt nicht. — Die 
Sammlung des Ferdinandeum zu Innspruck bewahrt neben grünem 
auch schwarzen Biotit in zollgrossen Tafeln aus Toal Rizzoni. 

Eines der merkwürdigsten Monzon-Mineralien ist der Ba- 
trachit Breithaupt's (1832), welcher nach Liebener und Vor- 
hauser in grosskörnigem Gemenge mit Ceylanit und blau- 
grauem Kalkspath eine 0,3 bis 0,6 M. mächtige Bank im 
Syenit bildet. Der Batrachit fand sich bisher in Rizzoni nur 
derb oder in Krystallkörnern, deren Formen nur unvollkommen 
ausgebildet sind. Dennoch bestimmte Breithaupt das System 
in zutreffender Weise als rhombisch, wenngleich es mir nicht 
gelang, das von Breithaupt angegebene Prisma von nahe 115°, 
welchem auch eine sehr unvollkommene Spaltbarkeit parallel 
gehen soll, auf die flächenreichen deutlich ausgebildeten Kry- 
stalle von Pesmeda zu beziehen. Nachdem nun Rammelsberg 
1840 für den Batrachit die gleiche chemische Zusammensetzung 
wie für den vesuvischen Monticellit (Brooke 1831) erwiesen 
hat, und — wie alsbald nachzuweisen sein wird — die vor 
Kurzem entdeckten Batrachit-Krystalle von Pesmeda vollkom- 
men übereinstimmen mit den sehr seltenen vesuvischen Mon- 
ticelliten, so ist an der Identität von Batrachit und Monticellit 
nicht mehr zu zweifeln; von welchen beiden Namen dem letzteren 



380 



die Priorität gebührt. Unter die Analyse von Rammelsberg I. 
stelle ich zwei von mir ausgeführte Analysen II. u. III., deren 
Material ich bereits 1862 schlug , als ich durch die Scharte 
den Monzonikamm überkletterte. 



Monticellit aus dem Toal Rizzoni: 




Spec. Gew. 3,033. 


Glühverlust 1,27. 




Kieselsäure. , 


1. 

. 38,49 


Ox. .= 20,53 




Eisenoxydul 


, 3,05 


0,68 




Kalk .... 


. 36,21 


10,35 




Magnesia . . , 


. 22,25 


8,90 






100,00 






Spec. Gew. 3,054. 


Glühverlust 1,31. 




IL 


III. 


Mittel 




Kieselsäure . . 38,35 


38,15 


38,25 Ox. = 


20,40 


Eisenoxydul . . 4,29 


4,31 


4,30 


1,10 


Kalk 34,76 


34,75 


34,75 


9,93 


Magnesia. ... 23,15 


22,94 


23,05 


9,22 


100,55 


100,15 


100,35 





Es beträgt 

für Analyse I. das Ox.-Verhältniss RO:Si0 2 = 1:1,03 
II. u.III. „ „ =1:1,007 

Daraus die Formel 

2CaO, SiO, +2{pf°}si0 2 

Der Monticellit, bisher nur bekannt in den Auswürflingen 
des Vesuvs und am Monzoni, ist eines jener interessanten 
Mineralien, durch welche die in so vieler Hinsicht noch 
räthselhaften Contacterscheinungen an die vulkanischen Pro- 
cesse geknüpft werden. 

An die hohe Thalmulde von Rizzoni reiht sich gegen 
West diejenige von Damasson. Diese halbtrichterförmingen, 
überaus steilen (30°) Gebirgsausschnitte werden durch scharfe 
Rücken getrennt. In Damasson beobachtete ich wellenförmig 
gewundene Marmorschichten (im Mittel b. 3 streichend, 80° 



381 



gegen West fallend), welche zwischen Syenit lagern. Ceylanit 
und Fassait sind an vielen Punkten dem Marmor eingewachsen. 
Unmittelbar auf der Grenze von Kalk und Syenit sah ich ein 
schönes Vorkommen von Fassait, Grossular, Vesuvian, umhüllt 
von bläulichgrauem Kalkspath. Der Vesuvian aus Dammasson 
ist theils von gelber, theils von brauner Farbe, eine Combi- 
nation der Formen P, ocP, oc-P oo, oP, ooP2. 

Der nächstliegende Circus ist Toal della Foglia (das Laub- 
thal). Dasselbe besteht vorzugsweise aus Syenit, doch reicht 
vom Monte Riccobetta her auch Diabas in das Hochthal 
hinein. Im Laubthal liegt die Hauptfundstätte des Ceylanits 
und Brandisits. Ein körniges Gemenge dieser Mineralien nebst 
Kalkspath , in Drusen und an seinen Grenzflächen schöne 
Krystalle umschliessend , bildet im Syenit ein sphäroidisches, 
etwa 3 M. im Durchmesser haltendes Nest, vermuthlich eine 
metamorphosirte Kalkmasse. Die Oktaeder des Ceylanits sind 
meist an den Ecken zugespitzt durch das Ikositetraeder 
3 03. Durch Verwitterung geht die fast schwarze Farbe des 
Ceylanits in Grün über. Das Muttergestein des Ceylanits im 

Toal della Foglia ist überaus hart 
und zähe. — Unfern des genann- 
ten Fundorts findet sich auch Fassait 
(Pyrgom) von besonderer Schönheit. 
Mit dem Namen Pyrgom bezeich- 
nen die fassanischen Mineralien- 
sucher die Fassait - Zwillinge von 
nebenstehender Ausbildung*) eine 
£ Combination der Flächen: 

s = (a':b: c), P 
z = (ooa:{b:c), (2 P oo) 
m = (a : b : ooc), oo P 
a = (a:oob:ooc), ooPoo 
c = (ooa:xb:c), oP 
p == (a :cob:c), P cc 

Die Krystalle, 1 bis 3 Cm. gross, aufgewachsen in Drusen 
eines derben lichtgraulichgrünen Fassaits , sind fast immer 
Zwillinge und in letzterem Falle stets, aufgewachsen mit dem- 
jenigen Ende, an welchem die basischen Flächen cc einen 

*) Die gestrichelten Linien bezeichnen einspringende Kanten. 




382 



einspringenden Winkel bilden würden. Zuweilen finden sich 
auf denselben Drusen auch zollgrosse rhombische Krystalle, 
welche gänzlich in ein Haufwerk kleiner Fassaite umgewandelt 
sind — Pseudomorphosen von Fassait nach Monticellit, wie 
die Untersuchung der Mineralfundstätte von Pesmeda lehren 
wird. Im T. della Foglia finden sich auch Pseudomorphosen 
von Serpentin nach Ceylanit (in 5 Cm. grossen Oktaedern 
(s. v. Zepharovich, Min. Lex. pag. 425.), nach Fassait sowie 
nach Glimmer. 

Die westlichste Tbalschlucht , welche ihren Ursprung im 
Monzoni-Massiv nimmt, ist Pesmeda, deren hoher nördlicher 
Felscircus die Palle rabiose beisst. Auf dem scharfen Joche 
der Palla verde (Augit - Syenit) stehend , überblickt man die 
hohe Thalmulde von Pesmeda, welche in der Tiefe durch eine 
zerbrochene Dolomitwand, die gegen Nord mit dem Sasso di 
Loch zusammenhängt, durchsetzt und abgeschlossen wird; es 
ist der Sasso della Rocca. Ich durchschritt, von der Palla 
verde kommend, den obersten Theil von Pesmeda, und erstieg 
den scharfen Grath , welcher den genannten Thalcircus von 
Damasson scheidet (T. d. Foglia dringt nicht soweit nach 
Norden vor). Hier sah ich eine jener veränderten, mit Con- 
tactmineralien erfüllten Kalkmassen, rings von Augit- Syenit 
umschlossen. Die metamorphische Lagerstätte stellt sich als 
ein Gemenge von Granat (derb und krystallisirt), Fassait, Cey- 
lanit und blaugrauem grosskörnigem Kalkspath dar. Die erst- 
genannten drei Mineralien sind nicht selten zu sphärischen 
Zonen geordnet, deren Inneres Kalkspath einnimmt. So ent- 
stehen Aggregate, welche nicht nur durch gleiche Mineralien, 
sondern auch durch ihre Anordnung an manche Auswürflinge 
des Vesuvs erinnern. Die Grenze des Augit-Syenits ist ganz 
scharf; die losgerissene, umhüllte Kalkmasse ist im unmittelbaren 
Contact in derben Granat verwandelt; auf der Gesteinsscheide 
liegen Titanite, deren Kalk wohl dem ursprünglich sedimen- 
tären Gestein entstammt, während die Kieselsäure durch das 
Eruptivgestein, die Titansäure speciell aus dem titanhaltigen 
Magneteisen des Augit - Syenits geliefert wurde. Trotz ihrer 
Metamorphose lässt die Kalkscholle noch Spuren der Schich- 
tung erkennen. — Ich folgte nun abwärts dem schmalen Felsen- 
grath, welcher zuoberst Pesmeda von Damasson, weiter hinab 
das erstgenannte Thal von Foglia trennt. Jener Felsenkamm 



383 



entblösst mehrere rings von Augit-Syenit umschlossene Mineral- 
fundstätten, umgewandelte Kalkschollen oder -nester, wie sie 
in grosser Zahl über das Südgehänge des Monzoni verbreitet 
sind. Wo der Felsengratb in einer Höhe von 2300 M. altan- 
artig endet und plötzlich zur Tiefe stürzt, liegt die Fundstätte 
jener merkwürdigen Mineralgebilde, welche seit mehr als 
20 Jahren bekannt und in den Sammlungen verbreitet, bisher 
nicht die richtige Deutung gefunden haben, welche freilich erst 
durch neuere Auffindungen möglich wurde. Es sind Drusen, 
auf denen kleine Fassaite in regelloser Gruppirung grosse 
Krystalle zusammensetzen , deren For- 
men nicht ganz sicher wegen Unregel- 
mässigkeit der Flächen zu erkennen 
waren und deshalb, wenngleich mit 
einiger Unsicherheit, gleichfalls als Fas- 
saite gedeutet wurden. Sehr anschau- 
lich werden diese Pseudomorphosen in 
der verdienstvollen Schrift: die Miner. 
Tyrols von Liebener und Vorhauser, 
1852 geschildert, p. 24T: ,,Ganz eigen- 
tümliche bis 3 Zoll im Durchmesser 
haltende Krystalle nach Fassait, zusammengesetzt aus ganz 
kleinen, selten eine Linie breiten, oft unverhältnissmässig in 
die Länge gezogenen , ebenfalls nach Fassait krystallisirten 
Serpentin-Pseudomorphosen. Eine deutliche Vorstellung dieser 
in jeder Hinsicht höchst merkwürdigen Krystalle kann man 
sich dadurch machen, wenn man annimmt, es wäre mit den 
kleineren Krystallen ein Teich gemacht, dieser dünn und platt 
gewalzt, dann zusammengerollt und daraus die grossen Kry- 
stalle mit einem schneidigen Werkzeug geschnitzelt worden ; 
denn es lassen sich die einzelnen Blätter des aufgerollten und 
zur Bildung der Krystallflächen durchschnittenen Teiges an 
vielen derselben und selbst an der derben Masse deutlich 
wahrnehmen. Die kleineren Krystalle, die an der Oberfläche 
oder in den nicht selten vorkommenden Hohlräumen der grossen 
sitzen, erscheinen vollständig ausgebildet, lagenweise gelegt 
und oft fest zusammengepresst ; sodass wenn einer mit seiner 
Länge über eine Kante der grösseren Krystalle hätte vorstehen 
wollen, er um diese umgebogen ist. Die Oberfläche ist daher 
rauh; aber die Krystallwinkel und Kanten vollkommen regelrecht." 




384 



Diese Pseudomorphosen erreichen zuweilen eine ausser- 
ordentliche Grösse: im Ferdinandeum zu Innspruck sah ich 
(1862) einen solchen pseudomorphen Riesenkrystall von etwa 
12 Cm. Grösse, dessen Oberfläche, rauh und löcherig, ein 
Aggregat aus zahllosen kleinen frischen Fassaiten erkennen 
liess, während das Innere theilweise hohl war. 

Die Pesmeda - Fundstätte hat ausser den eben erwähnten, 
aus kleinen Fassaiten aufgebauten Krystallen auch andere von 
identischer Form geliefert, welche aus Serpentin bestehen. 
Diese letzteren Gebilde sind im Jahre 1873 in grösserer Voll- 
kommenheit vorgekommen als früher; auch haben sich an beiden 
Enden ausgebildete Krystalle gefunden , welche sogleich er- 
kennen Hessen , dass ihre Form mit derjenigen des Augits un- 
vereinbar sei. Diese Serpentin-Pseudomorphosen werden zu- 
nächst den Gegenstand unserer Untersuchung bilden ; an die- 
selben werden sich jene räthselhaften Gebilde reihen, welche 
den Fassait in einer ihm fremden Krystallform darbieten. 

Das Muttergestein der Serpentin-Pseudomorphosen ist ein 
Gemenge von schwärzlichgrünem Spinell, welcher zum grossen 
Theil bereits in Serpentin umgeändert ist, von lichtgrünem 
Fassait und Kalkspath, welcher in den Drusen auch zierlich in 
spitzen Formen auskrystallisirt erscheint. Die neuen Krystalle 
welche eine Grösse bis 6 Cm. er- 
reichen, gehören dem rhombischen 
Systeme an und stehen der Form des 
Olivins nahe. Aus ihrer chemischen 
Zusammensetzung wurde die Ueber- 
zeugung gewonnen, dass sie ehemals 
Monticellit (Batrachit) waren, welchen 
wir in seinem derben Vorkommen im 
Toal dei Rizzoni kennen lernten. 

Die Combination der Monticellit- 
krystalle ist gewöhnlich einfach ; die 
grösseren sind oft flächenreicher. An 
denselben wurden beobachtet: zwei 
Pyramiden, zwei Prismen, zweiBrachy- 
domen, ein Makrodoma und das Bra- 
chypinakoid. Wählen wir zur Grund- 
wie es auch in meiner Mittheilung über 




form die Pyramide f, 



*) Siehe die Anmerkung 1 am Ende dieses Abschnitts. 



385 



den Monticellit vom Vesuv (s. Pogg. Ann., Ergänzungsbd. V. 
pag. 434) geschehen, so erhalten wir folgende Formeln: 

(a:b:c), P" 
(a:2b:c), P2 
(a : b : gcc), oc P 
(a:|b:occ), qp P 2 
(ooa:b:c), P co 
(oo a : 2b : c), j P oo 
(oo a : b : oo c), oc P oo 

Trotz der Aehnlichkeit der Formen mit denjenigen des 
Olivins, konnte doch sogleich eine wesentliche Verschiedenheit 
in den Winkeln der Prismenzone nachgewiesen werden. Die 
matte Oberfläche der Krystalle hinderte zwar eine unmittel- 
bare Messung am Reflexionsgoniometer; doch wurde mittelst 
vielfach wiederholter Messungen durch aufgelegte Glastäfelchen 
die brachydiagonale Endkante des Prismas s : s' gemessen — 
98°, während dieselbe beim Olivin 94° 3' beträgt. Dieser 
Unterschied ist so bedeutend, dass man ihn sogleich auch mit 
dem Anlegegoniometer wahrnehmen kann. Weniger bedeu- 
tende Differenzen stellen sich in den Werthen der Kanten e : e' 
oder h : h' heraus. Nachdem nun die chemische Analyse dieser 
veränderten Krystalle zwar im Allgemeinen die Zusammen- 
setzung des Serpentins, doch neben der Magnesia und dem 
Eisenoxydul einen ansehnlichen konstanten Gehalt an Kalk- 
erde" nachwies , wurde ich darauf geführt, die Formen dieser 
merkwürdigen Krystalle mit derjenigen des Monticellit vom 
Vesuv zu vergleichen, welchen ich 
früher (s. Pogg. Ann. a. a. O.) be- 
schrieben habe. Es zeigte sich nun 
alsbald , dass die an dem Krystalle 
vom Monzoni auftretenden Flächen 
genau dieselben sind, wie diejenigen 
des vesuvischen Monticellits (s. Fig.), 
und dass die Winkel beider Vor- 
kommnisse so genau übereinstimmen, 
wie es nur die Messungen der matten 





I 



386 



Monzoni - Krystalle nachzuweisen gestatten. Mit Hülfe feiner 
Deekgläschen wurden folgende Kanten an den Krystallen des 
Monzoni gemessen: 
s : s' (brachydiagonal) = 98°. Beim Monticellit) 98° 7f 
s:b = 131°. vom Vesuv J 130 56j 

Diese Uebereinstimmung ergab sich auch für alle übrigen 
Kanten , sodass wir den Krystallen vom Monzoni dieselben 
Axen zu Grunde legen können, wie jenem Monticellit vom 
Vesuv: a (Brachyaxe); b (Makroaxe); c (Verticalaxe) 
= 0,867378:1:1,15138. 
Aus denselben berechnen sich folgende Winkel: 

e:e = 141° 47' 
(brachydiagonal) 
e:e = 82 



n:n' = 133° 6{' 
(brachydiagonal) 
s:s' = 98 7| 
(brachydiagonal) 
n : s' = 162 30|- 
n:b = 113 26f 
s:b = 130 56J- 
d : d' == 73 59 
h:h' = 120 8| 
k :k' = 81 57 
(in Axe c) 



(makrodiagonal) 
e:n = 145 21 
f:f = 110 43f 

(brachydiagonal) 
f:.'f = 97 55^ 

(makrodiagonal) 
f:s === 150 
e:s = 141 41 
e:k = 128 19 



211 



Wie bereits oben angedeutet, wurden unsere Krystalle 
früher, als man nur unvollkommene und nur an einem Ende 
ausgebildete Exemplare kannte, für Fassait- 
zwillinge gehalten. Um die Aehnlichkeit 
resp. Verschiedenheit beider Mineralien zu 
übersehen, habe ich in nebenstehender Fi- 
gur einen der mit den Monticellitkrystallen 
vorkommenden, aufgewachsenen, meist nur 
mit einem Ende frei ausgebildeten Fassait- 
zwilling in derjenigen Stellung gezeichnet, 
in welcher eine gewisse Vergleichbarkeit 
mit unsern Krystallen hervortritt. Es wurde 
zu dem Zwecke der Zwillingsebene die 
Stellung einer sogen. Längsflache (Axen- 
ebene a c) gegeben. Der Krystall ist eine 
Combination folgender Formen: 











\i x 








i 


m ; 










\ ' - 





387 



ra = (a : b : qo c), co P 

o i ({a':{b:c), 2P 

z = (ooa:jb:c), (2Poo) 

a — (a : qo b : X) c), ooPco 

Die Winkel des Fassait- resp. Augitzwillings betragen : 
m:m = 92° 5' . z : z' = 82° 42' . z:z = 159° 14' 
entsprechend den Winkeln des Monticellits: 

s:s' - 98 7£ . e:e' = 82 . e:e' ~ 141 47 

Während also die flächenarmen Monticellite eine gewisse 
Vergleichbarkeit mit dem oberen Ende eines Fassaitzwillings 
darbieten, verschwindet dieselbe alsbald bei den flächenreicheren 
Krystallen oder bei denjenigen , welche an beiden Enden aus- 
gebildet sind. 

Die Härte der Monticellite ist nur gering, gleich derje- 
nigen des Serpentins. Die Farbe lichtbräunlich, gelblich, zu- 
weilen weiss. Die Oberfläche ist bisweilen mit einer dünnen 
Haut von kohlensaurem Kalk bedeckt. Betrachtet man das 
Innere der Krystalle mit der Lupe, so bietet sich nicht selten 
ein feinkörniges Gemenge dar, indem durchscheinende härtere 
grünliche oder bräunliche Körnchen von einer weissen, wei- 
cheren Substanz umschlossen werden. Man erhält den Eindruck 
einer noch nicht ganz vollendeten fortschreitenden Umwandlung. 
Diese Wahrnehmung wird nun durch die mikroskopische Be- 
trachtung bestätigt und in interessanter Weise erweitert. Die 
beiden Figuren der Tafel X. geben ein mikroskopisches Bild 
einer düungeschliffenen Platte, Fig. 1 bei einer Vergrösserung 
von 70 , Fig. 2 von 220. Bei geringer Vergrösserung stellt 
sich eine gelblichweisse, zerklüftete, unreine Masse dar, welche 
von zahlreichen, tbeils geradlinigen, theils gebogenen, zuweilen 
netzförmig verzweigten grünen Adern durchzogen wird. Bei 
stärkerer Vergrösserung erscheint die (irundmasse als ein höchst 
feinkörniges Aggregat, welches bei Anwendung von polarisir- 
tem Lichte durchaus Farben giebt und sich als krystallinisch 
erweist. Schon bei schwächerer, noch weit deutlicher indess 
bei stärkerer Vergrösserung bemerken wir, dass jene grünen 
Adern aus kleinen Kugeln bestehen , welche vereinzelt an 
einander gereiht oder zu Haufen vereinigt auftreten. Während 
die gelbe Hauptmasse als ein eisenarmer Serpentin zu be _ 



388 



trachten ist, gehören jene grünen Kränze und Bänder einer 
eisenreicheren Verbindung an. Die Gesteinsmasse wird von 
zahllosen verlängerten Gebilden , ausgezeichnet durch ihre 
Querfaserung, durchsetzt. Es sind Trennungen, Zerspaltungen 
des Steins, deren Ränder die dargestellte, überaus zierliche 
Fransung oder Faserbildung zeigt. Meist sind diese Faser- 
spalten geradlinig, zuweilen gekrümmt, oft ziehen mehrere 
parallel; sehr häufig bemerkt man von einer Mittellinie meh- 
rere Querstreifen sich abzweigen. Der Zusammenhang der 
gefaserten Spalten mit den grünen Kränzen ist vielfach auf 
das deutlichste wahrzunehmen. Erst tritt die grüne eisen- 
reiche Serpentinmasse in vereinzelten Körnchen auf, welche 
sich in anderen perlschnurähnlich an einander reihen, um 
endlich zusammenhängende Stränge und Haufen zu bilden. In 
dem Maasse als die grüne Substanz in den Spalten zunimmt, 
verschwindet die Querfaserung. Ausser dem lichtgelben und 
dem in Adern eindringenden grünen Serpentin bemerkt man 
in den Bildern auch einzelne krystallinische Körner, bald 
von gerundetem, bald von polygonalem Umriss, olfenbar noch 
unveränderter Monticellit. Diese Körner haben ein feinpunk- 
tirtes Ansehen, an Olivin erinnernd , sie sind häufig zerklüftet 
und zeigen theils im Innern, theils an ihrer Peripherie die 
Bildung jener grünen Substanz. 

Das mikroskopische Bild des aus Monticellit entstandenen 
und in dessen Formen auftretenden Serpentins entspricht fast 
genau der Serpentinbildung aus Olivin, wie dieselbe durch 
Hrn. Prof. Rosenbüsch (Mikrosk. Physiographie der Mineralien 
pag. 371) vortrefflich dargestellt wurde. — Das spec. Gew. 
der veränderten Monticellitkrystalle = 2,617 (bei 20° C.); 
spec. Gew. des Monticellits vom Vesuv = 3,119 — 3,245; des 
derben Monticellits (Batrachits) vom Monzoni, aus dem Toal 
dei Rizzoni, nach Breithaupt — 3,033, nach meiner Wägung 
= 3,054. Ich führte drei Analysen mit Krystallbrucbstücken 
verschiedener Drusen aus. Das zur Untersuchung verwandte 
Material war frei von kohlensaurem Kalk. 



389 

Umgewandelter Monticellit von Pesmeda, Mon- 
z o n i : 





1. 


TT 
11. 


TTT 
III. 


Kieselsäure . . 


39,51 


43,31 


39,67 


Thonerde . . . 


o',81 


1,34 


1^99 


Eisenoxydul . 


6,79 


5,73 


6,08 


Kalk 


6,25 


6,47 


6,59 


Magnesia . . . 


. nicht best 


33,08 


34,42 




: n,87 


12,35 


12,36 






100,28 


101,11 



Die vorstehenden Analysen beweisen, dass die Zusammen- 
setzung verschiedener Krystalle derselben Fundstätte etwas 
verschieden ist: wie begreiflich — bei einer Substanz, deren 
Umwandlung noch nicht ganz beendet ist. Offenbar sind die 
untersuchten Ps-eudomorphosen ein Gemenge ungleichartiger 
Verbindungen, weshalb wir auch von einer Berechnung der 
Analysen abseben. Der ansehnliche Kalkgehalt unterscheidet 
unsere Gebilde von allen bisher untersuchten Serpentinen und 
beweist — auch abgesehen von der obigen krystallographischen 
Bestimmung — dass das ursprüngliche Mineral kein normaler 
Olivin könne gewesen sein. Es würde unter dieser Voraus- 
setzung der ansehnliche Kalkgehalt unerklärlich sein. Die 
chemischen Veränderungen, deren Resultate in unseren pseu- 
domorphen Krystallen vorliegen , ergeben sich bei einer Ver- 
gleichung der oben gegeben Zahlen mit der Zusammensetzung 
des derben Monticellits aus Toal dei Rizzoni s. pag. 370. 

Die Umänderung bestand demnach vorzugsweise in der 
Ausscheidung des Kalks und dem Eintritt von Wasser. Der 
Kalk schied sich unzweifelhaft als Carbonat aus. Wir finden 
ihn theils als krystallinische Rinden auf den pseudomorphen 
Krystallen, theils in unmittelbarer Nähe auf denselben Drusen. 
Die Krystalle von Pesmeda bieten eine interessante Analogie 
dar zu den berühmten Olivin - Pseudomorphosen von Snarum, 
welche eine so wichtige Rolle in der Geschichte der Wissen- 
schaft gespielt haben. Unveränderte Monticellit -Krystalle 
sind bisher am Monzoni noch nicht gefunden worden, doch 
wird es bei genauerer Durchforschung der Fundstätte des 
„Batrachits" wohl gelingen, deutliche Krystalle zu entdecken; 
sie werden die Formen der Pseudomorphosen von Pesmeda 

Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. i. 26 



390 



besitzen. Was ich von Umrissen der in körnigem Kalke ein- 
gewachsenen gelben Batrachitkörner bisher wahrnehmen konnte, 
stimmt recht wohl mit jenen Formen überein. 

Während die Serpentinbildung aus Monticellit sich anderen 
bereits bekannten Bildungsweisen des Serpentins anreiht, bietet 
uns dieselbe Fundstätte auf der Pesmeda-Alpe jene noch weit 
überraschendere Thatsache dar, dass grosse Krystalle , welche 
auf das Deutlichste die Monticellitform zeigen, gänzlich in 
ein Aggregat kleiner Fassaite umgewandelt sind. 
Diese Umänderung, welche Liebener und Vorhauser bereits 
so treffend schilderten (s. oben pag. 373), findet sich nicht 
nur auf derselben Fundstätte wie die Serpentin - Pseudornor- 
phosen; ihre Spur ist sogar in denselben Drusen wahrnehmbar. 

Die Umänderung des Monticellits in Fassait liegt mir in 
zahlreichen Handstücken vor. Eine etwa 20 Cm. grosse 
Stufe unserer Universitätssammlung besteht fast gänzlich aus 
Fassait, eine Druse bildend, welche ursprünglich wohl theil- 
weise oder gänzlich mit Kalkspath erfüllt war. Der Fassait 
erscheint hier in zweifacher Ausbildung, zunächst in selbst- 
ständigen 10 — 30 Mm. grossen Krystallen , ausschliesslich 
Zwillingen, an denen man fast nur das durch die Flächen z 
gebildete Ende wahrnimmt. Ausser diesen grossen Krystallen 
sind kleine, nur 1 — 3 Mm. messende Fassaite vorhanden; es 
sind vorzugsweise einfache Individuen , umschlossen von den 
Flächen m und o. Diese kleinen, bisweilen gerstenkornähn- 
lichen Fassaite bilden theils deutliche, bis 3 Cm. grosse Pseu- 
domorphosen nach Monticellit, theils durchbrochene Hohl- 
formen, ruinenähnliche Gestalten, in denen man, einmal darauf 
aufmerksam, leicht die Monticellitform wiedereikennt. — In 
anderen Drusen fehlen die selbstständigen grossen Fassaite, 
sie besteben ausschliesslich aus Pseudomorphosen von Fassait 
nach grossen Monticelliten. In einer Druse beträgt ihre Grösse 
sogar 5 Cm. Die Form dieser in Fassait umgewandelten Monti- 
cellite ist trotz der durch die vorragenden kleinen neugebil- 
deten Krystalle bedingten Rauhheit der Flächen deutlich er- 
kennbar, eine Combiuation von e = P 2, s = xP und, mehr 
untergeordnet, b = oo P oc , k — P oc. Die Figur pag. 373 
versucht, die seltsame Oberfläche dieser Krystalle darzustellen, 
welche aus einem regellosen Aggregat kleiner Fassaite bestehen. 
Durchbricht man diese seltsamen pseudomorphen Krystalle, 



391 



so bemerkt man, dass sie eine schalen- oder rindenäbnliche 
Zusammensetzung haben. Es sind kluftähnliche Hohlräume 
vorhanden , welche annähernd den äusseren Contouren des 
grossen ursprünglichen Monticellits parallel gehen. Der Kern 
dieser Pseudomorphosen besteht häufig aus Serpentin, welcher 
auch vielfach das Fassaitaggregat durchdringt. Zuweilen stellt 
das Innere der Krystalle eine mit körnigem Kalk erfüllte 
kleine Druse dar. Monticellit war in all diesen Drusen die 
älteste Bildung, später bildete sich Fassait theils in grossen 
selbstständigen Krystallen , theils in den Formen des Monti- 
cellits. Die Fassaite sind ganz frisch in und neben den um- 
gewandelten und ruinenartig zerstörten Monticelliten. Offenbar 
liegen hier an derselben Fundstätte zwei Erscheinungen ver- 
schiedener Art vor. Die Bildung des Serpentins ist ein all- 
mälig fortschreitender durch Verwitterung und Wasseraufnabme 
bedingter Prozess. Den Augit (Fassait) aber kennen wir nicht 
auf Lagerstätten, welche die Anuahme einer secundären Bil- 
dung auf nassem Wege gestatten. Die Zusammensetzung des 
in der Form des Monticellit' s auftretenden Fassait' s 
lehrt folgende Analyse: 

Spec. Gew. 2,960 (bei 13° C). 

Kieselsäure . . 47,69 
Thonerde . . . 7,01 
Eisenoxydul . . 3,62 

Kalk 24,57 

Magnesia . . . 16,10 
Glühverlust . . 1,05 
99,94 

Dieser Fassait stimmt demnach am nächsten überein mit 
demjenigen aus dem Zillerthal, für welchen Barthb (s. Dana, 
Mineralogy) folgende Zusammensetzung fand: 

Kieselsäure 48,47. Thonerde 8,22. Eisenoxydul 4,30. 
Kalk 21,96. Magnesia 15,59. Glühverlust 0,73. 

Eine gewisse Aehnlichkeit der chemischen Zusammen- 
setzung des Monticellits und des Fassaits ist unverkennbar: 
beide sind wesentlich Silikate der Magnesia und des Kalks, 
jener ein Halbsilicat, der Fassait ein normales Silicat. Das 

26 * 



392 



Vorkommen des Anorthits auf der Pesmeda-Alp, sowie im 
Toal Rizzoni verdient insofern ein besonderes Interesse, als 
dies Mineral in ausgebildeten Krystallen früher in den Alpen 
noch nicht beobachtet wurde*), auch sein Auftreten in Contact- 
Lagerstätten bisher nur auf wenige Punkte beschränkt war 
(z.B. als sogen. Amphodelit zu Lojo in Finland). Der Anor- 
thit findet sich theils in demselben kleinen Schürfe, welcher 
die Monticel Ii tkry stalle liefert, theils, und zwar in noch aus- 
gezeichneterer Weise, wenige hundert Meter weiter gegen Nor- 
den , auf demselben , die Schluchten Pesmeda und della Foia 
trennenden, schmalen Kamme. 

Der Anorthit von Pesmeda besitzt ein ungewöhnliches 
Ansehen, sodass, da zudem die Flächen matt und die Kry- 
stalle stets mehr oder weniger verwittert sind, die krystallo- 
graphische Bestimmung einige Schwierigkeit bot, und erst ge- 
lang , nachdem durch die Analyse die Mischung als Anorthit 
nachgewiesen worden war. Die Krystalle, welche 20 bis 
25 Mm. Grösse erreichen, bilden gewöhnlich rhomboiidische 
Prismen durch Vorherrschen der Flächen P und y. Meist 
sieht man nur das eine Ende dieser rhomboidischen Prismen, 
indem sie mit dem anderen, einer Fläche M, aufgewachsen 
sind. Die am Anorthit von Pesmeda (s. Figuren) beobach- 
teten Flächen sind die folgenden: 

(Siehe nebenstehende Seite.) 

Viele Krystalle bieten nur die Combination P, y, M, 1, T, 
p, o dar (s. obere Fig.), und erinnern, mit einem Ende der 
Makroaxe aufgewachsen und mit verwitterter Oberfläche, gar 
nicht an Anorthit. Die Erkennung der Krystalle wurde auch 
dadurch sehr erschwert, dass in Folge beginnender Verwitte- 
rung die Spaltbarkeit wenig deutlich hervortritt. Es wurden 
an den Anorthiten von Pesmeda durch aufgelegte Glastäfelchen 
etwa hundert annähernde Messungen ausgeführt. Mit Hülfe der- 
selben wurden jene nebenstehend angegebenen Flächen bestimmt. 
Die Unvollkommenheiten dieser Messungen und der Flächen- 
bildung gestatteten indess keinen Schluss in Bezug auf etwaige 



*j Dass vor Kurzem durch Tschekmak aus dem Toal dei Rizzoni 
Krystalle , welche bisher für Labrador galten , als Anorthit bestimmt 
wurden, ist bereits oben erwähnt. 



393 





P = 

h = 

M = 

t — 

x = 

y =■ 

e —- 



(oo a: qo b : c), oP 
(a : oo b : oo c) , xPoo 
(go a : b : qo c) , oo P oo 
(a:oob:2c), 2'P'oo 
(a' : oo b : c) , / P / oo 
(a':oob:2c), 2P y oo 
(ooa:b:2c), 2,P'oo 
(ooa:b':2c), 2'P,oo 
(a : b : x> c) , oo P' 
(a : b' : oo c) , oo 'P 
(a : |b : oo c) , oo P' 3 
(a:{V:ooc), oo 'P 3 
(a':b:c), P 
(a:b:c), P 
(2a': b :4c), 4P2 
(2a':b':4c), 4P,2 



394 



Winkel - Eigentümlichkeiten dieses Anorthit - Vorkommens. 
Deutliche Zwillinge habe ich an diesen Anorthiten nicht wahr- 
genommen, wohl aber an mehreren Krystallen eine durch eine 
Streifung auf der Flache M — ähnlich gewissen Zwillingen 
des Anorthits vom Vesuv nach vorn steiler abwärts neigend 
als die Kante P : M — angedeutete polysynthetische Zusammen- 
setzung erkannt. — Es wurden zwei Analysen des Minerals 
von Pesmeda ausgeführt: 

I ist ein lichtfleischrother, im Innern mit Bezug 
auf Härte und Spaltbarkeit noch ziemlich frisch er- 
scheinender Anorthit, welcher von Chabasit, als 
sekundärer Bildung, begleitet ist. 

II ist ein weisser, augenscheinlich schon sehr in der 
Verwitterung vorgeschrittener Anorthit. 





I. 


II. 


Spec. Gew. 


2,686 


2,812 


Kieselsäure 


. 41,18 


40,17 


Thonerde . 


. 35,55 


33,51 


Kalk .... 


. 19,65 


21,56 


Wasser . . . 


. 2,77 


4,66 




99,15 


99,90 



Auf Nachweis oder Bestimmung des Natrons war die 
Untersuchung nicht gerichtet. 

Reduciren wir beide Analysen auf 100, nachdem wir das 
Wasser in Abzug gebracht, so ergiebt sich: 







I. 


II. 






Kieselsäure 


. 42,73 


Ox. = 22,79 


42,18 


Ox. 


= 22,49 


Thonerde . 


. 36,88 


17,22 


35,18 




16,43 


Kalk . . . 


. 20,39_ 


5,83 


22,64 




6,47 




100,00 




100,00" 






Bei I. ist 


die Sauer 


Stoffproportion 


- 1,015 


: 3 : 


3,970 




7) r> 




±= 1,181 


: 3 : 


4,106 



Der Anorthit I. stimmt demnach trotz der durch den 
Wassergehalt sich verrathenden , bereits begonnenen Verwit- 
terung noch sehr nahe mit der normalen, durch die Formel 
CaO, A1 2 3 , 2Si0 2 erheischten Mischung 

Kieselsäure 43,04. Thonerde 36,87. Kalk 20,09. 



395 

Die Fundstätte der pseudomorphen Monticellite ist eine 
nur wenige Klafter ausgedehnte Partie umgeänderten und mit 
Contactmineralien erfüllten Kalksteins , welche — soweit ich 
erkennen konnte — rings von Augit-Syenit umschlossen wird. 
Das Eruptivgestein ist an der sehr scharf bezeichneten Grenze 
von ungewöhnlicher Ausbildung: in einem kleinkörnigen Ge- 
menge von Orthoklas, Plagioklas, Augit, Serpentin. Magnesia- 
glimmer und sehr vielem Eisenkies liegen zahllose Orthoklase, 
Carlsbader Zwillinge. Die Kalkscholle ist zum grossen Theil 
in Silicate verwandelt, deren lagen- und streifenweise An- 
ordnung die ursprüngliche Schichtung des Kalks anzudeuten 
scheint. Die Contactaggregate sind oft von grosser Schönheit 
und Farbenreichthum : um bläulichweissen Kalkspath bildet 
der grüne Fassait zonenähnlichen Hüllen; es treten hinzu mit 
ihren lebhaften Farben Granate und Spinelle. Der Pesmeda- 
Fundstätte entnahm ich eine Monticellit-Pseudomorphose, welche 
zum grössten Theil in ein Aggregrat von schwärzlichgrünem 
Ceylanit verwandelt ist. 

Die Pesmeda - Lagerstätte bietet uns demnach recht ver- 
schiedenartige Bildungen dar: Pseudomorphosen von Serpentin 
nach Monticellit und solche von kleinen Fassaiten in der Form 
des Monticellits. Die Fassaite sind zuweilen frisch , meist 
aber sind auch sie der Umwandlung in Serpentin theilweise 
oder ganz verfallen. Auch die Ceylanite desselben Fundorts 
ändern sich — wie schon Liebener und Vorhauser erwähnen 
— in Serpentin um; und wahrscheinlich rührt jene Pseudo- 
morphose, welche Sillem anführte (N. Jahrb. für Miner. 1852 
pag. 525; Blum, Pseudomorphosen III. Nachtr. pag. 276): 
Oktaeder von Ceylanit, „vollständig umgeändert in Fassait" 
gleichfalls von Pesmeda her. — Während die pseudomorphe 
Bildung des Fassaits fast ohne irgend welche Analogie da- 
steht, durch welche sie erklärt werden könnte, ist die Serpen- 
tinisirung ganzer Mineralaggregate und Lagerstätten eine, bereits 
mehrfach und in ausgezeichnetster Weise in neuester Zeit durch 
J. D. Dana beobachtete Erscheinung. Auf der Eisenlagerstätte 
von Tilly Foster, Putnam Co., New - York (einem zwischen 
Straten von syenitischem Gneiss eingeschalteten Magneteisen- 
lager) sind die verschiedenen Gangmineralien: Chondrodit 
(Humit), Enstatit, Hornblende, Biotit, Dolomit, Brucit u. a. 
in Serpentin umgewandelt (s. Dana, on Serpentin pseudo- 



396 



morphs, Amer. Journ. Vol. VIII. 1874). In gleicher Weise 
erkeunen wir am Monzoni — neben der Bildung des Marmors 
und der Contactmineralien, Fassait, Granat, Vesuvian , Geh- 
lenit, Ceylanit, Monticellit u. a. — an vielen Stellen eine 
Serpentinisirung der gesammten Grenzen. Nicht nur die 
Contactmineralien sind in Serpentin verwandelt, sondern auch 
der Kalkstein ist von Serpentinmassen durchdrungen, wie wir 
es z. B. an der Fassaitfundstätte am nördlichen Gehänge 
fanden. Wir werden kaum irren in der Annahme , dass auf 
jenen Gesteinsgrenzen in einer früheren geologischen Epoche 
Magnesia-haltige warme Quellen aufstiegen, welche die ange- 
deuteten Umwandlungen bewirkten. 

Diese beginnende, mehr oder weniger fortgeschrittene oder 
vollendete Serpentinbildung auf den Contactlagerstätten ist auch 
die Ursache, weshalb die Monzon-Mineralien selten nur jenen 
das Auge erfreuenden Glanz besitzen, in welchem uns die Ge- 
bilde anderer Lagerstätten der Alpen, z.B. von Niedersulzbach, 
Pfitsch, Pfunders, Set. Gotthard, Campolungo, Binnen etc. ent- 
gegenleuchten. 

Beim Hinabstieg vom hohen Felsgrat Pesmeda zur Thal- 
tiefe sah ich einen 3 M. mächtigen, senkrecht stehenden, von 
Südost nach Nordwest streichenden Diabasgang im Marmor. 
Das Eruptivgestein war zum Theil ausgebrochen, so dass der 
Pfad durch die Lücke führte. Bemerkenswerth erschien es 
mir, dass das Saalband des Ganges, welches noch am Marmor 
haftet, aus einer dünnen Lage von Magneteisen besteht. Eine 
ähnliche Wahrnehmung machte de Lapparent (a. a. 0. p. 308), 
indem er als Saalband der im Predazzit- Marmor aufsetzenden 
Melaphyrgäuge von Canzacoli und der Margola „une zone 
tres-mince contenant beaueoup de fer oxydule en grains im- 
perceptibles" auffand. — Im unteren Theil der Val Pesmeda 
herrscht ein vielfacher Wechsel der Gesteine, Augit - Syenit, 
Kalkstein , Quarzporphyr, Augitporphyr mit seinen Tuffen. 
Hier wie auch an vielen anderen Punkten des Monzoni sieht 
man Gänge und Gangverzweigungen einer feinkörnigen rothen 
Varietät des Augit-Syenits. Die in nebenstehender Skizze 
dargestellte Verästelung des röthlichen Syenits in 
Marmor beobachtete ich in der Val Pesmeda. Losgerissene 
Stücke von Marmor liegen in den Syenit- Apophysen. Die ho- 
rizontale Länge des Profils beträgt 2 M. Gänge desselben 



397 



rothlichen Syenits beobachtete ich auch im Diabas, z. B. an 
jener in Fig. 2 Taf. IX. dargestellten Felsmauer. 




Augit - Sijenii In Maren or 

Der Melaphyrgang von Canzacoli bei P'redazzo. 

Bei Schilderung der Gänge von dunklem Porphyr, welche 
im Hochthale von le Seile in unmittelbarer Nahe der Kalk- 
Syenitgrenze aufsetzen, wurde bereits darauf hingewiesen, dass 
ganz ähnliche Erscheinungen am Sforzella - Berge und an der 
Margola bei Predazzo sich darbieten. Die berühmte Gesteins- 
grenze an der Sforzella, einem Theile des Weisshorngebirges, 
das Eindringen von Syenit (Augit-S.) i*n Kalkstein, der Marmor- 
bruch von Canzacoli, die Contactzone, welche, die Gesteins- 
grenze bezeichnend, vom Thalboden sich 1000 M. hoch ver- 
folgen lässt: alle diese Verhältnisse sind eingehend und vor- 
trefflich beschrieben worden, namentlich durch v. Buch (Miner. 
Taschenb. v. Leonhard 1824 pag. 364), A. Bous (mitgetheilt 
durch v. Büch, Taschenb. 1824 pag. 507), Reuss (N. Jahrb. 
1840 pag. 151), B. Cotta (Geolog. Briefe aus den Alpen 
pag. 196), v. Richthofen (Predazzo, St. Cassian und die 
Seisser Alp pag. 275), B. v. Cotta (N. Jahrb. 1863 pag. 16), 
de Lapparent (Ann. des mines 6. Ser. T. VI. pag. 245), 
J. Lemberg (diese Zeitschr. 1872 pag. 187). Indem ich auf 
diese Arbeiten und namentlich auf diejenigen v. Richthofen's 
und Lemberg's verweise, möchte ich mir gestatten, unter Be- 
ziehung auf die umstehende Skizze jenen merkwürdigen 



398 



Sforzella - üerg. 




Canzacoli 



Melaphyrgang zu schildern, dessen Gesammtverlauf in den 
oben erwähnten Arbeiten nicht vollkommen deutlich — wie 
mir scheint — zur Anschauung gelangt. 

Boue erwähnt zuerst dies schwarze Gestein, welches er 
wahren Dolerit nennt. Nach der Ansicht des verdienstvollen 
Forschers soll das dunkle Ganggestein „völlig in den syenit- 
artigen Granit übergehen". 

B. Cotta glaubte diesen Melaphyrgang gradezu als Apo- 
pbyse des „Granits" ansehen zu müssen , wie aus seinen 
Worten hervorgeht: „Vielfach verzweigt sich der Granit gang- 
förmig in den Kalkstein und, was besonders merkwürdig ist, 
diese anfangs (an ihrem Ursprünge aus der Hauptmasse) deut- 
lichen Granitgänge werden mit ihrem tieferen Eindringen in 
den Kalkstein immer talkiger und gehen sehr bald in deutliche 
Serpentingänge über, von denen auch der Marmor im grossen 
Bruche mehrfach scharf durchschnitten ist. Die Serpentin- 
gänge sind schon von Fuchs und Petzoldt beobachtet worden, 
aber dass sie aus dem Granit entspringen und zum Theil jetzt 
noch aus Granit bestehen, hatte, so viel ich weiss, noch Nie- 
mand bemerkt." 



399 



v. Richthofen berichtigt diese Angaben dahin , dass so- 
wohl das gangförmige Eingreifen in den Kalk, als auch die 
Serpentinisirung sich auf den Melaphyr und nicht auf den 
Syenit beziehen ; geht aber vielleicht etwas zu weit, indem er 
ein gangförmiges Eindringen von Syenit in den Kalk und Do- 
lomit bei den Canzacoli überhaupt in Abrede stellt (pag. 276). 

Einem wiederholten Besuche durch v. Cotta verdanken 
wir eine erneute Darstellung („Alter der granitischen Gesteine 
von Predazzo und Monzon"). Der verdienstvolle Geologe be- 
zeichnet nun das Eruptivgestein von Canzacoli nicht mehr als 
Granit, sondern., wie schon v. Buch, als Syenit-Granit („doch 
kommt hierauf im Grunde wenig an tt ), und schildert mehrere 
in den Kalkstein eindringende Syenit - Ramificationen , deren 
Vorhandensein von v. Richthofen bezweifelt worden, und 
welche ein jüngeres Alter des Eruptivgesteins ausser Zweifel 
stellen. Die Melaphyr - Gänge im Marmorbruch , auf welche 
v. Richthofen besonderes Gewicht gelegt, scheint v. Cotta 
als solche anzuerkennen, indem er sagt, „der weisse Predazzit- 
Marmor des grossen Steinbruchs ist von mehreren schwarzen 
3 bis 6 Fuss mächtigen Gängen durchsetzt, welche aus von 
Richthofen's Melaphyr bestehen, aber grösstenteils in einen 
serpentinähnlichen Zustand versetzt sind". Die petrographische 
und chemische Beschaffenheit dieser Gänge wurde durch die 
trefflichen Arbeiten Lemberg's (a. a. O. pag. 213 — 224) genau 
erforscht. 

Der Marmorbruch , dessen Sohle in der Skizze mit a a 
bezeichnet ist, liegt ungefähr 400 M. über der Thalebene von 
Predazzo, in unmittelbarer Nähe der Gesteinsgrenze, welche 
hier mit etwa 45° von Süd gegen Nord einsinkt. Aus der 
Tiefe steigt nun , am Fusse des Berges sich unter ungeheuren 
Geröllmassen verbergend, der ca. 3 M. mächtige Melaphyrgang 
empor, durch Kalkstein und den brucitführenden Marmor (Pre- 
dazzit). Dieser fast senkrecht und geradlinig emporsteigende 
Gang erreicht nicht völlig das Niveau des Marmorbruchs, 
sondern endet etwa 5 M. unterhalb mit einer stumpfen Run- 
dung, genau so wie wir oben einen ähnlichen Gang im Hoch- 
thale le Seile enden sahen. Ich bestimmte das Streichen des 
Canzacoli-Ganges an seinem oberen Ende h. 9; die Mächtig- 
keit beträgt dort — nahe dem Ende — nur noch 2 M. Von 
diesem Hauptgang nun zweigt sich gegen Nord ein horizon- 



400 



taler Querast ab , welcher zunächst gegen die Gesteinsgrenze 
läuft, dann aber, bevor er sie erreicht, in zwei stark geboge- 
nen Windungen bis zur Steinbruchssohle emporsteigt. Diese 
Abzweigung des verticalen Ganges durchsetzt eine verticale, 
unnahbare Felswand. Man erblickt aber diesen Gangtheil aus 
dem Thalboden oder noch deutlicher, von der Margola aus. — 
In der Steinbruchssohle selbst entzieht sich auf eine kurze 
Strecke der Gang unserem Blick. Es scheint hier ein Zer- 
schlagen desselben stattzufinden ; denn im Steinbruch selbst 
erscheinen statt Eines vier Gänge oder Gangtrümer. Von 
diesen stellt sich der nordöstliche auf das Deutlichste als eine 
Fortsetzung des schleifenförmig gekrümmten Gangtheils dar, 
während die Verbindung der beiden anderen nicht gleich 
deutlich hervortritt. Das nördliche Gangtrum (höchst wahr- 
scheinlich dem Gang IV bei Lemberg entsprechend, a. a. O. 
pag. 218), welches offenbar mit dem aus der Tiefe aufsteigenden 
Gang zusammenhängt, ist 1 bis ly M. mächtig, streicht h. 9. 
Gegen die Steinbruchssohle hin spaltet sich dieses Trum und 
umschliesst eine linsenförmige, •§• M. breite Marmormasse. Der 
Melaphyr dieses Trums ist gegen die Grenzen hin stark ser- 
pentinisirt. Einige Schritte weiter folgt ein zweiter Gang (bei 
Lemberg III), 0,8 bis 1 M. mächtig, h. 8 streichend, 55° gegen 
Nordost fallend. Gehen wir wenige Schritte gegen West, so 
treffen wir einen nur 0,3 M. breiten Gang (Gang II Lemberg's), 
welcher sich gegen Süd neigt und offenbar ein abzweigendes 
Trum des westlichen und mächtigsten Ganges ist, 1,6 M. 
(I Lemberg's), Fallen etwa 70° gegen Nordost. Dieser am 
meisten gegen West liegende Gang von den über der Stein- 
bruchssohle hervorragenden , ist im Gegensatz zu den anderen 
seiner Hauptmasse nach unverändert bis auf schmale Grenz- 
zonen, welche serpentinisirt sind. Wir verdanken Herrn 
Lemberg die Kenntniss der Zusammensetzung aller 4 Gänge, 
sowohl ihres mehr unzersetzten Gesteins, als ihrer Contact- 
zonen. 

In Bezug auf diese vier Gänge oder Gangtrümer unterliegt 
es keinem Zweifel, dass sie die Ausläufer des grossen, über 
330 M. vertical emporsteigenden Ganges sind. Früheren Beob- 
achtern blieb dieser Zusammenhang, zu dessen Wahrnehmung 
von der Thalsohle aus ein gutes Auge nöthig ist, verborgen, 
wie die Worte de Lapparent's bezeugen : „on ne voit pas a 



401 



quelle masse viennent se reunir les filons de Canzacoli." Da 
er ihre Verbindung mit jenem typischen Melaphyrgang nicht 
beobachtete, so neigte Herr de Lapparent zu der Ansicht, 
dass die durch den Steinbruch entblössten Trümer in Wahrheit 
schmale Syenit („Monzonit")- Gänge wären, „qui se sont trou- 
ves dans des conditions exceptionellement favorables a la con- 
centration de l'element magnesien". Denn es wäre seltsam, 
fährt der französische Ceologe fort, dass in allen Predazzit 
(Marmor)- Brüchen in unmittelbarer Nähe der Syenitgrenze 
Melaphyrgänge auftreten sollten. Dass wir diese gewiss sehr 
merkwürdige Thatsache im Hochthale le Seile fanden, wurde 
bereits erwähnt; ein Gleiches beobachtet man indess auch an 
der Margola. 

Schreitet man nun von den zum Theil serpentinisirten 
Melaphyrgäugen gegen die Syenit-Grenze, so beobachtet man 
ein überaus merkwürdiges Gebilde von schwach £ förmig ge- 
krümmter Form, 6~ M, hoch, 1{ M. im Maximum breit, oben 
und unten sich auskeilend. Diese Masse ist ein unreiner 
Serpentin. Von ihrem unteren Ende zieht sich eine kaum 
3 Cm. breite Kluft zu der nur wenige Meter fernen Syenit- 
grenze hin. Es ist dies dieselbe Apophyse, welche Cotta in 
den geolog. Briefen Taf. IV, darstellte und als eine Abzwei- 
gung des Syenits in den Marmor erklärte, eine Ansicht, wel- 
cher man wohl zustimmen rauss. Der Syenit ist bis auf lf M. 
Abstand von der Grenze völlig zu Grus zerfallen. Im Can- 
zacoli-Bruche bewährt sich also, wie am Monzoni, die That- 
sache, dass auf der Gesteinsgrenze zwischen Syenit und 
Kalkstein eine Imprägnation mit Serpentin (und Brucit) statt- 
gefunden hat. 

Möge diese Mittheilung über den jetzt wohl nicht mehr 
zugänglichen Marmorbruch Canzacoli eine kleine Lücke in der 
wichtigen Arbeit von Hrn. Lemberg ausfüllen , namentlich mit 
Rücksicht auf die jenen Untersuchungen beigegebene, mehr 
eigenthümliche als anschauliche Darstellung auf Tafel XL, 
s. Zeitschr. 1872. 

Anmerkung 1. Herr Prof. Schrauf hat die Güte, mir 
Folgendes in Bezug auf die pag. 384 erwähnten Serpentin- 
Pseudomorphosen mitzutheilen : 

„Quenstedt führt in der 2. Aufl. der Min. pag. 247 Pseu- 
domorphosen vom Monzoni an. Ich finde für seine Angabe 



402 



keine anderen Quellen als Haidinger, Quenstedt und 
G. Rose. 

Haidinger hat (Gilb. Ännal. 1823 75. 385) Serpentin- 
pseudoraorphosen besehrieben; und in seinem Treat. of Min. 
1825 vol. II. fig. 33 Tyrol als hypothetischen Fundort ange- 
geben. — Quekstedt (Pogg. Ann. 1835 p. 36. 376) führt die 
Form Haidinger's auf Chrysolith zurück. — G. Rose (Pogg. 
Ann. 1851 Bd. 82. 511) erwähnt wieder Haidinger's Angaben, 
mit dem Zusatz „Fassathal u . 

In welcher Sammlung Haidinger's Originale sind, darüber 
habe ich keine Gewissheit mir verschaffen können. In der 
Universitäts - Sammlung befinden sich Pseudomorphosen von 
Serpentin nach Monticellit mit der Etikette „Monzoni 4 ', die 
seit 1850 der Sammlung angehören; doch fehlt jeder weitere 
Nachweis , aus welcher ersten Hand sie an das Museum ge- 
langt sind. Diese älteren Handstücke gleichen vollkommen 
den neuen und sind jedenfalls von derselben Localität." 
(17. Juli 1875.) 

Anmerkung 2. Von der rühmlichst bekannten Firma 
Voigt & Hochgesang in Göttingen sind Dünnschliffe der in 
dieser Arbeit beschriebenen Monzoni Gesteine zu beziehen. 

III. Ein merkwürdiger Basaltgang nahe Tannbergsthal 
im sächsischen Voigtlande. 

In einer Arbeit über die chemische Zusammensetzung der 
Kalknatron-Feldspathe (Pogg. Ann. Bd. 144 pag. 219) theilte 
ich 1871 die Analyse eines Labradors mit (pag. 251 — 253), 
welcher in Begleitung von Orthoklas und Quarz porphyrartig 
eingesprengte Krystalle eines sehr eigentümlichen Gesteins bil- 
det. In einer dichten, schwarzen, bald mehr Diabas-, bald mehr 
Basalt-ähnlichen Grundmasse liegen grosse Krystalle und Kör- 
ner von rothem Orthoklas (bis 5 Cm.), Labrador (bis 3 Cm.), 
Quarz (bis 2 Cm.), zusammen mit zahlreichen Kalkspathman- 
deln : dies ist gewiss eine in hohem Grade ungewöhnliche 
Erscheinung. Da ich über das Vorkommen dieses Gesteins 
(unfern des Weilers Tannbergsthal bei Auerbach) Nichts in 
Erfahrung bringen konnte, so geschah die petrographische 
Bestimmung lediglich auf Grund von einigen wenigen Hand- 
stücken. Die von mir damals gewählte Bezeichnung „Por- 



403 

phyrit", bei welcher die Quarzkörner als accessorisch betrachtet 
wurden, fand die Billigung G. Rose's, während von einem an- 
deren hervorragenden Petrographen, Prof. J. Roth, das Gestein 
als ein quarzführender Dioritporphyr mit accessorischem Ortho- 
klas bezeichnet wurde. Diese Bestimmung gründete sich auf 
„grosse deutliche Hornblendekrystalle , welche — von etwas 
Serpentin begleitet — in manchen Stücken vorkommen", und 
entsprach der petrographischen Regel, „dass Porphyre nach 
den grossen, sichtbaren Krystallen benannt werden". (Gütige 
briefliche Mittheilung,) In der citirten Arbeit erwähnte ich, 
dass die geognostische Karte des Königreichs Sachsen von 
C. Fr. Naumann unfern Tannbergsthal zwei Basaltpunkte, durch 
Granit brechend, angiebt. 

Als ich im vorigen Herbste mit einigen verehrten Fach- 
genossen, unter ihnen auch der unermüdliche und verdienst- 
volle Forscher auf dem Gebiete basaltischer Gesteine, Prof. 
Mühl, in der Mineralien- Niederlage der königl. Bergakademie 
zu Freiberg war, hatte Hr. B. Wappler die Güte, uns eine 
Reihe von Handstücken jenes problematischen Gesteins von 
Tannbergsthal zu zeigen, in denen die grossen porphyrartigen 
Krystalle mehr zurücktraten und in deren Grundmasse auch 
Olivin und Augit erscheinen. Hier sprach Prof. Möhl zuerst 
die Ansicht aus , es möchte das Gestein ein Basalt und die 
grossen porphyrartigen Krystalle von Orthoklas und die Körner 
von Quarz nur fremdartige Einschlüsse sein. Diese Ansicht 
hatte Anfangs etwas Befremdliches, da man nirgend einen 
Einschluss des Gesteins oder des Mineralaggregats wahrnahm, 
aus welchem die porphyrartigen Krystalle stammen sollten; 
diese vielmehr, sowie auch die grossen Plagioklase (Labra- 
dore), ganz nach Weise der ausgeschiedenen Krystalle sich 
darstellten. Prof. Möhl veröffentlichte seine — wie hier schon 
erwähnt werden darf — vollkommen begründete Ansicht nebst 
mikroskopischer Untersuchung des fraglichen Gesteins bald 
darauf in der Schrift ,,Die Basalte der preussischen Ober- 
lausitz 1 ' (s. „Abhandl. d. naturforsch. Ges. in Görlitz", Sep.- 
Abdr. pag. 63).*) 



*) Etwas befremdend erscheint eine Anmerkung , in welcher Prof. 
Mühl mittheilt: „Uebrigens entnahm ich dem Freiburger Comptoir noch 
ein anderes Gestein mit der Etiquette „Dioritporphyr von Tannbergsthal", 



404 



Wenige Tage nach unserem Zusammentreffen in Freiberg 
besuchte ich die Lagerstätte des merkwürdigen Gesteins. Die- 
selbe befindet sich fast genau halbwegs zwischen Auerbach in 
Sachsen und Graslitz in Böhmen, \\ Kilom. südwestlich von 
der Häusergruppe Tannbergsthal, 2 Kilom. gegen Nord vom 
berühmten Topasfelsen Schneckenstein entfernt. Tannbergs- 
thal liegt auf Granit, etwa 2 Kilom. (zufolge der Naumann' sehen 
Karte) vorn nordwestlichen Rande der Eibenstocker Granitpartie 
entfernt. Die Umgebungen bestehen aus flachgewölbten, wald- 
bedeckten Bergen. Der Granit, von weisser Farbe, sehr auf- 
gelöst und zu Grus zerfallen, besteht aus einem grobkörnigen 
Gemenge von weissem Feldspath und Plagioklas, grauem 
Quarz, schwarzem und weissem Glimmer. Der Plagioklas ist 
in weit geringerer Menge vorhanden , als der Feldspath. Es 
gelang leider nicht, den Plagioklas zur Analyse aus dem Ge- 
menge auszusuchen, so innig war er mit Feldspath verwachsen 
und beide bereits verwittert. In der Nähe von Tannbergsthal 
fand ich als Strassenbau-Material einen Basalt mit vereinzelten 
Einsprenglingen von rothem Orthoklas, weissem Plagioklas und 
Quarz. Obgleich die meisten Stücke einem typischen Augit- 
Olivin s Basalt angehörten, so war es doch offenbar, dass jene 
Varietät mit den vereinzelten Einsprenglingen den Uebergang 
vermittle zu dem früher als Porphyrit bezeichneten Gestein. 
Schon hier konnte kein Zweifel mehr bestehen, dass der „Por- 
phyrit" ein mit vielen fremdartigen Einschlüssen erfüllter 
Basalt sei. Diese Wahrnehmung wurde durch den Besuch des 
anstehenden Gesteins vollkommen bestätigt. Ansteigend gegen 
Südwest von Tannbergsthal fand ich auf dem sanftgewölbten, 
mit hohem Tannenwald bestandenen Granitgebirge einen von 
Nordwest gegen Südost streichenden , südwestlich mit etwa 
40° fallenden, 1| M. mächtigen Basaltgang. Auf der Nau- 



das ebenfalls röthlichen Orthoklas, wasserhellen bis weissen Plagioklas 
in grossen Krystallen führt. Dies Gestein ist ein — - Diabas, dessen 
Quarzkörner theils secundär [?] , theils neben dem Orthoklas, wie im 
Basalte, fremde Einschlüsse sind. Jedenfalls auch ein Ganggestein." 
Dieser Diabas findet sich indess in demselben Gangraume wie jener 
Basalt; beide Gesteine sind auf das Innigste durch Uebergänge verbunden. 
Der „Diabas" unterscheidet sich vom Basalt wesentlich nur durch die 
grössere Menge der Einschlüsse und einen mehr fortgeschrittenen Zu- 
stand der Zersetzung. 



405 



MANN'schen Karte ist dies Vorkommen genau angegeben, 
wenngleich in dem die Karte erklärenden ausführlichen Texte 
nicht erwähnt, — offenbar, weil es damals an Aufschlüssen 
fehlte. Der Gang, welcher sich mehr als 1 Kilom. verfolgen 
lässt, ragt nicht merkbar über den ihn umgebenden Granit 
empor. An drei Punkten ist derselbe durch Steinbrüche auf- 
geschlossen zum Zwecke der Gewinnung von Strassenbau- 
Material, was zum Theil durch unterirdischen Betrieb geschieht. 
In dem von mir besuchten nordwestlichen Bruche zeigte sich 
das Gestein in unmittelbarer Nähe der Saalbänder platten- 
förmig, in der Hauptmasse sehr unvollkommen säulenförmig 
abgesondert. Die Einschlüsse von grossen Feldspath- und 
Plagioklas -Krystallen , sowie von Quarzkörnern zeigten sich 
vorzugsweise am liegenden Saalband und waren hier unregel- 
mässig vertheilt, bald dicht gedrängt, bald nur sehr vereinzelt. 
Da mein Besuch nur ein flüchtiger sein konnte , so bat ich 
Hrn. Benno Wappler um einige Mittheilungen über die merk- 
würdige Lagerstätte. Hr. Wappler begab sich zu dem Zwecke 
nach Tannbergsthal und hatte die Güte, in folgenden Worten 
mir das Ergebniss seiner Untersuchung mitzutheilen. 

„Der Gang des eigenthümlichen Gesteins streicht von 
Nordwest nach Südost und fällt 35° bis 45° in Südwest, ist 
dabei in seiner aufgeschlossenen Erstreckung 1 bis lj M. 
mächtig. Nach meinem Dafürhalten besteht dieser Gang 
eigentlich aus zwei Gängen, welche dicht aufeinander liegen 



Südöstlicher Bruch. 




f Einfall ern gefen SW 



Zeits. d.D. geol. Ges. XXVII., 2. 



27 



406 



und zwar ist der liegende Gang, welcher meist vom Hangen- 
den durch eine sichtbare Kluft getrennt ist, 20 bis 25 Cm. 
mächtig , während der hangende' Gang 1 M. und auch wohl 
etwas mächtiger erscheint. Im liegenden Gange treten die 
schönen fleischrothen Orthoklase, die Quarze, die Labradore 
auf. Im südöstlichsten Bruche erleidet das Gestein eine 
Niederdrückung (Verwerfung) und dort (-)-) hat der Berg- 
arbeiter Voigtmann ein Stück Granit vollkommen in Basalt 
eingeschlossen gefunden (s. Figur). Im hangenden Gang fand 
ich dergleichen rothe Feldspathe nicht, wohl aber Labrador, 
Quarz, Olivin, Hornblende und Kalkspath, welch letzterer auch 
im liegenden Gange sehr häufig vorkommt, besonders im nord- 
westlichsten Bruche. Die Orthoklase treten im liegenden 
Gange am meisten gegen Nordwesten auf; in der Gang- 
erstreckung gegen Südost kommen sie nur spärlich vor. Im 
Hangenden des Ganges findet sich mehr Olivin und weniger 
Quarz, im Liegenden findet das umgekehrte Verhältniss statt." 

Beide Gesteinsvarietäten, diejenige mit grossen Ortho- 
klasen und vielen Einsprenglingen von Labrador und Quarz 
vom Liegenden des Ganges und jene ohne oder nur mit ganz 
spärlichem Orthoklas und wenigen kleinen Plagioklasen und 
Quarzen vom Hangenden, sind, wenngleich durch allmälige 
Uebergänge mit einander verbunden, dennoch in ihrer typischen 
Ausbildungsweise verschieden. In der Varietät mit vie- 
len Einsprenglingen dominirt stets der Plagioklas in 
prachtvollen, wasserhellen Krystallen ; der schön rothe Ortho- 
klas tritt mehr vereinzelt, wenngleich in noch grösseren Kry- 
stallen auf. Der Orthoklas bildet einfache Krystalle und 
Zwillinge nach dem Carlsbader Gesetz, wie im Granit. Doch 
erscheinen die Krystalle von gerundetem Umriss. Nur die 
grösseren lassen die Krystallumgrenzung wahrnehmen, wäh- 
rend die kleineren völlig sphäroidisch erscheinen. Das spe- 
cifische Gewicht des Orthoklases — 2,551. 

Die P 1 agio kl as krystalle zeigen meist wohlerhaltene Um- 
risse, zuweilen erscheinen sie auch wie Fragmente. Beide Feld- 
spathe bilden (nur selten) regelmässige Verwachsungen. Um 
einen 2 Cm. grossen Plagioklaskrystall beobachtete ich eine 
etwa 1 Mm. dicke Hülle von Orthoklas. Häufiger sieht man 
dem Orthoklas kleine Körner von Plagioklas eingewachsen. 
Die einspringende Zwillingskiinte P:P mass ich = 172° 0' 



407 

(s. a. a. O.). Spec. Gew. - 2,711. Glühverlust 0,65. Die 
Zusammensetzung des Plagioklas ist aus folgenden Analysen 
zu ersehen , von denen I. schon früher veröffentlicht wurde. 
Das Material zu II. wurde einem Handstücke entnommen, 
welches Hr. Wappler im vorigen Herbste schlug und mir 
verehrte. 

I. 

Kieselsäure . . 53,61 Ox. = 28,592 
Thonerde . . . 29,68 13,858 



Kalk 10,96 3,131 

Kali ...... 1,15 0,195 

Natron . . . . . 4,36 1,125 

99,76 



Sauerstoffproportion 0,964 : 3 6,190. 
II. 

Kieselsäure .... 55,24 Ox. = 29,461 

Thonerde 28,32 13,223 

Kalk 10,63 3,037 

Natron (Verlust) . 5,81 1,500 
100,00 

Sauerstoffproportion 1,029 : 3 : 6,684. 

Während die Analyse I. im Sinne der Tschermak' sehen 
Theorie annähernd durch eine Mischung von 2 Mol. Albit ~\- 5 
Anorthit dargestellt werden kann (Kieselsäure 54,02. Thon- 
erde 29,45. Kalk 11,46. Natron 5,07), so entspricht II. sehr 
nahe der Mischung 1 Alb. -f- 2 An. (Kieselsäure 55,43. 
Thonerde 28,49. Kalk 10,35. Natron 5,73). Beide Mischun- 
gen entsprechen einem Labrador. 

Die Quarz körner sind fettglänzend von ganz lichtröth- 
iicher Färbung namentlich in ihrer peripherischen Zone, von 
Sprüngen durchsetzt, von kleinmuschligem Bruch, stets auf 
dem Gesteinsbruche durchreissend. Ihr spec. Gew. = 2,612. 
Wenig Augit und Olivin; Herr Wappler entdeckte auch 
Diallag (oder Enstatit?). Ausserdem umschliesst die Grund- 
masse zahlreiche, doch sehr unregelmässig vertheilte Kalk- 
spat h körner (bis 1 Cm. gr.), theils von kugliger, theils von 
gestreckter Form. Eisenkies in kleinen Körnchen, zuweilen 

27* 



408 



sich um die Labradore ansammelnd. Die Grundmasse ähnelt 
einem dichten Diabas, in welchem bereits eine Serpentin- 
bildung begonnen hat. Spec. Gew. dieser Varietät = 2,770. 
Das Gestein des hangenden Ganges mit wenigen Ein- 
sprenglingen von Labrador, Quarz und K a 1 k s p a t h 
(sehr kleine rundliche Orthoklaskörnchen fehlen nicht ganz) 
ist reich an Olivin, in isolirten Körnern und körnigen Aggre- 
gaten, bereits zum Theil in Serpentin umgeändert. Zollgrosse 
Augitkörner und vereinzelte kleine Hornblenden. Kalk- 
spathkörner und wenig Eisenkies. Die Grundmasse ist 
einem typischen Basalt ähnlich. Spec. Gew. des Gesteins 
= 2,830. Das höhere Gewicht entspricht dem reicheren Ge- 
halt au Augit und Olivin, im Vergleiche zu dem Gestein des 
liegenden Gangtheils. Unter dem Mikroskop verhalten sich 
beide Varietäten etwas verschieden. Zwei mir vorliegende von 
Hrn. Fübs mit grosser Kunst aus dem Gestein des liegen- 
den Gangtheils geschliffene Platten, 50 Mm. lang, 35 Mm. 
breit, bestehen mehr als zur Hälfte aus grossen (bis 2 Cm.), 
im Dünnschliff farblosen Krystalleinschlüssen , welche den 
Platten ein sehr ungewöhnliches Ansehen geben. Unregel- 
mässig vertheilt liegen in der Grundmasse grosse Körner von 
Labrador, Orthoklas, Quarz, Kalkspath. Die Labradore zeigen 
unter dem Mikroskop eine herrliche Streifung, zuweilen sind 
zwei annähernd rechtwinklige Streifensysteme an demselben 
Krystall zu beobachten , zum Beweise einer Zwillingsbildung 
nach zwei Gesetzen (,,Drehungsaxe die Normale zum Brachy- 
pinakoid" und „Drehungsaxe die Normale zur brachydiagonalen 
Axe in der Basis"). Nicht selten endet ein Streifen oder ein 
Streifensystem plötzlich, ohne dass ein anderes eintritt. Man 
erkennt so, dass auch die ungestreiften Partieen des Krystall- 
korus plagioklastisch sind. Recht eigenthümlich sind die Ver- 
witterungserscheiuungen des Labradors; es zeigen sich unregel- 
mässige Sprünge und von diesen aus beginnt eine feine Zer- 
faseruug der Masse, welche schliesslich den Krystall trübt und 
in eine nicht homogene Substanz verwandelt. Der Orthoklas, 
wenngleich im Schliffe farblos, ist dennoch leicht vom vorigen 
zu unterscheiden: durch die fehlende Streifung, sowie durch 
gewisse Sprünge , welche annähernd dem Orthopinakoid pa- 
rallel sind. Der Quarz bildet gerundete Körner, welche im 
polarisirten Lichte die für dies Mineral charakteristischen, leb- 



409 



haften, namentlich blauen Farben zeigen. Schwärme und Züge 
von kleinen Bläschen mit Flüssigkeitseinschlüssen und Libellen 
finden sich zahlreich im Quarz. Die Grundmasse dringt in 
langen Zungen in den Quarz ein, eine Erscheinung, wie wir 
sie so ausgezeichnet bei vielen Quarzporphyren kennen. Der 
Kalkspath bildet sphäroidische Körner aus einem oder we- 
nigen Krystallen zusammengesetzt. Man unterscheidet den- 
selben unter dem Mikroskop leicht an den Zwillingslamellen, 
welche stets in zwei , zuweilen auch in drei Richtungen sich 
schneidend das Korn durchsetzen. Sie brechen nicht ab , wie 
es beim Labrador vorkommt, sondern scheinen hier stets bis 
an die Grenze des Krystallindivids zu laufen. Diese Streifen 
gehören den bekannten Zwillingslamellen an , welche parallel 
einer Ebene — ~ R liegen. Wo sich zwei Streifen kreuzen, 
bemerkt man die bekannten, von G. Rose so meisterhaft ge- 
schilderten Canäle (Abhandl. d. Berl. Ak. d. Wissensch. 1868). 
Die Kalkspathkörner sind gewöhnlich von einer serpentin- 
ähnlichen Substanz eingefasst. 

An diesem lichtgrünen Serpentin ist die Grundmasse reich ; 
derselbe ist theils in unregelmässigen Körnchen und Partieen vor- 
handen, theils zeigt sie noch die Formen des Olivins, seltener 
diejenigen des Augits. Die Grundmasse besteht wesentlich 
aus Plagioklas-Mikrolithen , welche verwittert und unrein er- 
scheinen. Ausser den Magneteisen - Krystallen bemerkt man 
sehr zahlreiche schwarze sogen. Trichite, lineare, zuweilen zu 
dendritischen Formen zusammengefügte Gebilde, welche An- 
einanderreihungen kleinster Magnetite zu sein scheinen. 

Das mikroskopische Bild des hangenden Gangtheils zeigt 
einen ziemlich grobkörnigen Plagioklas -Basalt, mit sehr zahl- 
reichen, sehr deutlich gestreiften Plagioklasen , wenig hervor- 
tretendem, bräunlichem Augit, viel Olivin, welcher bereits 
etwas der Zersetzung anheimgefallen, viel Magneteisen, meist 
in quadratischen Umrissen. 

Trotz der angedeuteten Verschiedenheiten stellen sich 
doch beide Gesteine als wesentlich identisch und nur sich 
unterscheidend durch den Verwitterungszustand und die Menge 
der Einsprenglinge dar. 

Es bietet sich uns nun die" Frage nach der Herkunft 
dieser grossen porphyrartigen Krystallkörner von Orthoklas, 
Labrador, Quarz. Dass sie Einschlüsse sind, kann in der 



410 



That kaum bezweifelt werden. Es spricht für diese Deutung 
ihre sehr unregelmässige Vertheilung, ihre meist gerundete 
oder verbrochene Gestalt, auch das durchaus Fremdartige der 
bis 50 Mm. grossen Orthoklase in einem basaltischen Ge- 
steine, sowie die von Sprüngen durchsetzten Quarzkörner. 
Noch überzeugender sind die (freilich ganz seltenen) Ein- 
schlüsse von Granit in Basalt. Ein solches faustgrosses 
Granitstück, von der basaltischen Gangmasse umschlossen, 
befindet sich in unserer Sammlung; es ist jenes oben bereits 
im Berichte von Hrn. Wappler erwähnte Vorkommen aus 
dem hangenden Gangtheil. Der Granit dieses Einschlusses 
besteht aus lichtröthlichem Orthoklas, weissem bis gelblich- 
weissem Plagioklas, Quarz und Biotit. Dieses Granitstück, 
fest mit dem Basalt verwachsen, wird umschwärmt von kleinen 
Plagioklas-, Orthoklas- und Quarzkörnern, welche offenbar 
durch Zertrümmerung eines Theils des Einschlusses in die 
umhüllende Basaltmasse hineingerathen sind. In ähnlicher 
Weise dürfen wir uns auch die grossen Einsprenglinge des 
liegenden Gangtheils durch Zertrümmerung des granitischen 
Nebengesteins, bewirkt beim Empordringen des Basalts er- 
klären. Einige Schwierigkeit bietet diese Auffassung dennoch 
dar. Aus den der Beobachtung zugänglichen, der Oberfläche 
nahen Theilen des Granitgebirges können die grossen pracht- 
voll wasserhellen Labradore nicht herrühren. Denn Labrador 
wurde als constituirender Gemengtheil des Granits bisher noch 
nicht nachgewiesen; zudem bildet der Plagioklas des Granits 
der Gangumgebung keine solche grossen und wasserhellen 
Krystalle. Wir werden demnach zu der Annahme gedrängt, 
dass diejenige Granitvarietät, aus welcher die Krystalle des 
liegenden Gangtheils stammen, in grösserer Tiefe anstehe und 
wohl eine besondere locale Modifikation darstelle. Wie durch 
Lemberg nachgewiesen , enthält der Syenit von Predazzo in 
der Nähe der Kalkgrenze statt des Oligoklas Labrador. So 
wäre vielleicht die Annahme gestattet, dass in der Tiefe eine 
Kalkmasse vorhanden und der Granit im Contact Labrador 
führe. Bemerkenswerth ist die Frische sowohl des Orthoklas 
als des Labradors, wenn wir sie mit den Feldspathen des 
granitischen Nebengesteins vergleichen. Wir erblicken hier 
fest vom Basalt umschlossen und durch denselben vor Ver- 
witterung geschützt die Mineralgemengtheile der Tiefe vielleicht 



411 



in einem mehr ursprünglichen Zustande. Glimmer ist unter 
den Einschlüssen nicht wahrzunehmen , auch nicht unter den 
das oben erwähnte Granitstück umschwärmenden Mineral- 
körnern. Wohl ist die Annahme gestattet, dass der Glimmer 
bei seiner weit leichteren Schmelzbarkeit eingeschmolzen und 
von der Basaltmasse aufgenommen wurde. 

Das innige Umschlossensein der fremden Mineralien im 
basaltischen Magma verdient eine besondere Hervorhebung, 
namentlich im Vergleiche zu der Art und Weise wie die Lava 
fremde Mineral-Einschlüsse umhüllt. Unsere Laven, z. B. der 
Ströme von Mayen und Niedermendig, umschliessen viele fremde 
Mineralien, darunter auch Plagioklas und Quarz. Diesen liegt 
die umhüllende Lava nie fest an; feine Klufträume, theils mit 
Glasschmelz, theils mit zartesten Augitnadeln, oder auch mit 
vereinzelten Tridymiten bekleidet, trennen den Einschluss von 
der Lava. Es deutet dies auf ein ganz verschiedenes Verhalten 
des Basalt's einerseits und der Lava andererseits, auf einen bei 
aller Analogie zwischen beiden Gesteinen doch sehr verschie- 
denen molekularen Zustand bei ihrer Eruption hin. Der 
Basalt umgiebt die ihm fremden Einsprenglinge in derselben 
Weise wie er die aus ihm auskrystallisirten Mineralien um- 
schliesst. 



Anhang. 

Die weisse Asche von Vulcano, ausgeworfen 
am 7. September 1873. 

In seiner vortrefflichen Arbeit „Geognostisch - chemische 
Mittheilungen über die neuesten Eruptionen auf Vulcano und 
die Producte derselben' 4 (s. diese Zeitschr. Jahrg. 1875) be- 
richtet Dr. Baltzer über die Eruption einer weissen Asche, 
welche — „einem nordischen Schneefall gleich" — die Insel 
Vulcano mehrere Centimeter hoch bedeckte und bis nach Li- 
pari niederfiel. Dr. Baltzer wies durch chemische Analyse 
nach, dass jene merkwürdige weisse Asche wesentlich aus 
Kieselsäure bestehe, indem er in zwei Proben 93,2 u. 95,8 pCt. 
Si0 2 fand, berechnet auf geglühte Substanz. Den Glühverlust 
der Aschenproben, welcher vorzugsweise in Schwefel bestand, 



412 



bestimmte er zu 5,95 und 4,53 pCt. Berechnen wir demnach 
die Kieselsäuremeugen auf ungeglühte Aschen, so erhalten wir 
87,65 und 91,46 pCt. 

Hr. Baltzer erklärte diese Asche für Tridymit, indem 
er seine Ansicht durch das spec. Gew. 2,208 (Tridymit indess 
2,31), durch die sehr geringe Löslichkeit in Natriumcarbonat, 
sowie endlich durch das reichliche Vorhandensein von doppel- 
brechenden Partikeln in der weissen Asche stützte (pag. 25). 
,, Tridymit als vulkanische Asche" konnte nicht verfehlen, das 
höchste Interesse und Aufsehen zu erwecken. Ein Mineral, 
welches bis dahin zwar in vielen trachytischen Gesteinen, doch 
stets nur mit dem Charakter eines Drusenminerals in kleinen 
und kleinsten Täfelchen bekannt war, wurde durch den Vul- 
canokrater am 7. September 1873 in ungeheurer Menge aus- 
geworfen, sodass der Tridymit-Schnee auf dem Eiland Vulcano 
eine bis zu 4 Cm. hohe Schicht bildete und auch auf Lipari 
niederfiel. „Eine Eruption von^ Tridymit" : Ueberraschenderes 
konnte wohl nicht gemeldet werden. — Dr. Baltzer erklärte 
in Folge seiner Untersuchung der weissen Asche von Vulcano 
den bisherigen Begriff der vulkanischen Asche für der Erwei- 
terung bedürftig und fügte den bisher bekannten Gruppen vul- 
kanischer Aschen eine neue hinzu: ,, deren Eigentümlichkeit 
die Annahme eines besonderen chemischen Vorganges wahr- 
scheinlich macht; Aschen die als wirkliche Neubildungen, 
z. B. als Reactionsproducte der vulkanischen Dämpfe und Gase 
auf das Gestein der Schlotwandung oder das Magma zu be- 
trachten sind." Hr. Baltzer trennt die Kieselsäure-Asche 
vom 7. September deshalb auch scharf von den grauen Aschen, 
welche einige Tage später am 14. und 15. September vom 
Vulcanokrater ausgeblasen wurden. Diese letzteren Aschen 
sind nach Hrn. Baltzer nichts Anderes als mechanisch zer- 
kleinerte und durch die Gewalt der explodirenden Dämpfe 
zerstäubte Lava, wie auch durch Bestimmung des Kieselsäure- 
gehalts der Asche (vom 15. Sept.) = 73,08 pCt. „überein- 
stimmend mit dem der ausgeschleuderten Liparitbomben" be- 
wiesen wurde. „Die schneeweisse Asche von Vulcano dagegen 
ist gewiss nicht durch mechanische Scheidung aus einem zer- 
stäubten Lavapulver erklärbar etc." 

Schliesslich fordert Hr. Baltzer zu fortgesetzten genauen 
chemischen Untersuchungen der Erzeugnisse des Vulcanokraters 



413 



auf. „Ueber die jüngsten Eruptionen auf der Insel Vulcano" 
(Vierteljahrsschr. d. Zürch. naturf. Ges ). 

Gerne unterzog ich mich einer solchen, als Hr. Bältzer 
die Güte hatte, mir eine Probe der weissen Asche zu über- 
senden, mit dem Bemerken, dass dieselbe von einer zweiten 
.Sendung herrühre, indess derselben Eruption (7. Sept.) ange- 
höre — wenn auch nicht zu gleicher Stunde wie die von ihm 
untersuchte gefallen. „Im Aussehen stimmt sie mit der von 
mir analysirten ersten Sendung überein. Es ist mir nicht ent- 
gangen , dass unter dem Mikroskop weder Tridymitformen 
noch überhaupt Krystallflächen wahrnehmbar sind, doch ist die 
Substanz zum grösseren Theil doppelbrechend. Mein© An- 
nahme, dass Tridymit vorliege, beruht nur auf der Unlöslich- 
keit in kohlensaurem Natrium (nur ca. 6 pCt. sind löslich) 
und dem geringen spec. Gew." (Briefl. Mitth. v. 2. Febr. 1875). 
In Betreif dieser mir vorliegenden Aschenprobe (meine Unter- 
suchung beschränkt sich nur auf diese) kann ich die Ueber- 
zeugung nicht gewinnen, dass sie Tridymit sei. Sie entbehrt 
der „ausserordentlichen Reinheit", welche Baltzer von der- 
jenigen Asche rühmt, die seiner Bestimmung zu Grunde lag. 
Vielmehr gleicht meine Probe durchaus einem reichlich mit 
Schwefel imprägnirten erdig zersetzten Rhyolith. Auch kleine 
dunkle Lavapartikelchen sind der Masse eingemengt. Der, 
Tridymit besitzt unter dem Mikroskop sehr bestimmte Kenn- 
zeichen. Ich verglich zunächst mit der weissen Asche den 
von G. Rose künstlich durch Zusammenschmelzen von ge- 
pulvertem Adular mit dem dreifachen Volumen geschmolzenen 
und gepulverten Phosphorsalzes dargestellten Tridymit, sowie 
denjenigen , welchen G. Rose durch Schmelzen eines Ueber- 
schusses von Kieselsäure mit kohlensaurem Natron erhalten 
hatte (s. diese Zeitschr. 1869 pag. 830). Diese Tridymit- 
pufver bilden die herrlichsten Präparate , indem sie in ihrer 
ganzen Masse unter dem Mikroskop die zierlichsten hexago- 
nalen Formen zeigen. Der natürlich vorkommende Tridymit 
ist bekanntlich eines der durch mikroskopische Kennzeichen 
am schärfsten bezeichneten Gebilde, kenntlich an dem dach- 
ziegelförmigen oder schuppigen Bau der übereinander liegenden 
hexagonalen Täfelchen, wie derselbe oben im Auswürfling 
von Pomasqui (s. oben pag. 315) geschildert wurde. 

In der weissen Asche von Vulcano konnte ich nun — 



414 



in vollkommener Uebereinstimmung mit Dr. Baltzer's brief- 
licher Mittheilung — Nichts von Tridymitformen erkennen, 
ebensowenig eine Spur jenes dachziegelförmigen Baues. Man 
sieht ausschliesslich gestaltlose Partikel, wie sie durch Zer- 
trümmerung eines in hohem Grade zersetzten und aufgelösten 
Gesteins entstehen müssen. 

Die chemische Analyse bestätigte vollkommen das Er- 
gebniss von Dr. Baltzer. Ich fand den Kieselsäure - Gehalt 
der geglühten Masse = 94,09 pCt. Der Glühverlust, welcher 
vorzugsweise aus Schwefel bestand, ergab sich — 4,77. Diese 
Werthe liegen in der Mitte zwischen den von Baltzer ermite 
telten. Ausserdem fand ich einen Thonerde- und Eisengehalt 
von 2,58 pCt. Zu diesen Bestimmungen waren aus der 
weissen Asche soviel wie möglich alle unreinen und ungleich- 
artigen Theile entfernt worden. Um nun die Frage zu ent- 
scheiden , ob diese so höchst kieselsäurereiche weisse Asche 
nicht etwa dennoch, entgegen der Ansicht von Dr. Baltzer, 
ein blosses Zertrümmerungsproduct einer Lava sein könne, 
untersuchte ich eine jener von mir bei meinem Besuche des 
Vulcanokraters (6. April 1869, s. N. Jahrb. 1874, briefl. Mittb.) 
gesammelten weissen, durch die Fumarolen zersetzten rhyo- 
lithischen Bomben, welche in grosser Meuge den Kraterboden 
bedecken, und deren Gestein vollkommen gleicht demjenigen 
der zersetzten Kraterfelsen. Beim Glühen zerspringen linien- 
grosse Partikel dieses Gesteins mit solcher Heftigkeit, dass 
dadurch der Deckel des Porcellantiegels herabgeschleudert 
wird. Zur Vergleichung setze ich die Mischung der Asche 
daneben. 

Auswürfling, Asche 
ges. 1869 7. Sept. 1873 

Glühverlust (vorzugsweise 

Schwefel) 6,78 4,77 

Kieselsäure 89,60 88,61 

Thonerde -f Eisenoxyd . 2,62 2,58 

Von Kalk war eine geringe Spur vorhanden. Der Ver- 
lust der Analysen rührt wohl von den nicht ermittelten Alkalien 
her. Der Vergleich obiger Zahlen zeigt eine sehr grosse 
Analogie in der Zusammensetzung der weissen Asche und der 
ausgeschleuderten Rhyolithbombe, resp. dem Gestein des Krater- 



415 



Schlots, — genau so wie Baltzer es für die graue Asche 
vom 15. September 1873 erwiesen hat. 

Durch die bisher vorliegenden Untersuchungen scheint 
demnach weder jene neue Art vulkanischer Aschen (deren 
Wesen in wirklichen chemischen Neubildungen bestehen sollte), 
noch weniger aber ,,eine Tridymitasche" mit Sicherheit er- 
wiesen zu sein. 



Inhalt. 

Seite 



I. Ueber einige Andesgesteine 295 

Die Sphärolithlava des Antisana 296 

Der Quarz- Andesit (Dacit) des Vulcans Mojanda .... 302 

Der Andesit vom Vulkan Pululagua 304 

Der Andesit des Guagua Pichincha 307 

Anmerk. Cronica de los fenomenos volcanicos y terre- 

motos en el Ecuador etc. von Prof. Tu. Wolf . , . 309 

a. das röthliche Gipfelgestein des Guagua Pichincha . . 312 

b. die dunkle Andesitvarietät aus dem westlichen Krater 

Der Andesit des Tunguragua 312 

Trachytischer Auswürfling aus den Tuffen von Calacali, un- 
fern Pomaspui 315 

Die Lava von Langlanchi 322 

Der Andesit von Toluca 325 

Der Obsidian- ähnliche Andesit von Conechos am Rio grande 

del Norte, Colorado 326 

Trachyt der Perlenhardt im Siebengebirge 329 

Hauynführende Lava von der Insel Palma . . . . . . . 331 

Uebersicht der analysirten Plagioklase 336 

Aeltere plutonische Gesteine auf dem Hochlande von Ecuador 339 

. Sphärolithischer Pechstein von Oyacachi 341 

II. Ueber die Gesteine des Monzoni 343 

Frühere Arbeiten: v. Buch, G. Rose, v. Richthofen, de Lap- 

PAKENT, TsCHEliMAK, DÖLTEB 347 

A u g i t- S y en it. Varietät aus dem Toal dei Rizzoni, Ana- 
lyse des Eeldspaths 341 

Varietät von Blöcken aus dem Piano, Analyse des Feldspaths 344 

Augit-Syenit (Dolerite porphyroide) aus den Pyrenäen . 347 
Diabas. Augit - Labradorgestein aus dem Piano, Analyse 

des Plagioklas 349 

Verwachsung von Augit und Hornblende, ihre Zusammensetzung 351 

Mikroskopische Constitution des Diabas nach Prof, Rosisnbusch 353 

Zusammensetzung des Plagioklas aus dem Diabas .... 354 



416 



Seite 



Augitkrystalle in Drusen des Diabas 356 

Turmalin, Granat, Epidot, Axinit, Zirkon, Chabasit .... 358 

Olivin führen der Gabbro 359 

Zusammensetzung des Labradors und des schwarzen Diallags 361 
Miu eralfun d s t'atten des Monzoni. Fassaitlager am 

nördlichen Abhänge des Monte Riccobetta 362 

Gehlenit und Granat, strahliger Augit und Eisenglanz bei le 

Seile 364 

Epidot zu Allochet 366 

Derber Monticellit (Batrachit) im Toal dei Rizzoni .... 370 

Ceylanit, Brandisit, Pyrgom im Toal della Foglia 371 

Die Mineralfundstätte Pesmeda . Pseudomorphosen von Ser- 
pentin und von Fassait nach Monticellit 372 

Mikroskopische Untersuchung der Serpentin-Pseudomorphosen 378 

Chemische Zusammensetzung derselben 379 

Fassait-Pseudomorphosen, deren Analyse 391 

Anorthit von Pesmeda 392 

Der Melaphyrgang von Canzacoli bei Predazzo . 397 

III. Der Basaltgang von Tannbergsthal im sächsischen Voigtlande. 402 

Anhang. Die weisse Asche von Vulcano, ausgeworfen am 

7. September 1873 41t 



417 



4. Die Porphyre des Luganersee's. 

Von Herrn B. Studer in Bern. 

Die werthvolle Arbeit der Herren Negri und Spreafico*) 
über die Umgebungen von Varese und Lugano veranlasste 
die schweizerische geologische Commission, die Verfasser an- 
zufragen, ob sie vielleicht geneigt wären, die geologische 
Colorirung des Blattes XXIV., Düpoür, von seinem Westrande 
bis an das westliche Ufer des Comersees zu übernehmen, und 
diesem Wunsche wurde auf die verbindlichste Weise ent- 
sprochen. Nur in Betren der in dieser Gegend auftretenden 
Porphyre wurde von uns eine von der in der erschienenen 
Karte abweichende Behandlung gewünscht. 

Als v. Büch im Jahre 1825 mit MoüSSC-n und mir meh- 
rere Tage der Geologie des Luganersee's widmete und, 2 Jahre 
später, diese reizenden Gegenden wieder besuchte, glaubte er 
daselbst eine Bestätigung seiner kurz vorher in Süd-Tirol ge- 
wonnenen Resultate gefunden zu haben : einen rothen, quarz- 
führenden Porphyr als Grundlage und einen jüngeren quarz- 
freien, schwarzen Porphyr, den er dem die Kalkgebirge empor- 
hebenden und sie in Dolomit umwandelnden Augitporphyr 
Tirols gleichstellte. Da indess im schwarzen Porphyr des 
Luganersee's Augit nicht deutlich zu erkennen war, zog er für 
denselben die Benennung Epidotporphyr und später , nach 
Brongniart, Melaphyr vor.**) 

Im Jahre 1833 besuchte ich wieder diese Gegend und 
sah zwischen Melano und Maroggia deutliche Gänge des 
rothen Porphyrs im schwarzen aufsteigen, sowie ich früher 
bei Predazzo, am Abfall des M. Mulatto, Gänge des 
rothen Turmalingranits im aufliegenden Melaphyr gesehen 
hatte.***) Ich glaubte daher den rothen Porphyr als jünger 



*) Mem. del Istit. Lombardo 1869. 

**) Akad. v. Berlin 1827 p. 193. Ann. des sc. natur. 1829 Vol. XVIII. 
'**) Leonh., Zeitschr. 1829 pag. 259. 



418 



erkennen zu sollen und gab darüber einen Bericht an die 

Societe geolog. in Paris.*) 

Im gleichen Jahr hatten auch meine Freunde F. Hoffmann 
und A. Escher auf ihrer Rückreise aus Italien eine nähere 
Untersuchung dieser Porphyre vorgenommen und ihren Bericht 
ebenfalls an die Societe geologique gesandt. Wir hatten uns 
damals weder in Tessin noch in Bern gesehen. Die Gänge 
von rothein Porphyr im schwarzen wurden auch von ihnen 
constatirt. Zugleich fanden sie aber auf der Halbinsel von 
Corona und Morcote eine so enge Verbindung beider Stein- 
arten und auch mit dem durch v. Büch als Granit beschrie- 
benen drusigen Feldspathgestein , dass sie alle drei Steinarten 
nur als Abänderungen derselben Masse erkennen zu sollen 
glaubten , deren gleichzeitiges Hervortreten in eine ältere Zeit 
falle, als die Ablagerung der sie überdeckenden Kalksteine 
und Dolomite.**) 

Zu derselben Folgerung gelangten spater C. Brünner aus 
Bern, jetzt in Wien, indem er auch Gänge von schwarzem 
im rothen Porphyr glaubt gesehen zu haben , womit auch 
Girard übereinstimmt.***) Das Abfallen der Kalkstein- und 
Dolomitgebirge nach allen Seiten rings um den See und die 
Porphyrhügel herum erweckt bei ihm, wie früher bei v. Buch, 
die Vorstellung eines von unten her gehobenen und zerspreng- 
ten Gewölbes, f) 

Den Beobachtungen von Hoffmann, Brünner, Girard und 
ihren eigenen zufolge haben die Herren Negri und Spreafico 
auf ihrer Karte die rothen und schwarzen Porphyre, den dru- 
sigen Granit von Figino und den schwarzen Pechstein von 
Gran toi a mit derselben Farbe bezeichnet, was doch kaum 
gebilligt werden kann. Ja, nach v. Büch müsste auch der 
Granit von Baveno mit diesen Gesteinen vereinigt werden. 

Unsere geologischen Karten sind aber zunächst petro- 
graphische. Sie unterscheiden Granit und Gneiss, Granit und 
Syenit, Trachyt und Basalt, Kalkstein und Sandstein, obgleich 



*) Bull. soc. geol. 1 ser. IV. pag. 54; Geologie der Schweiz 1851, 
I. pag. 472. 

**j Bull. soc. I ser. IV. pag. 103. 
***) Lko.nh., Jahrb. ISöl pag. 336. 
f) Schweiz. Denkschr. 1852 Vol. XII. 



419 



Uebergänge auch hier häufig sind und eine Verschiedenheit 
des Alters oft in Zweifel steht, oder gar nicht behauptet wird. 

Petrographisch stehen aber nicht leicht zwei Steinarten 
weiter auseinander, als der rothe und schwarze Porphyr des 
Luganersee's. 

Der rothe Porphyr, vorherrschend der Beschreibung 
v. Buchas und den Quarzporphyren anderer Gegenden ent- 
sprechend: bräunlich rothe Grundmasse mit unebenem Bruch, 
ausgesonderte gelblich weisse Orthoklaszwillinge, vereinzelte, 
beinah farblose, fein gestreifte Albit (Oligoklas) - Zwillinge, 
farblose, glasige Quarzdodekaeder, hält sich nicht innerhalb so 
enger Grenzen. Bei Maroggia ist die Grundmasse blass 
ziegelroth, verwachsen grobkörnig, der Quarz erscheint in rund- 
lichen, bis erbsengrossen Körnern. In den Gängen daselbst 
ist die Grundmasse dicht, mit ebenem, wachsglänzendem Bruch, 
die Orthoklaszwillinge, deutlich getrennt, sind dunkelroth. 
Als Abänderung betrachtet Hoffmann auch den drusigen Granit 
von Fi gi n o. 

Der schwarze Porphyr zeigt sich constanter in seinen 
Charakteren. Nicht ohne Grund verglich ihn v. Büch mit den 
dunklen Steinarten von Süd-Tirol, er erinnert auch täuschend 
an die Melaphyre der Vogesen oder der Gebirge von Lyon. 
Eine schwärzlich grüne, feinsplittrige Grundmasse, mit in 
Menge ausgesonderten sehr kleinen, gelblich oder röthlich 
weissen Krystallen, die v. Büch als Albit (Oligoklas) erkennt. 
Orthoklas und Quarz scheinen ganz zu fehlen. Dunkel lauch- 
grüne langgezogene Krystalle glaubte v. Büch als Augit oder 
Epidot bestimmen zu können. 

Mikroskopische Schliffuntersuchungen, gefälligst von Herrn 
Prof. Fischer, in Freiburg i. B. ausgeführt, führten zu wenig ab- 
weichenden Ergebnissen. Die Grundmasse des rothen Por- 
phyrs zeigt keine Spur von Zwillingsstreifung und, wenn nicht 
die chemische Analyse anders entscheidet, kann man sie nur 
als Orthoklas betrachten. Oelgrüne, von der Grundmasse 
nicht zu isolirende Stellen könnten vielleicht als Pinitoid ge- 
deutet werden. Auch in der Grundmasse des schwarzen Por- 
phyrs und in den von ihr umschlossenen kleinen farblosen 
Krystallen des Dünnschliffs glaubt Prof. Fischer nur Orthoklas 
erkennen zu sollen. Die lauchgrünen, langgezogenen Krystalle 
scheinen ihm Hornblende, so dass der schwarze Porphyr, 



420 



wenn die Hauptmasse ein trikliner Feldspath wäre, als Por- 
phyrit gelten müsste. Schwarze Körnchen in den Schliff- 
stücken erwiesen sich im gepulverten Stein als Magnetit, 
messinggelbe, durch die Lupe erkennbare Striemchen mögen 
Magnetkies sein. 

Um diese Steinarten näher zu prüfen , haben die Herren 
Negri und Spreafico durch ihren Freund Gargantim Piatti 
in Mailand sieben Abänderungen derselben chemisch analy- 
siren lassen. Zwei derselben, die entschieden den zwei in 
Frage stehenden Porphyren angehören, ergaben folgende Re- 
sultate: 



Roth er 


Quarzporphyr 


Schwarzer Porphyr 


von Valgana 


zw. Melano u. Rovio 




84,10 


69,57 




10,50 


12,30 




1,10 als Fe 


14,05 als ¥e 




0,03 


0,49 




0,04 


1,50 


Kali und Natron . . 


1,10 


0,25 




1,93 


3,25 




98,80 


101,41 



Diesen Analysen zufolge hat auch Dr. Justus Roth den 
schwarzen Porphyr von Lugano nicht weiter als Melaphyr 
betrachtet, sondern mit den Felsitporphyren vereinigt.*) 

Auffallend war mir bei diesen Analysen vorherrschend 
aus Feldspath bestehender Steinarten der nur auf Spuren 
beschränkte Gehalt an Alkalien. Ich vermuthete, sie möchten 
nicht mit frischen Stücken vorgenommen worden sein, umso- 
mehr, da fast überall der Stein bis tief unter die Oberfläche 
verwittert ist. Als daher an der Gotthardbahn, 1873, bei 
Maroggia beide Porphyre mit einem Tunnel von 543,5 M. zu 
durchbrechen waren, Hess ich mir, mehrere Monate nach An- 
fang der Arbeit, möglichst frische Stücke kommen, deren 
Analyse gefälligst unser Professor der Chemie Schwarzenbach 
übernahm. Es ergaben sich folgende, mit den in Mailand 
erhaltenen für Bauschaualysen nahe übereinstimmende Zahlen: 



*) Petiogr. pluton. Gesteine 187 J. 



421 



Kieselerde 
Thonerde . 
Eisen oxyd 
Magnesia . 
Kalkerde . 
Kali und Natron 



Rother Porphyr 
74,706 
11,267 
4,345 
0,360 
1,641 
3,894 



Wasser 3,690 



99,903 



Schwarzer Porphyr 
65,471 
15,154 
10,642 

0,340 

1,611 

3,647 

3,101 
99,966 



Im vorigen Herbst, als ich durch Maroggia kam, liess ich 
mir aus dem inzwischen weiter vorgeschrittenen Tunnel wieder 
zwei Stücke geben und in der Hoffnung, dass eine schärfere 
Trennung der Alkalien Anhaltspunkte zur Unterscheidung der 
Feldspathe gewähren werde, ersuchte ich den mir befreun- 
deten, durch seine Mineral - Analysen rühmlichst bekannten 
Hrn. v. Fellenberg ihre Bausch-Analyse zu übernehmen. Zur 
Vergleichung mit den früheren Ergebnissen will ich nur das 
Hauptresultat beistellen, die Arbeit nebst den daraus gezogenen 
Folgerungen vollständig, folgen lassen. 



Rother Porphyr 


Schwarzer Porphyr 


Kieselerde . . . 


71,74 


61,67 


Thonerde . . . . 


12,60 


16,38 


Eisenoxyd . . . 


2,45 


6,31 


Kalkerde . . . . 


2,30 


2,57 


Magnesia . . . . 


1,24 


3,02 


Mauganoxydul 


0,84 


0,30 


Kali 


4,14 


4,22 




3,41 


3,65 


Glühverlust . . 


3,50 


3,31 




102,22 


101,43 



Berücksichtigt man das Vorkommen von freiem Quarz im 
rothen Porphyr und freiem Magneteisen im schwarzen , be- 
sonders aber die beinahe vollständige Uebereinstimmung der 
Alkalien, so gewinnt die Ansicht, dass, ungeachtet der grossen 
Verschiedenheit der äusseren Charaktere , die chemische Mi- 
schung beider Porphyre dieselbe sei, sehr an Wahrscheinlichkeit. 



Zeits.d. O.geol.Ges. XXVII. 2. 



28 



422 



5. Analysen zweier Porphyre ans dem )Iaroggiatuunel 

im Tessin. 

Von Herrn L. von Fellenberg iü Roseabühl. 

Die eine der beiden tessinischen Eisenbahnen musste 
einen Berg durch einen Tunnel durchbrechen ; das zu Tage 
getretene Gestein waren zwei Porphyre, ein hellziegelrother 
und ein dunkelgrauer , aber gemeiniglich als schwarzer be- 
zeichnet. Beide unterscheiden sich petrographisch auffallend 
von einander. 

Der rot he Porphyr, in welchem zahlreiche farblose 
und durchsichtige, bis mehrere Millimeter messende Körner 
von glasigem Quarze eingesprengt sind, scheint aus zwei ver- 
schiedenen Feldspathen zu bestehen : einem durchscheinenden 
rothlichen, von welchem keine Krystalle sichtbar sind, und 
einem weissen, mit feinen Streifen versehenen, welcher an 
die Zwillingsbildungen von Oligoklas erinnert. Im benetzten 
Zustande sind die drei Gemengtheile des rothen Porphyrs am 
deutlichsten wahrzunehmen. Vor dem Löthrohre ist der röth- 
liche Bestandtheil kaum schmelzbar, indem sich die dünnsten 
Kanten der Probesplitter nicht abrunden, dagegen oberflächlich 
wie verglast aussehen. Der weisse, streifige Bestandtheil 
schmilzt vor dem Löthrohre zu einem weissen, undurchsich- 
tigen Schmelze, unter Gelbfärbung der äusseren Löthrohr- 
Üamme. 

Der schwarze Porphyr zeigt im trockenen Zustande 
kaum ein Gemenge an; im nassen Zustande lassen sich unter 
der Lupe hellere, durchscheinende, grünliche Körner und eine 
dunkle Gruudmasse erkennen , aber keine Quarzkörner. Die 
helleren Theile schmelzen vor dem Löthrohre zu weissem 
Schmelze, in welchem schwarze unschmelzbare Körner und 
Nadeln sichtbar werden; die Löthrohrflamme ist gelb gefärbt; 
die dunklen Theile geben vor dem Löthrohre keine auffallen- 
den Reactionen und schmelzen nicht, mögen also mit dem 



423 



rothen Bestandteile des rothen Porphyrs einige Aehnlichkeit 
haben. 

Gegen Reagentien verhalten sich beide Porphyre folgender- 
maassen : 

Der roth e Porphyr, als feines Pulver während 24 Stun- 
den bei gewöhnlicher Temperatur mit 2 procentiger Salzsäure 
in Berührung gelassen , entwickelt während vieler Stunden 
einzelne Bläschen von Kohlensäure und giebt eine farblose 
Lösung, in welcher neben Spuren von Eisenoxyd: Kalk er de 
und Magnesia vorhanden sind; der rothe Porphyr enthält also 
in seiner Masse Kalk - und Magnesiakarbonate , gewisser- 
maassen Dolomit, wahrscheinlich als Infiltrationsrückstand von 
dolomitischen Tagewassern. 

Der schwarze Porphyr gleich behandelt, verhält sich 
gleich , er entwickelt ebenfalls Kohlensäure, und der Auszug 
enthält neben Eisenoxyd: Kalkerde und Magnesia in 
nahezu gleichen Mengen als der des rothen Porphyr. 

Wird der schwarze Porphyr, nach Behandlung mit ver- 
dünnter 2 procentiger Salzsäure, während mehrerer Tage kalt 
mit concentrirter Salzsäure digerirt, so wird er entfärbt, 
und der Rückstand, unter der Lupe besehen, erzeigt sich als 
ein Gemenge von weissen, hellgelben und dunkelröthlicbgelben 
Körnern, ohne Spur von schwarzen Körnern; das Färbende 
ist in Lösung übergegangen und bildet eine hellgelbe Flüssig- 
keit, von Eisenoxyd gefärbt, aber Kali - Perman- 
ganat-lösung entfärbend, also Eisenoxydul enthaltend. 
Das Färbende des schwarzen Porphyrs ist also Eisen- 
oxyduloxyd oder Magneteisen. Dieses scheint im 
schwarzen Porphyr einfach mechanisch eingesprengt zu sein, 
da es auch aus grobem Pulver vollständig durch warme Salz- 
säure in einer Stunde Zeit ausgezogen werden kann. Durch 
diese Beobachtung war die Hauptschwierigkeit der Analyse 
des schwarzen Porphyrs überwunden. Durch directe quanti- 
tative Bestimmungen konnte sowohl die Gesammtmenge des 
Eisens, als diejenige des Eisenoxyduls im Magneteisen direct 
bestimmt werden. 

Bausch-Analysen der beiden Porphyre. 

Für jeden der beiden Porphyre musste die Zusammen- 
setzung durch je zwei Analysen gefunden werden, in deren 

28 * 



424 



einer A. die Kieselsäure nebst den Basen mit Ausschluss der 
Alkalien, in deren anderer B. die Alkalien und die anderen 
Basen mit Ausschluss der Kieselsäure zur Bestimmung kamen. 
Folgendes war in kurzen Umrissen der Gang der Analysen: 

A. Auf schlies sung durch A 1 ka Ii car bon at e. 

Ein Gramm feingepulverten Minerals wurde im Platintiegel 
mit 5 Gramm eines Gemenges nach gleichen Aequivalenten 
kohlensauren Kalis und Natrons geschmolzen, die Schmelze 
mit Wasser aufgeweicht, durch Salzsäure zersetzt, und Lösung 
sowohl als auch die abgeschiedene Kieselsäure zur Trockne 
verdunstet. Nach Behandlung mit Wasser wurde filtrirt und 
die Kieselsäure gesammelt Und ausgewaschen, dann nach dem 
Glühen gewogen und durch Verdunsten mit Flusssäure auf 
Reinheit geprüft. 

Das Filtrat wurde nach üblicher Weise analysirt; erst 
Thonerde und Eisenoxyd gemeinsam gefällt, und dann diese 
durch Schmelzen mit Kalibydrat getrennt. Das Filtrat der 
Thonerde wurde durch oxalsaures Ammoniak gefällt, unter 
Zusatz von Schwefelkalium, zur gemeinsamen Abscheidung von 
Mangan und Kalkerde , welche dann in essigsaurer Lösung 
durch Chlorwasser leicht und genau getrennt werden. Endlich 
wurde im Filtrate der Oxalsäuren Kalkerde die Magnesia durch 
pbosphorsaures Natron gefällt und bestimmt. 

B. Aufschliessung durch flusssaures Fluor- 

Ammonium. 

Ein Gramm feingepulverten Steins wurde mit 2 Gramm 
frisch sublimirten flusssauren Fluor - Ammoniums und etwas 
Wasser zum dicklichen Brei angerührt und im Wasserbade zur 
Trockne verdunstet, und unter jeweiligem Zusätze von einigen 
Tropfen Wasser diese Operation noch mehrmals wiederholt, 
dann die trockne Masse mit 2 Gramm geschmolzenen und 
erstarrten Ammoniak - Bisulfates vermengt, erhitzt, viel Fluor- 
silicium verjagt und erhitzt, bis sich aus der trocknen Masse 
keine Schwefelsäuredämpfe mehr entwickelten. Nach Zusatz 
von Salzsäure und ca. 50 Th. Wasser und Erhitzen zum 
Kochen, wurde die von etwas kohliger Materie getrübte Lö- 
sung filtrirt; es blieb kein Rückstand unzersetzten Minerals. 



425 



In der Lösung waren alle Bestandteile des Gesteins mit 
Ausschluss der Kieselsäure enthalten. 

Aus dieser wurden nun der Reihe nach: Thonerde und 
Eisenoxyd durch Ammoniak, dann aus dem Filtrate Kalkerde 
und Mangan durch oxalsaures Ammoniak und Schwefelammo- 
nium ausgefällt. Die beiden ersten wurden durch Schmelzen 
mit Kalihydrat, die beiden letzteren durch Chlorwasser getrennt. 

Das Filtrat der Kalkerde wurde zur Ansammlung der 
Alkalien zum Trocknen verdunstet, die Ammoniaksalze weg- 
geraucht, und die rückständigen Alkalisulfate in Wasser gelöst, 
auf ein geringes Volumen eingedunstet und, zur Abscheidung 
der Magnesia mit viel neutralem kohlensaurem Ammoniak ver- 
setzt, einen Tag lang stehen gelassen. Die abgeschiedene 
Magnesia wurde gesammelt und bestimmt und das Filtrat 
evaporirt und mit kohlensaurem Ammoniak bis zum constanten 
Gewichte der neutralen Alkalisulfate erhitzt. Deren Gehalt 
an Kali und Natron wurde nach Bestimmung der Schwefel- 
säure in denselben durch die indirecte Analyse berechnet. 

Die Bestimmung des Glühverlustes mit Einschluss der 
den Erdcarbonaten entsprechenden Kohlensäure wurde durch 
Erhitzen bei Gelbgluht von je 1 Gramm Mineralpulver aus- 
geführt. 

Die ausgeführten Analysen ergaben folgende Resultate: 

L Roth er Porphyr. II. Schwarzer Porphyr 



Kieselsäure . . . 


. 71,74 pCt. 


61,67 pCt. 




. 12,60 


16,38 




. 2,45 


6,31 




. 2,30 


2,57 




. 1,24 


3,02 


Manganoxydul . 


. 0,84 


0,30 




. 4,14 


4,22 




. 3,41 


3,65 


Glühverlust . . . 


. 3,50 


3,31 




102,22 


101,43 



Diese beiden Analysen haben noch eine Correctur nöthig 
in Bezug auf die in denselben versteckt enthaltenen Erdcarbo- 
nate. Diese wurde vorgenommen , indem je 1 Gramm der 
beiden Porphyre während 24 Stunden mit 25 Th, 2procen- 



426 



tiger Salzsäure kalt in Berührung gelassen wurden, unter zeit- 
weiligem Umrühren. Nach Filtration wurde durch Ammoniak 
etwas Eisenoxyd abgeschieden, dann die Kalkerde durch 
oxalsaures Ammoniak und die Magnesia durch pbospbor- 
saures Ammoniak abgeschieden und bestimmt. 
Es wurden erhalten: 

1. Beim rothen Porphyr 

1,91 pCt. Kalkerde = 3,40 pCt. Carbonat 

0,97 Magnesia — 2,03 „ 

2,88 = 5,43 Erdcarbonate. 

2. Beim schwarzen Porphyr 

1,94 pCt. Kalkerde == 3,45 pCt. Carbonat 
0,50 Magnesia = 1,05 „ 

2,44 = 4,50 Erdcarbonate. 



Corrigiren wir mit diesen Daten die obigen Resultate, 
und berechnen wir sie auf 100 Theile, so haben wir: 





I. Roth er 


II. Schwarzer 




Porphyr 


Porphyr 




70,18 pCt. 


60,80 pCt. 




. 12,33 


16,15 




2,40 


6,22 (Magneteisen) 




. 0,38 


0,62 




0,26 


2,48 




. 0,82 


0,30 


Kali 


. 4,05 


4,16 




. 3,34 


3,60 


Wasser als Glühverl. 


. 0,93 


1,23 




. 5,31 


4,44 




100,00 


100,00 



Bestimmung des Magneteiseus im schwarzen 
Porphyr. 

Um diese mit Sicherheit auszuführen, wurde 1 Gramm 
des Pulvers des schwarzen Porphyrs in einem mit einer 
Kohlensäure - Atmosphäre angefüllten Glaskolben, unter be- 
ständiger Zuleitung von Kohlensäure, durch starke Salzsäure 



427 



nnter Erwärmung, bis zur Entfärbung des Rückstandes dige- 
rirt, dann rascb filtrirt und durch frisch auf seinen Titre 
geprüftes übermangansaures Kali das Eisenoxydul bis zur 
stehenden Rosafärbung austitrirt und dieser Versuch zweimal 
wiederholt und bei einem vierten Versuche die (^esammtmenge 
des durch Säure ausgezogenen Eisens bestimmt. Das Mittel 
aus allen vier Versuchen ergab 6,51 pCt. Magneteisen, ent- 
sprechend 6,28 anstatt 6,31 pCt. Eisenoxyd. Wir haben also 
in obiger Summe anstatt 6,31 pCt. Eisenoxyd, nur 6,22 pCt. 
Magneteisen zu schreiben, ohne einen merklichen Fehler zu 
begehen. 

Wollen wir nun aus den obigen Resultaten versuchen 
herauszurechnen, was für Feldspathe in den beiden Porphyren 
neben einander vorhanden sein könnten , so müssen wir die 
Alkalien als Ausgangspunkte nehmen, und nämlich das Kali, 
als Basis des K al i fe 1 d s p at h s oder Orthoklases, und 
das Natron als Basis des Natronfeldspaths oder Oli- 
goklases, und müssen wir vorerst die Sauerstoif- Verhältnisse 
obiger Analysen in's Auge fassen. Wir finden die Berechnung 
der Sauerstoff - Verhältnisse 





I. 


Sauerstoff 


II. 


Sauerstoff 


Kieselsäure . . 


. 70,18 pCt. 


36,44 


60,80 pCt. 


31,57 


Thonerde . . . 


. 12,33 


5,76 


16,15 


7,55 


Eisenoxyd . . . 


. 2,40 


0,71 


0, 


0,00 




. 0,38 


0,11 


0,62 


0,18 


Magnesia . . . 


. 0,26 


0,10 


2,48 


0,99 


Manganoxydul . 


. 0,82 


0,18 


0,30 


0,07 


Kali 


. 4,05 


0,69 


4,16 


0,71 




3,34 


0,87 


3,60 


0,92 




. 0,93 




1,23 


0,00 


Carbonate . . . 


. 5,31 




4,44 


0,00 


Magneteis en . . 


. 0,00 




6,22 


0,00 



Stellen wir aus diesen Elementen mit Kali nach den 
Verhälnissen R : R : Si = 1 : 3 : 12 einen Kalif elds p ath , mit 
Natron mit den Verhältnissen R : R : Si = 1:3:9 einen 
Natronfeldspath zusammen, so finden wir für den rothen 
Porphyr: 



428 



A. 



0,69 K == 4,05 K 

1 = 0,97 | 0,18 Mn = 0,82 Mn 

1 0,10 Mg - 0,26 Mg 

3 - 2,91 AI = 6,23 Äl 

12 = 11,64 Si = 22,42 Si 

Orthoklas 33,78 pCt. 

\ = 0)98 j 0,87 Na = 3,34 Na 
[ 0,11 Ca = 0,38 Ca 

3 - 2,94 Äl =' 6,29 Äl 

9 = 8,82 Si = 17,00 S i 
Oligoklas 27,01 pCt. 

Der ganze rothe Porphyr aber besteht aus: 

Orthoklas . . 33,78 pCt. oder ohne Carbon ate aus 



Oligoklas . . 
Quarz . . . . 
Eisenoxyd . . 
Wasser . . . 
Erdcarbonate 



27,01 
30,76 
2,40 
0,93 
5,31 



B. Orthoklas 
Oligoklas . 
Quarz. . . 
Eisenoxyd 
Wasser . . 



35,67 pCt. 

28,53 

32,39 

2,53 

0,98 



100,19 



100,00 



Führen wir die gleichen Berechnungen beim schwarzen 
Porphyr aus, so erhalten wir folgende Zusammenstellung: 





f 0,71 K 




4,16 K 


1 - 1,77 


0,07 Mn 




0,30 Mn 




( 0,99 Mg 




2,48 Mg 


3 - 


5,31 Äl 




11,36 Äl 


12 = 


21,24 Si 




40,91 Si 








59,21 pCt. 


1 = u 


f 0,92 Na 




3,60 Na 


| 0,18 Ca 




0,62 Ca 


3 = 


3,30 Äl 




7,06 Ä'l 


9 = 


9,90 Si 




19,07 Si 


Oligoklas 






30,35 pCt. 



Der 



429 



Der ganze schwarze Porphyr besteht aus: 

A. Orthoklas . . 59,21 pCt. oder ohne Carbonate aus: 

Oligoklas . . 30,35 B. Orthoklas . . . 61,03 pCt. 

Magneteisen . 6,22 Oligoklas . . . 31,29 

Wasser . . . 1,23 Magneteisen . . 6,41 

Carbonate . . 4,44 Wasser 1,27 

~TÖ1,45 "TÖO^OO™ 

Berechnen wir noch aus diesen Elementen nach Roth's 
Vorschrift die specifiscben Gewichte aus den ä)ichtigkeiten 
Quarz = 2,65, Orthoklas = 2,56, Oligoklas = 2,66, Magnet- 
eisen — 4,9, Carbonate = 2,71, so finden wir für den rothen 
Porphyr: A = 2,642, B — 2,641; für den schwarzen 
Porphyr: A = 2,713 , B = 2,721. 

Die bei 6 Reaum. direct bestimmten specifischen Ge- 
wichte der beiden Porphyre wurden gefunden: 

für den rothen Porphyr — 2,645 

für den schwarzen Porphyr = 2,6598 
also nicht bedeutend von obigen abweichend. 

Zum Schlüsse noch die Bemerkung, dass der schwarze 
Porphyr als ein weit basischerer, welcher sogar 6 pCt. freie 
Basen im Magneteisen enthält, ein geologisch weit jüngeres 
Gestein zu sein scheint, als der mit Kieselsäure übersättigte 
rothe Porphyr, welcher für ~ seines Kieselsäuregehalts keine 
Verwendung hatte , so dass dieser als Quarz sich ausscheiden 
musste. 



430 



e. Heber C. E. von Baer's Bos Pallas ii aus dem 
Diluvium von Danzig. 

Von Herrn Ferd. Roemer in Breslau. 

Hierzu Tafel XI. 

In der 1823 erschienenen zweiten Abtheilung der kleinen 
akademischen Schrift über die fossilen Wirbelthiere der Pro- 
vinz Preussen*) hat der berühmte Nestor der deutschen Phy- 
siologen und Anatomen C. Ernst v. Bäer den Knochenzapfen 
eines Horns aus dem Diluvium bei Danzig pag. 27 mit fol- 
genden Worten beschrieben : 

„Rathkii nostri benevolentia aliud examinandum cornu 
„communicatum est, quod anno 1762 arando invenerat rusticus 
„ad (pagum ?) Wonnebergum , 5000 passus a porta Gedanensi 
„Neugartenthor in collium serie, cujus mentionem jam in pro- 
„oemio fecimus. Inferior tantum cornu pars superstes, 7 pol- 
„lices longa et cranii parum, satis tarnen ut videre liceat 
„cristam transversam occipitis a cornu distare , quo differt a 
„tauro. Cornu radice non terete, sed depressa (altitudo enim 
„2j poll., iatitudo 4 poll., circumferentia 11) superficies tres 
„exhibente, superiorem convexam, inferiorem convexiusculam 
„et posteriorem angustiorem itidem fere planam nec in cranii 
„superficie excurrentem, quod de Uro bene observavit CuvierüS. 
„A bove moschato toto coelo diversum, desideratur enim cornu 
„baseos intumescentia. Restat quartus boum fossilium, quem 
„Pallasiüs ad crania ex Siberia translata descripsit. 

„Hujus speciei nostrum esse credimus quia eundem animad- 
„vertimus angulum obtusum frontem in duas partes dividentem, 



*) De fossilibus mammalium reliquiis in Prussia repertis disser- 
tatio. Sectio altera consensu illustris med. ordinis in Academia Alber- 
tina pro receptione in facultatem die XVI. Septbr. MDCCCXXIII pu- 
blice defendenda ab auctore Cakolo Eünesto a Baer, Dr. med. P. P. O. 
des. Regiomonti. 



431 



„quarum posterior magis declivis est, quam in Uro quia porro 
„eadem cornu radicis directio observatur. De hac radice de- 
„pressa Pallasiüs quidem non loquitur, ex icone talis vero 
„nobis videtur, eosdemque angulos animadvertimus quamquam 
„ob vaginam corneam minus conspicuos. Vagina cornu nostro 
„deerat uti in subterraneis nostratibus solet. 

„Servatur in museo Societatis naturae curiosorum Geda- 
„nensium. Ut cognosci possit hoc specimen memorabile quia 
„unicum est quod in Europa repertum sciamus non supervaca- 
„neum videtur adjicere, in cornu insertione instrumentis aper- 
„turam factam et superficiem inferiorem rasam esse. Garet 
„haec species e terrarum fundo reviviscens nomine proprio. 
„Divini Pallasii nomen immortale proponimus." 

Bei der Beschreibung eines in dem Diluvium Schlesiens 
gefundenen Schädels des Moschusochsen (Ovibos moschatus)*) 
war es mir von Interesse, auch von den übrigen bisher in 
Deutschland gefundenen Resten dieses Thieres durch eigene 
Anschauung eine zuverlässige Kunde zu erhalten. Da nun 
W. Boyd Dawkins**) und andere Autoren den Bos Pallasii 
v. Baer als ein Synonym von Ovibos moschatus Blainv. auf- 
führen, so war es von Wichtigkeit, auch den durch C. E. von 
Baer beschriebenen Hornzapfen von Danzig zu sehen. 

Eine nach Danzig gerichtete Anfrage hatte einen uner- 
wartet günstigen Erfolg. Herr Dr. Bail, Director des Mu- 
seums des naturhistorischen Vereins in Danzig, ein werth- 
geschätzter ehemaliger Zuhörer von mir, hatte die Güte, mir 
nicht nur den durch C. E. von Baer beschriebenen Horn- 
zapfen, sondern noch einen zweiten offenbar derselben Art 
angehörenden und vor einigen Jahren ebenfalls im Diluvium 
bei Danzig gefundenen Hornzapfen zur Ansicht zu schicken. 

Die nähere Untersuchung dieser beiden Exemplare hat zu 
dem Ergebniss geführt, dass sie zu keinem der aus dem deut- 
schen Diluvium bisher bekannten Wiederkäuer gehören , son- 
dern von einer selbstständigen neuen Art herrühren. Die 
beiden Stücke sind hier nacheinander in ihrem besonderen 
Verhalten zu betrachten. 



*) Vergl. Bd. XXVI. Jahrg. 1874 dieser Zeitschr. pag. 600 ff. 
**) The British pleistocene Mammalia Part V. Brit. pleistocene 
Ovidae. Ovibos moschalus Blaiinv. London 1872 (Palaeontogr. Society) 
pag 17. 



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1, Das Horn, auf welches sich die Beschreibung 
C.E. v. Baer's bezieht. Taf. XL Fig. 1—3. 
Dasselbe entspricht durchaus der durch v. Baer gege- 
benen Beschreibung. Es ist ein am Ende abgebrochener 
Hornzapfen nebst einem Theile der Stirn. Der Querschnitt 
des Zapfens ist fast rechtwinklig und breiter als hoch (an der 
Basis 10 Cm. breit, 7{ Cm. hoch). Die obere Fläche des 
Zapfens ist ganz flach gewölbt, die untere eben und selbst 
etwas concav. Die vordere Fläche ist gewölbt und geht mit 
allmäliger Rundung sowohl in die obere als in die untere 
Fläche über. Dagegen fällt die hintere Fläche des Zapfens 
senkrecht ab und steht fast rechtwinklig gegen die obere und 
und untere Fläche. Nächst dieser subrektangulären Form des 
Querschnitts ist die gerade Richtung des Zapfens mit Be- 
ziehung auf die obere Fläche des erhaltenen Theils der Stirn 
besonders bemerkenswerth ; die obere Fläche des Hornzapfens 
liegt nämlich in gleicher Ebene und in der Fortsetzung der 
Oberfläche des betreffenden Stirntheils und erst gegen das 
Ende neigt sich die Oberfläche etwas nach abwärts. Das fast 
gerade Horn war in gleicher Höhe mit der Stirn rechtwinklig 
gegen die Seitenfläche des Schädels diesem angefügt. 

Der mit dem Hornzapfen zusammenhängende erhaltene 
Theil des Schädels ist ein IO7 Cm. breites und gegen 16 Cm. 
langes Bruchstück der Stirn. Der mittlere Theil der Ober- 
fläche stellt eine ganz flach gewölbte fast ebene Flache dar. 
Nach vorn neigt sich die Oberfläche allmälig, nach hinten 
steil nach abwärts. Sie ist mit unregelmässigen rundlichen 
Höckern und Runzeln bedeckt, welche gegen die Wurzel des 
Hornzapfens hin am stärksten sind, gegen die Mitte der Stirn 
hin dagegen schwächer werden. Diese Rauhigkeit ist von 
ganz ähnlicher Beschaffenheit, wie diejenige auf der zwischen 
den Hörnern liegenden Oberfläche der Stirn bei Ovibos mo- 
schatus, bei Bubalus caffer und anderen Arten von Wieder- 
käuern , bei welchen die Hornscheide der Hörner nicht blos 
die Knochenzapfen überziehen, sondern vom Grunde derselben 
sich erweiternd einen Theil der Stirn bedecken. Es darf 
daher mit Wahrscheinlichkeit geschlossen werden, dass auch 
bei der hier in Rede stehenden Art eine ähnliche Erweiterung 
der Hornscheiden am Grunde der Hörner vorhanden war. 
Freilich entsprechend der geringeren Stärke der Warzen und 




433 



deren Verschwinden gegen die Mitte hin in viel unbedeu- 
tenderer Dicke und Ausdehnung, als z. B. bei Ovibos moschatus 
und Bubalus caffer. 

Die untere Fläche des erhaltenen Stirntheils wird zum 
Theil durch die obere Wand' der Hirnhöhle gebildet. Sie ist 
glattflächig und mit unregelmässigen den Unebenheiten der 
Gehirnmasse entsprechenden Vertiefungen versehen. Ein Ab- 
stand von 4 Cm. trennt diese untere Fläche von der oberen 
oder Aussenfläche. Der Zwischenraum wird durch eine aus 
unregelmässigen grossen Zellen bestehende Diploe gebildet. 

Endlich ist noch zu erwähnen, dass das Stück an meh- 
reren Stellen die deutlichen Spuren von Axtschlägen oder die 
Einwirkungen irgend eines anderen schneidigen Instruments 
an sich trägt. Namentlich am Grunde des Hornzapfens sind 
dergleichen bemerkbar. Hier ist namentlich an der Vorder- 
seite eine 4 Cm. lange und 1 Cm. breite Kerbe durch die 
ganze Dicke der Stirnwand gedrungen. Auch auf der Unter- 
seite sind am Grunde des Knochenzapfens mehrere glatte 
Schnittflächen eines schneidenden Instruments vorhanden. 
Wahrscheinlich rühren diese Verletzungen von den unkundigen 
Findern des Stücks her, welche sich durch diese Schnitte 
über die Natur des ihnen unbekannten Körpers aufzuklären 
versuchten. Uebrigens bieten diese Verletzungen den Vortheil, 
dass sie jeden etwaigen Zweifel in Betreff der Identität des 
vorliegenden Stücks mit dem von C. E. v. Baer beschriebenen 
beseitigen, da diese Verletzungen durch den genannten Autor 
ganz in gleicher Weise erwähnt werden. 

2. Das bisher nicht beschriebene Horn. Taf. XI. 
Figur 4 — 6- 

Dasselbe ist ebenfalls ein Knochenzapfen mit einem Theile 
der Stirn. Es ist grösser und vollständiger als das vorher 
beschriebene und namentlich ist auch das Ende fast unversehrt 
erhalten. Die eigenthümlich plumpe holzschuhähnliche Gestalt 
des Knochenzapfens tritt hier noch deutlicher hervor, als bei 
dem anderen. Er ist ganz gerade gestreckt und die bei dem 
anderen bemerkte leichte Krümmung nach abwärts ist hier nicht 
vorhanden. Die Abplattung von oben nach unten und das Ueber- 
wiegen der Breite über die Höhe ist hier noch grösser. Die obere 
Fläche ist ganz flach gewölbt und erst an der Spitze nach abwärts 



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geneigt. Die untere Fläche ist ganz eben wie ein Brett. Die 
Ebenheit der Fläche ist so gross, dass man fast an eine künst- 
liche Abreibung denken möchte, allein bei genauerer Prüfung 
überzeugt man sich, dass sie durchaus natürlich ist. Wie bei 
dem anderen Horn ist die vordere Fläche gerundet*), die hin- 
tere fast eben und senkrecht abfallend. Bei einer Länge von 
23 Cm. beträgt die grösste Breite am Grunde 13 Cm. und die 
grösste Höhe 5| Cm. Diese grösseren Dimensionen im Ver- 
gleich mit denjenigen des anderen Horns sind wohl dem 
höheren Alter des betreffenden Individuums oder vielleicht auch 
der Verschiedenheit des Geschlechts zuzuschreiben. Uebrigens 
ist, wenn man mit C. E. v. Baer die senkrecht abfallende 
Seiteufläche des Horns für die hintere hält, dieses zweite 
Horn ein Horn der rechten Seite, während das erste ein 
linkes ist. 

Auch dieses zweite Horn ist ganz in der Nähe von Danzig 
gefunden worden, und zwar nach der angeklebten Etiquette im 
Jahre 1869 beim Ausgraben der Fundamente für die Olivaer 
Brücke. Die Erhaltuugsart ist auch durchaus die bei Wirbel- 
thierresten des norddeutschen Diluviums gewöhnliche. Es hat 
die herrschende braungraue Färbung solcher Knochen, frische 
Bruchstellen kleben an der Zunge und die inneren Höh- 
lungen des Horns sind noch zum Theil mit schwärzlich grauer 
sandiger Erde erfüllt. Von dem ersten durch v. Baer be- 
schriebenen Hörne gilt rücksichtlich der Erhaltung ganz das 
Gleiche. Dieses wurde, w r ie in der Beschreibung v. Baer's 
angegeben ist, in einer Hügelreihe bei dem Dorfe Wonneberg 
an einer etwa 5000 Schritt vor dem Neugartenthor in Danzig 
entfernten Stelle durch einen Bauer beim Pflügen im Jahre 
176*2 aufgefunden. 

Entsteht nun die Frage, welcher Thierart die beiden 
Hörner zuzurechnen sind, so ist zunächst die Annahme VO> T 
Baer's, derzufolge das von ihm beschriebene Horn zu der- 
selben Art, wie die von Pallas aus Sibirien beschriebenen 
Ochsenschädel gehören sollen, entschieden unzulässig. Denn 
obgleich er sie nicht näher bezeichnet, so kennen unter diesen 



*j An dieser vorderen Seite ist fast in der Mitte eine etwa 14- Zoll 
lange, aber nur wenig tief eindringende, mit einem schneidigen Instru- 
mente bewirkte künstliche Schnittfläche bemerkbar. 



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sibirischen Schädeln nur die von Pallas in Nov. Couim. 
Petrop. XIII. pag. 460 und XVII. pag. 580 beschriebenen 
Schädel und Schädelbruchstücke verstanden sein , welche von 
Pallas zuerst für Schädel eines Riesenbüffels, demnächst für 
solche des indischen Bubalus Ami erklärt wurden*); diese 
gehören aber nach der Beschreibung und Abbildung von 
Pallas und nach der übereinstimmenden Deutung von Cü- 
vier**), H. v. Meyer***) und anderer Autoren zum Bos 
priscus Boj. oder zu einem dem Auerochsen (Bos bison L.) nahe 
verwandten Thiere. Die Hörner von Danzig mit ihrer flach 
niedergedrückten, geraden und stumpf endigenden Form sind 
von den drehrunden , gekrümmten und am Ende zugespitzten 
Hörnern dieser Art durchaus verschieden. In der That sind 
auch die Merkmale, welche v. Baer als angeblich überein- 
stimmend zwischen dem Danziger Horn und den Hörnern der 
sibirischen Schädel erkennt, von sehr unbestimmter Art. Er 
nennt als solche eine ähnliche stumpfwinklige Theilung der 
Stirn in zwei Hälften, deren hintere steiler als beim Auer- 
ochsen abfällt, und einen ähnlichen Querschnitt der Hörner, 
der zwar in der Beschreibung von Pallas nicht angegeben, 
den v. Baer aber in der Abbildung wahrzunehmen glaubt. 

Wenn man demnach genöthigt ist, für die Hörner von 
Danzig eine andere Bestimmung zu suchen, so wird man doch 
nur in der Familie der Boviden eine näher zu vergleichende 
Form zu finden erwarten dürfen. In den Gattungen Bos und 
Bison ist keine Art mit ähnlichen niedergedrückten, geraden 
und stumpf endigenden Hornzapfen bekannt. Dagegen finden 
sich bei der Gattung Bubalus in der That niedergedrückte 
Hörner mit ähnlichem Querschnitt, namentlich dem afrikanischen 
Bubalus caffer und dem indischen Bubalus Ami. Auch die 
durch die Anwesenheit der Höcker und Runzeln auf dem 



*) Denn die von Pallas (Nova Comm. Petrop. XVII. pag. oOl ff.) 
gleichfalls aus Sibirien beschriebenen Schädel des Moschusochsen oder 
einer diesem ganz nahe stehenden Art können nicht gemeint sein , da 
'f., Baer ausdrücklich erklärt, dass das Danziger Horn von einem solchen 
des Moschusochsen durchaus verschieden sei („A bove moschato toto 
coelo diversum"). 

**) Rech, ossem. foss Ed. 4. Tom. VI. pag. 289 ff. pl. 173. f. 4. 
***) Ueber fossile Reste von Ochsen u. s. w. in Act. Acad. Loop. 
Vol. XVII. pag. 139. 



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erhaltenen Theile der Stirnfläche der Danziger Stücke ange- 
deutete Ausbreitung der Hornscheiden an der Basis ist den 
meisten Büffelarteu eigenthüinlich. Allein wesentlich unter- 
scheidend bleibt bei den Büffeln immer die viel grössere 
Länge und allmalige Zuspitzung der Hornzapfen, sowie auch 
deren Krümmung. Wegen der Länge und Krümmung des 
Horuzapfeus gelingt es meistens nur mit Schwierigkeit, die 
Hornscheiden von den letzteren abzuziehen. Immerhin zeigt 
aber die Form der Büffelhörner noch am ersten einige Ver- 
wandtschaft mit derjenigen der Hörner von Danzig, wenn 
auch eine bestimmtere specifische oder auch nur generische 
Uebereinstimmung nicht nachweisbar ist. Der Umstand, dass 
fossile Büffel bisher nicht gekannt sind und die Erwägung, 
dass dieselben als Thiere wärmerer Länder in den deutschen 
Diluvial-Bildungen kaum zu erwarten sind, würde auch einen 
wesentlichen Einwand gegen die Zugehörigkeit zu dieser Gat- 
tung nicht begründen, wenn sonst die fraglichen Hörner eine 
nähere Uebereinstimmung der Merkmale mit denjenigen einer 
bekannten Büffelart zeigten.*) 

Wenn demnach die Hörner von Danzig einem neuen 
Thiere der Diluvial-Fauna angehören, so wird für dasselbe 
vorläufig — bis etwa durch weitere Funde eine andere ge- 
nerische Bestimmung ermittelt wird — die v. BAEEt'sche Be- 
nennung Bos Pallasii beizubehalten sein. Denn die Art ist 
doch durch j. Baer zunächst für das Horn von Danzig er- 
richtet und die durch Pallas beschriebenen Schädel , welche 
zum Bos priscus oder einer diesem nahe verwandten Art ge- 
hören , sind nur in irrthümlicher Deutung der Pallas 1 sehen 
Abbildungen zu derselben Art hinzugezogen worden. Bei der 
Beibehaltung des PALLAs'schen Namens wird freilich vor der 
Verwechslung mit Bos Pallasii Dekay (Annais of the Lyceum 
of nat. hist. of New-York Vol. II. pag. 280 t. 6.), welcher 
zunächst für die von Pallas und Ozeretkowsky aus Sibirien 



*) Bei einer flüchtigen Betrachtung der Danziger Hörner im Herbst 
1874 sprach Staatsrath J. F. Brandt die Vermuthung aus, dass dieselbeu 
vielleicht einer der noch lebenden Arten von Wildschafen angehören 
könnten. Angeregt durch diese Bemerkung des ausgezeichneten Kenners 
fossiler und lebender Wirbelthiere habe ich Vergleichungen in dieser 
Richtung vorgenommen, aber an dem mir zugänglichen Material jene 
Vermuthung nicht näher begründen können. 



437 



beschriebenen Schädel des Ovibos moschatus oder einer ganz 
nahe verwandten Art gegründet ist*), ausdrücklich zu war- 
nen sein. 

In jedem Falle liegen in den beiden Hörnern von Danzig 
die Ueberreste eines sonst nicht weiter beobachteten Wieder- 
käuers der norddeutschen Diluvial-Fauna vor , welcher durch 
die niedergedrückte, im Querschnitt fast rechtwinklige und am 
Ende stumpf zugerundete Form, sowie die gerade und recht- 
winklig vom Schädel abstehende Richtung der knöchernen 
Hornzapfen ausgezeichnet ist. Wenn andere Reste dieses 
grossen Thieres bisher nirgends beobachtet wurden, so weiset 
das auf eine gewisse Seltenheit während der Diluvialzeit hin. 
Der Umstand, dass sich bei Danzig allein zwei nicht dem- 
selben Individuum angehörende Hörner gefunden haben, lässt 
auf eine verhältnissmässig grössere Häufigkeit des Thieres in 
dieser Gegend schliessen und begründet wohl die Vermuthung, 
dass vorzugsweise das nordöstliche Deutschland seinen Wohn- 
sitz gebildet habe. Es ist sehr zu wünschen, dass weitere 
Funde, welche namentlich in der Provinz Preussen zu erwarten 
sein würden, die bisher auf so unbedeutenden Resten beru- 
hende Kenntniss des Thieres vervollständigen möchten. 



Nachdem das Vorstehende bereits vor einigen Wochen 
zum Druck eingeschickt war, erhielt ich von Herrn Professor 
Dr. Rütimeyer brieflich die nachstehenden Bemerkungen über 
den hier in Rede stehenden Wiederkäuer. Obgleich dieselben 
im Allgemeinen die von mir angenommene Zugehörigkeit der 
unter Vorstehendem beschriebenen Hornzapfen zu einem Thiere 
aus der Gruppe der Büffel bestätigen, so ist diese Ansicht 



*) Vergl. Annais of the Lyceum nat. hist. New -York Vol. II. 1S28 
pag. 291 : „Under the name of ßos Pallasii we would propose to de- 
signate the species to which we refer the fossil crania of Pallas and 
Ozeretkowsky , and provisionally , the specimen from the banks of the 
Mississippi , which has given rise to the preceding remarks." Das letz- 
tere Exemplar gehört zu Bootherium. Uebrigens würde auch sonst durch 
die Priorität der Veröffentlichung die Bedeutung des v. BAER'schen Na- 
mens (1823) vor der DEKA\'schen x 1828) den Vorzug haben. 
Zeits. d. D. geol. Ges. XXVII. 2. 29 



438 



durch den vorzüglichsten Kenner fossiler Wiederkäuer doch 
sehr viel vollkommener, als es von mir geschehen konnte, 
begründet worden. Uebrigens gelangen diese Bemerkungen 
erst nachträglich hier zum Abdruck, weil eine an Herrn Prof. 
Rütimeyer in Betreff der Hörner gerichtete Anfrage in Folge 
seiner mehrwöchentlichen Abwesenheit von Basel längere Zeit 
unbeantwortet blieb, und inzwischen der vorliegende Aufsatz 
von mir verfasst und zum Druck eingesendet wurde. Zum 
Verständniss der nachstehenden Bemerkungen des Herrn Prof. 
Rütimeyer ist endlich noch beizufügen, dass ihm nur das 
eine der beiden Hörner und zwar das besser erhaltene, später 
gefundene, von mir zur Untersuchung mitgetheilt worden war. 

Basel, den 11. Juni. 

„Das eingesendete Original hat gleich beim ersten An- 
,, blick über folgende Punkte sicheren Aufschluss gegeben : 

,,1. dass das Horn einem schon ziemlich ausgewachsenen 
,,Thiere angehörte ; 

„2. dass es ziemlich vollständig erhalten ist, so dass 
„nur eine kurze stumpfe Spitze noch hinzuzudenken ist. Die 
„Faserung der Knochen - Substanz , die sich plötzlich aus der 
„erst longitudinalen Richtung nach der Kante wendet, um da 
„in einer schwammähnlichen porösen Oberfläche zu enden, 
„zeigt, dass der Hornzapfen fast bis zur Spitze erhalten ist; 

„3. dass das Horn ein linksseitiges ist, indem diese po- 
„röse Kante nur vorn liegen kann ; 

„4. dass das Horn nur einem Gliede der Bubalina zuzu- 
weisen ist, wo nicht nur diese specielle Textur des Horn- 
Zapfens , sondern auch Hörner mit vorn abgeplatteter Kante 
„ausschliesslich vorkommen. Ovibos- oder Zebu- Formen mit 
„flachen Hörnern sind mit aller Sicherheit ausgeschlossen; 

„5. dass das Horn ziemlich horizontal und nahezu im 
„rechten Winkel mit der Schädelachse vom Schädel ausging. 
„Dadurch , wie auch durch die Form des Horns an sich , sind 
„von der Vergleichung sowohl alle afrikanischen, wie auch 
„die miocänen asiatischen mit Einschluss ihrer in Celebes 
„noch lebenden Ueberreste ausgeschlossen. 

„Es kann sich also nur um die Vergleichung mit dem 
„heute dominirenden asiatisch - europäischen Typus handeln. 
„Innerhalb desselben fällt nun von vorn herein der gewöhn- 



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,, liehe Indische Büffel fort, da dessen Stirn durchweg stärker 
,, gewölbt ist, als an dem Danziger Stücke. Auch die Sunda- 
,,Form desselben (Bubalus Sundaicus Salom. Müller), wo die 
„Stirn bei alten Thieren sehr flach ist, wird ausser Betracht 
„fallen , da bei diesem Thiere die Hörne